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- 136 - #135 Geopolitik, Resilienz, Service: „Großes Interesse an deutscher Flagge“
Christian Bubenzer hat sich das Ziel gesetzt, ein Drittel der deutschen Handelsflotte unter die deutsche Flagge zu bringen. Der Einflaggungsmanager des Bundesverkehrsministeriums führt viele Gespräche mit Reedereien, die Aufmerksamkeit ist so groß wie viele Jahre nicht mehr. Auch die neue Schiffsbesetzungversordnung spielt dabei eine Rolle. Viele Reedereien, „die schon lange lange nicht mehr auf die deutsche Flagge gesetzt haben“ könne man mittlerweile überzeugen, berichtet Bubenzer exklusiv im HANSA Podcast. Bubenzer spricht über konkrete Zahlen an Schiffen mit Schwarz-Rot-Gold am Heck. Die Rede ist unter anderem von „langsamer Steigerung“ und „Steigerungsfähigkeit“. In den letzten zweieinhalb Jahren sei man mit dem Team der BG Verkehr und gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium „richtig durchgestartet“. Zentral sei ein intensiver Dialog mit Reedereien gewesen, aus dem eine lange Liste an Verbesserungswünschen in punkto Service, Bürokratie und Rechtslage entstand. „Von der Liste haben wir einiges abgearbeitet. Es kommt noch einiges." Ein Grund für das zunehmende Interesse ist laut Bubenzer auch die Geopolitik und die angespannte Sicherheitslage in einigen Seegebieten wie unter anderem der Straße von Hormus. „Wir leben in unsicheren Zeiten, da wird das Thema Flagge wichtiger“, berichtet er aus Gesprächen hinter verschlossenen Türen und geht auf die Themen „Resilienz eines Wirtschaftsstandortes“ und „Kernflotte für das Land“ sowie den Schutz deutscher Schiffe in Krisen- und Kriegsgebieten ein. Ein anderes wichtiges Thema – für Bubenzer eine der wichtigsten Verbesserungen – ist die Anpassung der Schiffsbesetzungsverordnung. Im Kern geht es darum, dass der Kapitän nicht mehr zwingend aus einem EU-Land kommen muss, wenn man die deutsche Flagge führen will. In der Podcast-Episode geht es um die Anforderungen und verschiedene Voraussetzungen, die dafür seitens der Reederei erfüllt werden müssen. Nicht zuletzt setzen Bubenzer und sein Team auf ein laufendes Markterkundungsverfahren unter der Federführung des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie. Reeder werden befragt, ob sie eine Service-Agentur für die deutsche Flagge wollen – analog zu den Einrichtungen anderer internationaler Flaggen. Bubenzer spricht über mögliche Details eines One-Stop-Shops – und nicht zuletzt über die vieldiskutierte und seit Jahren von den Reedern geforderte „einheitliche Flaggenstaatsverwaltung“. Der Experte kündigt weitere Einflaggungen an und berichtet von Gesprächen mit vielen Reedereien: „Besonders freut uns, dass es uns zunehmend gelingt, Reedereien zu überzeugen, die schon lange, lange nicht mehr auf die deutsche Flagge gesetzt haben. Das ist ein gutes Zeichen.“ Nicht zuletzt dreht sich das Gespräch um konkrete Zahlen: Je nach Berechnungsweise ist die Zahl ausgeflaggter Schiffe mehr als drei oder fast sechs Mal so hoch wie die unter Deutschland-Flagge (es gibt eine neue Berechnungsmethode). Das sei „natürlich ein Punkt, der uns definitiv nicht zufriedenstellt“. Eine offizielle Zielmarke gibt es zwar nicht. Bubenzer spricht darüber, wann er zufrieden ist und nennt sein ganz persönliches Ziel: „ein Drittel der deutschen Handelsflotte unter deutscher Flagge“. Das müsse möglich sein. Hören Sie hier die komplette Episode. Der „Einflaggungsmanager“ Christian Bubenzer spricht darin außerdem über weitere Verbesserungen und Hausaufgaben für die Behörden, das große Argument „Kosten“ und der Vergleich zu anderen Flaggen, Schifffahrtsrecht und private Sicherheitsteams an Bord, Hoheitliche Aufgaben und Zusammenarbeit mit Klassifikationsgesellschaften, Imagewandel, Vorurteile und „Umparken im Kopf“, Ausbildung und Förderung, bessere Karrierechancen für deutsche Seeleute, Schiffstypen unter deutscher Flagge, Überzeugungsarbeit bei Tailwind, Tui Cruises & Co. sowie Rückenwind aus dem Verkehrsministerium.
Mon, 14 Sep 2026 - 135 - #134 PwC-Schifffahrtsexperte: "Viele Reedereien erwarten großes Wachstum"
"Positiv im Verhältnis zu vielen Jahren davor – und trotzdem mit einem skeptischeren Blick Richtung Zukunft", beschreibt Sommer die aktuelle Lage der deutschen Handelsschifffahrt in der neuen Episode des HANSA Podcasts. Viele maritime Unternehmen hätten die lange Krisenphase hinter sich gelassen und wieder Investitionen tätigen können. Gleichzeitig sorgten geopolitische Spannungen, längere Transportwege und gebundene Kapazitäten weiterhin für erhebliche Unsicherheiten. Im Gespräch erläutert Sommer, warum die Schifffahrt seiner Ansicht nach trotz der zahlreichen Krisen der vergangenen Jahre bemerkenswert widerstandsfähig geblieben ist. "Wer sich mit Wind und Wetter zurechtkommen muss, hat vielleicht auch die Fähigkeit, flexibel und schnell auf Veränderungen zu reagieren", erklärt der PwC-Partner mit Blick auf geopolitische Konflikte, regulatorische Veränderungen und volatile Märkte. Von einer schnellen Rückkehr zur früheren Normalität geht Sommer allerdings nicht aus. "Das, was wir jetzt gesehen haben, wird langfristige Auswirkungen haben", sagt er mit Blick auf die aktuellen Konflikte und deren Folgen für Lieferketten, Handelsströme und die Weltwirtschaft. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Flottenerneuerung und die Suche nach dem geeigneten Kraftstoff der Zukunft. Die Unsicherheit rund um Methanol, Ammoniak und andere alternative Energieträger bremse derzeit Investitionsentscheidungen vieler Reedereien. "Sie bremst auf jeden Fall die Flottenerneuerung, ganz klar", so Sommer. Besonders im Shortsea- und Feedersegment sieht der PwC-Experte Herausforderungen. Dort treffe eine alternde Flotte auf vergleichsweise wenige Neubauten und begrenzte Finanzierungsmöglichkeiten kleinerer Betreiber. In einzelnen Segmenten könnten dadurch künftig Kapazitätsengpässe entstehen. Auch die zunehmenden Investitionen großer Reedereien in Terminals und Logistikunternehmen werden im Podcast ausführlich diskutiert. International sei dies kein neuer Trend, für Deutschland habe diese Entwicklung inzwischen jedoch eine neue Qualität erreicht.
Wed, 12 Aug 2026 - 134 - #133 "Nichts passiert": BLG kritisiert Hafenfinanzierungs-Politik des Bundes
"Wäre ich nicht zuversichtlich, wäre ich nicht in diesem Geschäft, aber es ist ziemlich mühsam": Daniel Hosseus, Executive Vice President des Bremer Hafenlogistikkonzerns BLG, spricht exklusiv über die Hafenpolitik des Bundes und die Wachstumspläne der BLG. Außerdem erläutert er, wie der Konzern – der auch 50%iger Anteilseigner am Containerterminalbetreiber Eurogate ist – seine Stimme in die nationale und internationale Politik einbringt. Wie ist aus seiner Sicht die Bundespolitik für die Häfen einzuordnen? "Ins Machen kommen" bleibe Thema, so Hosseus. Die im vergangenen Jahr verkündete 1,35-Mrd.-€-Spritze für Bremerhaven habe mit den Grundanliegen der Seehafen fast nichts zu tun, sagt er, begründet seine Ansicht und beziffert den Investitionsrückstau. Hosseus berichtet, was aus der höchsten Bundespolitik auf der Tonspur gesagt und zugestanden wird, woran es jedoch hakt. Unter anderem: "Ich persönlich halte das Argument Verfassungswidrigkeit für nicht richtig. Wo ein Wille ist, müsste auch ein Weg sein", sagt Hosseus und erläutert, woran es seiner Ansicht nach in der Politik scheitert. Das vieldiskutierte Thema "Resilienz" die das Mitdenken von Sicherheitsthemen im Geschäft ist für die BLG nicht neu. Hosseus spricht in diesem Zusammenhang davon, wie man seit dem Ende des 2. Weltkriegs als Dienstleister für verschiedene militärische Streitkräfte arbeitet, etwa für die US Army – aber auch, welche neue Herausforderungen es diesbezüglich gibt. Neben dem Aspekt "Politik" hat die BLG ehrgeizige geschäftliche Pläne: "Wir wollen der größte paneuropäische Hafen- und Logistikdienstleister sein", sagt Hosseus und spricht über potenzielle Wachstumsmärkte und mögliche Expansionen. Letztes Jahr wurde das zweitbeste Ergebnis der 150-jährigen Unternehmensgeschichte eingefahren. Dazu hat der Containerbereich einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet. "Tatsächlich sind wir dabei, diese Aktivitäten auszubauen", so Hosseus, der auf Eurogate-Aktivitäten, die Westerweiterung in Hamburg, gemeinsame Investitionen mit Maersk und die Suche nach internationalen Wachstumsmöglichkeiten eingeht. Auch zum Automobilumschlag in Bremerhaven und Hamburg äußert er sich ausführlich. Weil der Konzern allein in Deutschland 60 Terminals betreibt, sind Infrastrukturprojekte im gesamten Bundesgebiet von Interesse für die Verantwortlichen. Deshalb ist die Infrastrukturfinanzierung für die BLG auch so wichtig. "Geht das voran? Woher kommt das Geld? Und dann ist man immer wieder ganz schnell beim Thema Hafeninfrastrukturfinanzierung. Da können wir nicht locker lassen, denn da muss viel passieren." In der Episode spricht Hosseus außerdem u.a. über seinen Einstieg bei der BLG, seine Hoffnung und Erwartung zur Weservertiefung, den Ausbau der "politischen Präsenz" der BLG, die Aktivitäten im deutschen Hinterland, die Aktivitäten im Ausland, "Dedicated Terminals" für Auto- und Container-Umschlag, Pläne für das "High & Heavy"-Geschäft, Bremerhaven als "größte Autowerkstatt Europas", Investitionen und Expansion, den Wandel in Automobilindustrie und die Folgen für die BLG, Wachstumspläne für Eurogate und darüber, was Bremerhaven Hamburg voraus hat.
Thu, 23 Jul 2026 - 133 - #132 »Sehr optimistisch«: Warburg Bank plant Wachstum in Schiffsfinanzierung
Seit zehn Jahren leiten die erfahrenen Schifffahrtsbanker Christian Speer und Jens Dose gemeinsam das Shipping-Geschäft bei der Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Nachdem die etwas unruhigeren Fahrwasser (Stichwort "Cum-Ex") verlassen wurden, will die Bank jetzt auch das Schifffahrtsgeschäft nach vorne treiben und sieht sich bereits gut auf Kurs. Speer und Dose zeigen sich im HANSA PODCAST sehr optimistisch. "Ich sehe durchaus Potenzial, dass wir deutlich sichtbarer werden, sowohl in Deutschland als auch anderswo", sagt Speer. Der Anteil der Schiffsfinanzierung am maritimen Geschäft dürfte zunehmen, "wir haben sehr großen Spielraum". Die beiden Co-Chefs der Shipping-Abteilung sprechen ausführlich über das finanzielle Volumen der Schifffahrtsgeschäfte, deren Anteil am Gesamtgeschäft der Bank, den Einfluss der Eignerfamilien Olearius und Warburg sowie die Vorstandsstrategie. Nach einem guten Jahr 2025 kann die Schiffsfinanzierung in diesem Jahr wohl nochmal ausgebaut werden – und zwar sowohl im Secondhand-Markt als auch in der Neubau-Finanzierung, in der die Bank eigentlich nicht wirklich aktiv ist. "Wir bewegen uns in eine guten zweistelligen Millionenbereich", sagt Dose. Aktuell sei viel – und "gut ausgebildetes" – Geld unterwegs. Außerdem gebe es generell verstärkt Nachfragen: "Wir nehmen wahr, dass wir auch im deutschen Markt wieder angesagt sind", sagt Dose, der auch über Container, Tanker, Bulker, MPP-Schiffe, Offshore-, Shortsea- und Spezialschiffe sowie darüber spricht, was bzw. welche Schiffe die Warburg Bank eben nicht finanzieren würde – Stichwort "liquide Assets". Nicht zuletzt geht es u.a. auch um die Option, einen Kreditfonds aufzulegen, wie es andere Banken gemacht haben. Das Ausland macht mittlerweile den größeren Teil des Schifffahrtsgeschäft bei Warburg aus. In der Episode geht es u.a. um Märkte wie Griechenland oder Singapur. Auch eine Expansion in weitere Märkte ist durchaus denkbar: "Wir gehen dorthin, wo das Bankensystem Lücken offeriert", so Dose, der die Überlegungen weiter erläutert. Kerngeschäft der Warburg Bank ist allerdings eigentlich das Cash Management. Speer und Dose sprechen ausführlich darüber, wie sich die Privatbank in diesem Geschäft aufstellt, "Know your customer", Geldwäsche-Prävention, Compliance und Sanktionen, 300 Kundengruppen im In- und Ausland, eine internationale Expansion und Investitionen in Knowhow und IT. Sie blicken außerdem zurück auf "ihre zehn Jahre" bei der Warburg Bank.
Fri, 03 Jul 2026 - 132 - #131 SMM '26: Tech-Plattform, Netzwerk, (zu wenig) politischer Support
Anfang September öffnet die SMM wieder ihre Pforten für die globale maritime Industrie: In den Hamburger Messehallen – und zwar in allen Hallen – trifft sich die Branche zum zweijährlichen Stelldichein. Claus-Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions Maritime & Energy bei der Hamburger Messegesellschaft HMC und damit einer der Macher SMM, spricht im HANSA Podcast ausführlich über (alte und neue) thematische Schwerpunkte, Verschiebungen in der Aussteller-Struktur, Effekte der aktuellen geopolitischen Verwerfungen und den Fokus auf Technologie. "Die Posidonia in Griechenland war ein schönes Vorspiel und jetzt kommt dann der Hauptakt für Technologie und Innovation", sagt Selbach und geht auf eine prinzipiell immer noch gute Stimmung in der maritimen Industrie ein. Die Hallen sind ausgebucht, die Nachfrage groß. Auf ein "Rattenrennen" um konkrete Aussteller- und Besucherzahlen mit anderen Messen will er sich aber nicht einlassen und erklärt, was für ihn wirklich zählt – Stichwort "Buzz in den Gängen". Der SMM-Chef erläutert, zu welchem Punkt ihm und seinem Team die Beiräte aus der Industrie die "Ohren langgezogen" haben und wie die Messe darauf mit Investitionen reagiert. Das Gespräch dreht sich außerdem um einen größeren Fokus auf Marine- und Sicherheitsthemen, Verteidigungs- und "Dual-Use-Technologien", Künstliche Intelligenz sowie das Konferenzprogramm im Rahmen der SMM: "Content Rules", sagt Selbach, der betont, warum die SMM bei einigen Themen die Nase gegenüber anderen Messen vorn hat. Das Netzwerken soll ebenfalls nicht zu kurz kommen, aber der Fokus liege "auf Technologietransfer und Innovation". Enttäuscht zeigt sich Selbach von der deutschen Politik: "Wir bekommen nicht den Support vom Bund", sagt der Messe-Manager und erläutert die Hintergründe.
Mon, 22 Jun 2026 - 131 - #130 Eine neue Stimme für die Bremer Reedereien
Er war 28 Jahre im Amt, sie ist die erste Frau an der Spitze des 1884 gegründeten Bremer Rhedervereins: Die neue Geschäftsführerin Angelica Lorenz Medina und ihr Vorgänger Robert Völkl blicken gemeinsam auf den Schifffahrtsstandort Bremen. Lorenz Medina ist gelernte Speditionskauffrau und hat viele Jahre im Seefracht-Geschäft gearbeitet. „Jetzt ist es ein komplett neues Tätigkeitsfeld – es ist unheimlich interessant und macht viel Spaß“, sagt sie in der neuen Episode des HANSA PODCASTs und geht darauf ein, ob ihr angesichts ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn auch Skepsis im Rhedervereins entgegengebracht wurde. Neu ist vor allem die politische Arbeit. Ihr Vorgänger stand ihr die ersten Wochen beratend zu Seite. Völkl und Lorenz Medina teilen eine ähnliche Sichtweise auf die Art und Weise, wie der Rhederverein in der Arbeit mit Politik und Verwaltung erfolgreich sein kann: "Gegeneinander erreichen wir absolut gar nichts“, sagt die neue Geschäftsführerin. Ein enger Draht ist wichtig: „Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, den Schifffahrtsstandort zu erhalten. Und es ist Aufgabe des Rhedervereins, immer wieder deutlich zu machen, dass Bremen ein guter Schifffahrtsstandort ist, der hat alles, was eine Reederei braucht“, sagt Völkl. Er spricht in diesem Zusammenhang auch über zwischenzeitlich verloren gegangenes Renommee durch die große Schifffahrtskrise, in deren Rahmen etwa die Bremer Landesbank u.a. aufgrund vieler fauler Schiffskredite notverkauft werden musste. Darüber hinaus teilt er seine Einschätzung darüber, ob die Reeder-Stimme aus Bremen mehr Gehör und die dortige Branche mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Im Gespräch geht es auch um eine Halbierung der Flotte und ungesunde Dynamiken. Die aktuelle Situation bewertet Völkl positiv und geht auf Investitionen ein, die trotz der unsicheren geopolitischen Lage Sinn machen können. Ein weiterer Aspekt: die deutsche Flagge, deren Modernisierung in der Verwaltung derzeit sehr viel Aufmerksamkeit bekommt. Einen „Turnaround“ sieht Völkl noch nicht, erläutert aber, warum und unter welchen Umständen er dennoch optimistisch wäre, dass die deutsche Flagge bessere Chancen bei deutschen Reedern haben könnte. Lorenz Medina spricht über die Größe und Aufteilung der Bremer Flotte, die Anzahl der Reedereien und Schiffe. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit will sie künftig auch auf die Suche nach Fachkräften für die Reedereien legen: „Ich möchte herausfinden, warum wir die jungen Leute nicht mehr in die Ausbildung bekommen“, so Lorenz Medina, die dabei auch auf konkrete mögliche Schritte eingeht, wie man junge Leute besser erreichen kann. Völkl erläutert, warum keinen Wehmut oder Abschiedsschmerz verspürt und berichtet nicht zuletzt von „Highlights“ in seiner langen Tätigkeit und die Ursprünge des bekannten Bremer Reederabends.
Fri, 05 Jun 2026 - 130 - #129 BSH-Präsident Helge Heegewaldt: "Die Gefahr auf See ist real"
BSH-Präsident Helge Heegewaldt warnt im neuen HANSA-Podcast vor den Risiken der Schattenflotte in der Ostsee. "Die Gefahr ist real – insbesondere für Umwelt und Küste", so der Behörden-Chef. Viele dieser Schiffe seien alt, hätten unklare Besitzstrukturen und erfüllten teils nicht mehr die Standards, die deutsche Reeder akzeptieren würden. Rechtlich sei der Umgang schwierig, weil Schiffe die Ausschließliche Wirtschaftszone grundsätzlich passieren dürften. Komme es zu einem Ölaustritt, könne dies vor allem Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein treffen. "Das wäre eine absolute Katastrophe", so der Behördenchef. Das Thema zeigt, wie stark sich die Lage auf Nord- und Ostsee verändert hat. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie sei zwar eine zivile Behörde, Sicherheitsthemen seien aber deutlich stärker in den Fokus gerückt. Dazu zählen der Schutz von Offshore-Infrastruktur, Datenkabeln und Energieanlagen ebenso wie die Zusammenarbeit mit Marine, Bundespolizei und weiteren Sicherheitsbehörden. Das BSH ist die zentrale maritime Fachbehörde Deutschlands. Zuständig ist es unter anderem für Sicherheit auf See, Seevermessung, Seekarten, ozeanographische Daten, Offshore-Genehmigungen und Fragen der deutschen Flagge. Seit März 2023 steht Heegewaldt an der Spitze der Behörde. Im Gespräch geht es außerdem um den Offshore-Ausbau. Bis 2045 sollen in der deutschen AWZ 70 GW Offshore-Windleistung entstehen, aktuell sind es etwas mehr als 10 GW. "Wir wollen in den nächsten 20 Jahren eine Versiebenfachung der Leistung", sagt Heegewaldt. Dafür brauche es Unternehmen, die investieren, und verlässliche Rahmenbedingungen. "Planungssicherheit muss die Verwaltung, muss die Politik geben.“ Auch Cyberangriffe auf maritime Energieinfrastruktur beschäftigen das BSH. Der Jurist verweist auf eine deutlich verschärfte Bedrohungslage. Absolute Sicherheit werde es nicht geben. Entscheidend sei, "vor die Welle" zu kommen und mögliche Angriffsmuster frühzeitig zu erkennen. Das BSH lasse sich dabei unter anderem vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), der Marine und weiteren Sicherheitsbehörden beraten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die eigene Flotte des BSH. Die fünf Schiffe bezeichnet Heegewaldt als "Datensammler des BSH". Rund 80 % der Einsätze entfielen auf Seevermessung, 20 % auf Forschung. Mit zwei Neubauten will die Behörde ältere Einheiten ersetzen. Die Schiffe sollen in Spanien gebaut und perspektivisch mit Methanol beziehungsweise Biomethanol betrieben werden. Auch bei den geplanten BSH-Neubauten wird es politisch und wirtschaftlich interessant: Warum die Schiffe nicht auf einer deutschen Werft gebaut werden, sondern in Spanien, erklärt Heegewaldt im Gespräch mit einem bemerkenswert klaren Kostenvergleich. Am Ende habe es zwei Angebote gegeben: "Mit der einen Werft hätten wir ein Schiff bauen können, mit der anderen zwei.“ Auch die deutsche Flagge kommt zur Sprache. Heegewaldt wirbt für eine moderne, serviceorientierte Flaggenstaatsverwaltung. Die Verfahren seien bereits vereinfacht worden, Zuständigkeiten würden stärker gebündelt. Aus mehreren Einflaggungsanträgen sei ein einziger geworden, zudem gebe es mit deutsche-flagge.de eine zentrale Anlaufstelle. "Wir haben das sehr entbürokratisiert", sagt Heegewaldt. Zum Schluss richtet der BSH-Präsident den Blick auf die maritime Wahrnehmung in Deutschland. Sein Ziel sei es, die Sichtbarkeit maritimer Themen zu erhöhen – nicht nur an der Küste, sondern auch in Süd- und Westdeutschland sowie in Berlin. "Wir sind ein Land, das nicht sehr meeresbewusst ist", so Heegewaldt.
Fri, 22 May 2026 - 129 - #128 Nadine Kloska: "Man muss verrückt sein für die Schiffsausrüstung"
Ist Kloska so etwas wie das Amazon der Schifffahrt? Die Frage ist zugespitzt, aber ganz falsch ist sie offenbar nicht. "Bei uns gibt es ja so ziemlich alles, was ein Schiff braucht", erklärt Nadine Kloska. Die geschäftsführende Gesellschafterin der Kloska Group spricht im neuen HANSA-Podcast über ein Geschäft, das im Hintergrund läuft, aber für den Schiffsbetrieb von entscheidender Bedeutung ist. Das Bremer Familienunternehmen wurde 1981 von ihrem Vater Uwe Kloska gegründet und hat sich seitdem zu einem großen Systemlieferanten für Schifffahrt, Werften, Offshore und die Industrie entwickelt. "Meine Eltern haben das Unternehmen zusammen gegründet – mit nur einem Mitarbeiter". Heute beschäftigt die Gruppe mehr als 800 Angestellte an 30 Standorten. Nadine Kloska ist 2007 in das Unternehmen eingestiegen. Im Podcast erzählt die Unternehmerin, warum dieser Schritt für sie kein vorgezeichneter Weg war, wie sie sich ihre Rolle im Familienunternehmen erarbeitet hat und weshalb flache Hierarchien für sie zur Unternehmenskultur gehören. Wie breit das Angebots-Spektrum ist, zeigt Kloska mit einem einfachen Bild: Wenn man ein Schiff umdrehe und schüttele, liefere ihr Unternehmen alles, was herausfalle – und die Ersatzteile, die hoffentlich nicht herausfallen. Dazu gehören Proviant, Werkzeuge, Matratzen, Bettzeug, Reinigungsmittel, Arbeitsschutz, Festmacher und technische Komponenten. Auch vermeintliche Kleinigkeiten spielen eine große Rolle: "Wir haben im vergangenen Jahr 2,8 Mio. Toilettenpapierrollen geliefert“, so Kloska.In der Podcastfolge geht es außerdem um internationale Lieferketten, Lehren aus der Pandemie, die Versorgung von Schiffen in geopolitisch unsicheren Zeiten und die Rolle der weltweiten Kloska-Standorte. Auch die Kreuzfahrt kommt zur Sprache: In Hamburg betreibt Kloska unter anderem das nordeuropäische Zentrallager für die Rostocker Reederei Aida Cruises. Wie schnell Schiffsausrüster reagieren müssen, erzählt Kloska am Beispiel der Havarie des Öltankers "Annika". Nach dem Brand des Schiffes auf der Ostsee waren die Festmacher verbrannt, ein Festmachen im Hafen war nicht möglich. Mitarbeiter von Kloska fuhren noch an einem Freitagabend in die Werkstatt, schnitten neue Festmacher zu, spleißten die Augen ein und lieferten die Leinen in der Nacht aus.
