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Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.

6778 - Wie sind fleischfressende Pflanzen in der Evolution entstanden?
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  • 6778 - Wie sind fleischfressende Pflanzen in der Evolution entstanden?

    Gegen Fraßdruck: Carnivorie aus Abwehrmechanismen entwickelt

    Vermutlich hat sich die Carnivorie – also die Fähigkeit von Pflanzen, Fleisch zu fressen und zu verdauen – aus Abwehrmechanismen entwickelt. Die Pflanzen haben demnach nicht das "Jagen" neu erlernt als Innovation, sondern sie haben gelernt, ihre Feinde zu fressen. Pflanzen stehen immer unter Fraßdruck: Da sind Blattläuse, die an ihnen rumsaugen, Raupen, die an ihnen fressen. Pflanzen können das detektieren und zum Beispiel Reize losschicken, Hormonbotschaften senden, Abwehrmechanismen in Gang setzen und Enzyme ausschütten. All das kann helfen, Fraßfeinde abzuwehren. Auf nährstoffarmen Böden, wo also Nährstoffmangel herrscht, hat sich im Lauf der Evolution diese Kaskade an Prozessen, Strukturen und Mechanismen dahingehend gewandelt, dass die Pflanzen Tiere anlocken, töten, verdauen und die Nährstoffe aufnehmen können. Das ist aktuell der Stand des Wissens.

    Gibt es Fossilien, die diese Entwicklung belegen?

    Das ist schwierig. Idealerweise gäbe es Fossilien, die solche Zwischenstufen zeigen. Aber fleischfressende Pflanzen sind mit ein paar Ausnahmen oft krautig. Das heißt, sie haben keine hölzernen Strukturen und der Fossilbeleg ist mau, um es nett zu sagen. Es gibt einige in Bernstein eingeschlossene Inklusen, die ein paar frühe Carnivoren zeigen. Uns fehlen jedoch die wirklichen Bilder, die uns zeigen, wie das ausgesehen haben könnte. Aber man kennt natürlich diese Mechanismen und weiß, dass die auch schon früher stattgefunden haben müssen. Carnivorie ist übrigens etwas, was wir in der Biologie als konvergente Erscheinung bezeichnen. Sie ist mehrfach unabhängig im Pflanzenreich entstanden. Diese Pflanzen sind auch gar nicht näher miteinander verwandt. Es gibt zum Beispiel Pflanzen, die mit Gleitfallen arbeiten, wo Tiere ausrutschen und hineinfallen. Die sind gleich mehrfach unabhängig im Pflanzenreich entstanden. Schnappfallen nur einmal, Klebefallen mehrfach, Saugfallen nur einfach. Man kann sich verschiedenste evolutionäre Ursprünge und Prozesse vorstellen, wie das passiert sein könnte. Es ist nicht einfach, die Evolution da nachzuvollziehen.
    Mon, 12 Oct 2026 - 02min
  • 6777 - Welchen Boden braucht ein Naturgarten?

    Der Boden spielt im Naturgarten eine wichtige Rolle. Im Naturgarten möchte man am liebsten einen Boden, der nicht so nährstoffreich ist – anders, als man es vielleicht sonst denkt. Oft geht man davon aus, dass viele Nährstoffe gut seien für alle Pflanzen. Viele unserer Wildpflanzen mögen aber eher einen nährstoffarmen Boden, weil sie sich dort besser durchsetzen können.

    Weniger Nährstoffe, mehr Artenvielfalt

    Wenn der Boden sehr nährstoffreich ist, setzen sich andere Pflanzen durch. Dann ist alles schnell zugewachsen So haben viele Wildstauden, die nicht so konkurrenzstark sind, keine Chance. Das heißt: In einem Naturgarten würde ich nicht stark düngen oder mulchen, sondern im Zweifel einen etwas nährstoffärmeren Boden anstreben.
    Mon, 12 Oct 2026 - 00min
  • 6776 - Kann man bei Menschen allein durch Suggestion Brandblasen hervorrufen?

    Solche Fälle sind dokumentiert, fast immer war dabei Hypnose im Spiel. Das Prinzip: Dem hypnotisierten Menschen wird ein kalter Gegenstand auf die Haut gedrückt, zum Beispiel eine Münze oder einfach ein Finger. Gleichzeitig wird ihm gesagt, dass es sich um etwas sehr Heißes handele, eine glimmende Zigarette zum Beispiel. Dann entwickelt die Versuchsperson an der Stelle eine Brandblase, und dies oft erst, nachdem sie längst aus der Hypnose aufgewacht ist. In anderen Variationen wird nichts auf die Haut gedrückt, sondern nur über Sprache suggeriert, dass sich die Haut verbrennt.

