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In der «Diskothek» reden wir über Musik und ihre Interpretationen. Zwei versierte Gäste mit guten Ohren vergleichen im Blindtest verschiedene Aufnahmen eines Werks und exponieren sich mit ihren Urteilen. In mehreren Hörrunden wird die Auswahl immer kleiner, bis die «beste» Aufnahme übrigbleibt – Spiel und Hörschulung zugleich. Die Werke stammen aus allen Epochen der klassischen Musik, vom Mittelalter bis zur Gegenwart.
- 584 - Florence Beatrice Price: Klaviersonate e-Moll
Während Dekaden geriet die Musik der US-amerikanischen Komponistin in Vergessenheit. Erst seit einigen Jahren entdecken auch namhafte Musizierende die Juwelen ihres mehr als 300 Werke umfassenden Œuvres. Nicht nur mit ihrer ersten Sinfonie, sondern auch mit ihrer Klaviersonate gewann Florence Beatrice Price im Jahr 1932 den Rodman Wanamaker Music Contest. Ihre Sonate verlangt einen starken Interpreten oder eine starke Interpretin. Temperament, Kraft und Technik sind ebenso gefragt wie feiner Klangsinn und Poesie. Ein Gespür für die flehenden, an Spirituals erinnernden Partien braucht es im berührenden zweiten Satz. Schnelle Doppelgriffe und rasende Oktaven fordern eine ausgefeilte Pianistik und stellen die Interpretierenden vor anspruchsvolle Aufgaben, technisch wie musikalisch. In der langen Geschichte der Diskothek steht nun erstmals eines ihrer Hauptwerke zur Diskussion; die Gäste im Studio sind die Musikwissenschaftlerin Corinne Holtz und der Pianist Oliver Schnyder.
Mon, 14 Sep 2026 - 583 - Leonard Bernstein: West Side Story
Liebe über alle Grenzen hinweg, ein Bandenkrieg mit tödlichem Ausgang und eine Musiksprache zwischen Klassik, Jazz und Latin. Mit der 1957 uraufgeführten West Side Story schuf Leonard Bernstein einen Meilenstein der Musicalgeschichte. Gemeinsam mit Jerome Robbins und Arthur Laurents sprengte Bernstein die Konventionen des Broadways. Mit der West Side Story wurde Musical zur Kunstform auf Augenhöhe mit Oper und Theater. Reales Zeitgeschehen bildet den Stoff. Rassendiskriminierung und Peer-Pressure bestimmen die Story um zwei verfeindete Jugendgangs im New York der Fünfziger Jahre. Die Jugendlichen aus weissem und lateinamerikanischem Milieu sind von Bernstein raffiniert durch unterschiedliche musikalische Stile charakterisiert. Operntechniken wie klassisch gebaute, komplexe Fugen stehen neben neusten Jazzströmungen, Bebop, lateinamerikanischen Rhythmen und aufwühlenden Songs. Die moderne Romeo-und-Julia-Story ist Aufruf zu Toleranz. Trotz tragischem Ende überwiegt zum Schluss die Hoffnung. Bernstein nannte sein Werk selbst «an out and out plea for racial tolerance». Die West Side Story bleibt thematisch brandaktuell und begeistert bis heute rund um den Globus: auf der Bühne im Film, im Konzert oder als Albumeinspielung. In dieser Diskothek vergleichen wir fünf Aufnahmen mit Musical-, Theater- und Operncasts. Gäste von Gabrielle Weber sind Stefan Wirth, Pianist und Komponist, und der Pianist James Alexander.
