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Woche für Woche nimmt sich der DISKURS Zeit, über Fragen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zu nachzudenken. Mit Experten ihres jeweiligen Fachs spricht MDR KULTUR über die aktuellen Tendenzen in Geschichte und Gesellschaft, Philosophie und Religion, Kulturgeschichte, Naturwissenschaften und Lebenshilfe. Und steht damit für die kritische Reflexion der Gegenwart sowie geistige Konzentration und Orientierungen über den Augenblick hinaus.
- 2144 - Russland – eine deutsche Erfindung?
Welche Meinung haben die Deutschen von Russland und seinem imperialistischen Autokraten Wladimir Putin? Und wie weit gehen die Meinungen darüber auseinander? Zu diesen Fragen hat die Politologin Gwendolyn Sasse von 2019 bis Ende 2025 drei große Umfragen durchgeführt. Die Ergebnisse sind zum Teil erstaunlich. Wenn die Deutschen über Russland sprechen, so das Fazit, dann sprechen sie weniger über die realen Verhältnisse dort als vielmehr über ihre eigenen Hoffnungen, Ängste und Befindlichkeiten. Sind die Bilder, die sich die Deutschen von Russland machen, also mehr oder weniger eine Erfindung? Das jüngste Buch der Direktorin des Zentrums für Osteuropa- und internationale Studien legt dies nahe. Mit Gwendolyn Sasse sprach MDR KULTUR-Redakteur Stefan Nölke. Das Gespräch ist bis 24. Oktober 2027 verfügbar.
Sat, 24 Oct 2026 - 25min - 2143 - Christine Wunnicke: Die famose Phantastik der Geschichte
Christine Wunnicke ist eine Ausnahmegestalt im deutschen Literaturbetrieb ist: Sie schreibt die schmalsten und dabei opulentesten Historienromane, aus denen Tragik und Komik und Wissen sprühen. Mit ihrem Roman "Wachs" erzählt sie die Geschichte der Apothekerstochter Marie Bihéron, geboren 1719 in Paris, die eine begabte Illustratorin ist und sich bereits als Kind Leichen besorgt, um deren Inneres zu malen. Das vorrevolutionäre Paris Christine Wunnickes ist bevölkert von queeren Liebespaaren und dargestellt mit einem fabelhaften Detailwissen, mit krausen Volten, Lust am feinen Witz. Für ihr Werk wurde die Schriftstellerin 2025 mit dem renommierten Jean Paul Preis, dem Bayerischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet. Jetzt, am 24. Oktober 2026, wird ihr in Darmstadt der Büchner-Preis 2026 überreicht, die Laudatio hält Judith Schalansky. Im Gespräch mit MDR KULTUR-Literaturredakteurin Katrin Schumacher erzählt Christine Wunnicke, was sie an Jean Paul seit Kindertagen fasziniert und wie sie ihre Figuren aus der Geschichte birgt. Das Gespräch wurde 2025 aufgenommen, es ist bis zum 17. Oktober 2027 verfügbar.
Sat, 17 Oct 2026 - 24min - 2142 - Harald Meller: Graböffnung zeigt, wie Otto der Große wirklich war
Es ist der Traum eines jeden Archäologen: Einmal ein Kaisergrab öffnen und mit den neusten Techniken der Archäogenetik und Mikrobiologie zu untersuchen. Für Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt und Direktor des Museums für Vorgeschichte in Halle, wurde er wahr. Unter seiner Leitung hat ein ganzes Team von Archäologen und Naturwissenschaftlern in den Jahren 2025 und 2026 das Grab Otto des Großen (936 – 973) im Magdeburger Dom geöffnet und akribisch erforscht. Eine wahnsinnig spannende Aktion. Und spektakulär sind auch die Ergebnisse, die Harald Meller nun zusammen mit dem Wissenschaftsjournalisten Kai Michel in seinem neusten Buch "Im Herzen der Macht" (erschienen bei DTV) beschreibt. Wobei es darin nicht nur um Kaiser Otto I., sondern generell um die Frage geht, was die Archäologen über die Epoche der Ottonischen Herrscher – die Rede ist von der Zeit zwischen 919 und 1024 – in den letzten Jahren herausgefunden haben. Über diese Spurensuche zu "Deutschlands dunklen Anfängen", wie es im Untertitel heißt, spricht Harald Meller mit MDR KULTUR-Geschichtsredakteur Stefan Nölke. Das Gespräch ist bis 10. Oktober 2027 verfügbar.
Sat, 10 Oct 2026 - 26min - 2141 - Wo die Toten sprechen: Jaroslav Rudis
Er schreibt über Bier und Eisenbahnfahrten, Theaterstücke und Essays – aber die wahren Schätze sind die Romane von Jaroslav Rudiš. Seit einigen Jahren schreibt der im böhmischen Paradies geborene Autor auf Deutsch, hat das deutsche Bundesverdienstkreuz genau wie die tschechische Verdienstmedaille und den Görlitzer Brücke-Preis bekommen – unter anderem für die Verständigungsarbeit zwischen Deutschland und Tschechien. Sein neuer Roman "Wo die Toten sprechen" ist eine große europäische Erzählung über das Sterben und das Reisen, die Vergangenheit und die Gegenwart, über Kunst und Erbe und die Schönheit des Unterwegsseins. Mit MDR Literatur-Redakteurin Katrin Schumacher trifft sich Jaroslav Rudiš auf dem Südfriedhof in Leipzig und spricht über die Hinfälligkeit der Nationalstaaten, das Schreiben über Grenzen hinweg, seine Leidenschaft für die Toten und wie er es schafft, ihnen Geschichten zu entlocken. Das Gespräch ist bis zum 3. Oktober 2027 verfügbar.
Sat, 03 Oct 2026 - 22min - 2140 - Was alle Sprachen verbindet – Die weltweite "Mama"
Wenn es weh tut, sagt man "au", "ah" oder "ai" – praktisch überall auf der Welt. Die Wörter für die eigene Mutter haben in allen bekannten Sprachen einen "m"-Laut. Die Forschung kennt viele solcher sprachlichen Universalien. Was folgt daraus für die Natur der Sprache und des Sprechens? Julia Nestlen im Gespräch mit dem Linguisten Johann-Mattis List Verfügbar bis 26. September 2027
Sat, 26 Sep 2026 - 26min - 2139 - Confusion Is Next. Jens Balzer im Gespräch mit Hendryk Proske
Die Nullerjahre sind ein Jahrzehnt der euphorischen Umarmung neuer Möglichkeiten, des Individualismus und der technologisch entgrenzten Freiheit. Und der großen Enttäuschungen, die bis in unsere Gegenwart reichen. Jens Balzer im Gespräch mit Hendryk Proske Das Gespräch ist bis 19. September 2027 verfügbar.
