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- 650 - TRËİ: Frauen-Trio besingt existenzielle Themen des Menschseins
Es sind Klänge und Melodien, die unter die Haut gehen: Gizem Şimşek, Mara Miribung und Abélia Nordmann singen Lieder von Frauen, die am Bettrand von Lebenden und Sterbenden gewacht haben. Damit wollen sie auch einen Raum öffnen, in dem gemeinsam getrauert und Lebensfreude erlebt wird. Das aktuelle Programm des Basler-Frauentrios «One’s for sorrow, two’s for joy» ist eine Hommage an jene Frauen, die oft unsichtbar Lebensübergänge begleiten: Hebammen, Ärztinnen, Klagefrauen oder «Hexen» - Frauen, die Momente des Glücks ebenso wie des Schmerzes und Verlustes mitgestalten. Das machen auch die drei Musikerinnen von TRËİ mit ihren ganz unterschiedlichen Stimmen und kulturellen Hintergründen: Mit traditionellen Volksliedern aus Italien, Frankreich oder der Türkei und Eigenkompositionen schaffen sie einen Raum, in dem sich das Publikum berühren lässt von den existenziellen Themen des Menschseins. «Eigentlich ist es ein Ritual, wenn wir spielen und kein Konzert», hält Mara Miribung fest. In «Perspektiven» sprechen die drei Frauen über ihre musikalische Arbeit, warum diese auch politisch sei und was wir von Klagefrauen lernen können. Autorin: Léa Burger
Sat, 12 Sep 2026 - 649 - Peter G. Kirchschläger kämpft für Menschenrechte im KI-Zeitalter
Papst Leo XIV. hat Peter G. Kirchschläger zu seinem Berater in Sachen KI und Menschenrechten ernannt. Der Ethiker von der Universität Luzern berät bereits die UNO, Unternehmen und NGOs im In- und Ausland. - Was ist aktuell am dringendsten? Der Luzerner Ethiker, Philosoph und Theologe Peter G. Kirchschläger erforscht seit Jahrzehnten die gesellschaftlichen und ethischen Folgen von Digitalisierung und sogenannter Künstlicher Intelligenz. 2022 war Peter G. Kirchschläger bereits einmal in Perspektiven zu Gast. Schon damals sprachen wir über Chancen und Risiken von Digitalisierung. In den vergangenen vier Jahren aber hat die digitale Entwicklung extrem Tempo aufgenommen, - ist das noch zu stoppen oder zu lenken? Die sogenannt Künstliche Intelligenz (KI) hat innert kürzester Zeit Einzug gehalten in unser tägliches Leben. Reagieren demokratisch rechtsstaatliche Gesellschaften zu langsam oder falsch darauf? - Wie kann man die Macht von Tech-Giganten eindämmen? Welche Möglichkeiten hat da ein Papst? Und: Was können wir persönlich tun, um Freiheit und Menschlichkeit im KI-Zeitalter zu sichern? Zu Gast in der Sendung: Peter G. Kirchschläger · Seit 2017 Professor für Theologische Ethik und Leiter des Instituts für Sozialethik ISE an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern · Ethik-Experte für nationale und internationale Organisationen (UNO, UNESCO, EU, OSZE, etc.) sowie Unternehmen und NGOs; zudem Präsident der Eidgenössischen Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich EKAH · Seit 2023 Gastprofessor an der Professur für Neuronales Lernen und Intelligente Systeme der ETH Zürich sowie am ETH AI Center · 2024 ausgezeichnet mit einem UNO-Preis für sein forschungsbasiertes Projekt zur Errichtung einer «Internationalen Agentur für datenbasierte Systeme IDA» bei der UNO · Am 18. August 2026 ernannte ihn Papst Leo XIV. zum Konsultor des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen. · Der schweizerisch-österreichische Doppelbürger wurde 1977 in Wien geboren, ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Autorin: Judith Wipfler
Sat, 05 Sep 2026 - 648 - Ein Ort, der den Nazis trotzte: Das Wunder von Dieulefit
Lavendelhonig, Keramikhandwerk und sanfte Hügel prägen das französische Städtchen Dieulefit in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Berühmt ist es aber für die Zivilcourage seiner Bevölkerung im 2. Weltkrieg. Der Ort war geeint im Widerstand und rettete viele Menschenleben. Woher kam diese Zivilcourage? Während der deutschen Besatzung im Vichy-Frankreich schützten die rund 3000 Einwohnerinnen und Einwohner von Dieulefit etwa 1500 Jüdinnen und Juden sowie politisch Verfolgte. Sie nahmen die geflüchteten Familien, Künstlerinnen und Dissidenten auf und retteten sie so vor der Verfolgung und Ermordung durch NS-Deutschland. Bis heute ist Dieulefit stolz auf diese Geschichte – und versteht sich als Ort der Gastfreundschaft. SRF-Redaktorin Patricia Banzer verbringt seit zehn Jahren regelmässig Zeit in Dieulefit und möchte herausfinden, was dieses «Wunder von Dieulefit» möglich machte. Welche Rolle spielten protestantische Traditionen, eine progressive Schule, mutige Einzelpersonen und der Zusammenhalt der Gemeinschaft? Und: Kann eine solche Geschichte die Haltung eines Ortes über Generationen hinweg prägen? Zu hören: - Muriel Soubeyran, die Enkelin von Marguerite Soubeyran, einer Schlüsselfigur des zivilen Widerstands - Chloé Peytermann, die sich heute in Dieulefit für Geflüchtete engagiert - Anastas Odermatt, Religionssoziologe an der Universität Luzern Autorin: Patricia Banzer
Sat, 29 Aug 2026 - 647 - Dialog wagen – palästinensisch-israelisches Chorprojekt (7/7)
Geht das? Chorproben als Einüben interkultureller Koexistenz? Der Musiker Fortunat Frölich und das Schweizer Projekt «choR inteR kultuR» wollen es ermöglichen. Zwei Chöre aus Tel Aviv und Ost-Jerusalem verbringen gemeinsam Tage des Singens, Wanderns und Essens in der Bergwelt des Prättigaus. Auf Einladung des Schweizer interkulturellen Chorprojekts namens «choR inteR kultuR» reisen junge Sängerinnen und Sänger aus Tel Aviv und Ostjerusalem in die Schweiz. Es sind arabische, israelische, christliche, jüdische und säkulare Menschen, die den Chordialog für Frieden wagen wollen. Hier proben sie nun erstmals gemeinsam, um nachher Konzerte in fünf grossen Schweizer Städten zu geben. «Wind of Change» heisst ihr Programm: «Der Wind der Veränderung». Dafür erarbeiten sie auch Ur-Aufführungen interkultureller Chorkompositionen. Wird das gelingen? Werden die gemeinsam verlebten Tage in der «heilen» Schweizer Bergwelt allenfalls zum Probe-Labor für interkulturelle Koexistenz in Israel und Palästina? Der Wunsch der Schweizer Gastgeberinnen wäre es. «choR inteR kultuR» schreibt: «Kann man noch miteinander reden nach all dem Schrecklichen, das passiert ist und immer noch passiert? Kann man noch singen, wenn Schmerz und Verzweiflung, Gram und Wut die Kehle zuschnüren? Ja, das wollen wir zeigen.» Ihr Projekt wolle «den vielen friedlich gesinnten Menschen» aus dem Nahen Osten Gehör verschaffen. SRF-Religionsredaktorin Judith Wipfler hört der Gruppe bei den Proben im Prättigau GR zu. Zu hören sind: - Musiker Fortunat Frölich, Bündner Initiator des interkulturellen Chorprojekts «choR inteR kultuR» und dessen künstlerischer Leiter - Sängerinnen und Sänger aus Tel Aviv und Ost-Jerusalem - Ausschnitte aus der Chormusik des Programms «Wind of Change» Autorin: Judith Wipfler
Sat, 22 Aug 2026 - 646 - Dialog wagen – der Mann für schwierige Gespräche (6/7)
Mediator Thomas Lyssy lebt für den Konflikt, genauer gesagt: dafür, ihn beizulegen. Wie schafft er das? Einblicke in die Arbeit eines Mannes, der in seiner Jugend auch eher mal zuschlug, als lange zu diskutieren. Der Konflikt zwischen einer Lehrperson und Eltern droht zu eskalieren. In «Perspektiven» schildert Mediator Thomas Lyssy gemeinsam mit dem ehemaligen Medianden Herr W. einen Fall aus dem Schulzimmer. Thomas Lyssy hat jahrelange Erfahrung in der Mediation. Während 12 Jahren leitete er die Fachstelle für Vergleichsverhandlungen beim Baselbieter Straf- und Justizvollzug. Ein Pionierprojekt, das gewisse Delikte per Mediation statt im Strafprozess lösen will. Bagatelldelikte, die zur Anzeige gelangen: Streit in der Waschküche, eine Ohrfeige in einer Bar, Ärger wegen Lärm. Thomas Lyssy hat jede Art von Streit gesehen und konnte nicht wenige davon klären. Autorin: Anna Jungen
Sat, 15 Aug 2026 - 645 - Dialog wagen – KI als spirituelle Begleiterin (W) (5/7)
KI-Sprachmodelle können in vielen Themen helfen – warum also nicht auch bei spirituellen Fragen? Für immer mehr Menschen ist die Verschmelzung von digitaler und spiritueller Welt kein Widerspruch. Ein Nutzer spricht über seine Erfahrungen mit seinem spirituellen KI generierten Begleiter «Amariel». Sogenannt künstliche Intelligenz erstellt und übersetzt Texte, ist Suchmaschine, hilft bei Einkäufen oder der Ferienplanung und leistet sogar psychologische Beratung. In der Schweiz nutzen gemäss einer Studie Digimonitor der Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM) bereits über 60 Prozent der Bevölkerung KI-Tools. Das sind rund 3,8 Millionen Menschen. Für gewisse Menschen ist diese Art von Tool mehr als nur ein praktisches Werkzeug. Der Musiker Fabian Sigmund, alias Fai Baba, nutzt die KI auch für spirituelle Fragen: Sei es bei kleinen Unklarheiten in Begegnungen mit anderen Menschen oder auch für die grossen Fragen wie jener nach der eigenen Bestimmung auf der Welt. Was bedeutet es, wenn Menschen mithilfe von KI-Sprachmodellen ihr Bedürfnis nach Spiritualität befriedigen? Wie bringen sie die digitale und die spirituelle Welt – zwei intuitiv widersprüchliche Sphären – zusammen? Welche Chancen, aber auch Risiken und Nebenwirkungen gibt es bei einem Seelenstrip vor ChatGPT und anderen gewinnorientierten KI-Sprachmodellen? Diesen Fragen geht diese «Perspektiven»-Sendung nach. Autor: Igor Basic