Mon, 07 Sep 2026 - 582 - Antonio Salieri: Les Danaïdes. Tragédie lyrique en cinq actes
Zwei verfeindete Zwillingsbrüder im alten Ägypten und Griechenland, eine Massenhochzeit, ein Massenmord und ein infernales Schlussbild mit Furienchor und Feuerregen. Salieri lieferte dem Pariser Publikum bei der Uraufführung am 26. April 1784 eine Dramatik und ein Spektakel, das man dort noch nicht auf der Bühne gesehen hatte. Antonio Salieri landete mit seinen Danaiden einen Riesenerfolg, der noch Jahrzehnte nachwirkte. Über diesen Fünfakter schwärmten später auch Hector Berlioz sowie Richard Wagner, und Ludwig van Beethoven, nur einer der vielen berühmten Schüler des Hofkomponisten von Joseph II., kopierte Stellen des Werks im Unterricht, um davon zu lernen. Wohl wegen des aufkommenden Nationalismus am Anfang des 19. Jahrhunderts fielen Antonio Salieri und sein grosses, teils geradezu avantgardistisches Œuvre mit fast 40 Opern zwischen Stuhl und Bank: Für die Italiener war der bereits als Teenager ausgewanderte Salieri ein Wiener, für die Wiener blieb er Italiener, und für die Franzosen war er ein Deutscher. Er wurde somit in keinem der Länder, in welchen er so erfolgreich wirkte, zur nationalen Identifikationsfigur oder zum Nationalkomponisten erkoren. 2025 jährten sich Salieris 200. Todestag. Aus diesem Anlass fand erstmals ein Werk dieses damals so beliebten und häufig gespielten Komponisten in die Diskothek. Gäste von Moritz Weber sind der Salieri-Biograf Timo Jouko Herrmann und der Bassbariton Robert Koller. Erstausstrahlung: 08.09.2025
Mon, 31 Aug 2026 - 581 - Iannis Xenakis: Herma / Mists / Khoaï
Die beiden Solowerke für Klavier «Herma» und «Mists», und dazu das Cembalostück «Khoaï» des griechischen Komponisten Iannis Xenakis. Das ist Musik wie ein Klangstrudel, voller brodelnder Energie – durchaus überfordernd für die Interpretin, aber mitreissend für das Publikum, dessen Ohren aber dennoch nicht frustriert oder betäubt werden. Die Pianistin Asia Ahmetjanova und die Musikwissenschaftlerin Doris Lanz diskutieren über verschiedene Möglichkeiten, wie man mit diesen archaischen Urkräften umgehen könnte…. Erstausstrahlung: 23.09.2024
Sat, 29 Aug 2026 - 580 - Richard Wagner: Götterdämmerung
Die Bayreuther Festspiele gibt es schon seit 150 Jahren - aus diesem Anlass eine Wagner-Diskothek. Wagners Götterdämmerung schliesst den Opernzyklus «Ring des Nibelungen» ab. Siegfried, der grosse Held, versagt kläglich, lässt Brünnhilde links liegen und vertraut den Falschen. Brünnhilde rächt sich, Siegfried stirbt. Und die Götter merken, dass sie die Menschen nicht mehr lenken können. Der Untergang der Götter wird mit einer Musik gezeigt, die wieder grosses Suchtpotential hat. Welche Aufnahme überzeugt am meisten? Das diskutiert Annelis Berger mit der Wagnersängerin Tanja Ariane Baumgartner und mit Andreas Homoki, Intendant am Opernhaus Zürich. Erstausstrahlung: 13.11.2023
Sat, 22 Aug 2026 - 579 - Sergei Rachmaninow: Klavierkonzert Nr. 4 g-Moll
Mit seinem 4. Klavierkonzert betritt Sergei Rachmaninow Neuland. Als er das Werk 1926 vollendete, lebte er bereits seit fast einem Jahrzehnt im amerikanischen Exil. Die Musikwelt hatte sich verändert: Jazz war allgegenwärtig, die Moderne auf dem Vormarsch. Auch Rachmaninow suchte nach neuen Ausdrucksformen. Das Ergebnis war ein Klavierkonzert, das sich deutlich von seinen berühmten Vorgängern unterscheidet – schlanker, rhythmisch markanter und überraschend modern. Die Uraufführung 1927 in Philadelphia verlief jedoch enttäuschend: Publikum und Kritiker vermissten die grossen, eingängigen Melodien der früheren Konzerte. Rachmaninow nahm sich die Kritik zu Herzen und überarbeitete das Werk gleich mehrfach. Die heute gespielte Fassung von 1941 ist deutlich kürzer und konzentrierter als das Original. Lange Zeit blieb das vierte Klavierkonzert ein Aussenseiter im Repertoire. Im Schatten des zweiten und dritten Konzerts wurde es nur selten aufgeführt. Erst in den letzten Jahrzehnten begann eine eigentliche Wiederentdeckung. Heute schätzen viele Pianistinnen und Pianisten gerade jene Qualitäten, die das Publikum einst irritierten: die raffinierte Harmonik, die rhythmische Energie und die ungewöhnliche Verbindung von russischer Spätromantik und amerikanischem Zeitgeist. In der Diskothek stehen fünf Aufnahmen von Rachmaminows g-Moll-Konzert zur Diskussion. Gäste von Eva Oertle sind die Pianistin Aglaia Graf und der Pianist Manuel Bärtsch.