Thu, 07 May 2026 - 128 - #127 MPP-Reederei dship und NSB gründen "Hinode Shipmanagement"
Neue Kooperation in der deutschen Schifffahrt: Die Hamburger MPP-Reederei dship Carriers und der Shipmanager NSB aus Buxtehude legen ein Joint Venture auf. Die CEOs Lars Feller und Tim Ponath machen das Joint Venture zuerst im HANSA Podcast publik. Es ist gewissermaßen eine ungewöhnliche Konstellation, die sich in der deutschen Schifffahrt gefunden hat. dship Carriers hat das technische Management bislang anderen Unternehmen anvertraut, die NSB war bislang nicht in der klassischen MPP-Schifffahrt aktiv. Lars Feller und Tim Ponath erläutern in der neuen Episode des HANSA Podcasts, wie es zu der Zusammenarbeit kam und berichten von den Hintergründen. Das Gespräch geht aber auch weit über das neue Joint Venture hinaus. Worum geht es bei der Zusammenarbeit? Der Name des Joint Ventures ist Hinode Shipmanagement. Es wird aufgesetzt für sechs MPP-Neubauten von dship Carriers, und zwar für das technische Management und das Crewing. Die Frachter sollen zwischen Juni dieses Jahres und Ende 2027 in Fahrt kommen. "Für diese Schiffe wollten wir einen anderen Weg gehen und mehr Hand auf das Management haben", sagt Feller und geht auf weitere Details ein – unter anderem, ob es Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit anderen Shipmanagern geben könnte. Er spricht von einer Entwicklung zur Reederei und einem "logischen Schritt". "Für uns ist das ein Einstieg in ein neues Schiffssegment", sagt NSB-Chef Ponath, "aber wir sind aus der Vergangenheit vertraut mit komplexen Projekten. Daher bin ich super zuversichtlich und euphorisch, dass es ein Mega-Start wird". Der CEO spricht von zwei Unternehmen, die bestimmte Werte teilen (und von einer "neuen Freiheit" der NSB. Beide Manager betonen den Plan, das Joint Venture weiter wachsen lassen zu wollen – auch mit Schiffen anderer Unternehmen. Das Wachstum ist auch für die einzelnen Flotten der beiden Schifffahrtsunternehmen ein Thema des Gesprächs. Dabei geht es um potenzielle Neubauten für dship und NSB, Schiffsgrößen und -segmente sowie die nötigen Rahmenbedingungen bzw. Voraussetzungen. Lars Feller und Tim Ponath sprechen u.a. auch über weitere Details des Joint Ventures (Sitz, Anteile, "Rote Linien" etc.), gemeinsame Werte von inhabergeführten Unternehmen, die generelle Bereitschaft zur Zusammenarbeit in der deutschen Schifffahrt, die MPP-Neubauten von dship und weitere Flottenpläne, die Möglichkeit eigener Neubauten für NSB, die Zusammenarbeit von NSB mit anderen MPP-Akteuren (im Crewing), die Frage nach weiteren Neubauten oder S&P-Transaktionen für dship, die Frage nach einem Einstieg von NSB und von dship in neue Schiffssegmente, die "neue Freiheit" von NSB nach dem Ausstieg von Anteilseignern, Auswirkungen der aktuellen geopolitischen Lage auf das Alltagsgeschäft und Schiffe, die im Zuge der iranischen Blockade der Straße von Hormus im Persischen Golf festhängen.
Thu, 23 Apr 2026 - 127 - #126 Christoph Ploß: "Deutsche maritime Wirtschaft muss eine Einheit bilden!"
Finanz-Paradigmenwechsel und Wettbewerbsfähigkeit: Christoph Ploß, Maritimer Koordinator der Bundesregierung, spricht im Vorfeld der Nationalen Maritimen Konferenz exklusiv über seine Vorstellung einer maritimen Politik für Deutschland. Der Hamburger CDU-Politiker will die Rahmenbedingungen für Reeder, Schiffbauer, Zulieferer und Häfen auf politischem Wege verbessern. Dabei geht es zum Einen um Geld, zum Anderen aber auch um Förderprogramme, die Digitalisierung und die Bürokratie. Alle Segmente der maritimen Industrie sind für ihn "gleichbedeutend wichtig". Ploß will dafür werben, dass Bereiche "zusammenarbeiten und zusammenhalten". Dann könne man insgesamt für Alle mehr erreichen – sowohl in Berlin als auch in Brüssel und in der öffentlichen Debatte. Zu Häfen, Reedern und Schiffbauern hat er eine klare Meinung: Im Schiffbau wolle die schwarz-rote Koalition über Bürgschaftsprogramme, Forschungsprogramme und Aufträge der öffentlichen Hand das Geschäft stärken. Der Maritime Koordinator will Arbeitsplätze nicht nur erhalten, sondern explizit auch neue Jobs zu schaffen. In einigen Bereichen ist seiner Ansicht nach eine Verdopplung möglich. Ploß sieht größere mögliche Effekte auch mit Blick auf die Demokratie-Verdrossenheit und die verlorengegangene Hoffnung in einigen Regionen. Im Gespräch geht er darauf detailliert ein. Das Geschäft der deutschen Reeder (und die deutsche Flagge) will er stärken, nicht zuletzt "weil wir im Krisenfall diese Reedereien dringend brauchen". Ploß spricht dabei auch über die Entbürokratisierung bei der deutschen Flagge sowie eine Ausweitung der Tonnagesteuer – und einen Zeitplan dafür. Häfen haben für ihn eine wichtige bundespolitische Bedeutung, nicht zuletzt im Krisen- und Kriegsfall. Bei der Finanzierung des Infrastruktur-Ausbaus hält Ploß einen "Paradigmenwechsel" für nötig und erläutert, wie das beispielsweise mit dem Sozial-Etat zusammenhängen kann. "Ich will die Länder aber nicht aus ihrer Verantwortung entlassen", so der CDU-Politiker, der in diesem Zusammenhang auch über Gewerbesteuereinnahmen ("darauf pochen die Länder"), und eine notwendige Verfassungsänderung spricht – sowie über eine mögliche Zusammenarbeit mit der AFD und der LINKEN im Bundestag (Stichwort "Brandmauer"). Außerdem geht der Hamburger Politiker ausführlich darauf ein, was er sich von der Nationalen Maritimen Konferenz in Emden erhofft und wie verhindert werden soll, dass das Treffen zu einer Palaver-Runde verkommt, wie es in der Vergangenheit schonmal der Fall war. Nicht zuletzt spricht Ploß über das Zusammenspiel mit SPD-geführten Ministerien, die Lage an der Straße von Hormus, die deutsche Flagge, Tonnagesteuer und Offshore-Schiffe und den VDR-Vorschlag zu "Wehrdienst auf Handelsschiffen".
Wed, 08 Apr 2026 - 126 - #125 Seelotsin Miriam Schlüter: Von rund 850 Seelotsen sind wir nur vier Frauen
Wie sieht der Arbeitsalltag einer Lotsin auf dem Nord-Ostsee-Kanal aus, welche Anforderungen bringt der Beruf mit sich und wie kommt man heute überhaupt in die Lotsenausbildung? Darüber spricht Miriam Schlüter in der aktuellen Folge des HANSA Podcasts. Sie ist Seelotsin auf dem Nord-Ostsee-Kanal und war die erste weibliche Lotsin in ihrem Revier. Miriam Schlüter erläutert darin ausführlich, wie die Lotsenbrüderschaft NOK 1 aufgestellt ist und welche Weichen gestellt wurden. Im Gespräch geht es um den Verkehr auf der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt, um Verantwortung und Kommunikation an Bord sowie um den eigenen Berufsweg in eine nach wie vor stark männerdominierte Branche. Schlüter beschreibt den Lotsenberuf als anspruchsvolle nautische Aufgabe mit hoher Verantwortung. Die Seelotsen auf dem Nord-Ostsee-Kanal, mitunter auch scherzhaft als „Grabenfahrer“ bezeichnet, übernehmen dabei weit mehr als reine Streckenbegleitung. Auf dem NOK gehe es nicht nur darum, Schiffe sicher durch den Kanal zu führen, sondern auch darum, Kapitäne in anspruchsvollen Situationen zu beraten und ihnen frühzeitig Sicherheit zu vermitteln. „Man muss ihnen einfach vorher sagen, was passieren wird“, sagt Schlüter, die auch die Reaktionen der Seeleute beschreibt. Zugleich macht die Lotsin deutlich, dass der Berufsalltag stark von äußeren Faktoren abhängt. Wetterlage, Verkehrsaufkommen und Schiffsgrößen beeinflussen, wann und wo ein Einsatz ansteht. Gearbeitet werde auf dem Kanal auch regelmäßig an Wochenenden. Besonders bei rauem Wetter über Dänemark steige der Verkehr auf dem NOK häufig an, weil mehr Schiffe den geschützten Weg durch den Kanal wählten. Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist Schlüters persönlicher Weg in die Schifffahrt. Im Gespräch geht es auch um Frauen in der Seelotserei. Schlüter beschreibt ihre Sichtbarkeit als „Rückenwind“. Sie wolle damit auch anderen Frauen zeigen, dass der Beruf für sie offensteht. Noch immer ist der Frauenanteil sehr gering. „Wir sind bei ungefähr 850 Seelotsen und davon sind wir vier Frauen“, sagt sie. Umso wichtiger sei es, Vorbilder sichtbar zu machen und den Beruf stärker bekannt zu machen. Mit Fachkompetenz lasse sich dabei auch Skepsis schnell entkräften. Zudem erläutert sie die heutigen Zugangswege in die Lotsenausbildung und den hohen Nachwuchsbedarf.
Thu, 19 Mar 2026 - 125 - #124 KI, Häfen, "Mann über Bord" – Lufthansa-Experten über digitale Trends
Wie weit ist die Digitalisierung der Schifffahrt tatsächlich und wo liegen die größten Hebel für Effizienz, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit? Darüber sprechen Dennis Büchner und Dominic Bäuerle von Lufthansa Industry Solutions in der aktuellen Folge des HANSA Podcasts. Das Unternehmen ist vielen aus der Luftfahrt bekannt, betreut jedoch seit Jahren auch Projekte für Häfen, Terminalbetreiber, Reedereien und Werften. Die maritime Wirtschaft ist heute ein fester Bestandteil des Geschäfts – nicht zuletzt, weil Logistik nur im Zusammenspiel verschiedener Verkehrsträger funktioniert, wie Büchner betont. Dabei unterliegt die Branche typischen Marktzyklen. In der Logistik und Schifffahrt zeigen sich regelmäßig "Schweinezyklen", bei denen Nachfrage, Kapazitäten und Investitionen im Abstand weniger Jahre deutlich variieren. Für IT-Dienstleister bedeutet das, flexibel auf unterschiedliche Marktphasen reagieren zu müssen. Im Podcast geht es unter anderem um die Rolle künstlicher Intelligenz (KI) in der Schifffahrt. Viele Anwendungen sind bereits im Einsatz, ohne dass Nutzer sie bewusst wahrnehmen. Im Hafen- und Terminalbetrieb befindet sich KI jedoch oft noch im Pilotstadium. Entscheidend sei daher nicht nur die Technologie selbst, sondern auch die Einbindung der Mitarbeitenden und der Aufbau von Know-how in den Unternehmen. Ein konkretes Beispiel liefert Büchner aus der Kreuzfahrt: Systeme zur automatisierten „Mann-über-Bord“-Erkennung, die Kamerabilderkennung, Wärmebildtechnik und Lidar-Sensorik kombinieren. „Ziel ist es, Reaktionszeiten zu verkürzen und Leben zu retten“, so der Business Director Maritime Industry. Neben KI stehen Cybersecurity und Resilienz zunehmend im Fokus. "Gerade in den letzten Jahren sehen wir stark steigenden Bedarf bei IT-Security", so Bäuerle. Gleichzeitig bleiben klassische IT-Themen relevant – von Frachtdatensystemen über Hafenbahnsoftware bis hin zu Cloud-Migrationen und Finanzplattformen. Auch beim Umgang mit Gefahrgut und der Stauplanung kann KI unterstützen, etwa durch Mustererkennung in historischen Daten. Klar sei jedoch: "Die Systeme liefern Empfehlungen, die finale Entscheidung trifft weiterhin der Mensch", so Büchner. Ein weiteres Thema der Episode sind digitale Zwillinge und ihre möglichen Anwendungen in Häfen und Flottenmanagement – von Wartungsstrategien bis zu Prozesssimulationen.
Wed, 04 Mar 2026 - 124 - #123 Marine, Meyer Werft, USA, EU – VSM-Chef Lüken im Schiffbau-Gespräch
Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer beim deutschen Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), ist ein erfahrener Experte für das Werften-Geschäft. Seit Jahren warnt er vor einer wachsenden Abhängigkeit der Schifffahrt von der asiatischen, speziell chinesischen, Schiffbau-Industrie. Er fordert deutlich mehr Engagement seitens der hiesigen Politik, um einen fairen Wettbewerb mit den staatlich enorm unterstützen Werften in Fernost zu ermöglichen. Angesichts der welt- und geopolitischen Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit sieht er jetzt einen veränderten Realitätssinn in Berlin. Allerdings spricht er sich auch für einen stärkeren europäischen Schulterschluss aus: "Wir werden die Themen nicht alleine national lösen und dürfen nicht den Weg gehen, den wir in den letzten 20 Jahren gegangen sind", sagt Lüken im HANSA Podcast. In der Episode spricht er über den Marine-Schiffbau, der großes Potenzial berge sowie eine große Nachfrage in auch in den anderen Segmenten, in denen die deutschen Werften aktiv sind. Aber: "Nur mit Highend können wir die kritische Messe unter Umständen nicht aufrechterhalten." Eine Verdopplung des Umsatzes der Schiffbau-Industrie hält er dennoch für "nicht überambitioniert", sieht die Branche in einer "absoluten Wachstumsphase". Lüken spricht unter anderem über die Übernahme von NVL aus der Lürsse-Gruppe durch den Rüstungskonzern Rheinmetall, die Querelen um die Meyer Werft sowie seiner Ansicht nach schwierige Aspekte in der Sanierung nach dem Staatseinstieg. Außerdem geht es um das deutsche Vergaberecht ("Der Auftrag nach Spanien war ein Fehler"), Vor- und Nachteile von Staatswerften, die Politik der US-Regierung Trump für die Werften ("Wir können den Amerikanern helfen") und den vieldiskutierten Jones Act sowie die anstehende Nationale Maritime Konferenz in Emden. Von dem Treffen von Politik und maritimer Wirtschaft erwartet er deutlich mehr Konkretes als von der letzten Ausgabe in Bremen vor einigen Jahren: "Unser Anspruch an eine Nationale Maritime Konferenz ist größer", so Lüken, der auf entsprechende Initiativen aus der Wirtschaft sowie Gespräche mit Wirtschaftsministerin Reiche und den Maritimen Koordinator der Bundesregierung, Christoph Ploss, eingeht.
Fri, 13 Feb 2026 - 123 - #122 Neue Schiffe für die Arktis: Zwiespalt und Ansprüche für „Polarstern“ & Co.
Deutschland bekommt mit der "Polarstern II" ein neues Forschungsschiff, das vor allem in arktischen und antarktischen Gewässern eingesetzt werden soll. Die Regionen gewinnen – nicht nur wegen geopolitischen Bestrebungen – immer mehr an Bedeutung. Und sie stellen spezielle Anforderungen an Schiffe und Schiffsdesigns. Nils Reimer, Leiter des Bereichs Arctic Technology bei der Hamburgischen Schiffbauversuchsanstalt (HSVA) ist ein Experte auf diesem Gebiet. Er sieht bei der Entwicklung von Schiffen für Fahrten im Eis besondere Herausforderungen und einen Zwiespalt. Der Schutz der marinen und maritimen Umwelt ist deutlich wichtiger geworden, was sich etwa auf die Antriebstechnologie an Bord auswirkt. Gleichzeitig müssen die Sicherheit von Schiff und vor allem Besatzung gewährleistet werden. Schließlich verändern sich die klimatischen Bedingungen kontinuierlich. Das alles muss unter einen Hut bekommen werden. Reimer spricht im HANSA Podcast unter anderem über "widrige Bedingungen", Propeller, Ruder und Rumpfform, Beladungseinschränkungen und eine größere Einsatzflexibilität von Schiffen. Außerdem geht es um unterschiedliche Eisverhältnisse, Gefahren für Schiffe und Seeleute, Eisberge, "tolle Herausforderungen", das spezielle Produkt "Polarstern" und den Schutz der Umwelt.
Fri, 30 Jan 2026 - 122 - #121 VDR-Chef: "Wir erwarten ein enorm bewegtes Jahr für die Reeder"
"Wir erwarten ein enorm bewegtes Jahr", sagt Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verband Deutscher Reeder (VDR), gleich zu Beginn des Gesprächs. Geopolitische Spannungen, mögliche neue Hafengebühren und offene Weichenstellungen in der internationalen Klimapolitik sorgten für erhebliche Unsicherheit in der Schifffahrt. Auch die Sicherheitslage auf zentralen Seewegen verschärfe sich weiter. Im ersten HANSA Podcast des Jahres 2026 erläutert der seit 2022 amtierende VDR-Hauptgeschäftsführer, warum das Rote Meer, die Straße von Taiwan und zunehmende Navigationsstörungen in der Ostsee für Reedereien zu ernsthaften Risikofaktoren geworden sind. Für deutsche Reeder stehe dabei vor allem eines im Mittelpunkt: die Sicherheit der Seeleute. "Wir können nicht riskieren, dass wir unsere Seeleute durch ein Seegebiet schicken, wo sie möglicherweise ihr Leben verlieren", so der Jurist. Anders als manche Wettbewerber könnten deutsche Reedereien nicht auf eine flächendeckende militärische Begleitung setzen. Auch strukturelle Themen kommen zur Sprache. Der Experte erläutert, wie die deutsche Handelsflotte heute aufgestellt ist, warum Containerschiffe weiterhin dominieren und weshalb das Bulker-Segment keineswegs eine Schwäche darstellt. Gleichzeitig beschreibt er den Bedeutungsverlust Deutschlands als Schiffsfinanzierungsstandort und die Folgen für den maritimen Wirtschaftsstandort insgesamt. Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Ohne die Tonnagesteuer, so Kröger, sei der Standort aus seiner Sicht nicht überlebensfähig. Der Wettbewerb finde längst nicht mehr nur global, sondern auch innerhalb Europas statt, etwa mit Dänemark oder den Niederlanden. Ähnlich kritisch bewertet er die Situation der deutschen Flagge: Sie biete klare Vorteile, leide aber unter Bürokratie, Sonderregelungen und mangelnder Attraktivität im internationalen Vergleich. Mit Blick auf die Nationale Maritime Konferenz (NMK) Ende April fordert der VDR-Chef klarere Erwartungen des Staates an die Handelsschifffahrt, gerade in Krisen- und Verteidigungsfällen. Gleichzeitig spricht er über Tarifabschlüsse, Ausbildung, Nachwuchsgewinnung und die Grenzen der Dekarbonisierung angesichts fehlender alternativer Treibstoffe.
Wed, 14 Jan 2026 - 121 - #120 Jens Mahnke stellt Frachtcontor Junge für lukrativere Zukunft breiter auf
Nach der jüngsten Übernehme von Hamburg Maritime Chartering steht der nächste Zukauf für Frachtcontor Junge an. Jens Mahnke, „neuer“ Partner und Geschäftsführer, will den Hamburger Makler noch breiter aufstellen. „Bis vor ein paar Monaten hatten wir schon Druck, etwas zu tun. Wir sind nun erheblich besser aufgestellt, aber es geht auch noch mehr“, sagt Mahnke in der neuen Episode des HANSA Podcasts. Und Frachtcontor Junge hat in diesem Zusammenhang Nägel mit Köpfen gemacht, denn der Geschäftsführer bestätigt exklusiv, dass eine weitere Übernahme bereits vertraglich fixiert ist, die unmittelbar zusätzliches Geschäft bringen soll. Für Mahnke ist die Firma selbst kein Neuland, er war schon bis zum Jahr 2001 bei Frachtcontor Junge. In seiner Karriere war er zudem bei einigen namhaften Schifffahrtsunternehmen tätig, darunter der Makler Harper Petersen, die Emissionshäuser Nordcapital und König & Cie. sowie die Ernst Russ AG. Mahnke hat außerdem das Investmentberatungsunternehmen Elbe Financial Solutions gegründet und war Inhaber des Dock-Maklers Combitrade, der seit 2024 zu Frachtcontor Junge gehört (und dessen Ergebnis zuletzt „gerettet“ hat). Den Wechsel zurück zu Frachtcontor Junge hatte er nicht geplant und eine erste Anfrage auch abgelehnt. Also nun „zurück zu den Wurzeln“? Er sei definitiv noch nicht fertig mit Frachtcontor Junge. Im Podcast-Gespräch geht der Manager detaillierter darauf sowie auf die Umstände des Wechsels und eine „lukrativere Zukunft“ ein. Auf die Frage nach der aktuellen Situation gibt er eine „differenzierte Antwort“. Im Drybulk-Geschäft lief es zuletzt schlechter, dafür in anderen Bereichen besser. Durch Firmenkäufe konnte man negative Ergebnisse in bestimmten Teilbereichen auffangen. Mahnke spricht über neue Partnerschaften und eine „erfreuliche Dynamik im Unternehmen“ sowie eine positive Perspektive. Dabei geht es auch um die Frage nach weiteren internationalen Niederlassungen, die Gefahr des „Verfransen“ und „overbroked Märkte“. Nicht zuletzt spricht er von einem Makler-Wettbewerb „mit offenem Visier“ und darüber, wie er das Unternehmen attraktiv machen will für künftige Mitarbeiter sowie über potenzielle weitere Übernahmen und Verkäufe von Unternehmensteilen.
Fri, 12 Dec 2025 - 120 - #119 CGH-Chef Maraschi: "Starker Cruise-Markt hat noch großes Potenzial“
Als Betreiber der Kreuzfahrtterminals bildet Cruise Gate Hamburg (CGH) als Tochterfirma der Hamburg Port Authority (HPA) seit Jahren eine zentrale Schnittstelle zwischen Hafen, Stadt und Reedereien. Unter Geschäftsführer Simone Maraschi hat sich das Unternehmen zunehmend strategisch ausgerichtet, mit dem Fokus auf Standortentwicklung, Nachhaltigkeit und internationale Zusammenarbeit. Er spricht unter anderem darüber, warum Landstrom in der Kreuzfahrt kein Allheilmittel ist und an welchen Stellen die Reedereien bereits vorangehen. Die CGH setzt verstärkt auf die Weiterentwicklung des Standorts und die enge Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Partnern. "Wir lernen voneinander und unterstützen Häfen, die vor gesellschaftlichen oder regulatorischen Herausforderungen stehen“, so Maraschi. Neben der technischen Entwicklung spielt die öffentliche Wahrnehmung eine wachsende Rolle. „Die Wertschöpfung liegt bei über 420 Mio. € und rund 5.000 Arbeitsplätzen – heute vermutlich mehr. Deshalb ist es wichtig, die ökologischen Fortschritte und wirtschaftlichen Auswirkungen noch klarer zu kommunizieren.“ Hören Sie hier die komplette Episode: Simone Maraschi geht u.a. ein auf: Aktuelle Marktsituation und die Rückkehr nach der Pandemie, Hamburgs Rolle im deutschen und nordeuropäischen Kreuzfahrtmarkt, den Austausch zwischen europäischen Häfen, städtebauliche Aspekte und die Rolle des neuen Terminals in der HafenCity, Potenziale und infrastrukturelle Anforderungen der Flusskreuzfahrt.
Mon, 01 Dec 2025 - 119 - #118 OVB: Deutlich größere Schiffskredit-Tickets – "Neugeschäftspause" beendet
Sondertilgungen, herausforderndes Umfeld, Dollar-Abwertung: "Es war alles andere als leicht", dennoch ist die Ostfriesische Volksbank (OVB) mit der Schiffsfinanzierung im laufenden Jahr bislang zufrieden. Guido Mülder, Vorstandsmitglied bei der in Leer ansässigen OVB, blickt in der neuen Episode des HANSA PODCASTs zuversichtlich auf das Geschäft mit Schiffskrediten und sieht einiges Wachstumspotenzial. Mit Stand Ende Oktober ist das Schiffskreditportfolio im Vergleich zum Vorjahr zwar geschrumpft. Dafür gebe es allerdings drei gewichtige Gründe, die er detailliert erläutert. Mülder zeigt sich entsprechend hoffnungsfroh, dass man bis Jahresende aufholen und vielleicht sogar ein leichtes Plus erreichen kann. Traditionell war und ist ein großer OVB-Schwerpunkt die Shortsea-, Coaster-, MPP- und Heavylift-Schifffahrt. Zum Kreditvolumen in der Seeschifffahrt kommen die Binnenschifffahrtsaktivitäten sowie mittlerweile die "Spezialschifffahrt". Der Banker geht darauf ein, welche Schiffstypen darunter fallen. Er erläutert, auf welches Volumen sich die Segmente summieren und wie die Bank wachsen will. Das Schifffahrtsteam bei der OVB beobachtet in letzter Zeit zwar einen Rückgang der Schiffsanzahl in den Büchern. Dafür seien die Ticketgrößen "deutlich größer" geworden, berichtet Mülder mit weiteren Hintergrund-Informationen. Die größte Konkurrenz sieht er nicht so sehr in anderen Banken, sondern auf der Eigenkapitalseite. Darauf geht er im Gespräch ebenso ein wie auf die Einschätzung, dass sich die OVB im Wettbewerb "ganz gut aufgestellt" sieht sowie auf das Konsortialgeschäft – mit der "Mutter" DZ Bank sowie mit weiteren Volks- und Raiffeisenbanken, die für die Schiffsfinanzierung mit ins Boot geholt wurden. Zu den weiteren Themen gehören das Risikovolumen, Kredit-Tickets und Loan-to-Value (LTV), Sondertilgungen und Kapital-Verfügbarkeit, die Dollar-Abwertung und die Effekte auf die Bilanz, Secondhand- vs. Neubau-Finanzierung, das Ende der "Neugeschäftspause", das Scheitern der IMO-Klimaschutzverhandlungen und "zweigleisige" Reederei-Aktivitäten sowie der Nordwesten als Reedereistandort und das erfolgreiche Geschäft in der Binnenschifffahrt.