Sat, 19 Sep 2026 - 25min - 2138 - Rembrandt 1632 - Die große Ausstellung jetzt in Gotha
Rembrandt ist immer eine Reise wert und in dem Fall heißt es „auf nach Gotha ins Herzogliche Museum“. Bis zum 6. Dezember läuft dort die ambitionierte Ausstellung über Rembrandts glückliche Anfänge um das Jahr 1632 herum, als der junge, talentierte Rembrandt Van Rijn von seiner Heimatstadt Leiden nach Amsterdam zog, um sich dort in der boomenden niederländischen Metropole einen Namen zu machen. Im wahrsten Sinne, denn von nun an signierte er seine Gemälde und Grafiken nur noch mit dem Vornamen. An Selbstvertrauen mangelte es ihm offenbar nicht. Mit welchen Themen und welchem künstlerischen Profil sich Rembrandt in diesen Anfangsjahren als „Marke“ etabliert, erklärt der Kunsthistoriker Timo Trümper von der Friedenstein Stiftung Gotha, der die Ausstellung zusammen mit seinem Kollegen Justus Lange von der Hessen Kassel Heritage kuratiert hat. Ein MDR Kultur-Diskurs von und mit Stefan Nölke.
Sat, 12 Sep 2026 - 25min - 2137 - Besser als Optimismus?! – Der Philosoph Guillaume Paoli
Denken ist anstrengend, Aufklären ist anstrengend. Aber am anstrengendsten ist es vielleicht, sich nicht in Optimismus zurückzuziehen: "Optimismus ist Mangel an Information", so fasste es schon Heiner Müller zusammen. Guillaume Paoli spricht im MDR KULTUR Diskurs mit Katrin Schumacher darüber, weshalb der Optimismus eine plumpe Alternative zum An-Denken gegen das Bestehende ist. Und woher dieser Begriff, die Haltung und die immer wieder beschworene Pflicht zum Optimismus stammt. Der Philosoph Guillaume Paoli ist 1959 in Frankreich geboren, lebt in Berlin und war Mitbegründer der Glücklichen Arbeitslosen, sowie Hausphilosoph am Leipziger Theater. Für sein Buch "Geist und Müll" bekam er 2024 den Günther Anders-Preis für kritisches Denken. Das Gespräch ist bis 5. September verfügbar.
Sat, 05 Sep 2026 - 20min - 2136 - Mentalitäten: Wie wir besser verstehen, was uns trennt, und was uns vereint
Mentalitäten sind Prägungen, die aus gelebtem Leben erwachsen. Etwas, das sich nicht festen Mustern, Rollen und Erwartungen fügt – und deshalb auch nicht in unveränderlichen Kategorien zu beschreiben ist. Wie zum Beispiel ist "das Ostdeutsche" von heute darzustellen, aus welcher Welterfahrung speist es sich? Peter Neumann hat darüber ein Buch geschrieben und lässt sich befragen von Jörg Schieke. Das Gespräch ist verfügbar bis 29. August 2027.
Sat, 29 Aug 2026 - 25min - 2135 - Millay Hyatt: Zu Fuß und zu Gast
Eine Reise ins Ungewisse: Von Berlin zieht Millay Hyatt zu Fuß los in Richtung Osten, um den Linien zwischen Hauptstadt und Provinz, zwischen Fremden und Freunden, zwischen Geschichte und Gegenwart nachzuspüren. Ohne Smartphone, aber mit Fontane im Rucksack, lässt sie sich von Tür zu Tür weiterempfehlen – von linken Hausprojekten über Stadtflucht-WGs bis zu pensionierten Bürgermeisterinnen und Zigarettenverkäufern auf dem Polenmarkt. Sie steht vor verschlossenen Hofläden und den offenen Armen ihrer Gastgeber, die selten mehr als einen Tag im Voraus feststehen, jeder Tag eine Improvisation und ein Experiment. Über Gastfreundschaft und Fremdsein, über Stadt und Land, Grenzen und Übergänge spricht Millay Hyatt mit Katrin Schumacher. Verfügbar bis 15. August 2027.
Sat, 15 Aug 2026 - 24min - 2134 - Neue Studie: Mit der AfD ginge es wirtschaftlich bergab
Aus den Landtagswahlen am 6. September in Sachsen-Anhalt könnte die AFD als stärkste politische Kraft hervorgehen. Doch was würde passieren, wenn die rechtsradikale Partei künftig die Regierung in dem teils strukturschwachen Bundesland stellt? Für den Bereich der Wirtschaft liefert darüber eine neue Studie des in Berlin ansässigen Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) mögliche Antworten. Antworten mit einer klaren Tendenz: "Gerade die AfD-Hochburgen würden am stärksten unter der Politik dieser Partei leiden". Was sind die Gründe und wie ist dies "AfD-Paradox" zu erklären? Darüber spricht MDR KULTUR-Redakteur Stefan Nölke mit dem Direktor des DIW, Marcel Fratzscher. Das Gespräch ist bis zum 8. August 2027 verfügbar.
Sat, 08 Aug 2026 - 26min - 2133 - Stachel, Schmerz und Faszinosum: Das Wesen der Wespe
Die Wespe, unsere Sommerplage und für schmerzhafte Erinnerungen zuständig, sie ist auch ein Insekt, dass es zu bewundern gilt. Das lässt sich lesend lernen in dem Buch der Naturkunden-Reihe im Verlag Matthes & Seitz, ein knallgelber Band, geschrieben von Prof. Michael Ohl. Er ist Leiter der Wespen-Bienen-Ameisen- und Netzflüglersammlung im Berliner Naturkundemuseum und war schon als Kind von Insekten äußerst fasziniert. Die Wespe, so weiß er, hat mehr zu bieten als den schmerzhaften Stich. Sie baut Kunstwerke an Waben, leistet unverzichtbare Dienste im Ökosystem und ist ein hochsoziales Wesen. In seinem Buch nimmt er mit in den peruanischen Regenwald, in die Wissenschaftsgeschichte und in die Geschlechterstruktur des Wespenverbunds. Er erzählt von der zahmen Wespe Jester, von der Verkennung der Biene Maja als Wespe Maja und erklärt ganz praktisch, wie er Menschen in seiner Umgebung die Angst vor Wespen nimmt. Wiederholung aus dem Jahr 2023. Das Gespräch, geführt von Katrin Schumacher, ist verfügbar bis 1. August 2027.