Mon, 10 Aug 2026 - 578 - Alma Mahler: Fünf Lieder
Alma Mahler ist im Wien der Jahrhundertwende die Muse etlicher Künstler. Ihre eigenen künstlerischen Ambitionen muss sie jedoch der Liebe opfern. Ihr Ehemann Gustav Mahler duldet nur einen Komponisten in der Familie: sich selbst. Dennoch erkennt er später, welch Unheil er damit angerichtet hat, seiner jungen Frau das Komponieren zu verbieten. 1910 wählt er aus ihren frühen Werken fünf Lieder zum Druck aus. Doch es ist zu spät: Die lange Kompositionspause hat Almas künstlerische Entwicklung zum Erliegen gebracht, sie komponiert nur noch sehr wenig. Und auch die Ehe kriselt weiter; 1911 schliesslich stirbt Gustav Mahler. Erstmals werden nun Kompositionen von Alma Mahler in der Diskothek besprochen: die «Fünf Lieder» aus den Jahren vor 1901; gedruckt 1910. Gäste von Jenny Berg sind die Sängerin Silke Gäng und der Musikbibliothekar Markus Erni. Erstausstrahlung: 03.05.2021
Mon, 03 Aug 2026 - 577 - Arthur Honegger: Sinfonie Nr. 3 «Liturgique»
«Wenn Musik nur klingende Algebra wäre, würde sie mich kaum interessieren»: Für Arthur Honegger bedeutete Komponieren eine Position beziehen, er wollte die Menschen durch seine Musik wachrütteln. Ein Werk, in dem das besonders erfahrbar ist, ist Honeggers 3. Sinfonie. Entstanden ist sie unmittelbar nach Ende des 2. Weltkrieges, als Europa in Trümmern lag. Ihre Uraufführung fand vor 80 Jahren in Zürich statt, am 17. August 1946, dirigiert vom Widmungsträger Charles Münch. Honegger nannte sein Bekenntniswerk «Symphonie liturgique». Er zitiert in seiner Sinfonie zwar keine liturgischen Melodien, aber er setzte vor jeden der drei Sätze ein entsprechendes Zitat: Dies Irae, De profundis clamavi, Dona nobis pacem. Der Aufruhr am Tag des göttlichen Zorns, die hoffnungslose Verlorenheit des Menschen und der Kampf gegen dumpfen Maschinismus, wobei am Schluss doch so etwas wie die Vision einer besseren Welt auftaucht: Das sind die Stationen, die Honegger in seiner Musik symbolisiert. Gäste von Norbert Graf sind die Musikpublizistin Corinne Holtz und der Dirigent Matthias Kuhn. Erstausstrahlung: 04.04.2022
Mon, 27 Jul 2026 - 576 - Suite für 2 Viole da gamba und b.c. Nr. 6 G-Dur
Marin Marais war einer der wichtigsten Gambisten am Hof von Louis XIV. Einem breiteren Publikum wurde er durch den Film «Die 7. Saite» mit Gerard Depardieu bekannt. Marais Kompositionen sind noch heute für jeden Gambenspieler unverzichtbar – weil er sehr genau notierte, wie es klingen soll. Diese genaue Notation ist heute ein wertvoller Bestandteil in der historischen Musikforschung. Bei Marin Marais Werken kann man genau studieren, in welcher Vielfalt Triller, Praller, Verzierungen damals anzubringen waren. Doch vor allem sind Marais Kompositionen elegant und phantasievoll. Seine Suite für zwei Viole da gamba und Basso continuo Nr. 6 in G-Dur aus dem premier livre liegt denn auch in zahlreichen Aufnahmen vor. Fünf davon diskutiert Jenny Berg mit ihren beiden Gästen, der Gambistin Jane Achtman und dem Cembalisten Thomas Leininger. Erstausstrahlung: 11.04.2022
Mon, 20 Jul 2026 - 575 - Jacques Ibert: Flötenkonzert
Das Flötenkonzert von Jacques Ibert gilt als das bekannteste Flötenkonzert des 20. Jahrhundert, entstanden ist es 1934 für den französischen Flötenvirtuosen Marcel Moyse, der viel dazu beigetragen hat, dass die Querflöte in Frankreich und den USA wieder populär wurde. Ibert folgt in seinem Konzert nicht der Mode der Zeit - von der damaligen Avantgarde mit ihrer Zwölftonmusik und dem Bemühen, möglichst «atonal» zu schreiben hielt er nichts. Vielmehr verwendete er Elemente des Jazz und interessierte sich für die Musik der Renaissance und des Barock. Auch die drei Sätze des Flötenkonzerts erinnern in ihrer Anmutung an die barocken Tänze Allemande, Sarabande und Gigue. Wo liegen die Herausforderungen bei diesem Konzert? Wie setzt sich die Flöte gegen das Orchester durch? Die beiden Flötisten Felix Renggli und Kaspar Zehnder sind Gäste von Eva Oertle und vergleichen fünf Aufnahmen dieses virtuosen Bläserkonzerts. Erstausstrahlung: 01.03.2021
