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- 765 - Die Zeit im Club
Uns alle umgibt, umspannt und taktet eine Dimension: die Zeit. Das Feature "Die Zeit im Club" widmet sich Fragmenten, die ein Erleben "außerhalb der Zeit" beschreiben – beim Hineingehen, Eintauchen, Genießen und Verabschieden von Clubkultur, wie sie einmal war. Es geht um Freundschaft, Verliebt- und Hyped-sein, um das schlechte Gewissen nach einer langen Nacht im Club, um Befreiung, Angst, Tod - und um die Erkenntnis, dass sich "die Zeit" nicht wiederholen lässt. Das Feature ist eine persönliche Geschichte, die im Spannungsfeld einer Generation auch Kollektivität verhandelt und nach gemeinsamen Werten sucht. Es fragt: Was bleibt von der Zeit im Club? Begleiten Sie die Autorin mit auf den Dancefloor, ins Backstage, auf eine Afterhour und auf dem Heimweg aus dem Club. Tauchen Sie ein in die Gedankenwelt einer Raverin, die keine mehr ist, die aber auch nicht loslassen kann. Noch nicht. Feature von Nastassja von der Weiden Produktion: MDR 2024 Verfügbar bis 21. September 2027
Mon, 21 Sep 2026 - 30min - 764 - Einundzwanzig Schuss Salut für Käptn Bilbo
Jack Bilbo hielten die einen für Al Capones Bodyguard, andere dachten, er sei ein legendärer Kapitän oder sogar der Schriftsteller B. Traven aus Mexiko. Doch diese Legenden und Mythen hatte Jack Bilbo selbst geschaffen, mit Büchern, in denen er sich als den größten Abenteurer des 20. Jahrhunderts erfand. Dabei wäre sein wirkliches Leben schon abenteuerlich genug gewesen. Jack Bilbo, der in Wirklichkeit Hugo Cyrill Kulp Baruch hieß, stammte aus einer reichen jüdischen Berliner Theaterfamilie. Als Siebenjähriger musste er, der eine englische Mutter hatte, nach Holland emigrieren, mit sechzehn schob ihn sein Vater nach Amerika ab und mit vierundzwanzig feierte er als Schriftsteller seinen ersten Erfolg. Bilbo kämpfte gegen die Nazis in Deutschland und gegen die Faschisten im spanischen Bürgerkrieg. Auf der Isle of Man, wo man ihn während des II. Weltkriegs als Deutschen internierte, gründete er die Volksuniversität und in London die "Modern Art Gallery", die bedeutendste Galerie dieser Zeit. Gegen Lebensende besaß er eine Bar in Berlin: "Käpt'n Bilbos Hafenspelunke". Dort hatte ihn kurz vor seinem Tod 1967 Ludwig Lugmeier besucht. Für den Gangster und Abenteurer, der später selbst Schriftsteller wurde, war Jack Bilbo ein Vorbild gewesen. Vierzig Jahre danach zeichnet er ein Portrait des Mannes, einer Gestalt zwischen Realität und Fiktion. Feature von Ludwig Lugmeier Mit: Udo Wachtveitl, Hans Teuscher, Katja Nottke Produktion: MDR 2006 Verfügbar bis 30. September 2026
Mon, 31 Aug 2026 - 54min - 763 - Strawalde oder mach Dich an dein sündiges Leben
Der Maler Strawalde heißt eigentlich Böttcher, Jürgen Böttcher und als "Strawalde" hängen seine Bilder inzwischen in vielen bedeutenden Kunstsammlungen dieser Welt. Als Böttcher, Jürgen Böttcher, hat er unvergleichbare Dokumentarfilme gedreht, im DEFA-Studio für Dokumentarfilme, in der DDR. Um Fronarbeit kam Jürgen Böttcher allerdings auch nicht herum. Der Staat dankte sie ihm mit Preisen. Eine Ehrung als bildender Künstler erfuhr er nach "Deutschlands Heirat". Böttcher-Strawalde wuchs in Strawalde, einem Ort in der Oberlausitz auf: Kriegskind, von 1949 bis 1953 Studium an der Akademie für Bildende Künste in Dresden, danach Lehrer für Malerei an der Volkshochschule in Dresden, später Regiestudium an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg. Der Hörfunkautor Günter Kotte zeichnet ein akustisches Porträt des Künstlers. Feature von Günter Kotte Mit Klaus Manchen Produktion: MDR 2004 Verfügbar bis 20. Juli 2027
Mon, 20 Jul 2026 - 53min - 762 - Max hat es schön – Lotte und Max Pechstein in der Südsee
Im Mai 1914 leiht sich der 32-jährige Max Pechstein von seinem Kunsthändler Wolfgang Gurlitt 10.000 Mark und reist mit seiner Frau Lotte zur deutschen Insel-Kolonie Palau. Ihren einjährigen Sohn lassen sie bei den Großeltern in Zwickau zurück. Während sich für den deutschen Expressionisten der Traum vom Malerparadies in der Südsee zu erfüllen scheint, stellt sich bei der Künstlergattin alsbald Heimweh ein. Ihr erst 2016 veröffentlichtes Tagebuch erzählt von der Reise und vom Leben auf der Insel. Anfang August 1914 notiert sie: "Max hat es schön, er kann gehen, wann und wo er will - ich immer allein. Er hat oft schlechte Laune." Der Aufenthalt auf der Insel soll nur wenige Wochen dauern. Am 8. Oktober 1914 besetzt die japanische Armee den Archipel und deportiert die Pechsteins und alle anderen deutschen Kolonisten nach Nagasaki in die Gefangenschaft. Angeregt vom exklusiven Material aus Lottes Reisetagebuch und bisher ebenfalls unveröffentlichten Autographen Max Pechsteins (1881-1955), erzählt das Feature von den Ansichten eines Künstlerpaares auf großer Fahrt. Feature von Jürgen Balitzki Regie: Nikolai von Koslowski Mit: Erwin Schastok (Erzähler), Lisa Hrdina (Lotte), Stephan Grossmann (Max), Susanne Bard Produktion: MDR 2026 Verfügbar bis 29. Juni 2027
Mon, 29 Jun 2026 - 55min - 760 - Tonfänger – das Mikrofon eine deutsche Geschichte
1861 führte der Erfinder Philipp Reis der Physikalischen Gesellschaft zu Frankfurt am Main eine Apparatur vor, die mit Hilfe eines Schweinedarms Schall in elektrische Impulse umwandelte – die Basis für das Mikrofon. Im Berlin der 1920er-Jahre schuf Georg Neumann sein legendäres Kondensator-Mikrofon. Den Militärs und Propagandisten galt dessen Massenproduktion als kriegswichtig; sie wollten die Welt besiegen und beschallen. Aus der in Thüringen versteckten Fabrik wuchs die beste Mikrofonfirma der DDR, die heutige Microtech Gefell GmbH. Für jeden Klang gibt es längst das passende Mikro. Doch das Streben nach dem optimalen Schallwandler geht weiter. Eine Rundreise zu Konstrukteuren, Koryphäen und Klangkünstlern und in die Geschichte des Mikrofons. Feature von Tom Schimmek Mit Matthias Ponnier und Walter Niklaus Regie: Andreas Meinetsberger Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 2007 Verfügbar bis 4. April 2027
Sat, 04 Apr 2026 - 55min - 759 - Der talentierte Mr. F.
Über drei Jahre lang arbeiteten die beiden Berliner Filmstudenten Julius und Moritz an ihrem Animationsfilm "Butty". Mit ihrem Film wollten sie den Sprung in die große Filmwelt schaffen und der Weg doprthin führt auch über verschiedene Festivals. Als eines Tages die Nachricht eintrifft, sie seien disqualifiziert worden und sie ihre Einreichung zurückziehen mussten, werden sie hellhörig. "Butty" kursiere bereits online und wird einem Filmemacher aus den USA zugeordnet, so die Begründung. Die Filmstudenten sind sich sicher, dass es sich um eine Verwechslung handeln muss. Doch je mehr sie der Sache nachgehen, desto unglaublicher wird die Geschichte des "talentierten Mr. F." aus den USA, der ihren Animationsfilm offensichtlich geklaut hat, der Titel und Credits veränderte und sich schließlich im Rampenlicht von Filmfestivals und US-amerikanischen TV-Shows sonnte. "Der talentierte Mr. F. – Die Jagd auf einen Filmdieb“ ist eine Produktion der Neuen Flimmer GmbH im Auftrag des MDR in Zusammenarbeit mit ARD Kultur, BR, RBB und HR. Buch/Regie: Igor Plischke Umarbeitung: Ulf Köhler Verfügbar bis 23. Februar 2027
Mon, 23 Feb 2026 - 53min - 752 - Die Note, die ich nicht spielen kann, muss erst noch geschrieben werden! | Musiker erzählen Witze
Keine Zunft nimmt sich so schön selbst auf den Arm: Waren früher die Bratschisten im Fokus der Musiker-Witze, so scheinen es heute eher die Gitarristen zu sein. Hören Sie ein Best of präsentiert von Bodo Kommnick.
