Nach Genre filtern
1000 Antworten

Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.
- 6774 - Warum werden Röcke fast nur von Frauen getragen?
Der Rock im heutigen Sinn kam im 15. Jahrhundert auf
Röcke wurden nicht immer vor allem von Frauen getragen. Auch der Kilt – der Schottenrock – blickt auf eine lange Tradition zurück. Im Mittelalter waren Röcke gängig, sowohl bei den Bauern als auch bei den Rittern. Streng genommen waren diese Waffenröcke aber eher in der Taille geschnürte Kleider bzw. überlange Hemden. Der Rock im heutigen Sinn, der erst in der Taille anfängt, kam etwa im 15. Jahrhundert auf.Hose vor allem bei den Reitervölkern verbreitet
Da wegen der Einfachheit der Herstellung der Rock scheinbar selbstverständlicher ist – im einfachsten Fall ist es ein um den Leib gewickeltes Tuch – wäre es interessanter zu fragen, wie und warum die Hose ins Spiel kam. Die ist ja viel komplizierter und aufwändiger. Das allerdings weiß man nicht genau, aber sie war offenbar von Anfang an ein eher männliches Kleidungsstück. Woher das kommt – daher kann man spekulieren. Verbreitet waren Hosen offenbar vor allem bei Reitervölkern – das könnte ein Hinweis sein. In der Tat sind Hosen beim Reiten praktischer als Röcke. Und weil vermutlich die Männer bei all diesen Völkern – Skythen, Mongolen usw. – mehr auf Pferden unterwegs waren, würde dies erklären, warum es zu einem männlich assoziierten Kleidungsstück wurde.Römer hielten Hosen für unziemliche Barbarenkleidung
Das heißt nicht, dass die Hose in der Geschichte immer ein Statussymbol bzw. die Kleidung der Mächtigen war. Schlagen wir nach bei Asterix: Da sind es die imperialen Römer, die die Röcke tragen, während die scheinbar so provinziellen Gallier in Hosen herumlaufen. Und so war das wirklich: Für die Römer waren Hosen letztlich unziemliche Barbarenkleidung. Daran sieht man: Das Image der Kleidungsstücke ändert sich mit der Zeit.Lange verpönt: Hosen für Frauen
Wenn wir heute überlegen, warum Röcke "typisch Frau" sind, hätten wir vor fünfzig Jahren auch umgekehrt fragen können: Warum tragen nur Männer Hosen? Hosentragende Frauen galten lange Zeit als unschicklich. Noch 1970 mussten weibliche Bundestagsabgeordnete, die mit Hose oder Hosenanzug den Plenarsaal betraten, damit rechnen, aus dem Saal verwiesen zu werden.Männer in Röcken sind heute noch immer eher selten
Die Frauen haben sich emanzipiert, dürfen jetzt beides tragen – bei den Männern ist es noch ungewöhnlich. Modeexperten sagen zwar, das ändere sich ein wenig, auch bei Männern kämen Röcke zunehmend in Mode – aber eine Massenerscheinung ist es offensichtlich noch nicht.Fri, 9 Oct 2026 - 03min - 6773 - Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Efeu zu schneiden?
Efeu ist eine tolle heimische Pflanze, die sehr spät blüht. Das ist sehr wertvoll für Insekten, die im Spätsommer noch fliegen, weil sonst einfach nicht mehr so viel blüht. Es gibt sogar eine spezialisierte Efeu-Seidenbiene.
Rückschnitt an der Fassade: brütende Vögel nicht stören
Gerade an Fassaden sollte man den Efeu nicht im Sommer schneiden, weil die Gefahr besteht, dass dort Vögel brüten und man die stört. Deswegen würde ich das eher auf den Herbst verlegen, ein bisschen nach der Blüte. Der Efeu wird dann zwar nur wenige oder gar keine Beeren in dem Jahr tragen, was schade ist für die Vögel. Aber wenn die Pflanze zurückgeschnitten werden muss, dann ist das eben so. Der September ist zum Zurückschneiden noch etwas zu früh, da würde ich noch warten. Die Vögel sind da zwar nicht mehr so aktiv, was die Brutzeit angeht. Aber wenn der Efeu im Spätsommer anfängt zu blühen, würde ich warten und diese Blüten den Insekten überlassen. Im Oktober kann man den Efeu dann herunterschneiden.Thu, 8 Oct 2026 - 01min - 6772 - Muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk neutral sein?
Was bedeutet "neutral"?
Es wird manche überraschen, aber das steht so nirgends. Wir bekommen immer wieder Publikumspost, in der uns eine Hörerin oder ein Zuschauer vorwirft, wir würden unsere Neutralitätspflicht verletzen – wenn etwa ein journalistischer Beitrag über gesellschaftlich strittiges Thema einen bestimmten Tenor hat oder zu einem Ergebnis kommt, das manchen nicht gefällt. Dann heißt es, wir seien nicht "neutral". Liest man sich aber die juristischen Grundlagen für die Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch, dann taucht das Wort "neutral" gar nicht auf. Aus guten Gründen, weil das Wort "neutral" auch ein wenig nebulös ist. Die "Neutralität" der Schweiz meint etwas anderes als die "Neutralität" des Schiedsrichters. "Neutral" kommt aus dem Lateinischen "Ne utrum", auf Deutsch: "keins von beidem". Aber was bedeutet das konkret? Versteht man unter Neutralität, dass man keine Position bezieht? Oder noch schärfer, dass man sich aus Auseinandersetzungen komplett heraushält? Oder bedeutet es nur, dass man keine Partei ergreift? Darüber kann man lang philosophieren, muss man aber in dem Fall gar nicht, weil die Rechtsgrundlagen, die den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks definieren, genauere Begriffe verwenden als "Neutralität" . Kurz, welche sind das? Das ist zum einen der Medienstaatsvertrag, der zwischen allen Bundesländern geschlossen wurde. Daneben gibt es Staatsverträge bzw. Gesetze für die einzelnen Rundfunkanstalten. Zum Beispiel gibt es für den Südwestrundfunk, den SWR, einen Staatsvertrag zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.Wie muss der ÖRR berichten?
Da steht nichts von Neutralität, aber dort stehen andere Begriffe, die präziser sind. Beispielsweise steht im Medienstaatsvertrag, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zur Gewährleistung einer "unabhängigen, sachlichen, wahrheitsgemäßen und umfassenden Information und Berichterstattung" verpflichtet sind. Sie sollen die "Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit" achten. Und "in ihren Angeboten eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen darstellen."Staatsvertrag des SWR führt die Pflichten weiter aus
Ähnliche Begriffe finden sich im Staatsvertrag des SWR. Dort heißt es, Berichterstattung und Informationssendungen sind "gewissenhaft zu recherchieren und müssen wahrheitsgetreu und sachlich sein." Und es heißt: "Die Redakteurinnen und Redakteure sind bei der Auswahl und Sendung der Nachrichten zur Objektivität und Überparteilichkeit verpflichtet."Pflicht zur Unabhängigkeit und Überparteilichkeit der Berichterstattung
Und diese Begriffe sagen ja eigentlich viel klarer, worum es geht. Wenn wir es aufdröseln, fordert der Auftrag somit also zunächst Unabhängigkeit und Überparteilichkeit. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll nicht abhängig sein vom Staat, von einer Regierung, von Parteien oder anderer Interessengruppen. Niemand soll durch großzügige Spenden oder umgekehrt politischer Einflussnahme die Berichterstattung beeinflussen dürfen. Einfacher gesagt: Der Auftrag fordert nicht Neutralität, sondern zunächst vor allem Unabhängigkeit der Berichterstattung. Das bedeutet aber nicht, dass die, die dort arbeiten, einfach machen können, was sie wollen und ihre eigenen Interessen propagieren, denn – und das war ja das andere Begriffscluster – die Berichte sollen wahrheitsgetreu, sachlich und objektiv sein. Wenn man also schon mit "neutral" kommt, entspricht die gebotene Neutralität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eher der der Schiedsrichters - unabhängig, unparteiisch, aber gleichzeitig beauftragt, zu "sagen, wie es wirklich ist". Schiedsrichter werden oft auch als die "Unparteiischen" bezeichnet - so gut wie nie aber als "die Neutralen". Aus guten Gründen - den gleichen Gründen, weshalb der Begriff auch im Zusammenhang mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk missverständlich sein könnte.Warum Schiedsrichter nur bedingt "neutral" sind
Neutralität könnte ja so verstanden werden, dass die Berichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks keine Position beziehen und zu keinem Ergebnis kommen dürften, das etwa einer Partei besser gefällt als einer anderen. Das dürfen sie aber sehr wohl, vorausgesetzt, die Berichte sind wahrheitsgetreu und objektiv. Wenn der ehemalige US-Präsident Donald Trump behauptet, er habe die Wahl 2020 gewonnen, dann darf ich als öffentlich-rechtlicher Journalist sagen, dass er dafür noch keine Belege vorgelegt hat. Ich berichte dann zwar nicht "neutral" in dem Sinn, denn ich nehme ja sehr wohl eine inhaltliche Bewertung von Trumps Behauptung vor. Das tue ich aber unabhängig und wahrheitsgetreu. Und das ist auch in Ordnung.Wann ist Berichterstattung "ausgewogen"?
Oder: Wenn Politikerin X behauptet, es gibt keinen menschengemachten Klimawandel und Politiker Y behauptet das Gegenteil, wenn sich die überwältigende Mehrheit in der Wissenschaft einig ist, dann ist der Auftrag, dass wir uns an der Wissenschaft orientieren und nicht aus falsch verstandener "Neutralität" beide Positionen als gleichberechtigt darstellen. Denn das wäre false balance –eben: falsche Ausgewogenheit. Da bin ich beim nächsten Schlüsselbegriff. Ausgewogenheit steht tatsächlich auch im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und wenn da sonst nichts weiter stehen würde, könnte man "Ausgewogenheit" so verstehen, als müssten alle Beiträge immer alle erdenklichen Meinungen wiedergeben. Dass das aber nicht gemeint ist, wird deutlich, wenn man sich die Passagen genauer anschaut. Im Medienstaatsvertrag heißt es, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sollen in ihren Angeboten eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen darstellen. Hier bezieht sich die Ausgewogenheit erstmal auf die Themenauswahl. Es gibt viele Themen, die interessant und wichtig sind, die soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk ausgewogen abbilden. Und es gibt zu diesen Themen jeweils verschiedene Meinungen, die ebenfalls ausgewogen abgebildet werden müssen. Was heißt das nun wieder?Ausgewogenheit im Gesamtangebot, nicht in jedem einzelnen Beitrag
Im Staatsvertrag für den Südwestrundfunk heißt es: "In allen Angelegenheiten von öffentlichem Interesse sind die verschiedenen Auffassungen im Gesamtangebot ausgewogen und angemessen zu berücksichtigen." Wichtig ist dabei das Wort Gesamtangebot: Das heißt, nicht jeder einzelne Beitrag muss alle Auffassungen zu Wort kommen lassen, sondern die Forderung richtet sich an die Summe der Beiträge. Deshalb darf der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch sehr pointierte Kommentare senden, also ausgewiesene Meinungsbeiträge, die für sich genommen vielleicht als einseitig erscheinen können – entscheidend ist aber eben das Gesamtangebot. Und es steht ja nicht nur "ausgewogen" da, sondern auch "angemessen". Mit anderen Worten: Nicht jede Auffassung muss im gleichen Maße abgebildet werden. Die Einzelmeinung eines politischen Hinterbänklers verdient deshalb nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie die einer Ministerin oder eines Fraktionschefs der Opposition, die ja als Teil einer Regierung sprechen oder eben die Haltung ihrer Partei wiedergeben. Und genauso ist es "angemessen", dass Positionen, die sich auf Fakten und auf Wissenschaft stützen, im Programm berücksichtigt werden und eine unbelegte Verschwörungserzählung gar nicht. Das mag, je nach Sichtweise, nicht "neutral" sein, aber es ist wahrheitsgetreu, sachlich, objektiv, und es ist trotzdem ausgewogen und angemessen.Wed, 7 Oct 2026 - 06min - 6771 - Wie groß muss eine Kugel sein, auf der alle Menschen stehen können?
Die erste Frage dazu ist: Wie dicht gedrängt würden die Menschen stehen? Standardmäßig rechnen Behörden, zum Beispiel bei Pop-Konzerten oder auch in der U-Bahn, mit 2 bis 4 Menschen pro Quadratmeter. Bei sehr dichtem Gedränge – zum Beispiel in einer Gondel im Skigebiet oder im Bus morgens zur Hauptverkehrszeit – können bis zu 8 Menschen auf einem Quadratmeter Platz haben.
4 Personen pro Quadratmeter: Erddurchmesser von 25 km würde genügen
Rechnen wir etwas komfortabler mit vier Personen pro Quadratmeter – das ist immer noch gedrängt genug. Auf der Welt leben heute rund 8 Milliarden Menschen – die würden dann eine Fläche von 2 Milliarden Quadratmetern beanspruchen. Das klingt riesig – aber wie groß ist nun die dazugehörige Kugel? Das lässt sich leicht ausrechnen. Denn wenn r der Radius einer Kugel ist, dann beträgt die Oberfläche 4πr². Wenn man nun die Fläche kennt, kann man die Formel entsprechend umstellen und die Größe der Kugel errechnen. Heraus kommt: Sie hätte einen Durchmesser von etwa 25 km. Dort gäbe es zwar nichts zu essen und zu trinken und für die Entsorgung der Notdurft müsste man sich auch etwas einfallen lassen, aber rein vom Platz her ginge das. Anderseits: Die reale Erde mit ihren 12.000 Kilometern Durchmesser ist bis auf Weiteres vielleicht doch etwas gemütlicher.Tue, 6 Oct 2026 - 01min - 6770 - Was passiert bei einem Tinnitus im Ohr?
Von der Schallwelle zum Nervensignal
Hinter einem Tinnitus steckt meist eine Störung im Innenohr. Aber fangen wir von vorne an: Wie funktioniert Hören? Von außen gelangen Schallwellen in unser Ohr. Im Gehirn kommen aber keine Schallwellen an, sondern elektrische Nervensignale. Irgendwo müssen also die Schallwellen in Nervensignale übersetzt werden. Das passiert im Innenohr. Dafür sind die Hörsinneszellen zuständig: Sie verwandeln akustischen Schall – also Luftbewegungen – in ein elektrisches Signal. So wie ein Telefonhörer: Der verwandelt auch Schallwellen in elektrische Wellen, um sie dann durch die Telefonleitung weiterzuleiten. Am anderen Ende der Leitung werden diese elektrischen Wellen rückübersetzt in Schallwellen.Tinnitus: Wenn Nervenzellen grundlos "feuern"
Auch wenn es im Ohr anders aussieht als in einem Telefonhörer – das Prinzip ist ähnlich. Bei dieser Übersetzung kann es aber zu Fehlern kommen. Das heißt, wenn es an dieser Schnittstelle zwischen Schall und "Elektrik" auch nur zu kleinen Störungen kommt, kann es passieren, dass sich die Signale verselbständigen. Dann feuern die Nervenzellen, ohne dass es ein akustisches Eingangssignal gab. Es gibt aber neben dem Innenohr noch eine zweite Schnittstelle, nämlich im Gehirn selbst. Um einen Höreindruck zu bekommen, muss das Gehirn auch die eingehenden elektrischen Nervensignale interpretieren, das heißt, einen bestimmten Wahrnehmungseindruck erzeugen: "Wenn die und die Hörnerven feuern, dann interpretiere ich das für mich als Klingeln, Rasseln, Summen oder Rauschen." – Auch an dieser zweiten Schnittstelle kann es Störungen geben, sodass das Gehirn eingehende Signale überinterpretiert und einen Höreindruck aus dem Nichts erzeugt.Mögliche Ursachen: Hörschäden durch laute Musik
Ein Grund für einen Tinnitus kann ein Hörschaden sein. Ein Beispiel: Jemand hat zu laut Musik gehört und damit seine Hörsinneszellen geschädigt. Das Gehirn merkt nun: "Bestimmte Töne oder Frequenzen kommen offenbar nicht mehr bei mir an – oder nur viel schwächer als sonst." – Das Gehirn versucht dann, das auszugleichen und interpretiert in die schwachen Signale etwas hinein, was gar nicht da ist. Es dreht seinen "inneren Verstärker" auf und lässt Höreindrücke entstehen, die keinen Bezug haben zu irgendwelchen äußeren Schallquellen. Das ist der seltenere Fall, aber der unangenehmere. Denn wenn das Gehirn selbst diese Störungen erzeugt, handelt es sich meist um einen chronischen Tinnitus. Die Störungen im Innenohr dagegen – bei der Übersetzung von Schall in Nervenimpulse – gehen meist nach einer Weile wieder weg.Mon, 5 Oct 2026 - 03min - 6769 - Wie definiert die Wissenschaft Klimawandel?
Klima: langjähriges Mittel der meteorologischen Verhältnisse
Eine beliebte Frage, die uns gerade von "Klimaskeptikern" immer wieder gestellt wird, oft verbunden mit dem Hinweis, dass der Klimawandel doch ein Hirngespinst sei – schon allein, weil er sich wissenschaftlich gar nicht sauber "definieren" lasse. Das stimmt aber nicht. Richtig ist: Es gibt keine "Formel" und keinen "Schwellenwert" in dem Sinn, dass man etwa sagen würde: "Ab 0,5°C Erwärmung liegt Klimawandel vor". Das hängt damit zusammen, dass sich Klimawandel nicht so leicht messen lässt wie Blutdruck oder Fieber. Es ist ja eine abstrakte Größe. Klima ist definiert als das langjährige Mittel der meteorologischen Verhältnisse – in einer Region oder weltweit. Die wichtigsten Faktoren sind dabei Temperatur und Niederschlag (man kann auch noch den Wind dazunehmen) – und wie sie sich jeweils übers Jahr verteilen. Das ist wichtig: In zwei Orten A und B kann übers Jahr genauso viel Regen fallen – aber in Ort A verteilt sich der Regen gleichmäßig übers Jahr, im anderen geht alles innerhalb eines Monats runter. Dann handelt es sich um zwei unterschiedliche Klimate.Was heißt "langjährig" genau?
Der Weltklimarat legt sich hier nicht genau fest, sondern spricht von mehreren Jahrzehnten oder länger. Denn wenn mal ein Jahr wärmer ist als das vorherige, ist das noch kein "Klimawandel". Ein üblicher Zeitraum, mit dem man oft rechnet, sind 30 Jahre. Wenn ich also feststelle, in den letzten 30 Jahren hat es in Mallorca weniger geregnet als in den 30 Jahren zuvor, dann kann ich von einem Klimawandel auf Mallorca sprechen. Aber die 30 Jahre sind auch nicht in Stein gemeißelt; je nach Fragestellung kann es sinnvoll sein, auch kürzere oder längere Zeiträume zu betrachten. Man muss es dann nur jeweils offen sagen, wie man rechnet. Es ist auch nicht so, dass es definierte 30-Jahres-"Perioden" gibt. Die Klimaforscher haben vielmehr statistische Methoden, um auch aus einer Reihe von Jahreswerten die langfristigen Trends herauszulesen.Klimawandel: statistisch nachweisbare dauerhafte Änderung
Wenn man das alles zusammenfasst, dann erhält man die Definition für Klimawandel, die auch der Weltklimarat verwendet. Demnach liegt Klimawandel dann vor, wenn sich die Durchschnittswerte und die Schwankungsbreite der genannten Größen – Temperatur, Niederschlag, Wind statistisch nachweisbar und dauerhaft ändern. Diese Definition des Klimawandels sagt übrigens noch nichts über die Ursachen aus – also ob ein Klimawandel natürlich oder vom Menschen gemacht ist. Vieles spricht dafür, dass der Mensch einen starken Anteil hat an der Erwärmung. Aber das ist nicht Teil dieser Definition.Wird durch die Uneindeutigkeit der Definition die These vom Klimawandel angreifbar?
Nein. Es gibt viele Begriffe, die wissenschaftlich nicht eindeutig und scharf definiert sind: "Pubertät" ist so ein Wort, aber auch für einen Begriff wie "Sommeranfang" gibt es bekanntlich mehrere Definitionen. Für die Astronomen beginnt der Sommer am 21. Juni. Für die Meteorologen aber schon am 1. Juni. Und dann gibt es noch den phänologischen Sommeranfang, der sich von Jahr zu Jahr ändert, je nachdem, wie weit die Natur wetterbedingt ist. Nun kommt aber niemand auf die Idee zu sagen: Pubertät und Sommer wären Hirngespinste, nur weil es verschiedene Definitionen gibt. Genauso kann man sinnvoll über Klimawandel sprechen und zum Beispiel zeigen, dass es im langjährigen Mittel heute auf der Erde ungefähr 1 Grad wärmer ist als in einem entsprechenden Zeitraum vor 200 Jahren.Sun, 4 Oct 2026 - 02min - 6768 - Warum ändert Rotkohl seine Farbe je nach Zutat?
Rotkohl enthält den Farbstoff Cyanidin. Diese Substanz kommt in sehr vielen Pflanzen vor, vor allem in roten und blauen: Himbeeren, Heidelbeeren, Hibiskus, Johannisbeeren, Kirschen, Trauben. Also alles, was lila oder auch dunkelrote Flecken erzeugt, enthält Cyanidin. Und eben auch Rotkohl.
Farbe hängt vom Säuregrad der Umgebung ab
Bei dieser Aufzählung fällt aber auf: Derselbe Farbstoff ist offenbar mal für das Rot der Himbeeren, mal für das Blau der Blaubeeren verantwortlich. Wie ist das möglich? Die Antwort ist, dass dieser Farbstoff seine Farbe je nach dem Säuregrad der Umgebung verändert.Fast alle Farben des Regenbogens sind möglich
Chemisch neutraler Rotkohlsaft ist blauviolett. Gibt man Säure dazu, färbt er sich rötlich. Und zwar umso rötlicher, je saurer die Mischung wird. Gibt man ordentlich Essig dazu, wird der Saft leuchtend rot. Umgekehrt gilt: Versetzt man ihn mit alkalischen Lösungen, etwa mit Seifenwasser, Backpulver oder Natronlauge, wird aus dem Blau erst ein Grün und dann ein Gelb. So kann man aus Rotkohlsaft fast alle wesentlichen Farben des Regenbogens erzeugen. Chemisch gesehen entsteht der Farbwechsel durch winzige Verschiebungen im molekularen Aufbau des Farbstoffs. Cyanidin ist ein komplexes organisches Molekül mit 15 Kohlenstoffatomen, an denen wiederum verschiedene Wasserstoff- und Sauerstoffatome dranhängen. Die Farbänderung entsteht dadurch, dass in einer sauren Umgebung das Molekül einen zusätzlichen Wasserstoffkern – also ein Proton – an sich bindet. Umgekehrt gibt in einer basischen Umgebung der Farbstoff ein Proton an die Umgebung ab. Und schon durch eine solch kleine Änderung verändert sich die Farbe. Selbst ohne Essig kann Rotkohl farblich variieren. Das hängt nämlich auch vom Boden ab. Ein eher rötlicher Rotkohl weist darauf hin, dass der Kohl auf einem eher sauren, also zum Beispiel auf einem sandigen Boden gewachsen ist. Sind die Blätter eher bläulich, stammt er möglicherweise von einem kalkhaltigen Boden, denn solche Böden sind basischer. Und so kommt es, dass dasselbe Gemüse mal Rotkohl und mal Blaukraut heißt – und trotzdem alle recht haben.Sat, 3 Oct 2026 - 02min - 6767 - Wie entstehen Fruchtfliegen?
Fruchtfliegen gedeihen auf reifem Obst
Fruchtfliegen, auch Obstfliegen genannt, gedeihen vorzugsweise auf reifem oder sogar fauligem Obst. Dort legen sie ihre Eier ab – das unterscheidet sie von normalen Stubenfliegen, die hauptsächlich draußen nisten, entweder auf den Überresten toter Tiere, also Aas, oder auf den Ausscheidungen lebendiger Tiere: Hundehaufen, Pferdeäpfeln oder ähnlichem. Die Fruchtfliegen dagegen lieben das Obst und deponieren dort oft mehrere Hundert Eier. Diese Eier bringen wir zwangsläufig mit ins Haus, wenn wir Obst kaufen oder pflücken.Larve geschlüpft – und in 10 Tagen ist die neue Fliege fertig
Die Entwicklung ist eine Frage der Temperatur. Je wärmer es ist, desto schneller entwickeln sich aus den Larven die fertigen Fliegen. Bei 25 Grad schlüpft nach einem Tag eine Larve. Sie wächst, häutet sich und macht dann verschiedene Stadien durch. Innerhalb von 10 Tagen entwickelt sie sich zur fertigen Fliege weiter. Fruchtfliegen gibt es deshalb auch das ganze Jahr über. Allerdings führen verschiedene Faktoren dazu, dass sie gerade im Herbst vermehrt auftreten: Erstens gibt es dann viel frisches und vor allem reifes bis überreifes Obst. Und darüber hinaus sind im Herbst die Temperaturen oft mild, manchmal sogar noch richtig warm. Das bewirkt, dass sich der gesamte Lebenszyklus der Fruchtfliegen beschleunigt. Die Kombination aus beidem bedeutet im Ergebnis: viele, viele Fruchtfliegen im Herbst.Fliegen vermeiden: Obst nicht offen herumstehen lassen – oder Essigfalle aufstellen
Um Fruchtfliegen zu vermeiden, sollte man kein Obst, keine Obstreste und Kompostabfälle offen herumstehen lassen. Ebenso wenig Teller und Besteck, an denen Obstsaftreste kleben – denn auch die ziehen Fliegen an. Ansonsten wird immer wieder ein Hausrezept genannt: Ein Glas oder eine Schale mit verdünntem Essig aufstellen – der lockt die Fliegen an. In den Essig gibt man einen Tropfen Spülmittel, sodass die Oberflächenspannung reduziert wird und die Fliegen nicht mehr herauskommen.Wed, 30 Sep 2026 - 02min - 6766 - Was treibt Hamster ins Hamsterrad?
Nagetiere laufen sehr viel
Kurze Antwort. Der Bewegungsdrang. Wilde Goldhamster müssen in der freien Natur ziemlich viel laufen. Sei es, um Nahrung zu suchen, um vor Feinden wegzulaufen oder auf der Suche nach einem Partner. Das ist auch nicht nur bei Hamstern so, sondern bei praktisch allen Nagetieren. Es gibt auch Laufräder für Meerschweinchen. Dass man trotzdem meistens vom Hamsterrad spricht, liegt vor allem daran, dass Laufräder für andere Nager nicht so verbreitet sind. Das wiederum kommt vor allem daher, dass andere Nagetiere größer sind und größere Laufräder bräuchten. Wenn man ein Meerschweinchen in ein Hamsterrad setzen würde, wäre es dauernd im Hohlkreuz.Das wäre nicht so gesund. Dass der Bewegungsdrang in der Natur der Tiere liegt, kann man auch experimentell zeigen. Wenn man Hamstern eine Laufradattrappe zur Verfügung stellt – ein Rad, das sich gar nicht dreht – dann fangen sie irgendwann an, am Gitter des Laufstalls zu nagen oder versuchen gar, hochzuklettern. Das kann man als Ausbruchsversuch deuten, zumindest aber als ein Zeichen, dass sich das Tier nicht wohlfühlt.Laufen ist kein Suchtverhalten
Die Vermutung, das Laufen könnte ein Suchtverhalten sein, ist inzwischen widerlegt. Wäre es ein Suchtverhalten, würden die Tiere zum Beispiel mehr laufen als ihnen guttut – das ist ein typisches Merkmal von Sucht. Das tun sie aber nicht; sie können auch mal aufhören. Nun könnte man sagen: Wenn sie aufhören, dann vielleicht nur deshalb, weil sie schlapp sind und einfach nicht mehr können. Stimmt aber auch nicht. Auch dazu gibt es Versuche. Wenn man nämlich die Tiere stresst, indem man zum Beispiel ein Frettchen in ihrer Sichtweite positioniert – Frettchen sind natürliche Fressfeinde – dann laufen sie besonders viel, wie in der Natur auch. Das heißt aber im Umkehrschluss: Wenn sie mal aus dem Laufrad aussteigen, dann nicht, weil sie nicht mehr können, sondern weil ihr Bewegungsdrang gestillt ist. Ähnlich wie wenn Menschen einen Spaziergang beenden – Spazierengehen macht ja in der Regel auch nicht süchtig.30.000 Umdrehungen pro Nacht – 20 bis 30 Kilometer
Wenn ein Tier in einem Hamsterrad bis zu 30.000 Umdrehungen in der Nacht zurücklegt und man das umrechnet, sind es 20 bis 30 Kilometer. Weibchen laufen während ihres Eisprungs mehr – auch das liegt in ihrer Natur, denn in der freien Wildbahn würden sie sich auf Männersuche begeben. Wenn sie aber Junge haben, interessiert sie das Laufrad gar nicht. In der Natur würden sie sich auch um den Nachwuchs kümmern, statt durch die Landschaft zu laufen. Dank an: Sabine Gebhardt, Universität BernThu, 17 Sep 2026 - 03min - 6765 - Werden die Tage zwischen Sommer und Winter gleichmäßig kürzer?
Nein: Die Tage werden am Anfang langsam kürzer, dann schneller, dann wieder langsamer. Am längsten hell ist es zur Sommersonnenwende – also am 21. Juni. Da vergehen von Sonnenaufgang bis Untergang 16 Stunden und 12 Minuten. Das andere Extrem ist die Wintersonnenwende am 21. Dezember, da dauert der Tag 8 Stunden und 13 Minuten.