Mon, 13 Jul 2026 - 574 - Hans Werner Henze: Sinfonie Nr. 7
Heuer würde der bedeutende deutsche Komponist Hans Werner Henze seinen 100. Geburtstag feiern. Stilistisch zwischen Avantgarde und Postmoderne schuf er ein riesiges Œuvre mit seiner ganz eigenen Tonsprache. Die Sinnlichkeit und die reiche Klangfarbenfantasie seiner Musik lassen kaum jemanden kalt. Mehr als 40 Bühnenwerke hat er komponiert, zehn Sinfonien, Kammermusik und Solistisches wie auch Filmmusik. In seinen Sinfonien widerspiegelt sich unter anderem sein politisches Engagement und das Weltgeschehen im 20. Jahrhundert. Seine 7. Sinfonie bezeichnete er als «diejenige, die dem Modell der klassischen Sinfonie am nächsten kommt». Sie ist viersätzig, beginnt mit einem wilden Tanz, der langsame Satz ist ein berührendes, tiefschürfendes Lied (inklusive Düsternis), das Scherzo ist eine Hommage an den romantischen Dichter Friedrich Hölderlin und die Qualen, die der Poet in der grausamen Autenriethschen Nervenklinik durchleiden musste. Im Finale vertont Henze schliesslich Hölderlins vielinterpretiertes Gedicht «Hälfte des Lebens». Als Henze-Premiere in der Diskothek auf SRF 2 Kultur hören wir dieses eindrückliche Werk des polyglotten, mondänen und «genialen Musik-Verführers», der sich nicht durch den Fortschrittszwang der Avantgarde und deren Dogmen einengen liess. Gäste von Moritz Weber sind Titus Engel, Chefdirigent der Basel Sinfonietta und Schweizer Musikpreisträger 2025, und die Musikwissenschaftlerin Doris Lanz.
Mon, 06 Jul 2026 - 573 - Diskothek-Revue Juni
Jeweils in der letzten Diskothek-Ausgabe des Monats stellen wir die Gewinnerinnen und Gewinner der vorangegangenen Sendungen vor. Die in der Diskothek prämierten Interpret:innen und Ensembles treten hier auch mit anderem Repertoire oder in anderer Besetzung auf. In diesem Monat: Gérard Grisey: Partiels für 16 oder 18 Instrumente Joseph Haydn: Streichquartett G-Dur op. 33 Nr. 5 Giacomo Carissimi: Jonas. Oratorium Dmitri Schostakowitsch: Cellosonate d-Moll op. 40
Mon, 29 Jun 2026 - 572 - Dmitri Schostakowitsch: Cellosonate d-Moll op. 40
Als Schostakowitsch 1934 seine Cellosonate schrieb, war er ein erfolgreicher Jung-Komponist, verheiratet – und durch eine kurze Affäre beflügelt. Doch Diktator Stalin droht schon damals den Künstlern. Beides hört man in dieser Sonate, die von vielen Cello-Stars eingespielt wurde. Und weil diese Sonate des damals 28-jährigen Dmitri Schostakowitsch bei Solistinnen und Publikum gleichermassen beliebt ist, stellen wir sie in dieser Sendung vor. Aus den zahlreichen Aufnahmen hat Jenny Berg fünf zum Vergleich ausgesucht, Gäste im Studio sind die Cellistin Carla Keller und der Tonmeister Andreas Werner.
Mon, 22 Jun 2026 - 571 - Giacomo Carissimi: Jonas. Oratorium
Giacomo Carissimi gehört zu den wichtigsten italienischen Komponisten des frühen Barocks und gilt als einer der Wegbereiter des Oratoriums. Von Rom aus prägte er die Entwicklung dieser noch jungen Gattung und beeinflusste zahlreiche Komponisten in ganz Europa, darunter auch Marc-Antoine Charpentier. Carissimis Oratorium Jonas ist vermutlich in den 1640er-Jahren entstand. In kaum mehr als zwanzig Minuten erzählt Carissimi hier die alttestamentliche Geschichte des Propheten Jonas: seine Flucht vor Gottes Auftrag, den Sturm auf See, den Aufenthalt im Bauch des Walfisches und schliesslich die Umkehr der Stadt Ninive. Mit einfachen Mitteln erzielt Carissimi eine grosse dramatische Wirkung. Eindrucksvolle Chorszenen schildern den tobenden Sturm, während die Solisten die Handlung vorantreiben und die inneren Konflikte der Figuren sichtbar machen. Besonders bemerkenswert ist die enge Verbindung von Text und Musik, die bereits auf spätere Meister des Oratoriums wie Schütz und Bach vorausweist. In der Diskothek vergleicht Eva Oertle gemeinsam mit dem Cembalisten Thomas Leininger und dem Chordirigenten Raphael Immos fünf unterschiedliche Aufnahmen von Carissimis Jonas.
Mon, 15 Jun 2026
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