Mon, 02 Dec 2019 - 23min - 750 - Ich stehe keinem mehr gegenüber – der Schriftsteller Tschingis Aitmatow
Im Osten war der Schriftsteller Tschingis Aitmatow der große Hoffnungsträger. Im Westen galt er als Exot. Seine Literatur wurde in über 90 Sprachen übersetzt. Der Autor Günter Kotte lernte Tschingis Aitmatow 1963 bei der Kartoffelernte in Bühlau, bei Dresden, kennen. Jahre später besuchte er ihn in Moskau, dann in Luxemburg. So entstand über die Jahre eine gute Freundschaft. Feature von Günter Kotte Regie: Günter Kotte Produktion: MDR 2002 Verfügbar bis 27. April 2027
Mon, 27 Apr 2026 - 52min - 749 - Ich war ein Kind von Tschernobyl
Nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl im Mai 1986 waren im angrenzenden Weißrussland etwa 5000 Orte verstrahlt. Darunter auch Tschausy, die Heimatstadt von Olga Kapustina. Sie war damals gerade ein Jahr alt und die Folgen der Katastrophe gehörten zu ihrem Alltag. Feature von Olga Kapustina Regie: Stefan Kanis Mitwirkende: Uve Teschner, Marina Frenk Produktion: MDR 2011 Verfügbar bis zum 25. April 2027
Sat, 25 Apr 2026 - 30min - 748 - Die Tschernobylzüge von Küstrin-Kietz
Nach dem GAU im April 1986 kam radioaktive Strahlung nicht nur als Wolke nach Deutschland, sondern auch auf Rädern: auf Lastwagen, PKW und Zügen. Unter großer Geheimhaltung wurden die Fahrzeuge beim Grenzübertritt in die damalige DDR gewaschen. Zum Beispiel unweit von Küstrin-Kietz an der Grenze zu Polen. Heute ist nichts mehr davon zu sehen. Doch die Gerüchte bleiben: viele Einsatzkräfte der Waschaktion hätten nichts von der Gefahr gewusst und seien später an Krebs gestorben. Wieviel Wahrheit ist noch übrig, 40 Jahre und einen Systemwechsel später? Feature von Robert Dobe Regie: Felicitas Ott Produktion: SWR 2021 Verfügbar bis zum 21. April 2027
Tue, 21 Apr 2026 - 54min - 747 - Schicksal Ü40 – Vom Tanzen-Gehen
Wie schön waren doch die wilden 90er-Jahre, als im unsanierten Leipzig gefühlt jede Woche ein neuer Club eröffnete, in Abrisshäusern und Fabrikhallen. Den Sound von damals hat man noch im Ohr, doch plötzlich sind 20, 30 Jahre vergangen. Das Nachtleben hat sich verändert – und der Mensch auch. Kann man das Gefühl von damals wieder aufleben lassen? Wohin geht man, wenn man mit Ü40 und älter mal wieder tanzen will? Autorin Judith Burger wandelt auf den nächtlichen Pfaden ihrer Jugend und trifft unter anderem DJ Donis und einen Swing-Tänzer. Eins wird schnell klar: Tanzen macht glücklich und es ist nie zu spät, die Nacht zum Tag zu machen. Feature von Judith Burger Mit Anja Schneider Regie: Stefan Kanis Produktion: MDR 2016 Verfügbar bis 18. April 2027
Sat, 18 Apr 2026 - 29min - 746 - Buchenwald: Überleben in der Mitte vom Block
Im Mai 1943 wird Gert Schramm in einer Autowerkstatt in Langensalza verhaftet. Der 15-jährige Lehrling kommt in Polizeigewahrsam, wird von der Gestapo verhört und am 20. Juli 1944 ins Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert. Der Grund: Gert Schramms Hautfarbe ist schwarz. Seine Mithäftlinge verstecken ihn vor den Nazis in der Mitte vom Block. Am 11. April 1945 erleben die 21.000 Häftlinge ihre Befreiung und die Ankunft der US-Armee. Schramm arbeitet nach Kriegsende zuerst bei den Amerikanern, dann als Dolmetscher bei der Sowjetischen Militäradministration. Dann geht er nach Frankreich, siedelt 1955 mit seiner Frau und seinen Kindern in die Bundesrepublik über und kommt 1964 mit seiner Familie in die DDR. Nach einigen Jahren in der "Wismut" wechselt er zum VEB Kraftverkehr Eberswalde, holt seinen Abschluss als Kfz-Mechaniker und Kfz-Meister nach, wird Werkstattleiter, später Abteilungsleiter. 1985 macht er sich als Taxi- und Speditionsunternehmer selbständig. Feature von Angelika Zapf Mit Arianne Borbach, Martin Seifert, Axel Thielmann Regie: Henry Bernhard Produktion: MDR 2012 Verfügbar bis 11. April 2027
Sat, 11 Apr 2026 - 29min - 744 - Alles hinter dem Spiegel – Die kosmische Reise des Stephen Hawking
Der britische Astrophysiker Stephen Hawking (1942-2018) wurde schon zu Schulzeiten mit Einstein verglichen. Hawking war allerdings ein schmächtiger Junge, zu schmal, um in seine Schuluniform zu passen. Im Alter von 22 Jahren diagnostizierte man bei ihm Amytrophe Lateralsklerose (ALS), und gab ihm nur noch wenige Jahre zu leben. Doch statt in die Umlaufbahn zu wechseln, wurde er zum Popstar der Wissenschaft, lieferte erstaunliche Erkenntnisse zu schwarzen Löchern, jagte seine Kinder mit dem Rollstuhl über den englischen Rasen und spielte in populären TV-Serien mit. Am 14. März 2018 starb Stephen Hawking im Alter von 76 Jahren. Feature von Anna Lila May Regie: Ulf Köhler Mit: Ulrike Krumbiegel - Erzählerin, Petra Hartung - Übersetzerin, David Bennent - Stephen Hawking Produktion: MDR 2019 Verfügbar bis 27. März 2031
Sat, 28 Mar 2026 - 30min - 742 - Letzter Ausweg Prag – Die Botschaftsflüchtlinge im Palais Lobkowicz
"Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise ..." Der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher wird von einem gewaltigen Jubelschrei unterbrochen. 5.000 Personen im Garten des Palais Lobkowicz - der bundesdeutschen Botschaft in Prag - geben ihren Gefühlen freien Lauf. Der Lärm verschluckt das Satzende: "dass heute Ihre Ausreise möglich geworden ist." Es war der 30. September 1989. Kaum verließen die ersten Flüchtlinge das Gelände der Botschaft mit Zügen in Richtung Bundesrepublik, kamen immer mehr Menschen aus der DDR, um über Prag in den Westen auszureisen. Einige von ihnen hielten sich wochenlang auf dem Gelände der BRD-Botschaft auf. Insgesamt sollen es über 70.000 Menschen gewesen sein, die auf diesem Weg die DDR verließen, so der Botschafter Hermann Huber. In den Tagen der Belagerung befürchtete der damalige Hausherr, dass unter den katastrophalen hygienischen Bedingungen Seuchen ausbrechen. Erst als am 3. November die tschechoslowakische Regierung DDR-Bürgern, die sich in der bundesdeutschen Botschaft aufhielten, die direkte Ausreise über ihre Grenzen erlaubte, entspannte sich die Situation im Palais Lobkowicz. Feature von Tobias Barth: Tobias Barth (1970-2026) arbeitete als Industriekletterer und in Umweltprojekten, lernte Tischler und studierte Medienwissenschaft, Germanistik und Theaterwissenschaft in Leipzig und Basel. Seit 1997 arbeitet er als freier Autor, Regisseur und Produzent. Am 28. Februar 2026 verstarb unser Kollege, Freund und Gefährte im Garten eines Freundes an einem Herzinfarkt. Regie: Sabine Ranzinger Produktion: MDR/WDR 1999
Tue, 17 Mar 2026 - 56min - 741 - Johann Sebastian Bach: Köthen, Leipzig und der Erdenkreis
Der 22. April 1723 ist ein Schlüsseldatum in der Musikwelt. An diesem Tag wählte der Rat der Stadt Leipzig einstimmig Johann Sebastian Bach, bis dahin Hofkapellmeister des Fürstenhauses Anhalt-Köthen, zum Thomaskantor und städtischen Musikdirektor. Allerdings war er für die Ratsherren nur die "vierte Wahl", sie hätten lieber seine Komponistenkollegen Georg Philipp Telemann, Christoph Graupner oder Johann Friedrich Fasch in dieser Position gesehen. Und auch für Bach selbst war der Wechsel von Köthen nach Leipzig eher eine Verlegenheitslösung als ein Karrieresprung. Denn das Amt eines Hofkapellmeisters genoss im Barock höheres Ansehen als das Kantors und Schulmeisters. Am wenigsten begeistert war Bach von der Aussicht, die Knaben des Thomanerchors nicht nur in Musik, sondern auch in Latein unterweisen zu müssen. Dennoch: Jede Woche schreibt Bach eine neue Kantate und führt sie auf – eine selbstgestellte Mammutaufgabe – die er nicht durchhalten wird. Der Grund dafür: Eine "wunderliche, der Music wenig ergebene Obrigkeit" bereite ihm "Verdruss". Das Feature von Claus Fischer erzählt von Bachs Dienstantritt in Leipzig als einem holprigen Moment, aus dem dennoch Musikgeschichte wurde. Regie: Andreas Meinetsberger Mit: Benjamin Kramme, Axel Thielmann, Conny Wolter Produktion: MDR 2023 Verfügbar bis 13. März 2027.