Keine regelmäßige Verkürzung oder Verlängerung
Der Unterschied zwischen der Tageslänge im Sommer und im Winter beträgt also etwa 8 Stunden. Wäre dieser Übergang gleichmäßig, würden die Nächte also stetig immer länger, sähe die Rechnung so aus: Das halbe Jahr zwischen Sommer und Winter hat 182 Tage. In diesen 182 Tagen nimmt die Tageslänge um 8 Stunden ab. Würde das gleichmäßig passieren, wären das etwas mehr als 2 ½ Minuten pro Tag. – Und nach dem 21. Dezember würden die Tage dann genauso gemächlich wieder zunehmen. So ist es aber nicht. Tatsächlich ist es wie folgt: Um die Sommer- bzw. Wintersonnenwende herum, also Ende Juni und Ende Dezember, ändern sich die Tageslängen nur langsam, nämlich pro Tag jeweils um etwa 1 Minute. Dagegen kommt in der Zeit um den Herbstanfang herum, also Ende September, die Dunkelheit in schnellen Schritten. Dann werden die Nächte – Nacht für Nacht – knapp 4 Minuten länger. Diese Angaben beziehen sich auf unsere Breiten, also Südwestdeutschland. Weiter im Norden sind die Unterschiede zwischen Sommer und Winter noch ausgeprägter. Aber die Änderungen erfolgen nach dem gleichen Muster: Langsam, schnell, langsam.Erkennbares Muster: langsam, schnell, langsam
Dieses Muster – langsam, schnell, langsam – ist wie eine Pendelbewegung. Ein Pendel ist am oberen und unteren Wendepunkt langsam. Und am schnellsten ist seine Bewegung genau in der Mitte zwischen diesen beiden Punkten. Das gleiche Muster finden wir bei einer schwingenden Feder, an der ein Gewicht hängt. Auch hier ist die Bewegung an den Wendepunkten langsam und zwischendurch schnell. Das ist ein typisches Schwingungsmuster – und entsprechend "schwingen auch die Tageslängen", sie pendeln hin und her. Die Tageslängen hängen eng damit zusammen, wie hoch die Sonne am Himmel steht. Im Sommer steht die Sonne mittags steil am Himmel, im Winter flach. Auch diese Veränderung ähnelt einem schwingenden Pendel. Angenommen, man könnte immer mittags um 12 an die Stelle, wo die Sonne dann steht, einen „Punkt am Himmel machen“, und das über die ganze Zeit zwischen Sommer und Winter. Dann würde man sehen, dass die Punkte unmittelbar nach dem 21. Juni sehr dicht beieinander liegen, d.h. Ende Juni, Anfang Juli ändert sich der Sonnenstand nur wenig. Dann aber werden die Abstände immer größer, und besonders groß sind sie zu Herbstanfang am 23. September. Das heißt, um diese Zeit nimmt der Sonnenstand sehr schnell ab, und entsprechend schnell verkürzen sich dann auch die Tage. Mathematisch gesehen entspricht das dem Muster einer Sinuskurve.Kreisbewegung der Erde um die Sonne als Ursache
Die Ursache liegt in der Kreisbewegung der Erde um die Sonne. Sommer und Winter entstehen ja, weil die Erdachse geneigt ist; bei der Umkreisung der Sonne wird mal die Nord- und mal die Südhalbkugel stärker angestrahlt. Es ist eine Art Spiel mit Licht und Schatten. Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Sie haben eine Kurbel. Diese Kurbel wird von der Seite angestrahlt, sodass sie einen Schatten an der Wand erzeugt. Die Kurbel bewegt sich gleichförmig im Kreis. Doch der Schatten – die Projektion der Kurbel – bewegt sich wie eine Feder hoch und runter. Auch hier entsteht also dieses Muster. Die Entstehung von Tag und Nacht bzw. Winter und Sommer durch die Drehung um die Sonne ist räumlich ein wenig komplizierter – aber im Grunde ist es dasselbe Spiel von Licht und Schatten im Zusammenhang mit einer Kreisbewegung. Und so entsteht auch hier diese Pendeldynamik.Fri, 11 Sep 2026 - 04min - 6764 - Bei einer totalen Sonnenfinsternis deckt der Mond genau die Sonne ab – Zufall?
Ja. Von der Erde aus betrachtet sind Mond- und Sonnen-"Scheibe" fast gleich groß – sodass sich der Mond bei einer Sonnenfinsternis meist gerade so über die Sonne schiebt. Der besondere Effekt dabei ist, dass die Sonne zwar bedeckt ist, dafür aber die Korona der Sonne – also die rötlich leuchtende äußere Atmosphäre der Sonne – erkennbar wird. Die kann man mit guten Kameras beobachten. Aber diese "Deckungsgleichheit" von Mond und Sonne ist Zufall. Es ist auch nicht immer so: Neben den totalen Sonnenfinsternissen gibt es auch ringförmige Sonnenfinsternisse. Dann deckt der Mond die Sonne nicht vollständig ab – selbst, wenn er genau in einer Linie steht – sondern die Sonne scheint rings herum an ihm vorbei und bildet eine Art Feuerkranz.
Wieso ist das von Mal zu Mal unterschiedlich? Der Mond kann ja seine Größe nicht plötzlich ändern.
Das liegt daran, dass weder der Mond auf einer perfekten Kreisbahn um die Erde kreist, noch die Erde auf einer perfekten Kreisbahn um die Sonne. Die Umlaufbahnen sind Ellipsen. Im Winter zum Beispiel ist die Erde näher an der Sonne als im Sommer. Ebenso ist der Mond mal näher an der Erde und mal etwas weiter weg. Wenn der Mond gerade nahe an der Erde ist, erscheint er aus Sicht eines Beobachters größer und deckt bei einer Sonnenfinsternis mehr von der Sonne ab. Ist er weiter weg und gleichzeitig die Sonne relativ nah, dann überstrahlt die Sonne den Mond und es kommt zu einer ringförmigen Sonnenfinsternis. Es gibt sogar – wenn auch sehr selten – den Fall, dass beides auf einmal vorkommt: Eine ringförmige Sonnenfinsternis geht dann für ein paar Sekunden in eine totale über. Es sieht dann fast so aus, als würde der Mond einmal tief "ein- und ausatmen". Dass so etwas passieren kann, liegt an der Wölbung der sich drehenden Erdoberfläche.Phobos und Deimos: Monde des Mars sind zu klein für eine totale Sonnenfinsternis
Insofern kann man sagen: Die Mondscheibe ist am Himmel nicht immer genauso groß wie die Sonnenscheibe – aber der Mond hat für uns wirklich die perfekte Größe, um diese Vielfalt der Erscheinungen zu ermöglichen. Aber das ist absoluter Zufall. Das kann man sehr schön im Vergleich zum Mars sehen. Der Mars hat ja gleich zwei Monde – Phobos und Deimos – die aber beide viel zu klein sind, um jemals auf dem Mars eine totale Sonnenfinsternis zu erzeugen. Wenn es Marsmenschen gäbe, würden sie immer nur partielle Sonnenfinsternisse sehen.Wed, 9 Sep 2026 - 03min - 6763 - In welchem Monat sterben die meisten Menschen?
Überdurchschnittlich viele Sterbefälle im Winter
In Deutschland gibt es die meisten Sterbefälle normalerweise im Winter, zwischen Dezember und März. Ich habe einige Leute raten lassen: Fast alle, die ich gefragt habe, vermuten die Höchstwerte spontan im November – vielleicht, weil sie damit den Totensonntag und Allerheiligen verbinden oder weil der November als besonders trister Monat gilt. Doch der November ist im Großen und Ganzen eher ein durchschnittlicher Monat. Erst danach steigen die Todesfälle an. Die höchste Sterberate verzeichnet der Februar, zumindest im langjährigen Mittel: Da rechnet die Bestattungswirtschaft mit fast 10 Prozent mehr Todesfällen als im Durchschnitt. Sie beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Im Spätsommer dagegen, also im August und September, liegt die Sterberate besonders niedrig: 7 Prozent unter dem Durchschnitt.Verschiebung in den Corona-Wintern
Das, wie gesagt, sind die langfristigen Trends. Speziell in den "Corona-Wintern" 2020/21 sowie 2021/22 zeigt sich in den Zahlen allerdings eine leichte Verschiebung nach vorne, da war auch im November schon ein deutlicher Anstieg erkennbar, und die Höchstwerte traten im Dezember und Januar auf. Doch inzwischen sind die Verhältnisse wie vor Corona, mit den meisten Todesfällen im ersten Quartal des Jahres.Körper ist in den Wintermonaten anfälliger
Wie erklärt sich die Häufung im Winter? Bei den meisten Todesfällen spielt die Jahreszeit keine Rolle. Die bilden einen Durchschnitt, der das ganze Jahr über gleich ist. Im Winter kommen aber einige Sterbefälle hinzu. Das sind vor allem Menschen, die ohnehin schon angeschlagen sind und denen das Winterwetter dann besonders zu schaffen macht. Es gibt mehr Herzinfarkte, mehr Infektionskrankheiten wie Grippe, mehr Lungenentzündungen. Ärzte gehen davon aus, dass auch psychische Faktoren hinzukommen und gerade älteren depressiven Menschen in den dunklen Tagen der "Lebenswille" verloren geht – auch das kann ja eine Rolle spielen.Tue, 1 Sep 2026 - 02min - 6762 - Warum drehen sich Windräder immer im Uhrzeigersinn?
Rotoren sind weltweit gleich gebaut – Uhrzeigersinn hat sich durchgesetzt
Das hat sich einfach so ergeben. Es hat also nichts mit der "Hauptwindrichtung" zu tun. Wäre das so, könnte man das Windrad ja einfach andersherum aufstellen und linksherum drehen lassen. Es hat auch nichts mit der "Corioliskraft" zu tun, wie auf manchen Internetseiten steif und fest behauptet wird: Die Corioliskraft ist eine Kraft, die sich durch die Erddrehung ergibt und dafür sorgt, dass sich Hochdruckgebiete auf der Nordhalbkugel rechtsherum drehen. Aber Windräder drehen sich überall rechtsherum, nicht nur auf der Nordhalbkugel. Das liegt einfach daran, dass die Rotoren so gebaut sind.Praktisch für den Windkraftanlagen-Markt: weltweiter Standard
Die Drehrichtung ist für die Funktionsweise völlig egal. Es ist nur einfach praktischer, wenn es eine einheitliche Richtung gibt. Der Uhrzeigersinn hat sich durchgesetzt. Früher, in der Zeit der Windmühlen, waren die Traditionen sehr unterschiedlich: Es gab Länder wie Dänemark und Holland, wo sich die meisten Windmühlen linksherum gedreht haben, in Norddeutschland drehten sie sich eher rechtsherum. Bei den modernen Windkraftanlagen war es anfangs auch so. Die frühen Windräder in Dänemark haben sich linksherum gedreht. Diese regionalen Traditionen gibt es bei den Windkraftanlagen nicht mehr, weil das ja einen weltweiten Markt betrifft. Da hat sich die Drehung im Uhrzeigersinn einfach als weltweiter Standard durchgesetzt – auch wenn es dafür keine offizielle Norm gibt. Es ist sinnvoll, weil die Produktion dadurch einfacher ist: Die Rotorblätter der Windräder sind im Längsprofil asymmetrisch geformt – sie haben eine Luv- und eine Leeseite, sodass sie die Windkraft möglichst effizient in eine Drehbewegung umsetzen. Wollte man jetzt neben den rechtsdrehenden auch linksdrehende Windräder bauen, bräuchte man zusätzlich spiegelverkehrt gebaute Rotorblätter. Das wäre technisch kein Problem, würde aber mehr Aufwand bedeuten als wenn man immer nur einen Typ herstellt.Gleichmäßiges Drehen ruft Windkraftgegner nicht zusätzlich auf den Plan
Neben diesen praktischen Gründen kommen vielleicht auch noch ästhetische hinzu: Windräder werden ohnehin schon von vielen als eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes wahrgenommen. Wenn sich nun in einem großen Windpark die einen Räder rechtsrum und die anderen linksrum drehen, würde das unter Umständen noch unruhiger wirken als wenn sich alle Räder in die gleiche Richtung drehen.Johannes, Erik und Eriks Frau diskutieren: der Uhrzeigersinn gewinnt
Warum aber gerade der Uhrzeigersinn? Dazu gibt es eine Geschichte, die man sich in der dänischen Windindustrie erzählt. Demnach fiel die Entscheidung 1970 in Dänemark. Es gab zwei Brüder, die beide in der Windbranche tätig waren: Erik und Johannes Grove-Nielsen. Diese Brüder waren Konkurrenten. Der eine, Erik, hat nun eines Abends am Küchentisch seine Rotorblätter entworfen und dabei mit seiner Frau auch die Drehrichtung besprochen. Daraufhin meinte die Frau sinngemäß: Die Blätter vom Johannes laufen linksherum, deshalb sollten sich unsere rechtsherum drehen. Und nachdem sich Eriks Firma in den darauf folgenden Jahren zu einem weltweit führenden Rotorblatthersteller entwickelt hat, so die Geschichte, hätten sich die rechtsdrehenden eben durchgesetzt.Mon, 31 Aug 2026 - 03min - 6761 - Wie funktioniert ein Weichspüler?
Weichspüler enthalten Tenside
Viele Stoffe werden, wenn sie trocknen, auffallend steif und knittrig. Das liegt zum Teil daran, dass die einzelnen Textilfasern elektrostatisch aufgeladen sind und sich gegenseitig abstoßen. So wie Haare manchmal abstehen, wenn sie elektrisch aufgeladen sind – nur eben im kleineren Maßstab. Weichspüler enthalten eine besondere Art von Tensiden – Tenside sind die Grundsubstanzen von praktisch allen Spül- und Waschmitteln.Positive Ladung "neutralisiert" negative Ladung der Textilfasern
Das Besondere speziell der Weichspüler-Tenside ist, dass die Moleküle an einem Ende positiv geladen sind. Diese positive Ladung „legt“ sich auf die negative Ladung der Textilfasern und "neutralisiert" sie. Die Folge ist, dass sich die Fasern gegenseitig nicht mehr abstoßen, dadurch auch nicht mehr so steif sind und nicht mehr so stark aneinander reiben, was den Stoff insgesamt geschmeidiger macht. Und wenn man dann mit dem Bügeleisen drüber geht, wird er auch glatter.Sat, 29 Aug 2026 - 01min - 6760 - Was hilft bei Schuppenflechte?
Schuppenflechte entgegenwirken: Seife reduzieren, fetthaltige Lotionen benutzen
Die Schuppenflechte ist eine genetische Veranlagung. Sie kann von leicht bis schwer ausfallen. Es gibt aber ein paar Möglichkeiten, die abseits der ärztlichen Therapie einen positiven Einfluss haben. Zum einen ist es die Hautpflege. Man sollte sich nicht austrocknend einseifen, sondern die großen Flächen nur mit Wasser waschen. Außerdem sollte man die geschundenen, empfindlichen Hautpartien gut eincremen, zum Beispiel mit einer Fettlotion, einer Lipolotion. Die Lotion sollte gut streichfähig sein und Harnstoff enthalten – Urea, 10 Prozent. Die ärztlichen Therapien gehen von der Cremetherapie bis hin zu Spritzen. Es gibt mittlerweile moderne Therapien, die nicht mehr das Immunsystem platthauen, sondern modulieren, also nur den überaktiven Teil abmildern.Aufs Gewicht achten und auf eine gute Ernährung
Ansonsten solle man schauen, dass man nicht zu übergewichtig ist. Und man sollte mit dem Alkohol zurückhaltend sein. Man kann gut mit Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel arbeiten und mit Vitamin D. Ich als Ernährungsmedizinerin, das bin ich neben der Dermatologie auch, schaue gerne im Blut nach. Manchen Menschen fehlt Zink und Selen oder sie haben zu wenig B-Vitamine oder Eisen. Auch das kann man über Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel korrigieren. Und das kann den Menschen helfen, abzuheilen. Und wir wissen: Alles, was Entzündungen fördert, fördert auch die Schuppenflechte.Fri, 28 Aug 2026 - 01min - 6759 - Überlebt eine Schnecke, wenn man ihr Haus zertritt?
Eingeweidesack im Schneckenhaus
Klare Antwort: Nein. Das Haus einer Schnecke ist kein totes Anhängsel, das einfach so obendrauf liegt, sondern es gehört zum Tier. Nicht nur in dem Sinn, dass das Gehäuse mit ihm verwachsen ist. Sondern die Schnecke besitzt eine Art Ausstülpung, den Eingeweidesack, die sich bis in die Spitze des Gehäuses zieht und an der Hauswand anliegt.Gehäuseschnecken sind fest mit ihrem Haus verwachsen
Das Haus einer jungen Schnecke muss noch wachsen. Dazu haben Schnecken einen speziellen Teil in ihrer Haut – den "Mantel" – der in der Lage ist, Kalk zu bilden. Kleine Beschädigungen im Gehäuse können sie damit unter Umständen reparieren, aber nur, wenn der Körper unverletzt bleibt. Wenn man aber drauf tritt, wird zwangsläufig ein Teil des Körpers verletzt, eben weil ein Teil des Körpers sich ins Gehäuse hineinzieht.Bei Verletzungen läuft die Körperflüssigkeit einfach aus
Nun haben Weichtiere einen offenen Blutkreislauf. Das bedeutet: Bei einer Verletzung läuft die Körperflüssigkeit einfach aus. Die Schnecke hat in einem solchen Fall keine Überlebenschance. Das gilt nicht nur für Weinbergschnecken, sondern für fast alle Landschnecken – also Schnecken mit Haus. Eine Ausnahme bilden Bernsteinschnecken; das sind Schnecken mit einem relativ dünnen Haus. Wenn die ihr Haus verlieren, können sie ein paar Tage überleben und etwas Gehäuseähnliches wieder aufbauen.Wozu brauchen Schnecken überhaupt ein Haus?
Das Schneckenhaus schützt die Tier vor allem vor dem Austrocknen. Bei normalen Landschnecken ist die Unterseite ziemlich schleimig, die Oberseite aber nicht, sodass sie dort Flüssigkeit ausdünstet. Damit sich das in Grenzen hält, hat die Schnecke das Haus, in das sie sich zurückziehen kann.Wo Häuser stören: Nacktschnecken kriechen in Spalten und Erdlöcher
Die Nacktschnecken haben sich auf eine andere ökologische Nische spezialisiert als die Gehäuseschnecken: Sie kriechen in Spalten und Löcher in der Erde – dabei stört so ein sperriges Gehäuse. Also haben sie es im Lauf ihrer Evolution immer mehr reduziert. Dafür mussten sich die Nacktschnecken aber anderweitig vor dem Austrocknen schützen. Nämlich einmal dadurch, dass sie am ganzen Körper schleimig sind – deshalb finden viele Menschen Nacktschnecken ja auch ekliger als normale Landschnecken – und zum anderen eben, in dem sie sich in der Tageshitze in der Erde verkriechen und erst nachts oder bei trübem Regenwetter hervorkommen.Wed, 26 Aug 2026 - 02min - 6758 - Warum heißt der 90-Grad-Winkel "rechter Winkel"?
Angulus rectus – aufrechter Winkel
Das hat nichts mit rechts oder links zu tun, sondern das "recht" leitet sich ab vom lateinischen "angulus rectus". Das wurde zu Beginn der Neuzeit einfach ins Deutsche übertragen. Das lateinische "rectus" bedeutet dabei so viel wie "aufrecht": Man stellt sich eine horizontale Linie als Basis vor, und eine Linie, die aufrecht auf dieser Basislinie steht, bildet mit ihr einen "angulus rectus". Die Wissenschaft damals hat bis weit in die Neuzeit hinein ihre Texte auf Lateinisch geschrieben – auch bei Descartes taucht der Ausdruck "angulus rectus" auf. Ich habe ein altes Buch aus dem Jahr 1796 gefunden. Es nennt sich "Beiträge zur deutschen Sprachkunde, vorgelesen in der königlichen Akademie der Wissenschaft" und widmet sich der Aufgabe, für lateinische Fachausdrücke die jeweils deutschen Entsprechungen zu benennen. Darin heißt es:Wenn ein Winkel seinem Nebenwinkel gleich ist, so ist es ein rechter Winkel (angulus rectus); ist aber ein Winkel seinem Nebenwinkel nicht gleich, ist es ein schiefer Winkel (angulus obliquus).
Das Wörtchen "recht" findet sich auch in waagerecht oder senkrecht.Quelle: Beiträge zur deutschen Sprachkunde, 1796
Tue, 25 Aug 2026 - 01min - 6757 - Was hilft gegen starke Akne?
Männliche Hormone können für Akne sorgen. Es gibt aber auch viele andere Faktoren; das muss man im Einzelfall abprüfen. Manchmal ist es ein Hefepilz, der sich durch Schweiß vermehrt und durch Reibung eingearbeitet wird. Wenn man zu Kopfschuppen neigt, kann die Haarbalgentzündung von einem solchen Hefepilz kommen.
Bei Akne meiden: Kuhmilch, Zucker, Weißmehl
Allgemein gilt bei Akne für Männer und Frauen, junge und ältere Menschen (denn es gibt auch die Erwachsenenakne), dass man flüssige Kuhmilch maximal reduzieren oder meiden solle. Kuhmilch ist ein starker Akne-Macher; die Talgdrüsen werden dadurch sehr stimuliert. Weglassen sollte man auch Zucker, weißes Mehl, Fastfood, Marihuana, Vitamin-B12-Nahrungsergänzungsmittel, Whey-Protein-Shakes und natürlich Hormontherapie im Fitnesssport, denn all das kann die Akne fördern. Wenn man das alles weglässt, wird man schon eine deutliche Verbesserung der Akne erleben. Kuhmilch mit Cerealien morgens zum Frühstück sind also Gift für die Haut.Gut für die Haut: Omega-3-Fettsäuren, Zink, Selen
Man sollte darauf achten, einen guten Spiegel von Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl oder Algenöl zu sich zu nehmen. Am besten die, die nicht ranzig schmecken, bei denen man nicht rülpst. Es gibt gute Hersteller, wo das Öl auf Schwermetall geprüft ist. Außerdem wichtig sind Zink, Selen und Vitamin D in einer täglich kleinen Dosis. Frauen müssen schauen, ob der Eisenspiegel stimmt, also das Speichereisen. Auch die Schilddrüse sollte man überprüfen.Kosmetik und Verhütung auf die Haut abstimmen
Und Achtung: Vermeiden sollte man auch zu viel fettige Produkte im Gesicht, denn die verursachen die Kosmetik-Akne. Also kein fettiges Haargel und zu viel Pflegecremes. All das kann Akne machen. Bei Frauen ist noch die zu beachten, dass die falsche Verhütung – die Hormonspirale oder eine unpassende Pille – ebenfalls Akne machen kann. Die Ausnahme sind die Erkrankungen, wo man einen krankhaft erhöhten Hormonspiegel hat, etwa polyzystische Ovarien. Die Erkrankung heißt jetzt anders, aber unter der Bezeichnung kennen es noch die meisten. Auch Stress macht Akne. In seltenen Fällen ist auch das Kopfdrüsenhormon Prolaktin Ursache einer Akne.Wie geht man vor, um die Akne zu heilen?
Zuerst würde man alle Faktoren ausschließen und dann ergänzen. Wenn das nicht reicht, könnte man zum Beispiel mit dem Wirkstoff Isotretinoin von innen rangehen. Aber diese Maßnahmen, die ich eben genannt habe, heilen bei sehr vielen Patienten schon ausreichend. Wenn nicht, ist Isotretinoin ein gutes Mittel, um die Akne in Schach zu halten. Man nimmt es entweder niedrig dosiert, 10 Milligramm zweimal in der Woche. Oder man nimmt es höher dosiert über ein halbes Jahr. Ein junger Mann, der 80 kg wiegt, würde 40 Milligramm am Tag nehmen, immer zum Essen. Dann wäre der nach einem halben Jahr geheilt. Isotretinoin ist rezeptpflichtig. Daher sollte man eine hautärztliche Beratung in Anspruch nehmen.Mon, 24 Aug 2026 - 03min - 6756 - Wie kommen die Westindischen Inseln zu ihrem Namen?
Die "Westindischen Inseln" liegen in der Karibik. Sie waren also das erste, was Kolumbus nach seiner Atlantiküberquerung zu Gesicht bekam. In der Logik eines "Indienreisenden" müssten diese Inseln also Indien im Osten vorgelagert sein. Den Namen "westindisch" bekamen die Inseln allerdings nicht von Kolumbus selbst. Sie erhielten ihn erst viele Jahre später, als längst klar war, dass Kolumbus nicht Asien erreicht hat, sondern einen neuen Kontinent namens Amerika. Es war zu dem Zeitpunkt also klar, dass diese Inseln nichts mit Indien zu tun haben. Das Rätsel löst sich, wenn man sich die Kolumbus-Geschichte genauer anschaut.
Kolumbus wollte nach Asien, aber nicht explizit nach Indien
Entgegen dem weit verbreiteten Mythos hat Kolumbus zu keinem Zeitpunkt geglaubt, Indien erreicht zu haben. Er wollte zwar Asien erreichen, aber nicht explizit Indien. In seinen Aufzeichnungen, auch in seinen Bordbüchern, steht nicht "India", sondern es findet sich immer der Ausdruck "Las Indias". Das ist ein Plural, wörtlich: "Die Indien", als ob es mehrere Länder dieses Namens gäbe. Gemeint waren damit aber im damaligen Sprachgebrauch all die Ländereien in und jenseits von Indien – also der gesamte ostasiatische Raum. Als Kolumbus in der Karibik war, wähnte er sich in der Höhe von Japan. Später glaubte er, China erreicht zu haben – aber nicht Indien.Zwei Gruppen von indischen Inseln
Als ein paar Jahre nach Kolumbus' Tod klar war, dass er gar nicht in Asien war, sondern einen neuen Kontinent entdeckt hatte, blieb der Ausdruck "Las Indias" dennoch bestehen – als Ausdruck für eben jene Inseln in der Karibik, die Kolumbus tatsächlich angefahren hat. So gab es aus Sicht der europäischen Seefahrer schließlich zwei Gruppen von "indischen Inseln": Zum einen diejenigen, die buchstäblich in Indien und dahinter liegen – also in Asien – und die anderen vor dem amerikanischen Kontinent. Die einen lagen Richtung Osten, die bezeichnete man als ostindisch – da gab es dann auch die berühmte Ostindien-Handelskompanie. Und die anderen lagen, wieder von Europa aus gesehen, Richtung Westen. Also nannte man sie westindische Inseln. Die Ausdrücke Ost und West beziehen sich also nicht auf die Lage innerhalb eines vermeintlichen Indiens, sondern auf die Perspektive der Seefahrer.Sun, 23 Aug 2026 - 02min - 6755 - Wie lassen sich Altersflecken entfernen und kommen die wieder?
Es gibt zwei verschiedene Arten von Flecken auf dem Handrücken. Zum einen die braunen, die man nicht tasten kann, wenn man mit geschlossenen Augen darüberfährt. Die anderen sind ein bisschen erhaben, so 3D-mäßig. Die nennt man Stukkokeratosen – wie der Stuck an der Decke. Das sind Verhornungen, die etwas erhaben sind.
Mit dem Rubinlaser gegen Altersflecken
Zum Entfernen benutzt die Ärztin oder der Arzt verschiedene Verfahren. Für die Flecken, die nicht erhaben sind, nimmt man zum Beispiel den Rubinlaser. Das ist vom Schmerz her gut auszuhalten. Es ist zwar ein Hitzeimpuls, aber man braucht keine Betäubung und es ist schnell vorbei. Der Rubinlaser erhitzt das braune Pigment. Er sieht genau das Braun; die helle Haut wird dadurch nicht beeinträchtigt. Das Pigment wird erhitzt, verändert seine Farbe und wird dann schwarz. An den Händen verabschiedet sich diese Verfärbung nach ungefähr drei Wochen. Dann ist die Stelle im besten Fall hautfarben oder vielleicht noch eine Weile leicht gerötet. Im Gesicht geht das sogar innerhalb einer Woche wieder auf Normalzustand.Stukkokeratose: Behandlung mit Kürette oder Laser
Die 3D-Knüppelchen muss man entweder mit einer Kürette abschaben oder mit einem chirurgischen Laser abgetragen. Das geht gut, allerdings hat man dann eine Schürfwunde. Das ist ein bisschen schmerzhafter. Manchmal wird eine Betäubungscreme vorgegeben oder sogar eine Betäubungsspritze. Weil es eine offene Wunde ist, muss man sehr gut aufpassen, dass es sich nicht infiziert und danach nicht nochmal verfärbt. Jeder, der sich die Hände wegen solcher störender Flecken lasern lässt, muss vier Wochen vorher und vier Wochen danach unbedingt darauf achten, die Haut nicht zu bräunen – raus aus der Sonne und Sonnencreme nutzen. Dann hat man gute Chancen, dass die Flecken lange Jahre wegbleiben.Fri, 21 Aug 2026 - 01min - 6754 - Sind Tee und Kaffee Kalziumräuber und schlecht für die Knochen?
Der Ausdruck "gut für die Knochen" bezieht sich auf die Knochendichte. Die wird durch Tee neueren Untersuchungen zufolge sogar eher leicht gestärkt, während sich Kaffee wenig oder allenfalls leicht negativ auswirkt. Gleichzeitig ist das Thema ein schönes Beispiel dafür, wie medizinische Aussagen zustande kommen oder sich mit der Zeit verändern.
