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Meilensteine – Alben, die Geschichte machten

Meilensteine – Alben, die Geschichte machten

SWR1 Rheinland-Pfalz

Jede Woche stellt die SWR1 Musikredaktion ein Meisterwerk der Rock- und Popmusik vor. Queen, Ed Sheeran, Adele, die Rolling Stones, die Beatles, Tina Turner, Bob Dylan uvm. – sie alle haben mit ihren Pop- und Rock-Alben Musikgeschichte geschrieben und längst den Status „Legenden“ erreicht. Wir holen sie wieder hervor, die größten Alben aller Zeiten. Die Platten, mit denen sich Künstler wie Creedance Clearwater Revival, die Eagles oder Fleetwood Mac unsterblich gemacht haben. Jeden Montag gibt es eine neue Folge. Dabei schaut das Team der SWR1 Musikredaktion hinter die Kulissen. Was war los in der Zeit, als dieser Meilenstein der Musikgeschichte veröffentlicht wurde – bei den Musikern und in der Welt. Was macht gerade dieses Album so besonders? Was sind die Hintergründe und wie sind sie produziert worden, die Platten, die uns immer wieder über den Weg laufen? Welche jungen Künstler haben sie beeinflusst und von wem wurden sie selbst beeinflusst? Bei uns gibt’s die Geschichten hinter den Alben, die Geschichte machten. Haben Sie Anregungen für die nächste Folge, Fragen oder Kritik? Sie erreichen die Redaktion per E-Mail unter meilensteine@swr.de.

662 - Kansas – "Leftoverture"
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  • 662 - Kansas – "Leftoverture"

    Die Plattenfirma wollte Kansas beinahe fallen lassen

    Dabei war "Leftoverture" bereits ihr viertes Studioalbum. Die ersten drei Veröffentlichungen brachten nicht das Geld ein, das sich ihr Label Epic Records erhofft hatte. Die Band wurde zwar immer bekannter, aber es gab keinen einzigen Song, der als Single die Charts erobern konnte. Epic Records verlor langsam die Geduld mit Kansas. Zusätzlich litt Sänger Steve Walsh unter einer Schreibblockade. Er konnte nur drei Songs für das Album beisteuern. Gitarrist und Keyboarder Kerry Livgren sprang zum Glück ein und ist letztlich für den Großteil der Songs auf der Platte verantwortlich.

    "Leftoverture" – Kansas' Wunder aus dem Nichts

    1976 zeigte sich, dass Kansas ihre letzte Chance genutzt haben. Mit "Leftoverture" gelang ihnen im wahrsten Sinne des Wortes ein Wunder aus dem Nichts. Ein Song auf dem Album heißt passenderweise sogar "Miracles Out Of Nowhere". Entscheidend für den Erfolg war, dass sie Progressive Rock radiotauglich machten. Progressive Rock ist eigentlich eine komplexe, virtuose Musikrichtung, die oft sogar auf klassische Elemente zurückgreift und dadurch die Songs größer und vielschichtiger klingen lässt.

    So machten Kansas Prog-Rock zugänglicher

    Kansas nehmen diese anspruchsvollen Prog-Rock-Elemente, die man von britischen Bands wie Genesis oder King Crimson kennt, und übertragen sie in einen eher amerikanisch geprägten Stil, der auch aus dem Blues schöpft. So wird die Musik weniger exzentrisch oder theatralisch und damit deutlich zugänglicher. Gleichzeitig bleibt es aber anspruchsvoll und virtuos.

    "Carry On Wayward Son" als perfekter Einstieg in "Leftoverture"

    "Carry On Wayward Son" gehört zu den bekanntesten Songs von "Leftoverture" und eröffnet das Album. Geschrieben wurde er auch von Kerry Livgren, der darin seine spirituelle Suche nach dem Sinn des Lebens verarbeitete. Die Wahl des Openers hätte kaum besser sein können: Der mehrstimmige A-cappella-Chor am Anfang lädt sofort zum Mitsingen ein. Danach folgt das erste von insgesamt sechs Gitarrenriffs. Schon die ersten Sekunden sind markant und eingängig, also ein perfekter Einstieg in das gesamte Album.
    ["Carry On Wayward Son" ist] ein perfektes Intro für mich.