Sat, 14 Mar 2026 - 27min - 740 - Schrot auf Kormorane
2010 ausgezeichnet als Vogel des Jahres war er einst Sinnbild für eine geglückte Rückkehr einer fast verdrängten Art: der Komoran. Heute, 16 Jahre später, hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Der Kormoran steht im Zentrum einer zunehmend zugespitzten Debatte. Seine Bestände sind vielerorts stabil bis hoch, regional nimmt die Anzahl der Vögel weiter zu und mit ihnen der Konflikt um Fischbestände, Artenschutz und Nutzung der Gewässer. Ein Feature über Natur im Ungleichgewicht, über Verantwortung und die Frage, wie Artenschutz in Zeiten ökologischer Kipppunkte neu gedacht werden muss. Der Hörfunkautor Jan Schilling begleitet sächsische Fischer, die den schwarzen Vogel ins Visier nehmen und besucht Brandenburger Kormorankolonien. Feature von Jan Schilling Mit: Fabian Busch, Jürgen Schulz Regie: Tobias Barth Produktion: MDR 2013 Online verfügbar bis 6. März 2027
Sat, 07 Mar 2026 - 29min - 739 - Cold Case aus der Steinzeit: Die Schamanin von Dürrenberg
Es ist der 4. Mai 1934. Am Ufer der Saale in Bad Dürrenberg, Sachsen-Anhalt, eilt Grabungstechniker Henning zu einer tumultartigen Notgrabung. Beim Kanalschachten im Kurpark waren Arbeiter an der Gradiermauer auf ein Grab gestoßen. Für den Tag darauf plant der Kurpark ein Volksvergnügen. Hektisch birgt er das Skelett, kritzelt mit Bleistift den Fundort auf einen Zettel und lässt die Grube zuschütten. Im Museum für Frühgeschichte Halle attestieren zwei überzeugte Nationalsozialisten eine Sensation: Das Skelett sei ein weißer Mann, beerdigt zur Bronzezeit vor Tausenden Jahren - der Archetyp des Ariers, entdeckt in mitteldeutscher Heimaterde! Sie veröffentlichen ihre Theorie vom Ursprung der arischen Rasse in Preußen und präsentieren die Dürrenberger Knochen als Beleg. Fast 90 Jahre später wird der komplette Gencode entschlüsselt. Was die Archäogenetiker entdecken: Das reichste Grab der Mittleren Steinzeit, das je in Europa gefunden wurde, gehörte einer Frau. Sie lebte vor rund 9.000 Jahren und war als Schamanin offenbar weithin bekannt. Beerdigt wurde sie wie eine Königin, mit ungewöhnlichen Mengen an Grabbeigaben, Ketten, Masken aus geschnitzten Tierknochen, Steinklingen, gebettet in einen Kokon aus weißem Ton. Besonders überraschte ihr Äußeres: Die Schamanin hatte helle Augen, pechschwarzes Haar und sie war dunkelhäutig. Produktion: DLF 2025 Verfügbar bis 26. Februar 2027
Sat, 28 Feb 2026 - 33min - 738 - Es ging seinen Gang: Aufstieg und Fall eines Buches in der DDR
Im Frühjahr 1978 erschien nahezu zeitgleich in beiden Teilen Deutschlands Erich Loests Roman "Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene" - im Westen vielfach übersetzt, verfilmt und Schullesestoff, wurde er im Osten zunächst in ungewohnt kleiner Auflage gedruckt, wenig später verboten. Das bewirkte auf literarischem, was ehedem die Ausbürgerung Wolf Biermanns auf politischem Gebiet bewirkt hatte. Sieben Jahre Zuchthaus und schwere Krankheit lagen hinter dem Autor Erich Loest, mit Krimis hatte er sich finanziell über Wasser halten müssen. Doch nun schrieb er mit diesem Werk gegen alle von oben verordneten Tabus an: Wahrhaftig, präzise, witzig. "Das gelbe Buch" avancierte binnen kurzem zu einem Kultroman. Wie heftig, ja hysterisch, Staat, Stasi, die Kulturfunktionäre reagierten, dokumentierte Loest später in seinem Bericht "Der Vierte Zensor". Die Autorin befragt Personen, die damals mit der Veröffentlichung des Buches "Es geht seinen Gang" befasst waren", es gefördert oder verhindert haben. Feature von Linda Rotta Regie: Sabine Ranzinger Produktion: MDR 2003 Verfügbar bis 19. Februar 2027
Sat, 21 Feb 2026 - 55min - 737 - Die Geheimrede – Die Stalinkritik Chruschtschows und ihre Wirkung im Osten
Die Geheimrede Chruschtschows, gehalten am 25. Februar 1956 auf dem XX. Parteitag der KPdSU, war der vorläufige Höhepunkt der Entstalinisierungsbemühungen nach dem Tod Stalins, zu denen die Separierung von Innenministerium und Staatssicherheit ebenso gehörten, wie vorzeitige Haftentlassungen. Chruschtschows Politik und seine Stalinkritik blieben jedoch inkonsequent. Am Leninschen Prinzip der Alleinherrschaft der Partei rüttelte er in keiner Weise - im Gegenteil. Dennoch regte sich in der Folge bei vielen Menschen eine gewisse Hoffnung auf eine liberalere Politik. Die Partei- und Staatsbürokratie verzögerte bzw. verhinderte die Reformbestrebungen. In Ländern wie Ungarn oder Polen wurde die Geheimrede Chruschtschows als Ermutigung für den Beginn bzw. die konsequente Fortsetzung eigener Entstalinisierungsansätze und der Zurückgewinnung der nationalen Souveränität interpretiert. Einsetzende Demonstrationen und Massenproteste ließ Chruschtschow von sowjetischen Truppen brutal niedergeschlagen. Die SED-Führung unter Ulbricht und Pieck wies die Stalinkritik Chruschtschows innerlich zurück. Eine breite Debatte über die Beschlüsse und die Geheimrede des XX. Parteitages unterbindend, verfolgte die SED-Führung nach der Niederschlagung der Proteste in Polen und Ungarn Kritiker in und außerhalb der SED. Obwohl alle politischen Reformbemühungen Mitte der 1950er Jahre scheiterten, sahen sich die nachfolgend Regierenden gezwungen, ihr Handeln stärker von dem Stalins abzusetzen. Wesentlicher ist jedoch, dass die Geheimrede die antistalinistische Kommunikation in der Gesellschaft einleitete, die bis zu Chruschtschows Sturz 1964 relativ offen, anschließend im Untergrund geführt wurde. Feature von Meinhard Stark Mit: Ulrike Krumbiegel, Sergej Gladkich, Thomas Stecher, Martin Seifert, Alexander Brabandt Schnitt: Hans-Peter Ruhnert Ton: Holger Kliemchen Regie: Sabine Ranzinger Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 2006 Verfügbar bis 16. Februar 2027
Sun, 22 Feb 2026 - 55min - 736 - Napoleon, King Charles und die Erfurter Brunnenkresse
Heute gilt Brunnenkresse als "Superfood" und "Powergemüse" und dient mit seiner scharfen, leicht senfigen Note in den feinsten Gourmetrestaurants als Küchenkraut und Blattgemüse. Auch King Charles III. bekam zu seinem Antrittsbesuch im Schloss Bellevue im März 2023 einen Salat aus Erfurter Brunnenkresse serviert. Ralf Fischers Familie baut seit sechs Generationen die Brunnenkresse an - ein mühsames Geschäft, für das der Gärtner viel Hingabe und Erfahrung braucht. Nun kommt der 71-Jährige langsam an seine körperlichen Grenzen. Er sucht einen Nachfolger. Aber wer will schon die mühsame, hochsensible und auch nicht sehr einträgliche Arbeit des Brunnenkresseanbaus übernehmen? Feature von Antje Kirsten Regie: Andreas Meinetsberger Ton & Technik: Steffen Brosig und Christian Grund Mitteldeutscher Rundfunk 2023 Verfügbar bis 6. Februar 2027
Sat, 07 Feb 2026 - 31min - 735 - Lithiumland Deutschland – der Preis der Zukunft