Fri, 14 Nov 2025 - 118 - #117: Die Familie Nürnberg baut die Flotte ihrer Reederei OS Energy mit MPC aus
2016 eingestiegen, 2018 vollständig übernommen: Die Familie Nürnberg um Vater Alexander – u.a. bekannt als ehemaliger Geschäftsführer von Hatlapa und Macgregor –, sowie die Söhne Vincent, Martin und Paul bauen „ihre“ Reederei O.S. Energy in Glückstadt mit neuen Aktivitäten und neuen (eigenen) Schiffen sukzessive auf und aus. In der Episode erläutern Alexander und Vincent Nürnberg ausführlich und exklusiv die Entwicklung und ihre Hintergründe, den Finanzrahmen für Neubauten sowie die Pläne für die Zukunft. Vincent Nürnberg bringt u.a. Erfahrungen "von Bord" und aus dem Reedereibetrieb ein, Vater Alexander („ich war 58 Jahre alt, als ich aus der Zulieferindustrie auf die Reederei-Seite wechselte“) hat in seiner Karriere Expertise in den Bereichen Restrukturierung und Wachstumsfinanzierung gesammelt. Mittlerweile ist das Unternehmen mit einer Flotte von 15 und drei Standorten in Europa in einer wachsenden Palette von Dienstleistungen aktiv, etwa Umweltmonitoring für Windparks, Vermessungsarbeiten oder Sprengstofferkundung. Im Gespräch erläutert Vincent Nürnberg dies näher – auch, wie die Reederei mit der Bundeswehr zusammenarbeitet. Nicht zuletzt geht es darum, ob man sich weitere Geschäftsfelder oder andere Schiffstypen für die eigene Reederei vorstellen kann. Aktuell läuft eine Neubau-Serie in Dänemark. Vincent Nürnberg begründet den Schritt und spricht über eine „evolutionäre Weiterentwicklung der Flotte“. Dabei ist die Hamburger Schifffahrts- und Finanzgruppe MPC Capital ein sehr wichtiger Partner. Weitere Projekte sollen folgen, wie im Gespräch deutlich wird. Außerdem sind weitere Investoren dabei. In der Episode kommen die Nürnbergs auch auf den konkreten Baupreis sowie eine europaweite Ausschreibung zu sprechen. Die Frage, ob es leicht sei, für solche Projekte Finanzierungspartner zu finden, beantwortet Alexander Nürnberg allerdings mit „Nein“ und begründet dies auch ausführlich. Nicht zuletzt geht es auch die Arbeitsaufteilung und Kompetenzen der Familienmitglieder, internationale Expansion und Märkte, die man ganz bewusst meidet, die Kombination verschiedener Schiffstypen, den Wettbewerb unter Offshore-Reedern, teil-autonome Schiffseinsätze und den finanziellen Vorteil für den Endverbraucher, also den Stromkunden.
Tue, 28 Oct 2025 - 117 - #116: Reedereien Auerbach und Krey: Hand in Hand für neue MPP-Schiffe
"Zusammenarbeit" ist das Schlagwort für die Reedereien Krey aus Leer und Auerbach aus Hamburg bei der Modernisierung ihrer Flotten mit insgesamt 12 neuen MPP-Schiffen. Und die gemeinsame Reise könnte sogar noch weiter gehen. Die beiden Managing Partner Daniel Grensemann (Krey) und Lucius Bunk (Auerbach) sprechen im HANSA PODCAST exklusiv über die Hintergründe ihrer "Kooperative", Design-Besonderheiten der in China gemeinsam bestellten Schiffe, die Geschichte der F-Typen als Arbeitspferde der MPP-Flotten, potenzielle Schritte in andere Märkte und die Attraktivität der Branche für Investoren und den Kapitalmarkt. "Wir haben ganz bewusst entschieden, gemeinsam einen Auftrag zu platzieren, weil wir das Gefühl hatten, dass wir ein besseres Produkt bekommen, wenn wir unsere komplementären Stärken vereinen", sagt Bunk und geht auf diese Stärken ein. Ein Argument ist auch der größere Verhandlungsspielraum "im Sparring" bei der Werft. Grensemann zieht im Gespräch einen Vergleich zu früheren Zeiten. Krey und Auerbach seien etwas anders unterwegs als "die alte Garde". Zudem könne es definitiv noch weitergehen. Zum Einen durch die Zusammenarbeit mit weiteren Reedern – eine Hamburger Reederei ist bereits an Bord – und zum Anderen mit weiteren Schiffen: "Wir sind in der Tat auf der Suche nach dem nächsten Projekt für unsere Flotte", so der Leeraner Unternehmer, der auf Optionen und Hürden ebenso wie auf die Entwicklung der Reedereiflotte in den letzten Jahren eingeht. Darüber hinaus sprechen die beiden Manager über "die erfolgreichste MPP-Schiffsserie überhaupt", deren maßgebliche Entwicklung in Leer, darüber, warum 2 x 350 nicht zwingend 700 sein muss sowie die gemeinsame Vermarktung im Chartermarkt (und den Charterer der ersten Neubauten). Außerdem geht es um den Input von Reedereigründer Georg Krey, die jüngere Geschichte von Auerbach (Grensemann: "einfach hip"), Bunks Erfahrungen als Schiffsmakler für die Reederei Ernst Russ in China, die Chance auf Bau-Slots in China und Indien und "echten Mehrwert" durch Zusammenarbeit.
Thu, 02 Oct 2025 - 116 - #115 Seeleute und die Psyche: „Ein noch immer sehr unsichtbares Problem“
Das Thema sei immer noch zu sehr unsichtbar: Psychische Probleme von Seeleuten. Charles Watkins, Gründer und Chef von Mental Health Support Solutions (MHSS), wird in der neuen Folge des HANSA Podcast deutlich und übt Kritik an Überlastung dem Umgang mit Formularen und Stigmatisierung. Das Leben an Bord kann für Seeleute sehr hart sein, mentale Probleme sind keine Seltenheit. Die Ursachen sind in vielen Fällen die Überlastung an Bord, Schlafmangel sowie Einsamkeit und soziale Aspekte, sagt Watkins. Aber auch Angststörungen, Traumata und Psychosen spielen eine Rolle, auf die er ausführlich eingeht. Bei der Analyse geht es zudem um kulturspezifische Elemente. Der in Hamburg ansässige Dienstleister hat seinen Ursprung im klinisch-psychologischen Bereich. Watkins hält das Thema trotz vieler neuer Initiativen noch immer für „sehr unsichtbar“. Im Podcast spricht er auch über eine Stigmatisierung von betroffenen Seeleuten und die Angst, über mentale Probleme zu reden. Auch geht er darauf ein, mit welchen Reedereien er und sein Team zusammenarbeiten bzw. welche Bedingungen sie stellen – und wo deutsche Reeder bei dieser Thematik stehen. Einsamkeit und das „Aufeinanderhocken“ zählen nach wie vor zu den größten Probleme für Seeleute in dieser Hinsicht, meint Watkins und erläutert, warum auch die neuen technologischen Mittel und das Internet nur bedingt Abhilfe leisten können – „ein zweischneidiges Schwert“. „Am Ende ist man wieder umgeben von Metall“. Das aber in seinen Augen nach wie vor schwierigste – und heikelste – Thema: „Es sind zu wenig Seeleute pro Schiff, sie können die Arbeit nicht so erledigen wie es nötig wäre.“ Die bestehenden Vorgaben würden nicht eingehalten, kritisiert der Psychologe und spricht über Schichten, Schlafentzug, gezwungenermaßen falsch ausgefüllte Formulare und wissenschaftlich erwiesene Fakten. Watkins spricht u.a. auch über bestimmte Regionen mit besonders hoher Belastung, Mobbing und sexuelle Übergriffe auf Schiffen und spezielle psychologische Aspekte im Beruf des Seefahrers. Es geht außerdem um religiöse und kulturspezifische Aspekte, Gebete, Halluzinationen, Rituale sowie „westliche Arroganz“ und Respekt für andere Kulturen und das Zusammenspiel mit geistlichen und religiösen Hilfseinrichtungen. Nicht zuletzt spricht Watkins über Unterstützung von Reedern – je nach wirtschaftlicher Lage, ein „Vetting“-Prozess bei MHSS, posttraumatische Belastungsstörungen, Psychosen und Angstzustände, Belastung durch Piratenangriffe, Raketen oder Drohnen sowie die Frage nach Be- oder Entlastung durch bewaffnete Guards an Bord.
Wed, 17 Sep 2025 - 115 - #114 "Großes Potenzial im Schiffbau" – 175 Jahre Fassmer-Werft
Harald und Holger Fassmer führen das Schiffbauunternehmen an der Weser in fünfter Generation. In diesen Tagen feiert die Werft ihr 175-jähriges Jubiläum. Anlass genug für eine "Zwischenbilanz" und einen Blick in die Zukunft. Ein wichtiger Schritt war der Wechsel vom Holzbau zu anderen Materialien wie Stahl und Aluminium. Anders als andere Werften der Region konnte Fassmer so überleben. Trotz einiger schwieriger Zeiten – Inflation in den 1920er-Jahren, Kriege, Krisen und die Corona-Pandemie – hat sich Fassmer am Markt gehalten und sich weiterentwickelt. Darüber sprechen Harald und Holger Fassmer im Podcast ebenso wie über "Highlights" und "Lowlights", die Notwendigkeit zur Kooperation im internationalen Wettbewerb (etwa mit der Papenburger Meyer Werft oder der Werft Abeking & Rasmussen), die Besonderheiten bei der Arbeit mit der öffentlichen Hand als Auftraggeber, den Spezialschiffbau, "abenteuerliche" und "experimentelle" Projekte sowie das politisch-regulatorische Umfeld. Lust auf Schiffbau haben die beiden Geschäftsführer "auf jeden Fall" noch. Und auch mit Blick auf die Zukunft sind sie zuversichtlich. Zum Einen, weil sie im Schiffbau noch großes Potenzial sehen. Und zum Anderen, weil die nächste Generation der Familie nachrückt. "Da braucht man sich keine Sorgen zu machen", sagt Harald Fassmer. Das Gespräch dreht sich nicht zuletzt um das Miteinander in einem Familienunternehmen, Werte, Stolz auf das Erreichte ("In der Mehrheit haben wir die richtigen Entscheidungen getroffen"), Wachstums- und Expansions-Optionen und die politische Förderung.
Tue, 26 Aug 2025 - 114 - #113 Timo Schön: "Die ‚Ladung‘ Passagier ist etwas ganz anderes"
Timo Schön, Geschäftsführer für den türkischen Kreuzfahrt-Terminalbetreiber Global Ports am neuen Standort Bremerhaven, also am Bremerhaven Cruise Port, sieht „unfassbares Potenzial“ im deutschen Weser-Hafen. In der neuen Episode des HANSA PODCASTs spricht er über seinen Wechsel aus der Handelsschifffahrt und seine Ansichten zum Standort Bremerhaven, zur Kreuzfahrt sowie Zukunftspläne und die Zusammenarbeit mit der landeseigenen Hafengesellschaft Bremenports. Ausbau und Weiterentwicklung stehen nach der ersten Phase der Neuaufstellung oben auf der Prioritätenliste für Schön, der mit seiner langjährigen Erfahrung aus anderen Schifffahrtssegmenten einen eigenen Blick auf die „Ladung“ Passagier hat. Seit Jahresbeginn ist der erfahrene Schifffahrtsmanager nach Stationen unter anderem bei Karl Geuther, Frachtcontor Junge, Seaports of Niedersachsen und beim Jade-Dienst Geschäftsführer beim Bremerhaven Cruise Port. Seitdem betreibt nämlich die türkische Global Ports Holding das Kreuzfahrtterminal an der Weser. Schön erläutert das Portfolio der nach eigenen Angaben marktführenden Gruppe und ist zuversichtlich, dass der erst 2004 gegründete Konzern am Standort ein gutes Stück Wachstum erreichen kann. Der gelernte Schiffsmakler hat sich schon immer für die Kreuzfahrt-Branche interessiert. »Die Ladung Passagier ist etwas anderes als flüssiges, trockenes Massengut oder Container oder was es sonst noch alles gibt und ist eine sehr sensible Ladung.« Auf der anderen Seite sei es aber auch so, dass die „Ladung“ ja auch eine eigene Stimme habe, die auch mal ihre Unzufriedenheit äußern könne. Global Ports habe noch einiges vor, "wir streben permanentes Wachstum an". Dazu werden auch Gespräche mit Reedereien geführt, wie Schön erläutert – solche, die schon Kunden sind und eventuell zusätzliche Anläufe realisieren könnten und solche, die man vielleicht als Neukunden gewinnen könnte. Zum Einen will man an den eigenen Abläufen und dem Equipment arbeiten. „Beim Umbau sind uns als Mieter ein Stückweit die Hände gebunden“, so Schön, der über Gespräche mit Bremenports und Wünsche für ein „flexibles Terminal“ beziehungsweise ein „zweites Terminal“ spricht.
Fri, 11 Jul 2025 - 113 - #112 "15 Mrd. € aus Sondervermögen für die deutschen Seehäfen"
Florian Keisinger, seit wenigen Wochen neuer Hauptgeschäftsführer beim Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), tritt nur kurz nach seinem Amtsantritt mit einer ambitionierten Forderung an die Politik. Auf den ersten Blick klingt es gar nicht so viel: 3 %. Diesen Anteil vom Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes fordert Keisinger für Investitionen in die Häfen als "kritische Infrastruktur". Ist das etwas tiefgestapelt? Übersetzt man das in eine absolute Zahl, wird die Dimension – auch im Vergleich zu bisherigen politischen Anstrengungen in diesem Feld – schon deutlicher: Es geht um mindestens 15 Mrd. €, sagt der neue ZDS-Chef und erläutert ausführlich die Hinter- und Beweggründe für die Initiative. Hinzu komme eine zweite große Herausforderung: die Grundlagen zu schaffen, "damit wir nicht wieder in die Situation kommen, in der wir jetzt sind. Dazu bedarf es einer entsprechenden Grundfinanzierung für die deutschen Seehäfen, die deutlich über der Summe liegt, die derzeit vom Bund zur Verfügung gestellt wird", so Keisinger, der seine Ansicht zu einer "angemessenen Hausnummer" erläutert. Infrastruktur-Sondervermögen, Energiewende, Bundeswehr – all das sind für ihn Themen, die auch die Seehäfen »sehr sehr konkret« betreffen. Keisinger ist im Mai aus der Luftfahrtbranche von Airbus Defence and Space zum ZDS gestoßen und bringt dadurch einige Erfahrungen aus dem Sicherheitsbereich mit. Im Podcast spricht er darüber, wie seine ersten Wochen in der "blauen" Wirtschaft verlaufen sind, was ihn überrascht hat, über seinen Quereinstieg und wie er von seinen bisherigen Erfahrungen im neuen Job zehren kann ("zahlreiche Anknüpfungspunkte"). Er spricht über eine massive Vernachlässigung und einen großen Sanierungsstau aus den letzten Jahrzehnten, neue Realitäten. Auch auf die Frage, wie seiner Ansicht nach der Einstieg ausländischer Unternehmen, etwa des chinesischen Staatskonzerns Cosco oder der MSC-Gruppe, in der aktuellen Situation zu bewerten ist, geht er ein. Die Stichworte lauten "Keine kategorische Abwehrreaktion" und »Abschottung«. Das Gespräch dreht sich außerdem um die Zeitenwende, den neuen maritimen Koordinator, Häfen als Basis für Offshore-Industrie und Energiewende, die Koordination zwischen dem Bund und den Ländern, Investitionen aus dem Verteidigungshaushalt, die vieldiskutierte Einfuhrumsatzsteuer, Automation in Häfen und Gespräche mit Gewerkschaften sowie die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Seehäfen.
Fri, 20 Jun 2025 - 112 - #111 Patentrezept "Retrofit"? Rolf Stiefel über Chancen und Grenzen
Nur mit modernen Neubauten lässt sich die Dekarbonisierung der Weltflotte nicht bewerkstelligen, Umbauten und Retrofits spielen eine entscheidende Rolle. Oder? Rolf Stiefel, Regional Chief Executive Marine and Offshore bei der Klassifikationsgesellschaft Bureau Veritas (BV), hat dazu eine differenzierte Meinung. Der erfahrene Schifffahrtsmanager spricht in der neuen Episode des HANSA PODCASTs über Pro & Contra, Chancen und Grenzen der oftmals als „Patentrezept“ angeführten Herangehensweise Retrofit. Es geht um kommerzielle und technologische Abwägungen zu Kraftstoffen, Motoren, Propeller, Windkraft, Elektro-Antrieben & Co. In der öffentlichen Diskussion geht es beim Thema Retrofit sehr oft um den Motor – Stichwort „alternative Kraftstoffe“. Stiefel meint, das sei auf jeden Fall eine sehr vielversprechende Option, weil man diverse Vorgaben auf einen Schlag erfüllen kann. Aber: „Dabei handelt es sich blöderweise um eine der teuersten Maßnahmen, die man sich vorstellen kann, und es ist extrem aufwendig.“ Auch daher sollte man sich seiner Ansicht nach nicht zu sehr auf den Kraftstoff fokussieren und weitere Maßnahmen in den Blick nehmen, so Stiefel, der im Gespräch auf einige einige Ansatzpunkte detailliert eingeht. Dabei geht es unter anderem um Propeller-Effizienz und Mewis-Düsen, „sehr sehr sehr erfolgreiche technologische Entwicklungen“ und „relativ einfache Maßnahmen“, Propeller-Retrofits, Wulstbug-Anpassungen und Silikon-Beschichtungen, Windkraft und Batterien. Aber nicht alles sei für alle Regularien hilfreich, "da muss man genau hinschauen". Am Ende hänge aber doch sehr vieles am Brennstoff. Auch die unvermeidliche Frage „Welche Alternative wird es denn werden?“ ist Thema der Episode. Stiefel erläutert seine Sicht auf die Dinge, welcher Kraftstoff aus technologischer Sicht am besten geeignet wäre und warum er dennoch nicht zwingend in der großen Breite zur Anwendung kommen dürfte. Der ehemalige Manager des Motorenentwicklers WindGD, der „immer noch gute Kontakte in die Branche“ hat, spricht unter anderem über eine Abstufung von Retrofit-Kosten je nach Kraftstoffwahl. Auch ein De-Rating eines Motors sei ein bekanntes, sehr gutes Konzept, so Stiefel, der über 20 bis 30 Gramm Brennstoffvorteil pro Kilowattstunde spricht, „das ist gigantisch“. Darüber hinaus beinhalte ein Retrofit generell stets diverse Risiken und eine große Anzahl an Unwägbarkeiten – auch finanziell –, weil selbst Schwesterschiffe nicht zu 100% identisch seien. Stiefel spricht über Schwierigkeiten in der Vorbereitung. Entsprechend halten sich viele Werften eher zurück. Man komme finanziell relativ schnell an einen Punkt, an dem größere Maßnahmen nicht darstellbar seien – vor allem für Tramp- oder Charter-Reeder. Es geht um Planungssicherheit und Payback-Zeiten. "Da sehe ich die größte Schwierigkeit.“ Stiefel bezweifelt, dass es für eine große Welle ausreichend Werftkapazität gibt, und er erklärt, wie er zu dieser Einschätzung kommt. „Ich bin eher der Meinung, dass es zwar noch einige Retrofits geben wird, aber dass es eben nicht die Mainstream-Variante wird.“ Er glaubt eher wieder an den Tonnage-Ersatz durch Neubauten als „interessanteren Weg“, den er auch erläutert – nicht nur, aber auch mit Blick auf seine Erwartungen an sinkende Preise und das fortschreitende Alter der Flotte. In der Episode geht es außerdem um „Wow-Projekte“ und „No-Brainer“, LNG, Methanol, Ammoniak, Bio-Kraftstoffe, Finanzielle Abwägungen, „Über-powerte Schiffe“ und Motoren-De-Rating, Investitionen und Payback-Probleme, Container- und MPP-Schiffe, LNG-Ammoniak-Umrüstungen und internationale Umweltpolitik.
Tue, 03 Jun 2025 - 111 - #110 Plädoyer gegen die „Verzwergung“ der dualen Ausbildung
Konstantin Pohsin, Notschlepper-Kapitän und Fleetcaptain bei der Reederei Fairplay und Alexander Geisler, Geschäftsführer beim Zentralverband der deutschen Schiffsmakler gehören seit Jahren zu den Vorkämpfern für die duale Ausbildung für Schiffsmechaniker und Schifffahrtskaufleute. In der neuen Episode des HANSA PODCASTs schicken sie ein deutliches Plädoyer in die – nicht nur maritime – Welt. Seit Jahren gehört die Nachwuchsrekrutierung für die verschiedenen Bereiche der Branche zu den absoluten „Hot Topics“. Nach Ansicht von Geisler und Pohsin hat sich in diesem Feld bereits einiges getan. Aber es gebe auch durchaus noch Luft nach oben und man habe einige Herausforderungen zu meistern. Zentrales Thema: die Sichtbarkeit der maritimen Branche erhöhen und die vielfältigen Möglichkeiten (auch im Sekundärmarkt an Land) aufzeigen. In dem Gespräch dreht es sich auch um die Lücke, die die Babyboomer-Generation hinterlässt. Pohsin, selbst ehemaliger Kapitän des Notschleppers „Nordic“, stellt immer wieder fest, dass viele Leute – an der Küste und im Hinterland – nichts mit gewissen Berufen wie Schiffsmechaniker oder Schiffsmakler anzufangen wissen. „Man muss das Thema frühzeitig emotionalisieren und klar machen, wie abwechslungsreich so ein Berufsweg sein kann“, so der Mitarbeiter der Reederei Fairplay Towage, der detailliert beschreibt, was er sich darunter vorstellt. „Ein entscheidender Punkt ist es, auch die Eltern zu gewinnen“, ergänzt Geisler. Die beiden Experten berichten von den Reaktionen in solchen Gesprächen und wie man ein Umdenken ermöglichen kann. Poshin beobachtet, dass die klassische duale Ausbildung teilweise mit negativen Vorurteilen behaftet ist. Für den Bereich der Schifffahrtskaufleute spielen Studiumszweifler, "die an den Hochschulen irgendwie lost sind“, mittlerweile eine signifikante Rolle, wie Geisler erläutert. Auch hier sieht er noch weiteres Potenzial, scheitert aber bisweilen mit seinen Aktivitäten an den Türen der Hochschulen, wie er mit Verweis auf „Hausverbote“ und einen Appell an Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank, diese Türen zu öffnen, erläutert. Auch im nautisch-technischen Bereich gebe es vielfältige Möglichkeiten, so Pohsin. „Aus eigener Erfahrung als Kapitän kann ich sagen: Man kann sein Schiff ja nicht irgendwohin diskutieren, das muss man fühlen und das geht nur im Team.“ Geisler nervt die „Bachelorisierung“, „diese Verzwergung der dualen Ausbildung finde ich schwierig“, so der Branchenkenner, der auf Details dieser Ansicht eingeht. “Ich wüsste nicht, was ein Befrachtungsmakler noch studieren sollte, außer das Leben und die Kundschaft und vielleicht den Wirtschaftsteil einer überregionalen Zeitung.“ Pohsin spricht mit einigem Enthusiasmus davon, dass es für ihn nichts Besseres gibt, nichts Spannenderes und nichts, „was mehr fetzt“, als die Schifffahrt. Beide sprechen von einem „Fieber“ für die Schifffahrt, von „24/7“ und von einer Berufung (statt Beruf). Die beiden Schifffahrtsexperten sprechen unter anderem auch über „Rüstzeug für Karriere über den ganzen Lebensweg“, Vorurteile, Bewerbermangel und positive Entwicklungen,"Chancenpool" für Schiffsmechaniker und Schifffahrtskaufleute, Abbrecher-Quoten, Work-Life-Balance und Lebensrealitäten, Personalentwicklung und Durchlässigkeit in Unternehmen, Arbeit und Ausstattung der Berufsschulen, das „Ende der Fahnenstange“ in den Bemühungen der Unternehmen, Tingel-Touren durch Schulen, Gespräche mit Lehrern und „Akademiker-Eltern“,den Anteil süddeutscher oder „küstenferner“ Menschen in der Schifffahrt sowie Geigenbauerinnen als Befrachtungsmaklerinnen, Quinoa und Avocado ...
Mon, 12 May 2025 - 110 - #109 Reederei Nord-Chef Kurt Klemme: "Grauenhaftes Containerschiff-Orderbuch"
Die Hamburger Reederei Nord will "nicht alle Eier in einen Korb" werfen und hält an der von Gründer Klaus Oldendorff ausgerufenen Strategie einer diversifizierten Flotte fest. Geschäftsführer Kurt Klemme erläutert in der neuen Episode des HANSA PODCASTs die Hintergründe der Strategie und spricht über Flottenpläne für Containerschiffe, Bulker und Tanker, die Sorge vor einem Linien-Oligopol, die Arbeit mit der Eignerfamilie Oldendorff und Pläne für KG-Fonds und Investorenschiffe sowie über Folgen der Politik von US-Präsident Trump. Die vor rund 60 Jahren gegründete Reederei Nord betreibt aktuell eine Flotte von insgesamt 36 Schiffen – inklusive solchen im Management. Darunter sind wie schon seit vielen Jahren Containerschiffe, Bulker und Tanker – und zwar vor allem "Standardschiffe". Das soll auch so bleiben, sagt Klemme. Mitunter komme einem beim Blick auf die politischen Entwicklungen der Gedanke »bloß raus aus dem Containermarkt«, aber schlussendlich habe sich das Konzept »Diversifikation« stets bewährt, so der Manager, der erläutert, warum man in welchen Segmenten investiert bleiben wolle. Die Reederei Nord wartet derzeit noch auf einen letzten Containerschiffsneubau. Danach dürfte kurzfristig kein neuer Auftrag folgen. Der Geschäftsführer nennt das globale Orderbuch "grauenhaft". Es gebe großes Verschrottungspotenzial, vor allem "wenn der Markt knallt", sagt Klemme, der seine diesbezüglichen Erwartungen erläutert, aber auch, in welchen Segmenten noch größerer Bedarf seitens der Linien kommen dürfte. Ein zentraler Aspekt dabei ist die Arbeit der Linienreedereien und Allianzen. Zwar gab es da zuletzt eine leichte Entspannung im Vergleich zu den besonders schwierigen Zeiten, in denen Trampreeder regelrecht "rasiert" worden seien. Allerdings gibt es bei der Reederei Nord durchaus Sorgen, "dass wir wieder in so eine Struktur kommen, in dem wir von einem Oligopol in die Zange genommen werden". Ein Hauptfokus liegt aktuell eher bei Bulkern und Tankern. Das "Dry Bulk"-Orderbuch habe "eine völlig überschaubare Größe", sagt Klemme und geht auf die Attraktivität unterschiedlicher Schiffsgrößen und -typen ein – sowohl für Neubauten als auch für Secondhand-Transaktionen. Auch im Tanker-Markt schaut sich die Reederei regelmäßig um, aber die politische Lage in den USA – ein wichtiger Markt für die Reederei Nord – erfordere eine genaue Planung, etwa bei Neubau-Aufträgen. Nicht zuletzt mit Blick auf die geplanten Strafgebühren für in China gebaute Schiffe bei Hafenanläufen in den USA. Das "Traumziel" für die Flotte? "50 eigene Schiffe und 30 weitere in Management wäre eine gute Größe", sagt Klemme und spricht auch über seine Einschätzung, ob und wie das möglich ist. Man könne sein Geld auch anderweitig gut investieren. Klemme geht auch darauf ein, ob der Einstieg in andere Schifffahrtssegmente wie MPP oder Offshore eine Option für die Reederei sind und nicht zuletzt, wofür der Reederei "das Geld zu schade ist". Außerdem spricht der erfahrene Manager über Pläne für einen neuen KG-Fonds und die Idee eines neuen "Private Placements" in Deutschland sowie das Modell von "Investorenschiffen" und den Anteil, den die Familie Oldendorff an den Schiffen hält. Klemme spricht in der Episode u.a. auch über An- und Verkaufsstrategien, was erwartet wird, "wenn der Markt knallt" und wo in der Schifffahrt die Musik spielt, bevorzugte Schiffsgrößen und -typen, Nicht-Standardschiffe und Nischenmärkte, Vor- und Nachteile bei der Arbeit mit KG-Fonds und Private Equity, wie die Reederei Nord von den Plänen der US-Regierung, in China gebaute Schiffe mit einer Sondergebühr zu belegen, profitieren dürfte sowie Auswirkungen der Zoll- und Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China. Hinweis: Die Episode wurde am 14.4.25 aufgezeichnet.