    Quelle: Musikredakteurin Ilka Siebert über "Carry On Wayward Son" als Einführung in das Album

    Das Vermächtnis von "Leftoverture" und der Band Kansas

    Obwohl Kansas "Leftoverture" nur produziert haben, um ihre Schulden abzubezahlen, ist ihnen damit ein Meisterwerk gelungen, das den amerikanischen Progressive Rock nachhaltig geprägt hat. Sie haben damit nicht nur ihre eigene Karriere gerettet, sondern auch spätere Prog-Rock-Bands wie etwa Dream Theater inspiriert.
    Gerade auch jüngere Prog-Rock-Bands und Elektronik-Bands schwärmen von Kansas, und das ist das Vermächtnis.

    Quelle: Musikredakteur Stephan Fahrig über Kansas und das Vermächtnis der Band

    Die Band hat ein hervorragend produziertes Kunstwerk geschaffen, das auch den Weg für das nachfolgende Album "Point Of Know Return" (1977) mit dem Klassiker "Dust In The Wind" bereitete. Wer genau hinhört, erkennt im Song "Miracles Out Of Nowhere" sogar schon eine musikalische Vorlage zu "Dust In The Wind".

    Über diese Songs vom Album "Leftoverture" sprechen wir im Podcast

    (16:49) – "Carry On Wayward Son"(32:11) – "The Wall"(41:21) – "What’s On My Mind"(45:53) – "Miracles Out Of Nowhere"(53:30) – "Magnum Opus"

    Über diese Songs sprechen wir außerdem im Podcast

    (22:00) – "Bohemian Rhapsody" von Queen(22:29) – "You Give Love A Bad Name" von Bon Jovi(22:40) – "Nowhere Man" von den Beatles(47:23) – "Brandenburgische Konzerte Nr. 2" von Johann Sebastian Bach(51:30) – "Dust In The Wind" von Kansas

    Shownotes

    Eine Podcast-Episode mit den Originalmitgliedern von Kansas bei "In the Studio with Redbeard"Youtube-Video "In the Studio for Leftoverture" aus 1996 mit Blogger und Podcast-Host RedbeardArtikel über "Leftoverture" im Vintage Guitar MagazinYoutube-Video von Professor of Rock zu "Carry On Wayward Son"Doku-Reihe über Kerry Livgren auf Youtube: "Kerry Livgren - In His Words"Interview mit Steve Walsh auf Youtube aus den 2000ernInterview mit Steve Walsh auf Youtube im Jahr 2016ARD Podcast-Tipp: Kult! – Klassiker der Weltliteratur als HörbücherTickets für die Veranstaltung im Neuen Kunstmuseum Tübingen
    Sun, 25 Oct 2026 - 1h 08min
  • 661 - Bob Seger – "Night Moves"

    Heartland Rock ist ein Genre, das Ende der 1970er Jahre in den USA entsteht. Es ist eine Mischung aus Folk, Rock 'n' Roll und Country. Richtig populär wurde es in den 1980er Jahren vor allem durch Bruce Springsteen. Neben Springsteen und Bob Seger gehören auch Tom Petty, Jackson Browne und John Mellencamp zu den bekanntesten Vertretern des Heartland Rock.

    Bob Seger schrieb schon mit 16 seine ersten Songs

    Bob Seger hat schon sehr früh angefangen, Musik zu machen. Bereits mit 16 Jahren schrieb Seger, der in Detroit geboren und aufgewachsen ist, seinen ersten Song, der kurz darauf sogar schon im lokalen Radio lief. Beeinflusst wurde er von den Beatles und den Rolling Stones. Er selbst fühlte sich dem R&B stark verbunden und ist ein großer Fan von James Brown. Auch von Chuck Berry ließ er sich inspirieren. Besonders gut zu hören ist das auf "Night Moves" im ersten Song "Rock And Roll Never Forgets".

