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Pension Alcatraz

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Dietmar Wischmeyer und Tina Voß

Pension Alcatraz Wir (Tina Voß und Dietmar Wischmeyer) möchten mit unserem vierzehntägigen Podcast unsere Hörer auf eine Weise unterhalten, die sie woanders selten finden: anarchisch und zur Not auch mal intelligent - muß aber nicht sein. Unsere Themen gehen quer durch die Gesellschaft, von Freizeitvergnügen bis Philosophie, von oben bis unten - ja auch „untenrum“ scheuen wir nicht, jedes kalte Eisen noch mal aufzuwärmen. Unser besonders Anliegen ist es, alle Hörer jederzeit über den Pegelstand der Harzer Talsperren zu informieren. Partnerstädte des Podcasts sind Salzgitter, Salzderhelden, Svalbard und Jan Mayen. Sollte sich dort etwas Interessantes tun, seid ihr die ersten, die davon erfahren. Da dies meist nicht der Fall ist, reden wir über uns selbst, alle anderen, was gerade so anliegt oder auf dem Teller. Sowohl Tina als auch Herr Wischmeyer sind unbarmherzige Anhänger des maskulinen Feminismus und der ovovegetabilen Küche mit leicht canivorischen Einschlägen, auch darüber lassen wir die Hörer nicht im Unklaren. Wer zudem noch ungefragt darüber informiert werden möchte, was die Gnus in der Serengeti so treiben, wenn der Löwe seine Elternzeit nimmt oder warum Dampfloks mit Speisewasservorwärmer sich nicht durchsetzen konnten, ja der ist bei uns auch richtig – und noch besser, er wird davon kaum noch belästigt, weil wir das in unserem Vorgängerpodcast „Wischmeyers Stundenhotel“ schon bis kurz vorm Kuchen-Erbrechen sieben lange Jahre diskutiert haben. Hat das euer Interesse geweckt, dann laden wir euch ein, jeden ersten und dritten Sonntag im Monat unsere Gäste zu sein: Pension Alcatraz – wir halten dich fest.

18 - #17 - Deutsch von außen
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  • 18 - #17 - Deutsch von außen

    Die erste Live-Folge der Pension Alcatraz, aufgezeichnet am Tag der Deutschen Einheit im Glückaufsaal zu Clausthal-Zellerfeld, also in jenem Ort, von dem bis heute viele glauben, Tina Voß und Dietmar Wischmeyer hätten ihn sich ausgedacht. Weil das Datum nun einmal verpflichtet, geht es ums Deutschsein, allerdings nicht aus der Innenansicht, sondern von außen: Was finden eigentlich alle anderen so merkwürdig an uns? Die Antwort reicht vom Drehkippfenster über den tragbaren Kuchenträger bis zu 50.000 Japanern, die jedes Silvester auf Deutsch Beethoven singen.

    Die Themen dieser Episode im Überblick:

    Warum Clausthal und nicht Bremen: Der Tag der Deutschen Einheit findet dieses Jahr in Bremen statt, was die beiden nicht wussten, sonst hätte man Bremen hier eingeladen. Es folgt eine Würdigung der Hansestadt, die laut Dietmar über starke Schultern, den größten Schuldenberg und einen sehr ausgeglichenen Bildungsstandard verfügt. Clausthal hingegen hat keine Drogenszene am Bahnhof, schon mangels Bahnhof, und lässt sein Bier anderswo brauen, damit es nicht so protzig aussieht.

    Zwei Shirts zu viel: Das Clausthal-Zellerfeld-Shirt in englischer Lautumschrift gibt es exklusiv vor Ort, allerdings sitzen im Publikum zwei Gäste, die sich ihres selbst gebastelt haben. Dietmar fällt das Urteil milde aus: Der Ort habe sich schließlich auch so genannt, ohne jemals etwas dafür zu bezahlen.

    Was Ausländer nicht verstehen: Eine Million Menschen in der freiwilligen Feuerwehr, die dafür kein Geld nehmen. Ein Jahr Büffeln für den Jagdschein, das sogenannte grüne Abitur, während man anderswo einfach in den Laden geht. Die Sonntagsruhe, inklusive der ungeklärten Frage, wie das eigentlich im Vatikan gehandhabt wird. Und der Schrebergarten, also die deutsche Eigenart, den Garten zehn Kilometer vom Haus entfernt zu haben, samt der Erklärung, warum die Eisenbahn des 19. Jahrhunderts daran schuld ist.

