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International

Die Welt ist unübersichtlich geworden – «International» hilft, sie zu verstehen. Mit den SRF-Auslandkorrespondentinnen und -korrespondenten reisen wir dorthin, wo Geschichten entstehen: Krisengebiete, Wirtschaftsmächte, vergessene Regionen. Nicht Schlagzeilen, sondern Zusammenhänge: Reportagen und Gespräche zu Politik und Gesellschaft aus allen Weltregionen.
- 654 - «Arsenal» statt Anstellung: Sportwetten verführen Afrikas Jugend
Ein paar Rappen Einsatz, ein Monatslohn als möglicher Gewinn: Sportwetten boomen in Afrika. Gerade für viele junge Männer mit unsicherem Einkommen ist die Verlockung gross. Gleichzeitig wächst ein Markt, mit dem Regulierung und Aufsicht kaum Schritt halten. FC Zürich, Servette, Young Boys: In der ugandischen Hauptstadt Kampala kennt man sich erstaunlich gut mit Schweizer Fussball aus. Nicht nur aus sportlichem Interesse. Auf europäische Spiele wird längst intensiv gewettet – im Wettbüro, vor allem aber via Smartphone-App. Arsenal, Barcelona, PSG - längst geht es dabei nicht mehr nur darum, wer gewinnt: Getippt wird auf Tore, Karten, Eckbälle oder darauf, was in den nächsten zehn Minuten passiert. Kleine Einsätze, schnelle Entscheidungen, laufend neue Wettmöglichkeiten. «International» ist in Uganda und Ghana unterwegs und trifft junge Männer, für die Sportwetten längst zum Alltag gehören. Sie erzählen von Gewinnen, aber auch davon, wie schnell Wetten selbst zum finanziellen Problem werden kann.
Wed, 16 Sep 2026 - 653 - TALK: Istanbul – wie lebt es sich in der grössten Stadt Europas?
Istanbul ist die bevölkerungsreichste Stadt Europas: Zwischen 16 und 20 Millionen Menschen leben in der Metropole. Doch bezahlbarer Wohnraum ist rar, und das Leben ist teuer. Weshalb es für viele in der Türkei trotzdem keine Alternative zu Istanbul gibt, erzählt die Journalistin Susanne Güsten.
Sat, 12 Sep 2026 - 652 - Eminönü – das pulsierende Herz Istanbuls
Seit Jahren kämpfen die Menschen in der Türkei mit hoher Inflation und sinkender Kaufkraft, doch grosse Proteste gegen die Wirtschaftskrise bleiben aus. Wie lebt es sich in einem Land, in dem Krisen zum Alltag gehören? Eminönü, das traditionsreiche Handelsviertel von Istanbul: Jeden Morgen erwachen hier tausende Geschäfte, Werkstätten und Marktstände zum Leben. Händler feilschen um Preise, Lastenträger schleppen Waren durch die engen Gassen, Tee wird ausgeschenkt, Schuhe werden geputzt. Menschen aus allen Teilen der Stadt und des Landes kommen hierher, um zu kaufen, zu verkaufen – und irgendwie ihr Auskommen zu finden. Einen Tag lang erzählen Händler, Handwerker und Arbeiter, wie sich ihr Leben verändert und wie sie mit Inflation, schwindender Kaufkraft und unsicheren Zukunftsaussichten umgehen. Dabei zeigt sich: Wirtschaftliche Krisen sind für viele Türkinnen und Türken längst kein Ausnahmezustand mehr. Sie haben gelernt zu improvisieren, sich anzupassen und sich durchzuschlagen. Eine Reise durch das Herz von Istanbul – und durch eine Gesellschaft, die trotz allem weitermacht.
Wed, 09 Sep 2026 - 651 - TALK: China ernährt Milliarden. Doch zu welchem Preis?
Ausland-Korrespondent sein bedeutet auch, das zu essen, was im jeweiligen Land auf den Tisch kommt. Das ist oft ganz anders als bei uns, und wird oft ganz anders produziert: zum Beispiel in China, dem grössten Nahrungsmittel-Produzenten der Welt.
Sat, 05 Sep 2026 - 650 - China: Kampf um die Reisschüssel zwischen Tradition und Gen-Tech
Kein Land produziert so viele Lebensmittel wie China. Ernährungssicherheit hat für Chinas Führung oberste Priorität. Für eine produktivere Landwirtschaft müssen die traditionellen Kleinbauern weichen. «China muss seine Reisschüssel selbst in den Händen halten und sie vor allem mit Getreide aus eigenem Anbau füllen.» Diese Aufforderung ruft der chinesische Präsident Xi Jinping seinen Parteikadern regelmässig in Erinnerung. Die eigene Lebensmittelversorgung hat oberste Priorität für den Staatschef, der in seinen Jugendjahren selbst Hunger erlebt hat. Heute produziert China mehr Lebensmittel als jedes andere Land der Welt: mit Fabrikhallen-grossen Gewächshäusern, Gentechnologie und modernsten Ernte-Überwachungssystemen. China will auch in der Landwirtschaft weltweit spitze werden. So wie die bekannten chinesischen Elektroautos, Roboter und die Künstliche Intelligenz, soll auch die Agronomie global führend werden. Dafür sollen Junge aufs Land ziehen und die kleinen Bauernhöfe zugunsten grosser, industrieller Landwirtschaftsbetriebe verschwinden. Die industrielle Revolution in der Landwirtschaft mag einleuchten für einen Staat, der ein Milliardenvolk ernähren muss. Sie hat aber ihren Preis: Chinas Kleinbauern kämpfen ums Überleben, und der Staat muss paradoxerweise mehr Nahrungsmittel importieren. Die Reportage von den Brennpunkten des chinesischen Agrarwunders.
Wed, 02 Sep 2026 - 649 - TALK: Kaum Privates, keine Skandale – wie schafft Meloni das?
Es ist ungewohnt für Italiens Politik: Über Giorgia Melonis Privatleben ist nur sehr wenig bekannt und sie selbst ist in keinerlei Skandale verwickelt. Italienkorrespondent Franco Battel erklärt, wie Meloni sich der Aufmerksamkeit der Boulevardmedien zu entziehen vermag.
Sat, 29 Aug 2026 - 648 - Vier Jahre Meloni: Italiens Rekordregierung im Realitätscheck
Noch nie hat eine italienische Regierung so lange durchgehalten. Giorgia Meloni schlägt damit den bisherigen Rekordhalter Silvio Berlusconi. Doch was hat sie in ihren bald vier Jahren an der Macht tatsächlich erreicht? Im Wahlkampf hatte Meloni viel versprochen: Sie wollte Italien wieder stolz machen, forderte eine Seeblockade gegen illegale Migration und härtere Strafen für Kriminelle. Vor allem aber wollte sie dem geburtenschwachen Land wieder zu mehr «bambini» verhelfen. Wo steht Italien heute, nach fast vier Meloni-Jahren? Antworten geben Italienerinnen und Italiener an vier verschiedenen Orten und aus ganz unterschiedlichen Perspektiven: Ein Lehrer und Schriftsteller, der an der Peripherie Neapels lebt; ein lesbisches Paar, das gegen alle Widerstände eine Familie gründet; eine Agrarunternehmerin aus dem Umland von Rom und ein Berater des italienischen Bildungsministers. Dabei zeigt sich: Giorgia Melonis Regierung ist zwar stabil wie kaum eine vor ihr. Grosse Reformen aber hat auch sie nicht zustande gebracht.
Wed, 26 Aug 2026 - 647 - TALK: Wie kommt man an Stimmen im Iran während des Krieges?
Proteste, Krieg und Wirtschaftskrise, Iranerinnen und Iraner haben dieses Jahr viel durchgemacht. Für «International» stand Nahostkorrespondent Thomas Gutersohn monatelang in Kontakt mit Menschen im Iran. Im Talk erzählt er, wie seine Quellen trotz Angst und Hürden ihre Sicht der Dinge schildern.
Sat, 22 Aug 2026 - 646 - Stimmen aus dem Iran: Vom Aufbruch in die Verzweiflung
Anfang Jahr protestierten Hunderttausende im Iran für Freiheit. US-Präsident Donald Trump versprach Unterstützung, brachte aber Zerstörung – einen Krieg zwischen dem Iran und den USA. Gefangen zwischen dem eigenen Regime und den US-Angriffen verhallen die iranischen Rufe nach Freiheit im Nichts. Im Januar sah es nach einem Umbruch im Iran aus. Hunderttausende gingen gegen das repressive Regime in Teheran auf die Strasse. Dieses reagierte mit äusserster Härte – Tausende, wenn nicht Zehntausende starben. Mit einer Armada wollte US-Präsident Donald Trump dem iranischen Volk zu Hilfe eilen. Doch sein Eingreifen brachte nichts als Zerstörung. Die Revolutionsgarden scheinen mittlerweile fester im Sattel als je zuvor. Das Ringen um die Vorherschafft in der Strasse von Hormus nimmt kein Ende. Gefangen zwischen den Fronten ist das iranische Volk, das nun noch stärker überwacht wird und noch mehr unter der wirtschaftlichen Misere im Land leidet. Der Ruf nach Freiheit ist im Machtkampf um den Persischen Golf ungehört verhallt. In anonymen Sprach und Text-Nachrichten berichten Iranerinnen und Iraner wie ihre Hoffnung der Verzweiflung wich und dem Gefühl, von der Welt im Stich gelassen zu werden.
Wed, 19 Aug 2026 - 645 - TALK: Insel Gotland: Was bedeutet die Rückkehr der Militärs?
Nach dem Kalten Krieg zog das neutrale Schweden seine Truppen ab. Mit dem Nato-Beitritt vor zwei Jahren erfolgte eine grosse Wende. Für "International" hat SRF-Nordeuropakorrespondent Bruno Kaufmann Gotland besucht und erzählt über seine Begegnungen und einen Flashback in die 1980-er Jahre.
Sat, 15 Aug 2026 - 644 - Gotland: Schwedens Ferieninsel wird zur Nato-Front gegen Russland
Die grösste Insel der Ostsee gehört zu den Tourismushotspots im hohen Norden. Nach dem Beitritt des über zwei Jahrhunderte lang neutralen Schwedens zur Militärallianz Nato wird Gotland nun aber zu einem militärischen Stützpunkt gegen Russland ausgebaut. Die Bevölkerung gerät zwischen die Fronten. Mit der Übernahme des Bauernhofes ihrer Eltern an der gotländischen Ostküste verwirklichten Ulrika Sundberg und ihre fünfköpfige Familie vor drei Jahren einen Traum. Sie zogen von der hektischen Millionenmetropole Stockholm auf die naturschöne Insel Gotland mitten in der Ostsee – zu einem Leben mit viel harter Arbeit, aber auch viel frischer Luft, Frieden und Ruhe. Doch der Beitritt Schwedens zur Nato im Nachzug zum russischen Angriff auf die Ukraine änderte diese Rahmenbedingungen radikal. In den letzten beiden Jahren hat die vielbesuchte Ferieninsel in den militärischen Strategieplänen eine ganz neue Rolle erhalten: als zentral gelegener Stützpunkt für einen auch offensiv zu führenden Konflikt gegen Russland. Am Rande des Bauernhofes der Familie Sundberg steht jetzt in einem Sperrgebiet eine Radaranlage der Nato, im unmittelbaren Hinterland üben Panzer den Landkrieg und landen Kampfjets auf umfunktionierten Landstrassen. Das eh schon knappe Wasser und die angeschlagene Gesundheitsversorgung für die 60'000 Gotländerinnen und Gotländer werden zu akuten Mangelwaren. Die Reportage aus dem Herzen der Ostsee, das wegen der geopolitischen Entwicklung plötzlich ganz anders schlägt.
Wed, 12 Aug 2026 - 643 - TALK: Was ist eigentlich mit Imelda Marcos' Schuhen passiert?
Die nach der Flucht zurückgelassenen Schuhe machten die frühere First Lady der Philippinen weltweit berühmt. Ein Teil von ihnen ist heute in einem Museum. Die einst aus dem Amt gejagte Marcos-Familie ist inzwischen wieder an der Macht und streitet sich mit einer anderen mächtigen Familie.
Sat, 08 Aug 2026 - 642 - Philippinen: Showdown der Dynastien
Einst waren sie Verbündete, jetzt bekämpfen sie sich mit allen Mitteln: Die Marcos- und Duterte-Dynastien. In den Philippinen ist Politik Familiensache. International im Sommer: Die Kurzreportage. Es geht um Verrat, Korruption und Morddrohungen. Der Machtkampf zwischen Präsident Marcos Junior und Vizepräsidentin Sara Duterte wird mit harten Bandagen geführt. Präsident Marcos hat den Vater seiner Vizepräsidentin Sara Duterte, Ex-Präsident Rodrigo Duterte, nach Den Haag überstellt. Die Anklage wirft ihm Verbrechen gegen die Menschlichkeit während seines «Kriegs gegen Drogen» vor. Sara Duterte, gegen die ein Amtsenthebungsverfahren läuft, drohte dem Präsidenten wiederum mit dem Tod. Die Familienfehde ist symptomatisch für die Politik der Philippinen, die nicht von Parteien, sondern von mächtigen Dynastien dominiert wird. Während Marcos-Anhänger die Absetzung der Vizepräsidentin fordern, fühlen sich deren Unterstützer verraten.
