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«Die Würde es Menschen ist zu achten und zu schützen», so lautet Artikel 7 der schweizerischen Bundesverfassung. Mit diesem Ansatz will «Artikel Sieben» die Menschenrechte dorthin rücken, wo sie hingehören: ins Zentrum, mitten ins Leben der Menschen, hier in der Schweiz. Denn es wird in der Schweiz viel zu wenig über die Menschenrechte im eigenen Land gesprochen – viele gehen davon aus, dass in der Schweiz in Sachen Menschenrechte alles zum besten steht. In «Artikel Sieben» legen wir den Finger dorthin, wo es Lücken gibt, wo Menschenrechte verletzt und zu wenig geachtet werden. Wir reden über Menschenrechte in der Schweiz, mit einem Fall pro Episode, mit einem Team von ausgewiesenen Expertinnen.
- 32 - #30 Prisons surpeulées, droits humains ignorés
La surpopulation en prison constitue une violation des droits humains des personnes détenues. En Suisse, et notamment dans sa partie francophone, dont 47% des peines privatives de liberté sont ordonnées pour 25% de la population, plusieurs établissements de détention sont surpeuplés depuis des années. Des personnes incarcérées à quatre dans une cellule prévue pour deux personnes, un manque d'hygiène et d'intimité, voire de soins ; les autorités peinent à réagir face à cette situation, pourtant bien connue et dénoncée. Pour Daniel Fink, criminologue et spécialiste de la statistique carcérale, le problème réside, dans cette partie de la Suisse, dans la sévérité des politiques d'incarcération des autorités pénales et l’usage du système carcéral comme moyen de gérer migration et petite délinquance. https://www.unige.ch/prisondegrowth/application/files/3317/5146/1522/UNIGE_LabRomandDecroissanceCarcerale_PolicyBrief_1_20250702.pdf
Fri, 25 Sep 2026 - 31 - #29 Wenn Diskriminierung benannt wird - und bekämpft
Die Bewerbung auf eine Wohnung, die unbeantwortet bleibt, die Ablehnung einer Bewerbung, eine plötzliche Kündigung, ein ablehnender Entscheid einer Behörde - dahinter verbirgt sich oft und vielleicht nicht einmal offensichtlich eine Diskriminierung. Vielleicht wegen der Herkunft oder dem Alter, möglicherweise wegen der Geschlechtszugehörigkeit oder weil ein Beamter Vorurteile gegen eine bestimmte Gruppe von LGBTQ+Personen hat. Ein Gesetz, das sich gegen jede Form von Diskriminierung richtet, würde mit solchen Zuständen aufräumen und das Bewusstsein für Diskriminierungen schärfen, sagt Tarek Naguib, Experte für Diskriminierungsrecht und Leiter einer Beratungsstelle für Menschen mit Migrationsgeschichte in Bern.
Fri, 26 Jun 2026 - 30 - #28 Un droit à l’alimentation, dans la riche Suisse?
Le droit à l’alimentation n’est pas garanti pour tout le monde dans une Suisse qui peine encore à reconnaître les droits sociaux. Comme dans d’autres pays riches, de nombreuses personnes en Suisse n’ont pas accès à une alimentation choisie, saine et durable. Santé, environnement et conditions de travail sont par ailleurs fragilisés par les systèmes de production alimentaire actuels. Léa Winter, co-présidente de FIAN Suisse, présente la Caisse genevoise de l'alimentation (Calim), un mécanisme qui propose une mise en oeuvre concrète du droit à l’alimentation, inscrit dans la Constitution genevoise depuis 2023.
Fri, 29 May 2026 - 29 - #27 Sexarbeit - Kriminalisierung durch die Hintertür?