    Die Paketkarte um den Hals: Dietmar wurde mit sechs Jahren von seinen Eltern im Hauptbahnhof Osnabrück auf den Bahnsteig gestellt, mit einem Schild um den Hals, auf dem das Reiseziel stand. Umsteigen in Bremen und Stade, es war die erste Eisenbahn, die er in seinem Leben überhaupt gesehen hatte. Fremde Erwachsene kümmerten sich damals wie selbstverständlich. Auf die Frage, ob das etwas mit ihm gemacht habe, folgt die kürzestmögliche Antwort.

    Monaco di Baviera und Franco Furuto: Deutsche Städte heißen im Ausland oft anders, und im Japanischen ist aus Frankfurt schlicht das Wort für Wurst geworden. Dazu Arbeito für den Minijob, Gerende für die Skipiste und Doppelgänger, weil die Japaner dafür kein eigenes Wort brauchten. Außerdem: Hannover ist, rein vom Namen her, die größte Stadt der Welt, mit 22 Vorkommen in den USA, einem Landkreis auf Jamaika und einem Nachbau im chinesischen Freizeitpark.

    Deutsche Produkte, die es nirgends sonst gibt: Der Zollstock, weil alle anderen nur Rollmaßbänder haben und damit nichts steif anhalten können. Das Glas mit Eichstrich, im Gegensatz zum randvollen englischen Pint, das nur von der Oberflächenspannung zusammengehalten wird. Der tragbare Kuchenträger mit Bajonettverschluss. Die Türklinke, die schließfolgegeregelte Doppelflügeltür und, als größter Schrecken des amerikanischen Touristen, das Drehkippfenster, zu dem es drüben ganze Erklärvideos gibt und von dem gelegentlich Bilder existieren, auf denen es mit Gaffaband wieder angeklebt wurde.

    Gibt es überhaupt deutsches Essen? Die Kartoffel kommt aus Südamerika, die Maultasche ist eine explodierte Ravioli, Teigtaschen gibt es in jeder Kultur. Typisch deutsch ist am Ende nur das Tellergericht mit seinen drei Abteilungen, das Tina vor allem aus Altenheim und Krankenhaus kennt. Dazu die meistbestellten Gerichte in Kantine, Kita und Altenheim, die fast ausgestorbene Roulade und die Bregenwurst, deren Namen Tina sich als Kind lieber nicht hätte erklären lassen sollen.

    Die Ode an die Freude kam über ein Gefangenenlager: 1918 brachten japanische Truppen deutsche Gefangene aus der Kolonie Tsingtau nach Japan. Dort gründeten die Deutschen erst einmal einen Männergesangverein und führten Beethovens Neunte auf. Heute ist sie die heimliche zweite Nationalhymne Japans und wird jedes Silvester von 50.000 Menschen auf Deutsch gesungen, wofür sich Familien bewerben müssen und zu Hause am Küchentisch üben.

    Der Wandersmann in den BBC-Charts: 1953 fuhr ein niedersächsischer Kinderchor zu einem Wettbewerb nach Wales, sang auf Deutsch und stand anschließend fünf Wochen auf Platz eins der BBC. In Trinidad und Tobago wird das Lied bis heute im Karneval gesungen. Dietmar hat allerdings eine eigene Lesart des Textes, die das Ganze in ein deutlich martialischeres Licht rückt.

    Das Bandnamen-Rätsel: Tina übersetzt, Dietmar rät. Von den roten scharfen Chilischoten über die Königin der Steinzeit und die arktischen Affen bis zu König Kaumagen und dem Echsenzauberer. An den neun Zoll Nägeln entzündet sich ein längerer Exkurs über die Frage, ob Jesus mit Torx noch rechtzeitig vom Kreuz gekommen wäre.

    Wörter, die alle haben wollen: Kindergarten, Zeitgeist, Angst und Schadenfreude sind längst exportiert, Fremdscham fehlt dem Englischen bis heute. Dazu die Kandidatenliste für den nächsten Schub: Jein, Schnapsidee, Wegbier, Konterbier, Kopfkino, Fernweh und Zugzwang.