Osteoporose: Wenn die Knochendichte nachlässt
Relevant ist die Frage nach dem Kalzium, weil die Knochendichte vor allem bei Frauen in der Postmenopause oft nachlässt und zu Osteoporose führen kann. Und wie sich ein Nahrungsmittel auf die Knochendichte auswirkt, macht man oft am Kalzium fest. Um Kalzium zu uns zu nehmen, können wir regelmäßig kalziumreiches Wasser trinken, grünes Gemüse essen oder Milchprodukte.Koffein hat Einfluss auf Kalziumaufnahme des Körpers
Tee und Kaffee enthalten nun Koffein. Dieses Koffein wirkt sich darauf aus, wie wir das enthaltene Kalzium verarbeiten. Koffein bewirkt, dass wir weniger Kalzium aus dem Darm aufnehmen und dann mehr Kalzium über die Niere wieder ausscheiden. Daher kommt das Image als "Kalziumräuber", das aber inzwischen weitgehend widerlegt ist. Denn der Effekt ist relativ gering im Verhältnis zur sonstigen Ernährung. Durch den regelmäßigen Verzehr von grünem Gemüse oder Milchprodukten könne man den Kalzium-Verlust durch Koffein locker kompensieren, so die einschlägigen Empfehlungen. Das sind ja nur Überlegungen, die sich auf das Kalzium im Körper beziehen. Zwar liegt der Schluss nahe, dass eine hohe Kalziumaufnahme auch der Knochendichte zugutekommt, aber aussagekräftiger sind Untersuchungen, die die Knochendichte direkt messen.Tee ist eher gut für die Knochen
Von solchen Untersuchungen gibt es inzwischen einige, und sie zeigen, dass Tee im Zweifel eher gut ist für die Knochen. Es gibt zum Beispiel eine Studie australischer Mediziner von 2025. Die haben die Daten einer umfangreichen Osteoporose-Studie an fast 10.000 Frauen ausgewertet. Die Frauen waren in der zweiten Lebenshälfte, hatten also die Menopause schon hinter sich. In dieser Studie wurde mit Röntgenuntersuchungen mehrmals über einen Zeitraum von zehn Jahren die Knochendichte gemessen, und zwar in den Knochen, die bei Osteoporose besonders anfällig für Frakturen sind: der Oberschenkelhals und die Hüfte. Außerdem haben sie die Frauen nach ihren Tee- bzw. Kaffeetrinkgewohnheiten gefragt. Beides haben sie ins Verhältnis gesetzt. Darüber hinaus wurden weitere Parameter erfasst: Wie ernähren sich die Frauen sonst? Rauchen sie? Trinken sie Alkohol? Und so weiter. Diese Effekte wurden statistisch möglichst rausgerechnet. Bei den Kaffeetrinkerinnen entsprach das Ergebnis den Erwartungen. Geringer Kaffeekonsum hat die Knochendichte kaum messbar verändert. Mehr als fünf Tassen Kaffee täglich erweisen sich als schlecht für die Knochendichte, vor allem dann, wenn die Frauen auch rauchen. Das entspricht dem, was man vom Kalziumhaushalt erwarten würde.Teetrinkerinnen haben etwas höhere Knochendichte
Beim Tee war es aber anders. Eigentlich bremst auch das Koffein im Tee die Kalziumaufnahme im Körper. Trotzdem hatten die Teetrinkerinnen eine höhere Knochendichte als Frauen, die weder Tee noch Kaffee trinken. Die Gründe dafür sind nicht klar. Ein möglicher Grund sind andere im Tee enthaltene Inhaltsstoffe, nämlich die Katechine. Es gibt Hinweise, dass die das Knochenwachstum fördern bzw. dem Knochenabbau entgegenwirken. Allerdings funktioniert diese Erklärung nur bei grünem Tee – denn im schwarzen Tee sind durch die Fermentierung kaum noch Katechine enthalten. Auf jeden Fall ist die höhere Knochendichte der Teetrinkerinnen bei den Hüftknochen signifikant messbar. Die Forscher schreiben aber auch: Der Effekt macht nicht so viel aus. Der Unterschied in der Knochendichte zwischen Tee- und Nicht-Tee-Trinkerinnen beträgt gerade mal 0,4 Prozent. Das war jetzt das Ergebnis einer Studie – andere Studien kommen aber zu ähnlichen Ergebnissen.Kalziumreiche Lebensmittel gegen Osteoporose
Messen kann man also, dass Tee für eine leicht höhere Knochendichte sorgt und viel Kaffee eher für eine geringere. Für die Entwicklung von Osteoporose scheint das aber nicht der entscheidende Faktor zu sein. Wer vorbeugen will, sollte nicht primär beim Tee- oder Kaffeekonsum anfangen, sondern sich auf andere Dinge konzentrieren: grünes Gemüse, Milchprodukte oder kalziumreiches Mineralwasser.Thu, 20 Aug 2026 - 05min - 6753 - Warum hat der Mond keine Atmosphäre?
Der Mond ist zu klein und zu leicht
Der Mond ist schlicht zu klein und zu leicht, um eine Atmosphäre zu haben. Damit ein Himmelskörper eine Atmosphäre hat, braucht er eine gewisse Masse, um Gasmoleküle durch seine Gravitationskraft bei sich zu halten. Der Mond ist 80-mal leichter als die Erde. Damit ist seine Anziehungskraft einfach zu schwach. Um eine Atmosphäre an sich zu binden, müssen Himmelskörper schon etwas größer sein.Auch auf das Magnetfeld kommt es an
Man sieht das gut im Vergleich von Mars und Venus. Der Mars hat auch nur eine sehr dünne Atmosphäre, denn er ist viel kleiner als die Erde – seine Masse beträgt lediglich ein Neuntel der Erdmasse. Es gibt Hinweise, dass der Mars früher eine dichtere Atmosphäre hatte, dass die sich aber verflüchtigt hat. Nicht nur, weil der Mars so klein ist, sondern auch, weil er kein Magnetfeld hat. Die Erde hat ein Magnetfeld. Das schützt sie unter anderem vor dem sogenannten Sonnenwind – also geladenen Teilchen, die von der Sonne kommen. Weil aber der Mars kein Magnetfeld hat, ist er dem Sonnenwind schutzlos ausgesetzt; seine einst etwas mächtigere Atmosphäre wurde davongetragen.Venus hat dichte Atmosphäre
Ganz anders dagegen sieht es auf der Venus aus; die hat eine sehr dichte Atmosphäre – die Venus ist ja auch fast so groß wie die Erde. Verschiedene Faktoren entscheiden also über das Vorhandensein einer Atmosphäre. Vor allem die Größe, aber auch Faktoren wie das Magnetfeld.Thu, 20 Aug 2026 - 01min - 6752 - Ab wann und wie oft sollte man zum Hautkrebs-Screening gehen?
Hautkrebs-Screening ab 18 Jahren
Ich halte das Screening immer für sinnvoll, aber vor allem ab 18 Jahren. Da steigt das Risiko, dass sich ein schwarzer Hautkrebs entwickeln kann. Bei der Hautkrebsvorsorge schauen wir Hautärzte den ganzen Körper an: die Kopfhaut, den Bereich hinter den Ohren, die Mundschleimhaut. Es geht also nicht nur um die Haut, sondern auch um einsehbare Schleimhäute. Wir schauen zwischen die Zehen und im Intimbereich. Wir schauen dabei Leberflecken an und neu entstandene Pigmente. Wir nutzen gern das Auflichtmikroskop, um die genauere Struktur zu beurteilen. Aber wir schauen auch auf andere Hautveränderungen. Manchmal ist es zum Beispiel eine Vorstufe von weißem Hautkrebs. Oder Sonnenschäden, wo man sieht: Das geht jetzt in eine falsche Richtung, hier muss man besser aufpassen.ABCDE-Regel: Worauf jeder selbst achten kann
Aber jeder kann auch selbst zu Hause gucken. Wir sollten unseren Körper kennen. Ich sage immer: bei der Liebe das Licht anlassen. Man sollte also den Partner mal bei hellem Licht inspizieren, denn auf dem Rücken oder an intimer Stelle sieht man sich ja selbst schlecht. Eine Regel, die jeder kennen sollte, ist die ABCDE-Regel: A: Ein Fleck ist asymmetrisch in ein oder zwei EbenenB: Der Fleck ist unscharf und unregelmäßig begrenztC: Die Coloration geht in Richtung schwarz, dunkel, scheckig, grau, helle ArealeD: Der Durchmesser ist über einen halben ZentimeterE: Es hat sich eine Erhabenheit entwickelt Das sind Alarmzeichen, die einem helfen können zu entscheiden: Ja, jetzt muss ich wirklich mal zum Hautarzt gehen. Das heißt nicht immer, dass es Krebs ist. Aber so kann man schauen, in welche Richtung so ein Fleck geht. Auch neue Flecken sind manchmal Vorstufen oder schon Melanome. Die entwickeln sich nämlich gar nicht so oft aus Leberflecken, sondern häufig einfach auf der normalen Haut.Wie oft sollte man zum Screening beim Hautarzt gehen?
Ich finde, dass man jährlich zum Hautkrebs-Screening kommen sollte, auch wenn die Krankenkassen bisher nur alle zwei Jahre bezahlt haben und es eventuell sogar abgeschafft werden soll. Am besten macht man beim Arzt gleich den Termin fürs nächste Jahr. Wichtig ist auch, schon einen guten Hautarzt zu haben, bevor ein Verdacht besteht. Der Hausarzt kann bei der Vermittlung helfen. Viele Hausärzte bieten mittlerweile auch selbst das Screening an.Tue, 18 Aug 2026 - 02min - 6751 - Wie bestimmt man das Alter von Sternen?
13,6 Milliarden alter Stern enthält kein Eisen
Es gibt verschiedene Methoden, das Alter von Sternen zu berechnen. Das kann man gut an einem Stern festmachen, von dem es heißt, er sei der älteste bisher bekannte Stern überhaupt. Dieser Stern ist, astronomisch gesehen, gar nicht weit weg von uns. "Nur" 6.000 Lichtjahre entfernt befindet er sich in unserer Galaxie – ist also Teil der Milchstraße. Dieser Stern wird auf ein Alter von 13,6 Milliarden Jahren geschätzt. Das würde bedeuten, er wäre 200 Millionen Jahre nach dem Urknall entstanden – das war ein ziemlich frühes Stadium der Sternentstehung. Das heißt auch: Der Stern ist entstanden, bevor sich unsere Galaxie gebildet hat. Dass er so alt ist, schließen die Wissenschaftler daraus, dass er – das kann man aus den Spektrallinien entnehmen – kein Eisen enthält.Was hat das Eisen mit dem Alter der Sterne zu tun?
Die chemischen Elemente haben sich erst mit der Zeit gebildet. Am Anfang gab es nur leichte Elemente: Wasserstoff, Helium, Lithium. Die erste Sternengeneration kann nur aus diesen Elementen bestanden haben. Alle schweren Elemente – Kohlenstoff, Magnesium, Eisen – sind aus den leichten "zusammengebacken". Dafür sind extrem hoher Druck und Temperaturen notwendig, wie es sie nur im Inneren von Sternen gibt, bzw. unter den Bedingungen einer Supernova – also wenn ein Stern am Ende seines Daseins explodiert. Einen Stern aus der ersten Generation hat man noch nicht gefunden, aber oben genannte stammt offenbar aus der zweiten Generation. Denn er enthält zwar Kohlenstoff und Magnesium – also schon einige schwere Elemente – aber offenbar noch keinerlei Eisen. Für diese frühen Sterne ist also der Eisengehalt ein wichtiges Kriterium, um das Alter zu bestimmen.Größe und Farbe des Leuchtens helfen bei der Altersbestimmung
Ein wichtiger Anhaltspunkt zur Altersbestimmung ist die Größe und die Farbe, in der ein Stern leuchtet. Sterne leuchten, weil sie Wasserstoffatome zu Helium verschmelzen und dabei Energie frei wird. Die Größe ist deshalb wichtig, weil große Sterne schneller "alt" werden. Sie haben nämlich einen großen Energieumsatz, der Wasserstoff ist viel schneller aufgebraucht. Während das passiert, verändert sich auch die Farbe des Lichts. Im Jungstadium sind Sterne eher bläulich. Je älter sie werden, desto mehr verschiebt sich die Farbe ins Rötliche. Wenn Astronomen einen Stern beobachten, können sie die Helligkeit messen – und da gilt die einfache Regel: je heller ein Stern, desto größer ist er. Sie können auch das Farbspektrum analysieren und daraus ableiten, welches Reifestadium der Stern hat. Aus diesen beiden Informationen – Größe und Reifestadium – lässt sich das Alter auch einigermaßen abschätzen.Sun, 16 Aug 2026 - 03min - 6750 - Ist jedes Bier isotonisch oder nur alkoholfreies?
Selbst wenn normales Bier isotonisch wäre, dürften die Bierbrauer nicht damit werben, weil alkoholische Getränke generell nicht mit nährstoffbezogenen Hinweisen werben dürfen. Aber normales Vollbier ist auch nicht isotonisch, sondern wegen des zusätzlichen Alkohols hypertonisch.
Isotonisch: so viele Nährstoffe und Mineralien wie unser Blut
Isotonisch sind Getränke dann, wenn sie genauso viele Nährstoffe und Mineralien bzw. genauso viele gelöste Teilchen enthalten wie unser Blut. Dann nämlich, sagen Ernährungsphysiologen, kann der Körper zumindest bei sportlicher Anstrengung die Flüssigkeit und die Mineralien am besten und schnellsten aufnehmen. Wenn eine Flüssigkeit zu viele Nährstoffe enthält – zum Beispiel ein unverdünnter Fruchtsaft – dann entziehen sie dem Körper eher Flüssigkeit. Ähnlich ist es beim Vollbier. Es ist nicht so nährstoffreich wie zum Beispiel purer Orangensaft. Aber Bier ist im Hinblick auf den Nährstoffgehalt "dicker" als das Blut. Deshalb ist es nicht isotonisch ("iso" bedeutet "gleich"), sondern hypertonisch ("hyper" bedeutet "über").Mineralien werden beim Alkoholabbau ausgeschieden
Gut zu wissen: Mineralien aus dem Bier, die beim Alkoholabbau in der Leber zum Teil gleich wieder ausgeschieden werden, kommen dem Körper nicht zugute. Die Vorstellung, normales Bier und alkoholfreies Bier unterscheiden sich nur darin, dass man sich mit alkoholhaltigem Bier betrinken kann, ist also falsch. Auch beim alkoholfreien Bier gibt es Ausnahmen: Die Stiftung Warentest hat das vor ein paar Jahren untersucht und festgestellt, dass viele alkoholfreie Weizen nicht isotonisch sind, obwohl sie zum Teil dafür werben. Sie sind vielmehr hypotonisch, also "dünner" als Blut. Letztlich aber sind das Unterschiede, um die sich der normale Breitensportler nicht allzu sehr den Kopf zerbrechen sollte – erst bei stundenlangem Ausdauersport, das entspricht der Kategorie "Marathonläufer", wird das interessant. Aber auch dann muss es kein spezieller Fitness-Drink sein – eine Apfelsaftschorle ist genauso isotonisch.Fri, 14 Aug 2026 - 02min - 6749 - Welche Ernährung hilft bei Neurodermitis?
Proteine für die Reparatur der Haut
Die Haut ist Teil des gesamten Organismus. Daher sollte man bei jeder Hauterkrankung auf die Ernährung achten. Antientzündliche Ernährung ist eine pflanzenbetonte Kost. Wir brauchen aber immer auch genug Proteine, weil die Hautreparatur über Eiweiß gelingt. Wenn jemand eine schuppende Hauterkrankung hat, verliert er eine ganze Menge Eiweiß. Wenn das Immunsystem in Wallung ist, wie bei einer Neurodermitis, braucht es genug Proteine. Außerdem Vitamin D, Zink, Selen, Omega-3-Fettsäuren.Reichlich Ballaststoffe für eine gesunde Darmflora
Eins meiner Lieblingsthemen ist außerdem die Darmflora, da gibt es schon viele gute Untersuchungen. Wir brauchen unbedingt 30 Gramm Ballaststoffe am Tag. Das lässt sich mit kostenlosen Apps im Handy tracken. Besonders gut geeignet für eine vielfältige und hautgesundheitsförderliche Darmflora sind zum Beispiel Akazienfasern, aber auch Flohsamenschalen, Leinsamen und viele andere lösliche Ballaststoffquellen, zum Beispiel aus bitteren Salaten und Wurzelgemüsen.Fermentierte Lebensmittel unterstützen
Hilfreich ist auch lebendige Nahrung. Es gibt Hersteller, die Pülverchen empfehlen, denen Milchsäurebakterien zugeführt werden, Bifidobakterien. Aber das geht auch zum Beispiel mit frischem Sauerkraut, das man selbst fermentiert hat oder von der Frischetheke kauft. Es darf nicht erhitzt sein, damit die Bakterien leben. Wenn man Milchprodukte verträgt, geht auch Kefir. Auch Kimchi vom Koreaner oder sogenannte effektive Mikroorganismen. Und Salat aus dem Garten. All das reichert die eigene Darmflora an und kann von innen die Anti-Entzündung unterstützen.Thu, 13 Aug 2026 - 01min - 6748 - Gibt es eine globale Verdunkelung?
Aerosole: Sonneneinstrahlung ist heute geringer als vor 50 Jahren
Grundsätzlich ja. Mit globaler Verdunkelung (engl. Global Dimming) ist gemeint, dass im weltweiten Durchschnitt heute ein paar Prozent weniger Sonneneinstrahlung auf der Erde ankommt als etwa 1960. Der Hauptgrund dafür ist die Luftverschmutzung. Beim Verbrennen von Kohle, Öl und Gas, aber auch Holz gelangen kleinste Partikel – sogenannte Aerosole – in die Atmosphäre. Diese Aerosole verdunkeln zum einen selbst den Himmel, zum anderen sind es Kondensationskeime für Wassertröpfchen. Sie führen damit zu einer verstärkten Wolkenbildung. Und Wolken verdunkeln den Himmel ebenfalls. Sie reflektieren Sonnenstrahlen.Warum erwärmt sich die Erde trotz verminderter Sonneneinstrahlung?
Wenn heute weniger Sonnenstrahlen auf die Erde kommen als 1960, müsste es doch eigentlich kühler werden – doch alle seriösen Klimaforscher sagen, es wird wärmer. Wie passt das zusammen? Zum einen liegt es daran, dass die globale Erwärmung durch den Treibhauseffekt stärker ist. Beim Treibhauseffekt geht es darum, dass Energie, die über Sonnenstrahlen zur Erde gelangt, stärker als früher in der Atmosphäre bleibt. Dieser Effekt ist unterm Strich stärker als der Verdunkelungseffekt. Viele Klimaforscher vermuten sogar, ohne den Verdunkelungseffekt durch die Luftverschmutzung wäre das Klima heute noch wärmer als es ohnehin schon ist. Außerdem hat die Verschmutzung selbst neben einem kühlenden auch einen wärmenden Effekt. Denn ein Teil der Aerosole liegt in Form von Ruß vor – und Ruß hat wiederum eine Treibhauswirkung, weil er Wärme absorbiert. Noch etwas kommt bei der Betrachtung hinzu: Der Vergleich zwischen der Situation heute und 1960 ist etwas unpräzise, denn die Entwicklung ist längst wieder rückläufig: Seit den 1980er-Jahren geht vor allem in den westlichen Industrieländern die Luftverschmutzung zurück – wohlgemerkt: Damit sind Schmutzpartikel gemeint, nicht der Ausstoß von Treibhausgasen! Die Atmosphäre wird also wieder klarer und der Verdunkelungseffekt lässt inzwischen schon wieder nach. Es ist aber von Region zu Region unterschiedlich: Über Ländern, die erst in den letzten Jahrzehnten industriell aufgeholt haben und auch noch stark auf Kohle setzen – so wie China – ist die Verdunkelung noch stärker ausgeprägt als bei uns, wo der Himmel schon wieder messbar "heller" ist als 1980.Wie passt das Problem der Lichtverschmutzung dazu?
Bei der Lichtverschmutzung geht es nicht um Sonnenlicht, sondern um das künstliche Licht. Darum, dass wir vor lauter künstlicher Beleuchtung in den Städten den Himmel nicht mehr sehen. Aber indirekt trägt das auch dazu bei, dass der globalen Verdunkelung über vielen Städten eine lokale Erhellung des Himmels entgegensteht. Denn wenn es bewölkt ist, reflektieren die Wolken die Lichter der Großstadt. Das hat Konsequenzen: Früher war der Himmel in klaren Nächten heller als wenn es bewölkt ist. Bei wolkenverhangenem Himmel war der Nachthimmel pechschwarz, während in klaren Nächten immerhin noch der Mond sowie die Summe der Sterne etwas Licht zur Erde warfen. Heute ist es, vor allem über den großen Städten, umgekehrt: Da reflektieren die Wolken so viel Licht von den Städten, dass der Himmel heller ist als in klaren Nächten. Berliner Forscher haben sogar herausgefunden, dass es bei den verschiedenen Lichtanteilen Unterschiede gibt. Die roten Anteile des Lichts werden von den Wolken besonders stark reflektiert – man könnte übertrieben formulieren: Der Himmel wird zur Rotlichtzone. Es gibt also den Effekt einer Globalen Verdunkelung – bezogen auf das Tageslicht. Aber erstens geht der schon wieder zurück. Und zweitens gibt es gleichzeitig vielerorts den Effekt einer Aufhellung des Himmels nachts.Wed, 12 Aug 2026 - 04min - 6747 - Wo liegt der trockenste Ort der Erde?
Trockenste Orte befinden sich in der Antarktis
Spontan würde man den trockensten Ort der Erde wohl in einer heißen Wüste suchen, doch inzwischen haben Wissenschaftler festgestellt, dass sich die trockensten Orte in einer extrem kalten Gegend befinden, nämlich in der Antarktis. Dort gibt es mehr als 4.000 Meter hohe Gebirge – aber auch Täler, die komplett eisfrei sind, und das offenbar seit Millionen von Jahren. Dort ist es zwar eiskalt – bis zu minus 50 Grad in den Tälern, minus 70 Grad oder noch kälter auf den Bergrücken – aber die Luft ist so trocken, dass man wohl Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte warten kann, bis da mal ein Flöckchen fällt.Bedingungen wie auf dem Mars
Seit bekannt ist, wie trocken es in dieser Region der Antarktis ist, interessieren sich zunehmend sowohl die Astronomie als auch Raumfahrtbehörden wie die NASA für diese Gegenden, vor allem für die Bergrücken: Die NASA, weil dort fast schon Bedingungen wie auf dem Mars herrschen – das ist praktisch, um Marsroboter zu testen. Und Astronomen, weil man in solch trockenen Gegenden natürlich toll die Sterne beobachten kann.Sahara: im Vergleich zur Atacama-Wüste ein wahres "Feuchtgebiet"
Astronomen suchen für ihre großen Observatorien bewusst möglichst trockene Gegenden. Bisher galt da die chilenische Atacama-Wüste als der optimale Platz. Früher galt sie als der trockenste Ort der Erde. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt bei 0,1 Millimeter. Im Vergleich dazu ist die Sahara mit im Schnitt 40 Millimetern Jahresniederschlag ein wahres Feuchtgebiet. Die Atacama-Wüste ist also zwei Größenordnungen trockener als die Sahara. Deshalb stehen dort heute schon mehrere große Sternwarten.Antarktis: gute Bedingungen für Teleskope und Observatorien
Doch inzwischen gibt es auch Observatorien zumindest in der Antarktis. Auf dem Bergrücken "Ridge A" wurde in mehr als 4.000 Metern Höhe 2012 ein Infrarotteleskop installiert. Es kann Strahlung bestimmter Wellenlängen beobachten, die kaum irgendwo sonst auf der Erde überhaupt den Weg durch die Atmosphäre bis an die Erdoberfläche schaffen.Tue, 11 Aug 2026 - 02min - 6746 - Hilft Kollagen gegen Hautalterung?
Aminosäuren wichtig für den Aufbau von Kollagen
Kollagen ist kein Mittel, mit dem man ein Lifting machen oder Falten ausbügeln kann. Es gibt einzelne Menschen, die nicht immer mit allen Aminosäuren gut versorgt sind. Das sind die Bausteine des Eiweißes, die man braucht, um Kollagen ausreichend aufzubauen. Wir brauchen bestimmte Aminosäuren wie Glycin, Hydroxyprolin und Prolin und auch Lysin, um Kollagen aufzubauen. Eigentlich würden hierfür eiweißreiche Lebensmittel reichen, aber das kommt nicht immer an. Das ist messbar und ich sehe es als Hautärztin jeden Tag.Omas Knochenbrühe – oder Nahrungsergänzungsmittel
Diesen Menschen kann es helfen, dass sie Knochenbrühe nach Omas Rezept trinken, bei dem der Rinderknochen 12 Stunden ausgekocht wird. Da kommen dann Kollagen und Hyaluronsäure raus. Dazu frische Petersilie für das Vitamin C, denn ohne Vitamin C gibt es keinen Kollagenaufbau. Wer das nicht machen möchte, kann mit Nahrungsergänzungsmitteln arbeiten. Es gibt Studien, die zeigen, dass es wirkt. Das ist zum Beispiel bei Reibeisenhaut der Fall oder wenn die Leute ihr Haarwachstum stimulieren wollen. Es kann auch bei Gelenkbeschwerden für den Knochen hilfreich sein und ein bisschen für die Durchfeuchtung der Haut.Kollagen ist kein Wundermittel
Kollagen ist also kein Wundermittel, aber im Sinne einer Versorgungstherapie kann es ein Helfer sein. Was ich noch nicht sicher sagen kann, denn da ist die Forschung gerade dran: Es gibt die Vermutung, dass besonders kleine Peptide, also Eiweißpartikelchen, im Kollagen vielleicht sogar einen Stimulationseffekt auf die kollagenbildenden Zellen haben. Wie gesagt: Das ist noch nicht sicher; das muss erst noch wissenschaftlich belegt werden. Daher bitte nicht loslaufen und kaufen. Es ist also kein Muss. Aber ich benutze es tatsächlich bei meinen Patienten und ich nehme es auch selbst. Und ich finde, dass es meiner Haut, meinen Haaren und meinen Nägeln sehr guttut.Mon, 10 Aug 2026 - 01min - 6745 - Sind Baskisch und Tschetschenisch miteinander verwandt?
Indogermanische Sprachfamilien sind in Europa vorherrschend
Es klingt verrückt, aber diese Theorie gab es tatsächlich. Es lässt sich auch gut begründen, warum. Ein Grund: In beiden Fällen handelt es sich um nicht-indogermanische Sprachen. Die meisten Sprachen Europas und viele Sprachen Asiens bis nach Indien gehören zur indogermanischen Sprachfamilie. Die germanischen Sprachen gehören dazu, die romanischen Sprachen, die keltischen, die slawischen, aber auch Persisch und Hindi.Nicht-indogermanische Sprachen sind in Europa die Ausnahme
Wenn man sich nun eine Landkarte Europas anschaut, dann gibt es nur ein paar Flecken, in denen keine indogermanische Sprache gesprochen wird. Die bekanntesten sind Finnland und Ungarn, die gehören wie das Estnische zu einer ganz eigenen Sprachfamilie. Ebenso das Türkische; das gehört zu den Turksprachen bzw. zur altaischen Sprachfamilie. Das sind die großen nicht-indoeuropäischen Sprachräume im europäischen Umfeld. Außerdem gibt es ein paar kleine Sprachinseln. Dazu gehören sowohl die kaukasischen Sprachen – eine davon ist Tschetschenisch – und es gehört Baskisch dazu. Das Baskische hat absolut nichts zu tun mit Spanisch, Französisch oder was da sonst im Umkreis gesprochen wird; es ist eine völlig eigenständige Sprachfamilie. Insofern ist es eine Überlegung wert, ob die beiden verwandt sein könnten.Vaskonisch als Ursprache Europas?
Wenn man von der Verbreitung der heutigen Sprachen ausgeht, liegen das Baskenland und Tschetschenien natürlich weit voneinander entfernt, quasi an den entgegengesetzten Enden Europas. Aber – und das ist das Spannende bei der baskischen Sprache: Es sieht so aus – zumindest gibt es darauf einige Hinweise – dass der Vorläufer des Baskischen viel weiter verbreitet war als nur im Baskenland. Manche Forscher sagen, diese vaskonische Vorläufersprache war sogar so etwas wie die Ursprache Europas. Das heißt, auch in Süddeutschland hätten vor 9.000 Jahren Leute gelebt, die eine Sprache gesprochen haben, die mit dem heutigen Baskisch verwandt ist. Ob das Urbaskische, das Vaskonische wirklich so weit verbreitet war, ist umstritten und eher unwahrscheinlich. Aber klar ist, dass das Indogermanische – von dem Griechisch, Slawisch, Keltisch, Germanisch abstammen – erst viel später nach Europa kam. Nach heutigem Stand geschah das vor gut 5.000 Jahren, und zwar mit einer Einwanderungswelle von den Steppen nördlich des Schwarzen Meers (Jamnaja-Kultur). Aber schon vor dieser Einwanderungswelle lebten Menschen in Europa, die irgendetwas gesprochen haben müssen. Diese Sprachen wurden verdrängt, bis auf kleine Sprachinseln wie eben das Baskenland, in der sich eine der vor-indogermanischen Sprachen gehalten hat.Baskisch und Tschetschenisch haben Ähnlichkeiten in der Grammatik
Es ist also nicht abwegig zu fragen, ob die kaukasischen Sprachen Überbleibsel einer solchen Ursprache sind, deren Verbreitungsgebiet sich vom heutigen Spanien bis in den Kaukasus erstreckt hätte. Dazu kommt: Baskisch und Tschetschenisch haben gewisse grammatikalische Ähnlichkeiten. Sie drücken nämlich eine bestimmte grammatische Funktion dadurch aus, dass sie an ein Wort bestimmte Laute und Silben hängen. Wir haben im Deutschen für die verschiedenen Fälle bei Substantiven auch verschiedene Endungen, aber im Baskischen und im Tschetschenischen ist das noch viel extremer; da hängt man auch 3, 4 oder 5 Endungen hintereinander an ein Wort. Es sind beides, wie man sagt, "agglutinierende Sprachen", das ist eine formale Ähnlichkeit.Reichen gewisse Ähnlichkeiten für einen Beleg der Verwandtschaft beider Sprachen?