Fri, 25 Apr 2025 - 109 - #108 Allianz-Experte erwartet mehr Havarien mit russischer Schattenflotte
Immer wieder kommt es zu Unfällen im Zusammenhang mit der sogenannten russischen Schattenflotte. Justus Heinrich, Head of Underwriting Marine und damit Chef der Schifffahrtssparte beim Versicherer Allianz, sieht weitere Havarien – zum Beispiel auch in Form von Kollisionen mit nicht-sanktionierten Schiffen – als ein "realistisches Szenario" an. In der neuen Episode des HANSA PODCASTs spricht der Experte über die Risiken für Reeder und Versicherer, die Auswirkungen der internationalen Sanktionen gegen Russland im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine und eine mögliche künftige Arbeit mit russischen Akteuren. Die Größe der Schattenflotte lässt sich nach Ansicht von Heinrich auf einen Umfang von 600 bis 1.600 Schiffen bemessen. Warum die große Spannbreite? "Es gibt Schiffe, die eindeutig zur Schattenflotte, also zur ›Dark Fleet‹, gehören und dann solche, die in die Kategorie ›Grey Fleet‹ fallen", erläutert Heinrich und spricht dabei auch von solchen Schiffen, die den Handel mit sanktionierten Gütern unterstützen, aber selbst in einem "legalen Mantel" – also zum Teil für nicht-sanktionierte Unternehmen unter etablierten Flaggen – unterwegs und nicht sofort als Schattenflottenschiff identifizierbar sind. Auch geht er auf den Anteil der Schiffe in der Schattenflotte ein, die dem Vernehmen nach keine bekannte Versicherung haben sollen. Der Allianz-Experte spricht in diesem Zusammenhang auch von einer "Perfektionierung" eines solchen, auch in der Vergangenheit schon von anderen Akteuren angewandten, Vorgehens durch Russland, sowie von typischen Schiffstypen und Ladungsarten in der Schattenflotte. Seit Beginn der Sanktionen gegen Russland gab es immer wieder Havarien von Schiffen der Schattenflotte. Manchmal sind dabei auch nicht-sanktionierte Schiffe betroffen, etwa bei Kollisionen. Angesichts der mitunter mangelnden Wartung und Kontrolle dürften weitere Vorfälle folgen. "Ich denke, es ist nicht ausgeschlossen, dass wir weitere Havarien sehen werden, einfach aufgrund der Risikostruktur dieser Schiffe und ihrer Routen". Zum Beispiel: Eine Kollision zwischen einem Frachter der Schattenflotte und einem nicht-sanktionierten Schiff sei ein völlig realistisches Szenario, meint Heinrich und erklärt, welche Annahmen hinter dieser Erwartung stehen. Explizit erläutert er auch, welcher Aufwand in solchen Fällen auf den Eigner und den Versicherer des nicht-sanktionierten Schiffs zukommen, wenn er es etwa mit einem russischen Gegenpart zu tun bekommt – sofern ein Ansprechpartner ausgemacht werden kann. Ob die Sanktionen eingehalten werden? "Wer sein Geschäftsmodell weiter erfolgreich betreiben möchte, hat gar keine andere Wahl. Es geht sofort an die Existenz, wenn Verstöße zum Beispiel der US-Behörde "Office of Foreign Assets Control" (OFAC) bekannt werden. "Man kann innerhalb von Stunden nicht mehr geschäftsfähig sein, wir haben das bei Dienstleistern gesehen", sagt er und blickt auch seine Erwartungen in puncto Sanktionen und Schattenflotte. Der Allianz-Experte Heinrich spricht u.a. auch über Sanktionsbrecher, Unbedarftheit und Unwissenheit als Risiken für Schifffahrtsunternehmen, Grenzen der Kontrollmechanismen, den Anteil an "Sanktionsarbeit" im Versicherer-Geschäft, Verteilung der Mehrkosten, Bewertung neuer Sanktionen gegen Kapitäne, politische Sanktionsarbeit und die Einbeziehung von betroffenen Akteuren ("ein praxisnaher Austausch wäre wünschenswert") im Vorfeld sowie entscheidende Stellen in Berlin, Brüssel und Washington, Folgen der Sanktionen auf den Fachkräftemangel auf See sowie Tools für Kontrollen von Schiffseigner-Strukturen und Finanzströmen
Thu, 10 Apr 2025 - 108 - #107 Lidl-Reederei Tailwind: "Wir müssen eigene Containerschiffe bestellen"
Die junge Hamburger Reederei Tailwind Shipping Lines – Containerschifffahrtstochter des Discounter-Konzerns Lidl – setzt bislang ausschließlich auf Charterschiffe und auf dem Secondhand-Markt gekaufte Frachter. Das könnte sich aber bald ändern, sagt CEO Christian Stangl, der auch als "Global Head of Transportation" bei Lidl fungiert. In der aktuellen Episode des HANSA PODCASTs geht er ausführlich auf die Pläne für die Flotte sowie Hintergründe von Lidls Schifffahrtsaktivitäten ein. "Wir wollen das, was wir machen, besser machen und ergänzen", sagt der erfahrene Logistikmanager und spricht über Entwicklungen seit Reederei-Gründung, "eigene Sprache und Regeln" in der Schifffahrt, die Weiterentwicklung der Supply Chain (Seeschiff, Binnenschiff, Bahn) und die Wahrnehmung der Reederei in der Branche und innerhalb des Lidl-Konzerns. Eine der Begründungen für das Aufsetzen von Tailwind war für Lidl seinerzeit eine bessere Planbarkeit in der eigenen Logistikkette. Stangl bestätigt, das dafür auch eigene Neubauten stärker in den Fokus rücken und spricht über Bedingungen und Kosten-Nutzen-Abwägungen. Vor allem die Themen "Nachhaltigkeit" und "Kraftstoffe" dürften die Überlegungen weiter vorantreiben. "Wenn man sich die gesetzlichen Vorgaben auch der nächsten Jahre anschaut, dann müssen wir andere Antriebsarten wählen und dann müssen wir auch eigene Schiffe bestellen", so der CEO mit Blick auf die aktuell verfügbare Charter-Flotte, die größtenteils mit fossilen Brennstoffen betrieben wird. In der eigenen Flotte habe man auch einige Veränderungen vorgenommen, etwa größere Schiffe gewählt und die Anforderungen angepasst: "Wir schauen jetzt genauer hin". Der Tailwind-Chef geht in diesem Zusammenhang auf die Zusammenarbeit mit Linienreedereien, die aktuell "schwierigere Entscheidung" in der Umbauphase der großen Allianzen und die Öffnung der eigenen Services für "externe" Kunden ein. Auch wenn eine Neubau-Bestellung wohl nicht ganz kurzfristig ansteht: "Ich kann Ihnen sagen, dass wir es tun müssen und ich kann Ihnen sagen, dass wir uns jetzt die letzten fast zwölf Monate wirklich ausführlich damit beschäftigt haben." Stangl spricht u.a. über Neubau-Pläne und den Einsatz von (zwanzig) Charterschiffen, seine Präferenz bei alternativen Kraftstoffen sowie Scope-1- und Scope-3-Emissionen, LNG, Ammoniak, Methanol, E-Fuels und Nuklear-Antriebe sowie die Weitergabe der umweltpolitisch-bedingten Mehrkosten an (Lidl-)Kunden. Außerdem dreht sich das Gespräch um die Aufteilung der Ladung auf "eigene" Schiffe und bei anderen Linien, die Stangls Ansicht nach nicht immer zielführende Betrachtung der durchschnittlichen Zuverlässigkeit von Liniendiensten und die Bedeutung von saisonalen und Event-bezogenen Ladungstransporten (z.B. Fußball-Europameisterschaft). Nicht zuletzt spricht er über einen Hafen-Wechsel in Asien, eine potenzielle Expansion in deutsche Häfen, seine Ansicht zu Beteiligungen an Terminals oder Speditionen und zur Option "Luftfracht", IT-Sicherheit und das Set-up als Reederei sowie Schiffsnamen-Suche im Homeoffice und Quarantäne-Entscheidungen im Angel-Urlaub.
Thu, 27 Mar 2025 - 107 - #106 Viel "Verständnisaufholungsbedarf" zu EU-Kraftstoff-Politik für Schiffe
Es gibt noch viel "Verständnisaufholungsbedarf" in der Schifffahrt, meint Friederike Hesse, CEO und Co-Gründerin von Zero44. Sie spricht über die EU-Regulierungen zu Kraftstoffen und Emissionshandel, die Anforderungen an Reeder, Shipmanager und Charterer, Pooling und Marktplätze sowie Expansionen und neue Investoren für das Berliner Start-up aus dem Hause Flagship Founders. Wer haftet, wer zahlt letzten Endes, wenn es im Rahmen der Kraftstoff-Regulierung bei FuelEU Maritime zu Strafzahlungen kommt? Zwischen Reedern, Charterern und Shipmanagern sowie nicht zuletzt Bunker-Lieferanten gibt es dabei einen hohen Koordinationsaufwand, die Beziehungslage ist komplex, sagt Hesse in der aktuellen Episode des HANSA PODCASTs. Bei FuelEU Maritime geht es kurz gesagt darum, dass Reeder Strafen zahlen müssen, wenn ihre Schiffe im europäischen Verkehr einen bestimmten Emissionsgrenzwert überschreiten, weil sie einen Kraftstoff verwenden, der nicht "grün" genug ist. Drei Möglichkeiten haben sie: Strafe zahlen oder Gutschrift bekommen, wenn sie die Grenzwerte unterschreiten. Strafen und Gutschriften innerhalb der eigenen Flotte verrechnen, was als "internes Pooling" bezeichnet werden kann. Oder Schiffe in einen "externen" Pool geben und dort mit Schiffen anderer Reeder die Strafen und Gutschriften verteilen (und sich das gegebenenfalls von anderen Reedern bezahlen lassen). Zero44 will mit digitalen Lösungen Compliance-Strategien ermöglichen. Hesse, die bei der Erläuterung des Firmennamens "die Chemiker unter uns" anspricht, berichtet von ihrer Erfahrung, dass es nach wie vor viele offene Fragen gibt, wie mit der Regulierung FuelEU Maritime umzugehen ist. "Die unkomplizierteste Form des Poolings ist letztlich innerhalb der eigenen Flotte", sagt Hesse und vergleicht Vor- und Nachteile mit der "spannenden Option" des externen Poolings, bei dem regelrechte Marktplätze entstehen können. Die CEO geht auch auf die Frage ein, ob und wenn ja wie Zero44 selbst einen Marktplatz etablieren könnte. Über mögliche Kooperationen mit bestehenden Anbietern laufen Gespräche. "Es ist eine sehr sehr komplexe Regulierung, nicht nur mit Blick auf die konkrete Compliance, sondern auch was Anforderungen an Schiffsverbrauchsdaten angeht", sagt Hesse. Im Detail spricht sie über Strafen und Gutschriften. Einfach auf Biokraftstoff zu setzen, sei keine Lösung. Hesse spricht auch über Haftungsfragen und die neue Bimco-Standardklausel zu FuelEU Maritime sowie Unterschiede zur deutlich klareren Regulierung EU-ETS zum Emissionshandel. "Wir hören von sehr vielen komplett offenen Gesprächen, wenn es um Charter-Details geht", so die Expertin, die auch auf eine Tendenz von Charterern eingeht – ebenso wie auf Pooling als eine Art Anlagestrategie sowie Unterschiede in der Herangehensweise ein, je nachdem, ob man im Linien- oder Tramp-Verkehr aktiv ist. Zero44 verfolgt gut drei Jahre nach der Gründung einige Wachstumspläne. In der deutschen Schifffahrt ist man mittlerweile gut bekannt, Friederike Hesse spricht über den mitunter anspruchsvollen Einstieg in die maritime Branche, den aktuellen Kundenstamm und die Ziele für die betreute Flotte, den Schritt in die Profitabilität und Expansionen: "Wir sind gerade dabei, deutlich internationaler zu werden." Ein Aspekt ist ihr und ihren Mitstreitern wichtig: "Wir sind in der Schifffahrt noch nicht fertig, aber wir wollen uns auch andere Branchen in der Supply Chain genau anschauen." Dabei soll nicht zuletzt ein profitables "Stammgeschäft" helfen. Auch eine neue Kapitalrunde ist eine Option, so Hesse, die auf das Interesse an neuen Investoren sowie eine andere Branche mit Bezug zum Wasser als Wachstumsfeld und nicht zuletzt ihre eigene Motivation, an der Spitze von Zero44 weiterzumachen, eingeht.
Fri, 28 Feb 2025 - 106 - #105 Kein Landgang für Seeleute: "Verstoß gegen Menschenrechte"
In einigen Häfen, auch in Europa, wird Seeleuten bisweilen der Landgang deutlich erschwert, wenn nicht gar faktisch unmöglich gemacht. Ursache sind unter anderem organisatorische Mängel und bürokratische Hemmnisse. Matthias Ristau, Generalsekretär der Deutschen Seemannsmission (DSM) appelliert an Hafenstaaten, Reedereien und Terminalbetreiber, eine Lösung für das Problem zu finden. Im HANSA Podcast spricht Ristau über die generelle Wertschätzung von Seeleuten und ihrer Arbeit – sowohl in der Gesellschaft auch in der maritimen Wirtschaft selbst. In beiden Bereichen gebe es zum Teil noch immer eine gewisse Unwissenheit über die Arbeit der DSM. Helfen Kampagnen wie die des Schiffsmaklerverbands "No Shipping - No Shopping"? Man wolle die Seeleute nicht auf ihre Funktionalität reduzieren, aber es könne helfen, in der Gesellschaft überhaupt erstmal eine Verbindung zu diesem Bereich und seiner großen Bedeutung für unser alltägliches Leben herzustellen. „Seeleute leben in einer sehr besonderen Welt. Da gibt es viele Klischees, Vorurteile“, so Ristau. Das Problem "Landgang" ist ihm und seinen Mitstreitern ein Dorn im Auge: "Wenn man Menschen an ihrem Arbeitsplatz einsperrt, ist das eigentlich ein Verstoß gegen die Menschenrechte, das ist die Definition von Zwangsarbeit und das darf es in der Schifffahrt nicht geben.“ Ristau geht tiefer auf die Thematik ein, auf Verantwortlichkeiten und einen Vorstoß bei der internationalen Arbeitsorganisation ILO. Matthias Ristau steht seit 2022 an der Spitze der deutschen Seemannsmissionen. Mit der bisherigen Arbeit ist er nicht unzufrieden („Wir haben eine ganze Menge geschafft“) und berichtet über Erfolge der evangelischen Einrichtung wie den Aufbau und die intensive Nutzung einer Chat-Plattform für Seeleute und die Professionalisierung der psychosozialen Notfallseelsorge – "ein Riesen-Schritt". Er spricht über den ökumenischen Dialog, "mitfahrende Diakone" und christliche Aspekte in der Schifffahrt. Eine größere Wertschätzung für Seeleute könnte auch dazu beitragen, die Spendenbereitschaft, von der die DSM zu einem nicht unwesentlichen Teil abhängig ist, zu erhöhen. Zuletzt gab es eine signifikante Steigerung, sagt Ristau, "aber da ist durchaus noch Luft nach oben", so der Generalsekretär der DSM, die zuletzt sogar einen eigenen "Fundraiser" eingestellt hat. Etwas mehr Unterstützung aus der Schifffahrt wäre wichtig. „Wir sind ja für die Schifffahrt da, da kann man schon ein bisschen mehr erwarten“. Ristau geht auf das Budget, die gekürzten Mittel der Evangelischen Kirche und Gespräche mit Reedereien ein. Außerdem spricht der Pastor über seinen Weg in die Schifffahrt, seine Bilanz zur "Halbzeit" seiner Amtszeit, Pläne für die Zukunft, die "DSM-Baustelle" Großbritannien als Spätfolge des "Brexit", den geplanten Ausbau des aktuell 33 Standorte umfassenden internationalen Netzwerks, große Hürden beim Ausbau des Netzwerks nach China, die Folgen der Corona-Pandemie und das "S" für "Social" im vielzitierten Unternehmensschlagwort ESG.
Fri, 14 Feb 2025 - 105 - #104 TGP setzt für Projektlogistik auf sein "Ass" im MPP-Chartermarkt
Der Projektlogistiker Trans Global Projects (TGP) hat nach dem Wachstum der vergangenen Jahre „noch ziemlich vor“. Dafür will man auch weiterhin mit MPP- und Heavylift-Reedereien auf dem Chartermarkt zusammenarbeiten. Der Schifffahrtsexperte Andreas Menzel ist seit knapp vier Jahren Geschäftsführer für Deutschland und die BeNeLux-Länder bei TGP. Sein Auftrag ist seitdem, das Wachstum voranzutreiben. „Man kann sagen: Das hat geklappt“, sagt Menzel im HANSA PODCAST und erläutert die Hintergründe. Das Ende der Fahnenstange ist offenbar noch nicht erreicht: „Wir sind noch nicht auf einem Level, mit dem wir uns zufrieden geben und haben noch ziemlich viel vor.“ Menzel geht auf Pläne und neue Ideen ein. Die Schifffahrt ist und bleibt beim Projektlogistiker ein enorm wichtiger Aspekt – auch die Binnenschifffahrt spielt für den Transport von Großkomponenten übrigens eine Rolle, wie Menzel erläutert. Er geht in diesem Zusammenhang auch auf die Infrastruktur in Deutschland und Europa, Genehmigungsprozesse und Rahmenbedingungen sowie hohe Kosten und „Unausweichliches“ ein. Wie sich die globalen Transportketten entwickeln, ist schwer vorherzusehen, vor allem, wenn selbst „Friendshoring“ an Attraktivität verliert. Der Geschäftsführer spricht über die deutsche Industrie als Export- und zum Teil Import-Akteur, die Notwendigkeit zum Umdenken in der Projektlogistik, Industrie-Produktionen in Europa und Asien („Immer mehr Ware wird im Ausland kontrolliert“) sowie potenzielle Entwicklungen in Nordamerika, wo TGP „ordentlich investiert“ hat: Führt die geplante Politik des neuen Präsidenten Trump zu mehr Nachfrage nach Projekt-Importen? Welche Auswirkungen haben die angekündigten Zölle? Für die internationale Projektlogistik braucht es unabhängig von einigen Unwägbarkeiten Schiffe und dafür bedient sich TGP am Chartermarkt – hat dabei einige Anforderungen, beispielsweise an das Alter und die Effizienz der Schiffe, vor allem aber auch an das Engineering in den Reedereien. Prinzipiell sei man nicht unzufrieden. Der Warenwert gehe aber teilweise in den mehrfachen Millionenbereich, „und da ist es für uns und unseren Kunden unserer Ansicht nach gutes Recht, auch mal unangenehme Fragen zu stellen“. Den Chartermarkt beschreibt er als „nicht vergleichbar“ mit dem vor einigen Jahren, als „um jedes Gramm Ladung hart gekämpft wurde.“ Angesichts des Flottenalters könnte die verfügbare Charter-Tonnage künftig vielleicht sogar knapp werden. Es gibt Logistiker, die für solche Zeiten vorsorgen wollen und "selbst" Schiffe betreiben. Für TGP ist das derzeit keine Option, man wolle am Chartermarkt auch weiter sein „Ass“ ausspielen, so Menzel. Menzel spricht in der Episode außerdem über seine Ansichten zu Ladungsarten wie Windenergie, Öl/Gas („Wird uns noch Jahrzehnte beschäftigten“), politische Rahmenbedingungen und Veränderungen in den Transportketten. Nicht zuletzt geht es um TGP-Wachstumspläne und Investitionen sowie Klimaschutzregulierung und „Hausaufgaben für Reedereien“.
Mon, 06 Jan 2025 - 104 - #103 Container & MPP mit Drachen: Cargokite plant Neubau für 2027
Ein Münchener Start-up in der maritimen Industrie – es gibt zwar auch eine bayerische Hochseereederei, aber dennoch ist es für so Manchen in der Branche noch ein etwas merkwürdiges Setting. Cargokite-COO und Co-Gründer Tim Linnenweber ist aber sehr zuversichtlich. Im HANSA PODCAST spricht er über die Pläne für Schiffe mit Kite-Technologien als Antrieb und ein Upgrade: Ursprünglich ging es dem Start-up um einen vergleichsweise kleinen Katamaran mit Hydrofoil-Technologie und bis zu 200 Quadratmeter Kite-Segel in bis zu 300 m Höhe für bis zu 16 Container. Doch mittlerweile arbeitet das Team an einem größeren Schiff mit entsprechend größerer Segelfläche: 200 bis 300 TEU und Kite-Flächen "jenseits der 200 Quadratmeter". "Wir arbeiten mit einem Hamburger Design-Büro an einem ›Full Size-Containerschiff‹", sagt Linnenweber im Podcast. Dafür hat man Abstand von der Hydrofoil-Technologie genommen. Die Idee, Segeldrachen auf Handelsschiffen einzusetzen, ist nicht neu. Schon vor einigen Jahren hatte die mittlerweile nicht mehr existente Bremer Reederei Beluga damit experimentiert, scheiterte aber letztlich. Linnenweber und dem Cargokite-Team war das beim Start bewusst, aber sie sind von ihrer Idee überzeugt. Auch musste man anfangs gegen einige Vorurteile ankämpfen: als bayerisches Unternehmen in der norddeutschen maritimen Industrie und auch mit Blick auf die Technologie. Aber es bleibe dabei: "Natürlich kennen wir die Vorbehalte, aber wenn man die Technologie richtig einsetzt mit dem richtigen Schiffsrumpf, kann das einen enormen Hebel erzeugen. Wir sind überzeugt und wollen es der Schifffahrt beweisen", sagt der Co-Gründer und spricht über gute Gesprächseinstiege, die Intensität der Vorbehalte, was das Team anfangs unterschätzt hat sowie den Zugang zur maritimen Industrie. Linnenweber geht außerdem ausführlich auf die Unterschiede zu vorherigen Projekten dieser Art ein, die Cargokite-Technologie und die Gründe für den Umschwung auf größere Schiffe für den Shortsea-Markt. Für den Markteinstieg sei das Konzept mit 16 TEU vielleicht etwas "radikal" gewesen. Derzeit wird konkret an einem neuen Schiffsdesign gearbeitet. Neben den Design-Büro hat Cargokite auch die Reedereien MACS und Ems-Fehn sowie die britische Lomar-Gruppe als Partner an Bord geholt. Dabei geht es nicht nur um eine technische, sondern auch eine kommerzielle Validierung der Idee. Bei einer Idee soll es aber nicht bleiben: Die Gründer halten an ihrem Plan fest, 2027 einen Neubau ins Wasser zu bringen. Ein ambitioniertes Ziel? "Ja, das schon, aber dafür sind wir ein Start-up". Linnenweber spricht in der Podcast-Episode außerdem über Machbarkeitsstudien und Gespräche mit Häfen, den Vorteil des Standorts München für ein Projekt dieser Art, die Kernkompetenz des Cargokite-Teams, ein "geparktes Konzept" für kleinere Schiffe, Regelungs- und Automarisierungstechnik, künstliche Intelligenz und "separate Gehirne". Außerdem dreht sich das Gespräch um die Herausforderung bei der Nutzung von Kite-Systemen in küstennahen Gewässern, Gespräche mit Verladern und den Zugang zum Kapitalmarkt in Deutschland und auf internationalem Parkett sowie die finanzielle Aufstellung und eine potenzielle "Deadline".
Wed, 04 Dec 2024 - 103 - #102 Deutsches Maritimes Zentrum: Neuer Chef will mehr echten Mehrwert schaffen
Matthias Catón ist seit September neuer Geschäftsführer des Deutschen Maritimen Zentrums – und er hat einiges vor: zum Teil andere Schwerpunkte setzen, mehr echten Mehrwert schaffen, für "Aha-Momente" sorgen und seine Expertise aus anderen Bereichen einbringen. Der Politikwissenschaftler hat seinen Posten beim DMZ nach einigen Stationen u.a. beim Weltwirtschaftsforum und zuletzt dem Indo-German Centre for Business Excellence am 1. September angetreten. In der neuen Episode des HANSA PODCASTs spricht er exklusiv über seine ersten Wochen, seine Ansichten und seine Pläne für die Zukunft. Zu den zentralen Fragen gehören für ihn unter anderem: "In welchen Bereichen können wir uns profilieren? In welchen Bereichen haben wir eine wirkliche Expertise?" Daran wolle man arbeiten, wie er weiter erläutert. Das DMZ hat elf institutionelle Mitglieder: die großen Verbände der maritimen Wirtschaft, das Maritime Cluster Norddeutschland, die fünf Küstenländer und die Bundesregierung, vertreten durch den Hauptgeldgeber, das Bundesministerium für Digitales und Verkehr. "Ich spreche ausführlich mit all diesen Akteuren, was ihre Sichtweise und Vorstellung ist, welche Aufgaben das DMZ künftig übernehmen soll." Weil es zum Teil recht unterschiedliche Mitglieder sind, sei deren Vorstellung nicht immer 100% identisch. "Das heißt, wir sind auch in einem Prozess, das Ganze für die nächste Stufe zu schärfen. Das wird sicherlich noch ein paar Monate andauern, dann werden wir sehr viel mehr Klarheit haben", sagt Catón. Ein wichtiger Baustein ist für ihn die finanzielle Förderung. Catón erläutert ausführlich, wie sich die Förderung durch einen jüngsten "Paradigmenwechsel" verändert und hat welche (positiven) Folgen das für das DMZ hat. Der DMZ-Geschäftsführer geht dabei auch auf die aktuelle politische Gemengelage und die Haushaltsschwierigkeiten auf Bundesebene ein. Das Zentrum sei zwar finanziell gut aufgestellt. Catón meint aber dennoch, dass das DMZ auch eine "finanzielle Wachstumsperspektive" braucht. Der "Neue" hat zwar keine dezidierte maritime Erfahrung, bringt aber langjährige Erfahrung an der Schnittstelle zwischen Forschung, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft mit. Die will er einbringen: "Ich habe sehr viel Erfahrung darin, wie man einen Thinktank an einer solchen Schnittstelle leitet, strategisch aufstellt und konzeptionell voranbringt." Und er habe durchaus einige Ideen, die das Deutsche Maritime Zentrum voranbringen könnten. Catón spricht in diesem Zusammenhang auch darüber, dass er keine Kopie seines Vorgängers sein will und kann, dass er vielmehr zum Teil andere Schwerpunkte setzen will. Claus Brandts Fußstapfen seien zwar groß, "aber nicht so groß, dass ich mich davon bange machen lassen würde." Man müsse schauen, wie man das DMZ – etwa durch "Lernen" von anderen Industrien oder Regionen und einen holistischeren Ansatz – so positionieren kann, dass man einen echten Mehrwert schaffen kann, "und ich glaube, daran müssen wir noch ein bisschen arbeiten", so Catón, der diese Ansicht im Gespräch näher erläutert. Er spricht über seine Ziele, "Erhellendes" und "Aha-Momente". Hören Sie hier die komplette Episode. Matthias Catón spricht darin unter anderem über seinen Werdegang, seine ersten Wochen als DMZ-Chef, laufende Gespräche mit den Mitgliedern, neue Ansätze, seine Erfahrungen und Expertise aus vorherigen Tätigkeiten, das Zentrum als Think Tank, neue Formate für verschiedene Zielgruppen, große Veränderungen bei der Finanzierung und Folgen für die Aufstellung des DMZ, "richtige" und "falsche" Kriterien für die Beurteilung von bisheriger DMZ-Arbeit und Pläne für die Zukunft, Reflexion, "Copy & Paste" und prozessuale oder technologische Lerneffekte im Austausch mit anderen Industrien oder Regionen.
