Podcasts by Category

5 Minus

5 Minus

Dr. Laura Dalhaus

5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel. Das Gesundheitssystem kollabiert und das hat Konsequenzen. Darüber spreche ich mit Menschen, um Ideen und Lösungswege zu entwickeln. Denn Politik hat leider in den letzten 20 Jahren bewiesen, dass sie es aus unterschiedlichen Gründen nicht kann. Wir starten einen Versuch. https://linktr.ee/LauraDalhaus

91 - Apotheke oder Hausarztpraxis: Wer übernimmt was? | Leon Preschel
0:00 / 0:00
1x
  • 91 - Apotheke oder Hausarztpraxis: Wer übernimmt was? | Leon Preschel

    Eine Berufsgruppe hat bei „5 Minus“ bislang komplett gefehlt: Apotheker:innen. Nachdem Laura Dalhaus' Aussage zum Impfen in Apotheken ordentlich Diskussionsstoff geliefert hat, ist diesmal Leon Preschel zu Gast – Apotheker und damit direkt mittendrin in einer Versorgung, die politisch immer weiter umgebaut wird.

    Sein Urteil zur Gesundheitspolitik fällt in vielen Punkten negativ aus. Bei der Apothekenreform und der Erweiterung der Kompetenzen sieht er allerdings auch Chancen.

    Los geht es mit einem Thema, das schon vorher für Reibung gesorgt hat: Impfen in Apotheken. Laura erklärt, wie Impfungen in Hausarztpraxen vergütet werden und warum Regresse dabei weiterhin ein reales Risiko sind.

    Dabei wäre das Ziel eigentlich simpel: Die Impfquote soll steigen.

    Danach geht es um POC, also Point of Care-Diagnostik. Apotheker:innen sollen damit Werte wie Vitamin D oder B12 unkompliziert bestimmen können. Leon beschreibt, dass Patient:innen teilweise schon daran scheitern, überhaupt Ärzt:innen zu finden. Apotheken könnten deshalb einen Teil dieser Versorgungslücke auffangen.

    Aber Versorgung funktioniert nicht im Alleingang. Deshalb sprechen die beiden auch über die Zusammenarbeit zwischen Apotheken und Praxen. Leon wünscht sich dafür einen funktionierenden technischen Kommunikationsweg.

    Außerdem erklärt er, was bei einer Medikationsanalyse passiert. Denn in der Realität läuft es eben nicht immer sauber zusammen: Ein:e Fachärzt:in empfiehlt das eine Medikament, ein:e andere:r das nächste – und am Ende passen die Präparate womöglich gar nicht zusammen.

    Auch bei Originalpräparaten und Generika steckt einiges an Sprengstoff drin, vor allem finanziell. Leon spricht außerdem über Import-Arzneimittel und die Unterschiede zu hier vertriebenen Arzneimitteln. Wirkungen und Nebenwirkungen können sich unterscheiden. Deshalb schaut er genau auf die einzelnen Patient:innen und mögliche Wechselwirkungen.

    Und dann geht es an ein größeres Thema: Wie blickt ein Pharmazeut eigentlich auf die Pharmaindustrie? Und was ist von Tino Sorges Aussage zu halten, die Gesundheitsversorgung sei für den Pharmastandort Deutschland verantwortlich?

    Leon trennt hier klar zwischen forschenden Pharmaunternehmen und Generika-Herstellern. Für ihn ist entscheidend, dass Produktionsstätten für Medikamente in Europa bleiben und nicht weiter nach Asien und in andere Regionen ausgelagert werden.

    Laura bringt anschließend das Dispensierrecht auf den Tisch, besonders mit Blick auf den Notdienst. Die Situation kennt sie aus der eigenen Praxis: Sie fährt im Notdienst zu einer Person, verschreibt ein Medikament – und danach darf die Person erst einmal herausfinden, wo überhaupt eine Notapotheke geöffnet hat.

    Leon hat Ideen für eine andere Organisation des Apotheken-Notdienstes. Das Dispensierrecht selbst sieht er jedoch kritisch.

    Laura macht deutlich: Gerade in kritischen und akuten Situationen braucht es die Zusammenarbeit von Apotheken und Praxen vor Ort. Genau dann zählt nicht irgendeine Versandstruktur, sondern eine funktionierende Versorgung direkt vor Ort.