Nach wie vor wird in der öffentlichen Meinung Sexarbeit stigmatisiert, und es gibt Vorstösse, die auch in der Schweiz das sogenannte «Schwedische Modell» einführen wollen. Das Modell kriminalisiert die Kunden der Sexarbeitenden, führt aber zu einer allgemeinen Repression der Sexarbeit an sich, sagt Rebecca Angelini, Geschäftsleiterin von ProCoRe, dem nationalen Netwerk, das sich für die Rechte von Sexarbeiter:innen einsetzt. Die Diskussion verschleiert aber auch, sagt Rebecca Angelini, dass Sexarbeiterinnen bereits heute mit unzähligen Hürden und Hindernissen zu tun haben, im Migrationsrecht, im Sozialversicherungsrecht, bei der Gesundheitsprävention. Das, obwohl Sexarbeit in der Schweiz spätestens seit einem Bundesgerichtsurteil aus dem Jahr 2021 als normale Erwerbsarbeit gilt.
Thu, 30 Apr 2026 - 28 - #26 Die KI liegt falsch - und Menschenrechte werden verletzt
Die künstlichen Intelligenzen können vieles, sie erfinden Geschichten, geben Auskünfte, organisieren das Leben, generieren Bilder. Sie können aber bei alledem auch Persönlichkeitsrechte verletzen und sie wirken manchmal direkt diskriminierend. Besonders problematisch wird das, wenn künstliche Intelligenzen von Behörden eingesetzt werden und diese KI dann falsche Auskünfte geben oder bestimmte Menschengruppen diskriminieren. Da kann sich, sagt Liliane Obrecht, Rechtswissenschaftlerin und Expertin für Fragen rund um KI, eine Behörde nicht ihrer Verantwortung entziehen. Und sie erklärt, warum.
Fri, 27 Mar 2026 - 27 - #25 Keine Wohnung, weil Ausländer*in
Viele, allzu viele Menschen mit Migrationshintergründen machen die Erfahrung, dass sie bei der Wohnungssuche diskriminiert werden, schlicht aufgrund ihrer Herkunft. Das ist rassistisch, aber das Schweizer Recht kennt dagegen fast keine Rechtsmittel, obwohl sowohl das Recht auf Wohnung wie auch der Schutz vor rassistischen Handlungen rechtlich garantiert sind. Einmal mehr zeigt sich - der Menschenrechtsschutz in der Schweiz ist auch hier löchrig. Wie die Löcher gestopft werden könnten, zeigt die Juristin Marisa Beier auf, die sich in ihrer Forschung intensiv mit einem der fundamentalsten Sozialrechte beschäftigt hat: dem Recht auf Wohnen.
Fri, 27 Feb 2026 - 26 - #24 Féminicides - la prévention reste insuffisante
Toutes les deux semaines, une femme est assassinée par son partenaire en Suisse. Dans de nombreux cas, la police et les autres autorités sont conscientes du danger, mais n'interviennent pas, souvent parce que les signes ne sont pas reconnus. Ce scandale doit cesser, mais comment ? Lors d'un débat public à la Käfigturm à Berne, Gian Beeli, codirecteur du Bureau fédéral de l'égalité entre femmes et hommes, Blertë Berisha, codirectrice de l'organisation faîtière des maisons d'accueil pour femmes, et Sophie Delessert, directrice du Bureau de l'égalité entre femmes et hommes et des questions familiales de Fribourg, ont discuté des mesures urgentes à prendre pour protéger les droits fondamentaux des femmes. Et ce qu'il faut faire pour que la violence sexiste soit enfin considérée comme un problème touchant l'ensemble de la société dans notre pays. Cet épisode bilingue est animé par Jeanne Durafour, responsable de la rédaction francophone chez humanrights.ch. https://www.humanrights.ch https://www.stopfemizid.ch https://www.frauenhaeuser.ch
Mon, 02 Feb 2026 - 25 - #24 Feminizide - nach wie vor zu wenig Prävention
Jede zweite Woche wird in der Schweiz eine Frau von ihrem Partner ermordet. In vielen Fällen wissen Polizei und andere Behörden von der Gefährdung, schreiten aber nicht ein, oft werden die Anzeichen nicht erkannt. Dieser Skandal muss enden - aber wie? In einer öffentlichen Diskussion im Käfigturm in Bern diskutieren Gian Beeli, Co-Direktor des Eidgenössischen Bureaus für die Gleichstellung von Frau und Mann, Blertë Berisha, Co-Geschäftsleiterin der Dachorganisation der Frauenhäuser und Sophie Delessert, Leiiterin des Freiburger Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann und für Familienfragen über die dringenden Massnahmen, die getroffen werden müssen, um die fundamentalen Rechte der Frauen zu schützen. Und was getan werden muss, damit die geschlechtsbezogene Gewalt in unserem Land endlich auch als ein gesamtgesellschaftliches Problem wahrgenommen wird, Diese zweisprachige Episode wird moderiert von Jeanne Durafour, bei humanrights.ch verantwortlich für die französischsprachige Redaktion.