Wed, 05 Aug 2026 - 641 - TALK: Wie frei sind Israels Medien?
Israel rühmt sich für seine Pressefreiheit, und tatsächlich gibt es viele Medien, von ganz links bis ganz rechts. Doch es gibt Tabus, die nur wenige Journalistinnen und Journalisten brechen: Etwa die Berichterstattung über die Situation im Gazastreifen. Darüber spricht Anna Trechsel im Talk.
Sat, 01 Aug 2026 - 640 - Zu Besuch bei Israels kontroversem Fernsehsender
Benjamin Netanjahus Beziehung zu den Medien ist belastet, nur der Fernsehsender «Kanal 14» steht ganz in der Gunst des Premierministers. Kritikerinnen und Kritiker sehen in dem Sender ein reines Propagandainstrument. International im Sommer – die Kurzreportage. Israel rühmt sich für seine Pressefreiheit und die lebendige Medienlandschaft. Es gibt zahlreiche Zeitungen, Online-Magazine, Radiostationen und Fernsehsender, die alle politischen Lager bedienen. Von ganz links bis ganz rechts. Doch: Wie weit darf die Pressefreiheit gehen? Ein Fernsehsender, «Kanal 14», ist nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 mit einer menschenverachtenden Rhetorik aufgefallen. Talkshow-Teilnehmer riefen offen zur Auslöschung Gazas auf und forderten, Hunderttausende Palästinenserinnen und Palästinenser sollten getötet werden. Vor dem Obersten Gerichtshof wurden deshalb mehrere Petitionen gegen den Sender eingereicht, die noch hängig sind. «International» ist zu Besuch bei «Kanal 14» und spricht mit der Journalistin Irit Linur, die regelmässig in der Talkshow «Die Patrioten» auftrifft. Die Vorwürfe gegen den Sender findet sie lächerlich. Ganz anders beurteilt das der Schriftsteller Yishai Sarid, der in seinem Roman «Chamäleon» die Geschichte eines Journalisten erzählt, der politisch die Seiten wechselt.
Wed, 29 Jul 2026 - 639 - TALK: Warum ist die indische Gesellschaft so hierarchisch?
In Indien werden Menschen zum Teil bereits von Geburt an diskriminiert. Die Gegensätze zwischen arm und reich, zwischen den untersten und den obersten Kasten, sind enorm. Warum ist das so? Und wie geht Südasien-Korrespondentin Maren Peters damit um? Darüber spricht sie im International-Talk.
Sat, 25 Jul 2026 - 638 - Dalit in Indien: Gefangen im Dreck
Die Regierung sagt: Es gibt sie nicht. Das Gesetz sagt: es ist verboten. Und doch putzen täglich Zehntausende Menschen in Indien die Fäkalien anderer weg. Die meisten gehören zur untersten Gesellschaftsschicht der Dalit. Die UNO spricht von Zwangsarbeit. International im Sommer – die Kurzreportage. Pravin Singh weiss, dass er sterben kann, bei dem, was er tut. Er ist Tagelöhner in der indischen Wirtschaftsmetropole Mumbai und steigt in Klärgruben hinab, um sie zu reinigen – nur mit seinen Händen und ohne Schutzausrüstung. «Ich habe Angst da unten, ich bin allein, es ist sehr eng. Ich habe Angst, zu ersticken. Aber was soll's, die Arbeit muss erledigt werden.» Bevor er in den Tank steigt, trinkt der 45-Jährige Alkohol, wie viele seiner Kollegen. Die meisten sind Dalit. Sie wurden früher Unberührbare genannt und werden diskriminiert. In Indien ist das Wegputzen von Fäkalien mit blossen Händen schon seit 2013 verboten. Und doch gibt es sie noch überall. Häufig komme es zu tödlichen Unfällen, schreibt die UNO-Arbeitsorganisation ILO und spricht von Zwangsarbeit. «Wir putzen die Fäkalien nicht weg, weil wir uns das ausgesucht haben, sondern weil wir in eine Kaste hineingeboren wurden, der die Gesellschaft diesen Beruf zugewiesen hat», sagt der indische Aktivist Bezwada Wilson. Ein Teufelskreis. Diesen zu unterbrechen, ist nicht einfach.
Wed, 22 Jul 2026 - 637 - TALK: Wer hat Angst vor dem Freedom Theatre Dschenin?
In Dschenin im Westjordanland wachsen Kinder im Kreuzfeuer zwischen Palästinensern und Israeli auf. Das Freedom Theatre lehrt sie, ihre Gefühle mit Worten, statt Waffen auszudrücken. Damit gerät das Theater selbst ins Visier und wurde 2023 sogar zerstört. Trotzdem lässt es sich nicht mundtot machen.
Sat, 18 Jul 2026 - 636 - Dschenin, Westjordanland: Ein Theater trotzt der Gewalt
Die Stadt Dschenin im Westjordanland ist ein Brennpunkt des Nahostkonflikts. Im Kreuzfeuer zwischen Palästinensern und Israeli entstand ein Theater, das den Waffen mit Worten entgegnete. Dafür wurde es zerstört. Aber tot ist das Theater noch nicht. International im Sommer – die Kurzreportage. Am 13. Dezember 2023 drangen israelische Soldaten ins Freedom Theatre Dschenin ein. Kurz danach verhafteten sie den Theaterdirektor Mustafa Sheta in einer grossen Militäroperation. «Die Soldaten kamen von allen Seiten, um mich zu verhaften: durch den Garten, sogar vom Dach, überall standen Jeeps: ich kam mir vor wie ein gesuchter Top-Terrorist, wie Osama Bin Laden.» Trotz internationaler Proteste von Kulturschaffenden: der Theaterdirektor verbrachte – ohne Anklage - fünfzehn Monate in israelischen Gefängnissen. Erst, als er am 13. März 2025 freigelassen wurde, erfuhr er: sein Theater gab es nicht mehr. Das Quartier, in dem es entstanden war: nur noch Schutt und Asche. Das palästinensische Freedom Theatre im Flüchtlingslager Dschenin, das ursprünglich von der jüdischen Menschenrechtsaktivistin Arna Mer-Chamis und ihrem Sohn Juliano gegründet worden war, schien endgültig tot. Mundtot ist das Theater aber, aller Gewalt zum Trotz, noch immer nicht. Es spielt wieder. Und bietet Kindern und Jugendlichen, die inmitten dieser Gewalt Eltern, Freunde, Geschwister und ihr Zuhause verloren haben, weiterhin einen Ort, wo sie ihre Gefühle ausdrücken können. Die Reportage über eine Reise zu einem Theater, das sich nicht mundtot machen lässt.
Wed, 15 Jul 2026 - 635 - TALK: Sind wirklich so viele Menschen unzufrieden in Deutschland?
Es wird viel gemeckert bei unserem nördlichen Nachbarn. Nicht verwunderlich, es liegt ja auch vieles im Argen. Die Infrastruktur, die Wirtschaft – es läuft vieles nicht rund. Aber ist das Gemecker auch immer gerechtfertigt? Darüber spricht Deutschlandkorrespondentin Simone Fatzer im Talk.
Sat, 11 Jul 2026 - 634 - Eine Reise durch Deutschland. Zu jenen, die machen statt motzen.
Es klemmt gerade vielerorts in Deutschland. Der einstige Wirtschaftsmotor Europas stottert, die Infrastruktur bröckelt, die Bahn ist notorisch unzuverlässig und viele Handwerksbetriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. Was also geht da noch? Und dank wem? Da sind die Bauarbeiter, die auch in der Sommerhitze die Autobahnen in Schuss halten. Die blöd angegangen werden. Und doch stolz darauf sind, dass sie ihren Job gemacht haben. Da ist der Bäckermeister, der trotz Krise des Handwerks tagtäglich in der Backstube steht, seine Schrippen bäckt und sich darüber wundert, warum in Deutschland so viel gemeckert und geklagt wird. Oder der Zugbegleiter, der nicht nur positiv denkt, sondern auch positiv ist. Und sagt: «Seien sie froh, dass der Zug fährt. Er könnte ja auch komplett ausfallen». Deutschland stottert, stagniert, aber bleibt nicht stehen. Denn: Leute wie sie halten mit ihrer Arbeit das Land am Laufen. Ihr Alltag ist manchmal schwierig, ihre Mitmenschen sind bisweilen respektlos. Doch, so sagt es ein Gewerkschafter: «Es macht weiterhin Spass». Aller Widerwärtigkeiten zum Trotz.
Wed, 08 Jul 2026 - 633 - TALK: Wird Präsident Trump von Geschworenen ausgebremst?
Donald Trump richtet das Justizministerium als Waffe gegen seine Gegner. Doch er wird teilweise ausgebremst: von Richterinnen und Richtern, aber auch von Geschworenengremien. USA-Korrespondent Andrea Christen dazu, wie normale Bürgerinnen und Bürger im Gerichtssaal ein Schutzschild sein können.
Sat, 04 Jul 2026 - 632 - Trumps Vergeltung: Wie der Präsident die Justiz zur Waffe macht
In seiner zweiten Amtszeit rechnet Donald Trump ab. Er verwandelt das Justizministerium in ein Werkzeug der Vergeltung, während er Anhänger und Verbündete begnadigt. Es ist unklar, ob sich der Rechtsstaat davon erholt. Trump macht keinen Hehl daraus, dass er auf Vergeltung aus ist. «Ich wurde gejagt, von sehr schlechten Menschen, aber jetzt bin ich der Jäger», sagte er im Mai. Trump, der erste US-Präsident der angeklagt und verurteilt wurde, sieht sich selbst als Opfer einer instrumentalisierten Justiz. Nun richtet er das mächtige Justizministerium seinerseits gegen seine Gegner. Er hat die traditionelle Unabhängigkeit der Bundesstaatsanwaltschaft aufgehoben und fordert die Strafverfolgung jener, die er zu seinen Feinden zählt. Verbündete, die verurteilt wurden, begnadigt er – auch jene, die am 6. Januar 2021 das Kapitol in Washington stürmten. «Es ist niederschmetternd, den Niedergang des Rechtsstaates mitansehen zu müssen», sagt Andrew Weissmann, der jahrelang ein führender Bundesstaatsanwalt war. Trump schafft eine Blaupause dafür, wie Präsidenten Strafverfolgungen für ihre Zwecke einsetzen können. Die Schutzmechanismen, welche Staatsanwälte von politischer Einflussnahme abschirmen sollten, haben sich als zu schwach erwiesen. «Wenn rechtsstaatliche Regeln einmal verletzt wurden, ist es schwierig, den Geist wieder in die Flasche zu bringen», sagt John Jones, ein ehemaliger Bundesrichter.
Wed, 01 Jul 2026 - 631 - TALK: Wie religiös ist Brunei?
Brunei ist bekannt für prunkvolle Paläste, goldene Staatskarossen und die reiche Herrscherfamilie. Seit einigen Jahren gelten in Brunei strenge Scharia-Gesetze. Es drohen drakonische Strafen. Martin Aldrovandi hat Brunei bereist, im Talk erzählt er, wie die Menschen im kleinen Sultanat leben.
Sat, 27 Jun 2026 - 630 - Brunei: Die strenge Wohlfühl-Monarchie
In Brunei lässt es sich gut leben: keine Einkommenssteuern, kostenlose Bildung und medizinische Versorgung. Der grosszügige Wohlfahrtsstaat ist jedoch eine absolute Monarchie mit strengen Scharia-Gesetzen. Sultan Hassanal Bolkiah ist der dienstälteste Monarch der Welt. Er regiert Brunei als absoluter Herrscher, lebt im grössten Palast der Welt und soll die grösste private Autosammlung besitzen. Den Reichtum verdankt das kleine Sultanat Öl- und Gasvorkommen. Auch die Einwohnerinnen und Einwohner profitieren davon: Sie müssen keine Einkommenssteuer bezahlen, Spitalbesuche und Schulen sind kostenlos. Für internationale Schlagzeilen und Empörung sorgte das Sultanat, als es vor einigen Jahren die Scharia verschärfte. Seither droht etwa Homosexuellen theoretisch die Todesstrafe durch Steinigung. In Brunei selbst fühlen sich viele vom Ausland missverstanden. Der pensionierte Saifful bringt es auf den Punkt: «Das Einzige, was den Menschen in Brunei fehlt, ist die Freiheit. Aber mehr Freiheit hat ihren Preis – was wir jetzt haben, ist gut genug.» Freiheit gegen Wohlfahrt: Für viele scheint der Tausch fair zu sein. Offene Kritik am System ist tabu.
Wed, 24 Jun 2026 - 629 - TALK: Trockenes Sizilien - woher kommt in Zukunft unser Essen?
Im Winter bezieht die Schweiz sehr viele Früchte und viel Gemüse aus dem Mittelmeer-Raum. Doch was geschieht, wenn die Trockenheit im Süden weiter zunimmt? SRF-Wissenschaftsredaktor Christian von Burg hat in Sizilien mit Bauern gesprochen, die nun kreative Lösungen suchen müssen.