    Nach gut einer Stunde Pause, weil heute Rücksicht genommen wird auf all jene im Saal, die mitgebracht wurden und diesen Podcast noch nie gehört haben.

    Sat, 03 Oct 2026
  • 17 - #16 In 80 Minuten bis nach Afrika

    In der sechzehnten Sitzung der Pension Alcatraz nehmen sich Tina Voß und Dietmar Wischmeyer vor, in achtzig Minuten die Welt abzuarbeiten: jedes Land, in dem mindestens einer von beiden war, und dazu die eine Sache, die hängen geblieben ist. Weit kommen sie nicht. Nach Asien und Afrika ist die Zeit herum, der Rest folgt im zweiten Teil. Vorher sind noch ein Cashew-Joghurt, eine insolvente Fähre, ein Klassentreffen nach fünfzig Jahren und ein Besuch der internen Revision zu erledigen. Die Themen dieser Episode im Überblick: • Die Folgennummer und der Satz für alle Fälle: Tina hatte recht, es ist Folge 16, nachdem alle es besser wissen wollten und auf 17 umgeschrieben hatten. Danach der wichtigste Satz, den man laut Dietmar überhaupt kennen muss, wenn eine Exekutivmacht an einen herantritt. Er funktioniert allerdings nur in Rechtsstaaten und nicht als Gesprächseinstieg in der Kfz-Zulassungsstelle. • Talsperren mit eigenem Kanal: Ein Hörer betreibt inzwischen einen eigenen Instagram-Account für die Füllstände. Der Mittelwert liegt bei 46 Prozent, bei 63 sollte er sein. Außerdem stellt sich heraus: Der Fährverkehr an der Okertalsperre wurde nicht wegen des Wasserstands eingestellt, sondern wegen Insolvenz. Und Wischhafen-Glückstadt hat vier Fähren, worüber Dietmar eine eigene Theorie entwickelt. • Cashew-Joghurt und Bügelflaschen: Die Schwarzkohlsuppe wurde vergessen, die Udon-Erdnusspfanne auch, geblieben ist ein Zucchini-Lemon-Cake und ein fermentierter Cashew-Joghurt, den Dietmar für etwas anderes hielt, bevor er ihn probierte. Dazu die Erkenntnis, dass Tinas gesamte Küche aus Cashew, Banane und Kichererbsen besteht. Und die Frage, warum man leere Flaschen bei Kleinanzeigen kauft, statt einfach eine Kiste Bier auszutrinken. • Live-Termine und 200.000 Downloads: Am 3. Oktober um 19 Uhr im Glückaufsaal in Clausthal, gegenüber der blauen Kirche, mit den Shirts exklusiv vor Ort. Am 16. Dezember der Jahresrückblick im großen Sendesaal des RBB in Berlin, am 6. Januar die Jahresvorausschau in der Osnabrückhalle, verlegt aus Bremen, weil Dietmar als amtierender Grünkohlkönig von Osnabrück in seiner Legislaturperiode sonst wenig gerissen hat. • Partnergefängnis JVA Stadelheim: Die Frauenabteilung, die Tina im Rahmen einer Tagung selbst besichtigt hat, und die bei Google genau einen Stern hat. Dazu das, was ihr wirklich nachging: dass Kinder, die drinnen geboren werden, irgendwann raus müssen, und dass sie draußen vor jeder Tür stehen bleiben, weil sie es nicht anders kennen. Offene Frage an die Hörerschaft: Hängen in deutschen Gefängnissen eigentlich Fluchtwegpläne? • Fünfzig Jahre Muppets: Dass der amerikanische Schöpfer die Serie ausgerechnet in Großbritannien produzieren ließ, und dass Kermit 1955 aus dem alten Mantel seiner Mutter entstand. Dietmar hat sie nie gesehen, war 1976 bei der Bundeswehr und überlegt rückblickend, ob der Unteroffizier den Anschiss für die Muppet Show vertagt hätte. • Die innere Revision: Bei Dietmar hat sich die interne Ermittlung gemeldet. Was hier so erzählt werde, könne man in der Öffentlichkeit nicht bringen, einer von beiden müsse gehen und werde ersetzt. Wer, wurde noch nicht gesagt. Dass sie zuerst bei ihm waren, hält Dietmar für ein Zeichen, ist sich aber nicht sicher, für welches. • Fünfzig Jahre Klassentreffen: Tina war in Gittelde und konnte bis auf zwei alle beim Namen nennen, nach fünfunddreißig Jahren. Es gab Schluckimpfungen, eine Gemeindeschwester auf Läusesuche und genau einen Ausländer in der Klasse. Eine ist nicht gekommen, weil sie als Kind gemobbt wurde, was Tina nachhaltig beschäftigt hat. • Asien in Stichworten: Dietmar in Moskau zu Gorbatschows Zeiten, wo ein Mitreisender aus der studentischen Reisegruppe im obersten Stock an die falschen Leute geriet und nicht mehr zurückkam. Tina dreimal in Russland, einmal mit Hannover 96 bei minus 26 Grad im Europapokal, einmal per Containerschiff von St. Petersburg nach Hamburg, was sie zum Heulen fand, als sie wieder runter musste. Da