Deutschland verfügt über viele heimische Quellen für Lithium, dem wichtigsten Batterie-Rohstoff der Welt. Dennoch steigt die Abhängigkeit von China und Chile jedes Jahr. Die Politik will das ändern und plant milliardenschwere Großprojekte. Doch alle liegen weit hinterm Zeitplan. Warum? Das ARD Radiofeature forscht nach Gründen und verfolgte die Projekte über ein Jahr – wie die größte geplante Lithium-Mine in Zinnwald im Erzgebirge oder die vielversprechende Lithium-Gewinnung aus flüssiger Sole in der Altmark und im Rheingraben. Feature von Heidi Mühlenberg Produktion: MDR 2026 Verfügbar bis zum 01.01.2028
Tue, 03 Feb 2026 - 53min - 734 - Sprungbrett Ruhestand
Oft wird er herbeigesehnt, der Ruhestand. Doch wenn es dann soweit ist, folgt nach dem letzten Glas zum Abschied oft die Ernüchterung. Man wird nicht mehr gebraucht, hat keine Aufgabe und mit einem Mal ein "Unwertgefühl". Auch dem Autor Wolfgang Bauernfeind ging es so, er saß nach 40 Berufsjahren als Radioredakteur plötzlich zu Hause und dachte: Und was kommt jetzt? Das Zauberwort hieß: "Senior Expert Service", ein Name, der für ihn zuerst wie eine Verschwörung klang, wie ein Geheimbund graumelierter Rentner. Gefördert von Industrie- und Handelskammer und zwei Bundesministerien hat der "SES" in den vergangenen Jahren 12.000 Rentner in die Welt geschickt und auch für den Autor fand sich für drei Monate eine Lehrer-Stelle an einem College in Phnom Penh/Kambodscha. Doch es muss nicht immer die Ferne sein. Die Bandbreite der Helfer in Deutschland reicht von der Krankenschwester bis zum Chefarzt, vom Meister bis zum Geschäftsführer. Ziel ist es, zum Beispiel Jugendliche, die zuvor oft Probleme hatten, erfolgreich zu einem Abschluss zu führen. Inzwischen gibt es bundesweit über 10.000 Anfragen für diese "rettenden Engel". Und so werden in Zukunft noch viele Ruheständler, die sich noch nicht zur Ruhe setzen wollen, das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Feature von Wolfgang Bauernfeind Regie: Der Autor Sprecher: Gerd Wameling Produktion: MDR 2017 Das Feature ist bis 30. Januar 2027 online verfügbar.
Sat, 31 Jan 2026 - 29min - 733 - Das Jahr der Zauberflöte
Im März 2020 entdeckt eine knapp dreijährige Tochter die "Zauberflöte" – ein Ereignis, das bald Pandemie und Lockdown überstrahlt. In Zeiten des Homeoffice wird die Zauberflöte zum omnipräsenten Familien-Event und die Wohnung zur Bühne für eine Aufführung, die niemals endet. Doch es stehen auch immer mehr Fragen im Raum: Was für eine Kultur- oder Naturgewalt entfaltet sich hier eigentlich? Was hat die Zauberflöte mit uns zu tun und was fangen wir heute mit ihren weniger zeitlosen Passagen und Inhalten an? In welcher Welt wollen wir leben, wenn der Tag die Nacht besiegt? Feature: Lars Meyer Sprecher: Conny Wolter und der Autor Regie: Ulf Köhler Ton und Technik: Holger König und Steffen Brosig Redaktion: Tobias Barth Produktion: MDR 2021 Verfügbar bis 22. Januar 2027
Sat, 24 Jan 2026 - 29min - 732 - Männer in Magdeburg – Stichproben zur maskulinen Lage
Das männliche Geschlecht gilt heute als übernervös und schnell gekränkt, als von Komplexität überfordert und tendenziell gewalttätig. Zunehmend wird die Welt wieder von "echten Männern" regiert, zur wilden Begeisterung ihrer Anbeter – und zum wachsenden Entsetzen des aufgeklärten Rests. Wie sehen sie die Welt? Wie geht es ihnen wirklich? Autor Tom Schimmeck nimmt eine Stichprobe, an einem beinahe beliebig gewählten Ort: in Magdeburg, wo seit Otto dem Großen Herrscher zuhause waren und die AfD bald alleine regieren will. Eine Erkundung in der Grundschule und im Stadion, im Jugendzentrum und im Landtag. Mit der alten Frage: Wann ist ein Mann ein Mann? Feature von Tom Schimmeck Ton, Technik und Regie: Der Autor Deutschlandfunk 2026 Verfügbar bis 20. Januar 2027
Tue, 20 Jan 2026 - 56min - 731 - Wer den Wind sät
Wenn Du aus der Dachluke schaust, umgibt Dich ein Panorama des Windes: Du siehst vom jüngsten Sturm abgeknickte Bäume und das Haus des Nachbarn, dem letztens ein Tornado das Dach abgefetzt hat: 50 Quadratmeter Flachdach mit einem Ruck weg. Du kannst eine historische Mühle sehen und viele neue Windkraftanlagen. Du siehst wirbelnde Staubfahnen auf trockenem Acker und am Horizont die Rauchfahne des Gaskraftwerkes, sie zeigt Dir die Windrichtung an. Bei Nordwind trägt der Wind das Rauschen der Autobahn heran und bei jedem Wind sind nachts die Frachtflugzeuge zu hören, Klimakiller, die im Anflug auf Schkeuditz ihre Landeschleife drehen. Zeit für eine lokale Recherche über den Wind, über die Kraft zwischen Hoch und Tief, zwischen Säuseln und Sturm. Und darüber wie Klimaerhitzung spürbar wird. Feature von Tobias Barth Mit Benjamin Kramme als Erzähler Produktion: MDR 2022 Verfügbar bis 16. Januar 2027
Sat, 17 Jan 2026 - 28min - 729 - Provinzjugend – Eine Suche
Harsewinkel – eine ostwestfälische Provinzstadt und der Ort, an dem Autor Tobias Siebert seine Kindheit und Jugend verbrachte. Mit einem ambivalenten Gefühl blickt er heute auf die Zeit in der Stadt zurück, in der auch die AfD-Parteivorsitzende Alice Weidel aufwuchs. Lange Zeit mied Siebert den Ort seiner Herkunft. Doch ein Fund auf dem Dachboden seiner Mutter bringt Veränderung: Eine alte Kassette, auf der sein verstorbener Vater über seine Erlebnisse in der Hitlerjugend spricht. Dieser Moment wird zum Auslöser einer intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Mehrmals reist der Autor zurück nach Harsewinkel, um den Spuren seiner Vergangenheit nachzugehen. Was hat das Aufwachsen auf dem Land in ihm hinterlassen? Welche Geschichten wurden verdrängt – bei ihm selbst, in der Stadt, in der Gesellschaft? Dabei stößt Siebert auch auf die Jugendjahre von Alice Weidel und auf eine tiefsitzende, bis heute spürbare Verdrängung der NS-Vergangenheit. Feature: Tobias Siebert Sprecher: Oscar Hoppe, Lou Strenger, Hans Henrik Wöhler Ton und Technik: André Lüer Regie: Giuseppe Maio Redaktion: Tobias Barth Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 2025 Verfügbar bis 16. Dezember 2026
Tue, 16 Dec 2025 - 57min - 727 - Schöner, stiller Gefährte der Nacht – eine Mondbetrachtung
Er begleitet uns, schenkt uns romantische Stunden und weckt Sehnsüchte und Phantasien. Sein Silberschein inspiriert bis heute zahllose Dichter, Maler und Komponisten, beschäftigt Filmemacher und Philosophen. Schon seit Urzeiten hat der Mond uns fasziniert. Sein regelmäßiges Werden und Vergehen, das die Menschen als Kreislauf des Lebens deuteten, weckte ihren Wunsch, Phänomene der Natur zu verstehen und den Weltraum zu erforschen. Und daran hat sich bis auf den heutigen Tag nichts geändert. Seit einigen Jahren versuchen immer mehr Menschen, wieder im Einklang mit der Natur zu leben. Da wird gegärtnert mit dem Mond, gebacken und gekocht mit dem Mond, gesät und geerntet mit dem Mond, geliebt, gebaut, gereist und geheilt mit dem Mond. Und Wissenschaftler bemühen sich immer wieder aufs Neue, Licht in das Dunkel der Mutmaßungen zu bringen und auch die letzten Geheimnisse unseres stillen Begleiters zu entschlüsseln. Feature von Steffi Mannschatz Mit Ilja Richter, Hermann Treusch, Donata Höffer, Daniela Hoffmann Regie: Nikolai von Koslowski Produktion: MDR 2008 Verfügbar bis 6. Dezember 2026