    "Live Bullet" ist der Wendepunkt von Bob Segers Karriere

    1974 gründet er die Silver Bullet Band und ist in Detroit da längst eine feste Größe. Im April 1976 veröffentlicht er zusammen mit der Band das Live-Album "Live Bullet". Es markiert einen Wendepunkt in seiner Karriere und gilt schon als erster Schritt hin zu seiner internationalen Laufbahn.

    Es geht im Song "Night Moves" um das Erwachsenwerden

    Der Titelsong "Night Moves" ist für viele eine Art Blaupause für Rock-Balladen. Der Song ist autobiografisch und handelt wie jede gute "Coming-Of-Age"-Geschichte von der ersten Liebe, der Freiheit und den Erinnerungen ans Erwachsenwerden. Bob Seger hat ein halbes Jahr gebraucht, um ihn fertigzuschreiben. Die Zeit hat sich aber gelohnt, mit "Night Moves" wurde er zum internationalen Star.
    ["Night Moves"] zeigt, wie wichtig Musik ist beim Erwachsenwerden.

    Quelle: Meilensteine-Redakteurin Katharina Heinius über "Night Moves"

    In "Night Moves" nimmt uns Bob Seger mit zurück ins Jahr 1962, zu den Sommerpartys mit seinen Freunden, zu Tänzen in Maisfeldern und zur ersten Liebe auf der Rückbank eines Chevys. Am Ende macht der musikalische Wechsel deutlich, dass es sich um eine Erinnerung handelt.

    Erinnerungen als Leitmotiv von "Night Moves"

    "Night Moves" ist inhaltlich eine Mischung aus Tagebuch und Kurzgeschichten, erzählt aus einer beobachtenden Perspektive. Seger nutzt dabei einen ganz besonderen Erzählstil: Er ist der Beobachter, steht aber trotzdem meistens im Mittelpunkt. In "The Fire Down Below" berichtet er zum Beispiel nur von seinen Eindrücken eines Abends im Rotlichtviertel.
    Ich möchte es an der Stelle die Poesie des Älterwerdens nennen. Er schaut zurück, ist wehmütig, aber nie verbittert.

    Quelle: Meilensteine-Redakteur Stephan Fahrig über die Songs von Bob Seger auf "Night Moves"

    In "Rock And Roll Never Forgets" oder "Mainstreet" hat man dagegen eher das Gefühl, dass er aus eigenen Erinnerungen schöpft. Das Schöne daran: Diese Blicke zurück, die oft in seine Jugend führen, klingen nie verbittert. Sie wirken wie warme und positive Erinnerungen an früher, mit einer gewissen Wehmut, die auch dazu gehört.

    Über diese Songs vom Album "Night Moves" sprechen wir im Podcast

    (18:27) – "Rock And Roll Never Forgets"(23:10) – "Night Moves"(39:50) – "The Fire Down Below"(46:57) – "Mainstreet"(57:43) – "Mary Lou"

    Über diese Songs sprechen wir außerdem im Podcast

    (09:48) – "Notbush City Limits" von Bob Seger(11:30) – "Let It Rock" von Bob Seger(12:26) – "Turn The Page" von Bob Seger(13:37) – "Sweet Home Alabama" von Lynyrd Skynyrd(21:23) – "Sweet Little Sixteen" von Chuck Berry(22:45) – "Rock And Roll Music" von Chuck Berry(42:39) – "Skandal im Sperrbezirk" von Spider Murphy Gang(43:11) – "Cracklin' Rosie" von Neil Diamond(43:50) – "Rosie" von Joan Armatrading(43:50) – "Rosie" von Richie Sambora(45:56) – "Ain't Got No Money" von Frankie Miller(55:45) – "I Never Loved A Man The Way I Love You" von Aretha Franklin(56:06) – "Mustang Sally" von Wilson Pickett(56:40) – "Sailing" von Rod Stewart(57:55) – "Mary Lou" von Young Jessie, Maxwell Davis & Orchestra(1:00:30) – "Mary Lou" von Steve Miller Band(1:00:51) – "Mary Lou" von Frank Zappa