    Sun, 20 Sep 2026
  • 16 - #15 Ein Freund, ein guter Freund

    In der fünfzehnten Sitzung der Pension Alcatraz geht es um Freundschaft, angeregt von einem Hörer, der wissen wollte, wo Tina Voß und Dietmar Wischmeyer sich eigentlich kennengelernt haben. Die Antwort kommt tatsächlich, sie lautet: am Buffet. Bis dahin sind allerdings noch die nachgereichten Talsperrenstände, ein eingestellter Fährverkehr, ein interstellarer Muffin und die Frage abzuarbeiten, warum jemand Bodys mit Druckknöpfen erfunden hat.

    Die Themen dieser Episode im Überblick:

    • Talsperren, nachgereicht: Tina hat sie beim letzten Mal vergessen und dafür auf Instagram Schimpfe bezogen. Der Mittelwert liegt bei 52 Prozent, acht unter dem, was die Jahreszeit hergeben sollte. An der Okertalsperre wurde außerdem der Fährverkehr eingestellt, was Dietmar zu dem Vorschlag bringt, die Fähre einfach nach Glückstadt-Wischhafen zu verlegen, wo ohnehin immer alle warten.

    • Kopulative Annäherungsmusik: Dietmar korrigiert sich, er hat als Jugendlicher nie Barclay James Harvest gehört. Seine eigene Annäherungsmusik war „Je t'aime“. Es folgt eine kleine Sammlung dessen, was heute als Gesprächseinstieg durchgeht, alles unterhalb der Gürtellinie und weit unterhalb des Niveaus.

    • Der Body und die High Heels: Warum konstruiert man ein Kleidungsstück, das an der empfindlichsten Stelle mit Druckknöpfen geschlossen wird? Tina weiß, wie das ausgeht, wenn man im falschen Moment lacht. Bei den High Heels stehen zwei Theorien gegeneinander: Dietmar hält sie für einen erotischen Anblick, Tina für eine Erfindung, die verhindern soll, dass Frauen weglaufen können.

    • Der interstellare Muffin: Es gibt einen zuckerfreien Bananen-Heidelbeer-Muffin, den Dietmar als Meteorit aus einem veganen All beschreibt, und danach eine echte Kalorienbombe mit richtiger Schokolade und Erdnussmus. Die Reihenfolge war vorgeschrieben. Dietmar stellt fest, dass „gesund“ durch Tina zu einer pejorativen Vokabel geworden ist.

    • Partnergefängnis Festung Wilhelmstein: Die Insel im Steinhuder Meer, gebaut zur Verteidigung von Schaumburg-Lippe, nie eingenommen, für Kanonen zu weit weg und für Boote zu flach. Napoleon schreckte zurück, Scharnhorst wurde dort ausgebildet, danach war sie achtzig Jahre Staatsgefängnis. Heute darf man dort heiraten, was Dietmar vor bald zwanzig Jahren getan hat, ausdrücklich wegen der Symbolkraft.

    • Hörerpost: Dirk macht auf die Hirschlausfliege aufmerksam, die sich in den Körper bohrt und die Flügel abwirft. Peter denkt beim Niedersachsen-Slogan „Das ist groß“ an etwas ganz anderes als an Pferde, woraus sich ein längerer Exkurs über Flachspüler, Tiefspüler und die korrekte Bezeichnung des Stuhlprobenentnahmesets entwickelt. Und Thorsten hat in Großbritannien vor einem Ortsschild gebremst: Swindon ist Partnerstadt von Salzgitter.