Sat, 06 Dec 2025 - 54min - 726 - Nur, nur mit mir – Einsiedeln als ultimative Selbstverwirklichung
In selbstgewählter Einsamkeit Gott nahe sein. Das war das Motiv der Eremiten in der Thebais. Ein frommer Wunsch, der oft klösterlichen Massentourismus nach sich zog. Das 19. Jahrhundert brachte die Einsiedler dann wieder in Mode, oft jedoch als romantischer Ziergegenstand missverstanden. Heute ist es auf unserem überbevölkerten Planeten fast unmöglich geworden, vernünftig einzusiedeln. Und doch, nicht nur die Zahl der tätigen Eremiten steigt seit 10 Jahren drastisch an, nein, Einsiedeln ist eine Massenbewegung geworden. In selbstgewählter Einsamkeit vor dem Bildschirm oder am Terminal sich selbst nahe sein. So lautet die neue Definition. Das Training zum Einsiedler beginnt bei uns schon in früher Kindheit. Ein Land voller Singles. Sicherheit in der Abgeschiedenheit der eigenen Klasse. Die einsame Spitze des Ich-Kults. Hannelore Hippe analysiert ein weiteres Mal unseren sogenannten Lifestyle, entdeckt archaische Wünsche hinter modernen Lebensformen. Feature von Hannelore Hippe Redaktion: Holger Jackisch Sprecher: Franziska Grashoff, Markus Kaloff und Axel Thielmann Schnitt und Ton: Hans Blache und Dietmar Hagen Regie: Hannelore Hippe Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 1996 Verfügbar bis 28. November 2026
Sat, 29 Nov 2025 - 34min - 725 - Seit wann sind wir wie ihr? – Neun Geschichtslektionen, erzählt in bedrohten amerikanischen Sprachen
In den Anfängen der USA existierten neben dem Englischen viele andere Sprachen. Einige aus dieser Zeit haben überlebt; zum Beispiel Navajo, Gullah, Pennsylvania Deitsch oder der französische Dialekt Cajun. Auf seiner 5000 Kilometer langen Reise lässt sich Alessandro Bosetti in diesen Sprachen die Geschichte des Landes erzählen. Er hört von Columbus' Ankunft aus der Sicht von Ureinwohnern, und ein amischer Christ gibt Martin Luther King als Übersetzer der Bibel an. Doch Bosettis Suche gilt nicht nur vergessenen Sprachen. Er will die Vielfalt eines Landes wiederfinden, das nach außen oft genug als Motor der weltweiten Gleichmacherei erscheint. Feature von Alessandro Bosetti: geboren 1973 in Mailand, Radioautor, Klangkünstler und Komponist. Die meisten seiner Arbeiten drehen sich um den Klang von Sprachen. Übersetzung: Ingo Kottkamp Regie: Alessandro Bosetti Produktion: Deutschlandradio 2009 Mitwirkende: Bettina Kurth, Robert Frank, Janna Horstmann, Ilka Teichmüller Verfügbar bis 23. November 2026
Mon, 24 Nov 2025 - 56min - 724 - Leuna 1962 – Fischwurst, Kohldampf, Kosmonauten
Am 13. August 1962 meldet die Frankfurter Allgemeine Zeitung, ein großer Teil der Belegschaft der Leuna-Werke hätte an zwei Tagen gestreikt. Anlass dieses Streiks seien erhöhte Leistungsforderungen bei schlechter Lebensmittelversorgung gewesen. Erst durch motorisierte Einheiten der Roten Armee und deutsche Soldaten sei der Streik beendet worden. Die überlieferten Akten belegen, dass es zu dieser Zeit große Unruhe gab in Leuna. Aber einen Streik dieses Ausmaßes? Warum ist bisher so gut wie nichts darüber bekannt? Wurde dieses gigantische Vorkommnis erfolgreich vertuscht oder handelt es sich um eine westdeutsche Zeitungs-"Ente"? Essay von Udo Grashoff Sprecher: Martin Reik, Peter W. Bachmann, Udo Grashoff Redaktion: Katrin Wenzel Ton und Technik: Holger Kliemchen und Hans-Peter Ruhnert Regie: Andreas Meinetsberger Produktion: MDR 2012 Verfügbar bis 21. November 2026
Fri, 21 Nov 2025 - 24min - 723 - Winter in Bamberg – Nachdenken über eine deutsche Kaiserstadt
Die fränkische Stadt Bamberg wird oft mit Prag verglichen. Zum Weltkulturerbe zählend, gilt sie als Inbegriff einer mittelalterlichen deutschen Stadt. Eine Reise in der Weihnachtszeit lässt dies besonders intensiv erfahren: Funkelnde Lichter, Frost, Wunder an Baukunst und gespannte Neugier. Da ist der 1007 erbaute Dom, der Glanz des Barocks in den Kirchen, der leuchtende Markt mit feinem Rauchbier. Auf Schnur gereihte Glasbläsereien aus Lauscha und Gablonz, Eisvögel, Trompeten, Schlitten, Monde. Wunderliches und Wunder: 578 farbige Pflanzen bilden seit 400 Jahren den einzigartigen Himmelsgarten an der Decke in St. Michael mit aufschlussreicher, den Menschen einst vertrauter Symbolik. Die Messen in brechend vollen Kirchen folgen Liturgien, die nur den Ältesten noch vertraut sind. So setzt die Stadt jeder von ihr hervorgerufenen Schwärmerei eine wunderbare, hintergründige Ernüchterung entgegen. Feature von Sylvia Kabus Regie: Sabine Ranzinger Produktion: MDR 2005 Verfügbar bis 20. November 2026
Sat, 22 Nov 2025 - 1h 17min - 722 - Leuna-Komplex: Stadt, Werk, Land
"Wenn die Schlote rauchen, war das immer ein Zeichen für Wohlstand.", sagt der Leunaer Schriftsteller Jürgen Jankofsky. Heute entweicht ihnen "guter" weißer Rauch. Die Landschaft um das Leunawerk blüht. Die Saale, einst eine schaumführende grün-braune Kloake windet sich durch die Aue und ist Bade-und Angelgewässer. Die kleine Stadt Leuna, in der annähernd so viele Menschen leben wie es Arbeiter im Leunawerk, dem größten deutschen Chemiestandort, gibt, ist geputzt, saniert, die Gemeinde mitsamt der zu ihr gehörenden Dörfer, ist reich. Die Menschen sind auf feinen Sportplätzen unterwegs, haben funktionierende Vereine mit hunderten Mitgliedern. Geglückte Transformation innerhalb der letzten 35 Jahre? Leuna - ein "Leuchtturm", die vielleicht einzige gelungene "Sanierung" einer einstigen DDR-Industrie. Und dennoch sitzt die AfD mit großer Mehrheit im Stadtrat. Und dennoch gibt es zahlreiche Bürgerinitiativen, die sich gegen neue gigantische Solarparks oder einen Messturm des Deutschen Wetterdienstes, gegen eine Stromtrasse, gegen Hochwasserpolder mitten durch die Aue wehren. Parallel dazu fordert der Leunachef, die Pipelines nach Russland wieder aufzumachen, weil Energie, die das Werk braucht, zu teuer geworden ist, weil die Chemieindustrie in der Krise steckt, weil sonst Massenentlassungen drohen. Deutschlandweit löste das Verwunderung und Entsetzen aus. Sind die Menschen nun die ewig Gestrigen? Die "Ossis", die keine Lust mehr auf eine erneute Transformation haben? Russland-Versteher? Müde vom Sich-Verändern? Ende der Dankbarkeitserwartung an Ostdeutsche, mit der sich fast alles rechtfertigen lässt? Sind sie nicht genau damit: mit Bürgerinitiativen, Protest und der Forderung nach schnellen finanziellen Lösungen, eigentlich angekommen in der Demokratie, im kapitalistischen System? Feature von Christoph Peters Produktion: MDR 2025 Verfügbar bis 18. November 2026 Den Film "Leuna-Komplex – Stadt, Land, Werk" hier anschauen.