Sat, 01 Aug 2026 - 19min - 2132 - Formgestaltung und Lebensgefühl – Zur Renaissance des DDR-Designs
Nach dem Mauerfall bespöttelt oder entsorgt, wird DDR-Design in den letzten Jahren immer populärer bei alt und jung. In deutschen Museen wird mittlerweile eine große Vielfalt gesammelt und erforscht. Was sind die Gründe für diese Retrowelle? Wie hat sich DDR-Design im Zeichen von Mangelwirtschaft und politischer Lenkung von der Staatsgründung bis zum Mauerfall entwickelt? Welche Impulse können davon womöglich für die Formgestaltung der Gegenwart ausgehen? Thomas Geisler, Direktor des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, hat sich 2021 mit seinem Team und dem Vitra Design Museum als Partner in der maßstabsetzenden Ausstellung "Deutsches Design 1949-1989. Zwei Länder, eine Geschichte" mit diesen Fragen beschäftigt. MDR KULTUR Kunstredakteur Andreas Höll hat Thomas Geisler getroffen. Das Gespräch ist bis 25. Juli 2027 verfügbar.
Sat, 25 Jul 2026 - 22min - 2131 - Was tun gegen die Hitze in unseren Städten
Der Anlass für diesen Diskurs könnte aktueller nicht sein, denn dieser Sommer hat sich bisher genauso gezeigt, wie wir es wohl auch in Zukunft zu erwarten haben: Hitzetage um die 40 Grad und dann wieder gewaltige Gewitter. Katja Richter ist Landschaftsarchitektin und Gartenplanerin. Welche Rolle die Landschaftsarchitektur für Klimaschutz und Klimaanpassung spielen, beschreibt sie in ihrem Buch "Klimaresiliente Städte planen". Anhand vieler Beispiele zeigt sie darin, wie man Wasser und Grün in die Städte bringen kann, um Hitze und Überschwemmungen aktiv zu begegnen. Sabine Frank hat für den DISKURS bei MDR KULTUR mit Katja Richter gesprochen. Das Gespräch ist bis 18. Juli 2027 verfügbar.
Sat, 18 Jul 2026 - 24min - 2130 - Ilko-Sascha Kowalczuk: Faschismus ist keine Meinung
Ilko-Sascha Kowalczuk ist zweifellos einer der erfolgreichsten und gefragtesten ostdeutschen Autoren, bekannt für seine deutlichen Worte. "Faschismus ist keine Meinung: Stabil bleiben in autoritären Zeiten", lautet der Titel seines neusten Buches, erschienen (bei C.H. Beck) im Vorfeld wichtiger Landtagswahlen. Weniger ein Sachbuch, als vielmehr eine Streitschrift. Seine Gegner dürften wieder mal schäumen, seine Fans werden sich freuen, denn Kowalczuk ist einfach sehr gut im Austeilen. Vor allem wenn es gegen AfD und BSW geht. Mit Ilko-Sacha Kowalzuk sprach MDR KULTUR-Redakteur Stefan Nölke. Das Gespräch ist bis zum 9. Juli 2027 verfügbar.
Sat, 11 Jul 2026 - 35min - 2129 - Erik Neutsch: Der letzte Jakobiner
Der in Schönebeck geborene Schriftsteller Erik Neutsch (1931 bis 2013) bewegte sich zwischen Bitterfelder Weg und Parteistrafe, zwischen linientreuer Propagandaliteratur und DDR-kritischer Alltagsschilderung. Als junger Mann aus eigentlich sozialdemokratisch orientiertem Arbeiterhaushalt, begeistert sich Neutsch für die Heldenbilder der Nationalsozialisten, erlebt dann nach Kriegsende Denunziation und Willkür auch der neuen Machthaber. Erik Neutsch wird mit "Spur der Steine", "Zwei leere Stühle", "Auf der Suche nach Gatt" und "Der Friede im Osten" zu einem der wichtigsten Schriftsteller der DDR und bewegt sich ein Leben lang zwischen Anpassung und Widerspruch. Die Stadt Halle wird zum Austragungsort vieler seiner biografischen Konflikte. Eben das, diese für DDR-Intellektuelle typische Zerrissenheit, untersucht der Publizist Gunnar Decker in seiner Neutsch-Biografie "Der letzte Jakobiner" und gibt dazu Auskunft im Gespräch mit Jörg Schieke. Das Gespräch ist bis zum 20. Juni 2027 verfügbar.
Sat, 20 Jun 2026 - 24min - 2128 - Eigentlich friedlich – Harald Meller über die Evolution der Gewalt
Kriege – so hat man den Eindruck – muss es schon immer gegeben haben. Die aktuellen Nachrichten oder der kurze Blick ins Geschichtsbuch scheinen das zu bestätigen. Doch stimmt das überhaupt? Tatsächlich haben Anthropologen und Archäologen in den letzten Jahrzehnten eine ganz andere Sicht ans Tageslicht gebracht. "Der Mensch ist von Natur aus freundlich", erklärt der Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt, Harald Meller. In den hunderttausenden von Jahren der Altsteinzeit, als die Menschen in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler durch die Graslandschaften streiften, lebten sie friedlich miteinander. Sie freuten sich, wenn sie auf andere Gruppen trafen und dabei Geschichten und Geschenke austauschen konnten. Doch seit wann und warum ist unsere Spezies dann derart gewalttätig geworden? Darum geht es in dem spannend zu lesenden Buch von Harald Meller, dass er zusammen mit dem niederländischen Evolutionsbiologen und Verhaltensforscher, Carel von Schaik und dem Wissenschaftsjournalisten Kai Michel geschrieben hat. "Die Evolution der Gewalt. Warum wir Frieden wollen, aber Kriege führen", so der Titel, erschienen bei DTV. Und anders als man vermuten könnte, hat das Buch eine durchaus positive Botschaft. Wenn nämlich Kriege nichts Naturgegebenes sind, sondern ein Ergebnis einer späteren, kulturellen Entwicklung, dann könnte es uns auch eines Tages gelingen, sie abzuschaffen, so Harald Meller im Gespräch mit MDR-Redakteur Stefan Nölke. Ein bisschen Balsam in diesen kriegerischen Zeiten! Verfügbar bis 13. Juni 2027
Sat, 13 Jun 2026 - 24min - 2127 - Exil in Hollywood – Deutsche Künstler gerettet, gefeiert und verjagt
Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten fanden hunderte deutschsprachige Schauspieler, Schriftsteller und Intellektuelle in den 30er- und 40er-Jahren in Kalifornien ein neues Zuhause. Marlene Dietrich, Billy Wilder, William Wyler, Franz Werfel, Thomas und Heinrich Mann und viele andere Berühmtheiten bildeten eine illustre Exil-Community, ein "Weimar am Pazifik" , wie Kulturhistoriker es genannt haben. Der in Berlin lebende Autor Jan Jekal hat deren Geschichte nun noch einmal neu aufgerollt. In seinem Buch "Paranoia in Hollywood", erschienen bei Matthes & Seitz, das für den Leipziger Buchpreis 2026 nominiert war, beschreibt er, wie deutschsprachige Künstler und Intellektuelle zunächst gerettet, vielfach gefeiert, nach 1945 dann aber im Zuge der Hysterie gegen eine vermeintlich kommunistische Unterwanderung von den US-Behörden bespitzelt, verprellt und gewissermaßen verjagt wurden. MDR KULTUR-Geschichtsredakteur Stefan Nölke hat mit Jan Jekal gesprochen. Das Gespräch ist bis 16. Mai 2027 verfügbar.