    • Die Bielefelder Schule: Dietmar hat einst in einem renommierten Kochbuchverlag gearbeitet und dabei gelernt, wie man Essen fotografiert, weiße Teller, keine Muster, von unten durch leere Teller. Und wie Bücher gemacht werden, wenn ein neuer Sponsor kommt: alle Töpfe raus, alles noch mal durchfotografieren.

    • Die Kaffeetafel im Wald: Ein Kreis von Freunden nimmt sich einmal im Jahr vor, etwas völlig Sinnloses zu tun. Diesmal eine komplett gedeckte Kaffeetafel mitten im Wald, mit Leinendecke, Porzellan und Hussen über den Stühlen, damit fremde Leute ohne Terminabsprache ins Gespräch kommen. Manche huschten scheu vorbei, weil sie nicht stören wollten.

    • Freundschaft, historisch: Bei den Griechen Zweckgemeinschaft, bei den Römern politische Weggefährten, und erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden Freundschaften außerhalb des Hauses gepflegt, in Salons. Aristoteles nannte es eine Seele in zwei Körpern, was Dietmar zu der Frage bringt, wo bei zwei Leuten das Gemeinsame liegt, von denen einer keinen Charakter und der andere keine Tugend hat.

    • Männer- und Frauenfreundschaften: Ein Mann besucht einen Kumpel, dem gerade Frau, Wohnung und Arbeitsplatz abhandengekommen sind, und kommt nach drei Stunden zurück, ohne dass es zur Sprache kam. Dietmars Erklärung dafür ist zugleich seine These über den ganzen Unterschied. Dazu die Taxonomie der Freundesgrade, vom besten Freund über Kumpel, Buddy, Kamerad und Kommilitone bis zum rotarischen Freund und zur Brieffreundschaft.

    • Woran es scheitert: Geld, Verrat, geliehene Partner (Mindestabstand laut Tina fünfundzwanzig Jahre), Entfernung und Urlaubsbekanntschaften. Und die Auflösung der Ausgangsfrage: kennengelernt haben die beiden sich Ende der Neunziger bei einer Veranstaltung des Presseclubs im Zoo Hannover, Dietmar hielt die Rede, danach standen beide am Buffet.

    Am Ende steht die schönste Definition einer langen Freundschaft: dass man nach über fünfundzwanzig Jahren immer noch nicht versteht, worüber der andere eigentlich lacht.

    Sat, 05 Sep 2026
  • 15 - #14 Frühstyxradio reloaded

    Eine Sonderfolge, weil im August drei Sonntage jeweils zwei Wochen auseinanderliegen und der Rhythmus nicht kaputtgehen soll. Wie schon beim ersten Mal im Mai öffnet Dietmar Wischmeyer das Archiv des Frühstyxradios, jener Radio-Witzesendung, die von 1988 bis 1996 lief und über 3000 Beiträge hinterlassen hat. Diesmal hat er sieben eher abseitige Folgen herausgesucht, keine Arschkrampen, kein Günther. Tina Voß übernimmt den Part der Interviewerin, Dietmar den des Befragten, der damals zu den Machern gehörte, während sie zu den Hörern zählte.

    Die Themen dieser Episode im Überblick:

    • Sellerie, massiert: Tina hat einen ganzen Sellerieknollen zweieinhalb Stunden im Ofen gebacken, vorher mit Olivenöl und Meersalz einmassiert. Er wurde nicht größer, nur weicher. Daraus wurde eine Sellerie-Süßkartoffelsuppe, die Dietmar tatsächlich schmeckte, auch wenn Suppe für ihn eigentlich eine klare Flüssigkeit mit schwimmenden Teilen ist und alles andere Astronautennahrung.

    • Kichererbsen-Cookies und Zeckensaison: Zum Nachtisch gibt es eiweißreiche Cookies auf Kichererbsenbasis, das Rezept teilt Tina gerne. Außerdem hat Dietmar sich in diesem schlimmen Zeckenjahr eine Wanderröte eingefangen, was Tina zum Anlass nimmt, ihn wochenlang mikrobiomfreundlich gesundzuernähren.