    Shownotes

    Blog-Eintrag von Zach Burchill: Was Night Moves mit japanischer Philosophie zu tun hatAlles über die Aufnahmen von "Night Moves" in Toronto bei Mix Classic-TracksDas Video zu "Night Moves" auf YouTubeARD Podcast-Tipp: ARD Ikonen - die Geschichten der größten Musik-Stars "Sturm und Funkstille | Sportfreunde Stiller"
    Sun, 18 Oct 2026 - 1h 03min
  • 660 - A Tribe Called Quest – "The Low End Theory"

    A Tribe Called Quest gründeten sich 1988 und bestanden aus den drei MCs (Master of Ceremonies) Q-Tip (Kamaal Ibn John Fareed), Phife Dawg (Malik Isaac Taylor) und Jarobi White sowie dem DJ und Produzenten Ali Shaheed Muhammad. Bis zu ihrer endgültigen Auflösung im Jahr 2017 war die New Yorker Hip-Hop-Band vor allem für ihre philosophischen und teilweise sozialkritischen Texte sowie ihre für den damaligen Hip-Hop ungewöhnlichen Jazz-Samples bekannt. Mit ihren politischen und gesellschaftskritischen Themen wird A Tribe Called Quest dem Conscious Rap zugeordnet. Charakteristisch dafür sind bei der Gruppe vor allem durchdachte Texte, in denen sie sich auch immer wieder mit gesellschaftlichen und politischen Fragen auseinandersetzen.

    Wie A Tribe Called Quest den Hip-Hop der 90er prägten

    "The Low End Theory" zeigt, wie A Tribe Called Quest den Hip-Hop der 1990er-Jahre entscheidend mitprägten. Eine Besonderheit des Albums liegt in der Verwendung von Jazz-Samples, die nicht nur vereinzelt eingesetzt werden, sondern einen Grundbestandteil des gesamten Sounds bilden. Vor allem Q-Tip war bereits früh von Jazz und Bebop geprägt, da sein Vater ein großer Fan dieser Musik war.
    Das Besondere dieses Albums […] ist, dass es eine völlig neue Linie aufgemacht hat.

    Quelle: Journalist Falk Schacht über "The Low End Theory"

    Auf "The Low End Theory" finden sich Samples aus Jazz, Soul und Funk

    Die Samples auf "The Low End Theory" stammen jedoch nicht ausschließlich aus dem Jazz, sondern auch aus Soul und Funk. Dabei wurden sie gezielt ausgewählt, neu zusammengesetzt und mit den Beats und dem Rap der Gruppe verbunden. Auf diese Weise greift das Album auf unterschiedliche Traditionen afroamerikanischer Musik zurück und überführt sie in den Hip-Hop der frühen 1990er-Jahre. Besonders deutlich wird das in Songs wie "Excursions" oder "Jazz (We've Got)". Hier nutzten sie Samples von Jazzmusikern wie Art Blakey, der für Q-Tip eine wichtige Inspiration war. Daneben greift das Album auch auf Soul, etwa von The Five Stairsteps, sowie auf die Spoken-Word- und politischen Poetry-Traditionen von The Last Poets zurück. "The Low End Theory" verbindet damit unterschiedliche musikalische und kulturelle Einflüsse, die alle Teil afroamerikanischer Kulturgeschichte sind, und macht sie zu einem wesentlichen Bestandteil des eigenen Hip-Hop-Sounds.