Tue, 18 Nov 2025 - 52min - 721 - Kaputte Krieger
Wenn die Erinnerungen hochkommen, erzählt Veteranin Christore aus Thüringen, "rutschen einem manchmal einfach die Beine weg". Sechsmal war sie für die Bundeswehr im Auslandseinsatz, auf dem Balkan und in Afghanistan. "Das schlägt immer durch, wenn man nicht damit rechnet", sagt Jobst, ihr Mann. Die Zahl der Ex-Krieger mit schweren Traumata steigt. Nur zögernd sprechen sie von ihren Kriegserlebnissen und den Panikattacken und Depressionen, dem Zittern und Schwitzen noch Jahre nach der Schlacht. Die Bundeswehr setzt auf mehr Psychologen, testet Online-Therapien. Denn aller Technik zu Trotz: Der Soldat muss immer ganz nah ran: Patrouille fahren, Deckung suchen, schießen. Und danach klarkommen mit den Bildern, den Träumen, der Angst. "Leid, das nicht spricht", sagt Standortpfarrer Frank, "presst das beladene Herz, bis dass es bricht." Feature von Tom Schimmeck Sprecherin: Shenja Lacher Regie: Andreas Reinetsberger Produktion: MDR 2018 Verfügbar bis 15. November 2026
Sat, 15 Nov 2025 - 54min - 720 - Druck im Kessel – Doku über die Tücken der Wärmewende
Wie werden wir in Zukunft, wenn Holz, Kohle, Öl und Gas immer mehr an Akzeptanz verlieren, heizen? Kontroverse Antworten bestimmen und prägen die Debatten politisch, wirtschaftlich und sozial und heizen sie auf. "Wir haben Fehler gemacht", sagt Stefan Wenzel, ehemaliger parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, im Rückblick. Zu groß wäre der mediale Widerstand gegen moderne, aber vermeintlich teure und stromfressende Wärmepumpen gewesen, zu groß das Beharrungsvermögen der Hausbesitzer, die sich nicht vorschreiben lassen wollten, ihre alten Öl- und Gaskessel rauszuschmeißen. Und so wurde das Regierungsziel, 500.000 Wärmepumpen jährlich zu installieren, weit verfehlt und die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes zum Fallstrick für die Ampelkoalition. Kurz nach dem Amtsantritt der neuen Bundesregierung sagte Katherina Reiche, die neue Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, der Klimaschutz sei zuletzt vielleicht "überbetont" worden. Es brauche eine "Neuausrichtung der Energiewende", aber keine "Lex Wärmepumpe". Dabei gilt auch für die neue Bundesregierung das Pariser Abkommen und die Aussage: Deutschland muss bis 2045 klimaneutral sein. Noch aber stammen drei Viertel der genutzten Heizenergie aus Öl oder Gas. Der Gebäudesektor verfehlt deshalb regelmäßig die Klimaziele. Deutschland muss das Tempo also anziehen. Die Doku geht der Frage nach, ob Deutschland die Wärmewende noch schaffen kann – trotz globalem Handelskonflikt, hartem Wettbewerb und neuer politischer Rahmenbedingungen. Druck im Kessel – Doku über die Tücken der Wärmewende ARD-Radiofeature von Lydia Jakobi und Tobias Barth Ton und Technik: Steffen Brosig und Holger König Regie: Nikolai von Koslowski Produktion: MDR 2025 Verfügbar bis 4. August 2026
Thu, 13 Nov 2025 - 53min - 719 - Das Kind ins Leben heben – Berufung Hebamme
"Schwangerschaft und Geburt sind natürliche Vorgänge und stellen keine Krankheit dar", heißt es im Mutterpass. Doch bei vielen Frauen überwiegen Angst und Unsicherheit. Sie vertrauen eher Medizin und Technik als ihrem eigenen Körper und wählen die Klinik als vermeintlich sichersten Geburtsort. So kommen in Deutschland nur noch rund zwei Prozent der Kinder zu Hause oder im Geburtshaus zur Welt. Statt CTG, Betäubung oder Kaiserschnitt, gibt es hier eine Eins-zu-Eins Betreuung durch eine Hebamme. Doch wegen immenser Haftpflichtprämien geben immer mehr freiberufliche Geburtshelferinnen auf. Die Geburt ist längst ein Politikum, das Selbstbestimmungsrecht der Frau steht auf dem Spiel. Feature von Julia Schäfer Sprecherin: Anja Schneider Ton und Technik: Holger König und Christian Grund Regie: Stefan Kanis Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 2016 Verfügbar bis 4. November 2026
Tue, 04 Nov 2025 - 29min - 718 - Beton und Menschen – Leben im Chemnitzer "Heckert"
Das Chemnitzer Heckert-Gebiet entstand ab 1974 als eines der größten Neubaugebiete der DDR. Es verkörpert die Beton gewordene Utopie einer klassenlosen, gleichmacherischen Gesellschaft. Geplant für fast 100.000 Menschen, durchlebte die Plattenbausiedlung nach der Friedlichen Revolution und den Verwerfungen der Nachwendezeit eine Art Metamorphose. Der Großteil der alten Bewohnerinnen und Bewohner flüchtete nach 1990 ins Umland, in den Westen. Neue Geflüchtete wurden einquartiert in die Wohnblöcke, die durch Umbau und Abriss heute mit mehr Raum und Luft für Lebensqualität ausgestattet sind. Das Feature zeichnet ein audiophones Porträt eines Stadtviertels, das mit seiner ganz eigenen Transformationsgeschichte maßgeblich zur Wahl von Chemnitz als "Kulturhauptstadt Europas" beigetragen hat. Feature von Merle Hilbk Sprecher: Petra Hartung und Nils Andé Brünnig Ton und Technik: Holger Kliemchen und Steffen Brosig Regie: Carina Pesch Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 2025 Verfügbar bis 8. November 2026
Sat, 08 Nov 2025 - 30min - 717 - Einhundertzweiundneunzig Tage – Vom Sterben der Eltern
Ein Tumor in der rechten Hälfte der Lunge, bösartig und nicht operabel. Buchstäblich am Sterbebett der Mutter erfährt der Autor, dass auch sein Vater nur noch kurze Zeit zu leben haben wird. 192 Tage bleiben vom Tod der Mutter bis zum Tod des Vaters. Beide sterben an Krebs, beide zu Hause in der eigenen Wohnung. Und beide begleitet der Autor in ihren letzten Lebenstagen. Aus radikal subjektiver Perspektive erzählt er von einem halben Jahr, in dem Ängste, Hoffnung, Liebe, Verzweiflung und Trauer einander überlagern. Er erzählt, wie sich in dieser Zeit die Beziehung zu seinen Eltern wandelt, von der Intimität und vom Elend des Sterbens, der Schwierigkeit sich zu verabschieden und vom Glück intensiv erfahrener Nähe. Feature von Lorenz Hoffmann Sprecher: Lorenz Hoffmann., Petra Hartung, Christian Gutowski, Matthias Hummitzsch, Linus Vockert, Corinna Waldbauer Schnitt: Christian Grund Ton: Holger Kliemchen Regie: Nikolai von Koslowski Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 2022
Mon, 27 Oct 2025 - 54min - 716 - Die Jagd nach Yellow Cake – Uran aus dem Erzgebirge
Seit Beginn der Kernforschung lieferte das Erzgebirge den begehrten Rohstoff Uran. Spätestens ab den 1930er Jahren erlangte der Bergbau in Sachsen und Thüringen dadurch weltpolitische Bedeutung. Die Erfinder von Atombombe und Atomkraft brauchten "Yellow Cake" für ihre Versuche: Das feine, gelbe, hochradioaktive Material, das sich aus Uranerz gewinnen lässt, ein Kilogramm Yellow Cake aus zweit Tonnen Erz. Die Jagd nach Yellow Cake war verlustreich, sagen die einen, eine Katastrophe für die Landschaft. Sie war Bergmannskultur, sagen die anderen. 1947 wurde Die SAG Wismut gegründet, um das Material für die sowjetischen Atomprogramme zu gewinnen. "Erz für den Frieden" war die Parole der Wismut-Bergleute. Einige glauben heute noch daran. Die Autorin Alexa Hennings war zwanzig Jahre nach Schließung des Bergbaus in diesem Gebiet unterwegs, hat mit Menschen aus der Region, ehemaligen Bergleuten und Wissenschaftlern gesprochen und erzählt Geschichte und Geschichten von der Jagd nach Yellow Cake und deren Folgen. Feature von Alexa Hennings Sprecher: Nele Rosetz und Andreas Döhler Ton und Technik: Holger Kliemchen und Holger König Regie: Wolfgang Bauernfeind Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 2012 Verfügbar bis 22. Oktober 2026
Sat, 25 Oct 2025 - 28min - 713 - Aufstieg und Fall des Kunsthändlers Helge Achenbach
Helge Achenbach: "Ich war ein Spieler. Mein Reichtum war meine Droge. Ich habe alles gehabt, war aber unglücklich." Sechs Jahre Haft für einen Millionenbetrug – der Fall Achenbach erschütterte 2014 die Welt des Kunsthandels. In dem Feature erzählen der Täter und sein Umfeld wie es dazu kam. Ein Psychogramm eines gewieften Charmeurs. Feature von Rosvita Krausz Produktion: MDR 2020 Mit: Friederike Kempter - Erzählerin Ulrike Hübschmann - Zitatorin Axel Thielmann - Zitator, An- und Absage Steffen C. Jürgens - Zitator Helge Achenbach Verfügbar bis 15. Oktober 2026
Sat, 18 Oct 2025 - 51min - 712 - Im Paradies der Noten – Die Musikalienhandlung Oelsner