Sat, 08 Aug 2026 - 644 - Dialog wagen - mit Hund, Katze und Co: Geht das? (4/7)
Hunde drücken mit Hilfe von Knöpfen ihre Gefühle aus. Katzen passen ihre Sprache ihren Besitzern an und lernen Wörter schneller als Kleinkinder. Unsere Haustiere sind Meister der Kommunikation. Nur: Verstehen wir sie auch? Und ist gar Dialog möglich? Vor 50 Jahren war klar: Einen Hund erzieht man mit Dominanz. Ein Pferd mit militärischer Disziplin. Eine Katze gar nicht. Auf die Bedürfnisse der Tiere wurde meist wenig Rücksicht genommen. Jüngere Forschung zeigt jedoch, wie intelligent und einfühlsam unsere Haustiere sind. Und wieviel sie uns täglich mitteilen. So synchronisieren sich Hirnwellen von Hunden und ihren Besitzerinnen, wenn sie sich miteinander beschäftigen. Und Katzen setzen gezielt Miau-Laute ein, um mit ihren Menschen zu kommunizieren. Unsere Haustiere können ihre Bedürfnisse also sehr gut ausdrücken – und ihre Menschen verstehen sie je länger je besser, sofern sie sich die Mühe machen, die Sprache zu lernen. Ist also nicht nur Kommunikation, sondern gar Dialog möglich? Was bedeutet dies für das Verhältnis von Mensch und Tier? Und ist es überhaupt noch ethisch, Haustiere zu halten? Diesen Fragen geht die Sendung «Perspektiven» nach – mit Katzenexperte und Doyen der Verhaltensforschung Dennis C. Turner, Hundetrainerin Maxi Lotz (Martin Rütter Hundeschule Zürich Oberland) und Tierethikerin Judith Benz-Schwarzburg (Messerli Forschungsinstitut für Mensch-Tier-Beziehung der Veterinärmedizinischen Universität Wien). Autorin: Nicole Freudiger
Sat, 01 Aug 2026 - 643 - Dialog wagen - Grossmütter gegen Depression? (W) (3/7)
In Simbabwe gibt es gerade einmal 19 Psychiater – aber mehr als 4000 Grossmütter, geschult in den Grundlagen der Gesprächstherapie. Auf einfachen Holzbänken bieten die «Gogos» niederschwellige Hilfe bei psychischen Problemen an. Kann Psychotherapie so funktionieren? Dixon Chibanda ist Psychiater in Harare, der Hauptstadt Simbabwes. 2005 erhält er einen Anruf. Es ist die Mutter von Erica, einer seiner Patientinnen. Erica habe sich das Leben genommen. «Jeder Suizid ist ein Albtraum», sagt Chibanda. Doch dieser traf ihn besonders tief. Ericas Zustand hatte sich seit längerem verschlechtert, und sie hatten vereinbart, dass sie so bald wie möglich zu ihm in die Klinik kommen sollte. In der Zwischenzeit lebte Erica jedoch 200 Kilometer von Harare entfernt. Reflexartig fragte er die Mutter: «Warum seid ihr nicht wie vereinbart zu mir gekommen?», erinnert sich Chibanda. Die Antwort der Mutter war knapp: «Wir hatten kein Geld für die Busfahrt.» Ein Satz, der bei Dixon Chibanda nachhallte. «Was ist meine Rolle als Psychiater in einem der ärmsten Länder der Welt?» Chibanda wusste: «Wir müssen Psychotherapie neu denken. Wir müssen die Therapie raus aus den Kliniken und zu den Leuten bringen.» So entstand die Idee mit den Grossmüttern, die auf einfachen Holzbänken, dem «Friendship-Bench», in ihren jeweiligen Communities Gesprächstherapie anbieten. Wie funktioniert das? Autorin: Anna Jungen
Sat, 25 Jul 2026 - 642 - Dialog wagen – interreligiöser Austausch im Klassenzimmer (2/7)
Das Format #Real Talk des interreligiösen Netzwerks Iras Cotis wagt den kritischen Religionsdialog im Klassenzimmer. Inwiefern können solche Begegnungen Vorurteile abbauen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken? Warum trägst du ein Kopftuch? Gibt es Dinge, die dich am Christentum stören? Wie würdest du dein Leben gestalten, wenn du nicht jüdisch wärst? Das sind Fragen, die eine Gymi-Klasse der Kantonsschule Rämibühl drei jungen Frauen – einer Muslima, einer Christin und einer Jüdin – im Unterricht gestellt hat. Dahinter steckt das Projekt «Dialogue en route» des Netzwerks Iras Cotis, das sich für den Dialog zwischen unterschiedlichen Religionen und Kulturen einsetzt. Beim Format #Real Talk besuchen jeweils drei junge «Guides» mit unterschiedlichem religiösem Hintergrund eine Schulklasse und erzählen aus ihrer religiösen Praxis. Dabei entsteht im Klassenzimmer ein lebendiger Austausch über Spiritualität, Rituale und Feiertage. Wichtig ist: Die Guides sind keine offiziellen Vertreter und Vertreterinnen ihrer jeweiligen Religion, vielmehr vermitteln sie ihre individuelle Auffassung religiöser Traditionen. Und: Auch ein kritischer und selbstkritischer Blick soll im Klassenzimmer möglich sein. Das Ziel von «Dialogue en route» ist es, Raum zu schaffen für Verständnis, Auseinandersetzung und differenzierte Perspektiven auf gelebte Religionen in der Schweiz. Wie gut gelingt das? Inwiefern kann interreligiöser Dialog Vorurteile abbauen? Und wie muss dieser stattfinden, um den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu fördern? Diesen Fragen geht diese Folge von «Perspektiven» nach. In der Sendung kommen zu Wort: · Gymi-Schülerinnen und Schüler der Klasse 2e des Literargymnasiums der Kantonsschule Rämibühl. · Ana, Guide bei «Dialogue en route», Studentin Religionspädagogik · Tehilla, Guide bei «Dialogue en route», Studentin Soziale Arbeit · Wafa, Guide bei «Dialogue en route», Studentin Wirtschaftswissenschaften · Rafaela Estermann, Stellvertretende Geschäftsführerin von IRAS COTIS Autor: Igor Basic
Sat, 18 Jul 2026 - 641 - Dialog wagen - Zutaten für einen gelungenen Dialog (1/7)
Abstimmungen fallen in der Schweiz oft knapp aus. Die Meinungen sind gemacht, Kommentare in den Social Media sind gehässig. Was braucht es, damit Menschen mit unterschiedlichen Ansichten wieder ins Gespräch kommen? Lea Suter arbeitet für den Think + Do Tank Pro Futuris, der sich für die demokratische Kultur einsetzt und zur Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) gehört. Pro Futuris organisiert Anlässe, bei denen Privatpersonen unterschiedlicher Ansichten einen Dialog führen; Lea Suter leitet Dialogprozesse in Gemeinden, die bei einem Thema nicht mehr weiterkommen, weil die unterschiedlichen Interessenvertreter nicht mehr miteinander sprechen. «Bei jedem Dialog ist eines zentral», sagt die Coleiterin für den Fachbereich Dialog bei Pro Futuris, Lea Suter. «Das Zuhören – und das Gehörtwerden.» In der ersten Folge der «Perspektiven»-Sommerserie «Dialog wagen – Wege aus der Polarisierung» fragen wir, wie guter Dialog funktioniert und was es braucht, damit wir trotz Meinungsunterschieden im Gespräch bleiben. Autorin: Yvonn Scherrer
Sat, 11 Jul 2026 - 640 - Männlichkeit im Islam: neue Rollenbilder in Zeiten der Manosphere
Der muslimische Mann als gewaltbereiter Macho – ein Klischee, das sich hartnäckig hält. Doch was sagt der Koran wirklich über Männlichkeit? Und was denken junge Muslime in der Schweiz? Eine Auseinandersetzung mit Stereotypen in Zeiten der «Manosphere». Geht es um das Geschlechterverhältnis im Islam, ist das Klischee schnell zur Hand: Der muslimische Mann unterdrückt seine Frau, verteidigt die Ehre der Familie wenn nötig mit Gewalt und hält wenig von Gleichberechtigung. Doch stimmen diese Klischees? Welche Vorstellungen von Männlichkeit bietet der Islam? Und welche Alternativen gäbe es? In «Perspektiven» sprechen wir mit Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide über sein neustes Buch «Jenseits der Härte – warum der Koran keine Machos kennt». Er zeigt auf, dass sich muslimische Vorstellungen von dominanter Männlichkeit durchaus auf die Religion beziehen. Etwa, wenn es darum geht, Frauen zu kontrollieren, weil sie sexuelle Versuchung verkörpern. Gleichzeitig, so Khorchide, bietet der Koran auch Alternativen: Männer, die sich verletzlich zeigen, die Verantwortung übernehmen und Demut und Barmherzigkeit in den Vordergrund stellen. Wie sich muslimische Männlichkeit in der Praxis zeigt, wissen Kambez Nuri und Ahmed Ajil. Kambez Nuri bietet als Sozialarbeiter Workshops an unter dem Titel «Männlichkeit, wer ist das?». Ahmed Ajil ist promovierter Kriminologe, forscht zu Radikalisierung und Einwanderung an der Universität Luzern. In ihrem Podcast «Keshmesh» sprechen sie über ihren Alltag als muslimische Männer in der Schweiz. In einer Zeit, in viel diskutiert wird über toxische Männlichkeit und die Faszination von traditionellen Rollenbilder der Mannosphere, schauen wir in «Perspektiven» hinter die Stereotype vom Macho im Islam und fragen, welche Vorbilder junge muslimische Männer haben. Zu Wort kommen: · Prof. Mouhanad Khorchide, Dekan der islamisch-theologischen Fakultät der Universität Münster. · Ahmed Ajil, Kriminologe, Forschungsmitarbeiter am religionswissenschaftlichen Seminar der Universität Luzern. · Kambez Nuri, Sozialarbeiter und Mitgründer der Fachstelle «Oh boy» Autorin: Nicole Freudiger Angaben zum Buch: Mouhanad Khorchide. Jenseits der Härte. Warum der Koran keine Machos kennt. Herder Verlag, 2026.