Fri, 30 Jan 2026 - 24 - #23 Eine Wächterin über die Menschenrechte in der Schweiz
Seit eineinhalb Jahren ist sie operativ, hat Tagungen organisiert, in einzelnen Fällen interveniert, ihre Arbeitsfelder definiert: die Schweizerische Menschenrechtsinstitution SMRI ist die neu geschaffene Wächterin über die Menschenrechte in der Schweiz. Sie soll, als staatliche Institution die Einhaltung der Menschenrechte in der Schweiz überwachen, Impulse geben, Stellung beziehen. Doch sie ist, sagt ihr Direktor Stefan Schlegel, finanziell und personell schwach aufgestellt und bräuchte dringend mehr Mittel, um auch international anerkannt zu werden. Umso mehr, als es viele, sehr viele Baustellen gibt in Sachen Menschenrechte in der Schweiz.
Fri, 26 Dec 2025 - 23 - #22 Wenn eine Haft tödlich endet
Wer verhaftet wird, oft mitten aus dem Alltag heraus, und wer dann in Untersuchungshaft kommt, allein in einer Zelle landet, erleidet häufig einen Schock. Dieser Haftschock endet für viele, viel zu viele Menschen in einem Schweizer Gefängnis mit dem Tod, in den meisten Fällen durch Suizid. Warum die Schweiz in der Suizidstatistik in Gefängnissen im europäischen Vergleich fast an der Spitze steht, erklärt Livia Schmid, Leiterin der Beratungsstelle für Menschen im Freiheitsentzug bei humanrights. Und sie sagt, auch, was es braucht, um die Rechte der Betroffenen effektiv zu schützen, und um dafür zu sorgen, dass die Schweiz bei diesem Thema endlich die Vorgaben der Europäischen Menschenrechtskonvention erfüllt.
Fri, 28 Nov 2025 - 22 - #21 Manifester en Suisse : un droit qui a un prix
Le droit de manifester ne va pas de soi en Suisse. À quelles difficultés les personnes qui organisent ou participent à des manifestations se heurtent-elles ? Quelles sont les limites de ce droit ? Les manifestations sont remises en question, alors que la liberté d’expression et de réunion pacifique est plus importante que jamais, dans un contexte politique qui ne cesse de se polariser. Anita Goh, juriste au sein d’Amnesty International Suisse et chargée de campagne pour le droit de manifester, explique pourquoi le droit de manifester est menacé en Suisse. Episode en français, die deutsche Übersetzung findet sich in den Shownotes.
Fri, 31 Oct 2025 - 21 - # 20 Wenn Menschenrechte vor Gericht kommen
Menschenrechte sind zwar universell, auf ihnen ruhen die meisten Grundsätze, die unser Zusammenleben steuern, beeinflussen, bestimmen. Aber damit sie zur Geltung kommen, müssen sie auch regelmässig angerufen werden - vor Gerichten, die über ihre Tragweite entscheiden. Wie sie das tun, und warum Recht haben und Recht bekommen nicht dasselbe ist, darüber diskutieren die Staats- und Völkerrechtsprofessorin Helen Keller, die Rechtsanwältin Xenia Rivkin und Johannes Wendland, Rechtsexperte beim Hilfswerk HEKS bei eine Live-Aufnahme im Berner Käfigturm. Und sie waren sich einig, dass Menschenrechte mehr ins Gespräch kommen müssen, gerade in Zeiten wie diesen, wenn sie von so vielen Seiten her bedrängt und, ja, auch missachtet werden.