Sat, 16 May 2026 - 31min - 2126 - Immer noch freundlich, aber kaum noch vergnügt: Monika Maron
Hochgelobt im Westen und heimlich gelesen im Osten, machte sich Monika Maron mit ihrem Roman-Erstling "Flugasche" zu Beginn der 80er-Jahre einen Namen – als kritische, als unangepasste Autorin. Der Roman handelt von Umweltzerstörung und Staats-Zensur und durfte in der DDR nicht veröffentlicht werden. Mit Notizen aus jener Zeit beginnen jetzt auch ihre erstmals veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1980 bis 2021. Mit ihnen wirft Maron als Reisende zwischen den Systemen und Kontinenten immer wieder ihren ganz eigenen Blick auf die Welt. Über das Reisen, über die Erfahrungen, die man dabei machen kann und über einen sehr speziellen Blick auf New York. Unter anderem darüber konnte Sabine Frank für MDR KULTUR mit Monika Maron im Rahmen der diesjährigen Leipziger Buchmesse sprechen. Das Gespräch ist bis 9. Mai 2027 verfügbar.
Sat, 09 May 2026 - 22min - 2125 - Diskurs: Ausradiert? Carsten Gansel im Gespräch mit Bettina Baltschev
Am 3. Oktober 1990 wurden die Deutsche Demokratische Republik und die Bundesrepublik nach 40 Jahren Trennung zu einem Staat vereinigt. Von nun an gab es nur noch eine Bundesrepublik und die DDR war Geschichte, so schien es jedenfalls. Man hätte nüchtern davon ausgehen können, dass sich nur noch Historiker für das kleine Land interessieren und alle anderen froh sein würden, die Diktatur des Proletariats hinter sich zu lassen. Aber auch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung ist das deutsch-deutsche Thema noch nicht zu Ende erzählt. Und vermutlich ein gewisser zeitlicher Abstand hilfreich, um bestimmte Ereignisse einzuordnen und zu erklären. Der Literaturwissenschaftler Carsten Gansel hat seinen Anteil dazu bereits beigetragen, indem er uns zum Beispiel das Leben der Schriftstellerin Brigitte Reimann nähergebracht oder sich der literarischen Erinnerungskultur gewidmet hat. Nun hat Carsten Gansel ein Buch geschrieben, das in dieselbe Richtung weist und dessen Titel aus einer Frage besteht: "Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand“. Bettina Baltschev ist im Gespräch mit dem Autor.
Sat, 25 Apr 2026 - 25min - 2124 - Digitale Souveränität – Wie unabhängig können wir sein?
An jedem ersten Sonntag im Monat ist "Digital Independence Day". Der Chaos Computer Club hat ihn zu Jahresbeginn ins Leben gerufen, unterstützt von weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen. Ihr gemeinsames Ziel: "Wir holen uns unser freies digitales Leben zurück, stoppen die digitale Erosion der Demokratie und wechseln zu demokratiefreundlichen Technologien. Schritt für Schritt sichern wir unsere digitale Unabhängigkeit." So wird Souveränität zur zentralen Herausforderung – nicht nur in Energiefragen oder der europäischen Verteidigungsfähigkeit. Doch was bedeutet digitale Souveränität konkret? Wie realistisch ist es, sich von vorherrschenden Plattformen, Diensten und Technologien zu emanzipieren in einer global vernetzten Welt? Darüber spricht Claudia Bleibaum mit Thorsten Thiel, Professor für Demokratieförderung und Digitalpolitik an der Universität Erfurt. Das Gespräch ist bis 18. April 2027 verfügbar.
Sat, 18 Apr 2026 - 25min - 2123 - Ines Geipel: Buchenwald und der Riss der Erinnerung
Auch 80 Jahre nach der Befreiung von Buchenwald ist die Erinnerung an den Holocaust nicht in der demokratischen Mitte angekommen. Die Angriffe auf das, was im Land Gedächtniskultur heißt, kommen nicht mehr nur von rechts. Warum? Was ist da los? Ines Geipel taucht in ihrem neuen Buch "Landschaft ohne Zeugen" noch einmal in die Vergangenheit ein, sucht nach den Quellen der Lagerwelt und befragt die Legenden nach 1945: von der vorbildlichen Aufarbeitung im Westen bis zum antifaschistischen Staatsmythos der DDR. Ein bestürzendes, hochaktuelles Buch über die alte und neue Unfähigkeit zu trauern und die Erinnerungskälte nach zwei Diktaturen. Für ihr Buch "Landschaft ohne Zeugen" wurde Ines Geipel für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 in der Kategorie Sachbuch/Essayistik nominiert. Bettina Baltschev hat mit Ines Geipel gesprochen. Das Gespräch ist bis zum 11. April 2027 verfügbar.
Sat, 11 Apr 2026 - 25min - 2122 - Was war die Romantik und wo wirkt sie bis heute fort?