    Auch Leon sieht insbesondere ausländische Versandapotheken kritisch. Für ihn sind sie eher Logistikunternehmen als echte Versorgungsstrukturen.

    Und am Ende bleibt ein Punkt, der sich nicht schönreden lässt: Die Politik darf die Rahmenbedingungen dieser Berufe nicht weiter kaputtmachen. Fachkräftemangel gibt es längst, Apotheken verschwinden und immer weniger Menschen ziehen Medizin überhaupt noch als Beruf in Betracht.

    Leon auf Instagram und TikTok: @leon.pharmazie

    Leon’s Onlineshop: www.leon-pharmazie.shop

    Foto von Leon: Wort & Bild Verlag / Andreas Müller

    Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus

    Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

    Wed, 09 Sep 2026 - 1h 19min
  • 90 - Gynäkologie in 2027: Wie sieht die Versorgung aus? | Esther Scherrenbacher

    Die ambulante Versorgung steht massiv unter Druck – und das betrifft auch die Gynäkologie. Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Dr. Esther Scherrenbacher.

    Für Esther ist derzeit völlig offen, wie viele Schwangere sie 2027 noch in ihrer Praxis betreuen kann. Grund dafür sind die Auswirkungen des GKV-Spargesetzes. Als Gynäkologin macht sie diese Unsicherheit betroffen, denn bislang war es selbstverständlich, Schwangere zuverlässig versorgen zu können.

    Laura kritisiert außerdem einen Widerspruch im System: Krankenkassen erinnern Patient:innen an Präventionsangebote – teilweise sogar dann, wenn diese Untersuchungen gerade erst stattgefunden haben. Hintergrund ist, dass die Kassen verpflichtet sind, bestimmte Mittel für Prävention einzusetzen. Gleichzeitig werden jedoch Leistungen wie die gynäkologische Krebsvorsorge und die Betreuung von Schwangeren budgetiert.

    Eine klassische Warteliste führt Esther inzwischen nicht mehr. Der organisatorische Aufwand dafür war für ihre MFAs schlicht zu groß. Stattdessen arbeitet sie erfolgreich mit kurzfristig verfügbaren Last-Minute-Terminen. Ihre offene Sprechstunde wird sie mit Blick auf 2027 allerdings neu strukturieren müssen.

    Auch Laura hat in ihrer Praxis bereits verschiedene Konsequenzstufen eingeführt. Viele Leistungen aus ihren Zusatzqualifikationen hat sie bisher ohne zusätzliche Berechnung angeboten. Im kommenden Jahr wird das so voraussichtlich nicht mehr möglich sein. Leistungen aus Bereichen wie Sportmedizin, manueller Therapie oder Ernährungsmedizin wird sie dann häufiger als IGEL-Leistungen abrechnen müssen.

    Zusätzlich kompliziert wird die Situation dadurch, dass ein und dieselbe Leistung nicht einmal gesetzlich und ein anderes Mal privat abgerechnet werden darf. Berufsrechtlich ist genau das untersagt.

    Auch bei der Mammographie zeigt sich für die beiden Ärztinnen ein Widerspruch: Die Leistung wurde budgetiert, während gleichzeitig der Kreis der Patientinnen erweitert wurde, die einen Anspruch darauf haben.

    Esther stammt selbst aus einer Familie von Gynäkologen und ist mit großer Leidenschaft Ärztin. Trotzdem sorgen die aktuellen Rahmenbedingungen bei ihr zunehmend für Unruhe.

    Ein weiteres Thema sind mögliche Regresse. So kann Esther beispielsweise in der Schwangerschaft nicht ohne Weiteres eine TSH-Bestimmung durchführen, obwohl diese Untersuchung die Versorgung in bestimmten Situationen deutlich vereinfachen könnte.

    Laura macht deutlich, dass ein funktionierendes Gesundheitssystem auch eine demokratische Bedeutung hat. Gerade angesichts der aktuellen politischen Lage ist es besonders wichtig, eine stabile und verlässliche Gesundheitsversorgung zu sichern.

    Umso wichtiger ist für beide Ärztinnen der Austausch mit Kolleg:innen. Laura beobachtet inzwischen eine Art zunehmenden Widerstand innerhalb der Ärzteschaft gegenüber politischen Entscheidungen. Die Möglichkeiten, darauf aufmerksam zu machen, sind allerdings begrenzt – streiken dürfen Ärzt beispielsweise nicht ohne Weiteres.