Thu, 18 Sep 2025 - 20 - #19 SLAPPs – Ohrfeigen für die Menschenrechte
Klagen, um Medienschaffende oder Nichtregierungsorganisationen mundtot zu machen, zu zermürben, nehmen zu, in der Form von sogenannten «Strategic Lawsuits Against Public Participation», kurz SLAPPs. Den klagenden, mächtigen Konzernen geht es dabei nicht darum, Sachverhalte richtigzustellen, oder auch nur, vor Gericht zu gewinnen; das Ziel einer SLAPP ist es einzig, den Medienschaffenden oder einer Nichtregierungsorganisation eine Ohrfeige zu verpassen, damit sie schweigen. Warum das ein Angriff ist auf die Menschenrechte und schädlich für die Demokratie, erläutert Michael Burkard, Rechtsanwalt und Co-Geschäftsleiter von Impressum.
Fri, 27 Jun 2025 - 19 - #18 Kindeswegnahmen, Zwangsfürsorge - was historisches Unrecht bedeutet
In der Schweiz haben kantonale und kommunale Behörden über Jahrzehnte hinweg Kinder «fremdplatziert», haben «auffällige» Jugendliche und Erwachsene mit «fürsorgerischen Zwangsmassnahmen» in Anstalten, Fabriken und psychiatrische, Kliniken weggesperrt. Eine unrühmliche Tradition, die fortwirkt, sagt Sonja Matter, die zu Kindswegnahmen und fürsorgerische Zwangsmassnahmen geforscht hat und heute das Historische Lexikon der Schweiz leitet. Und sie erklärt, was das historische Unrecht mit den Menschenrechten zu tun hat.
Fri, 30 May 2025 - 18 - #17 Es gibt ein Recht auf Betteln - auch in der reichen Schweiz
Noch immer sind sie in vielen Schweizer Kantonen in Kraft, die Bettelverbote. Und das, obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte klar geurteilt hat, dass Betteln durch die Menschenrechte geschützt ist, und dass Bussen, die gegenüber bettelnden Menschen ausgesprochen werden, eine Verletzung der Menschenwürde darstellen. Christian von Wartburg, Rechtsanwalt in Basel, setzt sich für die Rechte der Allerärmsten ein und erklärt, was hier dringend geändert werden muss.
Fri, 25 Apr 2025 - 17 - #16 «Sexblindes» Recht, das dennoch diskriminiert
Die Gleichberechtigung ist ein zentrales Element im Grundrechtskatalog der Verfassung. Und dennoch weisen die Praxis der Gerichte und auch die Lehre zu Artikel 8 der Bundesverfassung, der unter anderem die Gleichberechtigung von Mann und Frau vorschreibt, eine ganze Reihe von Lücken auf. Da und dort zementiert das so verstandene Diskriminierungsverbot bestehende Ungleichheiten oder verstärkt sie sogar. Das muss dringend geändert werden, sagt die Rechtswissenschaftlerin Elisabeth Joller, und sie zeigt auf, dass der Staat in der Pflicht steht, wenn es um die Herstellung von Gleichheit geht.
Fri, 28 Mar 2025 - 16 - #15 Warum Roger «Nzoy» Wilhelm sterben musste
Das Recht auf Leben ist das höchste Gut, und es wird von der Verfassung und der Europäischen Menschenrechtskonvention geschützt. Wer es verletzt, begeht eine sehr schwere Straftat, und das gilt auch für die Polizei. Bei der Erschiessung von Roger Nzoy am Bahnhof von Morges hätte die Staatsanwaltschaft deshalb zwingend Anklage gegen den Polizisten erheben sollen, der das Feuer eröffnete; dass sie es nicht getan hat, hängt damit zusammen, dass Roger Nzoy schwarzer Hautfarbe war. Das sagt Nora Riss, die Juristin ist bei humanrights.ch für das Thema Rassismus zuständig, leitet das Beratungsnetz für Rassismusopfer in der Schweiz und hat den Fall eingehend untersucht [Eine frühere Fassung dieser Episode enthielt einige sachliche Fehler, die korrigiert wurden]
Fri, 28 Feb 2025 - 15 - #14 Menschenrechte – von Kanton zu Kanton verschieden
Dass in der Schweiz vieles von Kanton zu Kanton verschieden ist, gilt fast schon als geflügeltes Wort. Leider ist das auch bei der Umsetzung von Internationalen Konventionen, die eine hohe Relevanz für die Menschenrechte haben, der Fall. Und das hat zur Folge, dass in manchen Kantonen international verbriefte Menschenrechte konkret umgesetzt werden, in anderen aber nicht. Am Beispiel der Behindertenrechtskonvention zeigt die Staatsrechtlerin Evelyne Schmid auf, wo die Fallstricke bei der kantonalen Umsetzung liegen - und warum Föderalismus dennoch ein Laboratorium für einen effektiven Menschenrechtsschutz sein könnte.