Sat, 04 Jul 2026 - 639 - Wie unsere Sinne Sinn stiften: Ein Selbstversuch im «Sensorium»
Verkümmert im digitalen Zeitalter unsere Fähigkeit zur Wahrnehmung der Sinne? Ein Selbstversuch im «Sensorium» bei Bern zeigt, wie die bewusste Aktivierung all unserer Sinne das Wohlbefinden steigert und dem Leben neue Sinnhaftigkeit schenken kann. «Sinne» und «Sinn» – die Ähnlichkeit dieser beiden Worte kann kein Zufall sein. Denn welchen Sinn würde das Leben ohne unsere Sinne machen, mit denen wir die Welt hören, schmecken, fühlen, riechen, sehen können? In Zeiten von Social Media und zusehends virtuellen Räumen macht sich jedoch die Befürchtung breit, unsere Sinne könnten verkümmern und somit auch die Sinnhaftigkeit aus unserem Leben verschwinden. Stimmt das tatsächlich? Ja, konstatiert der deutsche Philosoph Matthias Jung. Sein neues Buch «Sinn und Organismus» ist ein Plädoyer dafür, wegen der rasant zunehmenden Digitalisierung unserem Körper als analogem Sinnstifter wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. «Unsere Sinne stiften Sinn» – sagt auch die SRF-Radiojournalistin Yvonn Scherrer, die seit ihrem siebten Lebensmonat blind ist und mit der Fokussierung auf ihre anderen Sinne die Welt auf eine ganz besondere Art wahrnimmt. Wie verändert eine hohe Aufmerksamkeit gegenüber unseren Sinnen unser Wohlbefinden? Inwiefern können unsere Sinne tatsächlich Sinn stiften? Und wie fühlt sich dieser Sinn an? Diesen Fragen geht diese Folge von «Perspektiven» nach. In der Sendung kommen zu Wort: · Stefan Ledergerber, Leiter «Sensorium» in Rüttihubelbad · Cecilia Vigar, Kulturvermittlerin «Sensorium» in Rüttihubelbad · Matthias Jung, Philosoph und Autor des Buches «Sinn und Organismus» (Matthes & Seitz, 2026) · Yvonn Scherrer, SRF-Radiojournalistin Autor: Igor Basic
Sat, 27 Jun 2026 - 638 - Abtei St. Maurice – wie weiter nach dem Missbrauchsskandal
Lange war St. Maurice eine Abtei mit herausragendem Ruf. Ein Missbrauchsskandal, geprägt von Vertuschung und Täterschutz, führte zum Rücktritt des Abtes. Nun ist der neue Abt, Alexandre Ineichen, im Amt und äussert sich im Interview zur Aufarbeitung und den Perspektiven der Abtei. 68 Betroffene und 30 Täter aus dem Umfeld der Abtei. Eine Gemeinschaft, die vertuschte, bis in die 2000er Jahre: So lautet das erschütternde Ergebnis einer Studie, welche die sexualisierte Gewalt in der Abtei St. Maurice untersuchte. In Auftrag gegeben hatte sie das Kloster selbst – nach massivem öffentlichen Druck. Auch Abt Jean Scarcella, selbst mit Vorwürfen konfrontiert, trat nur widerwillig zurück. Seit März 2026 ist nun Alexandre Ineichen im Amt. An seiner Weihe gedachte er den Betroffenen. Zudem ist seit Herbst 2025 ein Aktionsplan in Kraft. Er sieht obligatorische Weiterbildungen zur Missbrauchsprävention vor, die Anerkennung des Leids der Betroffenen und eine Kommission, die die Umsetzung der Massnahmen überwacht. Wo also steht die Abtei bei der Bewältigung des Skandals? Welche Herausforderungen stehen noch an? Und welche Vision hat der neue Abt für die Zukunft der altehrwürdigen Abtei? Alexandre Ineichen stellt sich den Fragen in «Perspektiven». Autorin: Nicole Freudiger
Sat, 20 Jun 2026 - 637 - Revolutionärinnen der Fürsorge und Freiheit
Sie forderten eine staatliche Entschädigung für Mutterschaft und wollten das Erbrecht abschaffen. Schon vor 200 Jahren propagierten die Saint-Simonistinnen die Befreiung der Frauen. Die Radikalität ihres Denkens fasziniert bis heute. Und irritiert. 1832 gründeten Arbeiterinnen und Autodidaktinnen in Paris die Zeitschrift «La Femme libre». Sie schrieben gegen Ausbeutung und Tyrannei an und für die Befreiung der Frauen. «Diese Frauen ergriffen das Wort, das ihnen niemand erteilt hatte», sagt die Historikerin Caroline Arni. In ihrem Buch «Wir, nicht wir – Frühsozialistischer Feminismus» erzählt sie die Geschichte dieser revolutionären Frauen. Bei Perspektiven fragen wir: Was bleibt vom Erbe dieser «unwahrscheinlichen Autorinnen», die die Abstammung von der Mutter zum Ausgangspunkt einer Theorie der Gleichheit machten? Gast: Caroline Arni, Historikern Buchhinweis: Wir, nicht wir - Frühsozialistischer Feminismus. Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 2026 Autorin: Anna Jungen
Sat, 13 Jun 2026 - 636 - Warum «christlicher Nationalismus» ein Widerspruch in sich ist
Die meisten Kirchen halten «christlichen Nationalismus» für paradox. Er entstelle und gefährde das Christentum, warnt etwa Washingtons Bischöfin Mariann Budde. Anti-demokratische Bewegungen geben vor, «christliche Werte» zu schützen, auch in Europa. - EVP-Nationalrat Marc Jost ist alarmiert. Die USA feiern gerade ihr 250-jähriges Bestehen. Vielen dort gilt ihr Land als «God’s own country». Das war lange nicht nationalistisch, sondern patriotisch gemeint. Die USA stehen seit 250 Jahren für «Religionsfreiheit für alle». – Das scheint sich unter der Trump-Administration zu wandeln. Verteidigungsminister Pete Hegseth spricht von der Wiedergeburt einer rein «christian nation». Und Aussenminister Marco Rubio sagt, die Seele der US-Nation sei schon immer christlich gewesen. Diese Haltung ist zwar Minderheitenmeinung in der US-Bevölkerung. Aber sie macht Sorgen. Auch in Europa - in Russland, Polen oder Ungarn unter Viktor Orbán - zeigten sich die demokratiefeindlichen Tendenzen von sogenannt christlichem Nationalismus. Davor warnt der christliche Schweizer Politiker und EVP-Nationalrat Marc Jost. Im sogenannt «christlichen Nationalismus» würden christliche Werte missbraucht, um eine unmenschliche Machtpolitik zu legitimieren. Echte christliche Ethik etwa würde niemals die Ausgrenzung von Menschen oder Gewalt gegen Geflüchtete stützen. Die Regierenden in den USA oder Russland berufen sich in ihrer Kriegspolitik auf Gott und die Bibel. Wie kann das sein? Und wie gefährlich ist sogenannt «christlicher Nationalismus» für die Welt? Das fragen wir EVP-Nationalrat Marc Jost in dieser Ausgabe von Perspektiven. Autorin: Judith Wipfler
Sat, 06 Jun 2026 - 635 - Nur Glück und Gelassenheit? Buddhismus in der westlichen Kultur
Buddhistische Konzepte und Meditation sind längst in die westliche Alltagskultur eingeflossen. Wie werden sie interpretiert und praktiziert? Was hat Achtsamkeitsmeditation mit Buddha und dem vermeintlich ursprünglichen Buddhismus zu tun? Wie kam er überhaupt in den Westen? Buddhafiguren sind hierzulande das Symbol schlechthin für Buddhismus: Ob im Garten unter einem Busch sitzend und sanft lächelnd oder im Büchergestell strahlen Buddhas Ruhe und Gelassenheit aus. Doch um was ging es Buddha vor mehr als 2500 Jahren? Und was ist heute am Hype um Achtsamkeitsmeditation noch buddhistisch? Der Autor und Übersetzer Hans-Günter Wagner hat jahrelang in China gearbeitet, den Buddhismus studiert und bei Tempelbesuchen, im Austausch mit Menschen und in der eigenen Meditationspraxis vertieft kennengelernt. Er sieht sich als Vermittler zwischen Ost und West, zwischen praktizierenden Buddhistinnen und Buddhisten und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Buddhismus. In seinem neuen Buch «Buddhismus. Eine Spurensuche in der westlichen Kultur» führt er einerseits in die Entstehungsgeschichte des Buddhismus ein und vergleicht buddhistische Vorstellungen etwa in der Philosophie, Ökonomie oder Ökologie mit entsprechend westlichen Konzepten. Im Perspektiven-Gespräch sprechen wir über grundlegend buddhistische Vorstellungen und Konzepte, ob Buddhismus eine Religion oder Philosophie ist und wie er in den Westen gekommen ist. Autorin: Léa Burger Buchhinweis: Hans-Günter Wagner: «Buddhismus. Eine Spurensuche in der westlichen Kultur». Origo, 2026.
Sat, 30 May 2026 - 634 - Frauenpower im Kloster – das leise Ende einer Ära
Religiöse Frauengemeinschaften haben sich seit dem 19. Jahrhundert für die Bildung insbesondere von Frauen eingesetzt. Frauen haben im Kloster eine berufliche Perspektive und eine sinnstiftende Tätigkeit gefunden. Eine Ära geht zu Ende. Sieben leibliche Schwestern haben das Kloster Baldegg im Kanton Luzern 1830 gegründet. Entstanden sind Bildungseinrichtungen, darunter fünf Schulen in Baldegg, Hertenstein, Sursee, St. Gallen und Bourguillon im Kanton Freiburg. Die Blütezeit des Ordens war in den 1960er Jahren, damals lebten 1060 Ordensfrauen im Kloster. Heute sind es noch 140 Schwestern. Der Nachwuchs bleibt aus. Die Baldegger Schwestern und andere religiöse Frauengemeinschaften haben für die Bildung von Frauen Pionierarbeit geleistet. Generationen von Frauen haben ihre Schulen besucht. Im 19. Jahrhundert noch stand die Schulbildung von Knaben im Vordergrund, Mädchen durften in ländlichen Gebieten gar nicht zur Schule, Frauen waren von höherer Bildung weitgehend ausgeschlossen. In Klöstern hingegen erhielten sie eine Ausbildung und eine berufliche Perspektive. Der Eintritt ins Kloster war die Möglichkeit für einen gesellschaftlichen Aufstieg: Eine Schwester konnte Leiterin einer Schule oder einer Gemeinschaft mit mehreren Hundert Mitschwestern werden. Nadja Bühlmann ist seit drei Jahren Generaloberin der Baldegger Schwestern. Bereits davor gehörte sie zum Leitungsteam der Gemeinschaft. In «Perspektiven» schaut sie auf die Geschichte ihres Klosters und zeigt, wie die Schwestern das Erbe ihres Klosters in Zukunft weiterführen wollen. Der Kirchenhistoriker Markus Ries erläutert, welchen Beitrag Klöster für die schweizerische Gesellschaft und insbesondere für die Bildung von Frauen geleistet haben. Autor: Norbert Bischofberger
Sat, 23 May 2026 - 633 - Simone Weil – eine radikale Denkerin der Nächstenliebe
Sie gehört zu den grossen Vergessenen des 20. Jahrhunderts: die französische Philosophin, Sozialaktivistin und Mystikerin Simone Weil. Eine einzigartige Denkerin, die im Sinne einer bedingungslosen Menschlichkeit mit ihrer Kritik auch vor eigenen Reihen nicht Halt machte. Der französische Philosoph Albert Camus nannte sie den einzigen grossen Geist unserer Zeit – trotzdem blieb Simone Weil vom Philosophie-Kanon weitgehend unbeachtet. Vielleicht, weil sie eine Frau war. Vielleicht, weil sie schon mit 34 Jahren starb. Vielleicht aber auch, weil sie partout in keine Schublade passen wollte. 1909 in Paris in eine jüdisch-intellektuelle Familie geboren, wählte Simone Weil freiwillig ein Leben in Armut. Als überzeugte Linke engagierte sie sich vehement für die Arbeiterklasse, kritisierte jedoch gleichzeitig die Ideen von Marx und schon früh den stalinistischen Sozialismus. Sie war eine scharfsinnige Philosophin und hatte gleichzeitig einen zutiefst christlich-spirituellen Blick auf die Welt. Ihre Analysen über den Totalitarismus der 1930er Jahre, aber auch ihr radikaler Einsatz für Gerechtigkeit haben heute eine neue Dringlichkeit. Der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn etwa widmet Simone Weil in Genf aktuell einen ganzen Pavillon – eine «soziale Skulptur» – die ihren Geist über zwei Monate lang wieder aufleben lässt. Welche Kraft steckt bei Simone Weil in der Verbindung von Philosophie und Spiritualität? Und inwiefern kann ihr ethischer Kompass heute Orientierung für eine gerechtere Welt bieten? Diesen und weiteren Fragen geht diese «Perspektiven»-Sendung nach. In der Sendung kommen zu Wort: · Wolfram Eilenberger, Philosoph und Autor des Buches «Feuer der Freiheit» (Klett-Cotta 2022), in dem es u.a. um Simone Weils Biografie und Philosophie geht · Mae Bengert, Professorin an der HU Berlin für Literatur, Religion und Genderstudies und Mitglied des Simone-Weil-Denkkollektivs · Thomas Hirschhorn, Künstler Autor: Igor Basic
Sat, 16 May 2026 - 632 - Grönlands Kirche trotzt dem Eis und den Übernahmegelüsten der USA
Ihr Land sei nicht zu verkaufen, sagt Grönlands Bischöfin Paneeraq. Die lutherische Bischöfin ist selbst Inuit. SRF-Korrespondent Bruno Kaufmann erzählt von der Begegnung mit ihr und der grönländischen Kirche. Diese sei im noch so kleinsten Ort auf Grönland präsent und schaffe Zusammenhalt. Bischöfin Paneeraq Siegstad Munk verkörpert die Verbindung von indigener mit christlich-lutherischer Tradition. 90% der Menschen Grönlands sind hier Kirchenmitglieder. Wie wichtig die Kirche für Identität und Zusammenhalt sind, erzählt SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann. Er bereist Grönland schon seit Jahrzehnten. Das plötzliche geopolitische «Interesse» an dem riesigen Gebiet im Norden überrascht ihn nicht. In Perspektiven erhält er Gelegenheit, mehr über die kulturellen und kirchlichen Prägungen der Region zu erzählen. Grönland erhalte durch die Weltgemeinschaft der Kirchen, dem ÖRK, viel Solidarität. Die wirke. Aber: Welche Wunden hat die christliche Mission im 19. Jahrhundert hinterlassen, da den Menschen dort das Trommeln verboten wurde? Eine Expedition in den hohen Norden. Autorin: Judith Wipfler
Wed, 13 May 2026 - 631 - YouNews 2026: Im Zweifel für den Zweifel
Ob Social Media, Radio oder Fernsehen: Vom 4. bis 10. Mai 2026 arbeiten und gestalten Jugendliche bei SRF mit. Unser Gast Micha Brandstetter gestaltet eine «Perspektiven»-Sendung zum Thema «Dem Zweifel auf der Spur». Wie geht Glauben? Wie geht Zweifeln? Wo zweifelt die Gläubige und wo glaubt die Atheistin? Eine Sendung mit der Theologin Christina Aus der Au und Freidenkerin Sonja Stocker. Gastautor: Micha Brandstetter
Sat, 09 May 2026 - 630 - Ein Jahr Papst Leo XIV. – kommt da noch was?