    • Bad Oeynhausen Cops: Zwei Polizeibeamte suchen eine Büroklammer, während ein Sprecher sich um Kopf und Kragen brüllt. Die Karikatur zielte nicht auf die Serien selbst, sondern auf die Trailer, die mit dem Privatfernsehen über alle hereinbrachen. Der Sprecher musste denselben Text bei gleichbleibendem Musikbett immer schneller sprechen, bis er sich nach einer Aufnahme einen halben Tag erholen musste.

    • Isernhagen Law: Das Intro, das kultiger wurde als alle Folgen danach. Weil Radio nun einmal beschreiben muss, was man nicht sieht, wurde der Cast nicht mit Namen vorgestellt, sondern als Beschreibung: die Frau im avocadofarbenen Kostüm mit Blumenapplikation über der linken Brust, die nicht gerade klein ist. Dazu Geschworene, die im Beratungszimmer Eierlaufen gemacht und bekannte Melodien gepupst haben.

    • Die Fahrgemeinschaft: Kalle mit dem Mercedes, Gisela, der heimlich schwule Holgi und Jaroslaw, der eigentlich nur den Wagen klauen wollte. Das Gospel-Intro über die Insassenhaftpflichtversicherung entstand im Studio in unter zehn Minuten, improvisiert, weil ein Gospel zu einer Fahrgemeinschaft der größtmögliche Gegensatz war. Vorbild dafür waren die Italowestern, in denen die Musik auch nie passte.

    • Wie damals produziert wurde: Einmal im Monat trafen sich alle, dann wurden gleich zwanzig Folgen aufgenommen. Jeder musste fünf schreiben, manche hielten heimlich welche zurück. Es wurde nichts redaktionell aussortiert, jede Folge war so viel wert wie jede andere, es musste Masse gemacht werden.

    • Megamarkt: Das Nachfolgeprojekt mit demselben Personal an einem neuen Arbeitsplatz, in der Boomzeit des In-Store-Radios. Hier entwickelt die Lautsprecherstimme erstmals eine eigene Persönlichkeit. Tina kennt daher das Lied „Ich fand mein Glück im Zug nach Osnabrück“, vor dem sie damals mit dem Einkaufswagen stehen blieb.

    • Bunkenstedter Heimatchronik: Eine Persiflage auf die heimatdudelnde NDR-Reportage, in der ein Dorf im Raddegau die größte Mittelpunkthauptschule des Landes bekommt. Deutschunterricht mit selbst organisierten Requisiten, ein Direktor mit dem Motto „Abschluss oder Abschuss“ und eine erstaunliche Erfolgsquote.

    • Plattengülle Housewives: Die Persiflage auf Desperate Housewives, in der Figuren aus allen möglichen anderen Serien auftauchen und ihre alten Rollen weiterspielen. Vorbild war auch ein Roman über einen Lohnschreiber, der so viele Novelas gleichzeitig schreiben musste, dass die Figuren durcheinandergerieten. Dazu Uschi, zu der sich bekanntlich nichts reimt, und die Geschichte, wie Mario Barth genau das schützen lassen wollte.

    • Erwin Höhnefeld und DJ Open Asshole: Der kontroverseste Beitrag des Abends, gesprochen von einem kanadischen Techniker des Senders, der als Muttersprachler entsprechend überzeugend klang. Vorweggenommener Gangsterrap inklusive absurder Künstlernamen und einer Ballade über zwei Augen auf einer Wiese. Am Ende wird der Programmdirektor erschossen, was Dietmar bis heute als Würdigung versteht.

    Sat, 29 Aug 2026
  • 14 - #13 Kennen wir uns?

    In der dreizehnten Sitzung der Pension Alcatraz, die Dietmar Wischmeyer zur Begrüßung vorsichtshalber als Folge 15 ankündigt, geht es ums Kennenlernen. Genauer: um das Kennenlernen zum Zwecke des Aneinander-Rumschraubens, angeregt durch einen Hörer, der wissen wollte, wie die beiden sich eigentlich gefunden haben. Beantwortet wird das natürlich nicht, dafür klären Tina Voß und Dietmar Wischmeyer die Muntehe des 10. Jahrhunderts, die erste Kontaktanzeige von 1695 und die Frage, ob man in der Tagespflege noch etwas werden kann.

    Die Themen dieser Episode im Überblick:

    • Das Phantom-Verlustgefühl: Tina hat beim Führerscheintausch die Berechtigung für 18,5 Tonnen verloren, ohne sie je gebraucht zu haben, und trauert nun dem eingestellten Fährverkehr an der Okertalsperre hinterher. Dietmar geht es ähnlich mit dem geschlossenen Zollstockmuseum in Wiedensahl, drei Kilometer von zu Hause und nie besucht.