Fri, 31 Jan 2025 - 14 - #13 Wenn vorläufig aufgenommen, dann kein Recht auf Familie
Der Europäische Gerichtshof hat die Schweiz mehrfach verurteilt, weil die Schweiz das Recht auf Familiennachzug für Personen auf der Flucht regelmässig verletzt. Bis jetzt blieb das ohne Folgen. Schlimmer noch, das Schweizer Parlament arbeitet an einer Vorlage, die vorläufig aufgenommenen Personen den Nachzug ihrer Angehörigen generell verbieten will; ein klarer Verstoss gegen das Recht auf Familie, wie es in der EMRK und in der Verfassung eingeschrieben ist. Die Menschenrechtsanwältin und Staatsrechtlerin Stephanie Motz ordnet ein, was diese eklatante Verletzung von Recht bedeutet - für die Betroffenen, aber auch für das Vertrauen in den Rechtsstaat.
Tue, 17 Dec 2024 - 13 - #12 Was Zement mit den Menschenrechten zu tun hat
Die Schweiz hat einige Probleme mit Menschenrechten, nicht nur im Inland. Auch internationale Konzerne, die in der Schweiz ihren Sitz haben, stehen immer wieder in der Kritik. So auch der Zementhersteller Holcim, der von vier Bewohner:innen der Insel Pari auf Indonesien vor einem Gericht im Kanton Zug verklagt wurde. Denn Holcim, der zweitgrösste Zementkonzern der Welt, trägt mit seinen CO2-Emissionen ganz wesentlich dazu bei, dass die Insel Pari langsam aber sicher in den Fluten versinkt. Johannes Wendland, der für das HEKS die vier Bewohner:innen von Pari mit einer Kampagne unterstützt, erläutert, warum diese ferne Insel auch die Schweiz etwas angeht.
Fri, 29 Nov 2024 - 12 - #11 Wenn die Psychiatrie zur Folteranstalt wird
Menschen, die suizidal sind, die sich selber gefährden (und andere) können in der Schweiz unter bestimmten Voraussetzungen «fürsorgerisch» untergebracht werden. Das ist so im Zivilgesetzbuch vorgesehen. Doch damit verstösst die Schweiz in vielerlei Hinsicht gegen internationale Abkommen zum Schtz der Menschenrechte und wurde mehrfach gerügt deswegen. Und einige psychiatrische Anstalten wenden Methoden an, die von internationalen Gremien als Folter bezeichnet werden. Davon sind vor allem Menschen betroffen, die unter das Autismus-Spektrum fallen - für sie wird der Aufenthalt in der Klinik oft zu einem Horrortrip.
Fri, 25 Oct 2024 - 11 - #10 Überwachen, überwachen, überwachen
Mit dem Nachrichtendienstgesetz haben die Schweizer Geheimdienste ein mächtiges Werkzeug in die Hand bekommen: die Funk- und Kabelaufklärung. Sie ermöglicht es, uns alle, alle Bügerinnen und Bürger, ständig zu überwachen, auch ohne einen Verdacht auf kriminelle Handlungen. Das geht so nicht, weil damit Menschenrechte verletzt werden - so hat das Bundesgericht geurteilt. Erik Schönenberger, Geschäftsführer der Digitalen Gesellschaft und der Anwalt Viktor Györffy, Präsident und Gründer von grundrechte.ch erklären, wo die Sammelwut die Menschenrechte mehr als nur tangiert.