    Viele Patient wissen bislang kaum, welche Veränderungen 2027 auf sie zukommen könnten. Entsprechend groß dürfte bei einigen die Überraschung sein, wenn bestimmte Angebote künftig nicht mehr im bisherigen Umfang verfügbar sind.

    Von Herrn Linnemann wünscht sich Esther vor allem eine Entbudgetierung der ambulanten Versorgung. Hinzu kommen für sie der dringend notwendige Abbau von Bürokratie, eine konsequentere Digitalisierung und mehr Wertschätzung für die Arbeit der niedergelassenen Ärzt:innen seitens der Politik.

    Laura kritisiert, dass die Bedeutung der ambulanten Ärzteschaft für das Funktionieren des gesamten staatlichen Systems politisch offenbar unterschätzt werde. Viele Aufgaben und Bescheinigungen, die heute in den Praxen erledigt werden, könnten nicht einfach auf den stationären Bereich übertragen werden – insbesondere dann nicht, wenn dort zusätzlich umfangreiche Papierstapel bearbeitet werden müssten.

    Zum Abschluss geht es außerdem um § 218. Beim Deutschen Ärztetag 2025 hat sich Laura intensiv dafür eingesetzt, dass sich die Ärzteschaft geschlossen gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen positioniert. Eine einheitliche Haltung innerhalb der Gynäkologie nimmt sie in dieser Frage bislang jedoch nicht wahr.

    Zum Instagram-Profil von Esther: https://www.instagram.com/dr.scherrenbacher


    Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus

    Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

    Wed, 02 Sep 2026 - 1h 00min
  • 89 - Wir bürokratisieren die Pflege kaputt | Christine Vogler

    Wir alle werden älter – und damit wächst auch die Zahl der Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Ohne Pflege wird das nicht funktionieren. Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Christine Vogler, Vorsitzende des Deutschen Pflegerats.

    In Deutschland kommen 1,7 Millionen Pflegende auf 6 Millionen Pflegebedürftige allein in der ambulanten Versorgung. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird der Bedarf in den kommenden fünf bis zehn Jahren massiv steigen.

    Damit nähert sich das System einem Kipppunkt: Wie lange können wir die notwendige Versorgung unter den aktuellen Bedingungen überhaupt noch finanzieren und sicherstellen?


    Ein großer Teil des Problems ist die Bürokratie. Zwischen 20 und 30 Prozent der Arbeitszeit entfallen auf Dokumentation. Gleichzeitig sorgen zahlreiche Prüfmechanismen dafür, dass nahezu jeder Schritt nachgewiesen werden muss.


    Der Deutsche Pflegerat setzt sich deshalb dafür ein, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern, statt die Belastungen weiter zu erhöhen.


    Laura erlebt die Auswirkungen der Bürokratie regelmäßig im Altenheim. Besonders der Medizinische Dienst bringt sie auf die Palme, wenn für jede mögliche Eventualität eine zusätzliche schriftliche Anordnung verlangt wird.


    Für Christine beginnt der Irrsinn bereits bei den unterschiedlichen Zuständigkeiten und Finanzierungssystemen. Ein Toilettenstuhl wird beispielsweise mal von der Pflegekasse und mal von der Krankenkasse bezahlt – abhängig von der jeweiligen Situation der pflegebedürftigen Person.


    Durch das neue GKV-Stabilisierungsgesetz wurde zudem ein großer Teil dessen zunichte gemacht, was zuvor auf politischer Ebene durch die Deutsche Krankenhausgesellschaft und verdi erarbeitet worden war.


    Laura sieht noch ein weiteres strukturelles Problem: Health Care Professionals bringen häufig ein besonders ausgeprägtes Verantwortungsgefühl mit. Die Kolleg:innen im Stich zu lassen, kommt für viele schlicht nicht infrage – selbst wenn die eigene Belastungsgrenze längst erreicht ist.


    Gleichzeitig unterscheidet sich die Pflege in Deutschland deutlich von anderen Ländern, in denen sie als Studium organisiert ist. Die Pflegeausbildung ist hochkomplex und umfasst zahlreiche Bereiche – von Gyn über Kinder und Psychiatrie bis hin zur Altenpflege.