Bei dem Wort "romantisch" denken wir an Begebenheiten und Orte, die für uns mit einem besonders innigen Gefühl verbunden sind. Wir alle möchten möglichst viele romantische Momente erleben und inszenieren wichtige Ereignisse, Hochzeiten oder runde Geburtstage entsprechend "stimmungsvoll". Was hat diese allgemeine Bedeutung von Romantik mit der Epoche der Romantik zu tun? "Es ist die Bedeutung der Einbildungskraft. Romantisch nennen wir Situationen, in denen uns die Einbildungskraft über die Wirklichkeit heraushebt". Und genau dies, sagt der Jenaer Literaturwissenschaftler Stefan Matuschek, sei die grundlegende Erkenntnis der Romantiker gewesen: "Menschen sind Wesen, die vermittels ihrer Einbildungskraft leben und sich die Welt erklären, aber auch ihr Leben vermittels ihrer Einbildungskraft führen." Damit sei auch der Weg frei gewesen für ganz neue Literatur-Formen, die in den Jahrzehnten nach der französischen Revolution ausprobiert wurden: Grusel- und Horrorgeschichten, Fantasie- und Science-Fiction-Romane. Hollywood hätte demnach allen Grund, sich bei den Romantikern zu bedanken. Über die Bedeutung der Romantik und ihr Fortleben hat MDR KULTUR-Redakteur Stefan Nölke mit Stefan Matuschek gesprochen. Produktion: MDR 2022 Das Gespräch ist bis zum 4. April 2027 verfügbar.
Sat, 04 Apr 2026 - 26min - 2121 - Der Tag, an dem Willi Bredel starb: Christoph Links über verschwundene Verlage in der DDR
Der Verleger Christoph Links hat ein besonderes Interesse für ostdeutsche Verlagsgeschichte. Bereits in seinem Buch "Das Schicksal der DDR-Verlage" ging er den Spuren von 78 Verlagen in den 1990er-Jahren nach, von denen viele die Nachwendezeit nicht überlebten. Doch bereits in den Jahrzehnten zuvor, vor allem in den 1940er- und 1950er-Jahren, hatte die reiche Verlagslandschaft im Osten Deutschland schwere Verluste zu verzeichnen. Das lag nicht nur, aber auch an der deutschen Teilung. Für sein neues Buch "Verschwundene Verlage. Ein unbekanntes Kapitel ostdeutscher Kulturgeschichte" hat sich Christoph Links tief in die Archive gegraben und die Geschichte von 150 verschwundenen Verlagen aufgeschrieben, von "Abel & Müller" bis "Zentralhaus Publikation". Eine besondere unrühmliche Rolle hierbei kam der Hauptverwaltung Verlagswesen zu, die über Lizenzen für Verlage in der DDR verfügte. Doch es sind vor allem die menschlichen Schicksale, die mit der erzwungenen Schließung ostdeutscher Verlage verbunden waren, die berühren. So starb der angesehene Schriftsteller Willi Bredel an dem Tag, an dem der 1947 von ihm mitgegründete Petermänken-Verlag 1964 in Volkseigentum zwangsübertagen wurde. Christoph Links im Gespräch mit Bettina Baltschev Verfügbar bis 21. März 2027
Sat, 21 Mar 2026 - 27min - 2120 - Bertram Weisshaar: Nach der Kohle-Ära – Neue Landschaften?
Wie sollen sie aussehen, die Bergbaufolgelandschaften der Zukunft? Diese Frage beschäftigt den Leipziger Landschaftsplaner Bertram Weisshaar, der sich auf Spaziergangsforschung verlegt hat, schon lange. In den 1990er-Jahren veranstaltete er geführte Erkundungen in Tagebau-Restlöchern und hat diese über die Jahrzehnte hinweg im Blick behalten. Ihre Transformation in neue Seenlandschaften, teils flankiert von Bemühungen, die Umgebung künstlerisch zu gestalten ebenso wie damit einhergehende Probleme, auch Unglücke. Er sagt: Seen haben wir genug und schlägt für die verbleibenden Tagebaue neue Landschaften vor: Solche, denen man ihre Geschichte ansehen darf. Das Gespräch führt Annette Militz. Verfügbar bis 14. März 2027
Sat, 14 Mar 2026 - 24min - 2119 - Von der Puppenstube bis zur Entpuppung: die Schriftstellerin Tanja Raich im Gespräch
Puppen sind eines der ältesten Spielzeuge der Menschheit. Sie sind nicht so kuschelig wie die Plüschbären oder Hasen, ihre Plastikglieder sind nicht anschmiegsam – aber das ist vielleicht nur der erste Hinweis darauf, dass Puppen etwas von uns wollen, vorzugsweise und traditionellerweise von Mädchen. Gerade die Spielzeugpuppe ist ein ambivalentes Objekt, doch die Geschichte und Dimension der Puppen in unseren Gesellschaften ist weitreichender, als auf den ersten Blick zu erkennen. Über Spielzeugpuppen und Voodoo, Sexpuppen und Dummys hat die in Wien lebende Schriftstellerin und Verlegerin Tanja Raich geschrieben. Sie ist in die unendlich lange Geschichte der Puppe als Ritualgegenstand getaucht, erinnert sich an ihre eigenen Puppen und forscht der Konstruktion und Rekonstruktion der Puppe in der Kunst hinterher. Im Gespräch mit Katrin Schumacher erzählt sie von der komplexen Verbindung von Puppe und Frau und wie sich diese mit den Jahrtausenden verändert hat. Das Gespräch ist online verfügbar bis zum 7. März 2027.
Sat, 07 Mar 2026 - 21min - 2118 - Raoul Schrott: Dem Zeitgeist entgeg(n)en
Er ist ein Wandler zwischen den literarischen Genres: Der Philosoph, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Raoul Schrott. Sein neues Buch ist ein hybrides Kunstwerk zwischen Essay und Gedichten – von der einen Seite ist es als Sachbuch lesbar, von der anderen als Lyriksammlung. In ihm beschäftigt er sich mit der so nebulösen wie flüchtigen aber immens einflussreichen Figur des "Zeitgeistes". Wie wurde er definiert durch die Jahrhunderte, wie bestimmt er uns heute, und was macht ihn zu einer Art "modernem Politiker"? Im Gespräch mit Katrin Schumacher erzählt der österreichische Schriftsteller und poeta doctus vom populistischen Gift des Zeitgeistes, von der Kraft der Poesie, und wie beides im Buch zueinandersteht. Verfügbar bis 28. Februar 2027
Sat, 28 Feb 2026 - 26min - 2117 - Die Ukraine – Eine übersehene Nation?