Nein, eben nicht. Es war durchaus berechtigt, diese Hypothese aufzustellen und das zu untersuchen. Aber inzwischen weiß man viel mehr darüber, wie sich Sprachen ausgebreitet haben, und das passt einfach nicht mehr zusammen. Außerdem müsste man nicht nur in der Grammatik, sondern vor allem auch in den Wörtern Ähnlichkeiten finden. Aber die sind sehr schwach, wenn überhaupt vorhanden. In den Sprachwissenschaften geht daher heute niemand mehr von einer Verwandtschaft zwischen Baskisch und Tschetschenisch aus.Sun, 9 Aug 2026 - 04min - 6744 - Wie schädlich ist Rauchen für die Haut?
Schlechtere Durchblutung durch Nikotin
Rauchen ist ein starker Altersbeschleuniger für die Haut. In den Zigaretten ist Nikotin, und das macht die Gefäße eng. Dadurch ist schon mal die Durchblutung nicht so gut.Polonium, PAK, Teer, Formaldehyd – beim Rauchen wird's toxisch
Insgesamt spielen aber sogar mehr als 7.000 chemische Substanzen beim Rauchen eine Rolle, darunter sehr viele toxische. Da sind auch radioaktive Stoffe dabei, etwa Polonium. Außerdem spielen Gifte wie Teer und Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) beim Rauchen eine Rolle. Aber auch Formaldehyd, Benzol, Ammoniak und Schwermetalle. All das ist Gift für die Hautzellen, für den Stoffwechsel. Das ist der Grund, warum Menschen, die rauchen, schnell älter aussehen. Das ist ähnlich wie Schäden durch die Sonne.Sat, 8 Aug 2026 - 00min - 6743 - Rinder rülpsen Methan. Könnte man daraus Biogas machen?
Methan wirkt aus Klima 20 Mal stärker als CO2
Es ist bekannt, dass Rinder Methan rülpsen. Methan ist ein sehr starkes Treibhausgas; seine Wirkung aufs Klima ist 20 Mal stärker als die von CO2. Deshalb trägt die intensive Rinderhaltung zur globalen Erwärmung bei. Da ist es eine naheliegende Frage, ob man das ausgerülpste Methan nicht auffangen und unschädlich machen kann. Oder ob man es verbrennen und somit als Biogas verwenden und wenigstens zur Energiegewinnung nutzen kann,– dann entsteht zwar wieder CO2, aber im Vergleich zum Methan wäre es nicht so klimaschädlich und man hat wenigstens etwas davon.Methan auffangen: praktische Umsetzung ist schwierig
Überlegungen, das Methan der Rinder aufzufangen, gibt es seit Langem. Doch wie soll das gehen? Man könnte den Rindern eine Art Maske über das Maul zu stülpen, die das ausgerülpste Methan auffängt. Doch eine solche Maske oder gar ein Schlauch, der am oder im Maul befestigt wäre, wären mit dem Tierschutz schwer vereinbar. Außerdem müsste die Maske die ausgerülpste Luft absaugen – das würde den Rindern das Atmen erschweren. Und wie sollen die Tiere mit so einer Maske fressen oder weiden? Aber Kühe sind ja nicht nur auf der Weide, sondern auch im Stall. Deshalb könnte eine Alternative darin bestehen, die Stallluft abzusaugen und das darin enthaltene Methan herauszuholen. Aber auch das sagt sich leicht. Denn in absoluten Mengen gesehen, ist der Methangehalt in der Stallluft sehr gering. Unter 20.000 Molekülen in der Luft, ist im Schnitt ein Methanmolekül – damit kann man biogastechnisch noch nichts anfangen; das brennt nicht (zum Glück für die Rinder). Man müsste also das Methan aus der Stallluft herausfiltern und konzentrieren; das wäre technisch extrem aufwendig und teuer. Man könnte auch überlegen, die Kühe einfach so lange im Stall zu lassen und nicht zu lüften, bis sich das Methan stark angereichert hat. Die Rinder würden in einer solch dicken Luft aber vorher tot umfallen.Methanproblematik über das Futter in den Griff bekommen
Die Agrartechniker haben von solchen Überlegungen deshalb weitgehend Abstand genommen und versuchen, das Methanproblem bei der Rinderhaltung auf eine andere Art in den Griff zu bekommen, nämlich über das Futter: Die Methanproduktion ist eine Folge des Wiederkäuens. Die Menge des Methans, das im Pansen der Rinder entsteht, hängt von der Zusammensetzung des Futters ab. Kühe fressen vor allem Getreide. Wenn nun dieses Futter viele gekeimte Körner enthält, stoßen die Kühe weniger Methan aus. Auch ein hoher Fettanteil verringert die Methanproduktion. Trotzdem kann man Rinder natürlich nicht nur mit Fett füttern; sie brauchen Gras und Getreide. Hier wird aber schon viel herumexperimentiert, auch über die Futterzeiten kann man den Methanausstoß beeinflussen. Alles in allem könnte man mit solchen Maßnahmen den Ausstoß um immerhin 20 Prozent reduzieren.Soja und Getreide: Futter für Rinder hat negative Klimabilanz
Eins ist jedoch zu beachten: Das Methanrülpsen ist nicht der alleinige Grund für die schlechte Klimabilanz der Rinderhaltung. Ein entscheidender Faktor ist die Art der Haltung. Vor allem für Stallrinder muss das Futter extra angebaut werden – in Form von Soja oder Getreide. Diese Felder müssen gedüngt werden und dabei entsteht Lachgas. Die Treibhauswirkung von Lachgas ist um ein Vielfaches stärker als die von Methan. Außerdem werden für den Anbau von Soja in Südamerika große Regenwaldflächen gerodet – auch das schlägt sich negativ in der Klimabilanz nieder.Weiderinder belasten das Klima weniger als Stallrinder
Diese Negativ-Faktoren fallen bei Weiderindern größtenteils weg. Sie sind trotz ihres Methanausstoßes für den Klimawandel also bei Weitem nicht so schädlich wie Stallrinder.Fri, 7 Aug 2026 - 03min - 6742 - Sind Tattoos ungesund?
Tätowierfarben nicht lückenlos überprüfbar
Die Farben werden in die Haut eingebracht und bleiben dort. Sie machen sich aber auch auf den Weg durch die Lymphbahnen und in die Organe. Tätowierfarben werden nicht wie Arzneimittel über Leber und Niere entgiftet. Zu den einzelnen Tattoo-Farben gibt es zu wenig Forschung. Eigentlich bräuchten wir Arzneistudien, um die Farben zu beurteilen. Es gibt allerdings sehr viele unterschiedliche Farben; die Mischungen sind wild. Immerhin gibt es eine Verordnung über Farben, die nicht mehr verwendet werden sollen. Aber es sind bereits Alternativen verfügbar – und die sind nicht überprüft.Von Entzündung bis Hautkrebs – Tattoos sind unnötige Belastung des Körpers
Als Hautärztin empfinde ich das Tätowieren als unnötige Belastung des Körpers. Es kommt immer zu einer Entzündung, zu einer Abkapselung. Auch UV-Strahlung kann die Farben unter Umständen ändern und vielleicht giftiger machen. In der Praxis sehe ich auch manchmal Hautkrebs innerhalb der Tattoos – entweder, weil die Farben die Zellen vielleicht schneller mutieren lassen. Oder weil man den Hautkrebs nicht rechtzeitig erkennt. Denn die Vorsorge ist durch die Farbe hindurch nicht so leicht. Manchmal werden Leberflecken überstochen, obwohl Tätowierer darauf achten sollten. Die guten tun das auch.Unerwünscht: Tattoos in 3D
Ich habe Patienten gesehen, die durch das Tätowieren eine dicke Schuppenflechte entwickelt haben – da wurde der Drache plötzlich 3D. Oder Patienten, die nach dem Stechen eine Nesselsucht entwickelt haben. Das ist eine Art Quaddelallergie. Außerdem kommt es beim Tätowieren zu Infektionen und Narben. Das Thema Lymphome ist auch in der Diskussion; es wird gerade erforscht. Es geht dabei um die Frage, ob das Immunsystem Krebs entwickeln kann durch die Partikel, die es da bekämpft.Thu, 6 Aug 2026 - 01min - 6741 - Warum ist der Regenbogen ein Bogen?
Dass der Regenbogen rund ist, kann man darauf zurückführen, dass Wassertropfen rund sind. Ein Regenbogen entsteht, wenn die Luft leicht neblig ist. Dann sind Wassertropfen in der Luft. Um den Regenbogen sehen zu können, muss man die Sonne im Rücken haben. Dann passiert Folgendes: Die Sonne strahlt auf die Wassertröpfchen. Das Sonnenlicht trifft dabei meist schräg auf die Oberfläche des Tropfens, wird dabei gebrochen und in seine Farbbestandteile aufgespalten. Dadurch entstehen die Regenbogenfarben.
Wassertropfen wirken wie ein Prisma
Schauen wir den Weg des einzelnen Sonnenstrahls an: Der Strahl trifft vorne auf den Tropfen, wird gebrochen, geht durch den Tropfen durch und wird an der hinteren Seite des Tropfens, der Rückwand, zurückgeworfen. Er geht also zurück durch den Tropfen, verlässt ihn und erreicht schließlich das Auge des Betrachters. Da aber der Strahl in seine Farb-Bestandteile aufgebrochen wurde, wird nur ein bestimmter Ausschnitt des Farbspektrums in das Auge gelenkt. Welche Farbe das ist, hängt von dem Winkel ab. Man kann eine Verbindung ziehen von der Sonne zum Tropfen und von da wieder zum Auge des Betrachters. Dieser Winkel entscheidet darüber, welche Farbe der Betrachter zu sehen bekommt – grün, rot, blau, was auch immer. Beim Regenbogen sprechen wir aber nicht nur über einen einzelnen Tropfen, sondern über Tausende oder Millionen Tropfen. Jeder dieser Tropfen bildet mit dem Betrachter und der Sonne einen anderen Winkel. Wenn ich mir also vorstelle, dass ich einen bestimmten Tropfen anschaue, dann sehe ich in diesem Tropfen die roten Lichtanteile. Das orange oder gelbe Licht kommt dagegen von einem anderen Tropfen, der vielleicht etwas weiter rechts ist und einen anderen Winkel bildet.Regenbogen: Betrachter sieht vom Boden aus ein Kreissegment
Machen wir ein Gedankenexperiment: Stellen Sie sich einen riesigen Zirkel vor. Die Spitze des Zirkels stechen wir an die Stelle, an der wir als Betrachter stehen. Jetzt ziehen wir aber mit dem Zirkel keinen Kreis auf den Erdboden, sondern halten ihn etwas schräg – der Kopf würde dabei in die Richtung der Sonne zeigen. Der Zirkel ist in einem bestimmten Winkel geöffnet. Jetzt stellen wir uns vor, mit diesem Zirkel würden wir einen Halbkreis in die Luft zeichnen. Diese Linie verbindet dann alle Punkte – in unserem Fall also: alle Tropfen, die mit Sonne und Beobachter denselben Winkel bilden. Alle Tropfen, von denen violettes Licht zu uns gelangt, bilden dabei einen Bogen. Alle, von denen grünes, gelbes und rotes Licht zu uns gelangt, bilden auch jeweils einen Bogen. Und all diese einzelnen Bögen zusammen bilden dann den Regenbogen.Wed, 5 Aug 2026 - 02min - 6740 - Wie viel Sonnencreme sollte man auftragen?
Für Sonnencreme gilt: viel hilft viel!
Beim Thema Sonnencreme gilt: Viel hilft viel. Das heißt konkret: Fürs Gesicht zwei Fingerlängen Sonnencreme. Wer in Badehose oder Bikini rausgeht, sollte anderthalb bis zwei Schnapsgläser voll Sonnencreme auf dem Körper verteilen. Das ist eine gute Orientierung.Ohren, Scheitel, Glatze: "Sonnenterrassen" nicht vergessen
Wichtig ist, vor dem Sonnenbad an die Areale zu denken, die man leicht vergisst: die Stellen hinter den Ohren, evtl. Scheitel oder Glatze – je nach Frisur. Die "Sonnenterrassen" sind besonders gefährdet: das Ohr oben, der Nasenrücken, die Jochbeine und je nach Anatomie die Oberlippe oder die Unterlippe – der Teil des Mundes, der hervorsteht. Wichtig ist also: Vor dem Sonnenbad bewusst eincremen. Und wichtig ist auch, nachzucremen, wenn man geschwitzt hat oder baden war.Motto: meiden, kleiden, cremen
Noch besser ist es, wenn man nach folgendem Motto handelt: meiden, kleiden, cremen. Das heißt: Man sollte sich nicht in die pralle Sonne hauen, sondern in den Schatten gehen. Man sollte die Mittagssonne meiden. Und man sollte an die Kleidung denken. Die sollte dicht gewebt, aber locker sein. UV-Schutzkleidung für Kinder sollte dem Standard 801 entsprechen. Die Schutzkleidung darf im Wasser nicht durchsichtig werden, denn sonst bekommt man auch durch ein helles T-Shirt einen Sonnenbrand.Mon, 3 Aug 2026 - 01min - 6739 - Warum heißt New York auch "Big Apple"?
New York City – lebendig und verführerisch
Zur Herkunft der Bezeichnung "Big Apple" für New York könnte man alle möglichen Spekulationen anstellen: War die Stadt einst berühmt für ihre Apfelbäume? Nein. Mit der Computerfirma von Steve Jobs kann es auch nichts zu tun haben, denn die kam erst später und ist an der Westküste angesiedelt. Schon Anfang der 1970er-Jahre gab es eine große Werbekampagne, um Touristen anzuziehen. Da wurde das zum Slogan des Stadtmarketings. "Big Apple" sollte sich einprägen, der Apfel in den Prospekten zum wiedererkennbaren Logo werden. Der rote, knackige, saftige Apfel sollte stehen für eine vor Leben strotzende, vielleicht auch verführerische Stadt – und das hat sich eingeprägt.Früheste Quelle mit Verweis auf den Apfel: Buch von 1909
Allerdings haben sich das die Marketingleute nicht einfach so ausgedacht; der Ausdruck "Big Apple" war schon vorher da. Die erste Erwähnung findet sich im Jahr 1909. Damals erschien ein Buch des Schriftstellers Edward S. Martin – er war unter anderem Herausgeber des Life Magazines. Das Buch hieß "The wayfarer". Darin findet sich ein Zitat über die Leute aus dem Mittleren Westen, aus Kansas, die New York als eine gierige Stadt betrachten und finden, dass "der große Apfel" – eben New York, "einen unangemessen großen Anteil des nationalen Saftes abbekommt". Das ist die früheste Quelle, in der New York als Big Apple bezeichnet wird.Pferdesport und Jazz greifen Ausdruck "Big Apple" auf
Der Ausdruck "Big Apple“ war also wohl schon gängig, wurde von verschiedenen Seiten am Leben gehalten. Da war zum einen der Pferderennsport der 1920er-Jahre. Pferderennen waren in New York sehr beliebt. Und die Preise für die Sieger waren entsprechend hoch. Und wer da gewonnen hat, von dem hat man gesagt, er habe den Big Apple gewonnen. Das allein hätte sich aber vielleicht noch nicht so in den Köpfen festgesetzt, wenn es nicht einen Sportjournalisten beim New York Morning Telegraph geben hätte: John Fitz Gerald benannte nach diesem Umstand seine regelmäßige Pferdesport-Kolumne: "Around the Big Apple". Er sagt, er hätte das in New Orleans aufgeschnappt, wo die Pferderennen etwas niedriger dotiert waren und wo die Reiter und ihre Stallknechte neiderfüllt von New York als der Stadt sprachen, wo man ordentlich abkassieren konnte – wo es den Big Apple zu gewinnen gab. Da dachte man wohl auch an die Pferde, die sich beim Rennen einen großen Apfel verdient haben, aber gemeint war natürlich das große Geld, das ihre Reiter mit nach Hause getragen haben. Später haben dann Jazzmusiker den Ausdruck aufgegriffen. Es gibt viele Jazz-Stücke der 1930er-Jahre, wo New York als Big Apple bezeichnet wird. Der Begriff hat sich also offenbar schon früh eingebürgert – bevor er dann in den 1970er-Jahren von der Stadt aktiv fürs Marketing benutzt wurde.Mon, 3 Aug 2026 - 02min - 6738 - Woher kommt "Die Kirche im Dorf lassen"?
Im Dorf nicht übertreiben mit dem Prozessionseifer
Warum man "die Kirche im Dorf lassen" soll – dazu gibt es zwei halbwegs plausible Erklärungen. Die eine geht so: Der Ausdruck geht auf die Zeit zurück, in der die katholische Kirche noch viele Prozessionen auf dem Land durchführte. Dummerweise haben Dörfer aber die Eigenschaft, dass sie klein sind. Eine Prozession, die von einem Ende des Dorfes zum anderen geht, wäre also schnell zu Ende und machte nicht viel her. Und wenn weitere Gläubige aus der Umgebung teilnehmen würden, platzte das Dorf schnell aus allen Nähten. Also gab es Bestrebungen, die Prozessionen außerhalb der Dörfer auszutragen, sodass die Kirche – gemeint war nicht das Kirchhaus, sondern die Kirchengemeinde – sich aus dem Dorf herausbegeben musste. Das stieß jedoch auf Widerstand. Viele meinten: Nein, die Kirche – das Kirchenleben – gehört ins Dorf. Da soll man es doch belassen, auch wenn die Prozession dann eben kleiner ausfallen mag. – Das passt auch zur heutigen Bedeutung des Ausdrucks "Die Kirche im Dorf lassen" im Sinne von: Lasst es uns nicht übertreiben, es geht auch eine Nummer kleiner.Eine Frage der Macht: Als Dorfkirchen über Stadtkirchen regierten
Eine weiter mögliche Erklärung führt den Ausdruck auf das späte Mittelalter zurück. Dort wurde der Ausdruck zum ersten Mal nachgewiesen, auch in Frankreich. Bis ins späte Mittelalter hinein wurden neue Siedlungen in enger Zusammenarbeit mit der Kirche gegründet. Die Kirche war im Dorf verwurzelt; sie war Kristallisationskern neuer Siedlungen. Diese Dorfkirchen regierten anfangs auch über viele Stadtkirchen. Beispiel Ulm: Bevor das Ulmer Münster gebaut wurde, lag die für Ulm zuständige Pfarrkirche außerhalb der Stadt. Verwaltet wurde sie auch nicht von Ulm, sondern vom Kloster Reichenau. So war es in vielen Städten. Die Städte hatten über ihre Kirchen wenig zu sagen, denn die wurden organisatorisch von Pfarrkirchen auf dem Land verwaltet. Das änderte sich im späten Mittelalter, als die Kathedralen gebaut wurden. Da wurden die Stadtgemeinden nach und nach so groß und mächtig, dass sie sich nicht mehr von den Dorfpfarreien regieren lassen wollten und sich von ihnen abkapselten. Das wiederum passte den Dorfpfarreien nicht. Denn die fürchteten, an Bedeutung zu verlieren, wenn sich die Städte alle von ihnen loslösten. Deshalb gaben sie die Parole aus: Man möge doch die Kirche im Dorf lassen, also da, wo sie traditionell gewachsen ist. Der Vorteil dieser Erklärung ist: Sie passt ein bisschen besser zu den historischen Quellen. Der Nachteil ist: Der Bezug zur heutigen Verwendung dieses Ausdrucks ist weniger deutlich.Sun, 2 Aug 2026 - 02min - 6737 - Warum verlieben wir uns? Was ist der Unterschied zu Liebe?
Warum wir uns verlieben, ist eine der großen Fragen nicht nur der Wissenschaft, sondern überhaupt des Lebens … Was passiert im Gehirn, wenn wir verliebt sind? Die Hirnforschung hat hierzu in den vergangenen Jahren ein paar Erkenntnisse hervorgebracht. Insbesondere die US-amerikanische Anthropologin Helen Fisher (1945 – 2024) war sehr aktiv. Inzwischen erforschen aber auch viele andere Wissenschaftler die neurologischen Grundlagen des Liebesverhaltens.
Unter Drogen: Im Gehirn von Verliebten wird Dopamin ausgeschüttet
Oberflächlich betrachtet ähnelt Verliebtsein einem Suchtverhalten. Wenn wir glücklich verliebt sind – wir also unsere "Droge" bekommen – wird im Gehirn Dopamin ausgeschüttet und das Belohnungssystem aktiviert. Wenn sich dagegen der oder die Angebetete rarmacht, bekommen wir so etwas wie Entzugserscheinungen. Es gibt tatsächlich erstaunlich viele Parallelen zur Sucht, allerdings mit einer wesentlichen Einschränkung: Eine Drogensucht hört normalerweise nicht von allein auf. Sich das Rauchen abzugewöhnen, ist schwer.Unterschied zwischen Verliebtsein und Liebe im Gehirn nachweisbar
Das erste Verliebtsein dagegen endet fast immer irgendwann – entweder es erlischt oder geht in Liebe über. Helen Fisher hat gezeigt, dass Verliebtsein und Liebe hirnphysiologisch völlig unterschiedliche Prozesse sind. Das Verliebtsein spielt sich mehr in den älteren archaischen Hirnregionen ab. Bei der Liebe dagegen sind mehr Bereiche des Cortex, also der Großhirnrinde, beteiligt. Dort werden auch bewusste Erinnerungen verarbeitet.Bei der Liebe wirken Bindungshormone wie Oxytocin
Ein weiterer Unterschied: Beim Verliebtsein ist viel Dopamin im Spiel, bei der dauerhaften Liebe sind es eher die Bindungshormone wie Oxytocin. Diese Unterschiede entsprechen auch der Alltagserfahrung. Grob gesagt: Liebe beruht auf Vertrautheit. Es ist das Gefühl einer starken Verbundenheit zu jemandem, den wir kennen, mit all seinen Eigentümlichkeiten und Schrullen. Liebe ist ein Gefühl der Zugehörigkeit zwischen zwei Menschen. Verliebtheit ist eine Stufe davor. Es ist der dringende Wunsch, jemandem nahe zu sein, näherzukommen, selbst wenn wir ihn oder sie noch nicht so gut kennen. Das ist aber vereinfacht und zugespitzt. Letztlich sind "Liebe" und "Verliebtsein" Begriffskonstrukte, von denen jeder eine bestimmte Vorstellung hat, bei denen es aber sehr viele verschiedene Schattierungen gibt, gerade in Bezug auf den Begriff "Liebe".Verliebtsein überwindet die intuitive Distanz zu anderen
Die zweite Ebene, die evolutionäre, gibt Hinweise darauf, warum wie uns überhaupt verlieben. Gerade durch den Unterschied zwischen Liebe und Verliebtsein wird das deutlich. Lieben – diese starke Verbundenheit fühlen – setzt eine Vertrautheit, ein Kennen voraus. Dazu müssen wir aber erst mal jemanden gut kennenlernen. Da wir aber in einer sozialen Gemeinschaft leben und nicht jeden so nah an uns heranlassen können und wollen, weil wir nicht wissen, wem wir wie weit vertrauen können, halten wir zu den meisten Menschen intuitiv einen gewissen Abstand. Um aber eine Familie zu gründen und eine Liebesbeziehung einzugehen, müssen wir diesen Abstand überwinden. Dazu dient vermutlich das Verliebtsein: Es erzeugt einen so starken Wunsch nach Nähe zu einer ganz bestimmten Person, dass wir die gewöhnlichen Schranken durchbrechen und zu einem bis dahin noch fremden Menschen eine vertraute und irgendwann intime Beziehung eingehen, die dann in Liebe übergehen kann.Verliebtheit und Liebe – mehr als Sex und Fortpflanzung
Wenn es nur darum ginge, sich fortzupflanzen, müssten wir nicht unbedingt verliebt sein – der reine Spaß am Sex würde völlig reichen. Die meisten Tiere pflanzen ich fort, ohne in romantischen Gefühlen zu schmachten.Babys brauchen viel Schutz und Fürsorge
Das besondere beim Menschen ist allerdings, dass Babys in einer sehr frühen Phase ihrer Entwicklung auf die Welt kommen. Sie sind daher noch lange auf elterliche Betreuung angewiesen. Für das Überleben ist es von Vorteil, wenn die Mutter, die das Baby zur Welt bringt, einen Partner hat, der sich für das Kind mitverantwortlich fühlt. Das geht über die Liebe. Die Liebe ist der Kitt, der ein Elternpaar zusammenhält. Aber das Vehikel, dass es erst einmal zusammenfindet, scheint das Verliebtsein zu sein.Sat, 1 Aug 2026 - 04min - 6736 - Wie schnell kann ein Mensch vom Himmel fallen?
Rekord: 1.357,6 km/h
Rekordhalter ist der österreichische Extremsportler Felix Baumgartner (1969 - 2025). Er hat im Oktober 2012 im freien Fall eine Geschwindigkeit von 1357,6 km/h erreicht und damit als bisher einziger Mensch die Schallmauer durchbrochen. Das ist die empirische Antwort auf die Frage. Man kann sich hier aber auch physikalisch nähern.Wirkung von Gravitationskraft und Luftwiderstand
Zwei Faktoren sind für die Fallgeschwindigkeit entscheidend: Die Gravitationskraft der Erde und der Luftwiderstand. Die Erdanziehung wirkt auf alles, was herunterfällt, gleich: Ein Mensch wird genauso stark beschleunigt wie ein herunterfallendes Blatt oder ein Regentropfen, nämlich mit der sogenannten Erdbeschleunigung von 9,81 m/s². Das bedeutet: Ohne Luftwiderstand würden wir im freien Fall pro Sekunde 9,81 m/s – das sind umgerechnet 35 km/h – schneller: Nach zwei Sekunden fallen wir mit 70 km/h, nach 3 Sekunden mit 105 km/h und so weiter. Nach einer Minute hätten wir dann schon eine Geschwindigkeit von 2.100 Stundenkilometern – hätten also längst die Schallmauer durchbrochen. Dass es so weit nicht kommt, liegt am Luftwiderstand. Dieser nimmt mit der Geschwindigkeit überproportional zu und irgendwann gleicht sich das aus: Der Mensch wird dann durch die Anziehungskraft der Erde genauso stark beschleunigt, wie er gleichzeitig durch den Luftwiderstand wieder gebremst wird. Und dann wird er nicht mehr schneller.Fallschirmspringer erreichen etwa 200 km/h
Beim normalen Fallschirmspringer passiert das schon nach 6 bis 7 Sekunden. Ein Fallschirmspringer erreicht also meist eine Geschwindigkeit von ungefähr 200 km/h – und irgendwann öffnet sich dann hoffentlich der Fallschirm. Allerdings nehmen Fallschirmspringer eine besondere Position ein: Sie machen sich breit, fliegen auf dem Bauch liegend und strecken die Arme und Beine schräg von sich. Das erhöht den Luftwiderstand. Wenn man stattdessen mit den Füßen nach unten springen würde – so wie die meisten im Schwimmbad vom 5-Meter-Brett springen – kann man deutlich schneller werden. Und noch windschnittiger wird man, wenn man mit dem Kopf nach unten springt.Wie man die Schallmauer durchbrechen kann
Baumgartner gelang es, die Schallmauer zu durchbrechen, weil er von sehr weit oben gestartet ist. Er ist mit einem Heliumballon bis in eine Höhe von 39 km aufgestiegen. Also fast viermal so hoch wie ein normales Passagierflugzeug. In dieser Höhe ist die Luft so dünn und damit der Luftwiderstand so gering, dass er zumindest in der ersten Minute noch kaum abgebremst wird. Deshalb hat er nach einer halben Minute die Schallmauer durchbrochen. Aus so einer Höhe springt man natürlich nicht so einfach runter: Felix Baumgartner hatte einen Druckanzug an und hat sich jahrelang auf den Sprung vorbereitet. Beraten wurde er dabei von Joseph Kittinger. Kittinger war der letzte, der vor ihm ähnliches gewagt hatte: Der US-Kampfpilot und Extrem-Ballon-Fahrer ist 1960 aus 30 Kilometer Höhe abgesprungen und hat 988 km/h erreicht.Fri, 31 Jul 2026 - 03min - 6735 - Warum läuft Silber an?
Das klingt wie ein Widerspruch: Silber ist ja ein Edelmetall. Und Edelmetalle heißen deshalb so, weil sie beständig sind und zum Beispiel nicht rosten, also nicht oxidieren.