    Für Laura ist deshalb völlig unverständlich, warum diese gut ausgebildeten Fachkräfte nicht deutlich mehr Verantwortung übernehmen dürfen. Eine Pflegeverordnung kann eine erfahrene Pflegekraft in vielen Fällen besser beurteilen als ein:e Ärzt:in. Auch Christine sieht großes Potenzial in der interprofessionellen Zusammenarbeit: Jeder Beruf sollte seine tatsächlichen Kompetenzbereiche auch ausleben dürfen.


    Die beiden sprechen außerdem darüber, dass identische oder vergleichbare Leistungen unterschiedlich vergütet werden – abhängig davon, wer sie erbringt. Ein Beispiel ist das Impfen, das in der Hausarztpraxis budgetiert ist. Gleichzeitig macht Laura die Vorstellung wütend, dass das Gesundheitssystem auch noch Verantwortung für den Pharmastandort Deutschland übernehmen soll. Währenddessen müssen Pflegekräfte dokumentieren, ob sie einer pflegebedürftigen Person die Haare gekämmt haben. Wie soll das zusammenpassen?


    Auch bei medizinischen Tätigkeiten gibt es Grenzen, die Laura und Christine hinterfragen. Aufgaben wie Drainagen, Blut abnehmen oder Zugänge legen könnten teilweise von Pflegekräften übernommen werden, dürfen aber nur von Ärzt:innen durchgeführt werden. Statt Versorgung zu erleichtern, stehen solche Strukturen einer guten Patientenversorgung mitunter sogar im Weg.


    Doch wie sieht es auf politischer Ebene aus?


    Christine arbeitet als Präsidentin des Deutschen Pflegerats ehrenamtlich. In Deutschland gibt es lediglich zwei Kammern, auf Bundesebene fehlt es jedoch an einer klaren Aufgabenübertragung an die Pflege. Auch zentrale Stellen oder eine Pflegeberichterstattung existieren nicht. Für eine vernünftige Planung der Gesundheitsversorgung ist das aus ihrer Sicht eine Katastrophe.


    Hinzu kommt die aktuelle Diskussion um Kürzungen bei den Pflegegraden. Auch soziale Ungerechtigkeiten werden dadurch verschärft, dass keine Rentenpunkte mehr gesammelt werden sollen, wenn Menschen ihre Angehörigen pflegen.


    Laura würde sich stattdessen ein deutlich einfacheres Prinzip wünschen: Behandelt werden sollte das, was tatsächlich behandelt werden muss.


    Ein Kernproblem bleibt für sie der Medizinische Dienst und die damit verbundene Bürokratie. Das Misstrauen gegenüber Health Care Professionals ist enorm, während bestehende Verwaltungsstrukturen behandelt werden, als wären sie „gottgegeben“. Ähnliches erlebt sie bei den Krankenkassen: Statt Versorgung einfacher zu machen, wird nach Fehlern bei Ärzt:innen gesucht, um Leistungen am Ende nicht bezahlen zu müssen.



    Zur Website vom Deutschen Pflegerat: https://deutscher-pflegerat.de/


    Zum Deutschen Pflegerat auf Instagram: https://www.instagram.com/deutscher_pflegerat/




    Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus

    Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

    Wed, 26 Aug 2026 - 1h 04min
  • 88 - Sind Frauen die besseren Chirurg:innen? | Die Chirurginnen e.v. - Gaby Sbrisny & Paula Beck

    Die Chirurgie liegt Dr. Laura Dalhaus besonders am Herzen. Umso mehr freut sie sich, in dieser Folge von "5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel" gleich zwei Chirurginnen zu Gast zu haben: Gaby Sbrisny, niedergelassene Allgemeinchirurgin und Gefäßchirurgin, und Paula Beck, Traumatologin und Allgemeinchirurgin vom Verein „Die Chirurginnen“.

    Paula macht deutlich, dass es in der Chirurgie lange dauert, bis man wirklich selbstständig arbeiten kann. Gerade am Anfang ist es entscheidend, erfahrene Kolleg:innen an der Seite zu haben, die einen anleiten und unterstützen.

    Eigentlich müsste die Ausbildung deshalb von Beginn an fest in den Klinikalltag integriert sein. In der deutschen Gesundheitsversorgung läuft Aus- und Weiterbildung jedoch häufig eher nebenher und wird irgendwie zusätzlich zum normalen Betrieb mitgemacht.