Sat, 20 Jun 2026 - 628 - Sizilien: Die Kornkammer wird zur Steppe
Sizilien war schon für die Römer wichtig für die Ernährung. Bis heute, exportiert die grösste Insel Italiens nicht nur Getreide, sondern auch Zitronen, Orangen und viel Gemüse – auch in die Schweiz. Doch nun droht ein grosser Teil der ertragreichen Böden zur Wüste zu werden. Die höchste bisher in Europa gemessene Temperatur liegt bei 48,8 Grad Celsius. Gemessen wurde sie auf Sizilien. Im Sommer 2024 war die Dürre auf der Mittelmeerinsel so gross, dass die Bauern gezwungen waren, Tiere notzuschlachten und Zitrusbäume auszureissen. Der Klimawandel bedroht Sizilien als wichtige Kornkammer. Das Innere der Insel droht zur Wüste zu werden. 70 Prozent der Fläche sei betroffen, schätzt der italienische Forschungsrat. «Die Sahara dehnt sich aus gegen Norden», sagt Klimawissenschaftler Davide Faranda, «sie ist bereits in die südlichen Gebiete Europas eingezogen». Sizilien muss mit mehr Wetterextremen auskommen. Wie gehen die sizilianischen Bäuerinnen und Bauern mit dieser Situation um? Werden die Zitronen nun durch tropische Avocados ersetzt? Und woher beziehen Länder wie die Schweiz in Zukunft im Winter Gemüse und Früchte, wenn die Trockenheit im Mittelmeerraum weiter zunimmt?
Wed, 17 Jun 2026 - 627 - TALK: Wie lebt es sich als Beduine in Israel?
In Israel leben mehrere Hunderttausend Beduinen, oft in prekären Verhältnissen: Eingepfercht in engen Wohnblocks in der Stadt Rahat etwa, oder staatlich nicht anerkannten Dörfern. Es ist oft ein Leben am Rande der Gesellschaft, wie ARD-Korrespondentin Bettina Meier erfahren hat.
Sat, 13 Jun 2026 - 626 - Wie Beduinen in Israel und Palästina ums Überleben kämpfen
Noch etwa 100‘000 Beduinen leben in Dörfern, die der Staat Israel nicht anerkennt, ohne Strom, Wasser und ohne Rechte. Und das, obwohl die Beduinen seit Generationen vor allem in der Negev-Wüste und im Jordantal leben. Doch ihre traditionelle Lebensweise und ihre Dörfer sind in Gefahr. Erst kürzlich drohte Israels Finanzminister Bezalel Smotrich damit, die Beduinengemeinde Khan al-Ahmar im besetzten Westjordanland räumen zu lassen. Nicht nur die Beduinen aus Khan al-Ahmar leben seit Jahren mit der Angst, vertrieben zu werden. Für die Familie Zayed ist das bereits Realität geworden. Jüdische Siedler überfielen ihr Heimatdorf im Jordantal, drangen in Häuser ein, bedrohten die Bewohner. Die Familie musste fliehen. Doch auch dort, wohin Israel die Beduinen zwangsumsiedeln will, gibt es keine Zukunft. Seit den 70er Jahren versucht der Staat, die Beduinen nach Rahat umzusiedeln. Die Stadt in der Negev-Wüste platzt aus allen Nähten. Der Staat hat die Bewohner vergessen. Besonders für die vielen jungen Beduinen, die in Rahat aufwachsen, ist die Situation kaum erträglich. Viele Junge fühlen sich abgehängt vom modernen Leben. Gleichzeitig identifizieren sie sich nicht mehr mit traditionellen Lebensweisen der Beduinen, sagt Sozialarbeiter Jamal Al-Kirnawi. Sein Motto: Hilfe zur Selbsthilfe. Wenn Kinder verfeindeter Beduinenclans in Rahat gemeinsam Fussball spielen, kann das Brücken bauen, sagt er und zeigt, wie ein Fussballfeld zum Rückzugsort für junge Beduinen wird.
Wed, 10 Jun 2026 - 625 - TALK: Welche Zukunft hat die Gen Z in Madagaskar?
Jugendproteste haben im Herbst zu einem Regimewechsel in Madagaskar geführt. Das Durchschnittsalter in Madagaskar beträgt nur gerade 20 Jahre. Leonie March hat die junge Generation getroffen und mit ihr über ihre Zukunftsvisionen für das Land gesprochen.
Sat, 06 Jun 2026 - 624 - Madagaskar: Wenn Korruption den Wasserhahn trockenlegt
Im Herbst 2025 hatten Proteste der jungen Bevölkerungsmehrheit, der GenZ, in Madagaskar zu einem Regimewechsel geführt. Auslöser war die Wasserkrise in dem südostafrikanischen Inselstaat. Eine militärgeführte Übergangsregierung verspricht nun Lösungen. Aber die Skepsis bleibt. Madagaskar hat schon viele Krisen und Regimewechsel erlebt. Es sei wie ein Land des ständigen Neuanfangs, der immer wieder scheitert, beschreibt Historiker Harilala Ranjatohery die Situation in seiner Heimat. Die GenZ-Proteste im letzten Herbst haben bei ihm jedoch leise Hoffnungen geweckt. Sie hatten sich zuerst am Thema Wasser entzündet - denn selbst in den Wohnungen der Hauptstadt Antananarivo kommt kaum ein Tropfen mehr, weil die öffentlichen Gelder für die Infrastruktur in korrupten Kanälen versickert sind. In den Provinzen führen Misswirtschaft und Klimawandel zu Dauerdürren, Hunger und chronischer Mangelernährung. Die neue militärgeführte Übergangsregierung hat grundlegende Reformen, ein Referendum und demokratische Wahlen 2027 versprochen. In der Protestbewegung jedoch wachsen Zweifel, ob diesen Versprechen auch Taten folgen. Einige junge Leute wollen nicht darauf warten, sondern arbeiten selbst an Lösungen, um die Krise zu lösen und Perspektiven zu schaffen.
Wed, 03 Jun 2026 - 623 - TALK: Fussball-WM Nordamerika – Kanada nur Juniorpartner der USA?
Die USA, Kanada und Mexiko sind die Gastländer der Fussball-WM. US-Präsident Trumps Bemerkung, Kanada sollte der 51. Bundesstaat der USA werden, sorgt im WM-Austragungsort Toronto für Unmut, wie Barbara Colpi festgestellt hat.
Sat, 30 May 2026 - 622 - USA – Fussball-WM im Zeichen von Trumps Einwanderungspolitik
Die USA, Kanada und Mexiko organisieren zusammen die Fussball-WM. Politisch bestimmt aber hauptsächlich einer die Spielregeln: US-Präsident Trump. Die Reportage aus den USA und Kanada. Eine Fussball-Nation sind die USA eigentlich nicht. Die Mainstream-Sportarten sind American Football, Baseball, Basketball und Eishockey. Fussball ist in erster Linie der Sport der Migrantenfamilien aus aller Welt. Diese haben den Fussball in die USA gebracht und sie fiebern der WM im Sommer am meisten entgegen. Zum Beispiel die Jugendlichen des Global FC in Kansas City, Missouri, in der «Fussballhauptstadt der USA». Unter die Vorfreude mischt sich auch Angst: das US-Militär und die gefürchtete Einwanderungsbehörde des US-Präsidenten Trump werden in den WM-Austragungsstätten Präsenz markieren und, so fürchten Nicht-Weisse, Eingewanderte, ob legal oder illegal im Land, festnehmen und sogar ausschaffen. Zwar will Trump die USA als Fussball-Gastland präsentieren, aber willkommen sind nicht alle: Fussballfans aus Haiti oder dem Iran, zum Beispiel. Auch im Gastland Kanada bestimmen die USA die Einwanderungs- und Sicherheitsbestimmungen, und die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern sind angespannt wie nie zuvor: wegen Trumps Zollpolitik, und weil der US-Präsident gedroht hat, Kanada zum 51. Bundestaat der USA zu machen. Zwischen Vorfreude, Anspannung und Angst: eine Reportage aus den Communities, welche den Fussball in Nordamerika prägen.
Wed, 27 May 2026 - 621 - TALK: Sprache und Fake News: Ein unlösbares Problem in Lettland?
Sprache ist in Lettland definitiv keine Nebensache. Es herrscht erbitterter Streit um Sprache – russisch oder lettisch – und Fake News. Gleichzeitig misstraut fast die Hälfte der Bevölkerung jedem Medium. Peter Voegeli hat versucht, fast unlösbar grosse Probleme in einem kleinen Land zu entwirren.
Sat, 23 May 2026 - 620 - Krieg der Sprachen: Information und Desinformation in Lettland
Auf 107,7 FM in Riga ist nur noch Rauschen zu hören. Das russischsprachige Programm des öffentlich-rechtlichen Radios von Lettland wurde abgeschaltet. Obwohl ein Drittel der Bevölkerung in den eigenen vier Wänden russisch spricht. Russische Propaganda versucht die Lücke zu füllen. Die russische Sprache wird in Lettland zunehmend verdrängt. Seit anfangs Jahr gibt es keinen russischsprachigen Unterricht mehr in Lettlands Schulen. Und auf russischsprachige Bücher und Zeitschriften wird neu eine viermal höhere Mehrwertsteuer erhoben. Wer einen russischen Pass besitzt, muss seit Moskaus Angriff auf die Ukraine 2022 Grundkenntnisse in Lettisch nachweisen, eine Sicherheitsüberprüfung bestehen oder das Land verlassen. Lettland war in seiner Geschichte insgesamt nicht einmal 60 Jahre unabhängig, aber Lettisch existiert als eigene Sprache seit über tausend Jahren. Weltweit sprechen vielleicht 1,5 Millionen lettisch, in den Nachbarländern Russland und Belarus sind es 150 Millionen Russischsprachige. Anders als in der Schweiz definiert sich Lettland über die Sprache. Denn für Putin ist überall Russland, wo russisch gesprochen wird. Aber wie gewinnt das Land aber die Köpfe und Herzen der russischsprachigen Bevölkerung? Wie gewinnt der öffentlich-rechtliche Rundfunk LSM den Kampf gegen die russischen Fake News? In Lettland ist Sprache keine Nebensache. Im Gegenteil.
Wed, 20 May 2026 - 619 - TALK: Was ist, wenn in Frankreich ein «Bar-Tabac» dicht macht?
In Frankreich sind schon tausende «Bar-Tabacs» verschwunden. Verlieren die Dörfer ihre Seele, wenn diese sozialen Treffpunkte schliessen? Frankreichkorrespondentin Zoe Geissler erzählt von ihren Eindrücken in Lothringen und warum sich viele dort von der Hauptstadt im Stich gelassen fühlen.
Sat, 16 May 2026 - 618 - Vergewisserung am Tresen – Frankreich sucht Halt im «Bar-Tabac»
Das «Bar-Tabac» ist eine französische Institution - Bar und Tabakladen in einem. Wenn diese Treffpunkte überleben sollen, müssen sie sich weiterentwickeln, sagen die Behörden und investieren in Transformation. Doch liegt die eigentliche Bedeutung nicht gerade darin, dass sie so bleiben «wie früher»? In manchen «Bar-Tabacs» hängt noch der abgestandene Rauch der Vergangenheit, als die Gäste zum wässrigen Café am Tresen selbstverständlich Zigaretten rauchten – und sie einfach auf den Boden warfen, bevor sie die nächsten anzündeten. «Bar-Tabacs» sind legendär, sie dienten als Filmkulisse, wurden besungen in Chansons - nicht wirklich gemütlich, aber entscheidend als sozialer Treffpunkt, der keine Reservierung verlangt und keine Kleiderordnung kennt. Doch die Französinnen und Franzosen rauchen weniger, das Sozialleben in den Dörfern verändert sich, tausende «Bar-Tabacs» sind verschwunden. Sind diese Lokale noch zu retten? Yann Collet, der Patron im «Café du Centre» in Lothringen versucht es mit Diversifizierung. Bei ihm gibt’s neben Bier und Zigaretten nun auch Schweinsbäckchen mit Pommes und Päckliservice. Chunzi Ye, Patronne im «Étincelle» in Paris, setzte auf sanfte Renovation – sie hoffte, der Funke springe so auf die junge Generation über. Und tatsächlich, das «Étincelle» ist bis spätabends voll. «Die Jungen suchen Authentizität», sagt Joao, ein Stammgast. Im «Bar-Tabac» fänden sie sie.
Wed, 13 May 2026 - 617 - TALK: Waren Solaranlagen schuld am Blackout?
Solarenergie ist in Spanien auf dem Vormarsch. Doch mit den Anlagen wächst auch die Skepsis, das hat Auslandredaktor Beat Vogt auf seiner Reise durch die Extremadura erfahren. Zu gross, zu hässlich seien sie, heisst es. Manche geben dem Solarstrom gar die Schuld am grossen Stromausfall von 2025.