«Frieden» war sein erstes Wort, zuerst kaum beachtet. Seit der harschen Reaktion von US-Präsident Trump wird die Kriegskritik von Papst Leo XIV. nun weltweit gehört. Helena Jeppesen-Spuhler lobt ihn als «Friedenspapst», fordert aber mehr Tempo bei Frauen und Laien in der Kirchenleitung. In seinem Einstehen für Frieden, gegen Gewalt und Ausbeutung bleibt der erste panamerikanische Papst Leo XIV. beharrlich und unbeirrt von Seitenrufen aus Washington. Leo XIV., alias Robert Francis Prevost, geboren in den USA, ist als Augustiner-Mönch und Missionar ein wahrhaft katholischer Weltbürger. Bringt er auch innerhalb der römisch-katholischen Kirche die erhoffte Befriedung? Wie schaut es hier mit Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch aus? Hält Papst Leo XIV. sein Versprechen, den synodalen Weg weiterzugehen und so für mehr Machtteilung und Partizipation von Frauen und nicht Geweihten zu sorgen? Kommt da noch was? In Perspektiven sprechen: · Prof. Dr. Gregor Maria Hoff, Universität Salzburg: Spezialist für ökumenische Theologie und interreligiösen Dialog, Berater der deutschen Bischofskonferenz. Der römisch-katholische Theologieprofessor ist für seinen klaren, kritischen Ton bekannt und Autor des Buchs: «In Auflösung. Über die Gegenwart des römischen Katholizismus». · Prof. Dr. Stefanos Athanasiou: Griechisch-orthodoxer Erzpriester in der Schweiz, Theologieprofessor an der Universität München, Mitglied im Rat der Religionen der Schweiz. Er ist ein begehrter Dialogpartner im ökumenischen und interreligiösen Gespräch. · Helena Jeppesen Spuhler: stimmberechtigte Delegierte an den Weltsynoden in Rom, Mitarbeiterin im Schweizer Hilfswerk Fastenaktion. Sie kennt Papst Leo XIV. seit 2023. Ihr direkter Draht nach Rom und ihre tiefe Verwurzelung in der kirchlichen Arbeit in der Schweiz machen sie zu einer Schlüsselperson im synodalen Prozess in der Schweiz und international. Autorin: Judith Wipfler
Sat, 02 May 2026 - 629 - Seelsorge im Gesundheitswesen: Wie sieht die Zukunft aus?
Eine Studie der Universität Zürich zeigt, dass es ein starkes Bedürfnis gibt nach seelischer Unterstützung im Spital oder der Klinik – auch bei Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben. Was braucht es also in Zukunft, um den Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten gerecht zu werden? Rund die Hälfte der Zürcher Bevölkerung wünscht sich eine spirituelle Unterstützung bei schwerer Erkrankung. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Studie der Universität Zürich. Dieses deutliche Ergebnis habe ihn überrascht, sagt Simon Peng-Keller, Theologieprofessor für Spiritual Care und Leiter der Studie: «Erstaunt hat mich, dass dieser Wunsch besonders bei jungen Menschen zwischen 16 und 29 ausgeprägt ist.» Viele der Befragten seien spirituell offen, wollten aber mit institutionalisierter Religion nichts zu tun haben. Was heisst das für die Seelsorge der Zukunft? Soll sie sich weiter öffnen, wie das in den letzten Jahren unter dem Stichwort «Spiritual Care» bereits geschehen ist? Oder bleibt eine konfessionell gebundene Seelsorge wichtig? Welche Konsequenzen hat die eine oder andere Haltung fürs Berufsverständnis und letztlich auch für die Finanzierung? Mit Simon Peng-Keller werden in «Perspektiven» die Studienergebnisse diskutiert ebenso wie die aktuellen Entwicklungen und Zukunftsszenarien im Bereich der Seelsorge im Gesundheitswesen. Autorin: Léa Burger
Sat, 25 Apr 2026 - 628 - Schürt KI religiösen Fundamentalismus?
Ein herziges Lämmchen in der Bibel-App, das Ratschläge gibt. KI gesteuert. Der spirituelle KI-Chatbot. Oder KI-Agenten, die gar eine eigene Religion gründen. Die KI geht auch an der Religion nicht vorbei. Wo lauern Gefahren, etwa der Radikalisierung? Und wo kann KI nützlich sein? Je extremer, desto besser. Nach diesem Prinzip funktionieren die Algorithmen von Instagram, Youtube, Tiktok und Co. Religiöser Fundamentalismus wird so eher verbreitet als moderate Positionen. Doch wie sieht’s aus bei der KI? Fragt man ChatGPT und Co etwas nach der Stellung der Frau im Koran, erhält man eine differenzierte Antwort. Doch eine neue Untersuchung der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (Prompting the Qur’an) zeigt auch, dass die KI wenig Raum lässt für verschiedene Interpretationen – und kaum Inhalte aus feministischer oder humanistischer Koran-Interpretation zitiert. Zudem sind im Netz traditionalistische und fundamentalistische Interpretationen von Islam und Christentum weit verbreitet – und daraus speist sich die KI. Christliche Apps wie Hallow werden zudem gefördert und finanziert von US Vizepräsident JD Vance und Tec-Gigant Peter Thiel, die konservative bis weltverschwörerische Positionen vertreten. Was also passiert, wenn Menschen ChatGPT und andere Large Language Models nach religiösen Inhalten befragen? Schürt die neue Technologie religiösen Fundamentalismus? Oder kann sie als Instrument für religiöse Bildung und spirituelle Horizonterweiterung dienen? In Perspektiven sprechen wir mit: • Professor Beth Singler, Religionsanthropologin an der Universität Zürich, Co-Direktorin der Forschungsschwerpunkts «Digital Religion(s)» • Dr. Ibrahim Aslandur, Koranwissenschaftler und Religionspädagoge, forscht an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe u. a. zu Hermeneutik und Bildung in digitalen Räumen. Buchhinweis: Beth Singler. Religion and Artificial Intelligence. An Introduction. Routledge, 2025. Autorin: Nicole Freudiger
Sat, 18 Apr 2026 - 627 - Heilige Wiborada: eingesperrt und gleichzeitig frei? (W)
Die heilige Wiborada liess sich im 10. Jh. in eine Klause einsperren. Sie wollte sich ganz Gott widmen. Gleichzeitig blieb sie mit der Welt verbunden. Bis heute inspiriert das: Menschen lassen sich für eine Woche einsperren und eine neue Erzählung spürt dem mittelalterlichen Frauenleben nach. Die heilige Wiborada verbrachte ihre letzten zehn Lebensjahre bei St. Gallen, auf eigenen Wunsch eingesperrt in einer kleinen Klause. Menschen suchten die Inklusin auf und baten um Rat. Den wichtigsten Rat gab sie Abt Anglibert, indem sie ihn frühzeitig vor dem sogenannten Ungareneinfall im Jahr 926 warnte. So konnten Menschen, die Klosterbibliothek und der Kirchenschatz gerettet werden. Sie selbst wurde von den einfallenden Ungaren allerdings in ihrer Zelle erschlagen. Als erste Frau wurde Wiborada heiliggesprochen, im Jahr 1047 durch Papst Clemens II. Heute zählt sie zu den Schutzheiligen St. Gallens und inspiriert mit ihrer Spiritualität zwischen Selbst- und Weltbezug. Denn: Wie können Menschen emotionale Sicherheit finden in einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint? In der Sendung kommen zu Wort: · Gabriel Imhof, Podcaster und Religionspädagoge i.A., liess sich 2024 in der nachgebauten Wiborada-Zelle einschliessen und erzählt von seinen Erfahrungen · Moni Egger, röm.-kath. Theologin und Märchenerzählerin, erzählt basierend auf den Heiligenlegenden von Wiborada das mittelalterliche Frauenleben neu · Hildegard Aepli, röm.-kath. Theologin, hat das Wiborada-Projekt in St. Gallen initiiert Autorin: Léa Burger Wir wiederholen diesen Beitrag von 2025 anlässlich des Wiborada-Jubiläumsjahres in St. Gallen.
Sat, 11 Apr 2026 - 626 - Ostern feiern: Gespräch zum Sinn des Osterfests heute
Heute bedeutet Ostern für viele: ein verlängertes Wochenende mit Familie oder Freundinnen, im Stau stehen Richtung Süden. Doch Ostern hat mehr zu bieten: Das christliche Fest feiert, dass Jesus vom Tod auferstanden ist. «Perspektiven» erkundet diesen Sinn für Menschen von heute. Die römisch-katholische Theologin Sandra Schmid Fries lebt auf dem «Sonnenhügel» im Entlebuch. Hier war bis vor wenigen Jahrzehnten ein Kapuzinerkloster. Heute ist es ein Ort, an dem Menschen in Krisensituationen neuen Lebensmut schöpfen können. Für die Theologin weist das Osterfest denn auch auf die Erfahrung von Menschen hin, dass es das Dunkle und die Verzweiflung gibt, dass aber auch neues Leben und neue Hoffnung wachsen können. Der reformierte Theologe Andreas Nufer leitet das Tagungs- und Seminarhaus Kloster Kappel im Kanton Zürich. Das Motto der Osterfeierlichkeiten ist heuer «Aufstehen»: Aufstehen zu neuen Taten, aufstehen und sich gegen Missstände wehren, aufstehen und die Mitmenschen würdigen. Im Klostergarten des Klosters Kappel treffen sich Sandra Schmid Fries und Andreas Nufer und sprechen darüber, wie sich Ostern heute feiern lässt. Autorin: Yvonn Scherrer
Sat, 04 Apr 2026 - 625 - Kann «Verzeihen» heilen? - Joachim Küchenhoff erklärt, wie.