    Dass es anders gehen kann, zeigt die Schweiz: Dort erhalten Krankenhäuser Geld für Weiterbildungsassistent:innen und Ausbildungszeit wird innerhalb der regulären Arbeitszeit ermöglicht.

    Auch Gaby sieht deutliche Lücken in der chirurgischen Ausbildung. Gerade die vermeintlich „popelige“ Chirurgie wird im Krankenhaus häufig kaum noch vermittelt – beispielsweise die Behandlung von Lipomen oder eingewachsenen Zehennägeln.

    Laura beobachtet mit Sorge, dass dadurch echte ärztliche Kunst zunehmend verloren geht, während Checklisten-Medizin immer stärker in den Vordergrund rückt.

    Aus ihrer eigenen Zeit in der Chirurgie kennt Laura auch die Selbstzweifel, wenn ein Eingriff nicht so läuft wie geplant. Für Paula gehört genau diese Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln zum Beruf. Komplikationen lassen sich nicht vollständig verhindern – entscheidend ist, wie man damit umgeht. Wer sich irgendwann gar keine Gedanken mehr darüber macht, sollte ihrer Meinung nach überlegen, ob die Chirurgie noch der richtige Beruf ist.

    Laura bringt außerdem eine Studie ins Gespräch, nach der Frauen in der Chirurgie bessere Ergebnisse erzielen als Männer. Gemeinsam diskutieren die drei darüber, welche Rolle das Geschlecht tatsächlich spielt.

    Ein Faktor könnte die Kommunikation sein: So zeigen sich bessere Ergebnisse, wenn Frauen von Frauen operiert werden.

    Gleichzeitig gibt es weiterhin Se*ismus-Vorwürfe und Berichte darüber, dass berufliche Karrieren von Frauen aktiv behindert werden. Paula beobachtet darüber hinaus Unterschiede in der Art und Weise, wie gearbeitet wird.

    Genau deshalb ist der Verein „Die Chirurginnen“ so wichtig. Er schafft Vorbilder und zeigt jungen Frauen, welche unterschiedlichen Karrierewege ihnen innerhalb der Chirurgie offenstehen.

    Denn auch die Chirurgie kämpft längst mit einem Nachwuchsproblem – genau wie viele andere medizinische Fachrichtungen.

    In der Berufspolitik ist inzwischen angekommen, wie wichtig es ist, junge Ärzt:innen frühzeitig einzubinden. Laura erlebt allerdings immer wieder, dass sich PJler nach einem Tertial in der Chirurgie bewusst gegen das Fach entscheiden.

    Eine weitere Herausforderung ist die enorme Menge an praktischer Erfahrung, die notwendig ist, um eine gute Chirurgin oder ein guter Chirurg zu werden. Laura selbst hat immer gerne und viel gearbeitet. Die erforderlichen Stunden im OP vergleicht sie mit einem hochkomplexen Sport oder dem Erlernen eines Instruments: Eine halbe Stunde Training pro Woche reicht schlicht nicht aus, um wirklich gut zu werden.

    Genau darin liegt jedoch auch ein großes Problem. Die notwendige Arbeitsbelastung und der hohe Anspruch führen gleichzeitig dazu, dass viele Menschen ausbrennen.

    Zum Abschluss richten Laura, Gaby und Paula den Blick auf die Gesundheitspolitik. Die drei diskutieren über den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann und darüber, welche Wünsche und Erwartungen sie als Ärztinnen an ihn haben.

    Zum Verein: https://chirurginnen.com/

    Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus

    Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

    Wed, 19 Aug 2026 - 1h 02min
  • 87 - Ansprache an Herrn Linnemann: Das braucht die Medizin jetzt von der Politik!

    Plötzlich gibt es einen neuen Gesundheitsminister – und der sagt selbst, dass er sich für die Aufgabe noch nicht ausreichend vorbereitet fühlt und mehr Zeit zur Einarbeitung braucht.

    Dr. Laura Dalhaus nimmt ihn beim Wort und liefert direkt ein paar Gedankenanstöße.

    Diese Folge richtet sich deshalb ganz konkret an Herrn Linnemann: mit Aufgaben, To Dos und einigen Pitfalls, die er in der Gesundheitspolitik besser auf dem Schirm haben sollte.