Wer die Musikalienhandlung Oelsner in Leipzig betritt, taucht in eine verloren gegangene Welt ein. Regale voller Noten bis unter die Decke abgetrennt durch die lange Ladentheke. Schlichte, edle oder knallig bunte Notenausgaben werden hier empfohlen, gesichtet, angespielt, bestellt und verkauft, dazu Konzertkarten jeder Art. Geht ein Artikel über den Ladentisch, wird kassiert, klingelt die alte Registrierkasse. Yehudi Menuhin stand hier, genau wie Kurt Masur, Peter Schreier oder Jessye Norman. Der Laden hat seit 1860 Wirtschaftskrisen, Kriege und die DDR-Zeit "überlebt". Nun hat Michael Rosenthal die Musikalienhandlung seines Urgroßvaters an seine Tochter übergeben. Doch wer kauft im digitalen Zeitalter noch Noten? Ute Lieschke hat sich im Laden der Familie Rosenthal umgesehen, Geschichten über illustre Mitarbeiter wie über den Gründer der Renft Combo, Klaus Renft, erfahren, leidenschaftliche Kunden wie amarcord befragt und sogar einen Rap über die Musikalienhandlung entdeckt. Feature von Ute Lieschke Regie: Lykke Langer Produktion: MDR 2025 Mit: Inka Löwendorf - Sprecherin, Ulla Reichelt - Zitatorin Verfügbar bis 11. Oktober 2026
Sat, 11 Oct 2025 - 33min - 711 - Leipzig, 9. Oktober 1989 – Eine Chronik der Ereignisse
Leipzig im Herbst '89: Turbulent, spannungsgeladen, unberechenbar. Doch wer weiß schon, auch 20 Jahre danach, dass sich an jenem geschichtsträchtigen 9. Oktober alles auf eine Stunde der Entscheidung fokussierte? Dass Boris Snetkow als damaliger Chef der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte mit Sitz in Wünsdorf der Ostberliner Parteiführung anbot, sozusagen an Gorbatschow vorbei , doch noch Panzer nach Leipzig zu schicken?! Und warum die Entscheidungssituation in Leipzig anders als in Dresden war? Oder wie die "WTsch-Telefone" funktionierten, über die die geheimen Informationen zwischen Leipzig und Berlin ausgetauscht wurden? Nur drei von vielen bislang wenig beleuchteten Aspekten, die in dem 60-Minuten-Feature von Peter-Hugo Scholz zu hören sind. Seine Dokumentation entstand in Zusammenarbeit mit arte/MDR-Fernsehen. Über seine Recherchen zum Film "Das Wunder von Leipzig" hinaus, erzählt der Autor die Hintergründe, warum es an jenem 9. Oktober nicht zum Blutvergießen kam. Anhand von Originalton-Interviews mit ehemaligen Demonstranten, dem ehemaligen Polizeichef von Leipzig, Gerhard Straßenburg, sowie aus bisher unveröffentlichten Tagebuchauszügen von Wolfgang Herger, damaliger Abteilungsleiter für Sicherheitsfragen beim ZK der SED, rekonstruiert Scholz die dramatischen Abläufe hinter den Kulissen. Einige der Protagonisten haben noch nie, andere 20 Jahre lang nichts zum politischsten aller DDR-Herbste gesagt. "Leipzig, 9. Oktober 1989 –Eine Chronik der Ereignisse" Feature von Peter-Hugo Scholz Sprecher: Roland Hemmo, Thomas Neumann, Beatrix Hermens Regie: Ingo Colbow Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 2009 Verfügbar bis 9. Oktober 2026
Thu, 09 Oct 2025 - 59min - 708 - Der Leipziger Beataufstand
Als viele Bands 1964 auf Einladung Walter Ulbrichts zum Deutschlandtreffen nach Ost-Berlin reisen durften, schien die Musikwelt noch in Ordnung. Tanz auf allen Straßen. Sehr zum Leidwesen des damaligen Verantwortlichen für Sicherheitsfragen: Erich Honecker. Doch die Freude der Fans hatte bald ein Ende. Schuld daran war die Randale nach einem Westberliner Rolling Stones-Konzert. Aus Angst vor dem "Bösen", das über die Mauer schwappen könnte, forderte Erich Honecker vorsorglich die Einweisung aller ostdeutschen Gammler in Arbeitslager. Geschickt nutze er für diesen Beschluss die Abwesenheit Walter Ulbrichts. Dem blieb nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub zur Wahrung seiner Macht nur noch das generelle Beatverbot. Jetzt war Schluss mit "diesem yeah, yeah, yeah". Doch vor allem die Leipziger wollten sich damit nicht abfinden. Als alle Auftritte der einheimischen "Butlers" untersagt wurden, tauchten die ersten Flugblätter auf. "Rockgruppen müssen wieder spielen. Setzt Euch dafür ein. Die Polizei ist machtlos!" Und so kam es am 31. Oktober 1965 zu einem inzwischen legendär gewordenen Treffen von über 2.000 Musikfreunden auf dem Leipziger Leuschnerplatz. Der Leipziger Beataufstand Der Polizeieinsatz auf dem Leuschner-Platz am 31.10.1965 Feature von Kathrin Aehnlich Produktion: MDR 2005 Verfügbar bis 25. September 2026
Sat, 25 Oct 2025 - 28min - 646 - Baumklang – Protest in den Wipfeln
Ein halbes Jahr lang lebte Etta Streicher im australischen Urwald. Gemeinsam mit anderen jungen Menschen in einem Protestcamp weit oben in den Bäumen. Strickleitern, Hängematten, Plateaus, Bretterbrücken – das alles half nichts. Denn eines Nachts kamen die Maschinen, die Männer mit den Kettensägen. Das Waldstück gerodet binnen weniger Tage. Monate des Protestes sinnlos. Sinnlos? Ist Hoffnung nicht die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht? Egal ob in Australien in den 90er Jahren oder in Grünheide heute? Wie würden Bäume Hoffnung stiften, wie sich äußern, wenn sie unsere Sprache sprächen? Etta Streicher spielt dieses poetische Experiment durch. Sie raschelt mit dem Ur-Laub, liest aus den feinen Adern der Flug-Blätter eine doch noch mögliche Zukunft heraus. Sie wagt ein "Resistänzchen" unter Bäumen, sie gibt ein sinnliches Verssprechen an die Bäume. Sie sagt das Einfache, was schwer zu machen ist: Dass uns jetzt die Bäume so dringend brauchen wie wir schon immer sie. Feature von Etta Streicher und Thies Streifinger Sprecher: Nils Thorben Bartling und die Autorin Redaktion: Tobias Barth Ton: Holger Kliemchen Regie: Andreas Meinetsberger Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 2024 Verfügbar bis 27. Oktober 2026
Sat, 01 Nov 2025 - 30min - 633 - Ich komme und gehe wieder – das wundersame Leben des Joachim Ringelnatz
Joachim Ringelnatz, der 1883 als Hans Bötticher in Wurzen geboren wurde, war Sachse, Seemann, Dichter, Maler und Kabarettist. Als Schöpfer des Kuttel-Daddeldu, als Verfasser skurriler Nonsens-Verse und bewegender Gedichte, wird er bis heute geliebt und bei vielen Gelegenheiten zitiert. Kaum der Schule entronnen, von der er schreibt: "Keines der Lehrfächer regte mich an. Ich war in allen schlecht", zieht er nach Hamburg und bald treibt ihn das Fernweh in einem Segelschiff um die Welt. Als der Krieg beginnt, meldet er sich freiwillig, wird Kommandant eines Minensuchbootes und eröffnet in den Gefechtspausen eine Tierschau. Um die Person des Mannes mit dem Vogelgesicht ranken sich zahlreiche Legenden. Erzählt werden sie vom Seemann Hanns H. Schlünz, von Muschelkalks Schwester und von Lilly Uhl, der die Spielnachmittage mit Ringelnatz bis heute unvergessen geblieben sind. Und alles fügt sich zu dem Bild eines ungewöhnlichen Mannes, der sich den Luxus bewahrt hatte, die Welt mit kindlicher Unvoreingenommenheit zu betrachten und dessen scheinbar heitere Verse politisch genug waren, um von den Nationalsozialisten verboten zu werden. Feature von Wolfgang Knape Produktion: MDR 2002 Verfügbar bis 15. November 2026
Fri, 07 Aug 2026 - 1h 17min - 545 - Schicksalsjahre – Haus des Rundfunks 1933-1945
Die Nazis kommen an die Macht und erobern gleich den Rundfunk. Die führenden Männer des Rundfunks in der Weimarer Republik werden entlassen, unter ihnen Hans Bredow, der Vater des Rundfunks, wie er auch genannt wird. Einige müssen ins Konzentrationslager nach Sachsenhausen, wie Alfred Braun, die Stimme der Funkstunde, Erfinder der Reportage und Hörspielmann. Goebbels spricht im Lichthof zu den Intendanten der verschiedenen Reichssender und schwört sie auf die Ideologie der Nationalsozialisten ein. Rundfunk wird Volksrundfunk, die Reichsrundfunkgesellschaft wird dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda unterstellt. In den letzten Kriegsmonaten wird auch das Haus des Rundfunks zur Festung erklärt, fällt den Russen im Mai 1945 aber unzerstört in die Hände. Die Feature-Reihe von Wolfgang Bauernfeind umfasst mehrere Teile. In der Audiothek können Sie alle fünf Episoden der Chronik hören: https://www.ardaudiothek.de/sendung/das-haus-des-rundfunks/85335392/ Mitwirkende: Regie: Wolfgang Bauernfeind Produktion: Rundfunk Berlin-Brandenburg Darsteller*innen: Ulrich Noethen und Uta Hallant
Thu, 21 Sep 2023 - 54min - 523 - Fluchtweg übers Bruderland - die bulgarisch-türkische Grenze
Zu DDR-Zeiten hielt sich die Mär, die bulgarisch-türkische Grenze sei leicht zu überwinden. Im Herbst 1988 wagte Hendrik Voigtländer aus Ostberlin mit einem Schulfreund einen Fluchtversuch. Feature von Rayna Breuer.