Sat, 09 May 2026 - 616 - «Sollen wir Solarpanels essen?» Umkämpfte Energiewende in Spanien
Viel Sonne und viel Land: Dank idealer Voraussetzungen für Solaranlagen könnte die westspanische Region Extremadura die Vorzeigeregion für die Energiewende sein. Doch die riesigen Anlagen wecken Widerstand. Und ausgerechnet im Solarparadies kämpfen Dörfer wieder für Atomkraft. In der Extremadura lohnt es sich mehr als anderswo, Solarenergie zu nutzen: die Sonne scheint an gegen 300 Tagen im Jahr. Tatsächlich steht in der Region bereits der grösste Solarpark Spaniens, der bald Strom für rund eine halbe Million Haushalte produzieren wird. Doch viele Einheimische stören sich an den gigantischen Anlagen, sie verschandelten die Natur und nähmen der Landwirtschaft den Raum weg. «Sollen wir künftig Solarpanels essen?», fragt eine Frau aus Almaraz. Sie möchte stattdessen, dass das über 40 Jahre alte Kernkraftwerk in ihrem Dorf noch weiter betrieben werden darf – obschon dessen Schliessung beschlossen ist. Viele Spanierinnen und Spanier würden ihr zustimmen. Die Kernkraft hat wieder stark an Popularität gewonnen. Der Ausbau der Solarenergie geht derweil unvermindert weiter. Ihr Anteil an der spanischen Stromproduktion hat in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen. International – aus der Extremadura, im Spannungsfeld der spanischen Energiewende.
Wed, 06 May 2026 - 615 - TALK: Warum will in Nepal niemand über Tibet sprechen?
Rund zehn Prozent aller Tibeterinnen und Tibeter im Exil leben in Nepal. Doch ihr Leben dort ist schwierig, China betrachtet sie als Terroristen. Im Talk erzählt Südasienkorrespondentin Maren Peters wie die tibetische Gemeinschaft überwacht wird und warum kaum jemand darüber reden will.
Fri, 01 May 2026 - 614 - Exil-Tibeter in Nepal und die harte Hand Chinas
Vor knapp 70 Jahren wurde das unabhängige Tibet von China besetzt. Zehntausende Tibeterinnen und Tibeter flohen ins Ausland. Die zweitgrösste Exil-Gemeinde lebt heute in Nepal. Sie hat wenig Rechte und wird streng überwacht. Dahinter steckt China, das die Flüchtlinge als Terroristen betrachtet. Dolma ist frustriert. Die 48-jährige Tibeterin fühlt sich auf Schritt und Tritt überwacht. «Sogar wenn wir nur kleine kulturelle oder religiöse tibetische Feste feiern, sind immer zwei oder drei Polizisten dabei.» Denn die Flüchtlinge sind in Nepal nur geduldet. Dolma, die in Wirklichkeit anders heisst, lebt mit ihrem Mann in einem Flüchtlingslager in der nepalesischen Touristenstadt Pokhara. Vor dem Eingang hängen Überwachungskameras. In dem Lager lebten einmal 900 Menschen, heute sind es nicht einmal mehr halb so viele. Denn viele junge Tibeterinnen und Tibeter, auch Dolmas Töchter, sehen keine Zukunft in Nepal und sind ins Ausland gezogen. Ihr Gastland Nepal weigert sich schon seit den 1990er Jahren, die Tibeterinnen und Tibeter als Flüchtlinge anzuerkennen. Die meisten haben daher keine Ausweis-Dokumente, die Jüngeren nicht einmal eine Geburtsurkunde. Als Folge können sie keine Arbeit finden, kein Bankkonto eröffnen, keinen Führerschein machen und auch nicht reisen, zumindest nicht legal. Die Tibeter werden in Nepal unterdrückt, weil China Angst vor Aufständen hat. Nepal hilft, weil das arme Land abhängig von Chinas Wirtschaftshilfe ist.
Wed, 29 Apr 2026 - 613 - Talk: Wie lebt es sich in einem Staat, den es nicht gibt?
Transnistrien gilt den einen als russisches Einfallstor, andere sehen es als sowjetisches Freilichtmuseum. Im Talk erzählt SRF-Auslandredaktor Janis Fahrländer von seinen Eindrücken aus dem Staat, den es nicht gibt, und wieso der Alltag dort schwieriger wird.
Fri, 24 Apr 2026 - 612 - Moldau zwischen russischer Bedrohung und europäischem Aufbruch
Die Republik Moldau ist täglich russischen Aggressionen ausgesetzt: Verletzungen des Luftraums, Schäden an der Infrastruktur oder Desinformationskampagnen. Doch Moldau wehrt sich und will endgültig weg von der russischen Einflusszone – hin zur EU. Moldaus Regierung fährt einen kompromisslosen Westkurs. Innert kürzester Zeit hat sie die wirtschaftlichen Verbindungen zu Russland gekappt und die Abhängigkeit vom russischen Gas beendet. Stattdessen soll das Land bis 2030 EU-Mitglied werden. Eine Mehrheit im Land unterstützt diese Politik. Sie fühlt sich aktiv von Russland bedroht. Denn der Ukraine-Krieg ist in Moldau allgegenwärtig: Sei es durch abgestürzte Drohnen im Grenzgebiet oder Problemen in der Energieversorgung, weil Russland Stromleitungen in der Ukraine angreift. Von der EU erhofft sich das Land besseren Schutz. Doch Russland will dies verhindern. Experten sprechen von einem hybriden Krieg, den das Land gegen Moldau führt. Von Stimmenkauf bis zu Desinformationskampagnen unternimmt der Kreml einiges, um Moldau in der eigenen Einflusszone zu behalten. Russlands Propaganda fällt dabei teilweise auf fruchtbaren Boden. Weiterhin gibt es starke Stimmen im Land, die gegen eine Abkehr von Russland sind. Hinzu kommt noch die abtrünnige Region Transnistrien, die weiterhin stark von Russland abhängig ist. Sie ist einer von mehreren möglichen Stolpersteinen auf dem Weg in die EU.
Wed, 22 Apr 2026 - 611 - TALK: Das Drama um Grindavik und Islands starke Frauen
Die wegen eines Vulkanes evakuierte isländische Stadt Grindavík soll wiederauferstehen. SRF-Nordeuropakorrespondent Bruno Kaufmann hat sich vor Ort einige Tage in einem Gästehaus eingemietet. Im Talk erzählt er von den starken Frauen Islands, die im Umgang mit den Naturgefahren den Ton angeben.
Sat, 18 Apr 2026 - 610 - International: Island – Kampf mit dem Vulkan in Grindavik
Die Hafenstadt Grindavik wurde wegen eines drohenden Vulkanausbruchs evakuiert. Ein Lehrstück im Umgang mit der Natur. Die Reportage. Grindavik ist eine der wichtigsten Hafenstädte Islands. Ganz in der Nähe liegt die Blaue Lagune, eine berühmte Touristenattraktion. In den letzten zweieinhalb Jahren haben Lava-Ströme grosse Teile des Gemeindegebietes verschüttet. Die Bevölkerung wurde evakuiert. Nun kämpfen sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt langsam zurück. Was in Grindavik passiert, könnte für andere Weltregionen lehrreich sein, die ebenfalls mit Naturgewalten zu kämpfen haben. Nach der Evakuierung der Hafenstadt ersetzte der Staat den Gemeinderat durch ein Technokraten-Gremium und kaufte den Evakuierten ihre Häuser zum Marktwert ab: damit sie sich anderswo etwas kaufen konnten. Und der isländische Staat investierte viel Geld in die Erneuerung der beschädigten Infrastruktur in die Hafenstadt, um sie am Leben zu erhalten. Kann die Rückkehr der Bevölkerung nach Grindavik verantwortet werden? Vom Vulkan geht weiterhin Gefahr aus. Die Stadt aufzugeben, würde eine Gemeinschaft für immer zerstören. Noch nie musste in Island eine ganze Stadt evakuiert werden. Der Umgang mit der vulkanischen Gefahr ist deshalb ein Lehrstück für das Land selbst, das sich die Frage stellen muss: Was ist ein akzeptables Risiko?
Wed, 15 Apr 2026 - 609 - TALK: Wie bewegt man sich als Journalist in Afghanistan?
Die radikal-islamistischen Taliban haben Afghanistan in einen totalitären Gottesstaat umgewandelt. ARD-Korrespondent Peter Hornung hat das Land besucht und festgestellt, dass es für ihn als ausländischen Journalisten einfacher ist, sich frei im Land zu bewegen als für manche Einheimische.
Sat, 11 Apr 2026 - 608 - Die Taliban zwischen Radikalität und Pragmatismus
Gut vier Jahre nach der Machtübernahme der Islamisten in Afghanistan zeigt sich: Die Taliban sind kein homogener Block. Zwischen dem extremistischen und dem pragmatischeren Lager schwelt ein Konflikt. Die Taliban haben ein neues Afghanistan geschaffen. Das Land am Hindukusch ist im fünften Jahr ihrer Herrschaft deutlich vorangekommen auf dem Weg zu einem totalitären Gottesstaat. Vor allem in den Städten herrscht die Angst, vor den Patrouillen der Sittenpolizei und dem allgegenwärtigen Geheimdienst. Gleichzeitig jedoch wird immer wieder klar: Die Taliban sind keine homogene Gruppe, es gibt deutliche Brüche zwischen den Pragmatikern in der Hauptstadt Kabul und den besonders Radikalen im südafghanischen Kandahar. Dort sitzt nämlich der geheimnisvolle Emir, der die oberste Autorität im Land darstellt. Er hat eine weitgehende Blockade des Internets angeordnet, er verbannt Mädchen von den Schulen und Frauen von den Universitäten. Doch seine Dekrete werden regelmässig von gemässigteren Regime-Vertretern sabotiert. Wohin also steuert das Land der Taliban?
Wed, 08 Apr 2026 - 607 - TALK: Kuba – wie lebt es sich im sozialistischen Inselstaat?
Seit einer Weile spricht US-Präsident Donald Trump davon, Kuba einzunehmen. Der Inselstaat in der Karibik ist immer noch geprägt von einem revolutionären Sozialismus. Aber auch von Mangel allüberall. Im TALK erzählt Anna Lemmenmeier wie der Alltag der Menschen auf Kuba aussieht.
Sat, 04 Apr 2026 - 606 - Kuba: Die Früchte der Revolution sind verdorrt
Die Beziehungen zwischen den USA und Kuba waren noch nie konfliktfrei. Doch nun sinniert US-Präsident Donald Trump sogar darüber, Kuba «einzunehmen». Kuba, diesen sozialistischen Inselstaat, auf dem jegliche Revolutionsromantik verblasst und Mangel an allem allgegenwärtig ist. Ein Augenschein. «Der Sozialismus und der Kommunismus sollten verboten werden». Aida hat genug von Propaganda und schönen Worten ihrer Regierung. Denn während Kader der kommunistischen Partei ein angenehmes Leben führen, ist ihr Alltag geprägt von Mangel: Strommangel, Lebensmittelmangel, Medikamentenmangel, und das wenige, dass es zu kaufen gibt, ist viel zu teuer. So wie Aida ergeht es den meisten in Kuba. Die «Perle der Karibik», wie der Inselstaat auch genannt wird, hält für seine Bevölkerung einen harten Alltag bereit. Seit dem de facto Öl-Embargo, das die USA Anfang Jahr über das Land verhängt haben, hat sich die Lage noch verschlimmert. Die Infrastruktur zerfällt weiter, wer laut dagegen aufmuckt, kommt ins Visier der Behörden. Doch die Kubanerinnen und Kubaner sind Meister im Manövrieren des Alltags zwischen Propaganda, Planwirtschaft und Repression. Mit beeindruckendem Pragmatismus, Kreativität und einer gehörigen Portion Humor hoffen sie darauf, dass sich endlich etwas ändert.
Wed, 01 Apr 2026 - 605 - TALK: EU-Textil-Recycling: Was tun gegen die Misere?
Der Altkleiderberg wächst und wächst. Für «International» hat sich SRF-EU-Korrespondent Charles Liebherr auf Recycling-Höfen durch weggeworfene «Ultra Fast Fashion» aus China gewühlt und Rat gesucht bei cleveren Mode-Schöpferinnen in Brüssel und Paris, die einen Gegentrend setzen wollen.
Sat, 28 Mar 2026 - 604 - Kleiderflut: die EU reagiert hilflos auf Chinas «Fast Fashion»
In der EU besteht die Pflicht, Altkleider zu sammeln. Die Flut von billigen Textilien aus China macht das Recycling unrentabel. Textilien in Altkleider-Container zu werfen, scheint umweltfreundlich. Doch die Realität ist ernüchternd: Pro Jahr entsorgt jede Person in der Europäischen Union im Schnitt 16 Kilogramm Textilien, aber nur 15 Prozent davon werden gesammelt – trotz gesetzlicher Pflicht. Die Niederlande sind mit einer Sammelquote von 50 Prozent führend, aber selbst dort brechen die Preise für Altkleider ein. Das gefährdet soziale Projekte, die durch den Verkauf finanziert werden. Das Unternehmen «Sympany» versucht durch Automatisierung die Kosten um 80 Prozent zu senken, doch Billigkleider aus China (v. a. von Shein und Temu) überfluten den Markt. Diese minderwertigen, synthetischen Kleidungsstücke sind oft nicht recyclebar und landen im Müll. Die Kosten trägt die Entsorgungsbranche, während die Preise für Alttextilien weiter fallen. Die EU findet keine Antwort auf die Billigstkultur. Der Boom von «Ultra-Fast-Fashion» untergräbt das Recycling-System und verschärft die Krise. Nur wenn keine Anreize zur Überproduktion mehr bestehen, kann sich das ändern.