    Laura startet mit einem Artikel von Prof. Dr. Jürgen Windeler über die Erkenntnisse des GKV-Spitzenverbands zur datengestützten Erkennung individueller Gesundheitsrisiken. Das Ergebnis ist eher ernüchternd: Den dazu verschickten Brief haben gerade einmal 10% der Angeschriebenen gelesen.


    Zum GeDIG hat Laura bereits eine eigene Folge gemacht. Jetzt geht es unter anderem um die Techniker Krankenkasse und Jens Baas. Laura sieht hier eine Entwicklung weg von der patientenzentrierten medizinischen Versorgung hin zu einer verwaltungszentrierten medizinischen Versorgung.


    Im Raum steht eine verpflichtende digitale Ersteinschätzung durch die Krankenkassen. Für Laura ist die Grenze klar: An dieser Stelle haben Krankenkassen nichts zu suchen.


    Damit landet sie direkt beim Primärarztsystem. Dazu gibt es eindeutige Positionen vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband, der Bundesärztekammer und der AOK. Vergleichbare Systeme kennen wir aus anderen Ländern und aus der HZV. Die Steuerung der medizinischen Versorgung ist für Laura aber keine Aufgabe der Krankenkassen.


    Auch die DEGAM hat eine klare Position formuliert: Eine Vergütungsreform ist Voraussetzung für eine Strukturreform.


    Warum das entscheidend ist, zeigt Laura am Mammografie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen zwischen 50 und 75 Jahren. Dieses soll wieder ins Budget zurückgeführt und damit nicht mehr extra-budgetär vergütet werden. Dadurch wird die Zahl der möglichen Untersuchungen begrenzt – während gleichzeitig die Altersgruppe ausgeweitet wird.


    Deshalb Lauras nächste Aufgabe für Herrn Linnemann: Bitte einmal genau die Abrechnungssystematik des EBM erklären lassen!


    Wie unmittelbar gesundheitspolitische Entscheidungen die Versorgung treffen, zeigt sich längst vor Ort. Im Kreis Herford fordert ein SPD-Politiker die Rückkehr des kinderärztlichen Notdiensts, weil die aktuelle Situation zulasten der Familien geht. Für Laura ist klar: Gesundheitspolitik hat Konsequenzen – und Herford ist kein Einzelfall.


    In Kreuztal gibt es keine Gynäkolog:innen mehr. Gleichzeitig wird die gynäkologische Abteilung in Schwalmstedt geschlossen, weil sie sich wirtschaftlich nicht mehr rentiert.


    Dann wäre da noch ein weiterer mächtiger Player: die Pharma-Branche. Sie erhöht den Druck und droht damit, bei zunehmendem Preisdruck den Standort zu verlassen.


    Auch bei den Psychotherapeut:innen eskaliert der Konflikt. Sie rechnen mit der TK ab und wandern ab. In einem offenen Brief werfen sie der Krankenkasse vor, den direkten Zugang zur Psychotherapie verhindern zu wollen.


    Lauras Fazit fällt entsprechend deutlich aus: Wir haben eine Gesellschaft, die immer älter wird und gleichzeitig mit mehr Krankheiten lebt. Prävention wird massiv ausgebremst und selbst der Return on Invest der Psychotherapie von 3,80 Euro findet politisch kaum Beachtung.


    Gleichzeitig wachsen die Existenzsorgen in der Ärzteschaft. Immer mehr Ärzt:innen denken über Alternativen zur bisherigen Versorgung nach. Fachgruppenübergreifend wird eine Reduktion der Kassensprechstunde auf 25 Stunden vorbereitet. Für Laura führt dieser Weg langfristig in Richtung eines amerikanischen Gesundheitssystems.


    Zum Schluss wünscht sie Herrn Linnemann gutes Gelingen. Ihre Hoffnung: weniger theoretische Konstrukte, mehr „einfach mal machen“ – und vor allem endlich den Stimmen derjenigen zuhören, die jeden Tag die Versorgung sicherstellen.




    Folg Laura auch hier:

    LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/

    Instagram: https://www.instagram.com/lauradalhaus/

    TikTok: https://www.tiktok.com/@laura.dalhaus

    Mehr über Laura: https://linktr.ee/lauradalhaus

    Unterstütz die Mission: https://www.paypal.com/paypalme/podcast5minus

    oder

    https://buymeacoffee.com/lauradalhaus

    Zum Shop von Laura: https://lauradalhaus-shop.de/

    Wed, 12 Aug 2026 - 26min
Show More Episodes