Mon, 18 Nov 2024 - 102 - #101 Hartmann-Flotte steuert auf "80 bis 90 Schiffe" zu
Die im ostfriesischen Leer und auf Zypern ansässige Reederei- und Schifffahrtsgruppe Hartmann setzt mit einem umfangreichen Investitionsprogramm auf die Modernisierung und die Erweiterung der Flotte. Mittels Neubau-Projekten, Secondhand-Käufen und Bereederung steuert das Unternehmen aktuell auf eine Flotte von "80 bis 90 Schiffen" zu, wie CEO Niels Hartmann im HANSA PODCAST exklusiv erläutert. Hartmann ist aktiv in den Segmenten Gastanker, Container, Zementfrachter, Bulker und Mehrzweck-Schifffahrt. Zur Gruppe gehören Gesellschaften und Aktivitäten in den Bereichen Schiffseigner, Bereederung – technisch und kommerziell – und Crewing. Die Management-Sparte Intership Navigation auf Zypern wurde Anfang des Jahres durch einen Management-Buyout verkauft. Hartmann spricht über die verschiedenen Aktivitäten und Schwerpunkte an den beiden Standorten sowie Pläne für die Zukunft. Zuletzt wurde eine drei Schiffe umfassende Neubauserie im Gastanker-Markt abgeschlossen. Außerdem gibt es Aufträge für Containerschiffe, etwa mit HB Hunte Engineerung entwickelte Neubauten für Seaboard aus den USA. Insgesamt umfasst das Orderbuch in Leer 18 Schiffe, gegen langfristige Chartern geordert. Einen festen Plan für eine konkrete Flottengröße gibt es nicht – "das ist sicherlich auch eine Lehre aus der letzten großen Krise", sagt Hartmann, der Hintergründe dieser Einschätzung erklärt, ebenso wie für den Verkauf von Intership ("andere Ausrichtung als das, was ich für unser Familienunternehmen im Sinn habe"). Es geht ihm um eine gesunde Flotte mit gesunder Risikostreuung, "wie groß die Flotte sein wird, ist eher sekundär". Der CEO geht detailliert auf die Bereiche Gastanker und Containerschifffahrt sowie Aspekte bezüglich Schiffseigentum, Schiffsbetrieb, Bereederung und Management ein. Momentan habe man eine gute Mischung. Niels Hartmann spricht von einem "umfangreichen Investitionsprogramm", inklusive Maßnahmen in die bestehende Flotte. In einigen Bereichen könnte es weitere Neubauten geben, in anderem wiederum eher nicht, trotz "verschiedener fertiger Konzepte" in der Schublade. Außerdem geht er auf Möglichkeiten zur Schiffsfinanzierung, das berühmte KG-Modell ("was für uns sehr gut funktioniert"), Eigenkapital und die Arbeit mit Bankfinanzierungen ("Wir finanzieren sicherlich etwas konservativer als in den 2000er-Jahren") ein. Über den Fondsmanager und Schiffseigner Pelagic Partners ist Niels Hartmann – das Unternehmen gehört nicht zur Hartmann-Gruppe – im Bereich Offshore-Schiffe mit einer Neubau-Serie engagiert. In dem Markt war einst auch die Hartmann-Gruppe aktiv, hat sich aber zurückgezogen. Im Podcast geht es auch um diese Entwicklung und die Gründe dafür, dass die Reedereigruppe nicht in diesen Markt zurück will – Stichwort "großer Aufwand". Niels Hartmann spricht außerdem über alternative Antriebe in den verschiedenen Schifffahrtssegmenten, Ammoniak, Methanol und LNG, Reederei- vs. Shipmanagement-Fokus, Risiko-Streuung, Rahmenbedingungen wie Geopolitik, Umweltregulierung und allgemeine Wirtschaftsentwicklung und die weitere Entwicklung der Unternehmensgruppe sowie Lehren aus der letzten großen Schifffahrtskrise. "Ich glaube, wir haben in den letzten Jahren unseren Weg gefunden. Einerseits erzwungenermaßen durch die Folgen der Krise, andererseits aber auch durch eigene Gestaltung".
Wed, 30 Oct 2024 - 101 - #100 Projektlogistiker Blue Water Shipping will in Bremen und Süddeutschland wachsen
Der dänische Projektlogistiker Blue Water Shipping ist bereits in Deutschland durch Aktivitäten in Cuxhaven (über ein Joint Venture mit der Reederei BREB) und Hamburg vertreten. Seit kurzem gibt es auch eine neue Niederlassung in Bremen. Deren neuer Leiter Cord Behr berichtet in der neuen Episode des HANSA PODCASTs über weitere Wachstumspläne in Deutschland. Dabei geht es um eine angepasste Auslastung des Terminal-Geschäfts in Cuxhaven, einen Aus- und Aufbau des Teams in Bremen sowie perspektivisch auch neue Niederlassungen in Süddeutschland oder im Ruhrgebiet: "Wir wollen nah an den Kunden sein und Deutschland ist ein wichtiger Projektmarkt. Viele Entscheidungen werden noch immer hier getroffen und es gibt auch noch einige Produktion am Standort", sagt Behr. Blue Water Shipping ist besonders stark in der Projektlogistik für die Windenergie-Industrie. Aber auch das Öl/Gas-Geschäft sowie das Geschäft mit anderen Industriekunden und EPC sind wichtige Standbeine der Gruppe. Bisher war der Plan der Dänen, das Geschäft mit deutschen Industriekunden über Dänemark abzuwickeln. Behr spricht über die Attraktivität des Standorts Deutschland und darüber, warum man nun doch auf eigene Niederlassungen hierzulande setzt. Ein weiterer Schwerpunkt des Unternehmens ist das Thema "Carbon Storage". Dafür arbeitet man – mit Unterstützung der dänischen Regierung und der EU – an einem Projekt mit einem Schiff. Für die "regulären" Projektlogistikdienste setzt Blue Water vor allem auf Charter-Schiffe. Behr geht im Gespräch auch die Pläne für die Schifffahrt, den Anteil der maritimen Komponente und der landbasierten Dienstleistungen am Portfolio ein sowie die Auswirkungen aktueller politischer Entwicklungen ein, wenn eta ein "sehr starker Markt auf einmal komplett wegbricht". Nicht zuletzt spricht er über "grüne Anforderungen" von Kunden an die Logistik, Hafen-Aktivitäten, Wachstumspläne in Europa und auf den Weltmärkten sowie die Arbeit in einem familiengeführten Unternehmen mit einem fast 80-jährigen Gründer, der bei einigen Meetings noch immer mit am Tisch sitzt. Das Bremer Büro könne aber sehr eigenständig und flexibel arbeiten, sagt der ehemalige Panalpina-Manager Behr.
Thu, 17 Oct 2024 - 100 - #99 Piraten + Huthi + Nahost-Konflikt: "Gemengelage wird noch schwieriger"
Die Gewalt gegen Seeleute durch Piraterie nimmt wieder zu, die Zahl der Überfälle auf Schiffe dürfte auf einem aktuellen hohen Niveau stagnieren, meint Oliver Wieck, Generalsekretär von ICC Germany, der deutschen Vertretung der Internationalen Handelskammer, zu der auch das International Maritime Bureau (IMB) gehört – DER Piraterie-Watchdog schlechthin. Wieck sieht in der Entwicklung der jüngeren Vergangenheit ein großes Warnsignal. Zusätzlich verschärft wird die Situation durch eine "noch schwieriger werdende Gemengelage" aus Piraten-Überfällen, Attacken der Huthi-Rebellen gegen Schiffe im Roten Meer und dem Nahost-Konflikt zwischen Israel, der Hamas und der Hisbollah sowie ihren jeweiligen Unterstützern. Wieck geht im HANSA PODCAST auf die aktuellen Piraterie-Zahlen der vergangenen Monate ein, vor allem auf die wachsende Gewalt gegen Seeleute: "Die Methoden werden rabiater". Für die Lösung der Problematik spricht er sich für eine effektive internationale Zusammenarbeit aus. "Man wird das Problem nicht beseitigen, indem man die Schiffsbesatzungen aufrüstet." Vielmehr bedürfe es einer Kombination von Sicherheitsmaßnahmen an Bord, internationalen militärischen Schutz-Projekten und vor allem einer stärkeren Bekämpfung der Piraterie-Ursachsen an Land – also in den Herkunftsländern der Piraten. "Militär-Einsätze können immer nur ein Teil der Antwort sein. Aber die Herausforderungen liegen vor allem auch an Land, wo unsägliche Armut herrscht, wo es große Anreize für kriminelle Aktivitäten gibt und wo man viel stärker auf den entwicklungspolitischen Instrumentenkasten zurückgreifen müssen". Schließlich hänge die Funktionsfähigkeit des Welthandels, der für Länder wie Deutschland von essentieller Bedeutung ist, auch von sicheren Seewegen ab. Gerade in der Entwicklungspolitik sei sicherlich noch mehr internationale Zusammenarbeit notwendig. Wieck spricht außerdem unter anderem über eine potenzielle Zusammenarbeit zwischen afrikanischen Piraten und den Huthi-Rebellen, seine Befürchtungen um steigende Überfall-Zahlen, ein "Revival" von bewaffneten Sicherheitsleuten an Bord von Handelsschiffen ("Armed Guards") und entwicklungspolitische Maßnahmen.
Wed, 02 Oct 2024 - 99 - #98 HCOB will in der Schiffsfinanzierung wieder wachsen
Nach der Übernahme des NIBC-Schifffahrtsportfolios und der Expansion in die Niederlande ist das Kreditvolumen der Hamburg Commercial Bank wieder auf etwas über 3 Mrd. € geklettert. Weitere Übernahmen schließt Jan-Philipp Rohr, Global Head of Shipping, zwar aus. Dennoch peilt er in den kommenden Jahren trotz eines zunehmenden Wettbewerbes unter den Schiffsfinanzierern die ursprünglich für den Shipping-Bereich verkündete Zielgröße von 4-5 Mrd. € an. „Bei uns ist ausreichend Kapital vorhanden, um weiteres Geschäft zu machen“, sagt er. In diesem Jahr soll das Neugeschäft ein Volumen von 1,5 Mrd. $ erreichen, das liegt auf dem Niveau früherer guter Jahre. Dass die vielen Neubau-Bestellungen, vor allem bei Containerschiffen, den Markt überhitzen könnten, fürchtet er derzeit nicht. Die HCOB sei in erster Linie bei 10 bis 15 Jahre alter Secondhand-Tonnage und in den eher kleineren Segmenten bei Containerschiffen, Bulkern und Tankern aktiv. Bei Neubauten bleibt die Bank ohnehin weiter zurückhaltend, „wir sind da noch etwas scheu mit Blick auf das technologische Risiko und wollen nicht auf das falsche Pferd setzen“, so Rohr. Das können sich in einigen Jahren ändern. „Die Schiffe, die im Jahr 2050 im Wasser schwimmen, sind nicht die Schiffe, die wir heute in Büchern haben.“
Wed, 18 Sep 2024 - 98 - #97 «Die SMM ist schon ein wirklich dickes Ding«
Wenige Wochen vor der Start der diesjährigen SMM schaut Christoph Lücke, seit anderthalb Jahren als Director bei der HMC zuständig für die Organisation der maritimen Weltleitmesse, optimistisch nach vorn. Die Zahl der Aussteller liegt wieder auf Vor-Corona-Niveau, vor allem aus China ist der Andrang groß. Mit neuen Veranstaltungs- und Ausstellungsformaten will die Hamburger Messegesellschaft neue Akzente setzen. Dazu gehören unter anderem das AI Center, vier Transition Stages in den Hallen, die Future Fuel Area und der verlängerte Maritime Career Market. Auch für Besucher gibt es eine Neuerung: Im Messeticket ist erstmals ein HVV-Ticket inkludiert.
Fri, 09 Aug 2024 - 97 - #96 Reederei Minship sucht strategische Partner – Gespräche laufen
Nach der Übernahme und Integration von Auerbach Marine aus Hamburg arbeitet die im bayerischen Schnaittenbach ansässige Reederei Minship bereits an weiteren Wachstumsschritten. Die Geschäftsführer Markus Hiltl und Arne Seesemann sprechen im HANSA PODCAST ausführlich über die Bulk- und MPP-Schifffahrtsaktivitäten der Reederei, das aktuelle Set-up sowie strategische Überlegungen und Pläne. Die früher als MST – oder Mineralien Seetransport – bekannte Reederei ist traditionell im Bulker-Geschäft aktiv gewesen. In den vergangenen Jahren war dann ein immer engeres Miteinander mit der Hamburger MPP-Reederei Auerbach von Lucius Bunk entstanden – zunächst durch eine Zusammenlegung des technischen Managements im Jahr 2021 und schließlich Ende 2023, als Minship Auerbach Marine übernahm und seither allein unter dem Namen Minmarine dieses technische Management aller Bulk- und MPP-Schiffe übernommen hat. Die operativen Aktivitäten m MPP-Sektor sind unter dem neuen Namen Minmarine MPP vereint. Bei der Integration hat es zwar auch an der einen oder anderen Stelle geruckelt, aber nun sei sie abgeschlossen, sagt Hiltl. Da könnte es doch eine Option sein, mit diesen Erfahrungen den Weg weiterzugehen, vielleicht ein Unternehmen zu übernehmen oder zu integrieren, oder? »Das können wir bejahen«, sagt Seesemann, der auf das technische und kommerzielle Schiffsmanagement eingeht. Eine gewisse Größe sei für bestimmte Aspekte vorteilhaft. »Das heißt, wir haben in der Tat Interesse an einem strategischen Partner oder auch zweien mit gleichen Interessen«. Man sei offen für unterschiedliche Konstellationen. Es werden in dieser Hinsicht auch Gespräche geführt, wie Hiltl bestätigt. Die beiden Minship-Geschäftsführer sprechen über Wachstumschancen, eine Verdopplung der Flotte, eine »Multistrategie« mit Charter und Third-Party-Management, »geschickte« Schiffskäufe und -verkäufe, Neubauten sowie aktuelle und potenziell künftige Schiffsgrößen in der Flotte. Nicht zuletzt dreht sich das Gespräch um geografische Expansionsoptionen, Zugang zu Ladungen, eine geringere Vorhersehbarkeit in der Schifffahrt und auf den Frachtmärkten (Stichwort Huthi-Angriffe im Roten Meer, Geopolitik, Ukraine-Krieg), die Herausforderungen bei der Integration von Auerbach Marine, das neue Set-up, Chancen durch die Integration sowie Unterschiede und Ergänzungen an den beiden Standorten und »bilinguales Arbeiten« in einer bayerisch-hamburgischen Reederei.
Thu, 18 Jul 2024 - 96 - #95 MPC plant Wachstum – Neue Börsen-Plattformen für Schiffe und Bunker-Infrastruktur?
Constantin Baack hat seit seiner Ernennung zum Vorstandsvorsitzenden des Hamburger Asset- und Investmentmanagers MPC Capital AG eine Doppelfunktion inne: Als CEO des an der Börse in Oslo gelisteten Schiffseigners MPC Container Ships ist er bereits zuvor für den Bereich Shipping verantwortlich gewesen. Im HANSA PODCAST spricht Baack darüber, mit welcher Visitenkarte er künftig zu welchen Anlässen arbeitet – ein Rückzug vom MPCC-Posten sei »nicht geplant« – und welche Pläne für das Unternehmen hat. Zum einen will MPC Capital nach der zuetzt erfolgten breiteren Aufstellung im Servicegeschäft – Stichwort technisches Shipmanagement und Zusammenlegung des Maklergeschäfts – dort weiter wachsen. Das betrifft dann nicht mehr nur die Containerschifffahrt, für die MPC bislang vorrangig bekannt war, sondern auch die Segmente Bulker, Tanker oder MPP. »Diese breitere Aufstellung ist sicherlich auch ein Indiz dafür, dass wir auch in diesen Bereichen Projekte entwickeln wollen«, sagt Baack. MPC Capital sei durchaus sehr daran interessiert, in anderen Schifffahrtssegmenten neue Investment-Plattformen aufzusetzen. MPCC soll sich zwar weiterhin auf das Eigentum an Containerschiffen fokussieren – der CEO spricht über Schiffstypen und -größen, Neubauten und Umbauten. Das heißt jedoch nicht, dass für andere Schiffstypen nicht eigene Plattformen aufgebaut werden könnten. Aber, so der CEO weiter, es kann dabei auch um andere Themen gehen, wie beispielsweise bei der schon existierenden MPC Energy Solutions, die für Solar- und Windenergie-Projekte aufgesetzt wurde. »Das können auch maritime Infrastrukturprojekte sein«, so Baack. MPC Capital sieht beispielsweise im Zuge der allgemein angestrebten Dekarbonisierung der Schifffahrt im Bereich Kraftstoff- und Bunkerinfrastruktur eine große Zukunft und einen »riesigen Investitionsbedarf.« Der neue Vorstandsvorsitzende erläutert detailliert die Beweggründe dafür. Man schaue sich einiges an, sehe sich sehr dafür gut aufgestellt, sei aber auch offen für Partnerschaften. Außerdem spricht Baack im Podcast über seine Erwartungen an Entwicklungen auf den Schifffahrtsmärkten: »Es gibt das Thema Flottenerneuerung und Altersstruktur und da muss man sehen, wie sich der Markt entwickelt. Es könnte in den nächsten drei bis fünf Jahren durchaus eine Situation mit zu wenigen kleineren Schiffen geben.« Es geht um Tonnage-Über- und potenzielle Unterkapazitäten sowie die MPC-Bewertungen von großen und verhältnismäßig kleinen Schiffen, einen sehr liquiden Chartermarkt, Neubauten und Umbauten. Er spricht über organisches Wachstum und potenzielle M&A-Aktivitäten, »Marktzugangs-« vs. Kostensynergien, Schiffskäufe und die Arbeit mit Linienreedereien, die eigentlich Charterkunden von Reedereien wie MPCC sind, aber zuletzt selbst viele viele neue Schiffe auf eigene Rechnung bestellt (und gekauft) haben. Auch auf Wachstumspläne im technischen Management und im Maklergeschäft sowie im »Renwables«-Geschäft geht er detailliert ein. Baack kommt nicht nicht zuletzt auf knapp 5 Milliarden Euro an »Assets under Management«, die Arbeit mit Investoren und Rendite-Erwartungen, Schulden und Investitionsfähigkeit, die Finanzplätze Norwegen und Deutschland sowie mögliche Strategien für neue Börsenplattformen von MPC zu sprechen.
Thu, 04 Jul 2024 - 95 - #94 »Hamburger Hafen ist nicht in einer Krise!« – »Offen für private Investitionen sein!«
Seit rund einem halben Jahr ist Ulfert Cornelius Präsident des Unternehmensverbands Hafen Hamburg (UVHH). Der (Noch-)Leiter des Hamburger Standorts des niederländischen Tanklagerunternehmen Evos hat sich für seine Amtszeit als Nachfolger von Gunter Bonz einige Ziele gesetzt. »Letztlich geht es auch darum, den Hamburger Hafen in der Öffentlichkeit etwas anders darzustellen«. Stets heiße es, der Hafen sei in einer Krise. »Nein, der Hafen ist nicht in einer Krise«, sagt Cornelius in der neuen Episode des HANSA PODCASTs und erklärt ausführlich, wie er zu der Einschätzung kommt. Ein weiteres Ziel ist es, das Thema »Resilienz« stärker voranzutreiben, da dies in Deutschland bisweilen recht stiefmütterlich behandelt werde. »Der Ukraine-Krieg hat deutlich gemacht, wie wichtig das Thema ist. Die Seehäfen werden eine zentrale Rolle spielen«, sagt der UVHH-Präsident. Nicht zuletzt sind die großen Infrastrukturprojekte, die den Hafen derzeit beschäftigen, ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit beim Wirtschaftsverband. Cornelius spricht über die Köhlbrandquerung (»Ich hätte mir einen Tunnel gewünscht, aber ich begrüße es, dass nun nach den vielen Diskussionen eine Entscheidung getroffen wurde.«), die sogenannte Hafenautobahn A26 Ost oder die Y-Trasse (»Sie fehlt für die Hafenanbindung«). Zentral ist dabei die politische Unterstützung und Flankierung. Einerseits wünscht sich Cornelius schlankere und effizientere Planungs- und Genehmigungsverfahren. Andererseits geht es aber auch ums Geld: »Es kann nicht sein, dass in einem Land wie Deutschland als Exportweltmeister, das aber auch auf den Import angewiesen ist, der Bund sich nur mit 38 Mio. € an der Förderung der Seehäfen beteiligt. Hier ist ein deutlich stärkeres Engagement erforderlich!« Cornelius spricht über seine Einschätzungen zur Bundes- und zur Hamburger Landespolitik für den Hafen (»Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen«) sowie das »Zusammenleben« von Wirtschaft, Industrie und Bevölkerung in einem city-nahen Hafen. Grundsätzlich finde er es »klasse, wenn auch über den Hafen diskutiert wird, weil sich darin die Verbundenheit spiegelt, die die Hamburger mit dem Hafen haben.« Ab und an würde er sich aber schon mehr Verständnis wünschen. Cornelius kommt dabei auch auf die umstrittenen Einstiege der Reedereien Cosco aus China (beim Containerterminal Tollerort) und MSC (beim Terminalbetreiber HHLA) zu sprechen. Die intensiven Debatten seien durchaus interessant zu verfolgen gewesen. Manchmal habe er den Eindruck gehabt, »dass der Untergang des Abendlandes unmittelbar bevorsteht«. Der Hamburger Hafen sei das Tor zur Welt, man lebe vom Austausch. »Ich glaube, dass wir hier grundsätzlich offen sein müssen auch für Investitionen von Dritten. Wir müssen offen sein für eine Diskussion, wie wir den Hafen Hamburg gemeinsam weiter voranbringen können.« Unabhängig seines eigenen beruflichen Backgrounds ist dem UVHH-Chef wichtig, dass man in Debatten über den Hamburger neben den Containern auch andere Segmente im Blick behält – mit Blick auf die Energiewende und den nötigen Import von Energieträgern etwa die Tanker-Schifffahrt. Er sehe zum Beispiel mit Sorge auf die Bestrebung der EU, das Terminal-Investitionen im Bereich der Wasserstoffderivate geöffnet werden sollen. »Das kann meiner Meinung nach dazu führen, dass viele Investitionen nicht getätigt werden«, so Cornelius, der seine Einschätzung erläutert. Entsprechende Signale habe er bereits vernommen. Der Manager spricht außerdem über die ersten Monate im Amt, seine eigene Zukunft, eine andere Herangehensweise als sein Vorgänger (»In der Regel führe ich Konflikte auf eine andere Art und Weise«), warum er seinen morgendlichen Kaffee auch bei negativen Nachrichten genießen kann, das Für und Wider von Terminal-Investitionen, das sogenannte »Deutschland-Tempo«, Chancen und Herausforderungen in den Bereichen Bahn und Binnenschiff, den intensiver gewordenen Hafen-Wettbewerb und eine potenzielle Zusammenarbeit verschiedener Hafenstandor
Mon, 24 Jun 2024 - 94 - #93 Knowhow, Führungsstil, Dopamin: Stena Line’s neuer Flottenchef Dennis Tetzlaff stellt sich vor
Die RoRo/RoPax-Reederei Stena Line hat mit dem Deutschen Dennis Tetzlaff einen neuen Chief Operating Officer Fleet. Der ehemalige Seefahrer hat für seine wichtigste Aufgabe, die Betreuung der 40 Schiffe umfassenden Flotte, einige Pläne. Es geht Tetzlaff einerseits vor allem die Themen Harmonisierung, Digitalisierung, Change Management und Absicherung. Andererseits will der ehemalige Tui-Manager und Seefahrer auch persönliche Erfahrungen einbringen. »Es ist ein relativ komplexer Flottenbetrieb, natürlich auch mit latentem Zeitdruck. Die größte Herausforderung wird sicherlich sein, die richtige Tonnage bereitzustellen mit qualifizierter Crew, die dann entsprechend effizient und auch im Zeitplan operiert«, sagt Tetzlaff, der auf Neubauten, Umrüstungen und Tonnageplanungen für »Jahre und Jahrzehnte« eingeht. Da Stena in den letzten Jahren signifikant gewachsen war, sieht er eine zentrale Aufgabe in der Flottenharmonisierung, die er detailliert erläutert. Es geht etwa um Standards, Redundanzen, Qualitätsmanagement und den stärkeren Einbezug der Crews. Tetzlaff, der sich selbst als relativ pragmatischen Typ beschreibt und auch über seinen Führungsstil, eine persönliche Note und Dopamin-Ausstöße spricht, will eine gesunde Mischung aus Effektivität und Effizienz im Flottenbetrieb schaffen. Er geht u.a. auch auf neue »E-Flexer«- und »NewMax«-Schiffe, hilfreiche Erfahrungen aus seiner Kreuzfahrt-Tätigkeit, persönliche Ziele und eine persönliche Note, Führungsstil, Change Management und Dopamin-Ausstöße, Neubauten und Umrüstungen, Tonnageplanungen, die Frage nach dem Kraftstoff der Zukunft sowie Investitionen und Risiken ein.
Mon, 10 Jun 2024 - 93 - #92 »Man kann das Messe-Erlebnis nicht ersetzen«
Claus Ulrich Selbach ist als Geschäftsbereichsleiter der Hamburg Messe und Kongress (HMC) seit zehn Jahren für die SMM zuständig. Im HANSA PODCAST spricht er über die Highlights und Neuigkeiten, seine Erwartungen und einen überaus engen Zeitplan.