Schwefelwasserstoff greift das Silber an
Obwohl Silber ein Edelmetall ist, läuft es an. Dieses Anlaufen ist auch eine Form von Oxidation. Unter Oxidation verstehen wir meist, dass sich ein Stoff mit Sauerstoff verbindet. Allerdings kann es in der Chemie auch andere Formen der Oxidation geben, etwa mit Schwefel. Genau das passiert mit dem Silber unter bestimmten Bedingungen. Vor allem Schwefelwasserstoff kann das Silber angreifen – Schwefelwasserstoff, chemisch H2S, gibt es in Spuren überall in der Luft.Eier und Fisch lassen Silberbesteck anlaufen
Wenn die Konzentration von Schwefelwasserstoff stärker ist, kann man das riechen: Das ist der berühmte Faule-Eier-Geruch. Der heißt deshalb so, weil Eier diese Schwefelwasserstoffverbindungen verstärkt enthalten. Genauso wie Fisch. Deshalb läuft Silberbesteck vorzugsweise dann an, wenn wir damit Eier oder Fisch essen. In dieser Konstellation passiert dann bei einem Silberlöffel Folgendes: Die Oberfläche des Silbers nimmt aus dem Schwefelwasserstoff den Schwefel weg und wird zu "Schwefelsilber", also: Silbersulfid. Das hat diesen bräunlich-schwarzen Farbton, den wir als "angelaufen" bezeichnen. Das sieht nicht schön aus, ist aber nicht giftig.Thu, 30 Jul 2026 - 01min - 6734 - Warum dreht sich der Uhrzeiger rechtsherum?
Erste Räderuhren um 1300 in Italien
Als die Uhren mit Zeiger erfunden wurden, wäre es egal gewesen, ob die Zeiger sich links- oder rechtsherum drehen. Beides wäre möglich gewesen. Aber schon früh, als die ersten Uhren aufkamen, gab es das Bedürfnis nach Einheitlichkeit. Die ersten Räderuhren, bei denen sich Zeiger drehten, hingen an Kirchtürmen und Rathäusern in Europa, genauer in Italien. Das war um 1300 herum. Es wäre für die Menschen verwirrend gewesen, wenn sich die eine Uhr links-, die andere rechtsherum dreht. Deshalb gab es ein Bedürfnis, das festzulegen. Mir ist keine Quelle bekannt, aus der hervorgeht, warum sich die rechtsdrehende Uhr durchgesetzt hat. Die gängige Vermutung ist, dass die frühen Uhrenbauer sich an dem orientiert haben, was sie schon kannten – und das war die Sonnenuhr. Das Prinzip kennt jeder: Ein Stab ragt aus einer ebenen Fläche heraus und wirft einen Schatten; dieser Schatten bewegt sich mit der Sonne. In Europa bewegt sich die Sonne im Tagesverlauf rechtsherum: Von Osten über den Süden nach Westen – entsprechend bewegt sich der Schatten einer Sonnenuhr. Da die mechanischen Uhren in Europa erfunden wurden, wurden sie so gebaut, dass der Stundenzeiger sich analog dazu in die gleiche Richtung dreht: rechtsherum. Das bedeutet auch: Wäre die Uhr auf der Südhalbkugel erfunden worden, würden sich die Zeiger heute vielleicht andersherum drehen. Denn von dort aus schaut man in der entgegengesetzten Richtung auf die Sonne. Somit bewegt sie sich dort im Tagesverlauf linksherum.Ist der Stundenzeiger eine Anlehnung an den Schatten der Sonnenuhr?
Fast. Der Unterschied ist, dass sich der Stundenzeiger bei den gängigen Uhren doppelt so schnell dreht. Der Schatten einer Sonnenuhr nimmt jede Position nur einmal am Tag ein. Der Stundenzeiger einer Uhr dagegen macht zwei volle Umdrehungen pro Tag an. Er dreht sich auf dem Ziffernblatt zweimal von 12 bis wieder 12, zeigt also zweimal pro Tag die gleiche Zeit an. Es gibt aber Ausnahmen – eine bekannte ist der Uhrturm von San Marco in Venedig. Auch da dreht sich der Zeiger rechtsherum, aber das Zifferblatt ist in 24 Stunden unterteilt. Der Stundenzeiger bewegt sich somit vom Rhythmus analog zur Sonne. Aber die Regel ist bis heute das 12-Stunden-Zifferblatt. Gegen die Theorie, dass die Sonnenuhr als Vorbild gedient hat, gibt es allerdings auch einen berechtigten Einwand: Der Schatten einer Sonnenuhr dreht sich nämlich nur dann rechtsherum, wenn man von einem Stab ausgeht, der im Boden steckt. Es gab allerdings schon früh – bereits im Alten Ägypten – Sonnenuhren, die an Wänden angebracht waren. Und da ist es genau umgekehrt. Durch die veränderte Situation wandert der Schatten hier linksherum. Wir wissen, dass die ersten mechanischen Uhren ebenfalls an Wänden angebracht waren, eben an Rathäusern und Kirchtürmen. Insofern wäre es für die Uhrenbauer fast noch naheliegender gewesen, sich an diesen Wand-Sonnenuhren zu orientieren und die Uhren linksherum laufen zu lassen. Und doch hat sich die Rechtsdrehung durchgesetzt. Wie gesagt, die gängige Annahme ist, dass es mit der primitiven Sonnenuhr am Boden zu tun hat. Aber ich kenne keine historische Quelle, die zeigt, dass die frühen Uhrenbauer so argumentiert haben. SWR 2011 / 2026Wed, 29 Jul 2026 - 03min - 6733 - Warum können Papageien sprechen?
Papageien passen sich Artgenossen an
Papageien plappern nicht nur Menschen nach – dieses Phänomen entsteht eher als Nebeneffekt einer viel grundlegenderen Eigenschaft: Papageien passen sich anderen Papageien an. Die Heimat des Papageien ist der Regenwald, dort leben sie in Gruppen. Innerhalb dieser Gruppen gibt es – wie in sozialen Gruppen bei Menschen auch – oft einen vorherrschenden Klang, einen Slang, an dem sich die Mitglieder der Gruppe gegenseitig erkennen und von anderen abgrenzen. Diesen Slang können sich Papageien aneignen. Andere Vögel machen das in gewissen Grenzen auch, nur anders. Singvögel singen. Papageien haben bekanntlich keine besonders schönen Singstimmen – da hat das Plappern die Rolle übernommen, die bei anderen Vögeln das Singen hat.Dicke Papageien-Zunge bringt viele Laute hervor
Bei den Papageien wird auch geplappert, wenn ein Männchen einem Weibchen imponieren will: Die Nachtigall- und Blaumeisenmännchen singen, der Papagei plappert – weil er dafür von der Natur ausgestattet ist. Der Stimmapparat der Papageien ist primitiver als der der meisten anderen Vögel, dafür haben sie eine dicke Zunge, mit der sie sehr viele verschiedene Laute hervorbringen können.Papagei und Mensch: nachahmen, aber nicht verstehen
Eigentlich nutzen die Vögel ihre Fähigkeit zur Kommunikation und Anpassung in ihrer Papageiengruppe. Wenn sie aber bei Menschen aufwachsen, wird der Mensch zu ihrer Bezugsperson und so ahmen sie ihn nach. Sie können auch lernen, "Wörter" bestimmten Situationen oder Kontexten zuzuordnen und entsprechend dann zu "sagen". Dies bedeutet aber nicht, dass Parageien die Bedeutung der einzelnen Wörter wirklich verstehen.Tue, 28 Jul 2026 - 01min - 6732 - Warum "drücken" wir jemandem "die Daumen"?
Früher Hinweis auf das "Daumendrücken" bereits bei Plinius dem Älteren
Den Ausdruck kannten offenbar schon die alten Römer, für die das Daumendrücken zu tun hatte mit "jemandem Glück wünschen", "jemanden in Gedanken unterstützen". Belegt wird das durch ein Zitat des römischen Naturforschers Plinius des Älteren. Der hat im ersten Jahrhundert nach Christus das gesammelte naturkundliche Wissen der damaligen Zeit zusammengetragen. In dieser Art Enzyklopädie gibt es ein Kapitel über Heilmittel. Dort findet sich der Satz: Pollices, cum faveamus, premere etiam proverbio iubemur: "Schon das Sprichwort fordert uns auf, die Daumen zu drücken, wenn wir jemandem geneigt sind". Dieser Satz lässt darauf schließen, dass es schon damals ein entsprechendes Sprichwort bzw. eine Redensart gegeben hat.Daumen-Geste bei Gladiatorenkämpfen im alten Rom
Das Drücken des Daumens war offenbar auch eine übliche Geste bei Gladiatorenkämpfen. Oft hört man, dass das Publikum bei diesen Kämpfen auch mit dem Daumen über das Schicksal von Gladiatoren abgestimmt hat, wobei sehr umstritten ist, ob es wirklich so war, wie es oft dargestellt wird: Also ob das berühmte "Daumen hoch" den Wunsch nach Gnade ausdrückte und "Daumen runter" ein Todesurteil zum Ausdruck bringen sollte – das ist historisch nicht klar überliefert und manches spricht dafür, dass es umgekehrt war. Aber mit dem gedrückten Daumen brachte das Publikum offenbar seine Sympathie für einen Gladiator zum Ausdruck und somit auch seinen Wunsch, dass dieser Gladiator am Leben bleibt. Aus dieser Zeit hat sich das Daumendrücken übers Mittelalter bis in die heutige Zeit gerettet. Auch die Geste des "Stinkefingers" geht auf die alten Römer zurück.Fri, 24 Jul 2026 - 01min - 6731 - Macht KI dumm, denkfaul und unkritisch?
Einsatz künstlicher Intelligenz: Deskilling als Gefahr?
Der Kern der Frage ist: Gehen Kompetenzen verloren, wenn man Dinge, die man bisher mit dem eigenen Kopf gemacht hat, einer Maschine überträgt? Einen Ausdruck gibt es dafür bereits: "Deskilling" – das ist das Verlieren von Kompetenzen. Aber wie gut ist das im Fall von KI durch Studien belegt? Es gibt ja Analogien: Wer selbst einfache Aufgaben mit dem Taschenrechner rechnet, verliert Übung im Kopfrechnen. Wer sich immer nur mit dem Navi von A nach B bewegt, bekommt weniger Gefühl für die räumliche Struktur einer Umgebung. Und so weiter.Use it or lose it
Ein gängiger Satz in der Fachwelt lautet: "Use it or lose it". Frei übersetzt: Kognitive Fähigkeiten, die man nicht benutzt, gehen verloren. Doch nur weil der Effekt bei Taschenrechnern und Navis bekannt ist, ist das noch kein Beweis dafür, dass das auch für generative KI gilt. Außerdem gibt es viele Arten, KI zu nutzen. Wer mit Hilfe von KI vor allem administrative Routine-Aufgabe erledigt, läuft vermutlich nicht Gefahr, "aus dem Denk-Training" zu kommen In anderen Fällen ist das nicht so klar: Wenn sich Leute daran gewöhnen, komplexe Texte durch KI zusammenfassen lassen – verlieren sie dann die Fähigkeit, komplexe Texte selbst zu durchdringen? Wenn Leute ihre eigenen Texte nur noch per KI schreiben, verlieren sie dann die Fähigkeit, selbst gute Texte zu fabrizieren?Harte Daten und Langzeitstudien liegen noch nicht vor
Für all diese Fragen bräuchte es empirische Langzeitstudien. Nun gibt es aber ChatGPT erst seit 2022. Und es hat noch ein bisschen gedauert, bis diese generativen Sprachmodelle wirklich zum Alltagswerkzeug einer breiten Masse wurden. Harte Daten, die zeigen, dass, wer eigene Denkaufgaben an die KI auslagert, auch Kompetenzen verliert, gibt es praktisch nicht. Man kann sich der Frage aber auch anders nähern. Es ist zum Beispiel gut belegt, dass wir Dinge besser lernen und verstehen, wenn wir sie selbst schreiben oder auch zeichnen oder visualisieren. Dann prägen sich Zusammenhänge besser ein. Das eigene Schreiben hilft, komplexe Sachverhalte zu durchdringen. Und ebenso ist belegt, dass sich Gedanken beim Schreiben selbst nochmal klarer sortieren oder wir sogar auf neue Ideen und Gedanken kommen. Das heißt: Beim Schreiben dokumentieren wir nicht nur, was wir schon wissen, sondern wir produzieren dabei auch neues Wissen und neue Gedanken. Wenn wir das aber der KI überlassen, findet dieser kreative Impuls durch das eigene Schreiben nicht mehr statt. Und das, womit wir uns beschäftigen, bleibt auch weniger gut im Gedächtnis.Oberflächenwissen versus Tiefenverständnis
Insofern ist die Annahme plausibel: Je mehr wir KI für solche Aufgaben nutzen, desto weniger gut verinnerlichen wir Zusammenhänge. Das geht auf Kosten "des Tiefenverständnisses". Diese Annahmen klingen plausibel, lassen sich aber, wie gesagt, noch nicht durch Langzeitstudien belegen. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Meta-Meta-Studieniederländischer Forscher aus dem Jahr 2026. Und selbst wenn es so wäre, wenn die Regel "Use it or lose it" auch für KI gilt, bedeutet eben: Nicht die aktive Nutzung von KI führt dazu, dass ich bestimmte kognitive Fähigkeiten verliere, sondern es ist nur die Nicht-Nutzung meines eigenen Kopfes. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. Wichtig ist auch der Unterschied zwischen spezifischen und allgemeinen Kompetenzen. Noch mal das Beispiel mit dem Navi: Ja, die Nutzung von Navigationsgeräten führt dazu, dass wir die räumliche Struktur einer Gegend weniger gut verinnerlichen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass wir das grundsätzlich nicht mehr könnten, wenn es darauf ankäme. Und so ist es bei KI auch: Es kann sein, dass ich Inhalte weniger gut verinnerliche, wenn ich KI genutzt habe. Doch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass ich grundsätzlich nicht mehr in der Lage wäre, z.B. komplexe Zusammenhänge zu durchdringen. Das könnte aber ein Langzeiteffekt sein. Wir wissen es nicht, da es nicht gut untersucht ist.Deskilling – ein normaler Prozess im Lauf der Zivilisation?
Die Frage ist auch: Wäre das denn überhaupt so schlimm? Oder ist das nicht einfach der Gang der Zivilisation: Neue Techniken führen zu einem Deskilling, zu einem Verlust bestimmte Fähigkeiten, die nicht mehr so wichtig sind.Menschen neigen dazu, sich zu sehr auf KI zu verlassen
Darauf gibt es vermutlich keine einfache Antwort, zumal sie davon abhängt, was man unter "schlimm" versteht. Doch eine Gefahr, die im Zusammenhang mit KI diskutiert wird, ist die Sorge, dass kritisches Denken verloren geht. Denn erstens: Je weniger tief ich Zusammenhänge durchdringe, desto weniger hinterfrage ich, wie fundiert bestimmte Behauptungen sind. Und desto weniger fallen mir vielleicht auch Ungereimtheiten auf. Und ein weiterer Effekt: Menschen neigen dazu, Dinge, die ihnen eine Maschine sagt, für besonders relevant und vertrauenswürdig zu halten und eben nicht mehr zu hinterfragen. Dieser Effekt nennt sich Automation Biasund könnte auch dazu führen, dass wir unkritischer werden, wenn wir uns auf KI verlassen. Das kennen wir aus dem Alltag: Obwohl bekannt ist, dass KI teilweise Informationen und Quellen erfindet und auch oft nicht gut zwischen wichtig und unwichtig unterscheidet, kennen wir vermutlich alle Menschen, die in einem Gespräch mal schnell schauen, was die KI zum jeweiligen Thema sagt, als ob das ein besonderes Gewicht hätte.KI verführt dazu, es sich kognitiv bequem zu machen
Auch das bedeutet nicht, dass KI generell unkritisch macht. Aber sie verführt mindestens im Einzelfall dazu, es sich kognitiv bequem zu machen und der Maschine zu vertrauen.Weitere Quellen
Deutscher Ethikrat: Mensch und Maschine – Herausforderungen durch Künstliche IntelligenzWhy are people’s decisions sometimes worse with computer support?Mon, 20 Jul 2026 - 04min - 6730 - Wie endet das Universum?
Das Universum begann einmal sehr klein mit dem Urknall; seitdem expandiert es. Astronomen können beobachten, dass sich die Galaxien immer weier voneinander entfernen. Andererseits gibt es die Schwerkraft, die dazu führt, dass sich Materie zusammenklumpt. So sind einst die Sterne und Galaxien entstanden, und so entstehen auch Schwarze Löcher: Materie zieht sich gegenseitig an.
Es könnte ein neuer Urknall kommen – oder das Universum endet im Strahlenbrei
Nun gibt es mehrere Möglichkeiten: Entweder die Expansion des Universums wird immer langsamer und hört irgendwann auf. Dann wird sich alles aufgrund der Schwerkraft wieder zusammenziehen, vielleicht sogar bis an einem Punkt wie ganz am Anfang. Und dann könnte – so sagen Astrophysiker – auf diese Kontraktion ein neuer Urknall folgen. Das Universum würde also bildhaft gesprochen "atmen": Ein paar Billionen Jahre dehnt es sich aus, dann zieht es sich wieder zusammen, und dann geht alles von vorne los. Die zweite Möglichkeit: Die Expansion geht immer weiter. Im Moment scheint das der wahrscheinlichere Fall zu sein. Die Hinweise verdichten sich, dass sich die Expansion sogar noch beschleunigt. Dafür machen die Astrophysiker die sogenannte "dunkle Energie" verantwortlich, von der sie nicht so genau wissen, was das ist – deshalb "dunkel". Solange die Forscher jedoch nicht wissen, worauf diese dunkle Energie beruht, ob sie immer gleich ist, oder sie mit der Zeit stärker oder schwächer wird, bleibt alles Spekulation. Ein Szenario ist, dass durch diese dunkle Energie nicht nur die Galaxien immer weiter auseinanderdriften, sondern auch die Materie selbst, die von den Sternen übrig bleibt. Irgendwann würde sie sogar die Elementarteilchen auseinanderreißen. Es würde dann keine Materie-Teilchen mehr geben, sondern das ganze Universum wäre ein einziger, über den gesamten Kosmos gleich verteilter kalter Strahlenbrei.Wann könnte das passieren?
Aus unserer Wahrnehmung in einer Ewigkeit, nämlich in ein paar Hundert Billiarden Jahren. Zum Vergleich: Seit dem Urknall sind etwa 14 Milliarden Jahre vergangen. Wenn man nun diesen Strahlenbrei als das Ende ansieht, hätte unser Universum zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal ein Tausendstel seines "Lebens" hinter sich.Würde mit dem Strahlenbrei das Universum mutmaßlich enden?
Das ist die große Frage. Möglichkeit 1: Ja, der Strahlenbrei ist das Ende. Nichts passiert mehr, es herrscht Stagnation. Eine 2. Möglichkeit hat vor wenigen Jahren der große Mathematiker Roger Penrose vorgeschlagen. Er sagt: In diesem Endzustand gibt es keine Zeit mehr. Die Raumzeit – das wissen wir durch Einstein – wird ja erst durch Masse und Gravitation erzeugt. Wenn die Welt aber nur noch aus Strahlung besteht – und das heißt aus masselosen Teilchen, die mit Lichtgeschwindigkeit hin- und herfliegen – dann hört auch die Zeit auf zu existieren. Und da sagt Penrose: Das ist genau wie beim Urknall ganz am Anfang. Das heißt, obwohl der Urknall – extrem heißer Urzustand, die ganze Welt auf engstem Raum – eigentlich das genaue Gegenteil ist vom mutmaßlichen Ende, dem kalten Strahlenbrei in einem extrem expandierten Universum, können die beiden Zustände mathematisch ineinander übergehen. Das heißt für ihn, aus dem Strahlenbrei könnte ein neuer Urknall hervorgehen und damit buchstäblich eine neue Zeit entstehen. Er spricht von Zyklen der Zeit. Eine faszinierende Vorstellung. Aber letztlich muss man sagen: All das sind graue Theorien. Aber zumindest zur Frage, wann das (heutige) Universum enden wird, kann man wohl sagen: Es hat noch deutlich mehr Zeit vor sich als hinter sich.Sat, 18 Jul 2026 - 04min - 6729 - Warum sieht man sich in einem Löffel verkehrt herum?
Gewölbte Innenseite wird zum Hohlspiegel
Unser Spiegelbild, wie wir es im Löffel sehen, besteht aus reflektierten Lichtstrahlen. Wenn wir vor einem normalen Wandspiegel stehen, haben wir ein gleich großes, seitenverkehrtes Bild von uns. Parallel auftreffende Lichtstrahlen werden vom Spiegel fast gerade in das Auge zurückgeworfen. Die Innenseite des Löffels ist jedoch gewölbt und wirkt wie ein Hohlspiegel. Dabei werden alle parallelen Lichtstrahlen, die auf den Spiegel treffen, durch die Krümmung abgelenkt, und zwar in Richtung Löffelmitte. Die Lichtstrahlen, die im oberen Teil des Löffels ankommen, werden nach unten zurückgeworfen, die im unteren Teil nach oben. Was oben ist, ist also unten und umgekehrt. Das Spiegelbild steht auf dem Kopf.Warum wird ganz nah am Löffel alles richtig herum gespiegelt?
Die nach unten und oben abgelenkten Lichtstrahlen kreuzen sich vor dem Löffel in einem Punkt, dem sogenannten Brennpunkt. Steht der Mensch hinter dem Brennpunkt, dort, wo obere und untere Strahlen vertauscht sind, sieht er sein Bild auf dem Kopf und verkleinert. Kurz vor der Löffeloberfläche aber wird der Bereich vor dem Brennpunkt erreicht, wo sich die Strahlen noch nicht gekreuzt und vertauscht haben. Daher wird alles richtig herum abgebildet. Das kann man zum Beispiel ausprobieren, indem man seinen Finger langsam auf die Innenseite des Löffels zu bewegt. Weil dort das Licht gebündelt wird, erscheint der Finger etwas größer. Dieses Prinzip kennen wir vom Rasier- oder Kosmetikspiegel. Anders sieht es bei der nach außen gewölbten Löffelseite aus. Sie wirkt wie ein Wölbspiegel. Dabei werden gerade auftreffende Lichtstrahlen nach außen hin zerstreut, die oberen Lichtstrahlen noch weiter nach oben, die unteren nach unten. Das Bild bleibt aufrecht, wird aber verzerrt wie bei einer Weitwinkelaufnahme. Dieser Effekt wird für Verkehrsspiegel genutzt.Fri, 17 Jul 2026 - 03min - 6726 - Was ist Magnetismus und wie entsteht er?
Elektromagnetische Kraft
Der Magnetismus ist der "Zwillingsbruder" der Elektrizität, denn es gibt ein paar auffallende Ähnlichkeiten. Beides – elektrischer Strom wie auch Magnetismus – kennen wir vor allem von Metallen. Beides hat damit zu tun, dass zwei entgegengesetzte Pole eine Kraft aufeinander ausüben. In der Elektrizität kennen wir Plus- und Minus-Pole, beim Magnetismus sprechen wir von Nord- und Südpolen. Die ziehen sich gegenseitig an. Das heißt, zwischen beiden entsteht ein Feld – ein elektrisches oder ein magnetisches Feld. Das alles ist kein Zufall, sondern die beiden Phänomene hängen eng miteinander zusammen. Denn Elektrizität und Magnetismus sind unterschiedliche Ausdrucksformen ein und derselben physikalischen Kraft – eben der "elektromagnetischen Kraft".Wie hängen Magnetismus und Elektrizität zusammen?
Magnetismus entsteht dadurch, dass elektrische Ladungen sich in irgendeiner Form bewegen. Das kann in einem Stromleiter sein. Wenn irgendwo Strom fließt, wenn also Elektronen durch einen elektrischen Leiter strömen, dann erzeugt dieser Strom um sich herum ein Magnetfeld. Wenn man einen Draht auf eine Spule wickelt und dann Strom durchjagt, wird diese Spule damit automatisch zu einem Magneten – eben einem Elektromagneten. Aber nur, solange der Strom fließt. Stelle ich den Strom wieder ab, hören also die Elektronen auf, sich zu bewegen, dann hört auch das magnetische Feld auf.Wie entstehen Magnete, die ohne Strom funktionieren?
Auch dieser Magnetismus entsteht durch die Bewegung von Elektronen. Der Unterschied ist, dass die Elektronen gewissermaßen um die eigene Achse rotieren. Physiker bezeichnen dieses Phänomen als Spin. Elektronen drehen sich um die eigene Achse – das tun sie immer, dazu braucht es keinen Strom – und auch bei dieser "Bewegung" erzeugen sie ein Magnetfeld.Elektronen gibt es in allen Stoffen. Warum kennen wir Magnetismus vor allem von Metallen?
Elektronen gibt es überall und überall rotieren sie – aber in den meisten Stoffen rotieren sie eben durcheinander, jedes in eine andere Richtung. Deshalb erzeugen sie kein klares magnetisches Feld. Bei Metallen ist das anders. Metalle haben eine besondere Struktur. Die Atome sind dort in einem Gitter angeordnet, in dem sich zumindest ein Teil der Elektronen frei bewegen kann. Deshalb sind Metalle auch so gute elektrische Leiter – die Elektronen sind nicht so stark an die Atome gebunden. Sie bewegen sich frei und das führt dazu, dass sie sich auch in ihrer Spinrichtung gegenseitig beeinflussen. Das heißt, wenn sie in ein magnetisches Feld geraten, richten sie ihre "Drehachse" entlang des Feldes neu aus. Und wenn alle Elektronen sozusagen in der gleichen Richtung rotieren, entsteht durch die Summe all dieser Minirotationen ein Magnetfeld. Insofern ist die Bewegung – vor allem von Elektronen – Ursache sowohl für elektrischen Strom als auch für Magnetismus – wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass ein elektrisch geladener Körper – also z.B. ein Minus-Pol – isoliert im Raum existieren kann. Dagegen trägt jeder Magnet immer beide Pole gleichzeitig in sich – auf der einen Seite ist ein Nordpol, auf der anderen ein Südpol. Daran ändert sich auch nichts, wenn man einen Magneten in der Mitte teilt: Dann hat man zwei Hälften, von denen jede wiederum einen Nordpol und einen Südpol hat. Damit hängt ein weiterer Unterschied zusammen: Wenn man elektrische Ladungen trennt, kann man eine Spannung erzeugen und Strom fließen lassen. Mit diesem elektrischen Strom kann man Lampen zum Leuchten bringen und Maschinen antreiben – aber wir kennen nicht in gleicher Weise "magnetischen Strom". Ich habe am Anfang gesagt, Elektrizität und Magnetismus sind Zwillinge, aber sie sind bei allen Ähnlichkeiten ungleiche Zwillinge.Thu, 16 Jul 2026 - 03min - 6725 - Wie entsteht Wasser im Weltraum?
Wasser gab es bereits in der Frühzeit des Universums
Die Erde ist zwar ein ausgesprochener Wasser-Planet – trotzdem ist Wasser kein Privileg der Erde. Das Wasser gab es schon lange, bevor sich die Erde aus Staub zusammengeballt hat. Vor ein paar Jahren haben Forscher nachgewiesen, dass es Wasser schon in der Frühzeit des Universums gab. Man darf sich das aber nicht als geschlossene Masse vorstellen, also als Tröpfchen oder Eis, sondern es handelt sich um einzelne Wassermoleküle, die sich isoliert voneinander im Weltall befinden.Wie ist dieses Wasser entstanden?
Bisher sind nur die groben Zusammenhänge klar: Wasser besteht aus den Elementen Wasserstoff und Sauerstoff. Wasserstoff ist das einfachste, primitivste aller Elemente, das erste, was überhaupt im Universum entstanden ist. Es besteht aus einem Proton und einem Elektron. Alle anderen Elemente wurden unter viel Druck aus diesem Wasserstoff "zusammengebacken". Das ist das, was Physiker Kernfusion nennen. Da ist als erstes Helium – Helium entsteht auch in der Sonne: Jeweils vier Wasserstoffatome fusionieren unter hohem Druck und enormer Hitze zu einem Heliumatom. Wenn die Sterne noch größer sind – wesentlich größer als die Sonne – ist der Druck so groß, dass auch die Heliumatome zusammengebacken werden. Da wird aus drei Heliumatomen ein Kohlenstoffatom oder, wenn es vier sind, ein Sauerstoffatom. Damit hätten wir also schon mal die Elemente, die wir für Wasser brauchen: Wasserstoff und Sauerstoff. Die müssen sich nun verbinden – das tun sie aber erst, wenn sie aus den Sternen, in denen sie entstanden sind, in die Weiten des Weltalls geschleudert wurden. Und selbst da ist es schwierig. Denn solange die einzelnen Atome im Weltall herumschwirren, verbinden sie sich nicht. Es braucht dazu offenbar größere Teilchen – konkret: Staubpartikel. Es sieht also so aus, als haben sich Wasserstoff und Sauerstoff schon im jungen Universum an Staubpartikeln zusammengefunden. Die erste Verbindung war dabei aber offenbar noch nicht Wasser, sondern Wasserstoffperoxid – H2O2, also das Zeug, das man zum Blondieren der Haare verwenden kann. Erst in einer weiteren Reaktion entsteht aus H2O2 das normale Wasser H2O. Das sind aber im Moment wirklich mehr Vermutungen, denn die Forscher haben ja nicht viel: Sie haben ihre Teleskope, mit denen sie in den Tiefen des Weltalls nach den typischen Wellenspektren dieser Moleküle gucken können, und ein paar chemische Experimente, mit denen sie zeigen können, wie es abgelaufen sein könnte. Aber das war’s dann auch schon.Ist das Wasser auf der Erde ein Überrest aus den Frühzeiten des Universums?