Wed, 25 Mar 2026 - 603 - TALK: Warum misstrauen viele Ungarn der eigenen Regierung?
Wenn chinesische Firmen in Ungarn neue Fabriken eröffnen, wird die lokale Bevölkerung kaum informiert. Selbst wenn etwas schiefläuft, wird spät kommuniziert. Osteuropakorrespondentin Judith Huber erzählt im Talk, wieso mittlerweile viele der eigenen Regierung nicht mehr trauen.
Sat, 21 Mar 2026 - 602 - Umstrittene chinesische Investitionen in Ungarn
Unter Viktor Orban hat sich Ungarn bewusst gegenüber China geöffnet. Mit Erfolg: Kein anderes Land in der EU erhält so viele chinesische Investitionen. Chinesische Firmen bauen Fabriken für Batterien und E-Autos. Doch viele fürchten Umweltschäden und eine ökonomische Sackgasse. Das Dorf Mikepercs wäre eigentlich eine Idylle. Doch hier baut eine chinesische Firma gleich mehrere Batteriefabriken. Anwohnerin Eva Komza fürchtet sich vor Umweltschäden. Eine bereits eröffnete Fabrik, ebenfalls von einer chinesischen Firma betrieben, hat den Dorfbach verschmutzt. Die Lokalen Behörden ignorierten die Umweltschäden allerdings lange Zeit. Eva Komza ist daher überzeugt: «Die Behörden arbeiten nicht für uns, sondern für die internationalen Firmen». Weitere Beispiele ausländischer Firmen, die jahrelang für schwere Umweltschäden verursachten, nähren das Misstrauen in der Bevölkerung. Hinzu kommt der hohe Wassert- und Stromverbrauch der Produktion in einem Land, das zunehmend mit Wasserknappheit zu kämpfen hat und von ausländischer Energie abhängig ist. Doch auch Wirtschaftsexperten und -expertinnen sind skeptisch. Die Produkte, welche die Fabriken herstellen, werden in Ungarn nur zusammengesetzt. Die Einzelteile, und damit auch ein Grossteil der Wertschöpfung, kommen aus China. Ein Wissenstransfer findet kaum statt. Ungarns Wirtschaft profitiere daher langfristig nicht davon, sondern begehbe sich nur in weitere Abhängigkeiten. Das Misstrauen gegenüber der Regierung, das sich am Beispiel der chinesischen Fabriken zeigt, spiegelt sich auch in den Umfragewerten nieder. Langzeit Premierminister Orban liegt hinter Oppositionsführer Peter Magyar zurück. Die von den Fabriken ausgelösten Umweltprobleme sind Teil des Wahlkampfes für die Wahlen im April, die Victor Orban nach 16 Jahren das Amt kosten könnten.
Wed, 18 Mar 2026 - 601 - TALK: Wie lebt es sich in Griechenlands aussterbenden Dörfern?
Jeder zweite Grieche lebt in Athen oder Thessaloniki. Zurück in den Dörfern bleiben meist die alten Menschen. Im TALK erzählt die freie Journalistin Rodothea Seralidou von einer Gegend, in der der Bevölkerungsrückgang tiefe Spuren hinterlassen hat - eine Gegend, die sie seit ihrer Kindheit kennt.
Sat, 14 Mar 2026 - 600 - Verlassene Dörfer, kinderarme Städte: Griechenland stirbt aus
“To Dimografikó”- das demographische Problem- beschäftigt die griechische Bevölkerung und Politik. Die Griechinnen bekommen immer weniger Kinder, die Bevölkerung geht rasant zurück. Gleichzeitig verlassen junge Menschen die Dörfer; zurück bleiben oft nur noch die Älteren. Die Geburtenrate in Griechenland sinkt seit Jahrzehnten: mit 1,3 Kindern pro Frau ist sie eine der tiefsten Europas. Doch seit 2011 gibt es in Griechenland mehr Todesfälle als Geburten. Das ist auch in anderen europäischen Ländern der Fall, auch in der Schweiz. Trotzdem wächst hierzulande die Bevölkerung - dank der Einwanderung. In Griechenland aber wandern mehr Menschen aus als ein: Hunderttausende sind allein in den Jahren der griechischen Finanzkrise weggezogen, darunter viele Frauen im gebärfähigen Alter. Hinzu kommt: Die griechische Bevölkerung ist ungleichmäßig im Land verteilt. Die Hälfte der Griechinnen und Griechen wohnt im Großraum Athen und Thessaloniki. In den Dörfern hingegen gibt es weder Jobs noch die nötige Infrastruktur für Familien mit Kindern. Die konservative griechische Regierung will nun das demographische Problem anpacken: Ein 20-Milliarden schweres Maßnahmenpaket soll dazu führen, dass griechische Paare wieder mehr Kinder bekommen. Und sie gibt Anreize, damit Griechinnen und Griechen aus den Städten in die Dörfer ziehen. Doch anders als in China beispielsweise sind die Massnahmen der Regierung sanft. Können sie die Wiege Europas vor dem Aussterben retten? SRF International: Geburtenrückgang in China:
Wed, 11 Mar 2026 - 599 - TALK: Warum gehen in China plötzlich Kindergärten zu?
Unser Chinakorrespondent Samuel Emch staunte nicht schlecht, als der Kindergarten seiner Kinder von einem Tag auf den anderen dichtmachte. Das Symptom für die Geburtenkrise in China nahm er zum Anlass zu erforschen, wie die Behörden damit umgehen.
Sat, 07 Mar 2026 - 598 - Angst vor Bevölkerungsschwund: China verordnet den Kinderwunsch
Jahrzehntelang galt die strikte Ein-Kind-Doktrin. China fürchtete sich vor Überbevölkerung. Doch inzwischen ist alles anders. Die Bevölkerung schrumpft und die Behörden versuchen, Frauen zum Gebären zu motivieren. Auch mit unzimperlichen Methoden. China hat eine der tiefsten Geburtsraten der Welt. Laut Demographen kommen auf jede Chinesin durchschnittlich nur noch 0.9 Kinder. Das ist weniger als in den geburtenschwachen südeuropäischen Ländern. Und weit entfernt von den 2.1 Kindern, die nötig wären, um die Bevölkerungszahl stabil zu halten. Die Angst vor dem Bevölkerungsschwund hat dazu geführt, dass der Staat in den letzten Jahren den Druck auf junge Frauen stetig erhöht hat. Sie sollen wieder mehr Kinder auf die Welt bringen. Inzwischen heisst die offizielle Losung Drei-Kind-Politik. Die Behörden setzen auf Anreize, locken etwa mit Geburtenzulagen und Kindergeld. Doch sie scheuen auch nicht vor direkter Einflussnahme zurück. Verhütung wurde verteuert, frisch verheiratete Frauen bekommen Anrufe von Parteikadern, die sich erkundigen, wann sie endlich schwanger würden. Viele moderne Chinesinnen aber entziehen sich der staatlich verordneten Familienförderung. Sie wollen sich nicht in die traditionelle Hausfrauen- und Mutterrolle zurückdrängen lassen.
Wed, 04 Mar 2026 - 597 - TALK: Ukrainekrieg: Wie überlebt die Millionenstadt Charkiw?
1,3 Millionen Menschen leben und überleben in Charkiw, obwohl die Stadt in der Ostukraine in Reichweite der russischen Artillerie liegt. Wie organisieren sich die Menschen? Und wie organisiert man eine Reise dorthin? Auslandredaktor Peter Voegeli hat eine originelle Lösung gefunden.
Sat, 28 Feb 2026 - 596 - Ein Tag in Charkiw – Wie eine Stadt ihr Überleben organisiert
1,3 Millionen Menschen wohnen in Charkiw, das in Reichweite der russischen Artillerie liegt. Die Stadt überlebt vor allem durch das Engagement der Zivilgesellschaft und eine enge Verzahnung von Behörden und privaten NGOs. Der ukrainische Ansatz gilt als Modell weltweit. Als Russland vor vier Jahren versuchte, die Ukraine mit einem raschen Angriff zu überwältigen, drangen russische Truppen bis in die Stadt Charkiw vor und konnten erst nach heftigen Strassenkämpfen zurückgeschlagen werden. Von den rund 2 Millionen Einwohnern blieben zunächst nur 300 000 Zivilisten in der Stadt zurück. Inzwischen sind wieder 1,3 Millionen Menschen in Charkiw. Wie überlebt eine Millionenstadt in Frontnähe? Das ukrainische Rezept beruht auf einer engen Vernetzung von Behörden und Zivilgesellschaft. Zahlreiche NGOs übernehmen Aufgaben, die eigentlich staatlich sind. Das NGO «Relief Coordination Centre» beispielsweise organisiert die Evakuierung von Flüchtlingen und ihre Unterbringung in der Stadt. Es hat eine interaktive Karte der Region erstellt, die Auskunft über Bevölkerung, Infrastruktur, Nahrungsmittel gibt und eine zielgenaue Hilfe ermöglicht. In der Region Charkiw sind dreitausend private NGOs registriert, in der Ukraine sogar über zehntausend. Charkiw gilt als Vorbild für die Ukraine und die Ukraine als Modell weltweit. Experten sagen, der Ukrainekrieg habe nicht nur die Kriegsführung grundlegend verändert, sondern auch die Art der humanitären Hilfe.
Wed, 25 Feb 2026 - 595 - TALK: Woher stammt die maltesische Sprache?
Die Mittelmeer-Insel Malta hat nur 550'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Gesprochen wird Englisch und Maltesisch. Wie letzteres klingt, und wie facettenreich Sprache und Insel sind, erklärt Korrespondent Franco Battel im Gespräch.
Sat, 21 Feb 2026 - 594 - Malta – der heimliche Wirtschafts-Champion
Keine europäische Wirtschaft wuchs in den letzten Jahren so beständig und schnell wie jene Maltas. Treiber sind der Tourismus, das online-Glücksspiel, die Finanzdienstleister oder der Verkauf maltesischer Pässe an Ausländer. Getrübt wird der Erfolg allerdings durch die weit verbreitete Korruption. Malta versteht es bestens, seine Kleinstaatlichkeit in wirtschaftlichen Erfolg umzumünzen. Als kleiner Staat kann es Gesetze erlassen und damit in lukrativen Nischen hohe Gewinne erzielen. Ein Beispiel dafür ist das online-Glücksspiel. In diesem aufstrebenden Sektor ist Malta einer der Marktführer. Rund 10 Prozent der maltesischen Wirtschaftsleistung stammen aus dem sogenannten online-Gambling. Malta wurde 1964 von Grossbritannien unabhängig und ist seit 2004 Teil der EU. Die Teilhabe am Binnenmarkt, die englische Sprache oder die gut ausgebildete Bevölkerung sind weitere Faktoren, die den Boom begünstigen. Im kleinen Inselstaat entstanden in den letzten Jahren hunderttausende neue Stellen. Viele sind nur über die massive Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte zu besetzen. Was zunehmend Widerstand weckt. Schwere Korruptionsfälle überschatten den Erfolg. In diese sind auch Exponenten aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung involviert. Augenfällig wurde dies durch den Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia im Jahr 2017. Sie hatte zu Korruptionsskandalen recherchiert und bezahlte dies mit ihrem Leben.
Wed, 18 Feb 2026 - 593 - TALK: Wer sind die Christen im Heiligen Land?
Jesus würde seine Heimatstadt Nazareth heute wohl nicht wiedererkennen: 80 Prozent Muslime, 20 Prozent Christen und ein jüdischer Bürgermeister. Christen verlassen die Stadt und stehen auch anderswo im Heiligen Land unter Druck. Wer sind die einheimischen Christen überhaupt?
Sat, 14 Feb 2026 - 592 - Christen unter Druck im Heiligen Land
Die Christinnen und Christen im Land von Jesus von Nazareth sind unter Druck: Angriffe und Abwanderung machen ihnen zu schaffen, ebenso fundamentalistische Gruppierungen und die eigene Gespaltenheit. Die christliche Minderheit im Heiligen Land ringt ums Überleben und um Hoffnung. Nur noch ein bis zwei Prozent der Bevölkerung im Heimatland von Jesus von Nazareth sind Christinnen und Christen: schätzungsweise 180'000 in Israel, 40'000 im Westjordanland, und einige Hundert im Gazastreifen. Besonders bedrängt sind die einheimischen Christen in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten. Taybeh, das letzte christliche Dorf im israelisch besetzten Westjordanland, erlebt stetig mehr Angriffe von radikalen Siedlern. Wer diese Gewalt nicht klar verurteile, mache sich mitschuldig am Leiden und der Vertreibung der Palästinenser, und damit auch palästinensischer Christen, sagt ein einheimischer Pfarrer. Einflussreiche christliche Fundamentalisten widersprechen: Israel besetze kein Land. Gott habe das ganze Land dem jüdischen Volk gegeben, und damit verbunden sei ein messianisches Versprechen: das Wiederkommen von Jesus Christus. Wer sich gegen Gottes Willen wehre, werde bestraft: auch einheimische Christen. Solche Gruppierungen beeinflussten zwar die Politik im Heiligen Land. Aber seine grösste Sorge seien diese nicht, sagt ein christlicher Politologe. «Wir sind einfach sehr schlecht organisiert.»