    • Gescheiterte Städte und Handball: Sennestadt und Espelkamp als Kunststädte mit Denkmalschutz, dazu die Frage, warum Handball eine Sportart für Mittelstädte ist. Tinas Argument: es fällt jede Minute ein Tor, und wer hinfällt, steht auf und schreit nicht nach dem Videobeweis.

    • Rote Beete im Salzbett: Tinas Kochausbildung wird anspruchsvoller, heute gibt es geschmorte rote Beete auf einem Kimchi-Cashew-Dip mit Apfel-Pilz-Zwiebel-Schmand. Dietmars Verdikt: ein typisches Gericht für eine Tradwife mit zu viel Tagesfreizeit.

    • Partnergefängnis San Pedro: Das selbstverwaltete Gefängnis in La Paz, aufgebaut wie eine Kleinstadt mit acht Vierteln, eigenem Immobilienmarkt und rund 2000 Bewohnern. Bis 2009 gab es Führungen für 100 Euro. Der Autor von „Marching Powder“ bestach einen Wärter, um dort monatelang selbst einzusitzen und zu recherchieren.

    • Hörerpost, Shirts und ein Aufkleber: Ein Hörer möchte ausdrücklich keine Außenaufnahmen mehr. Dafür kommt das Clausthal-Zellerfeld-Shirt in den Online-Shop, die Farbfrage ist noch offen, und für Wohnmobile gibt es künftig einen Aufkleber mit zwei grinsenden Gesichtern hinter Gitterstäben.

    • Die Hochzeit und die Hühner-Menagerie: Dietmar war bei einem Brautpaar Mitte 50, das feierte wie Anfang 30, samt Polonaise und vermutlich gemieteten Gästen aus den Zwanzigern. Höhepunkt war die persönliche Vorstellung sämtlicher Hühner der Braut, alle mit Namen. Als Hochzeitsreise empfiehlt Dietmar den Hühnerologischen Kongress in Görlitz.

    • Kennenlernen, historisch: Die Muntehe als Übertragung von Nutzungsrechten, die katholische Kirche, die den Individualismus nur befördert hat, um ans Erbe zu kommen, die Andreasnacht und 1695 die erste Kontaktanzeige, in der ein Herr von 30 Jahren eine Dame mit 3000 Pfund Vermögen sucht. Die erste Frau, die 1727 selbst inserierte, fand sich anschließend wochenlang in einer psychiatrischen Anstalt wieder.

    • Die Tyrannei der Auswahl: Früher hingen vier Hosen in der Boutique, heute vierzig im Kaufhaus. Beim nächsten Wischen kommt immer noch eine Bessere, weshalb niemand mehr zufrieden ist. Und die Disco war ohnehin nie ein Kennenlernort, sondern Lieferant von Bekanntschaften, die im Tageslicht keinen Bestand haben.

    • Homogamie und Ehegattensplitting: Der Oberarzt heiratet heute keine Krankenschwester mehr, sondern eine andere Oberärztin. Die Klassendurchmischung geht dahin, und der Genpool bleibt unter sich.

    • Anmachsprüche in drei Schwierigkeitsgraden: Vom Klassiker an der Hotelbar über „Wo hast du nur mein ganzes Leben gesteckt“ bis zu Dingen, die man besser nicht zitiert. Tinas erprobte Ischgl-Antworten: „Für dich bin ich nicht durstig genug“ und, bei angebotenem Drink, „gib mir doch lieber gleich das Geld“.

    • Kennenlernorte heute: Der Niedergang der Hotelbar, der Männerüberschuss in der Disco, Nischenportale bis hin zur Sklavenzentrale, der KI-Skandal bei Ashley Madison, Monteurzimmer als Seitensprung-Dependance und die Tagespflege, wo Dietmars 99-jähriger Onkel noch sehr schöne Bekanntschaften machte.

    Am Ende steht die Ankündigung einer Sonderfolge, weil der August drei Sonntage im Zweiwochenabstand hat. Und die Erkenntnis, dass man sich das Kennenlernen im Zweifel auch sparen kann.

    Sat, 15 Aug 2026
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