Ja, wobei noch nicht geklärt ist, wie es auf die Erde kam. Es gibt zwei Modelle: Entweder die Erde ist nass entstanden, das heißt, als sie sich aus Staub geformt hat, war das Wasser schon mit drin. Und im Lauf der Zeit haben dann Vulkane das im Erdinneren vorhandene Wasser nach außen an die Erdoberfläche transportiert. Die andere Möglichkeit: Die Erde ist trocken entstanden oder "halbnass", während der Großteil des heutigen Wassers erst später durch Kometen in Form von Eis auf die Erde gebracht wurde. Für beide Theorien gibt es Hinweise – vielleicht war es auch eine Kombination aus beidem – insofern ist das noch nicht geklärt.Wed, 15 Jul 2026 - 03min - 6724 - Warum werden Metallrohre und -Gewinde in Zoll angegeben, aber Abflussrohre in metrischen Durchmessern?
Engländer setzten Standard bei Metallgewinden
Die Metallgewinde wurden zuerst in England genormt, 1841 von Sir Joseph Whitworth. Das hat sich zumindest bei Wasser- und Gasleitungen gehalten. Die Engländer haben damals den Standard gesetzt, und sie haben auch die ersten Gasleitungen in Deutschland gebaut. Das Kuriose: Rechnet man die Zollangaben in Zentimeter um und misst dann die Gewinde nach, stellt man fest, dass das gar nicht übereinstimmt. Ein sogenanntes "1"-Rohrgewinde" ist nämlich nicht etwa einen Zoll breit, sondern etwas breiter.Zollangabe bezeichnete ursprünglich den Innendurchmesser
Woher kommt das? Ein Rohr hat einen Außendurchmesser und einen Innendurchmesser. Ursprünglich bezeichnete die Zollangabe den Innendurchmesser. Ein 1-Zoll-Rohr hatte einen Innendurchmesser von einem Zoll, also 25,4 Millimeter. Damals war der Stahl aber noch nicht so gut und stabil wie heute. Deshalb war die Rohrwandung relativ massiv, nämlich 3,75 mm. Addiert man die hinzu - und zwar zweimal, auf beiden Seiten - ergab sich bei einem Zoll Innendurchmesser ein Außendurchmesser von etwa 3,3 Zentimeter. Nun weiß aber jeder Heimwerker, dass die eigentlich entscheidende Größe beim Verlegen von Rohren der Außendurchmesser ist. Der Außendurchmesser bestimmt, welches Werkzeug ich brauche und wie viel Platz das Rohr in der Wand oder im Boden beansprucht.Besserer Stahl: Rohrwandungen heute nur noch halb so dick wie früher
Seit dem 19. Jahrhundert hat sich die Stahlqualität verbessert. Dadurch ist es möglich, die Rohrwandungen dünner zu machen. Sie sind zum Teil nur noch halb so dick wie im 19. Jahrhundert. Nun wollte man aber die alten eingeführten Standardmaße behalten. Das heißt, man wollte sich weiter darauf verlassen, dass ein 1-Zoll-Rohr einen Außendurchmesser von 3,3 Zentimetern hat. Also wurden die Rohre von innen weiter. Und so ist ein sogenanntes 1-Zoll-Rohr heute nicht mehr einen Zoll breit, also 2,54 Zentimeter, sondern hat einen Innendurchmesser zum Teil von mehr als 3 Zentimetern.Warum ist die Zollangabe bei uns erlaubt? Sonst werden doch alle Maße metrisch angegeben?
Die alte Zoll-Bezeichnung ist nur noch ein Name. Das heißt, ein sogenanntes "3/8-Zoll"-Gewinde trägt die Bezeichnung R3/8, aber definiert – in der Deutschen Industrienorm – ist die sogenannte Nennweite in Millimetern, nicht in Zoll. Generell werden diese Zoll-Angaben auch nur noch bei Rohren bis zu etwa 4 cm verwendet. Bei größeren Rohren haben sich auch im Handel die metrischen Bezeichnungen durchgesetzt. Deshalb werden auch die Abflussrohre – die sind ja weiter als die Zuleitungen – in Millimetern angegeben.Bildschirmdiagonalen werden in Zoll angegeben
Die Zollangaben für Bildschirme oder Disketten kommen aus den USA. Die haben die Standards gesetzt, die heute weltweit gelten. Nur dass die Zollwerte tatsächlich noch stimmen. Ein 15-Zoll-Bildschirm hat tatsächlich eine Diagonale von 15 Zoll. Es ging vor Gericht hin und her, ob diese Angaben in Deutschland zulässig sind oder ob die Hersteller nicht doch alles in Zentimetern angeben müssen. Aber zuletzt haben die Gerichte gesagt: Die Verbraucher haben sich so an diese Zoll-Angaben gewöhnt, dass die im Zusammenhang mit Bildschirmen weiterhin geduldet werden können. Dank an Daniel Wosniotzka vom Deutschen Verein des Gas- und WasserfachesTue, 14 Jul 2026 - 03min - 6723 - Warum sieht nasse Wäsche dunkler aus oder ist durchsichtig?
Trockene Wäsche hat im Vergleich zu nasser Wäsche eine relativ raue Oberfläche. Ein Seidenhemd kann sich glatt anfühlen, aber auf mikroskopischer Ebene ist es immer noch ziemlich rau. Es sind viele Fäden, die aus noch dünneren Fasern bestehen. Die stehen in verschiedene Richtungen ab, zumindest im Mikrometer-Bereich.
Wasser glättet die Oberfläche der Fasern
Jetzt stellen wir uns vor, dass Licht aus irgendeiner Quelle auf diese raue Oberfläche fällt. Was passiert mit dem Licht? Es wird gestreut, und zwar in alle Richtungen. Deshalb wird der Stoff gleichmäßig hell. Wenn wir den Stoff nass machen, dann bildet sich eine glattere Oberfläche durch das Wasser, weil das Wasser die noch bestehenden Zwischenräume im Gewebe auffüllt und die Oberfläche auf diese Weise glättet. Außerdem hält das Wasser die Fasern zusammen – wie man beim Nähen einen Faden befeuchtet, damit man ihn besser durchs Nadelöhr bekommt. Die Oberfläche wird durch das Wasser also insgesamt glatter, weniger rau und die Folge ist, dass weniger Lichtanteile gestreut werden. Dafür werden umso mehr Lichtanteile an dieser glatten Oberfläche gespiegelt. Glatte Oberflächen spiegeln tendenziell mehr und Wasser spiegelt sowieso. Durch diesen Spiegelungseffekt geht das Licht nicht mehr in alle Richtungen, sondern da gilt das alte Gesetz: Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel. Das heißt, wenn man den Stoff aus ganz bestimmten Richtungen ansieht, wirkt er richtig hell. Dafür wirkt er aus den übrigen Richtungen umso dunkler.Warum werden nasse Stoffe durchsichtig?
Das Wasser, das die vielen Poren im Gewebe ausfüllt, lässt einen Teil des Lichts durch. So kann nur der übrige Teil noch zurückgeworfen werden. Damit erschein die Wäsche auch dunkler. Das sind die beiden Effekte: Der nasse Stoff streut das Licht weniger und ein Teil des Lichts "verschwindet" im Wasser und geht damit für den Betrachter verloren.Mon, 13 Jul 2026 - 02min - 6722 - Warum sind Wasserkocher so laut?
Wenn aus Wasser Dampf wird
Das Rauschen entsteht durch Dampfbläschen. Stellen Sie sich plastisch vor, was im Wasserkocher passiert: Das Wasser wird von unten durch eine Heizspirale oder eine elektrische Bodenplatte erhitzt. Diese Bodenplatte ist, je nach Modell, mehrere Hundert Grad heiß – sonst könnte sie das Wasser nicht auf 100°C erhitzen. Die Wasserschicht, die sich unmittelbar über dieser heißen Bodenplatte befindet, erhitzt sich sehr schnell auf über 100°C. Das führt dazu, dass ein Teil dieses untersten Wassers in den gasförmigen Zustand übergeht: Aus Wasser wird Dampf.Explosionen und Druckwellen
Dieser Dampf bildet viele kleine Blasen, die aufsteigen. Und wenn aus Wasser Dampf wird, ist damit eine enorme Ausdehnung verbunden – die Bläschenbildung geht somit einher mit vielen winzig kleinen Explosionen. So entsteht überall dort, wo sich eine Dampfblase bildet, eine kleine Explosion und somit eine Druckwelle – damit haben wir die erste Quelle für das Rauschen. Aber es geht noch weiter: Diese Bläschen steigen auf und gelangen, da das Wasser in den darüber befindlichen Schichten noch kühler ist, gleich wieder in eine kältere Umgebung. Also kühlt sich der Wasserdampf im Gasbläschen wieder ab, der Dampf kondensiert und das Bläschen bricht in sich zusammen. Deswegen sehen wir diese Bläschen am Anfang meist auch nicht. Sie schaffen es nämlich nicht bis zur Oberfläche, sondern fallen vorher zusammen, sie implodieren. Das ist eine weitere Schallquelle.Ruhe kehrt ein, wenn das Wasser kocht
Wenn das Wasser kocht, wird es wieder leiser. Denn dann ist das gesamte Wasser von oben bis unten mehr oder weniger gleich heiß. Die Gasbläschen steigen weiter auf, aber oben ist das Wasser auch heiß. Deshalb bleiben sie erhalten und implodieren nicht. Wenn sie aufsteigen, vereinigen sie sich dabei mit anderen Bläschen zu großen Blasen. Wenige große Blasen erzeugen aber beim Aufsteigen weniger Schall und gleichzeitig eine tiefere Tonfrequenz als viele kleine Bläschen. Und je heißer das Wasser wird, desto eher schaffen es die Bläschen bis an die Oberfläche. Deshalb wird das Rauschen vor allem in dem Moment leiser, in dem das Wasser anfängt zu blubbern und zu sprudeln – eben weil die Gasbläschen dann zwar sichtbar, aber leise an der Oberfläche austreten und nicht mehr im Wasser selbst implodieren.Sun, 12 Jul 2026 - 02min - 6721 - Wie schwer sind Wolken und warum fallen sie nicht vom Himmel?
Wolken: mehr Luft als Wasser
Man denkt immer, Wolken seien leicht – so wie sie da oben im Himmel schweben. Immerhin fallen sie nicht runter. Natürlich kann man Wolken nicht auf eine Waage legen. Wohl aber kann man ihr Gewicht ungefähr ausrechnen. Denn Wolken bestehen aus kleinsten Wassertröpfchen oder auch Eiskristallen. Zwischen diesen Tropfen oder Kristallen befindet sich ganz viel Luft (und Wasserdampf). Es ist viel mehr Luft als Wasser: Ein Kubikmeter Wolke enthält in der Regel nicht einmal ein Gramm Wasser, meistens noch viel weniger.Wolkengewicht errechnet sich aus Wasseranteil und Volumen
Davon hängt das Gewicht einer Wolke ab: Wie viel Wasser enthält sie? Wie groß ist sie insgesamt? Welches Volumen nimmt sie ein? Denn es liegt ja auf der Hand, dass eine fette dunkle Quell- oder Regenwolke, die mehrere Kilometer mächtig ist, schwerer ist als eine kleine feine Zirruswolke.Wolkengewicht mithilfe von Satelliten messen
Am besten misst man das Gewicht der Wolken mithilfe von Satelliten, vor allem mit Radarmessungen. Radarsatelliten funktionieren nach dem Echo-Prinzip: Der Satellit sendet elektromagnetische Wellen aus, diese Wellen treffen irgendwo auf und werden zurückgeworfen zum Satelliten. Auch die Wassertröpfen und Eiskristalle in einer Wolke reflektieren diese Radarwellen. Manche Radarwellen dringen weiter in die Wolken ein, bis sie auf ein Tröpfchen stoßen, als andere. Aus diesen unterschiedlichen Laufzeiten kann der Satellit ermitteln, wie dicht die Tröpfchen in der Wolke beieinander sind. Je dichter, desto eher werden im Schnitt die Wellen reflektiert. Daraus wiederum lässt sich ableiten, wie hoch das Verhältnis zwischen Wasser und Luft in der Wolke ist – und daraus wiederum das Gewicht.Fußballfeldgroße Wolke hat bis zu 10 Tonnen Gewicht
Nehmen wir eine kleine Schönwetterwolke mit der Ausdehnung eines Fußballfeldes und einer Höhe von ungefähr einem Kilometer. Da kommt man auf ein Gewicht von 5 bis 10 Tonnen. Das bedeutet: Wenn diese Wolke sich plötzlich in einen Platzregen verwandeln würde, wäre das die Menge Wasser, die zu Boden geht. Aus diesen 5 bis 10 Tonnen können aber schnell Hunderte oder Tausende von Tonnen werden, wenn die Wolke größer wird. Wenn sich unsere kleine zarte Wolke zu einer großen Regenwolke aufplustert, 10-mal so lang, 10-mal so breit und 5-mal so hoch, dann wächst das Gewicht gleich auf das 500-Fache an. Hier reden wir nur vom Gewicht der Tröpfchen und somit nur von dem Gewicht, das die Wolke zusätzlich hat im Vergleich zu einem gleichgroßen Volumen an Luft.Die Wolke fällt nicht herunter, aber der Regen – tropfenweise
Die Tropfen fallen schon hinunter, aber sehr langsam. Denn die einzelnen Tröpfchen sind winzig klein. Es ist im Grunde Wasserstaub – wie wenn man Wasser aus einem Zerstäuber sprüht. Da fallen die Tröpfchen auch nur langsam hinunter. In den Wolken fallen sie noch viel langsamer, weil die Tropfen zum Teil kleiner sind und weil schon kleinste Luftströmungen genügen, um sie wieder hochzuwirbeln. Wolken entstehen gerade auch in solchen Gebieten, in denen Luftmassen aufsteigen. Sie fallen erst dann richtig schnell hinunter, wenn sich die kleinen Tröpfchen zu immer größeren zusammenfügen. Der Fachausdruck dafür heißt: Regen.Sat, 11 Jul 2026 - 03min - 6720 - "Goldfinger" wird durch ein kaputtes Fenster im Flugzeug ins Freie gezogen – ist das realistisch?
So stirbt Bösewicht "Goldfinger" im gleichnamigen James-Bond-Film: Er feuert eine Waffe ab und trifft ein Fenster. Die Folge ist ein plötzlicher Luftdruckabfall und Goldfinger wird durch den Sog aus dem Fenster gezogen: Das typische böse Ende eines bösen Schurken. Ist das nun realistisch? Man hat das in der Physik nachgerechnet und es gibt sogar Experimente. Die legen den Schluss nahe: Ganz so läuft das nicht. Das Szenario ist insofern richtig, als ein Loch in der Außenwand sofort zu einem Druckabfall führt.
Flugzeug muss Druckunterschied innen und außen aushalten
Den Druckabfall kann man sich leicht klarmachen: In der Kabine herrscht ein Luftdruck fast wie an der Erdoberfläche – schließlich sollen sich die Passagiere auch in einer typischen Reiseflughöhe von 10.000 bis 11.000 Metern wohlfühlen. Der Luftdruck außerhalb des Flugzeugs ist aber viel niedriger, etwa ein Viertel so groß. Zwischen innen und außen besteht also ein starkes Druckgefälle. Diesen Druckunterschied muss die Außenhaut des Flugzeugs aushalten – so wie ein Luftballon oder ein Reifen den hohen Innendruck aushalten muss, ohne zu platzen. Angenommen, es entsteht plötzlich ein Loch in der Außenhaut. Die Folge ist klar: Luft strömt sofort von Innen durch das Loch nach außen. So entsteht tatsächlich ein Sog in Richtung der undichten Stelle. Die Frage ist aber: Wie stark ist dieser Sog? Der Physiker Metin Tolan hat das mal mit seinen Studierenden ausgerechnet. Er kam zu folgendem Ergebnis: Der Sog im Fall "Goldfinger" würde einen Wind der Stärke 3 erzeugen – also etwa 17 km/h. Das ist eine stärkere Böe, aber nichts, wogegen man sich nicht stemmen könnte.Wahrscheinlich nur ein paar blaue Flecke
Es hängt aber auch davon ab, wie nah man sich am Fenster befindet. Goldfinger wird ja praktisch durch die ganze Kabine zur Fensteröffnung gesogen – das ist wohl unrealistisch. Würde er sich dagegen direkt am betreffenden Fenster befinden, wäre der Druck und damit die Sogwirkung nach draußen um ein Vielfaches höher. Trotzdem würde Goldfinger – er ist ja auch nicht der Schlankeste – wohl vor allem gegen den Fensterrahmen gezogen. Dort würde er sich die ein oder andere Prellung holen, vielleicht auch eine Gehirnerschütterung. Aber er würde sicher nicht so verformt werden, dass er durch das Fenster hinaus gedrückt würde. Zumal diese Sogwirkung ja auch nicht so lange anhält. Je größer nämlich das Loch ist, desto heftiger ist zwar der Druckabfall, aber desto schneller ist das Druckgefälle dann auch ausgeglichen. Nach einem kurzen heftigen Augenblick würden in der Kabine Druckverhältnisse herrschen wie draußen in 10.000 Metern Höhe. Als Passagier würde man dann vielleicht ohnmächtig werden, mehr aber auch nicht.Fri, 10 Jul 2026 - 03min - 6719 - Warum ist Vogelkot weiß?
Nur eine Körperöffnung für Kot und Urin
Bei weißem Vogelkot handelt es sich in Wirklichkeit weniger um Kot als um Urin. Zumindest um eine Mischung aus beidem. Denn Vögel scheiden Kot und Urin oft gleichzeitig aus und haben für beides nur eine Körperöffnung. Der Haufen, den die Vögel hinterlassen, ist am Rand eher dunkel-gräulich, in der Mitte aber weiß. Das Dunkle ist der eigentliche Kot, das Weiße in der Mitte der Urin. Wenn der Urin überwiegt, dann ist alles weiß.Warum ist der Urin weiß und gleichzeitig so fest?
Der Urin der Vögel ist relativ fest, weil sie wenig Wasser trinken. Sie trinken kaum auf Vorrat, denn das würde sie unnötig schwer machen und beim Fliegen behindern. Warum aber ist dieser Vogelurin weiß und nicht wie bei uns gelb? Es gibt zwei Unterschiede:- Unser Urin besteht aus Harnstoff, und der ist farblos transparent. Vogelurin dagegen besteht aus Harnsäure, und die hat einen weißen Grundton.Der menschliche Harn enthält rote Blutkörperchen – in starker Verdünnung sorgen die für die gelbe Farbe. Die roten Blutkörperchen werden in unserem Körper regelmäßig ausgewechselt und die Entsorgung findet über den Urin statt. Vögel behalten ihre roten Blutkörperchen länger und scheiden sie deshalb seltener aus. Im Urin der Vögel gibt es also keine roten Blutkörperchen, deshalb behält der Urin die weiße Farbe der Harnsäure.
Fri, 10 Jul 2026 - 01min - 6718 - Wie entsteht ein Ohrwurm?
Wie entstehen Ohrwürmer?
Am besten nähert man sich der Antwort, wenn man fragt: Wann entsteht er? Ein Ohrwurm ist ein Lied, das wir dauernd unwillkürlich in unserem Kopf neu produzieren, ohne dass wir das bewusst steuern. Bildlich gesprochen ist es so, als sei da ein Lied in uns, das irgendwie "raus will". Wir horchen in uns hinein und hören etwas, was uns vielleicht sogar animiert, mitzusummen oder mitzusingen. Das ist für mich übrigens einer der starken Belege dafür, dass die Musik ganz tief in der Natur des Menschen verwurzelt ist. Dass wir – sehr oft – gerade auch dann, wenn es um uns still ist, dieses akustische Vakuum im eigenen Kopf mit Musik füllen – mit Melodien, die uns gerade in den Kopf kommen, und dabei eben gerade auch mit Ohrwürmern. Studien haben gezeigt, dass Ohrwürmer meist in einer eher reizarmen Umgebung bzw. Situation entstehen. Das muss keine Stille sein, es reicht, wenn um uns herum gerade nicht viel Spannendes passiert. Bügeln, Kochen, Autofahren, Gartenarbeit, Spazierengehen – Routinetätigkeiten also, die uns nicht viel Konzentration abverlangen. Gleichzeitig hat man herausgefunden: Leute, die viel Musik hören, haben auch viele Ohrwürmer. Wer sich also zur Musik hingezogen fühlt, ist offenbar anfälliger.Was zeichnet einen typischen Ohrwurm aus?
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Kassel haben das untersucht. Demnach sind es überwiegend Lieder – also Stücke mit Text. Reine Instrumentalstücke können zwar auch Ohrwürmer werden, aber eher selten. Zweitens: Es handelt sich oft um Stücke, die die jeweilige Person mit irgendeiner Erinnerung verbindet. Das muss nicht unbedingt eine Erinnerung an eine konkrete Situation sein; manchmal verknüpfen wir ja auch bestimmte Stücke mit einer ganz bestimmten Stimmung oder Lebensphase. Und es muss – auch das ist interessant – nicht immer Musik sein, die einem persönlich gefällt. Trotzdem gibt es offenbar keine "Ohrwurm-Formel". Es gibt sicher ein paar Voraussetzungen, die ein Stück erfüllen muss. Dazu gehört eine eingängige Melodie – idealerweise eine, die im weitesten Sinn "schleifenfähig" ist, also wo man am Ende an einem Punkt landet, der geradezu zu einem Da Capo einlädt, sodass der Kopf es leicht hat, die Melodie wieder von vorne beginnen zu lassen. Das sind schon mal gute Voraussetzungen. Dann eine einfache rhythmische Struktur – also alles, wozu man sich gut im Rhythmus bewegen kann, ist gut. Nehmen wir eine Mahlersymphonie. Die hat zwar auch eingängige Melodien, aber die führen selten zu einer Schleife. Und sie laden auch nicht dazu ein, sich rhythmisch zu bewegen. Deshalb haben die eher geringes Ohrwurmpotenzial. Generell sagen aber Ohrwurmforscher wie Prof. Jan Hemming aus Kassel: Ein echtes Rezept gibt es nicht; man kann ein paar Voraussetzungen schaffen, letztlich aber haben Ohrwürmer sehr viel mehr mit der einzelnen Person zu tun als mit der Struktur der Musik.Warum gibt es überhaupt Ohrwürmer?
Das ist relativ schlecht erforscht, und darüber kann man nur spekulieren. Aber das Gehirn ist ja oft aktiv, auch wenn wir das nicht bewusst steuern – es produziert nachts Träume und tagsüber kommen uns manchmal alle möglichen Erinnerungen in den Sinn. Und Ohrwürmer sind ja auch eine Art akustische Erinnerung. Man weiß auch, dass Menschen mit starken Hörbeeinträchtigungen ebenfalls Ohrwürmer erleben. Aber was im Gehirn vorgeht, wenn es Ohrwürmer produziert, das ist noch kaum erforscht. Es hat z. B. noch niemand mit einem Hirnscanner beobachtet, was im Gehirn passiert, wenn jemand sich gerade einen Ohrwurm "einfängt". Deshalb, sagt Jan Hemming, weiß man auch nicht, wo genau im Kopf er entsteht.Thu, 9 Jul 2026 - 04min - 6717 - Kann man Wasser nur durch Schütteln zum Kochen bringen?
Ja, das geht. – Allerdings wäre es eine sehr mühselige Angelegenheit und als Energiequelle für Glühweinpartys nicht zu empfehlen. Man müsste schon ein paar Tage lang hintereinander kräftig schütteln und dabei das Gefäß isolieren, damit es die Wärme nicht gleich wieder nach außen abgibt. Aber im Prinzip kann man Wasser wirklich durch Schütteln erhitzen. Und wenn man dieses Experiment vor 170 Jahren durchgeführt hätte, wäre man jetzt berühmt. Denn es waren just Experimente zu genau dieser Frage, die zu einem der wichtigsten Sätze der Physik geführt haben: den Energieerhaltungssatz.
Energie kann man nicht "erzeugen"
Der Energieerhaltungssatz sagt, dass sich die Gesamtmenge der Energie in einem geschlossenen System nicht ändert. Man kann also keine Energie "erzeugen", sondern es gibt verschiedene Arten von Energie – Bewegungsenergie, Wärmeenergie, elektrische Energie und so weiter, die man ineinander umwandeln kann. Aber in der Summe geht keine Energie verloren.Eine Seefahrt, die ist – langweilig
Bei der Entdeckung dieses Prinzips haben das "geschüttelte Wasser" sowie der Naturforscher Robert Mayer (1814 - 1878) aus Heilbronn eine entscheidende Rolle gespielt. Er war eigentlich Arzt und hätte sich mit Physik vielleicht gar nicht so viel beschäftigt, wenn ihm nicht ein bisschen langweilig gewesen wäre. Er hatte nämlich eine Anstellung als Schiffsarzt auf einem Überseedampfer nach Batavia; das ist das heutige Jakarta. Und auf diesem Schiff, das Wind und Wetter ausgesetzt war, machte er sich alle möglichen Gedanken über die Physik und die Naturkräfte. Er meinte zum Beispiel festzustellen, dass bei starkem Seegang das Wasser im Schnitt wärmer wäre als bei ruhiger See. Davon ausgehend überlegte er weiter, wie sich das denn so verhält mit der Reibung und der Wärme. Es war schon bekannt, dass Metallplatten warm werden, wenn man sie aneinander reibt, aber es war noch nicht so richtig klar, warum sie das tun.Von der Idee zum Versuch
Robert Mayer hat Wasser geschüttelt und das Experiment in einem Aufsatz von 1842 beschrieben. Er schreibt leider nicht, wie viel Wasser er benutzt hat und wie lang und wie intensiv er es geschüttelt hat. Aber er schreibt, dass er es von 12 auf 13 Grad erwärmen konnte und es sich auch entsprechend ausgedehnt habe. Und das war für ihn der Schlüssel zu der These, dass mechanische Arbeit und Wärme äquivalent sind, dass sich also mechanische Arbeit in Wärme umwandeln lässt. Und er hat sogar einen ersten Umrechnungsfaktor angeführt. Mit seinen Worten:Es ergiebt sich, dass ... dem Herabsinken eines Gewichtstheiles von einer Höhe ca. 365 m die Erwärmung eines gleichen Gewichtstheiles Wasser von 0° auf 1° entspricht.
Den Begriff Energie hat er dabei übrigens gar nicht verwendet. Heute würde man sagen: Wenn eine Masse von 365 Metern Höhe zu Boden fällt, wird dabei die Bewegungsenergie frei, die ausreichen würde, um die gleiche Masse an Wasser um 1°C zu erwärmen. Robert Mayer hat sich zwar ein bisschen mit dem Wert vertan, aber für eine erste Annäherung war das gar nicht schlecht. Und von dieser Überlegung aus war er einer der ersten, die einen Energieerhaltungssatz formuliert haben, ohne das Wort Energie in den Mund zu nehmen. Seine Formulierung war: "Fallkraft, Bewegung, Wärme, Licht, Elektrizität und chemische Differenz der Ponderabilien sind ein und dasselbe Objekt in verschieden Erscheinungsformen."Quelle: Robert Mayer
Wenn man Wasser schüttelt, entsteht die Reibung zwischen den Wassermolekülen. Ist es nicht schwer zu ermitteln, wie viel Reibung da in der Summe entsteht?
Es klingt kompliziert, ist aber eigentlich simpel. Denn beim Schütteln passiert ja nichts anderes, als dass man eine äußere Kraft auf die unzähligen kleinen Wasserteilchen überträgt. Man kann das verdeutlichen an einem anderen Experiment, das ein Engländer ein Jahr nach Robert Mayer durchgeführt hat: Der hat klar definierte Gewichte zu Boden sinken lassen und über ein Gewinde damit ein Gefäß mit Wasser zum Drehen gebracht – er hat das Wasser also gerührt und nicht geschüttelt. Weil die Wasserteilchen sich dauernd aneinander reiben, entsteht nicht nur Wärme, sondern das Wasser kommt auch irgendwann wieder zum Stillstand. Man muss jetzt aber nicht die Bewegung und die Reibung jedes einzelnen Wasserteilchens ausrechnen, sondern es ist klar: Die von außen zugeführte Kraft der Gewichte hat sich auf die Bewegung der vielen Wasserteilchen verteilt, und wenn die zum Stehen gekommen sind, ist deren Bewegungsenergie wiederum in Reibungsenergie, sprich Wärme übergegangen. Dieser englische Physiker, der dieses etwas genauere Experiment durchgeführt hat, war übrigens James Prescott Joule – Namensgeber der heute international gültigen Maßeinheit für die Energie.Tue, 7 Jul 2026 - 05min - 6716 - Ist die Gebärdensprache auf der ganzen Welt gleich?