Sat, 10 Aug 2019 - 29min - 470 - Die Teufelsknolle
Gekocht, gebraten, gerieben gehört sie zu unserem täglichen Leben: die Kartoffel. Doch was uns heute selbstverständlich erscheint, hat eine lange Geschichte. Ein Feature von Gerhard Pötzsch.
Sat, 17 Sep 2022 - 29min - 357 - Ich rauche gern - Belomorkanal | Was vom "Stalinkanal'' geblieben ist
In den 1930er-Jahren ließ Stalin von Zwangsarbeitern den Weißmeer-Ostseekanal ausheben. Mehr als 25.000 Menschen kamen dabei ums Lebens. Die Zigarettenmarke "Belomorkanal'" bewog Autor Günter Kotte zu einer Spurensuche.
Wed, 27 Nov 2019 - 57min - 356 - Über sieben Brücken - ein DDR-Hit geht um die Welt
Als im April 1978 mit dem Abspann des Fernsehfilms "Über sieben Brücken musst du gehn" der gleichnamigen Poptitel verklang, ahnte noch niemand, dass ein Welt-Hit geboren worden war. Feature von Gerhard Pötzsch
Sat, 09 Oct 2021 - 29min - 319 - Hilfe, die Neophyten kommen
Das Einschleppen fremder Arten gilt - nach der Landwirtschaft - als zweitwichtigste Ursache für den Rückgang der Artenvielfalt. Jan Schilling will herausfinden, was an der gefürchteten "Invasion der Invasiven" dran ist.
Sat, 18 Mar 2017 - 29min - 318 - Das Flüchtlingsheim bei mir um die Ecke
Im Herbst 2015 kommen Ströme von Geflüchteten nach Europa. Einige von ihnen kommen nach Leipzig, wo Feature-Autorin Judith Burger lebt. Wie viele andere will auch sie helfen. Aber wie hilft man richtig? Produktion: MDR 2017
Wed, 15 Mar 2017 - 58min - 317 - Zwei Waisenkinder und ihr erstes Kind
Kann man lieben, wenn man selbst nicht geliebt wurde? Vier Monate lang haben die Feature-Autoren Stefan Kolbe und Chris Wright die Halbwaisen Sarah und Daniel begleitet, um diese Frage zu beantworten.
Sat, 11 Mar 2017 - 28min - 316 - Glashütte - das tickende Tal
Uhren aus Glashütte sind mehr als bloße Zeitmesser, es sind Wunderwerke der Feinmechanik. Tom Schimmeck hat die Uhrmacherstadt besucht und gibt Einblicke in das traditionsreiche sächsische Handwerk.
Sat, 04 Mar 2017 - 29min - 315 - Einmal St. Petersburg über Leningrad und wieder zurück
Der Newski Prospekt ist bis heute die schönste Straße von Petersburg. Jens Sparschuh, in den 1970er-Jahren Student in Leningrad, flaniert über den Boulevard und erzählt ein ganzes Jahrhundert Stadtgeschichte.
Wed, 22 Feb 2017 - 58min - 314 - Wie geht's, Kuba?
Seit der Machtübernahme vor zehn Jahren hat Raúl Castro in Kuba Reformen eingeleitet. Wie hat sich das Land seitdem verändert? Was bedeutet Fidel Castros Tod für Kuba? Feature von Anselm Weidner und Nils Aguilar.
Wed, 01 Feb 2017 - 56min - 313 - Das Bulgarien, das ich verließ
Vor zehn Jahren wurde Bulgarien Mitglied der EU. Wie hat sich das Land seitdem verändert? Rayna Breuer erzählt von verlorenen Illusionen und neuer Hoffnung auf der Reise durch ihre Heimat.
Sat, 14 Jan 2017 - 29min - 303 - Der Chirurg aus dem Rheinland und seine Lausitzer Kinder
Der Vater geht nach dem Krieg aus Köln in die DDR: auf der Suche nach dem besseren Deutschland. Der Sohn macht sich nach dem Fall der Mauer in Gegenrichtung auf: aus ähnlichem Grund. Feature von Günter Kotte
Wed, 04 Nov 2020 - 56min - 302 - Senf im Kaffee: Senfmüller in Thüringen und Sachsen
Hierzulande gehört der Senf in nahezu jede Küche. Günter Kotte hat Senfmüller in Sachsen und Thüringen besucht und erzählt von einem sehr speziellen Genussmittel.
Wed, 04 Nov 2020 - 29min - 277 - Wie ein Altenburger Fußballspiel zu Honeckers Chefsache wurde
Im März 1981 trafen sich in Altenburg zwei Hobbymannschaften aus Ost und West zu einem ungewöhnlichen Freundschaftsspiel. Feature von Naomi Conrad und Michael Hartlep über die verbindende Kraft des Fußballs.
Sat, 01 Apr 2017 - 29min - 233 - Wenn das Krankenhaus krank macht
Antibiotika ohne Wirkung? In Europa breiten sich resistente Keime immer weiter aus, Krankenhausinfektionen nehmen zu. Was sind die Ursachen und welche Auswege gibt es? Diesen Fragen ist Günter Kotte nachgegangen.
Sat, 27 Sep 2014 - 23min - 228 - Mit der Planierraupe westwärts - Chronik eines Grenzdurchbruchs
Nach dem Bau der Mauer versuchten DDR-Bürger unter großen Gefahren, ihr Land zu verlassen. Am 29. April 1982 durchbrachen im Kreis Haldensleben drei Personen mit einer Planierraupe die Grenze zur BRD. Von Jürgen Heise
Wed, 08 Nov 2000 - 54min - 114 - Die geheimen Isolierungslager der DDR
Die "Friedliche Revolution" von 1989 hätte auch anders verlaufen können. Noch im Herbst wollte die SED-Führung 85.939 Bürger in Lager sperren. Feature von Patrick H. Waldthaler über ein dunkles Kapitel DDR-Geschichte.
Wed, 12 Oct 2022 - 1h 05min - 111 - Polizeieinsatz im Grenzgebiet
Die hohe Kriminalitätsrate an der deutsch-polnischen Grenze ist eine Herausforderung für Bevölkerung und Polizei. Was die Beamten dort täglich leisten, hat Matthias Körner hautnah erlebt.
Sat, 24 Jun 2017 - 29min - 109 - Kinderhospiz Bärenherz
Im Kinderhospiz Bärenherz ist der Tod kein Tabu. Kinder mit der Diagnose "lebensverkürzt erkrankt" und ihre Familien können sich hier erholen. Ein Ort zum Lachen, Reden und Weinen. Feature von Laura-Nadin Naue.
Wed, 14 Jun 2017 - 54min
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