Fri, 28 Jun 2024 - 10 - # 9 Aus dem eigenen Land weggewiesen
Er ist in der Schweiz aufgewachsen, hat immer hier gelebt, hatte eine feste Arbeit, eine Familie. Dann geriet er in eine Schlägerei, wurde verurteilt. Und des Landes verwiesen. Adem A., so das Bundesgericht, soll zurück nach Kosovo, wo er noch nie gelebt hat, wo er keine Freunde hat, keine Arbeit. Babak Fargahi, Rechtsanwalt mit Spezialgebiet Migrationsrecht, erklärt, warum er den Fall an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gezogen hat.
Fri, 31 May 2024 - 9 - # 8 Schweizer Väter - Schlusslichter Europas
Wenn ein Kind zur Welt kommt, ist die Mutter in der Schweiz rechtlich abgesichert, nicht so der Vater oder die andere, miterziehende Person. Väter (eine andere Bezeichnung kommt im Gesetz nicht vor) müssen sich mit zehn Tagen Urlaub begnügen, und auch die sind keineswegs sicher; ein Recht auf den Aufbau einer sozialen Bindung an das Kind haben sie nicht. Das wollten die Rechtswissenschaftlerin Charlotte Sieber-Gasser und ihr Ehemann ändern, und scheiterten vor Bundesgericht. Charlotte Sieber erzählt, warum Schweizer Väter nach wie vor kein Recht auf Elternzeit haben, inwiefern sie in Europa ein Schlusslicht sind und warum das fundamentale Rechte verletzt.
Fri, 26 Apr 2024 - 8 - #7 Abgelehnt, abgewiesen, diskriminiert - durch einen Algorithmus
Die Diskriminierung von Menschen aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht und anderen Merkmalen ist in der Schweiz verfassungsrechtlich verboten. Dennoch tun das die kleinen und grossen Programme im Internet ständig, indem sie ausschliessende, diskriminierende Parameter anwenden. Und das überall, in der Arbeitswelt, im Gesundheitswesen, im Strafvollzug. Gegen diese alltäglichen, manchmal unmerklichen Diskriminierungen setzt sich Angela Müller, Leiterin von Algorithmwatch Schweiz ein - und erklärt, was getan werden muss, dringend.
Fri, 22 Mar 2024 - 7 - #6 Hitzewellen, und das Recht auf Leben
Hitzewellen, die durch die fossil bedingte Klimakrise immer häufiger und heftiger werden, fordern Menschenleben. Über 60 Prozent mehr Todesfälle sind auf klimabedingte Hitzewellen zurückzuführen, so eine neueste Studie. In dieser Situation hat der Staat die Pflicht, das Leben der Menschen zu schützen, vor allem das Leben derjenigen, die am verletzlichsten sind: der älteren Frauen. Die Frage, ob die Schweiz ihren Verpflichtungen nachkommt, wird noch in diesem Jahr vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, aufgrund einer Klage der «Klimaseniorinnen Schweiz». Cordelia Bähr, leitende Rechtsanwältin in diesem Verfahren, erwartet einen wegweisenden Entscheid.
Fri, 23 Feb 2024 - 6 - #5 Racial Profiling und die Frage nach der Menschenwürde
Rassismus ist nicht etwas, das beiläufig passiert, Rassismus ist auch kein individuelles Problem, sondern ein gesellschaftliches, sagt Tarek Naguib, der Koordinator der Menschenrechtsplattform Schweiz und Mitbegründer der Allianz gegen Racial Profiling. Dennoch ist die Erfahrung der Diskriminierung, der Gewalt, der Bedrohung immer eine persönliche, und eine schmerzhafte. So, wie im Fall von Wilson A., der um ein Haar sein Leben bei einer Polizeikontrolle verlor und bis heute um seine Rechte kämpft.