Verzeihen sei eine «unverzichtbare psychosoziale Fähigkeit», sagt der Facharzt für Psychiatrie Joachim Küchenhoff. In seinen Büchern zeigt der führende Psychiater und Psychoanalytiker Küchenhoff, was Menschen stärkt und die Gesellschaft weiterbringt. Zum Beispiel: das Verzeihen. Verzeihen ist Arbeit, «Verzeihensarbeit», schreibt Joachim Küchenhoff in seinem neuen Buch. Denn Verzeihen ist nicht leicht. Erst recht, wenn es um schwere Kränkungen, grosse Fehler oder Gewalt geht. Darum kann es beim Verzeihen nie darum gehen, Druck auszuüben. Wenn es aber jemand schafft zu verzeihen, dann kann das eine unglaubliche Entlastung, ja Befreiung bedeuten. Und gesellschaftlich gesehen ist Verzeihen fast schon so etwas wie sozialer Schmierstoff für ein funktionierendes Zusammenleben. Joachim Küchenhoff (geb. 1953) war Chefarzt und Direktor der Erwachsenenpsychiatrie in Baselland, Professor an der Uni Basel und ist ein international führender Psychoanalytiker. Er weiss, wie Menschen ticken. In seiner Arbeit mit dem Individuum Mensch geht es Küchenhoff immer auch um das Sozialgefüge: das Zusammenleben von uns Menschen. Und dabei spiele Verzeihen eine vielleicht zentralere Rolle als gemeinhin gedacht. Das ist den Religionen noch bewusst. Verzeihen ist schon in der Bibel zentral.Darum interessiert sich der Psychoanalytiker und Arzt auch für biblische Ethik und religiöse Traditionen von Verzeihen und Versöhnen. Autorin: Judith Wipfler Buchhinweis: Joachim Küchenhoff, Verzeihen. Plädoyer für eine unverzichtbare psychosoziale Fähigkeit. Psychosozial-Verlag 2026.
Thu, 02 Apr 2026 - 624 - Und jeder Begegnung wohnt ein Zauber inne
Wie treten wir in echte Beziehung zueinander? Was bedeutet es, einem Menschen wahrhaftig zu begegnen? Und was hat eine solche Begegnung mit dem Zugang zum Göttlichen zu tun? Mit solchen Fragen setzte sich der österreichisch-jüdische Religionsphilosoph Martin Buber vor über 100 Jahren in seiner berühmten Schrift «Ich und Du» auseinander. Darin geht es um die Grundthese, dass der Mensch nur durch die Beziehung zu einem Gegenüber, also zu einem «Du», wirklich zu einem «Ich» werden kann. Martin Buber war dem Judentum sehr zugewandt, was ihn 1925 dazu veranlasste, zusammen mit dem deutsch-jüdischen Philosophen Franz Rosenzweig die Hebräische Bibel neu ins Deutsche zu übersetzen. Heute, rund 100 Jahre später, nimmt der österreichisch-katholische Theologe Thomas Sojer in seinem Buch «Lichtdurchlässig» Texte aus der Buber/Rosenzweig-Bibel als Grundlage, um im Zusammenspiel mit eigenen literarischen Texten und Martin Bubers Ideen neu über Begegnungen und das göttliche, «ewige Du» nachzudenken. Was kann uns Bubers Dialog-Philosophie des «Ich und Du» heute mit auf den Weg geben? Und wie kann uns dieser besondere Blick auf unser Gegenüber und auf die Welt um uns herum gelingen? Diesen und anderen Fragen geht diese Perspektiven Sendung nach. Autor: Igor Basic
Sat, 28 Mar 2026 - 623 - Sanctuary-Bewegung: Ziviler Ungehorsam und Glaube
Das brutale Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE hat weltweit Schlagzeilen gemacht. Der zivile Widerstand dagegen hat Tradition - im «Sanctuary Movement». 1979 begann der Bürgerkrieg in El Salvador. Gewalt und Bedrohung wurden mit der Zeit zum Alltag für Jose Artiga. Um den Todesschwadronen in seiner Heimat zu entkommen, floh er in die USA. Da war Artiga 23 Jahre alt. In San Francisco fand er Zuflucht in einer Kirche und trat 1982 in einen Hungerstreik. Damit schaffte er Aufmerksamkeit für Geflüchtete und erlebte den Anfang der Sanctuary-Bewegung mit. Bald schlossen sich Universitäten, Städte und ganze Bundesstaaten an und stellten «Sanctuaries», also Schutzräume, für Aslysuchende bereit: etwa in dem die lokalen Behörden nicht mit den US-Einwanderungsbehörden zusammenarbeiten, um Menschen auszuschaffen. Zeitgleich wie in den USA engagierten sich auch in der Schweiz religiöse Menschen für Geflüchtete: In den 1980ern gab es etwa das grosse und erfolgreiche Kirchenasyl in Bern-Betlehem, um tamilische Familien vor der Ausschaffung zu beschützen. Wie Gleichgesinnte in den USA sahen auch die hiesigen Engagierten ihr Widerstand nicht nur als zivilen Ungehorsam, sondern als Christenpflicht und Appell an den Staat, das existierende Recht tatsächlich umzusetzen. In der Sendung kommen zu Wort: · Jose Artiga, setzt sich für die Rechte von Migrantinnen und Migraten ein, seit 1995 auch als Direktor der Share Foundation. · Susan Bibler Coutin, Sozialanthropologin und Professorin für “Criminology, Law & Society” an der Universität von Kalifornien, Irvine. · Jacob Schädelin, pensionierter Pfarrer und damals aktiv beim Berner Kirchenasyl für tamilische Geflüchtete. Autorin: Léa Burger
Sat, 21 Mar 2026 - 622 - Umgang mit Traumatisierten: Sensibel sein für Trauma
70% aller Menschen erleiden im Leben ein Trauma. Heilt das Trauma nicht, quält es weiter. Das stresst die Traumatisierten selbst am meisten, aber auch ihre Mitmenschen. Angehörige und Laien wollen Traumatisierten helfen. Wie geht das? Wie überfordern sie sich nicht? Zwei Fachfrauen geben Tipps. Traumatisierte reagieren für ihre Mitwelt oft seltsam bis unverständlich: Wie aus dem Nichts reagieren sie über oder ziehen sich zurück, manchmal auch in eine Sucht. – Dafür sensibel zu werden, sei der Schlüssel für einen guten Umgang mit traumatisierten Menschen. Dafür braucht es Wissen. Gabriela Zindel vom christlichen Hilfswerk Agape bildet Laien weiter, die sich um traumatisierte geflüchtete Menschen aus Kriegsgebieten kümmern. Laien könnten das Trauma zwar nicht «heilen», aber sie können Traumatisierte begleiten und für sie «da sein». Die Botschaft zu spüren: «Ich bleibe bei Dir. Ich lasse Dich nicht allein» sei für traumatisierte Menschen zentral hilfreich. Aber auch vor Selbstüberforderung warnt Gabriela Zindel engagierte Angehörige und Laien. Beim Umgang mit hochgestressten traumatisierten Menschen gelte es, auch sich selbst gegenüber sensibel zu bleiben. Die eigenen Motive zu hinterfragen, das eigene Stress-Management im Griff zu haben. Solche Arbeit hat eine gesellschaftspolitische Dimension, betont Dagmar Nolden. Sie arbeitet freiberuflich als Traumapädagogin, Systemische Beraterin und Prozessbegleiterin, studierte Internationale Beziehungen und Friedensforschung. Warum Menschen «austicken», könne immer auch etwas mit einer Traumatisierung zu tun haben. Dafür müsste die Umwelt, also etwa Lehrpersonen, Arbeitsteam oder auch Angehörige, Sensibilität entwickeln, damit das Zusammenleben besser klappe, - in der Familie ebenso wie in der Gesellschaft, meint Dagmar Nolden. Autorin: Judith Wipfler
Sat, 14 Mar 2026 - 621 - Doula: Geburtsbegleiterin, Unternehmerin, kulturelle Vermittlerin
Die Geburt ist ein gewaltiges Erlebnis – bei dem sich Frauen immer öfter nicht nur medizinische Betreuung, sondern auch emotionale Begleitung wünschen. Doulas bieten genau dies an. Sie wollen einen sicheren Raum schaffen, manche gar einen «heiligen Raum» - und so auch Geburtstraumata verhindern. Doulas gibt es wohl, seit Frauen gebären. Früher waren es die Frauen aus der Grossfamilie, die den Gebärenden beistanden. Mit der Individualisierung der Gesellschaft – und der Verlagerung der Geburt in den Spital ging die Unterstützung der Frauengemeinschaft verloren. Als Dienstleistung kehrt sie nun in den Gebärsaal zurück. Doulas wollen Eltern beistehen, um ihnen eine gute Geburtserfahrung zu ermöglichen. «Ekstatisch» könne diese sein, sagt Doula Nadja Brenneisen. Und ermächtigend. Mit Unterstützung der Doula könne die Handlungsmacht der Frauen gestärkt, Gewalt bei der Geburt verringert und Geburtstraumata verhindert werden. Die Unterstützung der Eltern soll auch das «Wunder» der Geburt erlebbar machen. Viele Doulas verstehen ihre Arbeit als spirituell. Sehen sie als Berufung, wie im Falle von Rebecca Spielman. Die jüdisch-orthodoxe Doula sorgt dafür, dass bei der Geburt die religiösen Vorgaben eingehalten werden, vermittelt dem Gesundheitspersonal die jüdischen Bräuche und will den Frauen mit ihrer Unterstützung gute Geburtserlebnisse ermöglichen. Doch an der Doula-Arbeit gibt es auch Kritik. Sie sei zu wenig reglementiert, bekämpfe die Probleme im Gebärsaal mit den falschen Mitteln, heisst es etwa von Hebammen. In «Perspektiven» ordnen wir ein. Zu Wort kommen: • Jill Marxer, Religionswissenschaftlerin an der Universität Zürich, die vor Kurzem ihre Doktorarbeit über Doulas abgeschlossen hat. • Doula Nadja Brenneisen, die mit ihrer Firma «womb&heart» Begleitung vom Kinderwunsch bis zur Geburt anbietet. • Doula Rebecca Spielman, die bereits 300 Geburten begleitet und das Doula-Wesen in der chassidischen Gemeinschaft in Zürich geprägt hat. • Nathalie Colling, Stationsleitung Gebärabteilung bei Stadtspital Waid und Triemli. • Andrea Weber, Geschäftsführerin des Schweizerischen Hebammenverbandes Autorin: Nicole Freudiger Buchhinweis: Marxer, Jill. Doulas in der Deutschschweiz – zwischen Beruf und Berufung. Eine Religionswissenschaftliche Ethnographie über Geburtsbegleiterinnen. Springer VS, 2025.