Mon, 27 May 2024 - 92 - #91 »Außereuropäische Flaggen müssen sich warm anziehen«
Gleichzeitig sieht man sich aber nicht als direkte Konkurrenz zur deutschen Flagge und will sogar eine starke deutsche Flagge. Wichtig sei aber, dass weniger Schiffe unter sogenannten »Offshore-Flaggen« fahren. Die Portugal-Flagge, in der Performance-Liste des »Paris Memorandum of Understanding« auf Rang 26 von 39 der sogenannten »White List«, sei auf einem guten Weg, sagt Gundermann und erläutert die Gründe für diese Einschätzung. Molzahn und Gundermann verweisen auch auf die für Schiffsfinanzierer wichtige Schiffshypothek und die entsprechenden Anpassungen in Portugal. Die Politik des südwesteuropäischen Landes, das eine lange maritime Tradition hat, sei sehr förderlich für die Flagge, so die Experten, die auch über Unterschiede zur deutschen Politik sprechen. Die aktuellen Bemühungen der Bundespolitik zur Stärkung der deutschen Flagge machen ihnen keine Sorgen. Wettbewerb mache die EU-Flaggen auch stärker gegenüber außereuropäischen Flaggen, »die sich nach meiner festen Überzeugung warm anziehen müssen«, sagt Gundermann. »Die Welt bewegt sich von Offshore nach Onshore.« Albrecht Gundermann und Jörg Molzahn sprechen auch über Wachstum außerhalb Europas und Pläne für die Position im Weltmarkt, Verfügbarkeiten und Wettbewerb, ein »Geschäftsgeheimnis« und den hohen Anteil der Portugal-Flagge bei den Neubauten deutscher Reeder (50-60%) sowie die alte und neue Schifffahrtspolitik nach dem Regierungswechsel in Portugal und ein »völliges Versagen der europäischen Politik« mit Blick auf die Verschrottung von Schiffen.
Mon, 06 May 2024 - 91 - #90 Toepfer Transport: MPP-Flotte schrumpft, Shortsea-Flotte wächst
Sowohl in der MPP-Schifffahrt als auch in der Shortsea-Branche ist ungeachtet verschiedener Spezialschiffprojekte die Nachfrage nach »klassischen Arbeitspferden« groß. Einen wichtigen Unterschied gibt es trotz einiger Gemeinsamkeiten der Segmente allerdings: Während die MPP-Flotte eher schrumpfen wird, wächst die Shortsea-Flotte weiter. Yorck Niklas Prehm, Head of Research, und Sabine Kilper, Senior Research Analyst beim Hamburger Makler Toepfer Transport, gehen in der neuen Episode des HANSA PODCASTs detailliert auf die Gründe hierfür, die Rahmenbedingungen und die Neubau-Aktivitäten ein. Sie sprechen über den Trend zu mehr Schiffseigentum der Carrier und die Folgen für klassische Tramp-Reeder, »Arbeitspferde« vs. Spezialschiffe wie z.B. Deck Carrier o.ä., Attraktivität »einfacher« Schiffe und den Trend zu sehr großen Schiffen, Investitionsverhalten und -bedingungen, Romantik vs. Amotisierungszeiträume, die Evolution des F-Typen und Weiterentwicklungen sowie eigene Schiffsdesigns. Außerdem gehen sie auf Krankapazitäten, Wechselwirkungen zwischen der MPP-Schifffahrt und Container- oder RoRo-Ladungen, das Flotten-Alter, fragmentierte Märkte, Nachfrage-Trends, Schiffbau- und Werftentwicklungen in China und Indien, Vietnam oder Sri Lanka und die von Toepfer Transport maßgeblich mitentwickelten Schiffsdesigns sowie spezielle Flotten-Entwicklungen durch derzeitige Ausnahmen in der EU-ETS-Regulierung in der Shortsea-Schifffahrt ein. Nicht zuletzt sprechen Prehm und Kilper über technologische Entwicklungen und das »Experimentierlabor« Shortsea-Schifffahrt sowie Erfahrungswerte für die »Deepsea«-MPP-Schifffahrt, das Erwachsen aus dem »Dornröschenschlaf«, die Neubau-Welle im KüMo-Bereich, Verschrottungspotenziale sowie »grünen Druck« von der Wirtschaft/ Kundenseite.
Thu, 18 Apr 2024 - 90 - #89 Albrecht Grell, OceanScore: »Würde ETS-Klauseln schnell klären, wenn ich Reeder wäre«
Albrecht Grell spricht im HANSA Podcast über die Stolpersteine für Reedereien in EU ETS, Anpassungen der OceanScore-Plattform und Weiterentwicklungen für den »nächsten Elefanten im Raum«, die Pläne der Hamburger für den Ausbau seiner internationalen Aktivitäten und Start-up-Mentalität des Unternehmens.
Thu, 04 Apr 2024 - 89 - #88 Neuer Essberger-Chef Sven Schwarz: "Werden mindestens 10 neue Tanker in Fahrt setzen"
Die Hamburger Schifffahrtsgruppe Deutsche Afrika-Linien/ John T. Essberger stellt derzeit nach und nach vier neue Tanker in Dienst. Dabei wird es aber nicht bleiben, es sind große Investitionen geplant. "Wir arbeiten konkret an einem Flottenerneuerungsprogramm und werden in den nächsten Jahren mindestens 10 neue Tanker in Fahrt setzen", wie der neue CEO Sven Schwarz exklusiv in der neuen Episode des HANSA PODCASTs verrät. Schwarz geht dabei detailliert auf das Joint Venture mit Stolt-Nielsen, Anforderungen der Chemie-Industrie nach modernen Schiffen sowie Design- und Kraftstoff-Überlegungen ein. Für letzteres seien Bunker-Allianzen mit anderen Schifffahrtsunternehmen eine Option. Auch ein Engagement in "anderen" aufkommenden Tanker-Segmenten, sei es nun in Bezug auf Ladung wie Wasserstoff oder CO2, oder in Bezug auf die Größe, ist für Schwarz durchaus vorstellbar. Der "Green Deal" der europäischen Politik ist für eine Reederei im europäischen Shortsea-Verkehr insofern Chance und Herausforderung sogleich. Der neue CEO geht auf die Arbeit mit und für die Chemie-Industrie in ihrem energiepolitischen Kontext sowie den Spagat zwischen Tradition und Moderne für ein Unternehmen wie DAL/JTE ein. Auch über die Sparte "Dry Cargo" spricht der Manager. Aus dem Bulk-Geschäft hat sich die Reederei verabschiedet, in der Containerschifffahrt will man aber bleiben. Schwarz geht auf die Flotte, Pläne, den Verkauf des Linien-Geschäfts an Hapag-Lloyd und potenzielle Partnerschaften ein. Nicht zuletzt spricht Schwarz über seine neue Position und seine Aufgaben als neuer CEO, die ersten 100 Tage seit seinem Wechsel von der Reederei Gefo zum Traditionsunternehmen DAL/JTE sowie "Persönlichkeit" als persönliche Note und die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der Gruppe in diesem Jahr.Auch über die Sparte "Dry Cargo" spricht der Manager. Aus dem Bulk-Geschäft hat sich die Reederei verabschiedet, in der Containerschifffahrt will man aber bleiben. Schwarz geht auf die Flotte, Pläne, den Verkauf des Linien-Geschäfts an Hapag-Lloyd und potenzielle Partnerschaften ein. Nicht zuletzt spricht Schwarz über seine neue Position und seine Aufgaben als neuer CEO, die ersten 100 Tage seit seinem Wechsel von der Reederei Gefo zum Traditionsunternehmen DAL/JTE sowie "Persönlichkeit" als persönliche Note und die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der Gruppe in diesem Jahr.Auch über die Sparte "Dry Cargo" spricht der Manager. Aus dem Bulk-Geschäft hat sich die Reederei verabschiedet, in der Containerschifffahrt will man aber bleiben. Schwarz geht auf die Flotte, Pläne, den Verkauf des Linien-Geschäfts an Hapag-Lloyd und potenzielle Partnerschaften ein. Nicht zuletzt spricht Schwarz über seine neue Position und seine Aufgaben als neuer CEO, die ersten 100 Tage seit seinem Wechsel von der Reederei Gefo zum Traditionsunternehmen DAL/JTE sowie "Persönlichkeit" als persönliche Note und die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der Gruppe in diesem Jahr.
Wed, 20 Mar 2024 - 88 - #87: Matthias Becker von Anglo-Eastern Ship Management: "Reeder fordern mehr Transparenz"
Immer mehr Regulierung, eine zunehmende Digitalisierung, Fachkräftemangel – im Markt für technisches Schiffsmanagement haben alle Akteure einige Herausforderungen zu meistern, sagt Matthias Becker, Deutschland-Chef vom asiatischen Shipmanager Anglo-Eastern – mit 650 Schiffen in der Flotte einer der ganz großen Player im Markt. Ein treibender Faktor der Entwicklung sind die veränderten Erwartungshaltungen von Reedern und Schiffseignern: »Es gibt immer mehr Vorgaben für das Reporting und den Detailgrad und die Transparenz.« Hier spielen die Umweltregulierung und in der Konsequenz das Thema Compliance eine immer wichtigere Rolle. Um diesen Anforderungen entsprechen zu können, muss ein Shipmanager viel Expertise und Kapazitäten vorhalten. Ob große Shipmanager da im Vorteil sind? "Das glaube ich ganz fest", sagt Becker. Der Hamburger Geschäftsführer, der erst kürzlich vom Motorenbauer Wärtsilä zu Anglo-Eastern gewechselt, war, erläutert seine Ansichten zu den nötigen Kompetenzen und den Wettbewerb unter Schiffsmanagern. Er spricht zudem über die Erwartung einer Konsolidierung in der Branche und eine "führende Rolle" von Anglo-Eastern dabei sowie den Bedarf an weiteren Investitionen. Nicht zuletzt geht er auf deutsche Kunden wie Hapag-Lloyd, Wachstumspläne von Anglo-Eastern, "Managing Owner", den Fachkräftemangel und Seeleute, Ausbildungszentren, Handelsschiffe und andere Schiffssegmente sowie seinen Wechsel vom Motorenbauer Wärtsilä ein.
Wed, 06 Mar 2024 - 87 - #86: Quo vadis Containerschifffahrt? Alphaliner-Chefanalyst Jan Tiedemann
Wo geht die Reise in der Containerschifffahrt hin, Jan Tiedemann? Der Chefanalyst vom Branchendienst Alphaliner sieht keine akute Gefahr von Überkapazitäten, aber mit Blick auf den Markt einige offene Fragen bezüglich Verschrottung, Neubauten, die »Gemini«-Allianz von Hapag-Lloyd und Maersk oder kartellrechtliche Bedenken. Er spricht über verschiedene Zeithorizonte, ein großes Orderbuch, Folgen der Angriffe jemenitischer Huthi-Rebellen im Roten Meer, Umroutungen um das Kap der Guten Hoffnung, »Sonderphänomene« und Rahmenbedingungen. Kommt denn nun die schon oft erwartete Verschrottungswelle? Es gebe erhebliches Potenzial, aber: »Es könnte sein, dass sich Reeder noch etwas zurückhalten«. Wo geht die Reise in der Containerschifffahrt hin, Jan Tiedemann? Der Chefanalyst vom Branchendienst Alphaliner sieht keine akute Gefahr von Überkapazitäten, aber mit Blick auf den Markt einige offene Fragen bezüglich Verschrottung, Neubauten, die »Gemini«-Allianz von Hapag-Lloyd und Maersk oder kartellrechtliche Bedenken. Er spricht über verschiedene Zeithorizonte, ein großes Orderbuch, Folgen der Angriffe jemenitischer Huthi-Rebellen im Roten Meer, Umroutungen um das Kap der Guten Hoffnung, »Sonderphänomene« und Rahmenbedingungen. Kommt denn nun die schon oft erwartete Verschrottungswelle? Es gebe erhebliches Potenzial, aber: »Es könnte sein, dass sich Reeder noch etwas zurückhalten«. Eine weitere offene Frage ist, wie sich die neue »Gemini«-Kooperation zwischen Hapag-Lloyd und Maersk auswirken wird: »Es gibt das große Fragezeichen, ob der Markt es annimmt«, sagt Tiedemann und erläutert mögliche Bedenken. Der Analyst spricht außerdem auch über das Orderbuch, Schiffsgrößen, den Secondhand-Markt, den Wachstumskurs von MSC, die umweltpolitische Regulierung, Schiffsdesigns und das »biologische Schiffsalter«. Nicht zuletzt spricht er über mögliche »Anti-Gemini-Konzepte«, das Verhältnis von Linien- und Tramp-Reedern, kartellrechtliche Bedenken sowie potenzielle Entwicklungen in der Allianzstruktur und einen Vergleich mit Beschäftigungsgarantien für Fußballtrainer.
Wed, 21 Feb 2024 - 86 - #85 Rossbach: "Außerordentliches Potenzial für Start-ups und Finanzierer"
In der Schifffahrt gibt es nach wie vor einen großen Bedarf an Innovationen und Modernisierung. Entsprechend groß sind die Chancen – sowohl für Start-ups als auch für Finanzierer und Investoren, meint Oliver Rossbach, Co-Gründer und Eigentümer der Hamburger Corporate-Finance-Boutique Pier11. Wenn man den Blick über das Schiff hinaus etwas weitet auf die gesamte Logistikkette, gebe es außerordentlich großes Potenzial. Weil Investoren unter Umständen in anderen Segmenten etwas weniger gute Möglichkeiten hätten, werde es eine Ausdehnung der Zusammenarbeit von maritimen Start-ups und dem Kapitalmarkt geben, erwartet Rossbach. Explizit geht er auch auf Reeder ein, die – mitunter über eigene Finanz-Vehikel – als Investoren agieren: "Wenn es mehr davon gäbe, wäre das auf jeden Fall gut.« Der Experte spricht über Risikobereitschaft und Mentalitäten hierzulande und anderswo ("Riesen-Unterschied"), die Bedeutung der branchenspezifischen Erfahrung für eine erfolgreiche Entwicklung eines Start-ups, die aktuelle gesetzgeberische Lage und das neue Zukunftsfinanzierungsgesetz und Standort-Bedingungen. Rossbach geht auf Erfahrungen bezüglich des Alters von erfolgreichen Gründern, Klischees, Gründe, die zum „Abspringen“ eines Investors führen, die Knackpunkte in Verhandlungen zwischen Gründern und Investoren (es geht vor allem um Mitspracherechte und Einflussmöglichkeiten), Blauäugigkeit, Fördermaßnahmen, (zu schnelle) Expansion ins Ausland und Schwierigkeiten bei der Frühfinanzierung ein.
Wed, 07 Feb 2024 - 85 - #84 Neuer Schwung in der Debatte um die deutsche Flagge
Die Kosten sind nicht mehr der richtige Kritikpunkt an der deutschen Flagge, aber an der Bürokratie und der Digitalisierung muss man weiter arbeiten – und das wird derzeit mit wieder mehr Elan getan, sagt Christian Bubenzer, Einflaggungsmanager bei der BG Verkehr, die sich als zuständige Behörde des Bundesverkehrsministeriums um "Schwarz-Rot-Gold" am Heck kümmert. Unter der Ägide der FDP habe das Thema "wirklich eine Aufmerksamkeit bekommen wie lange nicht mehr", sagt Bubenzer in der neuen Episode des HANSA PODCASTs. Aktuell laufen neue Gespräche der Flaggenverwaltung mit Reedereien, Schiffsfinanzierern und anderen Akteuren der maritimen Branche. Sie sollen dazu führen, dass Hemmnisse für die Wahl der deutschen Flagge abgebaut werden. Bubenzer spricht über diese Debatten sowie über Kosten, Sozialversicherungen, die Digitalisierung, einen Abbau der Bürokratie und neue Dienstleistungen für Reedereien. Er zeigt sich zuversichtlich, dass es zu positiven Resultaten kommt und macht deutlich, wie die Behörde die aktuelle Größe der Flotte unter deutscher Flagge bewertet. Dabei geht es nicht zuletzt um die Sicherung des maritimen Knowhows im Lande – für die Schifffahrt, für Behörden und die Unabhängigkeit Deutschlands. Auch die Ausbildung spielt eine große Rolle: Er wolle nicht allzu schwarz malen, aber "wenn wir die deutsche Flagge nicht hätten, würde es in der maritimen Ausbildung noch düsterer aussehen". Bubenzer spricht außerdem Förderungen, das Bundesverkehrsministerium und gesetzliche Regelungen, große und kleine Reedereien und die aktuelle Haushaltskrise im Bund als potenzielles Risiko für Fördermaßnahmen und Subventionen.
Tue, 23 Jan 2024 - 84 - #83 "Immer noch zu viel Vorurteil gegen die Schifffahrt auf dem Kapitalmarkt"
Philipp Wünschmann, Leiter "Shipping" bei der Berenberg-Bank in Hamburg, blickt zuversichtlich auf das Geschäft der Bank in der Schifffahrt. Nach den langen Krisenjahren habe sich in der folgenden Boom-Phase einiges geändert, sowohl in der Struktur der Flotte und Reedereilandschaft als auch in der Mentalität und im Investitionsverhalten von Reedern. Sie gehen mittlerweile zum Teil "opportunistischer" vor und schauen anders als zu Zeiten des KG-Marktes auch diversifizierter auf Investment-Möglichkeiten. Wünschmann spricht über die aktuelle Lage in der Branche, die deutlich bessere Bonität von Schifffahrtsunternehmen, Chash-Reserven, die Krisen-Erfahrung, künftige Potenziale und den Zugang zu Kapital. Die Schifffahrt sollte weiter an Transparenz und ihrer Struktur arbeiten. Denn auf dem Kapitalmarkt gebe es noch immer zu viele Vorurteile hinsichtlich Umweltschutz ("Schifffahrt gilt noch immer als dreckig") oder auch Arbeitsbedingungen auf See. Im vergangenen Jahr sei nicht viel Kapital in die Schifffahrt geflossen, aber prinzipiell gebe es große Potenziale, sagt er. Der Banker geht auf das traditionell starke Corporate-Banking bei Berenberg sowie das wachsende Geschäft mit Schiffskrediten, Kreditfonds und das milliardenschwere "Private Debt"-Portfolio der Bank ein, eigene Investments und Notwendigkeiten für einen stärkeren Zugang der Branche zu Kapital. Man müsse Investoren noch besser erklären, was die Schifffahrt ausmacht und wo Chancen liegen, aber auch, wie sie in große Komplexe wie die Energiewende passt. Auch die Reedereien selbst haben da noch Nachholbedarf. Wünschmann spricht außerdem über Compliance und Sanktionsfragebögen, Investitionen in das eigene Dienstleistungsportfolio, die Regulierung und den Service der Berenberg-Bank mit Blick auf den EU-Emissionshandel, der seit diesem Jahr auch die Schifffahrt einbezieht.
Tue, 09 Jan 2024 - 83 - #82 Großer High/Heavy- und Auto-Boom bei Wallenius Wilhelmsen hält an
Die Reederei Wallenius Wilhelmsen erlebt einen »überdurchschnittlich starken« Boom im Transport von Autos und High-&-Heavy-Ladung. Das dürfte auch im kommenden Jahr so bleiben, sagt Carsten Wendt, Head of High & Heavy und Breakbulk bei der Reederei, die eine Flotte mit 125 Schiffen betreibt und auch an der deutschen Küste aktiv ist, im HANSA Podcast. Es sei eine besondere Konstellation, die es so noch nicht gegeben habe, unter der zurzeit vor allem Kunden mit Stückgut beziehungsweise Breakbulk-Ladungen leiden, für die oft kein Platz an Bord ist. Sowohl beim Transport von Autos, als auch bei Ausrüstungen für die Bau-, Bergbau- und Landwirtschaftsindustrien verzeichnet die RoRo- und Car-Carrier-Reederei eine sehr hohe Nachfrage – und zwar gleichzeitig, so der deutsche Manager, der Details und Hintergründe erläutert. Weil in der Branche über Jahre hinweg deutlich zu wenig neue Schiffe in Dienst gestellt wurden, sind die Frachter seit einigen Monaten komplett ausgebucht, das Frachtraum-Angebot kann mit der Nachfrage nicht mithalten. Daran ändert bislang auch der Einstieg einiger neuer chinesischer Akteure im Markt nichts. Wallenius Wilhelmsen hat ein Neubau-Programm gestartet. »Das reicht aber weitem nicht aus«, sagt Wendt und spricht über die Situation in der Weltflotte, Neubau-Notwendigkeiten, seine Erwartung an Schiffsverschrottungen und Umbauten, an die künftige Nachfrage, Elektro-Autos, Entwicklungen in der Autoindustrie, Konkurrenz aus China und seine Hoffnung auf eine gewisse Loyalität deutscher Autobauer. Dabei hofft er, dass die RoRo-Branche nicht die gleichen Probleme bekommt wie Containerschifffahrt und setzt darauf. Die Branche habe sich zum Ziel gesetzt, »nicht die gleichen Fehler zu machen wie die Containerreeder«. Wendt spricht außerdem über seine Einschätzung zur Schiffsgrößenentwicklung (»Ende der Ausbaustufen«), Nachhaltigkeitsziele, ESG-Druck von Kunden, Umweltregulierung, alternative Antriebe und Kraftstoffe, Methanol, Wasserstoff, Offshore-Wind und die Absage von Wallenius Wilhelmsen an LNG-Antriebe.
Fri, 08 Dec 2023 - 82 - #81 Briese will eigenen Forschungsschiff-Neubau bestellen
Zur Leeraner Schifffahrtsgruppe Briese gehört unter anderem die führende deutsche Forschungsschiffreederei. Der verantwortliche Manager Klaus Küper kann sich ein Wachstum der Flotte von derzeit acht Schiffen durchaus vorstellen, allerdings ist die Zahl der deutschen Forschungsschiffe begrenzt. Auch die Bereederung ausländischer Einheiten würde Briese reizen, ein Markteintritt ist aber schwierig. Daher arbeitet Briese derzeit an einem eigenen Neubau-Projekt, für den man mit Werften in Deutschland und Europa spricht. Küper spricht im HANSA Podcast über die Schiffsneubauprojekte "Meteor IV" und "Polarstern" sowie Versuche, im Ausland Fuß zu fassen. Er geht auf die Besonderheiten in der Bereederung von Forschungsschiffen für Institute und Ministerien ein spricht über Auswirkungen von politischen Entscheidungen und Bundestagswahlen. Nicht zuletzt redet der Briese-Manager über "den besten Arbeitsplatz für einen Seemann", den Fachkräftemangel und nötige Kompromisse sowie Grenzen bei der Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Seeleuten an Bord. In der Episode geht es zudem über Diplomatie auf See und an Land sowie eine Folge des aktuellen Konflikts zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas.
Fri, 17 Nov 2023 - 81 - #80 Tanker-Bergung vor dem Jemen: Havarie-Experte Dennis Brand zieht Bilanz zur »FSO Safer«
Explosion? »Ölpest«? Die Bergung des vor dem Kriegsgebiet im Jemen liegenden maroden Tankers »FSO Safer« wird von vielen Fragezeichen und Befürchtungen begleitet. Havarie-Experte Dennis Brand war im Auftrag der Vereinten Nationen mit seiner Firma BMC beteiligt und zieht im HANSA PODCAST exklusiv Bilanz. »Die ganze Sache war insofern spannend, weil es nicht eine klassische Bergung war, wie man sich das vorstellt. Sondern es waren eigentlich die ganzen Umstände und Unwägbarkeiten, die es so schwierig gemacht haben«, sagt Brand und spricht über einen Einsatz im Kriegsgebiet und den »zum Großteil unbekannten Zustand« des 40 Jahre alten Schiffes, das ursprünglich als schwimmendes Lager genutzt werden sollte, nach Ausbruch des Bürgerkriegs jedoch vernachlässigt wurde. Es ging vor Ort um massiven Bewuchs am Rumpf, Explosionsrisiken, die Stabilität, Dickenmessungen und Surveys sowie die Zusammenarbeit mit Behörden und Auftraggebern. Aber graue Haare habe er dabei nicht bekommen, obwohl es theoretisch reichlich Konfliktpotential gab. Der Gründer und Geschäftsführer spricht außerdem über seine bisherigen Erfahrungen mit schweren Havarien. »Human errors« seien nicht wegzudenken, »Menschen machen eben manchmal Blödsinn«, so Brand, der aber auch Fairness mit Seeleuten einfordert. Er spricht über politischen Druck und Nichtregierungsorganisationen, »die sich Sorgen machen, dass ölverschmierte Pinguine durchs Wohnzimmer laufen.« Nicht zuletzt geht er auf Pläne für BMC, den Wettbewerb und eine mögliche Konsolidierung in einem begrenztem Markt sowie die eigens entwickelte »Salvage App« für eine Vereinfachung der Prozesse bei großen Bergungsprojekten ein.
Wed, 01 Nov 2023 - 80 - #79 Niederländische Damen-Gruppe ist bereit für mehr Zusammenarbeit mit deutschen Werften
Die niederländische Schiffbaugruppe Damen Shipyards ist Generalunternehmer für den Bau von neuen Fregatten für die deutsche Marine. Für das Projekt F126 arbeitet sie mit mehreren deutschen Werften zusammen. Im Podcast erläutert Magiel Venema, Chef der eigens dafür gegründeten deutschen Tochtergesellschaft, exklusiv die Hintergründe des Projekts, dass bei der Auftragsvergabe große industriepolitische Debatten ausgelöst hatte: von der Verwunderung über deutsche Beschaffungspolitik und einer möglicherweise unglücklichen Kommunikation der Niederländer über die aktuell gute Zusammenarbeit mit deutschen Behörden bis zum Projektkonstrukt mit der Einbeziehung verschiedener deutscher Werften und Zulieferer. Venema hat durchaus einiges an Lob parat und zeigt sich zuversichtlich, die Fregatten fristgemäß abliefern zu können. Er spricht aber auch über vermeintliche »Goldrandlösungen«, für die das deutsche Beschaffungswesen bereits wiederholt kritisiert wurde, »1000 Probleme« beim Fregatten-Bau und die von Bundeskanzler Scholz ausgerufene »Zeitenwende«. Er beobachtet eine neue Dynamik im deutschen Marine-Schiffbau, sieht mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede in der Schiffbaupolitik der Niederlande und Deutschlands, stellt aber auch die Frage, ob neue Schiffe aus heutiger Sicht noch genauso geplant werden würden wie vor der Auftragsvergabe. Venema will auch Klarheit schaffen und Kritiker mit Fakten überzeugen: Über das Vorgehen der Damen-Gruppe in Deutschland und das Geschäftsmodell, Wertschöpfung, Schlüsseltechnologien (mitsamt Zusammenhang zur Frage nach Souveränität) und Industriepolitik sowie Standort-Nachteile. Gleichzeitig zeigt er sich im Namen des Konzerns offen und bereit für eine weitere Zusammenarbeit mit deutschen Werften, sowohl für Marine-Neubauten als auch für andere Schiffe (z.B. Schlepper) aus dem zivilen Bereich – unter bestimmten Voraussetzungen. Chancen gebe es, aber es sei immer eine Frage der Wirtschaftlichkeit und wie man Aufträge umgesetzt bekommt. Damen könne echten Mehrwert für die hiesige maritime Wertschöpfung liefern. »Wir wollen so lange in Deutschland bleiben wie Deutschland uns haben möchte«, so der Manager.