Über Jahrzehnte hinweg haben die Deutschen die Ukraine weitestgehend "durch die Brille Moskaus gesehen", so der Vorwurf des Historikers Martin Schulze Wessel von der Universität München. "Die übersehene Nation. Deutschland und die Ukraine seit dem 19. Jahrhundert", lautet der Titel seines jüngsten Buches, erschienen bei C.H. Beck. Darin kritisiert Martin Schulze Wessel, dass Deutschland einseitig auf das Verhältnis zu Russland und vor 1991 zur Sowjetunion fixiert gewesen sei und folglich die Ukraine als Nation mit eigener Sprache und Kultur kaum wahrgenommen habe. Und das, obwohl die Deutschen aus der historischen Verantwortung heraus allen Grund hätten, der Ukraine mit Empathie zu begegnen. Stattdessen habe sich die deutsche Politik in den vergangenen Jahrzehnten dem Land gegenüber schwere Versäumnisse und Fehler geleistet. Kein schmeichelhaftes Urteil. Darüber hat Geschichtsredakteur Stefan Nölke mit Martin Schulze Wessel gesprochen. Das Gespräch ist bis zum 21. Februar 2027 verfügbar.
Sat, 21 Feb 2026 - 25min - 2116 - Erzählte Welt: Literaturgeschichte der Gegenwart
Literatur reagiert auf gesellschaftliche Entwicklungen, auf Stimmungen und Trends, erzählt mal realistisch, mal phantastisch von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Andererseits reagieren wiederum Leserinnen und Leser, aber auch Kritikerinnen und Kritiker mit Begeisterung oder auch mit Ablehnung auf literarische Texte und machen sie zum Teil eines gesellschaftlichen Diskurses. So entsteht eine interessante Wechselwirkung zwischen Realität und Fiktion, zwischen Erleben und Erzählen. Nun hat der Literaturwissenschaftler Steffen Martus ein Buch geschrieben, das genau diese Wechselwirkung untersucht. Es heißt "Erzählte Welt. Eine Literaturgeschichte der Gegenwart 1989 bis heute". Bettina Baltschev ist für MDR KULTUR im Gespräch mit dem Autor. Verfügbar bis 14. Februar 2027
Sat, 14 Feb 2026 - 24min - 2114 - Crazy Rich: Erkundungen in der Welt der Superreichen
Julia Friedrichs ist vielfach prämierte Reporterin, Buchautorin und Filmemacherin. In ihrem Buch "Crazy Rich – Die geheime Welt der Superreichen" beschäftigt sie sich nicht zum ersten Mal mit der Schicht in unserer Gesellschaft, die einerseits am wenigsten erforscht ist und andererseits auch selbst gern diskret auftritt: Hochvermögende. Dabei lässt sie Leserinnen und Leser teilhaben an ihren mal mehr mal weniger erfolgreichen Bemühungen, diese Menschen für Gespräche zu gewinnen, um zu erfahren wie sie leben und was sie denken – nicht zuletzt über die zuletzt wieder lauter werdende Forderung, große Vermögen und Erbschaften zu besteuern. Das Gespräch mit Julia Friedrichs führt Annette Militz. Verfügbar bis 14. Dezember 2026
Sat, 31 Jan 2026 - 20min - 2113 - Róža Domašcyna: "Ich bin neugierig"
Seit ihrer Kindheit bewegt sich Róža Domašcyna in zwei Sprachen: dem Sorbischen und dem Deutschen. Sie wurde 1951 in Zerna, zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda, in einer sorbischen Familie geboren. Aber man sollte sie deswegen nicht als 'sorbische Dichterin' bezeichnen. Denn seit Kindertagen übt sie das Miteinander der Kulturen – und dabei Dinge in den Blick zu nehmen, die nicht nur neben- sondern miteinander existieren. Auch in ihrer Widersprüchlichkeit. Reiche Erfahrungen also, die sich auch in Róža Domašcynas sehr besonderen, sehr eigenen lyrischen Sprache niederschlagen. Jetzt erscheint in der 'Sorbischen Bibliothek' des in Bautzen ansässigen Domowina Verlages ein Gedichtband von ihr, der 111 Gedichte präsentiert. Im Gespräch mit MDR KULTUR Redakteurin Katrin Wenzel erzählt Róža Domašcyna, welcher Name in ihrem Ausweis steht, wie in ihrer Kindheit gesprochen wurde. Und welche Inspiration ihr aus der Zusammenarbeit mit bildenden Künstlerinnen wie Gerda Lepke oder Angela Hampel zuwächst. Verfügbar bis 23. Januar 2027
Sat, 24 Jan 2026 - 25min - 2112 - Konrad Adenauer – "Ein glasklarer Anti-Nazi"
Wie hielt es Konrad Adenauer mit den Nazis? In der Hinsicht ist viel Kritisches über den ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland geschrieben worden. Grund dafür ist, dass unter seiner Kanzlerschaft (1949 bis 1963) unzählige Altnazis führende Positionen in Wirtschaft, Verwaltung und Politik innehatten. Auch Adenauers langjähriger, engster Mitarbeiter, Hans Globke, war schwer belastet. Er selbst aber war "ein glasklarer Anti-Nazi", sagt der Historiker Norbert Frei, der im Vorfeld des 150. Geburtstages von Konrad Adenauer eine sehr ausgewogene Biografie vorgelegt hat. In welchem Maße war der ehemalige Kölner Bürgermeister und Zentrumspolitiker von den Nazis verfolgt worden? Wie sehr misstraute Adenauer, nach allem was zwischen 1933 und 1945 passiert war, den Deutschen und ihrer politischen Urteilsfähigkeit? Und warum war die Aussöhnungspolitik gegenüber Israel auch ein sehr persönliches Anliegen des Kanzlers? Darum geht es im Gespräch zwischen Norbert Frei und MDR KULTUR-Geschichtsredakteur Stefan Nölke. Verfügbar bis 3. Januar 2027.