    Call and Response bei A Tribe Called Quest

    "Buggin' Out" und "Check The Rhime" zeigen einen wichtigen Bestandteil des Hip-Hop-Genres: das sogenannte "Call and Response". Dabei reagieren die MCs dynamisch aufeinander, so wie in einem Gespräch. Einer rappt eine Phrase, die vom anderen aufgegriffen oder beantwortet wird. Dieses musikalische Konzept ist deutlich älter als der Hip-Hop und findet sich auch schon in der Gospel-Musik oder in verschiedenen Formen der klassischen Musik.

    "The Low End Theory" ist ein Meilenstein des Hip-Hops

    Mit "The Low End Theory" haben A Tribe Called Quest ein innovatives und experimentelles Album geschaffen, auf dem sie Hip-Hop mit der Ästhetik und den musikalischen Strukturen des Jazz verbinden. Aufgrund ihres großen Einflusses auf die Entwicklung des Genres werden sie teilweise sogar mit den Beatles und deren Bedeutung für die Pop- und Rockmusik verglichen. "The Low End Theory" gilt heute als Meilenstein der Hip-Hop-Geschichte und beeinflusste zahlreiche spätere Musikerinnen und Musiker.
    Man bezeichnet dieses Album auch gerne mal als das "Sgt. Pepper's"-Album des Hip-Hop.

    Quelle: Musikredakteur Stephan Fahrig über "The Low End Theory" und den Vergleich zum Beatles-Album "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band"

    Über diese Songs vom Album "The Low End Theory" sprechen wir im Podcast

    (19:00) – "Excursions"(29:13) – "Jazz (We've Got)"(46:36) – "Buggin' Out"(54:50) – "Check The Rhime"(01:01:36) – "Scenario" Über diese Songs sprechen wir außerdem im Podcast (10:52) – "Straight Outta Compton" von N.W.A.(11:34) – "Black Is Black" von Jungle Brothers(12:41) – "Eye Know" von De La Soul(13:07) – "It's A Shame" von Monie Love(13:25) – "Fly Girl" von Queen Latifah(14:54) – "Can I Kick It?" von A Tribe Called Quest(15:34) – "Luck Of Lucien" von A Tribe Called Quest(26:53) – "A Chant For Bu" von Art Blakey & The Jazz Messengers(30:48) – "Green Dolphin Street" von Jimmy McGriff(34:32) – "Don't Change Your Love" von The Five Stairsteps(35:40) – "Funky Breeze/Ghetto" von The Dells(44:40) – "Time" von The Last Poets(57:27) – "Eine kleine Nachtmusik" von Wolfgang Amadeus Mozart

    Shownotes

    Das Geheimnis hinter der "Low End-Theorie" auf YoutubeDie Samples in "The Low End Theory" auf YoutubeQ-Tip im Interview bei der Red Bull Music Academy auf YoutubeARD Podcast-Tipp: "Mutterstadt 0711 - HipHop-Hauptstadt Stuttgart!?!"
    Mon, 12 Oct 2026 - 1h 11min
  • 659 - ABBA – "Arrival"