Mon, 09 Oct 2023 - 79 - #78 Oceanis-Gründer Maximilian Otto: Neubauten und Chinese Leasing im Visier
Das Hamburger Finanzierungs-Start-up Oceanis arbeitet mittlerweile mit 65 Finanzinstituten zusammen, darunter auch 15 chinesische Leasing-Gesellschaften. Ein Markt mit großem Potenzial, wie aktuell auch das Neubau-Geschäft findet Gründer und Managing Partner Maximilian Otto. In der neuen Folge des HANSA PODCASTs berichtet Otto von der Entwicklung des 2019 gegründeten Start-ups sowie von aktuellen Projekten, Strategien und Plänen. Gerade erst hat Oceanis ein Update zum »Kredit-Orakel« Pythia live geschaltet, es soll Reedereien auf der Suche nach Kapital und Finanzpartnern das Leben erheblich erleichtern. Otto erläutert Hintergründe und die Funktionsweise. Zudem spricht der Gründer über »Hype« und (überzogene?) Erwartungen an neue Start-ups, den Zugang zu Venture Capital und die aktuell sehr guten Bedingungen für die Arbeit mit schifffahrtsnahen Investoren. Nicht zuletzt geht er auf durchschnittliche Finanzierungsvolumen und die größte Transaktion bei Oceanis, Containerschiffe, Tanker und Offshore-Schiffe sowie ökologische Parameter in der maritimen Finanzierung ein.
Fri, 22 Sep 2023 - 78 - #77 Reeder wollen gesamte maritime Branche für Ausbildungsoffensive ins Boot holen
Holger Jäde, Referent Ausbildung beim Verband Deutscher Reeder, und damit der »Man in Charge« für eines der wichtigsten Themen, mit denen sich die hiesigen Reeder derzeit beschäftigten müssen, hat im Vorfeld der hochrangig besetzten Nationalen Maritimen Konferenz eine konkrete Idee: Erstens sollten die politischen Rahmenbedingungen bestehen bleiben, die es den Reedern ermöglichen, international wettbewerbsfähig zu bleiben. Zweitens erhofft er sich von der Konferenz, bei der unter anderem Bundeskanzler Scholz, Wirtschaftsminister Habeck und wahrscheinlich auch Verteidigungsminister Pistorius auf die Spitzen aus Schifffahrt, Häfen, Schiffbau, Zulieferer und Offshore-Wind treffen, eine gemeinsame Initiative. Man sollte als gesamte maritime Branche gemeinsam versuchen, die Ausbildungslücke zu schließen, weil die einzelnen Teilsegmente allein das wohl nicht schaffen würden. In der neuen Episode des HANSA PODCASTs erläutert Jäde seine Vorstellung detailliert und geht unter anderem auf Social Media, die Sichtbarkeit der Schifffahrt, die Wertschätzung in Politik und Gesellschaft, Kritik an der Planung der Konferenz, die duale Ausbildung, Schifffahrtskaufleute, Schiffsmechaniker und Berufsschulen ein. Er spricht über das maritime Bündnis, Work-Life-Balance, fehlende Bewerbungen, Bezahlungen, Schulbesuche und Informationsmessen, die Wertigkeit der Ausbildung und den berühmten »Sekundärmarkt« an Land sowie die Frage der nationalen Souveränität in Zeiten handels- und geopolitischer Unsicherheiten und Kriege.
Fri, 08 Sep 2023 - 77 - #76 Volkmar Galke, WinGD: »Wir sehen, wie attraktiv Ammoniak geworden ist«
Wie weit ist WinGD mit der Entwicklung großer Ammoniak- und Methanol-Schiffsmotoren? Volkmar Galke, Executive Director Sales, spricht im HANSA Podcast über die aktuellen Projekte und die Aussichten für die Kraftstoffe der Zukunft.
Tue, 29 Aug 2023 - 76 - #75 Pierre Sames von DNV: »Potenziale von Künstlicher Intelligenz sind gewaltig«
Pierre Sames, Strategic Development Director bei DNV Maritime, spricht im HANSA Podcast über die Potenziale, Herausforderungen und die Aufgaben einer Klassifikationsgesellschaft im Umgang mit den neuen Möglichkeiten, die sich durch den Einsatz von KI bieten.
Fri, 11 Aug 2023 - 75 - #74 Flagship Founders: "Ohne Netzwerk scheitert man in der Schifffahrt"
Fabian Feldhaus, Co-Gründer und Geschäftsführer von Flagship Founders, ist sehr zufrieden mit der Entwicklung des auf die maritime Industrie fokussierten Venture Studios. Die ausgegründeten Start-ups Tilla, Kaiko, Zero44 und Arinto seien alle am Markt erfolgreich. Die "strategische Partnerschaft" mit der griechischen Signal Group soll neue Möglichkeiten bei griechischen Reedern ermöglichen und die Expansion vorantreiben. Im Podcast geht Feldhaus auf Details des Signal-Deals ein und spricht über die Arbeit in der deutschen maritimen Branche: "Ohne Netzwerk und Kontakte wird man als Start-up mit 100%iger Wahrscheinlichkeit scheitern, weil man nicht den Fuß in die Tür bekommt". Der Co-Gründer spricht außerdem über eine Korrektur im Start-up-Markt, die schwieriger gewordene Finanzierung, "Silicon-Valley-Unicorn-Wetten", eine Anpassung der Strategie bei Flagship Founders, das "Glück" der vergangenen Jahre, neue Segmente für künftige Ausgründungen, die deutschen Schifffahrtsstandorte Hamburg und Ostfriesland, die finanzielle Lage und Unabhängigkeit des "Company Builders" und sein Pendeln zwischen Hamburg und Berlin.
Wed, 26 Jul 2023 - 74 - #73 Hadag-Chef Tobias Haack über Hybridfähren und Aussichten für Batterien und Wasserstoff
Tobias Haack, Chef des Hamburger Fährbetreibers Hadag, spricht im Hansa Podcast über die neuen Plug-in-Hybridschiffe und das Konzept dahinter.
Fri, 14 Jul 2023 - 73 - #72 Senatorin Leonhard will mehr "politische Steuerung" für Hamburgs Hafen
Der neue Hamburger Hafenentwicklungsplan (HEP) soll ein Bekenntnis der Stadt zur Zukunft des Hafens sein und enthält eine Fülle an Ideen und Projekten. Melanie Leonhard, Senatorin für Wirtschaft und Innovation, und damit auch für Deutschlands größten Seehafen, geht davon aus, dass man sich bei den nötigen Investitionen im Bereich »mehrerer Milliarden Euro« bewegt. Dies zu schultern sei aber nicht allein Aufgabe der Politik, auch die Terminal- und Hafenwirtschaft müsse ihren Beitrag leisten: »Die Terminalbetriebe haben sehr wesentlich die Verantwortung, was bei ihnen läuft.« Die Landes-SPD-Chefin war auf drei parteilose Wirtschaftssenatoren gefolgt. Im Podcast spricht sie über »Selbstbeschränkungen« der Vergangenheit, die Nachteile der Privatisierung des Terminalbetreibers HHLA und den Gedanken, politische Steuerung eher zurückzugewinnen als weiter abzugeben. Leonhard sieht zwar durchaus noch Wachstumspotenzial im Containerumschlag, »auch wenn wir noch so sehr die Augen zumachen und sagen, das sollte woanders stattfinden«, aber auch Grenzen. Sie spricht über Infrastruktur-Maßnahmen, erneuerbare Energien im Hafen, eine norddeutsche Hafen-Kooperation, die Konkurrenz zu Rotterdam und Antwerpen sowie entsprechende Hafen-Rankings (»sehr begrenzte Aussagekraft«), Industrieansiedlungen, das Pipeline-Netz, den Status als Universalhafen, Reederei-Beteiligungen an Terminals und neue Partner für Entwicklungsprojekte (»Da ist noch Platz für neue Gedanken«). Nicht zuletzt geht Leonhard darauf ein, wie sich ihre Erfahrungen aus ihrer bisherigen Zeit als Senatorin und aus ihrer »Rickmers-Zeit« auf den Umgang mit der maritimen Branche auswirken.
Wed, 21 Jun 2023 - 72 - #71 Fairplay behauptet sich in »sehr sehr schwierigem Schlepper-Markt in Deutschland«
Die deutsche Schleppreederei Fairplay sieht sich in Deutschland einem harten Wettbewerb mit einem großen Konkurrenten ausgesetzt. Geschäftsführer Holger Schwesig und sein Team haben sich trotz des großen Kostendrucks und einem »unterirdischen Niveau« dennoch für Neubauten entschieden. Im HANSA PODCAST spricht der Manager über die Konsolidierung in der europäischen Schleppschifffahrt, den Wettbewerb mit der spanischen Boluda-Gruppe sowie deren potenzielle Verflechtung mit der aktuell weltgrößten Containerlinienreederei MSC bzw. deren Schlepper-Tochter Medtug, mögliche Monopole und (ausbleibende) politische Reaktionen sowie eigene Wachstums-Chancen. Insgesamt sieht Schwesig die Fairplay-Towage-Gruppe mit ihren Hafenschlepp-, Notschlepp- und Offshore-Aktivitäten relativ gut aufgestellt. Gleichzeitig schaut man sich aber auch nach zusätzlichen Geschäftsmöglichkeiten um (»wir sind sehr offen«). Ein Faktor in den Planungen ist die Modernisierung der Flotte und die leidige Frage nach dem »richtigen«, weil möglichst passenden und umweltschonenden, Kraftstoff (»zum Glück ist das Thema LNG an uns vorbeigegangen«). Schwesig erläutert seine Ansichten zu neuen Schleppern, Werftpartnern im europäischen Ausland und die Zusammenarbeit mit deutschen Schiffbauern (»es gibt Möglichkeiten, aber da müsste man in Deutschland zusammenrücken«). Bei der Frage nach dem richtigen Weg zur Dekarbonisierung wünscht sich der Reederei-Chef ein konkreteres »Verlangen«, »noch mehr Druck«, seitens der Häfen und der Politik. Dann könne eine Reederei entsprechend reagieren und in alternative Antriebe investieren, ohne ein allzu großes Risiko einzugehen. Wichtig ist Schwesig eine verbesserte »Sichtbarkeit« der Schleppschifffahrt insgesamt, aber auch von Fairplay. Angesichts großer Verwerfungen im Welthandel sei das schon deutlich besser geworden, es könne aber auch noch besser werden. Davon erhofft er sich unter anderem positive Effekte auf die Suche nach Fach- und Nachwuchskräften sowie die politisch-behördliche Begleitung der Branche.
Fri, 09 Jun 2023 - 71 - #70 AAL-Manager Schoeller: »Genug Ladung für weitere MPP-Schiffe«
Felix Schoeller, Commercial Director bei der Mehrzweck- und Projektreederei AAL, sieht »auf jeden Fall genug Ladung in den nächsten Jahren für zusätzliche MPP-Schiffe«. Mit Neubauten wird die eigene Flotte ausgebaut, nicht erneuert: ältere Schiffe sollen nicht abgegeben werden. Der Fokus des zur Schoeller-Gruppe gehörenden Unternehmens soll auch künftig vor allem auf große Schiffe gelegt werden. Felix Schoeller erklärt die Gründe dafür. Er spricht über Details der neuen Schiffe der »Super-B-Klasse«, den Bedarf in der Weltflotte und erläutert exklusiv seine Ansichten zum MPP-Markt. Der Manager spricht unter anderem über das Dilemma bei der Entscheidung für oder gegen Neubauten, alternative Antriebsarten, den Raten-Boom und das »neue Normal«, seine Erwartung an einen relativ starken Sommer, die gesunde MPP-Schifffahrt, die regionale Aufstellung von AAL mit einem wichtigen Büro auch in Hamburg sowie den Expansionskurs der Reederei in den vergangenen Jahren. Zudem geht er auf Ladungen und Kunden, Trades, regionale Verschiebungen, China, Südostasien und Indien, die Ladungsmärkte Öl/Gas, Erneuerbare Energien und Wasserstoff-Infrastruktur, die Konkurrenz von Containerlinien und die »symbiotische Beziehung« mit Massengut-Frachtern ein. Nicht zuletzt setzt er sich im Gespräch kurzzeitig »den Hut für die gesamte MPP-Branche« auf.
Fri, 26 May 2023 - 70 - #69 Christoph Bruhn: »Reeder-Attitude bei Schiffsverkäufen dreht sich schnell komplett«
Christoph Bruhn, Gründer und Geschäftsführer des Hamburger Schiffsmaklers Bruhn Shipbrokers, geht nicht davon aus, dass die extrem hohen Schiffsverkaufspreise der vergangenen Jahre noch einmal zu erwarten sind. Im HANSA PODCAST geht er detailliert auf die Entwicklung und den »aus einem extrem überzogenen Niveau« kommenden, wieder etwas abgekühlten Markt ein. Die Attitude von Reedern und Schiffseignern könne innerhalb weniger Woche komplett drehen. Bruhn spricht über Schiffswerte, das Mindset von Reedern, Umweltschutz als potenzielle Verkaufsursache, Käufer, »die sich ihren Markt selbst kaputt machen«, neue Chancen für kleinere und mittlere Käufer, Millionen-Profite und die Frage, was man mit den Erlösen nun macht. Die deutsche Flotte wurde in den vergangenen 24 Monaten durch sehr viele Verkäufe weiter ausgedünnt – »eigentlich eine tragische Entwicklung«. Das hat auch Folgen für die Makler. Trotz der jahrelangen Krise und den jüngsten Entwicklungen bewertet Bruhn das hiesige Segment an Schiffsverkaufsmaklern aber als »weiterhin sehr stark«. Der erfahrene Manager geht auf die Folgen der Bankenkrise, die Konsolidierung im Makler-Markt und Pläne für sein eigenes Unternehmen ein. Wichtig ist ihm, »eine gewisse Berufsethik« aufrechtzuerhalten. Ob man mit »bestimmten Methoden, die ich nicht teile«, arbeitet, müsse jede Firma für sich selbst entscheiden. Nicht zuletzt spricht Christoph Bruhn über das neue Verkaufs-Standard-Werk »Shipsale 22«, das »bestimmte Punkte, die sich im Laufe der Jahre in Verhandlungen einschleichen und sich etablieren«, aufgreift.
Fri, 12 May 2023 - 69 - #68 Rotterdam hat keine Angst vor Kooperation von Konkurrenz-Häfen
In Europas größtem Seehafen Rotterdam blickt man manchmal neidisch, manchmal mit einem gewissen Kopfschütteln auf die deutsche Konkurrenz und die Hafen-Politik. Michiel Messchaert, höchster Repräsentant des niederländischen Hubs in Nordwestdeutschland und damit Ansprechpartner für hiesige Reeder, Verlader, Speditionen, die Industrie und Behörden, spricht exklusiv im HANSA PODCAST. Trotz eines leichten Umschlag-Rückgangs in 2022 ist man in Rotterdam zuversichtlich. Das liegt unter anderem an eigenen Investitionen und den Terminal-Ausbau-Plänen von Maersk, MSC und Hutchison aus Hongkong. In diesem Zusammenhang spricht Messchaert auch über das zumindest in Hamburg stark umstrittene Thema von (auch chinesischen) Reederei-Beteiligungen an Terminals und Erwartungen für den künftigen Container-Umschlag ("Mehrere Millionen zusätzlich"). Darüber hinaus geht es in der Episode um Pläne für die Energiewende im Hafen, Binnenschiffe und die Bahn im Hinterland sowie eine gewisse "Eifersucht" auf die Hamburger Aktivitäten. Mit Blick auf den nordeuropäische Hafen-Wettbewerb erläutert Messchaert außerdem die Ansichten der Rotterdamer Verantwortlichen zur deutschen Hafen- und Infrastrukturpolitik ("sehr kompliziert", "Kopfschütteln"), zu Hamburgs Strategie bei Reederei-Beteiligungen ("hat sich als nicht ganz richtig erwiesen"), zur Versorgung der deutschen Industrie und der Konsumentenmärkte, zu Kooperationen europäischer und deutscher Konkurrenzhäfen, Hafengebühren und zu den aufkommenden Hubs in Südeuropa ("glücklicherweise gibt es die Alpen").
Fri, 28 Apr 2023 - 68 - #67 »Totgesagte leben länger«: Große Nachfrage nach deutschen Schiffsmechanikern
Seit 40 Jahren gibt es in Deutschland die Ausbildung zum Schiffsmechaniker. Sabine Zeller, Geschäftsführerin der Berufsbildungsstelle Seeschifffahrt (BBS), ist trotz der bisweilen widrigen Umstände absolut zuversichtlich, dass es die Ausbildung auch in Zukunft geben wird. Aktuell ist die Nachfrage wieder deutlich gestiegen, es gibt zu wenige Schiffsmechaniker und Auszubildende. Ein Grund: Die Demografie. Ob die Schifffahrt die Entwicklung »verpennt« hat? »Man hat sich das halt lange schöngeredet«, sagt Zeller im HANSA Podcast. Die BBS-Chefin erläutert ausführlich Ihre Ansichten zu Problemen und Chancen in der Ausbildung, spricht über geringe Wertschätzung (im Vergleich zu Nautikern oder Ingenieuren), Hausaufgaben für Reeder und die Politik (»Auf Wahlplakaten findet man nur die Straße und die Schiene«), die Notwendigkeit, das Know-how zu sichern, einen Vergleich zu philippinischen Seeleuten, die mangelnde Attraktivität Deutschlands für ausländische Fachkräfte, die Geschlechterfrage und bessere Noten von Frauen, ihre Erfahrung als Seefahrerin, Work-Life-Balance (»War bei mir nie besser als zu meiner Seefahrt-Zeit«) und die Bindung an ein Unternehmen– unabhängig von der Generationsfrage. Außerdem spricht Zeller über Pläne, der Ausbildung für Schiffsmechaniker wieder deutlich mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, ihre Rolle als Botschafterin bei der IMO, die »Adoption« eines Schiffes und junge Menschen bei der Nationalen Maritimen Konferenz.
Thu, 06 Apr 2023 - 67 - #66 Youngster Shipbroker Meeting: Maritimes Networking nach Corona wichtiger als je zuvor
Fabian von Pfeil und Sven Berger aus dem Organisationsteam des Youngster Shipbroker Meeting (kurz YSM) sprechen über ihre Aussichten für das Networking event, das 2023 erstmals nach drei Jahren Pause wieder in Hamburg stattfindet.
Fri, 24 Mar 2023 - 66 - #65 Shades of Green: Bei Schiffsrecycling trennt sich Spreu vom Weizen
Henning Gramann, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Dienstleister GSR Services, ist ein erfahrener Experte für Schiffsrecycling und Gefahrstoffe an Bord. Im HANSA PODCAST spricht der Fachmann über echte oder vermeintliche grüne Verschrottungen und appelliert an Reedereien, deutlich frühzeitiger in die Planungen für Schiffsverschrottungen zu gehen als das bisher der Fall ist. Angesichts der vielen Neubauten, der umweltpolitischen Regulierung und dem Durchschnittsalter der Weltflotte dürfte der Branche eine Recycling-Welle bevorstehen. Das sollten Reeder in ihre Planungen einbeziehen und sich vorab Kapazität sichern, sagt Gramann. Die Werft-Kapazität ist knapp – erst Recht mit Blick auf die neuen Regulierungen durch die internationale Honkong-Konvention (deren Umsetzung Gramann ein "echtes Trauerspiel" nennt) oder die EU-Schiffsrecycling-Verordnung. Aber auch die Baseler Konvention zur grenzüberschreitenden Abfallverbringung spielt eine sehr große Rolle – nicht zuletzt bei den aktuellen strafrechtlichen Ermittlungen gegen einige Reeder. Auch aus Deutschland und Europe ("auch hier gibt es Substandard-Werften") könnten nach Ansicht des Experten Standorte für Schiffsrecycling werden, wenn die "Barrieren im Kopf" überwunden werden und etwas strategischer als rein-kommerziell denkt. Gramann spricht außerdem über das Gefahrstoff-Kataster IHM, Schiffsrecyling in Indien, Pakistan, Bangladesch und der Türkei, "Müllmänner der Schifffahrt", problematische Image- und Hierarchie-Gedanken, Preisunterschiede in Europa und Asien, knappe Kapazitäten, Verbesserungspotenzial und Versäumnisse bei Reedern und Werften, Zertifizierungen durch Klassifikationsgesellschaften, Druck von Banken, Finanzpartnern und Ladungskunden, das Umflaggen vor der "letzten Reise" und Vorgaben durch Versicherer, "groben Unfug", Schiffe als Sonderabfall sowie das Umgehen von Regularien.
Fri, 10 Mar 2023 - 65 - #64 Fachkräfte und Hafenflächen: Hürden und Chancen für die maritime Energiewende
Damit die maritime Energiewende – sprich der umfassende Einsatz alternativer, grüner Kraftstoffe in der Schifffahrt – gelingen kann, braucht die Wirtschaft eine klare, verlässliche Regulierung, sagt Tessa Rodewaldt, Geschäftsführerin der in Berlin und Hamburg ansässigen "Maritimen Plattform". Die Politikberaterin erläutert im HANSA PODCAST, was aus Sicht der 2014 gegründeten Plattform seitens der Politik und der Schifffahrt selbst nötig ist. Der Fachkräftemangel spiele eine große Rolle bei der Handhabung künftiger Kraftstoffe. Wichtig ist ihr auch, dass über die Bereitstellung von Hafenflächen für das Handling von Energieträgern und eine Bunker-Infrastruktur gesprochen wird. Sowohl die Umwidmung von bestehenden Flächen als auch die Schaffung neuer Flächen seien Optionen. Man brauche dafür auch eine gesellschaftliche Akzeptanz. Dabei müsse man auch Kritik und kontroverse Debatten aushalten. Nicht wiederholen darf die Politik nach Ansicht der Plattform die Fehler der Vergangenheit, als es um eine LNG-Infrastruktur ging. Rodewaldt spricht über eine Standardisierung, notwendige Planungs- und Investitionssicherheit für Reeder, eine Lösung des Henne-Ei-Problems (erst Schiffstechnik oder erst Infrastruktur?), die richtigen Ansprechpartner in der Politik, Behörden als "Show Stopper", die Sicherung von Energieträgern für die Schifffahrt, eine "unglaubliche Dynamik", Methanol und Ammoniak sowie darüber, dass verflüssigter Wasserstoff nicht als realistische Kraftstoff-Optionen angesehen wird.
Mon, 27 Feb 2023 - 64 - #63 Reederei CMB: Ammoniak für Großschiffe? »Ja«! Methanol? »Nein«!
Benjamin Weinacht, Geschäftsführer bei CMB Germany & Hydrogen Ports, spricht im HANSA-Podcast über die vielfältigen Aktivitäten der Container-, Bulker-, Tanker- und Offshore-Reedereigruppe der Familie Saverys. Neben den diversen Wasserstoff-Projekten für kleinere Schiffe und Hafenfahrzeuge setzt das Unternehmen für große Schiffe vor allem auf Ammoniak als Kraftstoff der Zukunft. Methanol wird hingegen nicht als Option angesehen – womit sich CMB von einigen anderen Reedereien wie etwa Maersk und CMA CGM oder SAL und United Heavy Lift unterscheidet. Weinacht geht auf die Frage nach der Dauer des »Dual-Fuel-Zeitalters« und Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff ein. Seiner Ansicht nach sollte sich die Schifffahrt auch mit kleinen Schritten an die Zukunft herantasten: »Wenn man jetzt auf den großen Schritt wartet und der sich dann als falsch herausstellt, dann kann es richtig daneben gehen.« Er sehe aber einen positiven Trend, auch in Deutschland. Weinacht spricht über Aktivitäten für Windparks und die Minen-Industrie, die Bunker-Infrastruktur und die »eigene« Herstellung von alternativen Kraftstoffen. Der Manager beziffert den finanziellen Mehraufwand von Ammoniak-Technologien, spricht über den wachsenden Anteil der in weltweiten Häfen verteilten Cleantech-Aktivitäten in der Arbeitszeit der Reederei und deutsche Häfen als »Wasserstoff-Hubs«. Es werde viel diskutiert, aber: »Ich glaube, es ist einfach Zeit, dass Dinge jetzt umgesetzt werden. Einfach mal machen!«
Fri, 10 Feb 2023 - 63 - #62 Ankeri will Reeder, Charterer und Shipmanager zusammenbringen
»Customer Success« Jörn Springer und das Team des isländischen Startups Ankeri sehen – nicht zuletzt mit Blick auf die komplexe CII-Regulierung zur Kohlenstoff-Intensität von Schiffen – nach wie vor großen Bedarf an einer effektiven und modernen Plattform-Lösung im Geschäft zwischen Reedern, Charterer und Shipmanagern. »Wenn wir alte Prozesse abbilden, bleiben es alte Prozesse«, sagt der Startup-Manager. Im HANSA Podcast spricht Springer darüber, die Kommunikation auf eine qualitativ höhere Ebene zu heben, über »geheime Zutaten« hinter der Ankeri-Plattformlösung, Daten-Austausch und Buchstabensuppen, das Knowhow deutscher Reeder, das Interesse des Kapitalmarkts, Expansionspläne des Startups, romantische Ansätze der Freiwilligkeit in der Regulierung, Einstiegsversuche von Schifffahrtsunternehmen und zentrale Unterschiede zum (eingemotteten) Tradelens-Projekt der Branchengrößen Maersk und IBM.
Fri, 27 Jan 2023 - 62 - #61 Neuer Container-Chef von ABS über Neubau-Welle, Kraftstoffe und Payback-Zeiten
Christoph Rasewsky, neuer Containerchef der US-Klassifikation American Bureau of Shipping mit Sitz in Hamburg, meint, es reicht nicht aus, wenn Reeder auf die Technik schauen, um ihre Containerschiffsflotte nachhaltiger aufzustellen. Durch die Energiekrise und die gestiegenen Gas- und Kraftstoffpreise hätte sich die Situation für Reeder verändert. Er sieht einen Vierklang an Maßnahmen, die nötig sind, darunter unter anderem auch operative Maßnahmen. Trotz der Energiekrise sieht er noch immer eine hohe Attraktivität von LNG-Antrieben. Dabei geht Rasewsky auf die große Welle an Neubau-Bestellungen von Containerschiffsreedern sowie seine Erwartungen an eine Flottenmodernisierung ein. Der neue ABS-Manager spricht zudem über eine neue Strategie der Klassifikation und seine Ansichten zu verschiedenen alternativen Kraftstoffen für die Zukunft. Ein großer Fokus liegt derzeit auf Methanol. Auch auf Ammoniak (und die bisweilen geäußerte Sorge vor Sicherheitsrisiken), die Hafen- und Bunker-Infrastruktur, mögliche Empfehlungen an Reedereien auf dem Weg zur Dekarbonisierung, das Regelwerk und die ewige Frage nach einem möglichen Ende des Wachstums von Containerschiffen geht er detailliert ein.