    Beliebtes Experiment im 19. Jahrhundert, aber schlecht dokumentiert

    Solche Experimente gab es in verschiedenen Variationen schon im 19. Jahrhundert. Allerdings sind viele dieser alten Berichte nicht so sorgfältig dokumentiert, dass man sie als wissenschaftlich sehen könnte. Ich habe eine Studie aus den 1960er-Jahren gefunden, die alle Berichte von solchen Experimenten, die es bis dahin gab, gründlich untersucht hat. Fast ein Drittel dieser Experimente konnten wissenschaftlich nicht verwendet werden, entweder weil der Versuchsaufbau nicht dokumentiert war oder weil der Hypnotiseur das Experiment allein durchgeführt hat und es keine Zeugen gab. Bei einigen weiteren Versuchen wiederum war nicht ganz klar, ob die vermeintlichen Brandblasen wirklich durch Suggestion entstanden sind, oder ob es sich nicht um ganz normale Hautirritationen gehandelt hat, die einfach durch intensive Reibung oder auch durch eine Kontaktallergie entstanden sind.

    Es funktioniert bei manchen, aber längst nicht bei allen Menschen

    Was sich ebenfalls herausstellte: Diejenigen Versuchspersonen, bei denen das Ergebnis weitgehend unstrittig ist, hatten fast alle psychische Auffälligkeiten. Sie wurden im damaligen psychologischen Vokabular als "hysterische" Persönlichkeiten dargestellt. Heute benutzt die Psychologie ein etwas differenzierteres Vokabular, aber zumindest lässt das darauf schließen, dass diese Versuchspersonen, bei denen es geklappt hat, besonders empfänglich für suggestive Botschaften waren. Zum Beispiel ist der Fall eines Patienten dokumentiert, der im Krieg schwere Verletzungen durch Granatsplitter davongetragen hat. Er sollte nun unter Hypnose dieses schreckliche Geschehen noch einmal durchleben. Dabei wurde ihm unter anderem suggeriert, er sei wieder von einem geschmolzenen Metallstück getroffen worden. Gleichzeitig hat der Hypnotiseur mit einer kleinen metallischen Feile die Haut berührt. Auch bei diesem Patienten fing die Haut zunächst an, sich zu röten. Die Hypnose wurde abgebrochen, aber im Verlauf der weiteren Stunde entwickelte sich an der entsprechenden Stelle wieder eine typische Brandblase. Kurz – und das hat sich auch in späteren Experimenten bestätigt – es funktioniert bei manchen, aber längst nicht bei allen Menschen. Bei all diesen Versuchen ging es wirklich immer nur um solche Brandblasen bzw. – um es noch vorsichtiger zu sagen – brandblasenähnliche Hautirritationen. Es wäre falsch, diese Experimente als Beispiel für alle möglichen wundersamen Manipulationen zu nehmen, also zu glauben, man könnte auf die gleiche Weise bei Menschen durch Suggestion Messerschnitte erzeugen oder spontan einen Finger brechen oder ähnliches.

    Gibt es eine Erklärung, wie das bei den Brandblasen funktioniert?

    Es gibt eine gewisse Vorstellung, die aber in keinem konkreten Fall bewiesen wurde. Natürlich ist es ein ungewöhnliches und unerwartetes Phänomen. Ein "Wunder" in dem Sinn wäre es aber nur dann, wenn man Körper und Geist als zwei völlig getrennte Wesenheiten betrachtet. Aber das sind sie ja nicht. Gerade die psychosomatische Medizin hat gezeigt, wie eng manchmal geistig-psychische Phänomene und körperliche Vorgänge zusammenhängen. Und zwar gilt das in besonderem Maße einerseits für neurologische und immunologische Vorgänge, also für alles, was mit unseren Nerven einerseits und der Immunabwehr andererseits zu tun hat. Und eine Brandblase ist letzten Endes auch so ein Vorgang. Eine Brandblase ist ja im Grunde schon eine Heilungsreaktion, die der Körper selbst in Gang setzt, um die durch die Hitze zerstörten Zellen abzustoßen und zu erneuern. Das Experiment zeigt, dass es möglich ist – zumindest bei manchen Personen – über den Umweg des Geistes dem Körper zu suggerieren, dass es an der Haut etwas zu reparieren gibt.
    Sun, 11 Oct 2026 - 04min
  • 6775 - Was ist im Herbst zu tun für Artenvielfalt im Garten?