    "Arrival" machte ABBA zu Weltstars

    ABBA – bestehend aus den beiden damaligen Paaren Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus sowie Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad – hatten 1974 mit "Waterloo" den Eurovision Song Contest in Brighton gewonnen. Als sie im August 1975 mit den Arbeiten an "Arrival" begannen, konnten sie mit Songs wie "Mamma Mia" und "SOS" bereits weitere internationale Erfolge feiern.  Die Aufnahmen zu "Arrival" dauerten für ABBA ungewöhnlich lange, unter anderem weil die Bandmitglieder zunehmend private Verpflichtungen hatten. Doch das Warten sollte sich lohnen: Am 11. Oktober 1976 veröffentlichte ABBA schließlich ein Album, das sich weltweit millionenfach verkaufte und zu den erfolgreichsten ihrer Karriere zählt.  Mit "Arrival" bewies die Band, dass sie längst auch auf dem internationalen Musikmarkt angekommen war. Gleichzeitig behauptete sie sich in einer Zeit, in der so unterschiedliche Genres wie Disco, Rock und Punk die Musikwelt der 1970er-Jahre prägten.   Dabei hatte ABBA einen entscheidenden Vorteil: Die Band entwickelte einen unverwechselbaren Sound, indem sie ganz unterschiedliche musikalische Einflüsse miteinander verband. Elemente skandinavischer Volksmusik und Folklore trafen auf europäische Klassik, Musical und Disco. So gelang es ABBA, einen eigenständigen europäischen Popsound zu entwickeln und sich auf dem stark US-amerikanisch geprägten internationalen Musikmarkt zu etablieren. 
    Das ist die Blaupause für Popmusik. Mit ABBA wird Popmusik zur Kunstform.

    Quelle: Stephan Fahrig, Musikredakteur über ABBA und "Arrival"

    In "Dancing Queen" steckt der unverwechselbare ABBA-Sound

    "Dancing Queen" ist nicht nur einer der bekanntesten Songs von ABBA, sondern wahrscheinlich auch einer der bekanntesten Popsongs überhaupt. Selbst wer ABBA nicht regelmäßig hört, wird den Hit bestimmt schon nach wenigen Sekunden am ikonischen Piano-Intro erkennen. Der Song ist dabei äußerst raffiniert produziert. Durch die Arrangement-Technik "Wall of Sound" entsteht durch die Überlagerung verschiedener Instrumente und Klangschichten ein besonders dichter, voller Sound. Hinzu kommt der Wechsel zwischen eher einstimmigen Passagen in den Strophen und dem mehrstimmigen Gesang von Agnetha und Anni-Frid im Refrain. Dieses Zusammenspiel entwickelte sich daraufhin zu einem Markenzeichen von ABBA. Ebenfalls typisch für ABBA und in "Dancing Queen" besonders gut zu hören, sind die instrumentalen Einschübe in den Gesangspausen. Sobald die Stimmen aussetzen, übernehmen etwa Piano oder Streicher und füllen die entstandenen Lücken. So bleibt das Arrangement ständig in Bewegung und schafft gleichzeitig eingängige musikalische Motive, die dem Song seinen hohen Wiedererkennungswert verleihen.

    Ein ABBA-Song über das Ende einer Liebe

    Kaum ein ABBA-Song scheint im Rückblick so gut zur Beziehungsgeschichte der beiden Paare innerhalb der Band zu passen wie "Knowing Me, Knowing You". Der Song erzählt vom Ende einer Beziehung. Beim Schreiben stellte sich Björn Ulvaeus ein leeres Haus vor, in dem noch die Erinnerungen an eine vergangene Beziehung nachhallen. Eine besondere Bedeutung erhielt der Song erst im Nachhinein, denn beide ABBA-Ehen zerbrachen in den folgenden Jahren.
    ["Arrival"] zeigt, wie klug Popmusik komponiert werden kann.

    Quelle: Katharina Heinius, Musikredakteurin über "Arrival"

    Wie "Arrival" die Popmusik bis heute prägt

    Mit "Arrival" prägten ABBA die Popmusik nachhaltig und wurden zum Vorbild für zahlreiche nachfolgende Künstlerinnen und Künstler. Meilensteine-Redakteur Stephan Fahrig bringt die Bedeutung der Band auf den Punkt: "Sie setzen damit Schweden auf die musikalische Landkarte dieser Welt." Damit schrieb ABBA nicht nur ein Stück Popmusikgeschichte, sondern ebnete auch den Weg für den internationalen Erfolg weiterer schwedischer Acts wie Roxette, Ace of Base oder später Avicii. Doch ihr Einfluss reicht weit über Schweden hinaus: Auch internationale Popstars wie Britney Spears, Katy Perry, Taylor Swift oder The Weeknd zeigen, wie präsent ABBAs musikalisches Erbe bis heute geblieben ist.