Fri, 13 Jan 2023 - 61 - #60 Kaiko Systems' »wilder Ritt« in die Schifffahrt
Fabian Fussek, Co-Gründer und CEO von Kaiko Systems, hat mit dem Berliner Startup große Pläne in der Schifffahrt. 2020 gegründet, war zunächst etwas Zeit nötig, bis sich die Digital-Plattform für die Arbeit von Seeleuten an Bord in einer Branche mit »starken Meinungen etabliert hat. Dann allerdings ging es richtig los, mittlerweile sind über 300 Schiffe dabei. Fussek und sein Team wollen hunderte weitere Schiffe auf die Plattform holen. Im HANSA PODCAST spricht er über Wachstumspläne, die Produktentwicklung (»mehr Intelligenz«, »wie WhattsApp«), die Arbeit mit Seeleuten, Partner und Investoren aus der deutschen Reederei-Branche und seine Erfahrungen als Quereinsteiger in die Branche (»Schwierig? Im Gegenteil!«). Fussek gewährt zudem Einblicke in seine Ansichten zu den wachsenden Sorgen der Startup-Branche mit Blick auf den Kapitalmarkt und zu den Versprechen von digitalen Allheilmitteln. Außerdem hat er zwei Weihnachtswünsche – an die Reedereien und die Software-Branche.
Thu, 15 Dec 2022 - 60 - #59 Liberia-Register: »Das Wort ›Billigflagge‹ passt nicht«
Merle Stilkenbäumer, Deutschland-Chefin beim liberianischen Schiffsregister LISCR sieht in der deutschen Schifffahrt »Raum und Notwendigkeit« sowohl für eine nationale Flagge als auch für ein offenes Register – wobei letzteres besser zum internationalen Charakter der Schifffahrt passe als eine deutsche Flagge. Die Liberia-Flagge hat zuletzt einige Wachstums- und Expansionsschritte gemacht. Man sei auf dem Weg, das Ziel zu erreichen, das größte Schiffsregister zu werden. Stilkenbäumer und ihre Kollegen haben für dieses Ziel sowohl die deutsche Flotte, wo LISCR bezogen auf die Schiffsanzahl aktuell Rang 2 belegt, als auch den Weltmarkt im Blick. Von der internationalen Politik und Regulierung auf IMO-Ebene fordert sie umsetzbare. Das Beispiel des Kohlenstoff-Index CII zeige, dass es zahlreiche kleine Probleme gebe. Global einheitliche Standards seien nötig, »aber davon sind wir leider in einigen Bereichen sehr weit entfernt«. Stilkenbäumer spricht zudem über die Folgen des Krieges in der Ukraine und diplomatische Unterstützung für Reeder, Digitalisierung und Dekarbonisierung sowie die sehr alte Kritik an vermeintlichen »Billigflaggen«.
Thu, 01 Dec 2022 - 59 - #58 Dship will nicht »ohne Sinn und Verstand« in neue MPP-Schiffe investieren
Lars Feller, Präsident der Hamburger Mehrzweck- und Schwergutreederei dship Carriers, hält es für unrealistisch, dass man bei Ladungskunden höhere Raten oder Prämien für Schiffe mit »grünem« Fußabdruck bekommt. Die MPP-Branche müsse sich, wie alle Schifffahrtssegmente, zwar auch um die Dekarbonisierung und alternative Antriebsarten sowie eine Modernisierung der Flotten kümmern. So beschäftigt sich auch dship mit Neubauten. Allerdings wäre es auch »fahrlässig«, die hohen Gewinne der jüngeren Vergangenheit »ohne Sinn und Verstand« gleich wieder komplett in Neubauten zu investieren. Feller spricht zudem über den künftigen Kurs der Reederei die Flotte von dship, das Geschäft mit Charter-Reedern, Schiffstypen und Preise, Umbauten, eine potenzielle Konsolidierung der Branche, die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs, Ladungsmärkte wie Windenergie, Container und Öl/Gas sowie die Expansion der Reederei.
Thu, 17 Nov 2022 - 58 - #57 "Die Energiewende erfordert massive Investitionen in die Häfen"
Daniel Hosseus, Hauptgeschäftsführer beim Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) spricht über Folgen der Weltpolitik für die Häfen, unter anderem am Beispiel des geplanten Einstiegs der chinesischen Cosco-Gruppe am Hamburger Hamburger Terminal Tollerort: »Die Debatte wurde zu emotional geführt. Sie zeigt, dass wir ganz dringend eine Diskussion über die Hafenpolitik führen müssen«. Hosseus erläutert außerdem die Kritik am »ungleichen Wettbewerb mit Linienreedereien«. Zudem spricht der Verbandschef über den letzten intensiven Tarifkonflikt und seine Hoffnung auf eine Rückkehr zu einer konstruktiven Sozialpartnerschaft sowie über Fachkräftemangel, Digitalisierung und neue Kraftstoffe. Außerdem betont der ZDS-Chef die für die politisch gewollte Energiewende notwendige »Umwidmung« von Häfen sowie einen immensen Investitionsbedarf, der von der Privatwirtschaft nicht getragen werden könne. Dabei baut er auch auf ein stärkeres Engagement der Ampel-Koalition im Bund, die dies im Koalitionsvertrag angekündigt habe: »Daran werden wir die Bundesregierung messen«, so Hosseus. Schließlich müsse die gesamte deutsche maritime Wirtschaft es schaffen, in der Politik und der Öffentlichkeit die Wahrnehmung stärker zu verankern, welch »unglaublich wichtigen Beitrag« die Branche zur Volkswirtschaft leiste.
Fri, 04 Nov 2022 - 57 - #56 Motorenbauer Wärtsilä: "Müssen Kraftstoff-Roadmap ständig anpassen"
Matthias Becker, Deutschland-Chef beim finnischen Motorenbauer Wärtsilä, verrät exklusiv, was hinter der jüngst verkündeten (Rück-)Eingliederung der Digital-Gesellschaft "Voyage" unter das Dach von "Marine Power" steckt: "Wir gehen den nächsten Schritt". Der Geschäftsführer berichtet außerdem von der neuen bzw. künftigen Strategie des Unternehmens, dem Geschäft mit deutschen Werften und Reedern, Potenzialen in verschiedenen Schiffssegmenten und dem Wettbewerb zwischen Motorenbauern. Zudem spricht Becker über die Notwendigkeit einer stärkeren Integration im Schiffsbetrieb, die Schiff-Land- bzw. -Hafen-Kommunikation, begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten am Motor, die Hybridisierung von Schiffen sowie die offene Entscheidung zum Kraftstoff der Zukunft: LNG, Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe, Ammoniak oder das zuletzt stärker nachgefragte Methanol. "Die Kunden erwarten verständlicherweise, dass wir alles zu jeder Zeit für jede Anwendung im Angebot haben". Das sei aber schwierig, so der Manager, der die Hintergründe erläutert. Einer Eingrenzung bzw. Fokussierung auf einen bestimmten Kraftstoff bei Wärtsilä erteilt er eine Absage.
Fri, 21 Oct 2022 - 56 - #55 Eisbeinessen '22: Der Countdown für das legendäre Event läuft
Nach Corona-bedingter Zwangspause findet das legendäre »Eisbeinessen« der Schiffsmakler in diesem Jahr in seiner 72. Auflage wieder in Hamburg statt. Organisator und Verbandschef Alexander Geisler spricht exklusiv über Einzelheiten für das Traditionsevent, ein Geheimnis von Hamburgs Bürgermeister Tschentscher, die VHBS-Entscheidung, sich ein Stückweit einfach mal selbst zu feiern, Trittbrettfahrer sowie die Stimmungslage bei Maklern, die politische Wertschätzung und die Arbeit mit Speditionen. Außerdem geht er auf die Tradition des Eisbeinessens, das Rahmenprogramm, Schifffahrtsmärkte und geo- beziehungsweise handelspolitische Herausforderungen sowie die Ausbildung von Schifffahrtskaufleuten ein.
Thu, 29 Sep 2022 - 55 - #54 Offshore-Wind-Expertin Winkler: »Es ist allerhöchste Eisenbahn!«
Heike Winkler, Geschäftsführerin der in Bremerhaven ansässigen Offshore-Wind-Organisation WAB, sieht drängenden Handlungsbedarf in der Bundespolitik, um den Ausbau der Offshore-Wind-Industrie voranzutreiben. Die Expertin sieht Chancen im EU-Wettbewerbsrecht, die Deutschland aber, anders als einige Nachbarländer, nicht nutze und fordert eine Anpassung der hiesigen Ausschreibungskriterien. So sollen auch deutsche Schiffbauunternehmen und nicht zuletzt Häfen profitieren. Auch die deutschen Reeder gehören ihrer Ansicht nach mit an einen großen Runden Tisch. Einen Engpass sieht sie in der nötigen Kapazität an Spezial- und Installationsschiffen für deutsche Windparks, den man im Weltmarkt jetzt schon beobachten könne. In der aktuellen Folge spricht Winkler darüber hinaus über Wertschöpfung, Local Content-Vorgaben, Energie-Versorgungssicherheit, 82 GW, Systemrelevanz, Wirtschaftsminister Habeck und darüber, was sie gerne Bayerns Ministerpräsident Markus Söder würde.
Fri, 16 Sep 2022 - 54 - #53 Zeaborns (neue) Ziele: 150 bis 200 Schiffe in der Flotte
Michael Brandhoff, CEO beim Hamburger Shipmanager Zeaborn, blickt auf ein »sehr gutes« Jahr 2022. Im Podcast spricht der Manager über turbulente Zeiten der jüngeren Vergangenheit, Rickmers-Aktivitäten und die Arbeit mit dem Eigner und Bauunternehmer Kurt Zech. Er gibt Einblicke in die (neue) Strategie für Zeaborn und Pläne für die Flotte sowie Einschätzungen zu Container- und MPP-Schiffen. Brandhoff erläutert außerdem seine Sicht auf den deutschen und internationalen Markt, spricht über den intensiven Wettbewerb zwischen Schiffsmanagern, Transparenz und Preispolitik, Digitalisierung und Automation sowie Investitionen in Startups durch das Investment-Vehikel TecPier.
Fri, 02 Sep 2022 - 53 - #52 Axel Siepmann: »In guten Märkten gibt es viele neue Opportunitäten«
Fünf Jahre nach der Übernahme von Naves durch den Londoner Schiffsmakler Braemar laufen die Geschäfte der in Hamburg ansässigen Corporate-Finance-Sparte bestens. Die guten Märkte hätten für ein hohes Transaktionsvolumen gesorgt, unter anderem durch zahlreiche Schiffsverkäufe. Das berichtet Global Head Axel Siepmann in einer neuen Folge des HANSA PODCAST. Die Aktivitäten des heute 20-köpfigen Teams mit einem Jahresumsatz von 6-8 Mio. € sollen vor allem Ausland weiter ausgebaut werden.
Wed, 17 Aug 2022 - 52 - #51 MAN-CEO Lauber: »Haben unser Portfolio massiv verändert«
Der CEO von MAN Energy Solutions, spricht im HANSA Podcast über die Transformation seines Unternehmens in Richtung Dekarbonisierung. Power-to-X und Wasserstoff sind die Stichworte, wenn es um eine maritime Energiewende geht.
Mon, 01 Aug 2022 - 51 - #50 »Auf zwei Beinen stehen wir in der nächsten Krise sicherer«
Im HANSA PODCAST spricht Torben Kölln, Geschäftsführer von Leonhardt & Blumberg, über die guten Märkte, warum jetzt erstmalig Tanker zur Flotte gehören und warum die Reederei künftig auch in die Shortsea-Fahrt einsteigen könnte, weil das Orderbuch in diesem Segment einerseits klein, das Potenzial hingegen groß ist. Doch zunächst sollen die jüngsten Zukäufe erst einmal integriert werden. Die Bestellung von Neubauten ist derzeit kein Thema, zu unklar ist für Kölln noch die Frage, mit welchen Antriebskonzepten und Kraftstoffen die Schifffahrt künftig in die Dekarbonisierung steuern wird. Für Hamburg findet er lobende Worte, wünscht sich aber ein maritimes Großereignis nach ausländischem Vorbild, um den Schifffahrtsstandort noch stärker in den internationalen Fokus zu rücken.
Tue, 12 Jul 2022 - 50 - #49 Das maritime Startup-Geschäft: Über mangelndes Interesse, Ponys und »Wetten, dass?«
Im HANSA PODCAST spricht Carsten Bullemer, Gründer und Konferenz-Organisator für maritime Startups, über das Geschäft mit der deutschen Schifffahrtsbranche und die politischen Rahmenbedingungen. »Schwergängig« und schwierig sei es hierzulande bisweilen, nicht immer ist das Interesse an Transparenz und Innovation so groß, wie es dem Bedarf an Modernisierung und Digitalisierung gerecht werden würde. Bullemer spricht über seine Erfahrungen als Gründer (und Anteilsverkäufer) und seine Pläne, über Fremdkapital und sogenannte »Einhörner«, die Passgenauigkeit von Startups und die Offenheit von Reedern sowie die hanseatische Kaufmannstradition nach dem zweiten Bier. Außerdem gibt er eine Vorschau auf die »Maritime Startup-Night«, die im September in Hamburg stattfindet, für die er mit seinem Team hochkarätige Gäste gewinnen konnte. Bullemer plant einen »bunten Abend« a la »Wetten, dass?«.
Wed, 22 Jun 2022 - 49 - #48 Influencer, Werte, Ausbildung: Reederverband will neue Wege gehen
Martin Kröger, neuer Hauptgeschäftsführer beim Verband Deutscher Reeder, spricht im HANSA Podcast exklusiv über die künftige Arbeit des VDR. Nach der personellen Neuaufstellung an der Spitze – auch Gaby Bornheim ist noch nicht allzu lange als Präsidentin im Amt – hat sich der Verband einiges vorgenommen, unter anderem, um die geschrumpften Ausbildungszahlen wieder zu steigern. Man will neue Wege gehen und müsse jungen Leuten etwas bieten, sagt Kröger und verweist nicht zuletzt auf eine gewisse Transparenz bei den Werten, die Reedereien und Schifffahrtsunternehmen vermitteln sollten. Der neue VDR-Chef berichtet zudem von einer »besseren Wahrnehmung« der Schifffahrt in der Öffentlichkeit im Zuge der jüngsten Krisen (»Schifffahrt ist wichtig«) und spricht über politische Kommunikation und die Hausaufgaben des Verbands. Außerdem geht er auf die Schiffsfinanzierung, das KG-Modell, potenzielle Börsengänge und Kooperationen von Unternehmen ein. Nicht zuletzt spricht er über seine »familiäre Beziehung« zum VDR – sein Vater führte den Verband ebenfalls lange Jahre.
Tue, 31 May 2022 - 48 - #47 Claus-Ulrich Selbach: Kein digitaler Raum kann eine Messe wie die SMM ersetzen
Die SMM 20222 soll nach einer vierjährigen, Corona-bedingten Pause wieder als Präsenzmesse stattfinden. Ulrich Selbach, Cheforganisator der Hamburger Messegesellschaft, sieht das Bedürfnis der Industrie, sich persönlich zu treffen. Er glaubt daher fest an einen Erfolg, rechnet aber auch mit weniger Ausstellern und Besuchern als noch 2018. Hören Sie in dieser Episode mehr über die Vorbereitungen und Vorsichtsmaßnahmen, die Resonanz in der maritimen Industrie und über neue Formate bei der diesjährigen Auflage der maritimen Weltleitmesse SMM.
Mon, 16 May 2022 - 47 - #46 UN-Experte Hoffmann: Frachtraten bleiben noch 10 Jahre über Vor-Corona-Niveau
Prognosen und Analysen sind sein »Geschäft«: Jan Hoffmann, Leiter der Abteilung »Trade Logistics« bei der UNCTAD – der UN-Organisation für Handel und Entwicklung – sieht sechs Gründe dafür, dass die Frachtraten in der Schifffahrt in den nächsten zehn Jahren durchschnittlich höher sein werden als in den zehn Jahren vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie. Seine Annahme fußt unter anderem auf Beobachtungen zu Lockdowns und Staus vor und in Häfen, dem Orderbuch für Schiffs-Neubauten, der starken Verhandlungsposition von Reedereien, der nötigen Dekarbonisierung und Digitalisierung und zu den Folgen des Ukraine-Kriegs. Hoffmann spricht in der Episode außerdem über einen Nachholbedarf bei großen Industrieprojekten – mit Potenzial für die Mehrzweck- und Heavylift-Schifffahrt (MPP) – Bulker- und Containerschifffahrt, Nearshoring und Re-Globalisierung sowie seine Erfahrungen als Teil einer norddeutschen Reeder-Familie.
Fri, 29 Apr 2022 - 46 - #45 Seeleute und der Ukraine-Krieg – »Deutsche Reeder haben Pflicht, sich zu kümmern«
Der Ukraine-Krieg hinterlässt auch auf deutschen Schiffen Spuren – ein großer Teil der Seeleute kommt aus der Ukraine und aus Russland. Im HANSA PODCAST berichtet Maya Schwiegershausen-Güth, Fachgruppenleiterin maritime Wirtschaft bei der Gewerkschaft Ver.di, über positive und negative Erfahrungen. Zum Teil kommt es zu Streitigkeiten an Bord, wenn Menschen beider Nationen zusammenarbeiten. Zum Teil läuft es aber auch umgekehrt und die Seeleute fragen sich: »Was ist da eigentlich los?«. Die Expertin spricht über Familienzusammenführungen und Visa-Probleme in Deutschland, die Zusammenarbeit mit Reedern (»Hand in Hand«), drohende Verhaftungen und Kriegsdienst, das Leben an Bord, Meinungsverschiedenheiten zu Heuer-Fragen und »Pflichten« von Reedereien. Außerdem geht es in der Episode um Corona-Probleme und potenzielle Folgen für den Berufsstand des Seemanns, den politischen Rahmen in Deutschland, Mängel in der Ausbildung in der deutschen Schifffahrt, LNG-Importe und Qualifizierungen für Seeleute.
Thu, 14 Apr 2022 - 45 - #44 Harren & Partner plant Wachstum quer durch alle Segmente
Nach der Integration der BBG und der Gründung der Sparte Harren Bulkers will die Reederei-Gruppe aus Bremen weiter wachsen - quer durch alle Segmente. Laut Geschäftsführer Nils Aden, im vergangenen Jahr neu hinzugekommen, ist die Strategie auch künftig auf eine diversifizierte Flotte und breit gestreute Aktivitäten als Asset-Manager, Reederei, Shipmanager und Projektlogistiker ausgerichtet. »Wir wollen weiter wachsen«, sagt Aden. Das gelte auch für das Third-Party-Management. Das hauseigene Engineering habe auch Projekte für emissionsarme Neubauten in der Schublade, »spruchreif ist aber noch nichts.«
Thu, 31 Mar 2022 - 44 - #43 United Heavy Lift setzt für Schiffsneubauten auf Methanol
Die Hamburger Schwergut- und Mehrzweck-Reederei United Heavy Lift (UHL) arbeitet – zum Teil "konkret" – an verschiedenen Neubau-Projekten. Auch damit will das Unternehmen ein Vorreiter der Branche in puncto Nachhaltigkeit werden. Im Fokus stehen beispielsweise Methanol- und Dual-Fuel-Antriebe sowie ESG-Strategien. Reedereichef Andreas Rolner spricht im HANSA Podcast auch über Kooperationen, Joint Ventures und die Zusammenarbeit mit dem Bremer Unternehmer Kurt Zech. Darüber hinaus geht es in der Episode um die Flottenmodernisierung und alternative Finanzierungen, den Schifffahrtsboom der vergangenen Monate, neue Märkte sowie aktuelle und künftige Anforderungen der Windenergie-Industrie an die Schifffahrt, die weltweite Flotte, einen "riesigen Flaschenhalt" und veraltete Schiffsdesigns (F- und P-Typen), den Bedarf an Windpark-Installationsschiffen und das "Risiko" F900.
Thu, 10 Mar 2022 - 43 - #42 Hamburger Start-up Dale macht Emissionen für Reeder und ihre Kunden sichtbarer
Mit seinem neuen Hamburger Start-up Dale Maritime will der ehemalige Schiffsmakler Henning Roxin die Emissionen von Schiffen sichtbarer machen und die Vergleichbarkeit verbessern – für Reeder und Ladungskunden. Der Gründer und CEO setzt mit seinem Team unter anderem auf »Digital Twins« von Schiffen und AIS-Daten und will potenziell notwendige Anpassungen im Schiffsbetrieb und -design aufzeigen. Im HANSA PODCAST spricht Roxin über das Dasein als Startup-Unternehmer und Dale Maritime, den Weg ohne weitere Investoren, seinen Ausstieg aus dem traditionellen Schiffsmakler-Geschäft, die Verhandlungsmacht von Reedern, »Greenwashing« und Schiffsdaten und künftige Geschäftsmöglichkeiten.
Fri, 25 Feb 2022 - 42 - #41 Neue maritime Koordinatorin will Start-ups stärker einbinden
Claudia Müller, Grünen-Bundestagsabgeordnete und als Nachfolgerin vom CDU-Politiker Norbert Brackmann die neue Maritime Koordinatorin der Bundesregierung, fordert von der deutschen maritimen Industrie eine konsequente Ausrichtung auf Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Im HANSA PODCAST spricht sie über Fehler der Vergangenheit, Innovationen und Start-ups, die Insolvenz der MV Werften, Interessenten für die Standorte, nationale und europäische Schifffahrts- und Schiffbaupolitik, »Regulierungslücken« sowie Wasserstoff und LNG. Die norddeutsche Politikerin bemängelt einen verfälschten Blick auf die Branche, warnt aber vor einer zu starken Konzentration auf einzelne Märkte und will im Umgang mit neuen Werfteignern künftig genauer hinschauen.
Fri, 11 Feb 2022 - 41 - #40 Althusmann fordert Werften- und Hafen-Kooperationen – »Mehr Investitionen nötig«
Der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann will die Werften des Landes weiter unterstützen, spricht sich aber auch dafür aus, dass die Schiffbauer ihr Portfolio erweitern und Kooperationen eingehen. Im HANSA PODCAST spricht der CDU-Landeschef auch über Investitionen in Häfen und Innovationshilfen für den Schiffbau – zwei Posten, die eigentlich »deutlich erhöht« werden müssten – sowie seine Pläne für die Zeit nach der Landtagswahl im Herbst, sollte er neuer Ministerpräsident werden. Mit dem Autobauer VW für Emden und Hapag-Lloyd für Wilhelmshaven sieht er starke Partner für die Standorte. Gleichzeitig fordert er, dass die norddeutschen Bundesländer auch über ihre Grenzen schauen sollten: »Hier geht es am Ende um die Frage der Kooperation«.
Fri, 28 Jan 2022 - 40 - #39 Peter Holm von Sea Machines über autonome Schifffahrt als reales Produkt
Autonome Schifffahrt ist etwas, das es jetzt gibt – keine Theorie, keine Entwicklungsarbeit, sondern ein Produkt, sagt Peter Holm von Sea Machines Robotics im HANSA Podcast.
Mon, 10 Jan 2022 - 39 - #38 Neuer Havariekommando-Chef Renner über neue Risiken, Nothäfen und Budgets
Das Havariekommando, die gemeinsame Einrichtung des Bundes und der fünf Küstenländer für das Unfallmanagement auf Nord- und Ostsee, hat einen neuen Chef. Im HANSA PODCAST spricht Robby Renner exklusiv über seinen Wechsel von der Marine, Einsatzmittel, neue Risiken durch immer größere Schiffe, immer mehr Windparks und immer mehr Elektro-Autos und »Nothafenliegeplatzanweisungen« im Falle schwerer Havarien. Der neue Chef setzt auf eine Weiterentwicklung des Havariekommandos und die weitere politische Unterstützung für einen gegebenenfalls notwendigen Kapazitätsausbau. Zudem gibt Renner Einblicke in seine Ansichten zu Kooperationen mit der Marine, Behörden und nicht-staatlichen Akteuren wie beispielsweise Lotsenverbänden, Nautischen Vereinen und Hafenkapitänen oder auch Organisationen wie beispielsweise der Schutzgemeinschaft deutsche Nordseeküste.
Fri, 17 Dec 2021 - 38 - #37 Kai Alsen: »Situation auf MPP-Markt wird sich dramatisch zuspitzen«
Anfang des Jahres hat Alsenship als Zusammenschluss von Alsen Bulk Chartering un KBC Knujo Bulk Chartering den Betrieb aufgenommen. Seitdem befindet sich der Hamburger Makler für die Bulk-, Mehrzweck- und Containerschifffahrt auf stetigem Wachstumskurs. Im HANSA PODCAST spricht Co-Gründer und Managing Partner Kai Alsen über die rasante Entwicklung des neuen Unternehmens, »skyhigh« Raten in der Container- und MPP-Branche, überalterte Flotten, seine Ansichten zu den Schifffahrtsmärkten Drybulk und Mehrzweck (MPP), fehlende Finanzierungsmöglichkeiten, die Arbeit für die Familie von Appen, seinen Ausstieg bei Ultrabulk und mangelnde Ausbildungsaktivitäten in der Branche.
Fri, 03 Dec 2021 - 37 - #36 Isabelle Rickmers hat große Pläne mit neuem Startup Turtle
10.000 Seeleute und mehr als ein Dutzend Reeder und Shipmanager hat Isabelle Rickmers schon auf »ihrer« Jobbörse Turtle versammelt. Damit soll aber nicht Schluss sein – weder was die Anzahl der Kunden angeht, noch bezogen auf die inhaltliche Reichweite und technische Ausstattung der neuen Plattform. Im HANSA PODCAST spricht die Gründerin und ehemalige Geschäftsführerin von Zeaborn Ship Management und E.R. Schiffahrt über ihren Neustart als Startup-Unternehmerin, das Crewing-Geschäft, den Namen Rickmers als Türöffner in der Branche, Künstliche Intelligenz, den stärkeren Fokus auf Stakeholder statt auf Shareholder Value und ihre Pläne und Ziele im »Mittelstand«.
Fri, 19 Nov 2021
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