Sat, 03 Jan 2026 - 25min - 2111 - Alina Bronsky: "Essen" – Eine persönliche Erzählung
Die Schriftstellerin Alina Bronsky im Gespräch mit Annette Militz Jeder könne über Essen schreiben, meint Alina Bronsky, es sei schließlich so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Und tatsächlich, wer da meint, es sei schon alles zu Papier gebracht über die vermutlich Elementarste unserer Beschäftigungen, den belehrt Alina Bronsky eines Besseren: "Essen" ist die ganz und gar persönliche Erzählung einer Frau, die in der ehemaligen UdSSR aufgewachsen ist, bevor sie mit 13 Jahren nach Deutschland kam. Und so geht es immer wieder auch um die Gerichte ihrer Kindheit und das Heimisch-werden in fremder Ess-Welt, wenn sie über Porridge, Borschtsch, Frikadellen oder Früchtebrot schreibt. Aber auch um das, was Nahrung eben auch ist: Mittel von Fürsorge, Emanzipation von emotionaler Erpressung – und Ausdruck von Liebe. Alina Bronsky, 1978 geboren, in Berlin lebend, vierfache Mutter sowie Autorin prämierter Romane wie "Baba Dunjas letzte Liebe", "Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche" oder "Pi mal Daumen". Ihr Debüt "Scherbenpark" wurde 2013 fürs Kino verfilmt.
Sat, 27 Dec 2025 - 25min - 2110 - Spielen ist eine Lebenseinstellung – Ein "Machbuch" von Karen Köhler
Die Dramatikerin, Schauspielerin und Schriftstellerin Karen Köhler hat gerade den Deutschen Jugendliteraturpreis bekommen für ihr Buch "Himmelwärts", ihr Roman "Miroloi" war für den Deutschen Buchpreis nominiert. In Ihrem neuen Buch beschäftigt sie sich mit einer ganz besonderen Tätigkeit: dem Spielen. Spielen ist eine Superkraft, so sagt sie, und Kreativität ist ansteckend. Und so hat sie kein Sachbuch, sondern ein Machbuch geschrieben mit Aufgaben, Anregungen und viel Wissen über das, was in unserem Geist und Körper während des Spielens passiert. Das Leben als Spiel, das wir schlussendlich verlieren werden – wer das lernt zu akzeptieren, hat das höchste Level geschafft … Was für ein Gewinn es ist, das Leben als Spiel zu betrachten, erzählt Karen Köhler im Gespräch mit Katrin Schumacher. Verfügbar bis 20. Dezember 2026
Sat, 20 Dec 2025 - 29min - 2109 - Zeitkapsel Pompeji: Über den Alltag einer versunkenen Stadt
Er hat den Traumjob eines jeden Archäologen: Gabriel Zuchtriegel. Seit 2021 ist der gebürtige Baden-Württemberger Generaldirektor des Archäologischen Parks von Pompeji. Außerdem schreibt er recht erfolgreiche Bücher wie zuletzt den Titel "Pompejis letzter Sommer", erschienen bei Propyläen. Binnen Stunden wurde Pompeji – in der Nähe von Neapel gelegen – beim verheerenden Vulkanausbruch des Vesuvs im Jahre 79 völlig verschüttet. Und so ist diese römische Stadt wie in einer Zeitkapsel erhalten geblieben. Wie beschwerlich oder verschwenderisch lebten die Menschen? Arm und Reich, Herren und Sklaven, Handwerker, Prostituierte und hohe Magistrate wohnten ja dicht gedrängt beieinander. Wie freizügig war man sexuell und welche religiösen Vorstellungen kursierten im ersten Jahrhundert nach Christi? Darum geht es im Buch von Gabriel Zuchtriegel, und darüber erzählt er im Gespräch mit MDR KULTUR-Redakteur Stefan Nölke. Verfügbar bis 13. Dezember 2026
Sat, 13 Dec 2025 - 33min - 2108 - Neue Biografie: Rilke oder Das offene Leben
Fast 100 Jahre war eines der bedeutenden Autorenarchive des 20. Jahrhunderts in Privatbesitz: das Rainer-Maria Rilke-Archiv Gernsbach. 2022 konnte es für das Deutsche Literaturarchiv Marbach erworben werden. Mehr als 10.000 handschriftliche Seiten mit Werkentwürfen und Notizen, etwa 8.800 Briefe und über 470 Bücher und Zeitschriften aus Rilkes Bibliothek gehören ebenso zu diesem Bestand wie auch 131 bisher unbekannte Zeichnungen von Rilke, etwa 360 Fotografien aus allen Lebensphasen und weitere biografische Materialien. Die Dokumente stammen aus allen Epochen von Rilkes Lebens. Vor dem Hintergrund dieser Quellen hat die Literaturwissenschaftlerin und Direktorin des Marbacher Archivs, Sandra Richter, ihre Rilke-Biografie "Rainer Maria Rilke oder Das offene Leben" (Suhrkamp) geschrieben. 2025 stand das Buch auf der Liste der Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse. Richter präsentiert uns heutigen Lesern einen ganz und gar nicht weltfremd erscheinenden Dichter, der vor 150 Jahren, am 4. Dezember 1875, in Prag geboren wurde. Sondern einen, der beispielsweise bestens im Literaturbetrieb seiner Zeit vernetzt war. Und dessen "Cornet" 1912 die legendäre Insel-Bücherei des Leipziger Insel Verlages von Anton Kippenberg eröffnete. Die Literaturwissenschaftlerin Sandra Richter im Gespräch mit Katrin Wenzel Verfügbar bis 29. November 2026
Sat, 29 Nov 2025 - 24min - 2107 - Rafael Seligmann: Lasst uns streiten – Ein deutsch-jüdisches Plädoyer
Man muss ins Gespräch kommen, auch mit denen, die offenbar Unsinn über Israel verbreiten. Das erklärt der deutsch-jüdische Autor und Publizist Rafael Seligmann über den Versuch, das Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen mit den Verbrechen der Nazis an den Juden während des Zweiten Weltkrieges zu vergleichen. Über die Frage der Legitimität solcher Vergleiche und – damit verbunden – über den Stand der Meinungsfreiheit in Deutschland war es am 9. November 2025 zu einem Eklat gekommen, als der amerikanisch-jüdische Philosoph Jason Stanley eine Rede in einer Frankfurter Westend-Synagoge hielt und diese nach Protesten aus der Zuhörerschaft vorzeitig abbrach oder abbrechen musste. Auch wenn er unhistorische Vergleiche scharf verurteile, "die Leute sollen dennoch sagen, was sie denken und darüber kann man diskutieren", so das Plädoyer des deutsch-jüdischen Schriftstellers Rafael Seligmann. "Keine Schonzeit für Juden. Die Antwort eines Betroffenen", lautet der Titel seines jüngsten Buches, erschienen im Herder Verlag. Darin äußert er sich sehr besorgt über die Zunahme des Antisemitismus in Deutschland und anderswo in Europa. MDR KULTUR-Redakteur Stefan Nölke hat mit Rafael Seligmann gesprochen. Verfügbar bis 21. November 2026