Sun, 08 Mar 2026 - 620 - Eine Mutter, eine Tochter, eine Diagnose: Brustkrebs
«Wenn mich früher jemand nach meiner grössten Angst gefragt hat, habe ich immer gesagt: Dass ich oder jemand, den ich liebe, Krebs bekommt», erzählt Laura. Dann ist innerhalb von vier Monaten genau das passiert. Was geschieht mit der Angst und dem Leben, wenn eine Krankheit hereinbricht? Das ist die Geschichte von Priska (66) und Laura (37). Mutter und Tochter bekommen innerhalb weniger Monate die gleiche Diagnose: Brustkrebs. Bei «Perspektiven» erzählen die beiden von der Diagnose, unterschiedlichen Lebensphasen und einer geteilten Realität. Ebenfalls zu hören in der Sendung: Philosophin Caroline Krüger Autorin: Anna Jungen
Sat, 28 Feb 2026 - 619 - Neu im Petersdom: Künstler Manuel Dürr gestaltet Kreuzweg
Für den Petersdom in Rom malte der Bieler Reformierte Manuel Dürr 14 Kreuzweg-Bilder. Von jetzt an hängen sie neben Michelangelo, Raffael und Bernini, immer zur Fastenzeit: Denn sie erzählen vom Leiden und Sterben Jesu Christi. Darauf fällt bei Dürr immer etwas Licht: das Licht von Ostern. Manuel Dürr ist Jahrgang 1989, Künstler aus Biel und gläubiger evangelischer Christ. Für seine Arbeit fühlte er sich nun tief ein in die «typisch katholische» Kreuzweg-Frömmigkeit. Auch stilistisch passte sich der Künstler ins Umfeld des Petersdoms ein. Dürr hat in Italien Malerei studiert und liebt die alten Meister. Im klassisch katholischen Kreuzweg kommen Szenen vor, die in der evangelischen Frömmigkeit und Kunst keine Rolle spielen, etwa weil sie nicht in der Bibel stehen. Gerade die fand Manuel Dürr besonders spannend. Beispielsweise das Motiv der Heiligen Veronika: Auf dem Schweisstuch, das sie dem leidenden Jesus reicht, bildet sich dessen Gesicht ab. Die tiefe Bild-Mystik dieses Motivs könne er erst jetzt durch seine Arbeit für den Petersdom richtig nachvollziehen, erzählt Dürr in seinem Atelier in Biel. In «Perspektiven» spricht der junge Künstler Manuel Dürr über seine Idee von christlicher Kunst im 21. Jahrhundert. Dabei scheinen ihm Niederschwelligkeit für die Gläubigen und «die gute Botschaft» wichtiger zu sein als Anerkennung durch die Kunst-Avantgarde. Das Kreuz an sich sei schon «Intervention» genug. Autorin: Judith Wipfler
Sat, 21 Feb 2026 - 618 - Daoismus heute: Was wir von Zhuangzi über Gelassenheit lernen
«Der Weg entsteht, indem er gegangen wird» – das ist einer der vielen Sinnsprüche des chinesischen Gelehrten Zhuangzi, der vor rund 2400 Jahren daoistische Texte weiterentwickelt hat. Das Buch «Zhuangzi besser verstehen» zeigt, wie hilfreich die Lehren des Dao heute sein können. Der Daoismus ist neben dem Konfuzianismus und dem Buddhismus eine der drei grossen Lehren, die China massgeblich geprägt haben. Im Zentrum des Daoismus steht die Idee eines allumfassenden Wirkprinzips, das die Geschicke des Universums lenkt. Gleichzeitig dient das «Dao» – zu Deutsch «der grosse Weg» – auch als Anleitung für ein gelingendes und langes Leben. Der Ursprung des Dao liegt über 2500 Jahre zurück und wird dem chinesischen Gelehrten Laotse zugeschrieben, der der Legende nach Weisheiten im sogenannten «Daodejing», der Gründungsschrift des Daoismus, gesammelt haben soll. Rund hundert Jahre nach Laotse taucht der chinesische Dichter und Philosoph Zhuangzi auf, der die teilweise schwer verständlichen Texte aus dem Daodejing in kurzen, lebhaften Geschichten greifbarer macht. Der Deutsche Didaktiker und Autor Michael Wittschier wagt nun in seinem neuen Buch «Zhuangzi besser verstehen» eine weitere Verständnisstütze, mit der das Prinzip des Dao noch besser ins heute transportiert werden kann. Was können uns die klugen und teilweise auch humorvollen Gleichnisse von Zhuangzi heute vermitteln? Und wie kann uns in Zeiten von Leistungsdruck und Selbstoptimierung die daoistische Kunst des «Nicht-Tuns» Inspiration für mehr Gelassenheit geben? Diesen und anderen Fragen geht diese «Perspektiven»-Sendung nach. Autor: Igor Basic
Sat, 14 Feb 2026 - 617 - Geflüchtete mit Behinderung: Barrieren statt Hilfe
Über tausend Menschen mit Behinderungen flüchten jedes Jahr in die Schweiz. Ohne fremde Hilfe können sie ihr Leben nicht meistern. In der Schweiz stossen sie auf viele Hürden, oft bekommen sie die nötige Versorgung nicht. Die christliche Stiftung David Dienst Schweiz will unterstützen. Dmytro Zharyi floh, kurz nachdem Russland die Ukraine angegriffen hatte, mit seinen alten Eltern in die Schweiz. Der 41-jährige Menschenrechtsanwalt sitzt im Elektrorollstuhl, ist auf viel Unterstützung angewiesen. Weil er behindert in die Schweiz geflüchtet ist, hat er keinen Anspruch auf Hilfe der Invalidenversicherung: Er bekommt den minimalen Support von der Spitex und kann nur hier leben, weil ihn seine alten Eltern tagsüber unterstützen. Marco Jörg von der Stiftung David Dienst Schweiz gründete kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine die nationale Koordinationsstelle für Flüchtlinge mit Handicap. Er macht die Erfahrung, dass geflüchtete Menschen mit Behinderung in der Schweiz auf vielerlei Barrieren stossen und grosse Mühe haben, ihren Platz zu finden. Die Schweiz hat zwar die UNO-Behindertenrechtskonvention unterschrieben. Doch mit der Umsetzung hapert es, gerade auch bei geflüchteten Personen mit Behinderung. Für «Perspektiven» haben wir beim Staatssekretariat für Migration nachgefragt. Autorin: Yvonn Scherrer
Sat, 07 Feb 2026 - 616 - Sexualisierte Gewalt: Was tun Schweizer Männerorden dagegen?
Im «Perspektiven»-Schwerpunkt beleuchten wir die besonderen Umstände von Ordensgemeinschaften, wenn es um Missbrauch geht und fragen, welche Massnahmen zur Prävention und Aufarbeitung getroffen werden. In dieser Folge liegt der Fokus auf Männergemeinschaften. Die Pilotstudie zu sexualisierter Gewalt und spirituellen Übergriffen im Kontext der römisch-katholischen Kirche hat die Schweizer Ordensgemeinschaften überrumpelt. Sie hatten nicht mit diesem Ausmass von Fällen gerechnet. Denn: Zum Thema gibt es kaum Forschung. Wenige Ausnahmen sind Ordensgemeinschaften, die auch Schule führen wie in Einsiedeln und bereits ab den 2010ern in die Schlagzeilen gerieten. Sie entwickelten erste Schutzkonzepte und Präventionsmassnahmen. Dank Betroffenen und durch medialen Druck wurden ab 2023, nach Veröffentlichung der Pilotstudie, neue Fälle sexualisierter Gewalt aufgedeckt. Vor allem das prestigeträchtige Kloster St. Maurice stand monatelang in den Schlagzeilen. Der Druck wurde so hoch, dass das Kloster eine eigene wissenschaftliche Studie in Auftrag gab. Die Ergebnisse: Erschütternd. Und sie zeigen auch, das bis in die jüngste Vergangenheit Täter gedeckt wurden. Mit Blick in Gegenwart und Zukunft fragt sich: Wie steht es um die Präventionsmassnahmen in Ordensgemeinschaften? Welche kirchenrechtlichen Möglichkeiten und Pflichten gibt es für Klöster, mit mutmasslichen oder verurteilten Tätern umzugehen? Eine Auslegeordnung in «Perspektiven», u.a. mit der Soziologin Lorraine Odier und der Kirchenrechtlerin Astrid Kaptijn, beide von der Universität Freiburg. Es ist die zweite Sendung des Schwerpunkts zur sexualisierten Gewalt in Schweizer Klöstern und Orden. Autorinnen: Léa Burger und Nicole Freudiger
Sun, 01 Feb 2026 - 615 - Nonnen als Opfer und Täterinnen: Missbrauch in Schweizer Klöstern
Über sexuellen Missbrauch zu sprechen ist nie leicht. Besonders schwer fällt es jenen, die ihn im Kloster erlebt haben. Im «Perspektiven»-Schwerpunkt beleuchten wir die speziellen Umstände und fragen, welche Massnahmen zur Prävention und Aufarbeitung in Schweizer Orden getroffen werden. Lange war das Thema Tabu, die Betroffenen haben geschwiegen, bis der Film «Gottes missbrauchte Dienerinnen» deutlich machte: unter den Betroffenen von sexualisierter Gewalt im kirchlichen Kontext gibt es auch Nonnen und Ordensfrauen. Eine Studie zeigte letzten Sommer dann auf, dass besonders Novizinnen gefährdet sind. Und: Dass es unter den Ordensfrauen auch Täterinnen gibt. Die Wahrscheinlichkeit ist also gross, dass Schweizer Klöster Betroffene beherbergen. Doch erforscht ist die sexualisierte Gewalt in Schweizer Ordensgemeinschaften kaum. Wie also verhalten sich die Schweizer Ordensgemeinschaften gegenüber der Aufarbeitung? Wie gehen sie mit hochbetagten Mitgliedern um, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, wenn diese Erlebnisse im Alter wieder hochkommen? Diese Frage stellen wir in der «Perspektiven»-Sendung zu sexualisierter Gewalt im Frauenkloster. Betroffene, die sich bei der «soeur sans domicile fixe» der Sendung melden möchten, schreiben an: chemins.de.vie3@gmail.com Autorinnen: Léa Burger und Nicole Freudiger
Sat, 24 Jan 2026 - 614 - Alt werden fern der Heimat
Sie sind gekommen, um in der Schweiz hart zu arbeiten. Sie sind geblieben, um hier zu leben. Wie ergeht es Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund in der Schweiz? Ist Religion für sie im Alter Fluch oder Segen? Migrantinnen und Migranten sind oft mit der Absicht gekommen, in der Schweiz zu arbeiten und später in ihre Herkunftsländer zurückzukehren. Doch das Leben hat andere Geschichten geschrieben. Viele sind geblieben. Wie sieht das Alter migrantischer Seniorinnen und Senioren aus? Was plagt sie und was stärkt sie besonders? Und wie wichtig ist die religiöse Beheimatung, gerade in der Fremde? Im Alter wird Religion oft wichtiger, weil sie Halt gibt, besonders in einer neuen Umgebung. Gebet oder Meditation können älteren Menschen helfen, mit Verlust, Einsamkeit oder Krankheit umzugehen. Migration kann aber auch Verletzungen bewirken. Das Gefühl, nicht ganz dazuzugehören, kann sich im Alter verstärken. Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede erschweren es den Menschen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. In «Perspektiven» kommen Menschen zu Wort, die vor Jahren aus Italien oder dem Balkan in die Schweiz eingewandert sind und heute ihren Lebensabend hier verbringen. Redaktion: Norbert Bischofberger
Sat, 17 Jan 2026 - 613 - Vom Investigativjournalisten zur Heilsarmee: Markus Häfliger
Er galt als einer der ganz Grossen im Schweizer Journalismus. Als Bundeshausjournalist deckte Markus Häfliger nationale Skandale auf. Zuletzt den «Unterschriften-Bschiss» bei Volksinitiativen. Dann wechselte er zur Heilsarmee. Welche Rolle spielt dabei sein Glaube? Die Kasachstan-Affäre, die Libyen-Affäre, Korruption beim Bafu: Seine Recherchen erschütterten die Schweiz. Nach knapp 30 Jahren im Journalismus wechselte Markus Häfliger zur Heilsarmee. Seit gut einem Jahr lautet seine Funktion «Verantwortlicher Public Affairs». Er ist damit Lobbyist für eines der wichtigsten Sozialwerke der Schweiz. Die Heilsarmee betreibt zum Beispiel Kinderheime, Notschlafstellen oder Flüchtlingsunterkünfte. Finanziert werden die Projekte durch Spenden, Erbschaften und vor allem von der öffentlichen Hand. Die Heilsarmee ist gleichzeitig auch eine Freikirche im evangelikalen Spektrum. Für die Lobbyarbeit ist das nicht immer einfach. «Da gibt es viele Missverständnisse», so Markus Häfliger. Darüber sprechen wir in dieser Perspektiven-Sendung und über Dom Hélder Câmara († 1999), den brasilianischen Erzbischof und Befreiungstheologen, der einmal sagte: «Wenn ich den Armen Brot gebe, nennen sie mich einen Heiligen. Wenn ich frage, warum sie arm sind, nennen sie mich einen Kommunisten.» Autorin: Anna Jungen
Sat, 10 Jan 2026 - 612 - Und wir säkularisieren uns doch
Kirchen verlieren Mitglieder, der Glaube an Gott nimmt ab und Religion wird immer seltener an die nächste Generation weitergegeben. Die Säkularisierung schreitet voran, trotz vieler spiritueller Angebote. Wohin uns das führt, erklärt Religionssoziologe Detlef Pollack im Interview. Sei es in der Schweiz oder in Polen. In den USA oder in Südkorea. Überall wächst die Gruppe der Konfessionslosen. Und überall sind die jüngeren Generationen weniger religiös als die älteren. Das zeigt die grosse Studie «Religion und Moderne» von Detlef Pollack. Auf über 600 Seiten beschreibt der Religionssoziologe, wie der Glaube an Gott schwindet, wie die religiöse Praxis abnimmt (etwa der Gottesdienstbesuch oder das Gebet) und wie spirituelle Angebote zwar rege genutzt werden, den Rückgang der Religion aber nicht kompensieren können. Auffällig ist dabei, dass in jedem einzelnen der untersuchten Länder die Gründe für den Rückgang der Religion anders sind. Der Trend bestätigt sich aber – selbst in so religiösen Ländern wie Italien oder den USA. Erfolg hat Religion nur in einer «verflüssigten» Version, wie Pollack die diversen spirituellen Angebote zusammenfasst, oder als dogmatischer Fundamentalismus. Was das für unsere Gesellschaft bedeutet – und ob die Krisen der heutigen Zeit zu einem Revival der Religion führen könnten, erklärt Detlef Pollack in «Perspektiven». Autorin: Nicole Freudiger Buchhinweis: Detlef Pollack und Gergely Rosta. Religion und Moderne. Ein internationaler Vergleich. Campus Verlag, 2025.