    Naturgarten: beste Pflanzzeit startet im September

    Tatsächlich startet im September die beste Pflanzzeit. Im Herbst ist inzwischen die Zeit, in der man am besten pflanzen kann. Im Frühjahr sind die Böden teilweise schon zu trocken. Das heißt: Sobald es ein bisschen nasser wird, öfter regnet und nicht mehr ganz so heiß ist, kann man anfangen, sich Gedanken zu machen: Was möchte ich pflanzen? Welche Wildpflanzen können meinen Garten im besten Fall ergänzen? Diese Pflanzen kann man dann sehr gut im Herbst in die Erde bringen. Das geht sogar bis in den November hinein. Solange kein Schnee liegt und der Boden nicht gefroren ist, kann man Wildpflanzen auf jeden Fall pflanzen. Man kann im Herbst auch Blumenzwiebeln stecken, damit man im nächsten Frühjahr schon für die ersten früh fliegenden Insekten, zum Beispiel die ersten Erdhummeln, die unterwegs sind, etwas im Angebot hat. Die haben dann schon Hunger und freuen sich über ein paar Krokusse oder Traubenhyazinthen, die bereits blühen. Im Oktober beginnt die Zeit, in der man Gehölze zurückschneiden kann. Wir sollten ja zwischen Anfang März und Ende September wegen der Vogelbrutzeit nicht schneiden oder zumindest nur sehr eingeschränkt. Das heißt: Wenn man noch etwas schneiden will, kann man damit im Oktober beginnen.

    Wie "radikal" kann man den Naturgarten im Herbst aufräumen?

    Im Prinzip muss das Aufräumen fast gar nicht sein, aber man darf natürlich auch in einem Naturgarten im Herbst etwas tun. Wenn man Gehölze zurückschneiden will, kann man das auf jeden Fall machen. Wenn Laub liegt, gerade auf dem Rasen, kann man es gerne zu einem Haufen zusammenrechen oder unter die Sträucher legen. Das kann ein guter Überwinterungsort für Insekten und Igel sein; die freuen sich darüber. Man sollte nicht alles in die Biotonne werfen, sondern auch etwas im Garten lassen. Das ist ein guter Mulch für die Pflanzen. Das heißt: Man kann schon ein bisschen aufräumen, aber man sollte es nicht übertreiben.
    Sat, 10 Oct 2026 - 02min
  • 6774 - Warum werden Röcke fast nur von Frauen getragen?

    Der Rock im heutigen Sinn kam im 15. Jahrhundert auf

    Röcke wurden nicht immer vor allem von Frauen getragen. Auch der Kilt – der Schottenrock – blickt auf eine lange Tradition zurück. Im Mittelalter waren Röcke gängig, sowohl bei den Bauern als auch bei den Rittern. Streng genommen waren diese Waffenröcke aber eher in der Taille geschnürte Kleider bzw. überlange Hemden. Der Rock im heutigen Sinn, der erst in der Taille anfängt, kam etwa im 15. Jahrhundert auf.

    Hose vor allem bei den Reitervölkern verbreitet

    Da wegen der Einfachheit der Herstellung der Rock scheinbar selbstverständlicher ist – im einfachsten Fall ist es ein um den Leib gewickeltes Tuch – wäre es interessanter zu fragen, wie und warum die Hose ins Spiel kam. Die ist ja viel komplizierter und aufwändiger. Das allerdings weiß man nicht genau, aber sie war offenbar von Anfang an ein eher männliches Kleidungsstück. Woher das kommt – daher kann man spekulieren. Verbreitet waren Hosen offenbar vor allem bei Reitervölkern – das könnte ein Hinweis sein. In der Tat sind Hosen beim Reiten praktischer als Röcke. Und weil vermutlich die Männer bei all diesen Völkern – Skythen, Mongolen usw. – mehr auf Pferden unterwegs waren, würde dies erklären, warum es zu einem männlich assoziierten Kleidungsstück wurde.

    Römer hielten Hosen für unziemliche Barbarenkleidung

    Das heißt nicht, dass die Hose in der Geschichte immer ein Statussymbol bzw. die Kleidung der Mächtigen war. Schlagen wir nach bei Asterix: Da sind es die imperialen Römer, die die Röcke tragen, während die scheinbar so provinziellen Gallier in Hosen herumlaufen. Und so war das wirklich: Für die Römer waren Hosen letztlich unziemliche Barbarenkleidung. Daran sieht man: Das Image der Kleidungsstücke ändert sich mit der Zeit.

    Lange verpönt: Hosen für Frauen

    Wenn wir heute überlegen, warum Röcke "typisch Frau" sind, hätten wir vor fünfzig Jahren auch umgekehrt fragen können: Warum tragen nur Männer Hosen? Hosentragende Frauen galten lange Zeit als unschicklich. Noch 1970 mussten weibliche Bundestagsabgeordnete, die mit Hose oder Hosenanzug den Plenarsaal betraten, damit rechnen, aus dem Saal verwiesen zu werden.

    Männer in Röcken sind heute noch immer eher selten

    Die Frauen haben sich emanzipiert, dürfen jetzt beides tragen – bei den Männern ist es noch ungewöhnlich. Modeexperten sagen zwar, das ändere sich ein wenig, auch bei Männern kämen Röcke zunehmend in Mode – aber eine Massenerscheinung ist es offensichtlich noch nicht.
    Fri, 9 Oct 2026 - 03min
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