Sat, 22 Nov 2025 - 26min - 2106 - Goethe in seiner Zeit
Am 7. November 1775, vor 250 Jahren, kam der 26-jährige Goethe in Weimar an. Da wusste er noch nicht, dass er in dem thüringischen Residenzstädtchen bis zu seinem Lebensende bleiben sollte. Herzog Carl August, mit dem er sich in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main angefreundet hatte – soweit es der Standesunterschied zuließ – hatte ihn eingeladen, um das kleine, aber nicht unbedeutende Territorium voranzubringen. Durch sein Prestige als Bestseller-Autor des "Werther", aber auch durch seine Tätigkeit in Politik und Verwaltung, der er zeitlebens, mal mehr oder weniger intensiv nachging. Wie stand Goethe zur den großen politischen Umwälzungen seiner Zeit, zu Revolution und Reformen? War Goethe eher progressiv oder konservativ? Und wie stand er zu Napoleon und den wild auftrumpfenden national-demokratischen Studenten, die sich vor seiner "Haustür" an der Universität Jena aufrührerische Reden schwangen. Darüber hat MDR KULTUR-Redakteur Stefan Nölke mit dem Literaturkritiker Thomas Steinfeld gesprochen, der im Rowohlt Verlag eine lesenswerte Biografie vorgelegt hat: "Goethe – Porträt eines Lebens, Bild einer Zeit". Verfügbar bis 22. August 2027
Sat, 22 Aug 2026 - 24min - 2105 - Der Geschmack und seine Geschichte
Jeder glaubt, einen guten Geschmack zu haben, doch was ihn ausmacht, ist schwer zu sagen. Handelt es sich beim Geschmack also um etwas Ideelles oder gehört er zur Welt der Dinge? Spielt die Masse, bei der Frage was "in" und "out" ist, eine eigene Rolle, oder folgt sie nur genialen Trendsettern? Darum geht es im Gespräch von MDR KULTUR-Redakteur Stefan Nölke mit dem Kulturhistoriker Ulrich Raulff, der darüber ein aufschlussreiches Buch geschrieben hat: "Wie es Euch gefällt. Eine Geschichte des Geschmacks“" lautet der Titel, erschienen bei C.H. Beck. Denn tatsächlich kommt man dem Geschmack nur auf die Spur, wenn man sich seinen Wandel im Laufe der Zeiten und Epochen vergegenwärtigt. Verfügbar bis 25. Oktober 2026
Sat, 25 Oct 2025 - 24min - 2089 - Das große Arten-Sterben und was wir dagegen tun können
Die Menschheit muss sich derzeit mit allerhand Krisen herumschlagen – Kriege, Inflation und eine wackelnde Wirtschaft bestimmen die Nachrichten. Eine Krise findet allerdings noch weniger Beachtung als der Klimawandel, obwohl sie unser gesamtes menschliches Dasein bedroht: Die Biodiversitätskrise, also das globale Artensterben. Warum und in welchem Maße hängt vom Überleben möglichst viele Arten das Schicksal der Menschheit ab? Das erläutert Biologin Katrin Böhning-Gaese von der Uni Leipzig im Gespräch mit MDR-Autor Florian Zinner. Eine Horrorszenario zu entwerfen, würde allerdings nicht weiterhelfen, so die Geschäftsführerin des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, die darauf Wert legt, immer auch Lösungswege aufzuzeigen. Das Gespräch ist bis 6. Juni 2027 verfügbar.
Sat, 06 Jun 2026 - 24min - 426 - Irina Pauls: Tanzend ins Neuseenland
Seit 1985 fuhr Irina Pauls als frisch gebackene Ballettdirektorin fast täglich mit ihrem Trabant von Leipzig ins Landestheater Altenburg: fuhr durch Tagebaulandschaften, die alles andere als blühend waren. Was sie sah, waren "einfach Löcher – alles weg." Seit 40 Jahren lassen Sie diese Bilder nicht mehr los. Bis heute choreographiert sie Tanzstücke, die den sogenannten Strukturwandel im Leipziger Südraum thematisieren. Ihre Stückentwicklungen fragen, wie die Menschen ihren Alltag dort bewältigen? Wie lebensgrundlegende Arbeit gleichzeitig Lebensraum zerstört. Was Heimat und Identität bedeuten, wenn ganze Dörfer, Wälder und Felder weggebaggert sind? Und wie eine Zukunft aussehen kann? Dabei stellt Irina Pauls fest: Tanz wirkt hier verbindend. Ihr neues Stück heißt "Sieben Brücken". MDR KULTUR-Theaterredakteur Stefan Petraschewsky hat mit Irina Pauls gesprochen. Das Gespräch ist bis 30. Mai 2027 verfügbar.
Sat, 30 May 2026 - 29min - 425 - Der Maler Tizian und Venedig
"Alle Städte sind gleich, nur Venedig ist anders." Vor etwa 50 Jahren hat Friedrich Torberg diese Sentenz seiner Tante Jolesch in den Mund gelegt. Und sie gilt seit Jahrhunderten bis heute. Zu dem, was es heute ist, wurde Venedig in der Renaissance: schillerndes Gesamtkunstwerk und kulturelle Metropole. Das hat die Händlerstadt auch dem Maler Tizian zu verdanken. Sein Todestag jährt sich in diesem Jahr zum 450. Mal – am 27. August 2026. Bis heute faszinieren seine Gemälde die Kunstenthusiasten in aller Welt, sie feiern die Farbe, das Leben, die Liebe und die Poesie. Weshalb das so ist, wie Tizian arbeitete, mit wem er befreundet war und vor allem: was seine Kunst bis heute so besonders macht, darüber spricht Kia Vahland im MDR KULTUR Diskurs. Und erzählt auch, was "Die schlummernde Venus" von Giorgione in Dresden mit Tizian zu tun hat. Das Gespräch mit Kia Vahland führt Katrin Wenzel, es ist verfügbar bis 23. Mai 2027.
Sat, 23 May 2026 - 21min
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