Sat, 03 Jan 2026 - 611 - Astrophysik und Glaube – Vom Ursprung bis zum Ende der Zeit
Seit jeher erzählen Menschen Geschichten über den Ursprung und das Ende der Welt. Die Wissenschaft liefert heute viele Erkenntnisse dazu. Der deutsche Astrophysiker Heino Falcke beschreibt diese «grosse Geschichte» in seinem neuen Buch «Zwischen Urknall und Apokalypse». Vor sechs Jahren war Heino Falcke massgeblich an der ersten Fotografie eines Schwarzen Loches beteiligt. Nun nimmt er die Leserschaft mit auf eine atemberaubende Reise durch Raum und Zeit, in der für ihn das göttliche in all den kleinen und grossen Wundern des Kosmos immer wieder aufblitzt. Denn: Heino Falcke ist nicht nur Forscher, er ist auch gläubiger Christ. Für ihn stehen Wissenschaft und Glaube nicht im Widerspruch – im Gegenteil. Wer sich mit dem Anfang und einem möglichen Ende unseres Universums auseinandersetzt, stösst zwangsläufig an die Grenzen des Wissbaren: Was war vor dem Urknall? Woher kommen die Naturgesetze? Hört das Universum irgendwann auf zu existieren? Kulturredaktor Igor Basic sucht in dieser Perspektiven-Sendung Antworten auf diese Fragen. Autor: Igor Basic
Wed, 31 Dec 2025 - 610 - Und der Mörder ist immer … der Pastor
«Früher» waren Pfarrer im TV-Krimi noch die Guten: Pater Brown und Schwester Camilla überführten ihre Mörder zuverlässig humorvoll in 45 Minuten. Aber heute werden religiöse Figuren oft zwielichtig gezeichnet und rasch zu Tatverdächtigen. Theologe Beat Föllmi hat den Vorabendkrimi «obduziert». Eigentlich ist der Schweizer Beat Föllmi Professor für Kirchenmusik an der Universität Strassburg. Aber der reformierte Theologe ist eben auch Fan zeitgenössischer Kultur. Rund 900 Serienfolgen deutschsprachiger Vorabend-Krimis hat er sich reingezogen. Er zeigt, dass religiöse Menschen darin fast nur noch stereotyp auftreten, wenn überhaupt. Unheimlich, wahnsinnig oder / und betrügerisch kommen Sekten, Esoterik-Konzerne und super-fromme Milieus in TV-Krimis vor. Beat Föllmi hat das alles in einer Studie untersucht. Was sagt sein Befund über das Image von Religion und Kirche insgesamt - in der Mitte der Gesellschaft? Der Träger des Schweizer Krimipreises 2025 Raphael Zehnder erklärt, warum es Religion in Krimis schwer hat. Und die christkatholische Diakonin und Literaturwissenschaftlerin Susanne Cappus outet sich als entspannte Krimileserin. Religion funktioniere im Krimi eben meist nur durch Überzeichnung. Autorin: Judith Wipfler Buchhinweis: Beat Föllmi, Kruzifix und Geisterbeschwörung. Religion in deutschen Vorabendkrimis, Aschendorff Verlag, Münster 2023.
Sat, 27 Dec 2025 - 609 - Wovon Engel singen: Über die Theologie in Engelsmusik
Mit feisten roten Wangen pusten sie in Posaunen und Trompeten oder singen im Chor: die Engel. Jenseits vom Weihnachtskitsch entdeckte der Luzerner Theologe Wolfgang W. Müller: «Wo von Engeln gesprochen wird, ist von Musik die Rede.» Musik ist also nicht nur eine horizontale Brücke zwischen Menschen, Kulturen und Religionen. Musik schlage auch eine vertikale Brücke hoch zum Himmel, zur Transzendenz. Wer, wenn nicht die Engel, könnten dies ganz wunderbar versinnbildlichen: diese Mittlerwesen zwischen Himmel und Erde. Ihre Botschaften zu verlautbaren, dazu eignen sich Posaunen und Trompeten vorzüglich. Oder haben Sie schon mal eine Barockkirche ohne musizierende Putti gesehen? Die theologische Tiefendimension von Musik beschäftigt den emeritierten Dogmatikprofessor und Dominikaner Wolfgang W. Müller schon sein langes Forscherleben lang: «Engelsmusik erlaubt einen niederschwelligen Zugang zu Fragen der Religion und des Glaubens und hat überdies eine interreligiöse Dimension.» Der anhaltende «Engelboom» sei ihm jedoch eher ein Anstoss. Denn Engel würden heute – etwa in der kommerziellen Werbung - allzu oft «in der Immanenz aufgelöst», bedauert er. Dabei komme im Engelskonzert doch beides zusammen: Musik und Religion. Und beide - Musik und Religion – vermögen es, über das Unaussprechliche zu sprechen. Autorin: Judith Wipfler Buchhinweis: Wolfgang W. Müller, Musik der Engel. Eine Kulturgeschichte, Schwabe Verlag, Basel 2024.
Wed, 24 Dec 2025 - 608 - Äbtissin Monika Thumm trifft Landschaftsarchitekt Enzo Enea
Enzo Enea ist ein international bekannter Schweizer Landschaftsarchitekt. Auf dem Gelände des Klosters Mariazell betreibt er in Rapperswil-Jona das weltweit einzige Baummuseum. Äbtissin Monika Thumm und Enzo Enea unterhalten sich über die Philosophie der Bäume, Nachhaltigkeit und Spiritualität. Der Landschaftsarchitekt Enzo Enea gehört zu den renommiertesten Vertretern seines Fachs weltweit. Er erstellt Parkanalgen in London, New York, Istanbul oder São Paulo und gestaltet Gärten für Private. Aus dem Einmannbetrieb seines Vaters hat er das international tätige Unternehmen «Enea Landscape Architecture» für Landschaftsarchitektur und Gartenbau mit 240 Mitarbeitenden und Filialen in Zürich, New York, Miami und Mailand entwickelt. In seiner Arbeit kombiniert Enzo Enea Landschaft und Gartenbau mit Architektur und Kunst. Im Jahr 2010 hat Enzo Enea in Rapperswil-Jona ein Baummuseum eröffnet. Auf 75'000 Quadratmetern pflanzt er alte und seltene Bäume. Im Baummuseum sind auch zeitgenössische Kunstwerke zu bewundern, eingebettet in Natur und Garten. Äbtissin Monika Thumm lebt seit 40 Jahren im Kloster Mariazell in Wurmsbach am oberen Zürichsee. Sie steht seit dem Jahr 2000 als Äbtissin der Gemeinschaft vor. Das Zisterzienserinnenkloster existiert seit 1259. Bis heute führen die acht Schwestern ein Leben in Stille und Kontemplation. Sie verstehen ihr Kloster gleichzeitig als Ort der Begegnung. Die Schwestern pflegen besonders den Gesang und die Liturgie und singen auch Lieder, die Äbtissin Monika Thumm komponiert hat. In «Perspektiven» begegnen sich Enzo Enea und Äbtissin Monika Thumm und sprechen über ihre Lebensprojekte und Lebensphilosophie. Autor: Norbert Bischofberger
Sat, 20 Dec 2025 - 607 - «Der behinderte Gott» (W)
Was wäre, wenn Jesus das Down-Syndrom gehabt hätte? Und wie wäre Gott, wenn er in einem mundgesteuerten Rollstuhl sässe? Die «Theologie der Behinderung» wechselt die Perspektive und denkt Gott verletzlich. Sarah Staub hat eine Erbkrankheit, durch die sie viele Schmerzen hat. Als sie die Diagnose erhielt, hat sie sich vertieft mit dem Thema Behinderung befasst und stiess auf das Buch «Der behinderte Gott» von Nancy Eiesland. Es ist zum Standardwerk einer «Theologie der Behinderung» geworden. Eiesland plädiert für neue Symbole, damit Menschen mit Behinderung sich mit der Kirche identifizieren und versöhnen können. Sarah Staub erzählt in «Perspektiven», warum sie die Theologie der Behinderung so hilfreich findet. Warum sie Heilungsgebete problematisch findet. Und weshalb dieser Zugang ihr hilft, wieder an Gott zu glauben. Erica Brühlmann-Jecklin ist stark geh- und sehbehindert und seit Jahrzehnten aktiv für die Rechte von Menschen mit Beeinträchtigungen. Als Kind erlebte sie, wie ihr Bruder, der eine geistige Behinderung hatte, «klammheimlich» konfirmiert wurde, abseits der Gemeinde. «Da stimmt etwas nicht», dachte sich Erica Brühlmann-Jecklin damals. Und setzte sich zeitlebens für Gerechtigkeit ein. Eine spezielle Theologie der Behinderung bräuchte es dafür aber nicht, sagt sie. Werner Schüssler hat eine Tochter mit Down-Syndrom. Der Professor für Existenzphilosophie stiess vor vielen Jahren auf Nancy Eieslands Buch «The disabled God». Und er beschloss, es ins Deutsche zu übersetzen. In «Perspektiven» erzählt er von seiner persönlichen Motivation zu so viel nebenberuflichem Effort. So wie andere Befreiungstheologien Gott arm, queer, of colour oder als Frau denken, denkt die Theologie der Behinderung Gott behindert. Wir fragen nach: Kann man mit Gott alles machen? Und was bringt das? Autorin: Dorothee Adrian Erstausstrahlung: Sonntag, 26.02.2023
Sat, 13 Dec 2025 - 604 - Langzeit-Nothilfe: Kinder in der Sackgasse?