    Über diese Songs vom Album "Arrival" sprechen wir im Podcast

    (21:10) – "When I Kissed The Teacher"(28:22) – "Dancing Queen"(59:00) – "Fernando"(01:13:26) – "Knowing Me, Knowing You"(01:22:25) – "Money, Money, Money" Über diese Songs sprechen wir außerdem im Podcast (09:13) – "Waterloo" von ABBA(09:43) – "S.O.S." von ABBA(09:54) – "Mamma Mia" von ABBA(10:28) – "Fernando" von Anni-Frid Lyngstad(23:25) – "Det Där Med Kärlek" von Benny Andersson und Björn Ulvaeus(26:42) – "Don't Stand So Close To Me" von The Police(27:30) – "Hot For Teacher" von Van Halen(32:07) – "Nina, The Pretty Ballerina" von ABBA(33:43) – "Rock Your Baby" von George McCrae(34:06) – "Iko Iko" von James Crawford(01:26:42) – "Sandwich" von Benny Andersson und Björn Ulvaeus

    Shownotes

    Buchtipp: "Fernando and the Flute" von Philip Tagg. Was euch in diesem musikwissenschaftlichen Standardwerk erwartet, erfahrt ihr hierDas Video zu "When I Kissed The Teacher" auf YoutubeDas Video zu "Dancing Queen" auf YoutubeDas Video zu "Knowing Me Knowing You" auf YoutubeDas Video zu "Fernando" auf YoutubeDas Video zu "Money, Money, Money" auf YoutubeDie ABBA-Doku auf Arte: "ABBA: Das größte Pop-Phänomen der Welt"Björn im Interview mit Rick Beato auf YoutubeARD Podcast-Tipp: "Zwischen Hamburg und Haiti"
    Sun, 4 Oct 2026 - 1h 32min
  • 658 - Run-D.M.C. – "Raising Hell"

    DJ Jam Master Jay, Reverend Run und D.M.C. – das ist das Hip-Hop-Trio aus dem New Yorker Stadtteil Queens. 1982 hat sich die Gruppe gegründet und mit Songs wie "It’s Like That" und "King Of Rock" schon erste Erfolge gefeiert.

    Run-D.M.C. verändern mit "Raising Hell" den Hip Hop für immer

    Mit ihrem dritten Album "Raising Hell" leisten Run-D.M.C. wirkliche Pionierarbeit. Sie legen die Disco- und Funkbeats ab und machen den Hip Hop rauer – mit DJ und Drumcomputern wie zum Beispiel dem legendären "808". Mit ihrer Art von Hip Hop schaffen Run-D.M.C. es als erste Gruppe dieses Genres in die Top 10 der amerikanischen Billboard-Charts und auch als erste Hip-Hop-Formation auf das Cover des "Rolling-Stone"-Magazins.
    Run-D.M.C. haben es mit "Raising Hell" geschafft, den Hip Hop raus aus den Blockparties und rein in die Charts zu bringen!

    Quelle: Patrick Schütz, Musikredakteur über den Einfluss von Run-D.M.C.

    Auf "Raising Hell" haben Run-D.M.C. den ersten "Hip Hop"-Hit überhaupt in den Top Ten

    Sie verbinden Rap und Rock und haben zusammen mit Aerosmith und dem Song "Walk This Way" den ersten Crossover-Hit zwischen diesen beiden Genres geschafft. Der Song hat es in den 80ern bei vielen amerikanischen Radiostationen zum meist nachgefragten Song geschafft. Ihre Finger mit im Spiel haben dabei Russell Simmons und Starproduzent Rick Rubin. Die beiden betreiben 1986 schon seit zwei Jahren das erfolgreiche Plattenlabel "Def Jam" und produzieren das Album von Run-D.M.C.