Wed, 11 Feb 2026 - 591 - TALK: Welche Perspektiven haben junge Leute in Patagonien?
Der chilenische Teil Patagoniens leidet unter einer starken Abwanderung. Junge Leute haben nur wenige Möglichkeiten. Südamerika-Korrespondentin Teresa Delgado erzählt im Talk, warum einige ausgerechnet auf die Energiewende in Europa hoffen, und wie K-Pop der Jugend Abwechslung bietet.
Sat, 07 Feb 2026 - 590 - Patagonien: Hier soll Europas Energiewende gelingen
Die südlichste Region Chiles ist ein weitgehend unberührtes Naturparadies. Doch sei es bei der Energiegewinnung oder im Welthandel: Längst sind internationale Player auf die Region aufmerksam geworden. Dort löst dies gemischte Gefühle aus. Die EU will in naher Zukunft im grossen Stil grünen Wasserstoff aus Chile importieren. Dafür wurden verschiedene Projekte von europäischen Unternehmen angekündigt. In Patagonien sollen mehrere Windparks entstehen. Ein einziger dieser Windparks wäre fast zwei Mal so gross wie der Bodensee. Salvador Harambour sieht darin ein unglaubliches Potenzial für die Region, die unter starker Abwanderung leidet. Durch die Investitionen entstünden Jobs, die jungen Menschen eine Perspektive böten, so der Interessensvertreter der Energiewirtschaft. Anders sehen es Umweltschützer. Sie fürchten die Windturbinen würden zur Todesfalle für zahlreiche Vögel, und warnen vor einer Zerstörung des Ökosystems. Ein Ökosystem, das bislang noch weitgehend intakt ist und neben Zugvögeln auch Pinguinen oder Pumas einen Lebensraum bietet. Chiles neuer Präsident José Antonio Kast, der am rechten Rand anzusiedeln ist, verspricht eine wirtschaftsfreundliche Politik. Während Unternehmer nun auf mehr Tempo hoffen, fürchten Aktivisten und Aktivistinnen den Abbau von Umweltstandards. So, wie es in Argentinien bereits geschieht, wo mit Javier Milei ebenfalls ein rechter Präsident das Land regiert. Auch im Handel gewinnt Patagonien an Bedeutung: Die Magellanstrasse wird für die globale Schifffahrt immer wichtiger. Strategisch ist die Region als Tor zur Antarktis zudem günstig gelegen. Dies alles hat die Aufmerksamkeit der Grossmächte geweckt, die ihre Präsenz in der Region ausbauen.
Wed, 04 Feb 2026 - 589 - TALK: Wie geht Russland mit Kriegsrückkehrern um?
Sie kämpfen an der Front, kehren versehrt heim. Und dann? Welche Unterstützung erhalten die «Helden der Spezialoperation» tatsächlich? Calum MacKenzie hat mit russischen Kriegsveteranen gesprochen. Im TALK erzählt er, wie er sie gefunden hat. Und wie er mit dem Risiko der (Selbst-)Zensur umgeht.
Sat, 31 Jan 2026 - 588 - «Ich bin kein Scheissheld» – Kriegsveteranen in Russland
Der russische Krieg in der Ukraine dauert an, und so wächst auch die Zahl jener, die aus dem Krieg heimkehren: verwundet und traumatisiert. Ihre Rückkehr ins zivile Leben ist oft wenig heldenhaft, sondern schwierig und begleitet von Frust und Enttäuschung – über den Staat und ihre Landsleute. Ist der Krieg gerecht? Oder nicht? Diese Frage hatte sich Jaroslaw* nie gestellt. Bis er in Russlands Krieg gegen die Ukraine zog. Freiheit gegen Kampfeinsatz versprach man dem ehemaligen Häftling. Bei seiner Rückkehr geht Jaroslaw an Krücken, sein verwundetes Bein verheilt nur langsam. Hilfe vom Staat? Fehlanzeige. Der Krieg in der Ukraine: ein «Scheisskrieg». Vor bald vier Jahren hat Russland diesen Krieg gegen die Ukraine begonnen, hat Schätzungen zufolge seither weit über eine Million Soldaten in den Krieg geschickt. Viele sind bereits zurückgekehrt, ins zivile Leben – versehrt, an Körper und Seele. Der Kreml und die Staatsmedien feiern sie als «Helden der Spezialoperation», doch die Bevölkerung zieht nicht mehr einfach mit, begegnet den «Helden» bisweilen mit Angst und Misstrauen. Man sollte alle Soldaten mit Kampferfahrung behandeln. Ausnahmslos. Sagt die Psychologin Natalja Nikiforova. Doch dafür fehlt in Russland das Personal. Und der Wille. «Wir werden auch dies überstehen,» sagt die Psychologin. Doch die Rückkehrer aus dem Krieg – sind ein Faktor mit grossem Konfliktpotential. *Name geändert
Wed, 28 Jan 2026 - 587 - TALK: Kann Istanbul wieder zum «Mosaik der Völker» werden?
Istanbul präsentiert sich gerne als muslimische Weltmetropole. Doch die Stadt auf zwei Kontinenten war einst ein Schmelztiegel verschiedenster Kulturen. Ceyda Nurtsch erzählt von ihrer Spurensuche bei religiösen und ethnischen Minderheiten. Und von Zuversicht, die sie selbst überrascht hat.
Sat, 24 Jan 2026 - 586 - Multikulturelles Istanbul – auf Spurensuche am Bosporus
Istanbul war über Jahrtausende ein «Mosaik der Völker». Doch die nationalistische Staatsideologie der modernen Türkei leugnete die kulturelle Vielfalt. Aber es gibt eine Gegenbewegung: Menschen, die das multikulturelle Erbe der Stadt wiederbeleben wollen. Die historische Strassenbahn bimmelt auf der Flaniermeile Istiklal Caddesi an armenischen und griechischen Stadtpalästen vorbei. Wer sich umschaut, findet überall in der Bosporus-Stadt Zeugnisse der multikulturellen Vergangenheit. Doch die moderne Türkei verstand sich als Einheitsstaat: «Glücklich, wer ein Türke ist». So der Leitsatz von Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk. Bis heute sind die nationalistischen Strömungen in der Türkei stark. «International» begegnet Menschen, die genug haben von politischer Polarisierung und die multi-ethnische Tradition dieser Stadt auf zwei Kontinenten für sich neu entdecken. Can Evrensel Rodrik ist fasziniert vom jüdischen Erbe. Er gibt Kurse in der Sprache der sephardischen Juden Istanbuls und schafft so eine Verbindung zur eigenen Herkunftskultur. Mehmet Ugur Korkmaz will mit seinem Podcast «Die Kurden sind in der Stadt» dazu beitragen, dass das «kurdische Istanbul» als Teil der Identität der türkischen Mittelmeer-Metropole wahrgenommen wird. Traditionen, Stimmen, Kulturen und verschiedene Epochen flössen am Bosporus ineinander, das fasziniere sie seit ihrer Kindheit, sagt Kübra Şenyaylar. Die Musikerin bringt die Istanbuler Vielstimmigkeit mit ihrem «Koro Istanbul» zum Klingen.
Wed, 21 Jan 2026 - 585 - TALK: Ist der Buddhismus die bessere Religion?
Vielen Menschen gilt der Buddhismus als faszinierende spirituelle Alternative zu monotheistischen Religionen. Doch mit Spiritualität haben die Sex- und Drogenskandale, die Thailands Klerus erschüttern, wenig zu tun. Was dahinter steckt, erzählt SRF-Südostasien-Korrespondent Martin Aldrovandi.
Sat, 17 Jan 2026 - 584 - Sex, Drogen und Buddhismus: Mönche auf Abwegen
Eine ganze Reihe von Skandalen erschüttern den Buddhismus in Thailand. Das Vertrauen in die Mönche, die einst als moralische Stütze der Gesellschaft galten, schwindet, die Religion steckt in der Krise. Eine Frau erpresste hochrangige Mönche mit zehntausenden kompromittierenden Fotos und erbeutete Millionen. Ein angesehener Abt soll über Jahre Spendengelder eines Hospizes veruntreut haben. Doch die Krise zeigt sich auch im Kleinen, wie in der Provinz Chumphon. Dort wurden alle Mönche eines Tempels, inklusive Abt, wegen Drogenkonsums festgenommen. «Ich habe diesen Tempel seither nie wieder betreten», sagt eine Dorfbewohnerin, die nach der Razzia die Asche ihres Vaters wieder mit nach Hause nahm. Solche Vorfälle nähren die Kritik am buddhistischen Klerus. Reformer sprechen von einem Machtsystem, in dem alte Männer herrschen. Die Institution selbst sieht das Problem bei Einzelpersonen: Die Menschen könnten vom Weg abkommen, doch die Lehren Buddhas seien unvergänglich. Währenddessen wendet sich die junge Generation zunehmend ab und das Interesse, selbst Mönch zu werden, sinkt. Gleichzeitig kämpfen Frauen um die Anerkennung als gleichgestellte Nonnen – bisher ohne Erfolg.
Wed, 14 Jan 2026 - 583 - TALK: Zypern - warum sind so viele Truppen auf der Ferieninsel?
Die türkische, griechische und britische Armee sind offiziell auf der Mittelmeerinsel, die USA benutzen sie regelmässig. Auch Blauhelme sind stationiert - entlang der Waffenstillstandslinie, die Zypern teilt. Philipp Scholkmann über seine Eindrücke von einer der militarisiertesten Zonen der Welt.
Sat, 10 Jan 2026 - 582 - Nordzypern: der Zwergstaat, den es (offiziell) nicht gibt
Die Türkei hat im Norden der Mittelmeerinsel Zypern einen Staat nach ihrem Zuschnitt geschaffen. Doch dieser wird nur von der Türkei selbst anerkannt. Die Umarmung durch die «Schutzmacht» spaltet die Bevölkerung. Und die internationale Isolation führt zu handfesten Problemen im Alltag. Die nordzyprische Politwissenschaftlerin Hayriye Rüzgar erinnert sich daran, wie aufgeregt sie war, als sie an der Hand der Eltern erstmals die Waffenstillstandslinie überschritt. 2003 gingen die ersten Checkpoints zur international anerkannten «Republik Zypern» auf. Was würde geschehen, wenn sie in diesem griechisch-zyprischen Teil türkisch sprächen, fragte sich die damals Zehnjährige besorgt. Seither sind viele Programme für Dialog und Austausch entstanden. Doch alle Versuche, den Zypernkonflikt beizulegen, sind gescheitert. Im Norden bleiben zehntausende türkische Soldaten stationiert, das Gebiet hängt wirtschaftlich am Tropf der «Schutzmacht». In der Isolation und einseitigen Abhängigkeit hat sich eine Ökonomie mit Schattenseiten entwickelt. Ein spektakulärer Immobilienboom deute auf Geldwäscherei in grossem Stil, sagt der Wirtschaftsexperte Mertkan Hamit. Doch die letzten Präsidentschaftswahlen in Nordzypern brachten einen Kurswechsel. Steigen damit die Chancen für eine Lösung des Zypernkonflikts?
Wed, 07 Jan 2026 - 581 - TALK: Turbulente Weltlage: Wo gibt es 2026 Hoffnung?
Selbst in Kriegs- oder Krisengebieten gibt es einen Alltag, der, trotz allem, etwas Hoffnung macht. Einen menschlichen Einblick in diesen Alltag geben die «International»-Reportagen. SRF-Auslandchefin Susanne Brunner erzählt, welche Reportagen im neuen Jahr aus welchen Ecken der Welt geplant sind.
Sat, 03 Jan 2026 - 580 - International: Schwieriges 2025 für die «alten Mächte»
«International-Spezial» zum Jahresende, Teil 2: Frankreich-Korrespondentin Zoe Geissler und Grossbritannien-Korrespondent Patrik Wülser blicken zurück auf ein turbulentes, ereignisreiches 2025. Ein Jahr, in dem sich die beiden «alten Mächte» dank Trump erstmals seit Brexit wieder annäherten. US-Präsident Donald Trump hielt «das alte Europa» im vergangenen Jahr, gelinde gesagt, auf Trab. In Paris und London war die Politik gefordert, aber nicht nur von Trump, sondern auch von eigenen Problemen, die beidseits des Ärmelkanals ähnlich sind. Zoe Geissler hatte kaum Zeit, in Paris ihre Koffer auszupacken und sich als neue Frankreich-Korrespondentin einzurichten, bevor sie über eine Kaskade von Regierungswechseln und Prozessen berichten musste. Und Grossbritannien-Korrespondent Patrik Wülser erlebte, wie die Bevölkerung im Königreich weiterhin auf bessere Zeiten warten muss, trotz Versprechen eines relativ neuen Premiers. Die «neueste» SRF-Korrespondentin und der dienst-älteste Korrespondent blicken auf ein turbulentes Jahr und auf eindrückliche Begegnungen in ihren Berichtsgebieten zurück, und wagen einen Ausblick aufs Neue Jahr.