Wer sich mit einem abgewiesenen Asylgesuch weiterhin in der Schweiz aufhält, erhält Nothilfe, ein paar Franken pro Tag, und ist in sogenannten Rückkehrzentren untergebracht. Gerade für Kinder und Jugendliche, die länger als ein Jahr unter diesen Bedingungen leben, ist dies eine schwierige Situation. Die Iranerin Firoozeh Myiander kam 2022 in die Schweiz. In ihrer Heimat engagierte sie sich gegen das Regime und floh mit ihrem Mann und Kind hierher. Der Antrag auf Asyl lehnte das Staatssekretariat für Migration SEM ab. Zurück in den Iran können und wollen sie derzeit nicht. Daher lebt die Familie seit mehr als einem Jahr in der Nothilfe, im Rückkehrzentrum Aarwangen im Kanton Bern. Während den Eltern von Gesetzes wegen eine Arbeitstätigkeit untersagt ist, darf der 11-jährige Sohn die Volksschule besuchen. Doch die Unsicherheit und Angst in der Langzeit-Nothilfe schade der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Zu diesem Schluss kam vor rund einem Jahr eine Studie, die die Eidgenössische Migrationskommission in Auftrag gegeben hatte. Schweizweit lebten Ende 2024 rund 449 Kinder in der Nothilfe, etwas mehr als die Hälfte bereits länger als drei Jahre. In «Perspektiven» erzählt Firoozeh Myiander von ihrem Alltag. Der reformierte Pfarrer Daniel Winkler aus Riggisberg berichtet von kirchlichem Engagement rund um die Rückkehrzentren. Und der FDP-Politiker Andreas Hegg aus dem Kanton Bern sagt, warum seiner Einschätzung nach die Behörden bereits genug für abgewiesene Asylsuchende tun. Autorin: Léa Burger
Sat, 06 Dec 2025 - 603 - Grossmütter gegen Depression? Simbabwes ungewöhnlicher Weg
In Simbabwe gibt es gerade einmal 19 Psychiater – aber mehr als 4000 Grossmütter, geschult in den Grundlagen der Gesprächstherapie. Auf einfachen Holzbänken bieten die «Gogos» niederschwellige Hilfe bei psychischen Problemen an. Kann Psychotherapie so funktionieren? Dixon Chibanda ist Psychiater in Harare, der Hauptstadt Simbabwes. 2005 erhält er einen Anruf. Es ist die Mutter von Erica, einer seiner Patientinnen. Erica habe sich das Leben genommen. «Jeder Suizid ist ein Albtraum», sagt Chibanda. Doch dieser traf ihn besonders tief. Ericas Zustand hatte sich seit längerem verschlechtert, und sie hatten vereinbart, dass sie so bald wie möglich zu ihm in die Klinik kommen sollte. In der Zwischenzeit lebte Erica jedoch 200 Kilometer von Harare entfernt. Reflexartig fragte er die Mutter: «Warum seid ihr nicht wie vereinbart zu mir gekommen?», erinnert sich Chibanda. Die Antwort der Mutter war knapp: «Wir hatten kein Geld für die Busfahrt.» Ein Satz, der bei Dixon Chibanda nachhallte. «Was ist meine Rolle als Psychiater in einem der ärmsten Länder der Welt?» Chibanda wusste: «Wir müssen Psychotherapie neu denken. Wir müssen die Therapie raus aus den Kliniken und zu den Leuten bringen.» So entstand die Idee mit den Grossmüttern, die auf einfachen Holzbänken, dem «Friendship-Bench», in ihren jeweiligen Communities Gesprächstherapie anbieten. Wie funktioniert das? Autorin: Anna Jungen
Sat, 29 Nov 2025 - 602 - Pilgern für alle: Warum der Pilgerboom anhält
Wer pilgert, muss nicht katholisch sein. Den Weg zu sich, zurück zur Natur oder auch zu Gott nehmen unterschiedlichste Menschen unter die Füsse. Während der Jakobsweg schon unter «Over-Pilgerism» leidet, bietet die Schweiz noch Orte stiller Einkehr. Ein Besuch beim Bruder Klausen Kaplan in Sachseln. Nahe der Klause von Niklaus von Flüe wirkt Bruder-Klausen-Kaplan Ernst Fuchs. Er erzählt von der Diversität seiner Gäste und zeigt, wie aus dem einst patriotisch vereinnahmten und stramm katholischen Ranft ein weltoffener Anziehungspunkt für Suchende jeglicher Couleur geworden ist. Bruder Klaus gehöre allen. Heute kommen auch Sufi-Scheichs, reformierte Pfarrer und Naturreligiöse zu Fuss hierher. Pilgern, das heisst aber auch Schwitzen, Blasen an den Füssen und sich physisch auspowern, um den Kopf frei zu kriegen. Genau das spricht – anders als viele andere spirituelle und kirchliche Angebote –besonders auch Männer an. Im Gespräch mit Wallfahrtspfarrer Ernst Fuchs ergründen wir den anhaltenden Trend zum Pilgern. Autorin: Judith Wipfler
Sat, 22 Nov 2025 - 601 - Jerusalems Realität und Hoffnung: Pierbattista Pizzaballa
Pierbattista Pizzaballa ist eine der wichtigsten christlichen Stimmen im Nahen Osten. Der Franziskanermönch und polyglotte Theologe wurde gar als papabile gehandelt. Er wollte aber im Nahen Osten bei den leidgeprüften Menschen bleiben. Und versucht, den Dialog aufrechtzuerhalten. Die Universität Freiburg i.Ü. verleiht Kardinal Pierbattista Pizzaballa den Ehrendoktor in Theologie 2025. Dafür reist der Kardinal und lateinische Patriarch von Jerusalem am 14. November in die Schweiz. Er spricht über: «Jerusalem- zwischen Realität und Hoffnung». Kardinal Pizzaballa glaubt, dass die interreligiöse Verständigung nicht nur eine Zukunft hat, sondern überhaupt erst eine Zukunft für Frieden schafft. Doch die Spannungen zwischen Juden, Christen und Muslimen in der Region halten an. Und auch innerhalb des breiten christlichen Spektrums herrscht keine Einigkeit. Pierbattista Pizzaballa lebt inmitten dieses Spannungsfelds. Und er versucht, am interreligiösen und ökumenischen Dialog festzuhalten. Der lateinische Patriarch von Jerusalem spricht neben seiner Muttersprache Italienisch auch fliessend Englisch, Arabisch und Neuhebräisch. Das schafft Vertrauen. Seit Jahrzehnten lebt Pierbattista Pizzaballa in Jerusalem, betreut die christlichen Stätten im Heiligen Land und die römisch-katholischen Christinnen und Christen. 2020 erhob ihn Papst Franziskus zum lateinischen Patriarchen von Jerusalem. Dazu gehören alle römisch-katholischen Gläubigen in Israel, der Westbank und Gaza wie auch in Jordanien, im Libanon und auf Zypern. Welche Zukunft haben Christinnen und Christen hier? Wie begegnet der römisch-katholische Patriarch von Jerusalem der Gewalt in der Region? Warum hat er Hoffnung? Diese Fragen stellt ihm Judith Wipfler in Freiburg. Autorin: Judith Wipfler
Sat, 15 Nov 2025 - 600 - Soll eine Lehrerin Kopftuch tragen dürfen? Eine Auslegeordnung
Zurzeit diskutiert die Schweiz übers Kopftuch im Klassenzimmer. Auslöser war eine Muslimin, die mit Kopftuch unterrichten wollte. Eltern verhinderten dies. Was bedeutet die Diskussion für eine angehende Lehrerin mit Kopftuch? Warum ist ein Pädagogikprofessor für ein Verbot? Und was sagt das Gesetz? Der «Tages-Anzeiger» machte den Fall im Juli publik: Eine muslimische Lehrerin mit Kopftuch sollte nach den Sommerferien in Eschenbach SG ihre Stelle antreten. Doch Eltern protestierten. Und die Schule löste den Arbeitsvertrag mit der Muslimin auf, um einen Rechtsstreit zu verhindern. Seither läuft die Diskussion: Ist ein Kopftuch als sichtbares Zeichen des Islams im Klassenzimmer zulässig? Ritzt dies die religiöse Neutralität, die in der Schule verfassungsmässig garantiert wird? Und was, wenn Schülerinnen Kopftuch tragen wollen? Das Kopftuch im Klassenzimmer wirft viele Fragen auf. Nach Chancengleichheit, Integration, Werten und der Stellung der Religion und des Islams in unserer Gesellschaft. «Perspektiven» versucht, Antworten zu finden und spricht mit einer angehenden Lehrerin mit Kopftuch, einem ehemaligen Professor der Pädagogischen Hochschule und SP-Politiker, der sich für ein Verbot des Kopftuchs für Lehrerinnen ausspricht und mit einem Rechtsexperten, der aufzeigt, dass die Rechtslage nicht so eindeutig ist wie in der Diskussion oft angenommen. In der Sendung kommen zu Wort: • Zahra Öğretmen (Pseudonym), angehende Lehrerin mit Kopftuch • Bernhard Hauser, emeritierter Professor der pädagogischen Hochschule SG, SP-Kantonsrat SG • Lorenz Engi, Privatdozent für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Hochschule St. Gallen Autorin: Nicole Freudiger
Sat, 08 Nov 2025 - 599 - Klangpionier Peter Roth: Mit den Ohren nach innen schauen
Peter Roth liegen die Ohren am Herzen. Er ist der Überzeugung, dass wir auf der Schwelle zu einem neuen Zeitalter stehen: der Zeit des Hörens. Und dass die Ohren uns ins Innere führen, zur Quelle des Lebens. Peter Roth (81) ist Musiker, Komponist, Lehrer und Klangpionier. Schon als Kind lösten bei ihm die Klänge der Alpenkultur wie Jodel, Hackbrett oder Schellen Hühnerhaut und Tränen aus. Er ist tief im Toggenburg verwurzelt. Dort gründete er mit Gleichgesinnten die «Klangwelt Toggenburg» und initiierte das Klanghaus Toggenburg. Die Ohren und das Lauschen führten Peter Roth in die unsichtbare Welt zur Quelle des Lebens; aus ihr kommen nach Roths Überzeugung die Menschen, zu ihr kehren sie nach dem Tod wieder zurück. Aus dieser Quelle fliesst auch alle Musik, die Peter Roth komponiert hat. Autorin: Yvonn Scherrer
Sat, 01 Nov 2025
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