Fri, 26 Jan 2024 - 5 - #4 Nichtbinär und in der Schweiz nicht anerkannt
Es gibt zahlreiche Menschen, die sich weder dem einen noch dem anderen offiziellen Geschlecht zugehörig fühlen. Nichtbinäre Menschen gibt es viele, mitten unter uns - nur für den Staat gibt es sie nicht. Denn bis heute müssen auch sie sich beim Eintrag im Zivilstandsregister für «Mann» oder für «Frau» entscheiden, also für ein falsches Geschlecht. Alecs Recher, Gründer des Transgender Network Switzerland erklärt, warum das gegen fundamentale Prinzipien der Menschenwürde verstösst, und wie es anders gehen könnte.
Fri, 29 Dec 2023 - 4 - #3 Für immer hinter Gittern, und rechtlos?
Eine Person begeht einen schlimmen Mord, vergeht sich sexuell an einer anderen Person, verübt einen brutalen Raubüberfall. Das führt zu einer langen Haftstrafe, aber oft eben auch zu einer Verwahrung, und zwar möglicherweise auf immer. Ein Mensch wird verwahrt, und doch hat er auch in dieser Verwahrung Rechte, auch für ihn gilt das fundamentale Recht auf persönliche Freiheit, ein Menschenrecht. Was das bedeutet für eine verwahrte Person, das erläutert Stephan Bernard, Rechtsanwalt, der verwahrte Menschen und ihre Rechte vor Gericht vertritt.
Fri, 24 Nov 2023 - 3 - #2 Der Staat muss das Recht auf Demonstration schützen
Wenn Menschen auf die Strasse gehen, haben sie ein drängendes Anliegen, für das sie sonstwo kein Gehör finden. Sie können ihre Meinung nur in der Öffentlichkeit, auf der Strasse äussern, und sie wollen es auch nicht anders. Dieses Recht steht heute unter Druck, wegen der Klimademonstrationen, wegen den Krisen im Nahen Osten, wegen der Zunahme gesellschaftlicher Spannungen ganz allgemein. Die Behörden aber, sagt Judith Wyttenbach, Professorin für Staats- und Völkerrecht an der Universität Bern, müssen Demonstrationen nicht nur grundsätzlich zulassen, sondern sie müssen sie auch aktiv schützen und zum Beispiel eine Demonstration vor einer Gegendemonstration abschirmen. Der Staat hat eine Schutzpflicht selbst dann, wenn eine Demonstration aus guten Gründen nicht bewilligt wurde.
Fri, 27 Oct 2023 - 2 - #1 Die Schweiz, kein Musterknabe in Sachen Menschenrechte
Die Schweiz sieht sich gerne als Musterknabe in Sachen Menschenrechte, und sie präsentiert sich auch gerne so. Aber die Realität sieht anders aus, sagt Matthias Hui, lange Jahre Koordinator der NGO-Plattform Menschenrechte bei humanrights.ch. Denn die Schweiz hat einige Lücken im Menschenrechtsschutz, und viele, viel zu viele Menschen kommen hierzulande nicht zu ihrem Recht. Und das, sagt Matthias Hui, hat Gründe.
Fri, 29 Sep 2023 - 1 - #0 Worum es geht, bei «Artikel Sieben»
Wir reden viel zu wenig über Menschenrechte in der Schweiz, sagt Marianne Aeberhard, Geschäftsleiterin von humanrights.ch, die meisten gehen davon aus, dass alles bestens ist in Sachen Menschenrechte hierzulande. Aber weit gefehlt, denn es gibt enorme Lücken im Menschenrechtsschutz, es gibt eklatante Diskriminierungen, nicht nur bei Menschen ohne Schweizer Pass, nicht nur bei den Rechten von Minderheiten. Deshalb braucht es eine offene, klare, fundierte Diskussion über den Wert und die Bedeutung von Menschenrechten - hier in der Schweiz, und für die Schweiz. «Artikel Sieben» setzt hier an, in Gesprächen mit ausgewiesenen Expert:innen, mit einem Fall pro Episode.
Mon, 11 Sep 2023
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