Wed, 31 Dec 2025 - 579 - TALK: Trump war 2025 Trumpf: was ist mit dem Rest der Welt?
Einer hat die Schlagzeilen 2025 eindeutig dominiert: US-Präsident Donald Trump. SRF-Auslandchefin Susanne Brunner erzählt, wie es ihr Team trotzdem geschafft hat, dort hinzuschauen, wo kaum jemand hinschaut. Ein Rückblick auf «International»-Reportagen fernab der Schlagzeilen.
Sat, 27 Dec 2025 - 578 - Proteste, Krieg und Hoffnung. 2025 in Afrika
Zum Jahres-Ende zwei «International-Spezial»: im ersten ein Jahresrück- und ausblick aus Afrika: über den Kontinent berichten für SRF Sarah Fluck, aus Kampala, der Hauptstadt Ugandas, und Fabian Urech, aus Accra, der Hauptstadt Ghanas. Die beiden reden miteinander über Krieg, Proteste und Hoffnung. Das Korrespondenten-Duo lebt auf dem gleichen Kontinent - Sarah Fluck im Osten, Fabian Urech im Westen – und trotzdem in komplett verschiedenen Welten. Afrika, mit seinen über fünfzig Staaten, ist nicht gleich Afrika, das zeigt schon die Bürokratie: In einigen afrikanischen Staaten, sagt Fabian, erinnere ihn die Visumsbürokratie an «Asterix bei den Römern», in anderen liefen gewisse Dinge besser als in den USA. Sarah wiederum reiste den Sudan, ins drittgrösste Land des Kontinents, wo sich zur Zeit die weltweit grösste humanitäre Katastrophe abspielt; sie erzählt sie aber auch von der Rad-Weltmeisterschaft , die 2025 in Ruanda stattfand. Ein Kontinent voller Gegensätze: ein politisches, persönliches und auch humorvolles Gespräch zum Jahresende.
Wed, 24 Dec 2025 - 577 - TALK: Pakistan – Wie geht es den afghanischen Flüchtlingen?
Die Abschiebepolitik Pakistans bedroht die afghanischen Flüchtlinge. Gerade Frauen haben in ihrer alten Heimat unter den Taliban keine Zukunft. Im Talk erzählt Südasien Korrespondentin Maren Peters über ihre Eindrücke aus Pakistan und die journalistischen Herausforderungen im Land.
Sat, 20 Dec 2025 - 576 - Pakistan - mit aller Härte gegen afghanische Flüchtlinge.
Jahrzehntelang galt Pakistan als sicherer Hafen für Millionen afghanische Flüchtlinge, die vor Krieg und Verfolgung in ihrer Heimat flohen. Damit ist Schluss. Bis Jahresende will Pakistan die Flüchtlinge abschieben. In Afghanistan erwarten sie Armut, Hunger und die radikal-islamistischen Taliban. Mehrafzon Jalili hatte grosse Träume. In Afghanistan studierte die 24-jährige Zahnmedizin. Dann kamen die Taliban, ihr Vater wurde ermordet, die Rest-Familie floh ins Nachbarland Pakistan. Gut vier Jahre später steht wieder alles auf der Kippe. Erst setzten sie die pakistanischen Vermieter auf die Strasse. Dann wurde auch ihr Not-Lager in einem Park in Islamabad mitten in der Nacht von der Polizei gestürmt. Pakistan will bis Jahres-Ende alle afghanischen Flüchtlinge ausschaffen. Darunter auch solche, die vor der Machtübernahme der Taliban für westliche Regierungen oder das Militär gearbeitet haben. In Afghanistan drohen ihnen Folter und Tod. Frauen wie Mehrafzon Jalili dürfen unter den Taliban nicht studieren, nicht arbeiten, nicht einmal singen. «Afghanistan ist wie ein Friedhof geworden», sagt Jalili. Pakistan - politisch instabil, hochverschuldet und vom Militär dominiert - gibt den afghanischen Flüchtlingen pauschal eine Mitschuld an den vielen Terroranschlägen in Pakistan - und bestraft sie. Die Flüchtlinge würden zu Sündenböcken gemacht, kritisieren Menschenrechtsorganisationen. Die internationale Gemeinschaft, die helfen könnte, schaut weg.
Wed, 17 Dec 2025 - 575 - TALK: Wie kam Irlands dunkelstes Geheimnis ans Tageslicht?
In Irland wurden uneheliche Kinder bis in die Sechziger Jahre ihren Müttern weggenommen und in Heimen vernachlässigt. Im Talk erzählt Christopher Weingart, wie er per Zufall auf die Lokalhistorikerin Catherine Corless aufmerksam wurde, die den Anstoss zur Aufarbeitung dieses nationalen Traumas gab.
Sat, 13 Dec 2025 - 574 - Das Grab der grünen Insel: Irlands verlorene Kinder
Jahrzehntelang wurden ledige Schwangere im katholischen Irland dazu gezwungen, ihre Babys in Heimen zu gebären und dort zu lassen. Hunderte Kleinkinder starben in der Obhut von Staat und Ordensschwestern, andere wurden an Familien im Ausland verkauft. Ein nationales Trauma das lange verborgen blieb. Die Lokalhistorikerin Catherine Corless sitzt an ihrem Küchentisch nahe der westirischen Stadt Galway. In ihren Händen hält sie eine Liste mit Namen. 796 sind es insgesamt. Es sind die Namen der Kinder, die im nahen Mutter-Kind-Heim St. Mary's ums Leben kamen. Bis 1961 mussten ledige schwangere Frauen aus der Region ihre Kinder im St. Mary's gebären und im Alter von einem Jahr dort zurücklassen. Die Kinder wurden später adoptiert oder kamen in Pflegefamilien. Was die Mütter wollten, spielte keine Rolle. Zu mächtig war die katholische Kirche mit ihren Moralvorstellungen. Jahrzehntelang herrscht Schweigen über die toten Kinder von St. Mary's – bis Corless beginnt, ihre Liste zu schreiben. Doch mit der Liste ist ihre Suche noch nicht zu Ende. «Als mir klar wurde, dass im Heim Kinder gestorben sind, musste ich herausfinden, wo sie begraben wurden.» Corless macht sich gegen alle Widerstände auf die Suche und spürt ein Geheimnis auf, das das ganze Land verändern wird. Durch ihre Recherche hat Corless eines der dunkelsten Kapitel der irischen Geschichte ans Tageslicht geholt. «International» zeichnet ihre Suche nach und porträtiert Menschen, die die Kindheit im St. Mary's überlebt haben.
Wed, 10 Dec 2025 - 573 - TALK: Wohin gelangt das «schmutzige» Gold aus Ghana?
Das Goldgeschäft ist gerade in unsicheren Zeiten lukrativ. Doch was passiert eigentlich mit jenem Gold, das illegal abgebaut wird? SRF-Afrikakorrespondent Fabian Urech ist dieser Frage in Ghana nachgegangen. Im Talk erzählt er ausserdem, was das Gold in Ghana mit dem Preis von Schokolade zu tun hat.
Sat, 06 Dec 2025 - 572 - Illegaler Goldabbau in Ghana: Wenn im Sand ein Vermögen steckt.
Ghana ist der führende Goldproduzent Afrikas. Das westafrikanische Land exportiert den kostbaren Rohstoff in alle Welt – auch in die Schweiz. Doch der Abbau von Gold ist komplex, schwer kontrollierbar – und manchmal auch illegal. In Ghanas Goldregion rund um die Stadt Tarkwa liegen Welten zwischen den internationalen Industrieminen und den Goldschürfern, die illegal und oft mit einfachsten Mitteln nach dem kostbaren Rohstoff suchen. «Es ist gefährlich und schwierig, da hinunterzusteigen», erklärt ein Kleinmineur, der ohne Bewilligung arbeitet. «Aber es ist einer der einfachsten Wege, zu Geld zu kommen». Zwei Welten: Hier die gut bewachten Hightech-Minen, mit modernsten Maschinen, zertifiziertem Gold und ausgefeilter Logistik. Dort die schmutzigen, einfachen und illegalen Kleinminen. Und doch vermischen sich diese beiden Welten öfter als offiziell zugegeben wird. Denn dort, wo illegal abgebaut wird, und wo der Schürfabfall zu scheinbar wertlosen Haufen aufgeschüttet wird, liegt nicht nur Erde. Sondern sehr viel Geld. Und ein ganzer Graubereich des globalen Goldhandels.
Wed, 03 Dec 2025 - 571 - TALK: Wie reist man durch den Amazonas-Urwald?
Kaum ausgebaute Strassen, kein Handyempfang und viele kriminelle Aktivitäten: ARD-Südamerikakorrespondentin Anne Herrberg erzählt im International-Talk von Eindrücken und Hindernissen auf ihrer Reportagereise durch den Amazonas.
Sat, 29 Nov 2025 - 570 - Highway der Abholzung - die strittige Strasse durch den Amazonas
Eigentlich will Brasiliens Präsident Lula da Silva die Zerstörung des Regenwalds stoppen. Aber sein Projekt zum Ausbau der Bundesstraße BR-319 mitten im Amazonas könnte das Gegenteil bewirken. Die Strasse droht zu einem Einfallstor für Landräuber zu werden. Die Bundesstrasse BR-319 ist der einzige Landweg, der die Millionenmetropole Manaus im Herzen des Amazonas mit dem Rest Brasiliens verbindet. Die Fahrt auf der BR-319 ist ein Abenteuer: Es gibt keine Tankstellen, keine Werkstätten, keine Handyverbindung. Zudem besteht ein grosser Teil der Strasse nur aus einem Lehmtrassee, das die meiste Zeit des Jahres kaum befahrbar ist. Zum Glück, sagen Umweltschützer und Indigene. Viele von ihnen befürchten, dass eine ausgebaute Strasse den Raubbau am Amazonas-Urwald beschleunigen würde. Sie könnte künftig all denen als Zufahrtsweg dienen, die im Gebiet ihren illegalen Aktivitäten nachgehen wollen: Landräuber und Goldgräber. Die Gefahr ist real. Bereits jetzt ist der Regenwald von der fortschreitenden Abholzung bedroht. Der Staat vermag die illegalen Viehzüchter und Goldschürfer nicht unter Kontrolle zu bringen. Das zeigt die Reportage, die uns über die umstrittene, holprige Verkehrsader mitten durch den Amazonas führt.
Wed, 26 Nov 2025 - 569 - TALK: Wie hat Japan gelernt, über Selbsttötungen zu reden?
Innerhalb von zwei Jahrzehnten hat die japanische Gesellschaft ihren Umgang mit Suiziden grundlegend verändert. Das einstige Tabu wurde gebrochen. Warum sich die Zungen gelöst haben und wie die landesweite Kampagne zur Prävention von Suiziden im Alltag spürbar wird, erzählt Martin Fritz in Tokio.
Sat, 22 Nov 2025 - 568 - Gemeinsam gegen das Tabu – Japans Kampf gegen den Suizid
In Japan nahmen sich immer mehr Menschen das Leben. Das schockierte die Öffentlichkeit. Die Zivilgesellschaft rüttelte die politischen Verantwortlichen auf, der Kampf gegen die «stille Epidemie» wurde zur nationalen Priorität. Zwanzig Jahre später zeigt sich: der Kampf war erfolgreich. Jedes Jahr 14 000 Suizide weniger. Anders gesagt: 14 000 verzweifelte Menschen in Japan, die wieder Hoffnung schöpfen – so die statistischen Zahlen im Zwanzigjahresvergleich. Die kollektive Anstrengung hat sich gelohnt. Wie es dazu kam, lässt sich in Akita im Norden von Japan gut nachvollziehen, einer Region mit hoher Arbeitslosigkeit, in der besonders viele Menschen ihr Leben beendeten. Hisao Sato ist einer der Pioniere der landesweiten Präventionskampagne. Trauer um den Verlust eines engen Freundes schlug bei ihm in Zorn übers kollektive Wegschauen um. Er schuf um die Jahrtausendwende in Akita eine Anlaufstelle und begann, Verzweifelten Beratungen anzubieten. Nach und nach liessen sich die japanischen Behörden überzeugen, dass landesweit gehandelt werden müsse - und könne. Ein nationales Präventionsgesetz schuf die Grundlagen. Parallel dazu veränderte sich die Wahrnehmung: «Suizid war ein völliges Tabu. Doch die Menschen begannen, die Selbsttötungen nicht nur als Privatsache zu betrachten, sondern als gesellschaftliches Problem», sagt Sato in der Reportage aus Japan über den Erfolg der Präventionskampagne - und düstere Aspekte, die dennoch bleiben. Wer suizidale Gedanken hat, findet bei folgenden Anlaufstellen Soforthilfe: Pro Juventute für Kinder und Jugendliche, Telefon und SMS 147; Dargebotene Hand/Sorgentelefon für Erwachsene, Telefon und SMS 143.