    Rick Rubin und Run-D.M.C. verbinden auf "Raising Hell" Hip Hop und Rock

    Die besondere Verbindung zwischen Rap und Rock schafft vor allem auch Produzent Rick Rubin, der in beiden Musikgenres zu Hause ist. Ihm ist auch die Zusammenarbeit zwischen Aerosmith und Run-D.M.C. zu verdanken. Die Rapgruppe möchte den Song "Walk This Way" eigentlich nur – wie im Rap typisch – samplen. Rubin schlägt hingegen vor: Nehmt den Song doch zusammen mit der Band selbst auf. Eine Idee, mit der sich Run-D.M.C. nur schwer anfreunden können. Schließlich lässt sich das Trio aber trotzdem überzeugen. So schaffen Run-D.M.C. den Sprung in die Charts, und Aerosmith, die zu der Zeit nahezu in der Versenkung verschwunden waren, haben mit dem Song ein riesiges Comeback. Für eingefleischte Run-D.M.C.-Fans war das eine Art "Niedergang der Band", wie Katharina Heinius den Run-D.M.C.-Manager Russell Simmons paraphrasiert. Die bisherigen Fans der Gruppe würden sich mit dieser Herangehensweise vor den Kopf gestoßen fühlen.
    Aber so ist es immer. Wenn du versuchst, was Neues zu schaffen und sich keiner beschwert, dann hast du nichts Neues geschaffen!

    Quelle: Musikredakteur Patrick Schütz über Veränderung in der Musik

    Mit "Raising Hell" machen Run-D.M.C. Hip Hop massentauglich

    Rapper Chuck D. von der erfolgreichen Rap-Kombo "Public Enemy" hat Run-D.M.C. mal beschrieben als "die Beatles des Hip Hop". Diese Aussage polarisiert, beinhaltet aber viel Wahres, denn sie haben den Hip Hop, der vorher hauptsächlich in den Blockparties und der schwarzen Community stattgefunden hat, mainstreamtauglich gemacht. So haben sie dafür gesorgt, dass ein breiteres Publikum Zugang zum Hip Hop gefunden hat.
    Ihr Vermächtnis ist einfach der Hip Hop, wie wir ihn heute kennen! Den würde es ohne Run-D.M.C. gar nicht geben!

    Quelle: Patrick Schütz über die Bedeutung von Run-D.M.C. für den Hip Hop

    Über diese Songs vom Album "Raising Hell" sprechen wir im Podcast

    (16:07) – "Peter Piper"(26:04) – "It’s Tricky"(36:10) – "My Adidas"(42:40) – "Walk This Way"

    Über diese Songs sprechen wir außerdem im Podcast

    (04:46) – "Rappers Delight" von Sugarhill Gang(05:25) – "Good Times" von Chic(06:40) – "Christmas Rappin'" von Kurtis Blow(09:14) – "Rock Box" von Run-D.M.C.(10:54) – "King Of Rock" von Run-D.M.C.(11:38) – "Jam Master Jammin'" von Run-D.M.C.(18:31) – "Take Me To The Mardi Gras" von Bob James/Paul Simon(22:29) – "Fairytale Lover" von UTFO (Untouchable Force Organization)(29:34 ) – "My Sharona" von The Knack(30:05) – "Mickey" von Toni Basil(40:58) – "I Can't Stop" von John Davis & The Monster Orchestra

    Shownotes

    Artikel "Die Geburtsstunde des Hip Hop" bei "The Circle"Das Musikvideo zu "Walk This Way" auf YoutubeDas Musikvideo zu "It's Tricky" auf YoutubeInterview mit Rapper D.M.C. zur Geschichte hinter "Walk This Way" auf YoutubeARD Podcast-Tipp: Das Wissen: "Faszination Oktoberfest – Mehr als Massenrausch in Tracht"
    Sun, 27 Sep 2026 - 55min
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