Wed, 19 Nov 2025 - 567 - TALK: Warum bedrohen Kryptos & Cyborgs die Demokratie in Honduras
In der Privatstadt Próspera auf einer honduranischen Insel in der Karibik experimentieren Unternehmen mit Langlebigkeit, KI oder mit Chipimplantaten. Das ist möglich, weil hier Firmen kaum reguliert werden. Anna Lemmenmeier hat in Próspera den libertären Geist der Privatstadtpioniere eingefangen.
Sat, 15 Nov 2025 - 566 - Privatstadt Próspera – Honduras als Versuchslabor der Libertären
Kaum Steuern, kaum Regulierungen, maximale Forschungsfreiheit - auf einer honduranischen Insel in der Karibik entsteht eine Privatstadt. In Próspera können Firmen ihren eigenen Rechtsrahmen wählen. Das zieht Start-Ups und Libertäre aus aller Welt an, auch Milliardäre aus dem Silicon Valley. «Ich habe sieben Chips implantiert», sagt US-Amerikaner Rich Lee. «Hier in der Hand, das ist meine Kreditkarte, damit kann ich bargeldlos an der Kasse bezahlen.» Das löse viele schräge Blicke aus, erzählt der 47-jährige lachend. Rich Lee glaubt, dass der menschliche Körper aktiv verbessert werden müsse. «Unsere Sinne und Fähigkeiten müssen erweitert werden, egal, ob durch Gentherapie oder Cyborg-Implantate.» Er probiert seine Forschungsergebnisse gleich an sich selber aus. Das ist möglich in Próspera. Hier gibt es keine Gesundheitsbehörde und keine Ethikkommission. Wer ein Unternehmen registriert, braucht lediglich einen Versicherer, der bereit ist, das Risiko zu übernehmen. Bezahlen kann man in Bitcoin. Alles in privater Hand. Próspera gilt als Vorzeigemodell in der sogenannten Privatstadtbewegung, die durch Geld und Macht aus dem Silicon Valley vorangetrieben wird. Libertäre Milliardäre wie Paypal-Gründer Peter Thiel oder Brian Armstrong, der Gründer von Coinbase, investieren darin. Der Staat Honduras, zu dem die Karibikinsel mit Próspera gehört, hat das Nachsehen.
Wed, 12 Nov 2025 - 565 - TALK: Wie lebt es sich am Mississippi, wo das Land untergeht?
Im Flussdelta des Mississippi geht das Land im Meer unter. Damit geht ein natürlicher Schutz verloren für die Region, die 2005 schwer von Hurricane-Katrina getroffen worden ist. USA-Korrespondent Andrea Christen war in der Gegend, wo ihm nicht immer klar war, wo das Land endet und das Meer beginnt.
Sat, 08 Nov 2025 - 564 - Land unter am Mississippi - an der Frontlinie des Klimawandels
Die Küste des US-Bundesstaates Louisiana geht unter. Damit verschwindet ein natürlicher Schutz vor den verheerenden Hurricanes. Manche wollen den Mississippi entfesseln, damit er mit seinen Sedimenten das Meer zurückdrängt. Andere sehen dadurch ihre Lebensgrundlage bedroht. Für Louisiana steht viel auf dem Spiel, etwa eine natürliche Barriere, die auch die Stadt New Orleans vor den verheerenden Hurricanes schützen soll. Vor 20 Jahren fegte Hurricane Katrina über die Gegend und hinterliess grosse Zerstörung. In der Folge gründete der Bundesstaat eine Küstenschutzbehörde, die sich dem Meer entgegenstemmt. Der Mississippi hätte dafür ein wichtiges Instrument sein sollen: Massenhaft sollten mit «Diversionen» Flusswasser und Sedimente in die Feuchtgebiete geleitet werden, um sie zu nähren – und um neues Land zu bilden. Am «Nepunte Pass», an einem natürlichen Seitenarm des Mississippi, sieht der Wissenschaftler Alex Kolker Beweise dafür, wie der mächtige Fluss Land bildet – wenn man ihn lässt. Doch Fischer kämpften gegen die Sedimentumleitung, weil sie wegen des Süsswassers um ihre Austern und Shrimps fürchteten. Der Gouverneur von Louisiana stellte sich auf ihre Seite und stoppe zwei Diversionen. Damit fehlen zentrale Projekte im Kampf gegen den Landverlust. Die Zukunft von Louisianas Küste ist ungewiss.
Wed, 05 Nov 2025 - 563 - TALK: Wird der Neustart in Syrien gelingen?
Seit dem Sturz von Langzeitdiktator Bashar al-Assad vor knapp einem Jahr hat unser Korrespondent Thomas Gutersohn Syrien mehrere Male besucht. Im International-Talk erzählt er, was sich seit den euphorischen Tagen im Dezember 2024 verändert hat, und warum der Neustart in Syrien schwierig ist.
Sat, 01 Nov 2025 - 562 - Zwischen Euphorie und Misstrauen: Syriens schwieriger Neuanfang
Der Neuanfang in Syrien wird zur Herausforderung. Der Vielvölkerstaat ist geprägt von unterschiedlichen Ideologien, Erwartungen und Hoffnungen. Übergangspräsident Ahmad al-Sharaa stösst vor allem im kurdisch dominierten Nordosten des Landes auf viel Misstrauen. Knapp ein Jahr ist seit dem Sturz des syrischen Langzeitherrschers Bashar Al-Assad vergangen. Der Umsturz wurde nach dem zerstörerischen Bürgerkrieg auch in vielen westlichen Ländern euphorisch begrüsst. In Syrien selbst bleibt die Situation schwierig: Während Übergangspräsident Ahmad al-Sharaa in der Hauptstadt Damaskus von Anhängern euphorisch gefeiert wird, schlägt dem ehemaligen Islamistenführer im kurdisch geprägten Nordosten des Landes Skepsis entgegen. Das neue, versöhnliche Image, dass sich die Regierung geben will, kauft ihr dort niemand ab. Die Erinnerungen an die früheren Gräueltaten der Islamisten sind in der Region allgegenwärtig. Die Kurden haben im Gebiet östlich des Euphrats einen autonomen Verwaltungsapparat aufgebaut, setzen auf basisdemokratische Selbstverwaltung, mit sozialistischer und feministischer Ausprägung. Ihre Mentalität unterscheidet sich stark von jener der neuen Regierung um Al-Sharaa. Deren Pläne, die Verwaltungs- und Verteidigungsstruktur der Kurden in den syrischen Staat zu integrieren, stossen im kurdischen Gebiet auf Ablehnung. Wie also weiter in Syrien? Werden die einstigen Konfliktparteien zusammenfinden? Oder droht gar ein neuer Bürgerkrieg?
Wed, 29 Oct 2025 - 561 - TALK: Wer sind die Kreativen, die Angolas Wirtschaft erneuern?
Sie arbeiten im chaotischen Kleidermarkt oder in der modernen Start-Up-Szene. Im International-Talk erzählt die freie Afrika-Korrespondentin Leonie March von ihren Begegnungen mit Menschen in Angola, die der Armut trotzen und der Wirtschaft neuen Schub geben wollen.
Sat, 25 Oct 2025 - 560 - Weg vom Öl - wie Angolas Wirtschaft vielfältiger werden kann
Der Ölsektor dominiert alles im Land. Sind die Ölpreise tief, leidet die ganze Wirtschaft. Alternativen sind daher gesucht, doch Unternehmergeist allein reicht nicht. Die meisten Angolaner und Angolanerinnen arbeiten im informellen Sektor. Ohne staatliche Kontrolle, aber auch ohne soziale Absicherung. Von den Gewinnen der Ölindustrie profitiert nur eine kleine Elite mit Verbindungen in die Politik. Menschen, die etwas dagegen unternehmen wollen, haben es schwer. Zwar gibt es eine lebendige Start-Up Szene. Doch sie kämpft mit der ausufernden Bürokratie und Korruption im Land. Die junge und dynamische Gründerszene wünscht sich daher mehr Unterstützung vonseiten des Staates. Dieser wird seit Jahrzehnten autoritär von der Partei MPLA regiert. Doch auch sie scheint erkannt zu haben, dass der Privatsektor gestärkt werden muss. Auf Gesetzesebene will sie es Gründerinnen und Gründern erleichtern, Unternehmen aufzubauen und damit Arbeitsplätze zu schaffen. Mithilfe ausländischer Investoren soll zudem die Infrastruktur ausgebaut werden. Im weiterhin unterentwickelten und vom Bürgerkrieg gezeichneten Land, sehen viele dies als zentralen Schlüssel für Wirtschaftswachstum. Doch trotz aller Bemühungen bleibt die Frage: Kann die Diversifizierung der Wirtschaft gelingen, nachdem es bislang schon viele erfolglose Versuche gab?
Wed, 22 Oct 2025 - 559 - TALK: Warum kommt Spanien nicht los vom Erbe der Diktatur?
Die Nachwehen der Diktatur sind in Spanien bis heute zu spüren, erst recht im fünfzigsten Todesjahr des Diktators Franco. Noch immer liegen tausende von Opfern des Regimes in Massengräbern. Im Talk erzählt Auslandredaktor Beat Vogt, wie er mit Angehörigen sprechen konnte und wie sie damit umgehen.
Sat, 18 Oct 2025 - 558 - Gebeine und Gedenkstätten: Spaniens ewiger Streit um die Toten
Vor Jahrzehnten umgebracht und anonym vergraben: Noch immer ruhen in spanischen Massengräbern tausende Überreste von Menschen, die dem Regime des Diktators Franco zum Opfer fielen. Ihre Exhumierung bleibt umstritten. Spanien tut sich schwer im Umgang mit der eigenen Geschichte. Eigentlich könnte dieses Jahr in Spanien als Jubiläumsjahr der Demokratie gelten. Denn genau vor 50 Jahren starb Diktator Francisco Franco, der das Land während fast vier Jahrzehnten mit harter Hand regiert hatte. Sein Tod am 20. November 1975 ebnete den Weg zu einer demokratischen Ordnung. Trotzdem herrscht in Spanien heute nicht durchgehend Feierlaune. In Sachen Aufarbeitung der eigenen Geschichte zieht sich ein weiter Graben durch die Gesellschaft. Stellvertretend dafür stehen die nach wie vor pendenten Exhumierungen von Opfern des Regimes. Viele Angehörige warten noch immer darauf, dass die Gebeine ihrer Grossväter oder Grossmütter in den Massengräbern identifiziert werden. Währenddessen streitet die Politik darüber, wie das Land mit dem Erbe der Diktatur umgehen soll. Wie soll es weitergehen mit den Ausgrabungen? Oder: Was soll mit dem gigantischen Monument «Valle de los Caídos» geschehen, das Francisco Franco im nordmadrilenischen Bergland errichten liess?
Wed, 15 Oct 2025 - 557 - TALK: Israels Armeevideos: Wie ging das Rechercheteam vor?
Auslandredaktorin Susanne Brunner bekam Anfang Jahr ein Mail vom unabhängigen Recherche-Kollektiv Viewfinder. Aus der einfachen Anfrage wurde eine journalistische Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg: USA, England, Deutschland und Israel.
Sat, 11 Oct 2025 - 556 - Realistische Fantasy: Die 3D-Erklärvideos der Israelischen Armee
Die israelische Armee erklärt Angriffe auf Ziele in Gaza und Libanon in Videos mit 3D-Grafiken. Der angebliche Beweis für Terror-Zentralen in Spitälern und Häusern ist jedoch irreführend. Eine Google-Karte des Libanon. Die Video-Animation zoomt ein auf den Süden, auf die Dörfer dort, dann, verschwommen, auf eine bestimmte Ortschaft. Eine 3D-Grafik zeigt, mit Röntgenblick, das Innere der Häuser: rot leuchten überall versteckte Raketen. Nur: Ein Dorf mit dieser Gebäude- und Strassenstruktur gibt es dort gar nicht. Seit Oktober 2023 hat die israelische Armee mindestens 43 solcher Erklärvideos veröffentlicht, darunter auch das Modell einer angeblichen Hamas-Kommandozentrale unter dem Shifa-Spital in Gaza, das sie mehrfach angegriffen hat. Ein Merkmal der Videos: Die gezeigten Räume sind ausgestattet mit 3D-Grafiken von bekannten Online-Plattformen, die man aus Science-Fiction- und Fantasy-Animationen für Filme und Videogames kennt. Die israelische Armee redet von «Illustrationen». Aber im Gegensatz zu den minutiös recherchierten OSINT-3D-Grafiken zur Ermittlung von Gewaltverbrechen, sind die Armee-Grafiken zur Rechtfertigung von Angriffen auf zivile Infrastruktur nicht überprüfbar. Dennoch verbreiten sie auch Mainstream-Medien. Eine Recherche /Reportage in Zusammenarbeit mit SRF-Rundschau, +972 Magazine und dem Viewfinder-Kollektiv.
Wed, 08 Oct 2025 - 555 - TALK: Italiens Vulkane: Wie lebt es sich mit der Gefahr im Boden?
Regelmässige Erdbeben und Vulkanausbrüche in dicht besiedelten Gebieten: Für «International» hat sich SRF-Italienkorrespondent Franco Battel auf eine Reise durch Italiens Gefahrengebiete gemacht. Im Talk erzählt er, wie die Bevölkerung zwischen Sorge und Schicksalsgläubigkeit schwankt.
Sat, 04 Oct 2025
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