Gebärdensprache: differenzierte Sprache mit Dialekten
Das wäre praktisch, wenn man daran denkt, dass z.B. auf Phoenix die Nachrichtensendungen – Tagesschau und heute – für Gehörlose in Gebärdensprache übersetzt werden. Wäre die Gebärdensprache überall auf der Welt gleich, könnten alle Gehörlosen weltweit diese Nachrichten verstehen. Aber so ist es nicht. Es ist wie bei der Lautsprache auch: Es gibt viele Gebärdensprachen. Es gibt sogar Dialekte. Man muss betonen: Die Gebärdensprache ist nicht einfach eine rudimentäre Zeichensprache, sondern es ist eine vollwertige Sprache, genauso differenziert wie die gesprochene Sprache auch. Allerdings ist sie ein bisschen anders. Man darf sich das nicht so vorstellen, dass man einen deutschen Satz wie "Ich habe heute keine Lust auf Fußball" Wort für Wort in die Gebärdensprache übertragen müsste. Das ist vielmehr ein eigenes grammatikalisches System.Lange waren Gebärdensprachen nicht anerkannt
Früher wurden Gebärdensprachen als "Affensprachen" verunglimpft, sie waren in den Schulen verboten, in Frankreich sogar bis 1991. Man hat gehörlosen Kindern hauptsächlich beigebracht, anderen vom Mund abzulesen und selbst zu sprechen – sogar, wenn sie sich miteinander unterhielten. Das hat sich komplett gewandelt; die Gebärdensprache ist in Deutschland seit 2002 als Sprache anerkannt. Gehörlose haben auch vor Gericht ein Recht auf einen Dolmetscher. International sind Gebärdensprachen so unterschiedlich wie andere Sprachen. Das heißt: fast. In mancher Hinsicht sind sie untereinander doch ähnlicher. Denn man kann sich leicht vorstellen, dass alle Gebärdensprachen ähnliche Zeichen für Zahlwörter – also 1, 2, 3 usw. – verwenden. Ebenso für bestimmte Körperteile wie "Auge" oder "Bauch". Oder auch entsprechende Begriffe, die sich davon ableiten wie "sehen" oder "essen". Da gibt es zwischen den Gebärdensprachen schon mehr Überschneidungen als zwischen den gesprochenen Sprachen. Dennoch gibt es keine Welt-Gebärdensprache.Mon, 6 Jul 2026 - 02min - 6715 - Welche Hausmittel helfen gegen Spinnen?
Verschiedene Tipps hört man immer wieder: Eine Kastanie auf der Fensterbank soll angeblich verhindern, dass Spinnen durch das Fenster nach innen krabbeln. Oder auch ätherische Öle wie Minzöl, Lavendelöl und Zitronenöl.
Spinne am Scheideweg: Welchen Duft wird sie meiden?
Ein deutsch-kanadisches Forschungsteam hat die Frage untersucht und drei angebliche Hausmittel gegen Spinnen getestet. Dazu haben sie Folgendes gemacht: Sie haben ein langes Glasrohr in Y-Form gebaut und am einen Ende des Rohrs – das dem unteren Teil des Y entspricht – weibliche Spinnen ausgesetzt. Eines der beiden anderen Enden des Y-Rohrs war mit einem Geruch markiert, also entweder Kastanie, Minzöl oder Zitrone. Die Spinnen krabbeln dann am langen Ende des Y rein und kommen an die Gabelung. Dort haben sie die Wahl: Nehmen sie den geruchsneutralen Weg oder den, der nach den Hausmitteln riecht? Getestet wurden drei invasive Spinnenarten, die weltweit verbreitet sind. Fall Nr. 1: Das Pfefferminzöl. Das funktioniert tatsächlich. Zwei der drei Spinnenarten haben einen riesigen Bogen um den Duft gemacht und sind regelrecht in die geruchsneutrale Richtung geflüchtet. Die Tiere haben sogar eine richtige Abwehrhaltung eingenommen – also die Beine ganz eng an den Körper gezogen und einfach starr abgewartet, sobald sie die Minze wahrgenommen haben. Ähnlich bei der Kastanie: Das ist also kein Mythos! Die Spinnen haben auch da direkt kehrtgemacht und die Kastaniengabelung links liegen gelassen. Warum das so ist, haben die Forscher zwar nicht untersucht, aber sie vermuten, dass die Kastanien flüchtige Duftstoffe abgeben, die für Spinnen extrem unangenehm sind.Nur ein Internetmythos: Zitronenöl als Spinnenschreck
Ganz anders lief das beim Zitronenöl – das hat nämlich überhaupt nicht funktioniert. Und das ist vor allem deswegen interessant, weil genau diesem Hausmittel im Netz am meisten zugetraut wird. Im Versuch konnte der Zitrusduft aber keine der getesteten Spinnenarten vertreiben: Die Spinnen sind ungerührt in Richtung Zitronenöl gekrabbelt. Also: Zitronenöl zur Spinnenabwehr? Das bleibt ein Internetmythos.Erfolgsaussichten mit Minze – und vor allem Kastanie
Spannend ist außerdem, dass die einzelnen Spinnenarten unterschiedlich reagieren. Die giftige Witwenspinne und die ganz normale Gartenkreuzspinne waren extrem empfindlich bei Minze und Kastanie. Aber die sogenannte falsche Witwe – die häufig in Wohnungen und Häusern lebt – war deutlich robuster. Das Minzöl hat sie ziemlich unbeeindruckt gelassen, aber zumindest die Kastanie konnte die falsche Witwe zum Teil abwehren. Also: Wer Spinnen sanft aus der Wohnung verbannen möchte, greift am besten zu Kastanien oder verteilt Minzöl auf dem Fensterrahmen. Das verhindert das Eindringen der Achtbeiner ziemlich effektiv.Wed, 1 Jul 2026 - 02min - 6714 - Ist Fingerknacken schädlich?
Gase in der Gelenkschmiere werden beim Knacken freigesetzt
Viele denken, dass es die Gelenkteile sind, die aneinander reiben, also Knochen auf Knochen oder Knorpel. Aber die Medizin sagt, dass das Geräusch auf Gase zurückgeht, die freigesetzt werden. Der Finger sitzt in einer Gelenkkapsel, in dieser Kapsel befindet sich eine Flüssigkeit, sozusagen die Gelenkschmiere. In dieser Flüssigkeit sind aber außerdem Gase gelöst – man kann sich das ähnlich vorstellen wie Kohlensäure in einer ungeöffneten Sprudelflasche. Da ist das Gas auch in der Flüssigkeit. Aber solange die Flasche noch zu ist, ist der Druck so groß, dass das Gas von außen nicht zu sehen ist. Wenn man die Flasche aufmacht, lässt man Druck ab. Dieser Druckabfall bewirkt, dass das Gas, das im Wasser gelöst ist, entweicht. Beim Fingerknacken soll nach dieser Theorie etwas Ähnliches passieren. Man zieht also am Gelenk oder drückt es nach unten – dadurch dehnt man die Gelenkkapsel und erzeugt einen Unterdruck in der Gelenkflüssigkeit. Durch diesen Unterdruck werden die Gase in der Gelenkschmiere frei, nur dass es dann nicht zischt, sondern – weil’s im Finger drin ist – dumpf knackt, wenn die Gasbläschen platzen.Fingerknacken: Auswirkungen auf die Stabilität der Gelenke
Besonders gesund ist es sicher nicht. Ob und wie schädlich es ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Es gibt zumindest keine Hinweise darauf, dass das Knacken die Arthrose fördert. Was aber durch das dauernde Überdehnen der Bänder und Kapseln passieren kann, ist, dass die mit der Zeit ein bisschen ausleiern, was für deren Stabilität nicht so gut ist.Thu, 25 Jun 2026 - 02min - 6713 - Wie funktioniert ein Spiegel?
Glas und Aluminium
Ein Spiegel besteht im Wesentlichen aus zwei Schichten: Das Wichtigste ist eine glatt gepresste dünne Schicht aus Aluminium. Diese Aluminiumschicht wird ihrerseits geschützt durch eine durchsichtige Glasplatte. Was bringt nun diese Aluminiumfläche dazu, ein Spiegelbild zu erzeugen? Die Aluminiumschicht ist extrem glatt, etwa im Vergleich zu einer Tapete. Denn die enthält Fasern oder es gibt Unebenheiten in der Wandfarbe. Aber die Aluschicht im Spiegel ist ganz glatt gepresst – wie eine hochwertige Alufolie, nur stabiler. Warum erzeugen glatte Flächen nun ein Spiegelbild? Ganz einfach deshalb, weil dort die Lichtstrahlen symmetrisch abprallen.Der Einfallswinkel ist der Ausfallswinkel
Stellen wir uns anstelle der Lichtstrahlen eine Billardkugel am Rand des Billardtischs vor. Da gilt die Regel: So wie sich die Kugel auf die Wand zubewegt, so prallt sie in die andere Richtung auch wieder ab. Entscheidend ist dabei der Winkel an genau diesem einen Punkt, an dem die Kugel die Wand berührt. Nur er entscheidet, in welche Richtung die Kugel fliegt. Nun stellen wir uns vor, die Kugel trifft die Wand etwas weiter links oder rechts. Bei einer glatten Fläche macht das nicht viel aus: Auch die Bahn der Kugel ändert sich jeweils nur ein klein wenig. Das extreme Gegenbeispiel wäre eine Wand mit lauter Mulden und Beulen. Wenn wir gegen eine solche Wand einen Gummiball werfen, dann werden wir im Voraus nicht sagen können, wohin er abprallt. Ein Millimeter Unterschied im Aufprallpunkt kann dann einen Riesenunterschied machen bei der Richtung, in die der Ball abprallt. Oder wenn man Tischtennis spielt und auf der Tischtennisplatte liegen Sandkörner herum: Landet der Ball zufällig auf einem solchen Sandkorn, springt er plötzlich in eine ganz andere Richtung als die, in die er springen soll. Genauso ist das beim Licht: Die Oberfläche muss sehr glatt sein, damit sie das Licht sauber spiegelt. Ansonsten streut es in alle möglichen Richtungen. Der Unterschied zwischen Spiegel und Tapetenwand ist also: Der Spiegel reflektiert das Licht geordnet, die raue Tapetenwand völlig ungeordnet – und deshalb sehen wir kein ordentliches Bild, sondern nur eine weiße Fläche.Auf einer glatten Tischtennisplatte kann ich mich nicht spiegeln ...
... weil sie fürs Licht immer noch nicht glatt genug ist. Die Lichtteilchen sind ja viel kleiner als ein Tischtennisball – und entsprechend sind auch nur viel kleinere Unebenheiten erlaubt. Konkret heißt das: Die Unebenheiten bei einem Spiegel müssen kleiner sein als ein zehntausendstel Millimeter. Physikalisch ausgedrückt: Die Unebenheiten müssen kleiner sein als die halbe Wellenlänge des Lichts.Wie entsteht ein geordnetes Spiegelbild?
Lichtstrahlen sind von Natur aus gerade. Und damit rechnet unser Gehirn auch: Wenn ich in einer bestimmten Richtung einen Baum sehe, dann gehe ich davon aus, dass dort auch der Baum ist, denn das Licht kommt ja auf geradem Weg vom Baum in mein Auge. Der Spiegel trickst uns nun aus, eben weil er den Lichtstrahl nicht durchlässt, sondern einen Knick in den sonst geraden Lichtstrahl macht. Wenn ich vor dem Spiegel stehe, gibt es einen Lichtstrahl, der von meiner Nasenspitze zum Spiegel gelangt, und von dort in mein Auge zurückgeworfen wird. Mein Gehirn aber tut so, als wären alle Lichtstrahlen gerade, deshalb „sehe“ ich eine Nasenspitze mir gegenüber; es sieht so aus, als würden wir durch den Spiegel hindurchsehen. Das Gehirn denkt sich einfach den Knick, den der Lichtstrahl macht, weg. Wie bei einem geknickten Strohhalm, den man wieder aufklappt. Und weil der Spiegel alle Lichtstrahlen so geordnet knickt, entsteht auch am Ende wieder ein geordnetes Bild – eben ein Spiegelbild.Mon, 22 Jun 2026 - 04min - 6712 - Wurde Fußball wirklich in England erfunden?
Vorläufer des Fußballspiels in China, bei den Azteken und den Maya
Vorläufer vom Fußball gab es überall – in China soll schon vor mehr als 2000 Jahren so etwas wie Fußball gespielt worden sein. Berühmt sind auch die Ballspiele der Azteken und Maya – wobei das nicht reine Fußballspiele waren, sondern da kamen auch andere Körperteile zum Einsatz.Mit was für Bällen wurde dort gespielt?
In China bestanden die Bälle wohl aus Lederlappen, die man etwa mit Gras oder Federn füllte. In Mittelamerika bestanden die Bälle häufig aus Gummi. Gummi war dort als Rohstoff bekannt und man konnte Bälle daraus machen. Aber fußballähnliche Spiele gab es auch in Europa, wobei das wohl eher in die Richtung "Football" ging – also ein ziemlich raubeiniger Sport, bei dem die Mannschaften einfach einen Ball von einem Stadttor zum anderen transportieren mussten und dabei den Widerstand der Gegner zu überwinden hatten.Engländer erfanden das moderne Fußballspiel
Die ersten Fußballclubs entstanden an den englischen Unis und Privatschulen. Die ersten Fußballregeln wurden 1848 an der – damals schon – Eliteuni Cambridge erfunden. Die englischen Unis haben immer viel Wert auf Sport gelegt. Dazu gehörten das Rudern, Rugby, aber eben auch der Fußball, der sich in Abgrenzung zum verbreiteten Rugby Football entwickelt hat. Generell gilt die Faustregel: Spiele, die auf Rasen gespielt werden oder zumindest traditionell gespielt wurden – Fußball, Tennis, Golf, Kricket – stammen fast alle ursprünglich aus England.Wed, 17 Jun 2026 - 02min - 6711 - Kocht gesalzenes Wasser schneller?
Siedepunkt des Wassers erhöht sich durch Zugabe von Salz
Das kommt drauf an. Wenn die Frage lautet: "Senkt sich der Siedepunkt, wenn man Salz ins Wasser gibt?" – so ist die Antwort ganz klar: "Nein!" Im Gegenteil: Er erhöht sich.Salz im Wasser: Wassermoleküle binden sich an Salzmoleküle
Sieden bedeutet: Die Wassermoleküle bewegen sich so schnell, dass sie sich voneinander lösen, sodass aus dem flüssigen Wasser Wasserdampf wird. Salz im Wasser bewirkt aber, dass sich die Wassermoleküle an die Salzmoleküle binden. Folglich müssen sich die Wassermoleküle noch schneller bewegen, um sich vom Salz loszureißen und in die Dampfphase überzugehen.Salz im Spaghetti-Wasser: Siedepunkt liegt bei etwa 102°C
Dass sie sich schneller bewegen, bedeutet nichts anderes, als dass die Temperatur steigt. Und zwar umso höher, je mehr Salz ich dazugebe. Allerdings gibt es eine obere Grenze. Die ist dann erreicht, wenn das Wasser salzgesättigt ist. Bei einem Salzgehalt von etwas mehr als einem Drittel kann das Wasser kein zusätzliches Salz mehr lösen. Und bei einer solchen gesättigten Salzlösung liegt der Siedepunkt bei 108°C. Beim Spaghettikochen in der Küche geben wir nicht ganz so viel Salz zu. Da erhöht sich der Siedepunkt um 1 bis 2 Grad, liegt also bei etwa 102°C.Salz vermindert Wärmekapazität des Wassers
Ich habe bisher nur über den Siedepunkt gesprochen, der sich bei Zugabe von Salz erhöht. Aber die Frage lautete ja streng genommen: Kocht das Wasser schneller? Man könnte vermuten, dass das Wasser auf der Herdplatte länger braucht, um zum Kochen zu kommen, wenn der Siedepunkt höher ist. Das ist aber nicht unbedingt der Fall. Denn wenn man Wasser salzt, vermindert man gleichzeitig auch die spezifische Wärmekapazität.Gesalzenes Wasser kocht tatsächlich etwas schneller
Das heißt im Klartext: Dem Wasser muss weniger Wärme zugeführt werden, um es um ein Grad zu erwärmen. Es wird daher bei einer bestimmten Energiezufuhr schneller heiß, weil es die zugeführte Wärmeenergie schneller in Temperaturgrade umsetzt. Es braucht also auf der gleichen Herdplatte weniger Zeit, um von 20 auf 100 Grad zu kommen. Zwar kommt es, wenn es gesalzen ist, erst bei 102°C zum Sieden. Aber das geht unterm Strich etwas schneller, als wenn man das ungesalzene Wasser zum Kochen bringt. Das alles kann man zwar physikalisch ausrechnen, faktisch wird man in der Küche aber so gut wie keinen Unterschied merken. Zum Energiesparen taugt das Salzen im Grunde nicht.Wenn man Salz in sprudelnd kochendes Wasser gibt, wallt es kurz auf. Warum lässt das Sprudeln dann nach?
Weil man durch die Salzzufuhr den Siedepunkt erhöht. Angenommen, ich habe kochendes, 100°C heißes Wasser vor mir und gebe Salz dazu. Dann hebe ich den Siedepunkt mit einem Schlag an. Angenommen, das Wasser wäre immer noch 100°C heiß, dann hätte es aber plötzlich auf dem Weg zum Siedepunkt noch zwei Grad vor sich; also hört es auf zu kochen. Dieser Effekt wird noch verstärkt, weil sich das Wasser durch die Salzzufuhr sogar leicht abkühlt. Erstens, weil das Salz ja in der Regel nur Zimmertemperatur hat, also zunächst auch erhitzt werden müsste. Vor allem aber, weil das Auflösen von Salz im Wasser zusätzlich Energie kostet – sprich: Wenn sich das Salz auflöst, kühlt das Wasser ab.Mon, 15 Jun 2026 - 04min - 6710 - Wie wirkt eine Leitzinserhöhung gegen Inflation?
Die Leitzinserhöhung wirkt sich indirekt aus. Der Leitzins ist ja der Preis, den Banken zahlen müssen, wenn sie sich Geld bei der Europäischen Zentralbank EZB leihen. Braucht eine Bank zum Beispiel 100.000 Euro und der Leitzins liegt bei 3 Prozent, dann kostet das 3.000 Euro Gebühr. Je höher der Leitzins, desto teurer ist es für eine Bank, sich Geld von der EZB zu leihen.
Leitzinserhöhung: Kredite werden teurer
Banken wollen aber selbst Geld verdienen. Deshalb geben sie die hohen Zinsen an ihre Kundschaft weiter und schlagen bei der Kreditgebühr noch etwas drauf.
Wenn die EZB also den Leitzins erhöht, sorgt das dafür, dass Kredite für alle teurer werden. Was macht die Europäische Zentralbank? Firmen werden sich dann gut überlegen, ob sie einen neuen Standort oder eine neue Produktionsanlage planen und bauen. Privatleute werden abwägen, ob sie es sich leisten können, ein neues Auto, eine Wohnung oder ein Haus zu finanzieren. Einige werden ihre Pläne wohl verschieben, sich das Geld nicht leihen und damit auch nicht ausgeben. Die Wirtschaft wird also gebremst, die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen sinkt – und damit auch die Preise.Leitzins darf nicht zu schnell steigen
Die EZB muss da allerdings behutsam vorgehen, denn steigt der Leitzins zu schnell, kann das auch dazu führen, dass die Wirtschaft zu heftig abgewürgt wird und die Arbeitslosenquote steigt.Thu, 11 Jun 2026 - 01min - 6709 - Stimmt es, dass Haare und Nägel nach dem Tod weiterwachsen?
Haut und Gewebe vertrocknen an der Luft
Diese Phänomene treten durch die postmortalen Veränderungen auf. Es sieht dann so aus, als würden Haare und Nägel weiterwachsen. Hautzellen überleben tatsächlich noch einige Stunden nach dem Tod, weil sie zu den weniger sauerstoffabhängigen Geweben gehören. Aber es ist nicht so, dass da noch irgendetwas sichtbar wachsen würde. Was aber sehr wohl passiert: Wenn eine Leiche offen liegt und ein Luftzug da ist, kommt es relativ schnell dazu, dass die Haut und die Gewebe zu vertrocknen beginnen. Das betrifft vor allem die Fingerendglieder, aber auch die Nasenspitze oder die Lippen, die vertrocknen. Und wenn die Fingerkuppen schrumpfen, bekommt man den optischen Eindruck, die Nägel würden länger. Oder wenn jemand Bartstoppeln trägt und das Gesicht Flüssigkeit verliert, dann sieht es aus, als ob die Bartstoppeln länger werden.Veränderungen beim Mikrobiom und der Genexpression noch nach dem Tod
Nach dem Tod passieren aber auch Dinge, die sehr faszinierend sind. So gibt es zum Beispiel Änderungen des Mikrobioms, also der Gesamtheit der Bakterien nach dem Tod. Und auch die Genexpression in den Zellen funktioniert noch einige Stunden nach dem Tod. Es gibt aktuelle Studien, wonach immer noch genetische Prozesse am Laufen sind. Und es gibt erste Ansätze, diese Veränderungen oder diese Abläufe zu nutzen, um die Todeszeitschätzung zu verbessern.Wed, 10 Jun 2026 - 01min - 6708 - Woher kommt die Geschichte mit dem Klapperstorch?
Bisschen verklemmt: Körpergeheimnisse nicht für Kinderohren bestimmt
Früher wollte man kleinen Kindern die wahren Umstände von Zeugung und Geburt nicht auf die Nase binden. Die Vorgänge im und um den Unterleib herum waren ja schließlich nichts für Kinderohren. Trotzdem bleibt die Frage: Warum der Storch?Auch Märchen müssen glaubhaft sein
Wenn wir uns aber ein paar Jahrhunderte zurückversetzen: Wer sonst hätte denn als Baby-Lieferant funktionieren können? Elefanten und Kängurus leben hier nicht. Wölfe und Bären war schon negativ besetzt; sie waren böse, haben Kinder verschlungen und nicht gebracht – das ging also auch nicht. Und die meisten anderen Tiere, auch Vögel, waren zu klein. Hätte man den Kindern erzählt, eine Amsel habe sie gebracht, hätte das seltsam geklungen. Der Storch aber war ein heimisches Tier, er war bekannt und er war groß genug.Mythisch: Kinderseelen im Wasser und Frösche als Fruchtbarkeitssymbole
Der Storch hält sich viel am Wasser auf, schnäbelt in Tümpeln und anderen flachen Gewässern herum und Experten wie der Mainzer Volkskundler Michael Simon sagen, auch diese Eigenschaft hat dem Storch zu seinem Ruhm als Babybringer verholfen. Denn im Wasser wohnten in den Vorstellungen des alten deutschen Volksglaubens auch die Seelen der Kinder, wie überhaupt das Wasser als Symbol und Ursprung für den Beginn neuen Lebens galt. Möglicherweise war das auch eine Anlehnung an das Fruchtwasser im Mutterleib. Der Storch wiederum hält sich auch deshalb am Wasser auf, weil er dort Frösche fängt – und der Frosch galt im Mittelalter seinerseits als Fruchtbarkeitssymbol."Klapperstorch" ist eine andere Bezeichnung für den Weißstorch
So lassen sich in dieser Storch-Geschichte einige mythologische Motive wiederfinden. Dazu passt auch, dass der Storch früher auch den Spitznamen Adebar hatte. Dieser Name setzt sich zusammen aus dem althochdeutschen "Auda", das bedeutete Glück, und der Endsilbe "bar", die "bringen" oder "tragen" bedeutet. Adebar – also der Glücksbringer.Tue, 9 Jun 2026 - 02min - 6707 - Was sagt die Forschung über die Wirkung des Genderns?
Grammatik hat Einfluss auf Bilder und Vorstellungen
Beim Streit ums Gendern geht es in den meisten Fällen um das sogenannte "generische Maskulinum", also die Frage: Reicht es, von "Schülern" zu sprechen, wenn man Schülerinnen mitmeint. Konservative Gender-Gegner argumentieren oft: Ja, das reicht, das sei ja eine rein grammatische Definition, dass die maskuline Mehrzahl auch die Frauen mitmeint. Man dürfe das grammatische Geschlecht – Fachausdruck: Genus – nicht mit dem natürlichen Geschlecht, dem sogenannten "Sexus" verwechseln. Die Sprachforschung zeigt aber, dass das grammatische Geschlecht sehr wohl einen Einfluss darauf hat, was für Bilder und Vorstellungen erzeugt werden. Ein harmloses Beispiel: Im Deutschen ist es die Sonne und der Mond. Im Spanischen ist es umgekehrt: El sol, la luna. Tatsächlich gibt es Untersuchungen, wonach im spanischen Sprachraum die Sonne eher mit männlichen, sozusagen väterlichen Attributen versehen wird, der Mond mit weiblichen-mütterlichen. Im französischen Sprachraum, wo die Sonne ebenfalls männlich ist, wurde Ludwig XIV passenderweise als "Sonnenkönig" dargestellt. Wir Deutschen dagegen kennen den "Mann im Mond". Auch auf Kinderbildern oder Karikaturen bekommt der Mond im deutschen Sprachraum ein entsprechend männliches Gesicht. Die Grammatik hat also selbst dann einen Einfluss, wenn es um an sich geschlechtslose Objekte geht – auch wenn dasAusmaß dieses Effekts umstritten ist.Geschlechtergerechte Sprache macht Frauen "sichtbarer"
Wenn es allerdings um Personen geht, ist inzwischen recht gut belegt, dass wir bei Formulierungen wie "Die Lehrer" tatsächlich eher Männer vor Augen sehen als bei "Lehrerinnen und Lehrer". 2026 erschien dazu eine umfangreiche wissenschaftliche Übersichtüber insgesamt 38 empirische Studien zur Wirkung geschlechtergerechter Sprache im deutschen Sprachraum. Sie bestätigt: Frauen werden durch geschlechtergerechte Sprache mental sichtbarer. In einem bekannten Experiment wird Versuchspersonen die Aufgabe gestellt, Prominente aufzuzählen. Zum Beispiel: "Nennen Sie zwei (oder drei, oder fünf) berühmte Politiker (Musiker, Schauspieler ...)". Wird die Frage so gestellt, fallen den Personen signifikant mehr Männer ein, als wenn die Frage geschlechtsneutral formuliert wurde ("... Politikerinnen oder Politiker"). Diese Experimente konnten 2024 in 12 Laboren erfolgreich repliziertwerden.Wann Bilder von "Männern" entstehen und wann eher nicht
Allerdings kommt es auch auf den Kontext an. Darauf weist auch die Linguistin Carolin Müller-Spitzervom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache im Podcast von Das Wissen hin. Es deutet sich eine Art Faustregel an: Bilder von "Männern" entstehen demnach vor allem dort, wo die Begriffe selbst bildhaft sind und sich auf anschauliche Tätigkeiten beziehen. Wenn wir also Formulierungen hören wie "die Bäcker", "die Ärzte" oder "die Politiker", neigen wir schon dazu, nur Männer vor unserem geistigen Auge sehen. Bei anderen Begriffen besteht diese Gefahr weniger. Etwa wenn "die Stuttgarter auf die Straße gehen", oder wenn "Impfgegner protestieren". Denn die Wörter "Stuttgarter" und "Impfgegner" beschreiben keine anschauliche Tätigkeit. Allerdings: So viel Forschung gibt es dazu noch gar nicht, um aus den Daten eindeutige Schlüsse zu ziehen.Gendersternchen erzeugt nicht zwangsläufig "geschlechtergerechte" Assoziationen
Umgekehrt ist es auch ein bisschen Wunschdenken zu glauben, dass man beim Lesen oder Hören eines Gendersternchens sofort an Menschen jeglicher geschlechtlicher Ausprägung denkt. Gerade in gesprochenen Texten hören viele statt der "Patient*innen", mit denen beide Geschlechter gemeint sind, eben doch die "Patientinnen" und wundern sich, warum die Männer nicht genannt werden. Hinzu kommt, dass Formulierungen mit Sternchen oder Doppelnennungen dazu führen, dass die Geschlechtsidentität in gewisser Weise überbetont wird, selbst bei Texten, in denen es überhaupt nicht um Geschlechterfragen geht. Wie viele Geschlechter gibt es? Diese Art zu sprechen ist zwar geschlechtergerecht gemeint, wirkt aber nicht immer so. Wenn ein Text von Politiker*innen spricht, sehen viele eben nicht Männer und Frauen in der Politik vor ihrem geistigen Auge, sondern sind mit ihren Gedanken eher bei dem- oder derjenigen, die diesen Text verfasst hat. Das alles sind keine Argumente, nicht zu gendern, sondern eher dafür, dass es für geschlechtergerechte Sprache kein Patentrezept gibt. Wie man "schön gendert", ohne dass es auffälltMon, 8 Jun 2026 - 05min - 6706 - Stimmt es, dass man Antibiotika nicht mit Milch nehmen soll?
Milch ist nicht bei allen Antibiotika problematisch
Das gilt für manche Antibiotika, aber längst nicht für alle. Manche enthalten Wirkstoffe, die sich mit dem Kalzium in der Milch zu größeren molekularen Klumpen verbinden. Diese Klumpen sind zu groß und sperrig, um die Darmwand zu durchdringen und ins Blut zu gelangen. Die antibiotischen Wirkstoffe bleiben dann wirkungslos, weil sie den Darm nicht verlassen können. Aber das gilt nur für ganz bestimmte Antibiotika, allerdings darunter auch das Breitband-Antibiotikum Tetrazyklin, das bei vielen Infektionskrankheiten eingesetzt wird, oder Norfloxacin – da geht es meist um Harnwegsinfektionen.Wer Tetrazyklin oder Norfloxacin nimmt, muss auf Milch verzichten?
Nein, selbst da reicht es, wenn man zwischen Milch und Tabletteneinnahme etwa 2 Stunden verstreichen lässt, damit Wirkstoff und Kalzium sich im Bauch nicht gleich über den Weg laufen.Woher weiß ich als Patient, ob sich mein Antibiotikum mit Milch verträgt?
Lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker ... Wenn es eine Unverträglichkeit gibt, dann muss das da drin stehen. Wie gesagt, es betrifft nur eine Minderheit von Antibiotika. Aber es gibt auch andere Medikamente, die unerwünschte Wechselwirkungen mit Milch haben: Mittel, die beim Knochenaufbau helfen oder gegen Osteoporose eingesetzt werden. Wenn Medikamente Probleme mit Milch machen, muss das in der Packungsbeilage stehen.Fri, 5 Jun 2026 - 02min - 6705 - Nehmen Menschen Farben gleich wahr?
Das weiß man nicht! Es ist sogar wahrscheinlich, dass Menschen Dinge tatsächlich unterschiedlich wahrnehmen, selbst Farben. Darauf deuten Phänomene wie Farbenblindheit hin, dass also manche Leute rot und grün nicht unterscheiden können. Dieses Symptom beweist, dass es Unterschiede gibt. Man könnte sagen: Das ist eine Ausnahme. Farbenblindheit ist etwas "Unnormales", diesen Menschen fehlen bestimmte Farbrezeptoren. Aber da sind wir schnell bei der Frage: Was ist "normal"?
Selbst im "Normalbereich" gibt es Unterschiede
Ein kleiner Test, den jeder selbst machen kann: Dunkeln Sie das Zimmer ab, sodass nur wenig Licht hineinscheint. Dann schließen Sie abwechselnd das linke und das rechte Auge. Bei vielen Menschen ist ein Auge lichtempfindlicher als das andere. Oft kommt es auch vor, dass ein Auge die Welt gerade bei schwachem Licht etwas farbkräftiger wahrnimmt, das andere etwas blasser. Oder die Welt erscheint in einem Auge etwas rotstichiger. Angesichts solcher Phänomene stellt sich die Frage: Wenn es schon zwischen dem linken und dem rechten Auge kleine Unterschiede gibt, wie groß können dann die Unterschiede zwischen zwei Menschen sein? Das erlebe ich auch zu Hause: Wenn meine Frau und ich über einen blaugrünen oder türkis-farbenen Gegenstand reden, kommt es vor, dass sie den Gegenstand eher als blau bezeichnet, während ich ihn gerade noch als grün bezeichnen würde.Kultur prägt Wahrnehmung
Was sich bei uns im Kleinen zeigt, haben kulturvergleichende Studien auch im Großen gezeigt, nämlich dass die Zuordnung bestimmter Farbtöne zu Farbwörtern entscheidend ist: Was ist noch Blau? Was ist schon Lila? Wo hört Gelb auf? Wo fängt Orange oder Rot an? Diese Grenzen werden in verschiedenen Kulturen unterschiedlich gezogen. Es gibt sogar Sprachen, die für Blau und Grün überhaupt keine Wörter haben. Daraus kann man folgern, dass die Sprecherinnen und Sprecher diese Farben auch nicht als eigenständige Farbtöne wahrnehmen. Oder denken Sie an das Phänomen der Synästhesie: Manche Menschen sehen Zahlen oder Wörter farbig, obwohl gar keine Farben da sind. Aber ihr Gehirn konstruiert diese Farben zu anderen Sinneswahrnehmungen dazu. Das alles gibt es. Insofern spricht vom Biologischen her vieles dafür, dass Menschen auch Farben sehr unterschiedlich wahrnehmen.Unmittelbare Wahrnehmungseindrücke lassen sich nicht eindeutig beschreiben
Zudem hat diese Frage eine erkenntnistheoretische Dimension: Könnte es nicht sein, dass zum Beispiel bei uns die Farben Rot und Grün vertauscht sind? Dass Sie die Farbe Rot so wahrnehmen, wie ich die Farbe Grün wahrnehme und umgekehrt? Dass das aber zu keinen Verwirrungen führt, weil wir ja für die gleichen Gegenstände und ihre Farben nach wie vor die gleichen Wörter benutzen und deshalb nicht merken, dass wir dabei ganz unterschiedliche Dinge sehen? Diese Frage ist philosophisch durchaus berechtigt und sie ist letztlich nicht beantwortbar. Denn wir reden über unmittelbare Wahrnehmungseindrücke, die wir mit Wörtern nicht eindeutig beschreiben können. Und solange aus einer unterschiedlichen sinnlichen Wahrnehmung kein unterschiedliches Handeln folgt, können wir über das Innenleben eines anderen Menschen nichts sagen. Es wäre zwar plausibel anzunehmen, dass die Natur die Menschen so ausgestattet hat, dass wir ähnliche Dinge ähnlich wahrnehmen, aber wissen können wir das nicht. Rein theoretisch könnte es sogar sein, dass außer Ihnen oder mir überhaupt niemand überhaupt irgendetwas wahrnimmt, dass alle anderen Menschen zwar den Eindruck erwecken, als seien es denkende und fühlende Wesen, in Wirklichkeit sind es aber nur Zombies oder von Außerirdischen geschickt programmierte Roboter. Es spricht zwar sehr vieles dagegen, dass es so ist, aber – wer weiß?Tue, 26 May 2026 - 03min - 6704 - Verhindert ein Silberlöffel beim Marmeladeeinfüllen das Zerspringen des Glases?
Marmeladenglas: Temperaturunterschied innen und außen erzeugt Spannung
Zunächst muss man fragen, warum das Glas überhaupt zerspringen kann, wenn man heiße Marmelade einfüllt. Es zerspringt, weil Spannungen im Glas entstehen. Die entstehen, weil sich die Innenseite des Glases sehr schnell erhitzt, wenn man heiße Marmelade einfüllt – dann dehnt sich das Glas an der Innenseite aus. Aber an der Außenseite des Glases, wo die Hitze noch nicht angekommen ist, dehnt sich das Glas nicht so aus. Durch diesen Temperaturunterschied zwischen innen und außen entsteht eine Spannung. Diese Spannung kann so groß werden, dass das Glas zerspringt.Silber: sehr guter Wärmeleiter – aber auch andere Faktoren wirken mit
Was macht jetzt der Löffel? Die Idee ist, dass der Silberlöffel die Wärme schnell ableitet, wenn man die Marmelade einfüllt. Und zwar sowohl die Wärme von der Marmelade als auch von den Stellen des Glases, die der Silberlöffel berührt. Wenn die Wärme schnell abgeleitet wird, wird das Glas nicht so heiß, und die Spannung ist nicht mehr so groß. Warum ausgerechnet ein Silberlöffel? Silber ist ein hervorragender Wärmeleiter, leitet Wärme fünfmal schneller ab als Eisen und immer noch doppelt so schnell wie Aluminium. Der Effekt ist also bei Silber tatsächlich deutlich größer als bei anderen Metallen oder bei Plastik. Ob dieser Tipp aber wirklich zuverlässig funktioniert, also wirklich garantiert, dass das Glas nicht zerspringt – darüber habe ich keine verlässlichen Informationen gefunden. Ich habe es auch nicht selbst probiert. Es hängt davon ab, wie dick das Glas ist und wie heiß die Marmelade.Gläser vorwärmen: weniger Spannung, mehr Hygiene
Allerdings gibt es einen zuverlässigeren Tipp: Wenn man das Marmeladenglas im Ofen auf ca. 70 bis 80 °C erhitzt, bevor man die Marmelade einfüllt, hat man zwei Vorteile: Erstens erwärmt sich das Glas, und zwar überall gleich. Wenn man dann die Marmelade einfüllt, gibt es nicht diesen Hitzeschock auf der Innenseite. Der zweite Effekt ist, dass das Glas gleich ein bisschen desinfiziert wird, was bei Marmelade gut ist. Denn Marmelade ist sehr anfällig für Verunreinigungen und verdirbt leicht. Wenn man vorerhitzt, werden gleich ein paar wichtige Keime abgetötet und die Marmelade hält dann möglicherweise länger.Fri, 22 May 2026 - 02min - 6703 - Ist Autofahren bei offenem Fenster oder mit Klimaanlage besser?
Eine Faustregel lautet: Bei kleineren Geschwindigkeiten im Ortsverkehr lieber das Fenster aufmachen, bei höherem Tempo lieber die Klimaanlage einschalten. Denn es ist ja so: Am offenen Fenster verwirbelt sich die Luft. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Luftwiderstand, und dieser zusätzliche Luftwiderstand wächst exponentiell mit der Geschwindigkeit: Je schneller man fährt, desto schneller verwirbelt sich die Luft und man braucht mehr Energie.
Klimaanlage braucht bei höherem Tempo weniger Energie
Bei der Klimaanlage ist es umgekehrt: Bei höheren Geschwindigkeiten braucht sie weniger Energie, weil das Auto in Bewegung ist und sich dadurch nicht so stark aufheizt, wie wenn es in der prallen Sonne stehen würde. Die Klimaanlage muss dadurch also nicht so viel runterkühlen. Beim offenen Fenster steigt also der Energiebedarf mit wachsender Geschwindigkeit, und bei der Klimaanlage sinkt der Energiebedarf mit wachsender Geschwindigkeit. Das heißt, dass es irgendwo einen Punkt gibt, an dem das eine besser ist als das andere. Als Richtwert sagt man, dass dieser Punkt etwa bei 70 bis 100 Stundenkilometern liegt. Ungefähr ab da ist die Klimaanlage auf jeden Fall besser. Im Einzelfall hängt das auch von der Bauart der Klimaanlage ab. Es gibt Klimaanlagen, die kaum noch etwas verbrauchen, also maximal vielleicht 0,2 Liter auf 100 km.Vor Fahrtbeginn: Auto durchlüften
Und natürlich kommt es auch darauf an, wie weit man die Temperatur herunterkühlen muss. Wenn man es richtig kalt haben will, braucht die Klimaanlage viel mehr Energie. Noch ein Tipp: Wenn man losfahren möchte und das Auto davor in der prallen Sonne stand und entsprechend aufgeheizt ist, sollte man erst mal gut durchlüften und bei leicht offenem Fenster losfahren, bis die ganz heiße Luft draußen ist. Denn es ist für die Klimaanlage wirklich ein Riesenunterschied, ob sie von 45 Grad herunterkühlen muss oder vielleicht nur von 26 oder 27 Grad.Tue, 19 May 2026 - 02min - 6702 - Wie kommt das Salz ins Meer?
Salziges Meerwasser durch Mineralieneintrag vom Festlandgestein
Das meiste Salz stammt von den Kontinenten. Es sind Mineralien, aus denen die Gesteine des Festlands bestehen. Die Steine verwittern und mit den Flüssen gelangen die Mineralien ins Meer. Dort passiert Folgendes: Das Meerwasser verdunstet wieder – das ist ja der normale Wasserkreislauf – aber beim Verdunsten bleiben die Mineralien zurück. So hat sich im Lauf von Jahrmillionen immer mehr Salz angereichert. Diesen Vorgang kennt man schon seit über 100 Jahren. Früher haben Leute versucht, zurückzurechnen und auf diese Weise das Alter der Erde zu bestimmen. Die haben sich überlegt: Irgendwann war das Meerwasser Süßwasser und heute kommen jährlich soundso viele Tonnen Mineralien ins Meer. Sie haben dann ausgerechnet, wie lange es gedauert haben muss, bis das Wasser so salzig ist wie heute. Dabei kamen sie auf einen Wert von etwa 9 Millionen Jahren. Heute wissen wir, dass die Erde viel älter ist, aber es ist auch klar: Man kann so nicht rechnen. Denn der Mineralieneintrag schwankt und auch andere Prozesse spielen eine Rolle.Salzabscheidungen: So kommt das Salz wieder raus aus dem Meer
Interessant ist aber die Frage: Warum ist das Meer nicht noch viel salziger? Die Meeresorganismen, die wir heute kennen, vertragen den Salzgehalt, so wie er heute ist – aber nicht viel darüber hinaus. Wäre das Meer 30 Prozent salziger, würden das die Zellen nicht aushalten. Was umgekehrt vermuten lässt: In den letzten paar hundert Millionen Jahren kann der Salzgehalt nicht viel höher gewesen sein als heute. Die Frage ist also: Wenn immer mehr Salz ins Meer reinkommt, wie kommt es dann wieder raus? Der Hauptmechanismus dabei sind Salzabscheidungen: Immer wieder bilden sich in der Erdgeschichte große Meeresbecken vor allem in heißen Gebieten. Dort schwappt Wasser hinein und verdunstet, bis die verbleibende Lake so salzig ist, dass sich große Salzseen bilden. Das kennen wir heute zum Beispiel aus Salt Lake City oder aus dem Iran – nur in noch größerem Umfang. Diese Salzablagerungen können von anderen Sedimenten überlagert werden, sodass sich Salzstöcke bilden. Die kennen wir von Norddeutschland – bekannt ist der Salzstock bei Gorleben; das war ursprünglich verdunstetes Meerwasser. Das ist die Erklärung, wie ab einer bestimmten Salzkonzentration immer wieder Salz aus dem Meer abgeschieden wird, sodass es über lange Zeiträume gesehen nicht zu viel wird.War das Meer schon immer salzig?
Man weiß aber inzwischen auch, dass die Annahme, irgendwann habe es mal mit Frischwasser angefangen, nicht stimmt. Im Gegenteil: Vor über einer Milliarde Jahre – als es nur winzige Mikroben auf der Erde gab – war das Wasser doppelt so salzig wie heute. Das ist auch eine der Erklärungen, warum es in dieser Frühzeit der Erde so lange gedauert hat, bis sich höhere Lebensformen gebildet haben. Denn ab einem bestimmten Salzgehalt kann sich kein Sauerstoff mehr im Wasser lösen. Und weil es damals Leben nur im Meer gab, waren alle Lebensformen, die auf Sauerstoff angewiesen waren, unmöglich.Mon, 18 May 2026 - 03min - 6701 - Warum kann man Wasser zwar schnell erhitzen, aber nur langsam abkühlen?
Wärme zu erzeugen ist relativ leicht
Um Wasser zu erhitzen, setzen wir es einer Umgebung aus, die noch viel heißer ist: Eine normale Herdplatte zum Beispiel kann 400°C heiß werden und die Herdplatte leitet die Wärme gut. Ähnlich ist es im Wasserkocher. Wenn ich das Wasser dieser großen Hitze aussetze, kann ich es schnell von Zimmertemperatur auf 100°C erhitzen – immerhin ein Temperatursprung von 80°C. Wenn ich das Wasser genauso schnell wieder um 80°C abkühlen wollte, also von 100°C auf 20°C, bräuchte ich bei gleichem Vorgehen eine Umgebung von fast minus 400°C. Das liegt weit unterhalb des absoluten Nullpunkts und das geht natürlich nicht.Es gibt auch keine "kühlende Mikrowelle"
Mikrowellen sorgen durch elektromagnetische Felder dafür, dass die Wassermoleküle in Bewegung versetzt werden. Aber umgekehrt gibt es keine Mikrowelle, die die Bewegung der Wassermoleküle bremsen und damit das Wasser abkühlen würde. Grundsätzlich gilt: Wärme zu erzeugen ist leicht. Man muss ein Gas entzünden oder lässt Strom fließen und schon wird es heiß. Dabei wird chemische oder elektrische Energie in Wärme verwandelt. Aber man kann die Wärme praktisch nicht wieder zurückverwandeln. – Wärme ist für die Natur die ungeordnetste und somit "bequemste" Form von Energie. Kühlen ist deshalb viel aufwendiger. Man kann da nicht einfach einen Schalter oder eine Platte anstellen und dann wird es kalt, sondern man bräuchte flüssigen Stickstoff oder Trockeneis, die mit viel Energie hergestellt werden müssten. Die einzige alltagstaugliche Möglichkeit, heißes Wasser abzukühlen, ist zu warten, bis sich die Wärme in der Umgebung verteilt hat. Oder aber man gibt reichlich Eiswürfel dazu.Fri, 15 May 2026 - 02min - 6700 - Kann es Leben ohne Sauerstoff und Wasser geben?
Leben ohne Sauerstoff ist möglich
Das ist eine spannende Frage, die auch viele Wissenschaftler beschäftigt. Die Antwort, die sie im Moment geben, lautet: Ja, vermutlich ist ein Leben denkbar, das völlig anders funktioniert als das, das wir kennen. Fangen wir beim Sauerstoff an. Da ist klar, dass es Lebensformen gibt, die ohne Sauerstoff auskommen. Die gibt es heute, nämlich überall dort, wo kein Sauerstoff hinkommt, in Feuchtgebieten oder in tieferen Seen zum Beispiel, wo das Wasser still steht. Da ist ab einer bestimmten Tiefe kein Sauerstoff mehr, aber es gibt dort Bakterien, die ohne Sauerstoff auskommen. Und man darf nicht vergessen: Die ersten Lebewesen auf der Erde hatten weder grüne Blätter, noch brauchten sie Sauerstoff – im Gegenteil, der Sauerstoff war ein Abfallprodukt und wie ein Gift für sie. Die Pflanzen, aber auch wir Menschen und Tiere, die den Sauerstoff nutzen, kamen erst viel später. Also Leben ohne Sauerstoff und Grün: keine Frage; das gibt es.Wasser ist essenziell für das Leben, das wir kennen
Wie ist es aber mit dem Wasser? Die große Frage bei den Marsmissionen war immer: Gibt es da flüssiges Wasser? Man weiß heute zumindest, dass es früher welches gab. Und da stellt sich natürlich die Frage: Wenn es Wasser gab, gab es dann dort auch Leben? Für das Leben, wie wir es kennen, ist Wasser absolut essenziell. Es ist das Lebens-Medium schlechthin, es transportiert Nährstoffe in die Organismen und Giftstoffe aus ihnen hinaus. Die Frage ist: Gibt es einen anderen Stoff, der das genauso könnte? Vielleicht irgendwo, wo es viel kälter ist als bei uns, wo es definitiv kein flüssiges Wasser gibt. Zum Beispiel hat der Planet Saturn einen Mond, der heißt Titan. Da ist es eiskalt, dort gibt es mit Sicherheit kein flüssiges Wasser. Aber es könnte Seen aus flüssigem Methan geben. Gut möglich, dass es da Lebensformen gibt, bei denen die Quelle des Lebens nicht Wasser, sondern Methan ist.Lebenswelt auf Basis von Silizium statt Kohlenstoff denkbar
Es geht sogar noch weiter: Der Grundbaustein des Lebens auf der Erde ist der Kohlenstoff. Alles Organische – Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette bis hin zu unserem Erbmaterial, der DNA – ist, zumindest das Grundgerüst, aus Kohlenstoffatomen aufgebaut. Kohlenstoff gehört nämlich zu den wenigen Elementen, die so vielseitig sind, dass sie viele hoch komplizierte Gerüste und Strukturen aufbauen können. Es gibt ein weiteres Element, das das theoretisch auch könnte: Silizium. Deshalb halten es manche Biologen für möglich, dass auch eine Lebenswelt auf Siliziumbasis zumindest denkbar ist. Und das in erster Linie auf anderen Planeten. Es gibt aber auch ernst zu nehmende Forscher, die sagen: Rein theoretisch könnte es diese Lebensformen sogar auf der Erde geben, vielleicht sogar in unserem Körper, nur dass wir sie noch nicht entdeckt haben. Gemeint sind keine grünen Männchen, sondern das könnten Kleinstlebewesen sein, die sich äußerlich kaum von Bakterien unterscheiden lassen. Wenn die aber völlig anders funktionieren würden als das Leben, das wir kennen, wäre es gar nicht so leicht, die unter all den anderen Organismen ausfindig zu machen.Tue, 12 May 2026 - 03min - 6699 - Warum ist der Mond auch tagsüber zu sehen?
Mond: zentraler Leuchtkörper am Nachthimmel
Wir lernen schon als Kinder, dass tagsüber die Sonne scheint und nachts der Mond. Das setzt sich fort bis zu den Symbolen im Alltag. Bei der Heizung zum Beispiel bedeutet "Sonne" Tagesheizung und eine Mondsichel steht für die Nachtabsenkung. So sind wir das gewohnt. Klar ist: Nachts sieht man den Mond besser, da ist er der zentrale Leuchtkörper am Himmel. Allerdings ist er das nicht jede Nacht. Bei Neumond etwa sehen wir ihn nachts nicht. Das liegt nicht nur daran, dass der Mond bei Neumond von der Sonne nicht angestrahlt wird, sondern dass der Neumond nachts so gut wie überhaupt nicht am Himmel steht.Neumond steht tagsüber am Himmel
Wenn man sich die drei Himmelskörper Sonne, Mond und Erde vorstellt, steht der Mond bei Neumond in der gleichen Richtung wie die Sonne. Das heißt, die Sonne strahlt ihn, von uns aus gesehen, von hinten an, nicht von vorne. Die Seite des Mondes, die wir sehen, wird nicht angestrahlt, weil der Mond irgendwo zwischen Erde und Sonne steht. Das bedeutet aber auch, dass, wenn der Neumond am Himmel steht, es dann Tag ist – der Mond befindet sich ja grob in Richtung der Sonne, also geht er von uns aus gesehen mit der Sonne auf und unter. Manchmal steht er sogar genau auf einer Linie mit der Sonne, dann haben wir eine Sonnenfinsternis. Eine Sonnenfinsternis kann es deshalb nur bei Neumond geben.Bei Vollmond ist es genau umgekehrt
Bei Vollmond steht der Mond auf der Nachtseite der Erde, also auf der Seite der Erde, die gerade der Sonne abgewandt ist. In dieser Situation strahlt die Sonne sozusagen an der Erde vorbei direkt auf die volle Vorderseite des Mondes. Deswegen sehen wir den Vollmond. Dieser Vollmond ist deshalb auch ein Nachtmond; er geht abends auf und morgens unter. Das sind die beiden Extremsituationen: Neumond und Vollmond. Bei Halbmond erreicht er zum Beispiel seinen höchsten Punkt am Himmel morgens bzw. abends. Das bedeutet, er ist dann auch schon vormittags bzw. nachmittags zu sehen.Sichelmond ist überwiegend ein Tagesmond
Man kann also sagen: Je voller der Mond, desto mehr ist er in der Nacht zu sehen. Wenn aber der Mond eine Sichel ist, ist er ja schon recht nahe beim Neumond. Das heißt, der Sichelmond ist in der überwiegenden Zeit seines Daseins ein Tagesmond, er ist kein ausgewiesener Nachtmond. Insofern ist – ganz streng genommen – die Mondsichel als Symbol der Nacht nicht ganz richtig.Fri, 8 May 2026 - 02min - 6698 - Warum heißen manche Seen "Meer" und umgekehrt?
In Norddeutschland gibt es das Zwischenahner Meer, das Steinhuder Meer und das Engelsmeer – keine Meere, sondern Binnenseen. Und die Nordsee heißt "See" und nicht "Meer". Warum ist das so? Dieses Phänomen gilt nicht nur für das Niederdeutsche, sondern auch für das damit eng verwandte Niederländische. Ganz deutlich wird das beim berühmten Ijsselmeer in Holland. Das heißt nämlich erst Ijsselmeer, seit es ein Binnengewässer ist. Als es zuvor noch eine große Meeresbucht war, hieß es Zuider-Zee – also "Südsee", im Gegensatz zur Nordsee. Woher kommt das? Hat irgendwann irgendwer in grauer Vorzeit gesagt: Wir machen jetzt alles andersrum? Wir spielen verkehrte Welt. Was bisher Meer hieß, nennen wir See und umgekehrt. – Aber so war es wohl nicht.
Meer und See: im Gegensatz zum Fluss "stehende" Gewässer
Eine Antwort habe ich mal vom Sprachwissenschaftler Thomas Becker aus Bamberg bekommen und finde sie auch ganz einleuchtend. Demnach hatten beide Wörter, Meer und See, ursprünglich die gleiche Bedeutung, nämlich "stehendes Gewässer" – im Gegensatz zum Fluss. Die Bedeutung hat sich erst später ausdifferenziert; dies aber in den Ländern, die an der Küste liegen, anders als bei denen, die sich im Binnenland befinden. In Norddeutschland, den Niederlanden, aber auch im Englischen wurde mit dem Begriff "See" irgendwann nur noch das offene Meer bezeichnet, während in den küstenferneren Gegenden, also auch in Süddeutschland, der Begriff "See" nur noch für Binnengewässer benutzt wurde – vielleicht weil der Binnensee im Süddeutschen wichtiger war als das ferne Meer. Ergänzend könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass der süddeutsche Raum näher am lateinischen bzw. romanischen Sprachraum ist, und im Lateinischen bedeutet "mare" nun mal auch Meer.Tue, 5 May 2026 - 02min - 6697 - Wie hoch können Fliegen fliegen?
Höhenrekorde kosten unnötig Kraft und Energie
Bis in welche Höhe Fliegen in der Natur fliegen, ist offenbar noch nicht systematisch erforscht und es gibt ja auch sehr viele Arten von Fliegen. Aber die Frage, wie hoch Fliegen fliegen können, stellt sich in der Natur gar nicht, weil Fliegen keinen Anlass haben, die Extreme auszuprobieren. Für eine Fliege besteht kein Anlass, hoch hinaus zu fliegen, was soll sie dort? Es kostet nur unnötig Kraft und Energie, und da oben gibt es nichts zu fressen. Da besteht nur die Gefahr, dass sie selbst von Vögeln oder nachts von Fledermäusen gefressen werden. Deshalb halten sich Fliegen, wie die meisten Insekten, eher dicht über dem Boden auf, wo sie sich auch orientieren. Und wenn sie Strecke fliegen, behalten sie meist einen gewissen Abstand zum Boden.Fliegen oder sich wehen lassen: Unterschiede im Reich der Insekten
Ich habe den Insektenkundler Lars Krogmann gefragt, wie es sich mit dem Fliegen in die Höhe bei Insekten verhält. Er unterscheidet zwischen dem aktiven Hoch-Fliegen und dem passiven "Sich-Hochwehen-Lassen". Ganz kleine Insekten – die man auch Luftplankton nennt – können noch in 8.000 Metern gefunden werden und z.T. überleben. Aber sie fliegen dort nicht gezielt hin, sondern werden von entsprechenden Winden erfasst. Anders ist es bei wandernden Insekten; Wanderheuschrecken zum Beispiel. Die nutzen diese Winde gezielt aus und lassen sich dadurch schon mehrere hundert Meter hochziehen.Hummeln am Mount Everest
Zu den wenigen Insekten, zu denen es wirklich systematische Untersuchungen bezüglich der Flughöhe gibt, gehören Hummeln. Man hat in China Hummelnester noch in 4.400 Metern gefunden. Und man hat Hummeln am Mount Everest in 5.600 Metern Höhe fliegen sehen. Es gibt Laborversuche, wo man die Bedingungen in großen Höhen simuliert hat – also eine künstliche Atmosphäre hergestellt hat mit entsprechend wenig Sauerstoff und niedrigem Luftdruck. Da haben die Hummeln noch Bedingungen ausgehalten, die denen von 9.000 Metern Höhe entsprechen – und sie haben das nicht nur überlebt, sondern konnten in dieser künstlichen Atmosphäre auch aktiv fliegen.Thu, 30 Apr 2026 - 02min - 6696 - Warum sind wir kitzlig?
Das Kitzeln ist offenbar ein soziales Phänomen, aber es ist auch eine der Fragen, auf die die Wissenschaft zwar ein paar Erklärungsmodelle gefunden hat, aber keine eindeutige Antwort. Was uns ja oft gar nicht klar ist: Kitzeln ist nicht gleich Kitzeln. Da haben Psychologen schon im 19. Jahrhundert zwei Formen unterschieden, nämlich: Knismesis und Gargalesis.
Knismesis: unangenehmer Reiz
Knismesis ist das Kitzeln, wenn einem z. B. eine Fliege über die Haut krabbelt. Manche kennen es auch, wenn sie mit einer elektrischen Zahnbürste das Zahnfleisch massieren und dann die Lippen so vibrieren, dass es unangenehm kitzelt. Das ist Knismesis: Ein Kitzeln, das eindeutig unangenehm ist und bei dem man auch überhaupt nicht in die Versuchung kommt zu lachen. Dieses "Kitzligsein" zu erklären ist an sich nicht so schwer: Es ist praktisch eine Vorstufe zum Schmerz: Wir spüren einen Reiz, der unangenehm ist, aber da vom Reiz keine wirkliche Bedrohung ausgeht, verbucht ihn unser Gehirn nicht als Schmerz, aber doch als lästig.Gargalesis: ambivalente Gefühle
Demgegenüber bezeichnet Gargalesisjenes Kitzeln, bei dem wir dieses ambivalente Gefühl haben. Jemand kitzelt uns, wir versuchen einerseits auszuweichen, andererseits müssen wir schon ein bisschen lachen. Es gibt auch bestimmte Körperstellen, an denen wir besonders kitzlig sind. Da ist die Erklärung schon kniffliger. Was soll das? Wenn Wissenschaftler das erklären wollen, fragen sie zunächst: Was macht das Phänomen des Kitzelns aus? Da fallen ein paar Besonderheiten auf:- Schon kleine Babys reagieren aufs Kitzeln, indem sie lachen. Das weist darauf hin, dass es eine sehr tief in uns verankerte Form der Kommunikation ist. Das wiederum legt die Vermutung nahe, dass über das Kitzeln auch eine starke emotionale Bindung kommuniziert wird. Es fällt auf und legt den gleichen Schluss nah: Auch Affen und andere Tiere sind kitzlig; und auch bei Affen kann man eine Reaktion beobachten, die dem Lachen sehr nahekommt.
Kitzeln: "Angriff" ohne Gefahr
In welchen Situationen lachen wir sonst? Zum Beispiel, wenn wir einen Witz hören. Da wird das Lachen durch einen Überraschungseffekt ausgelöst, durch etwas Unerwartetes, was einer Situation eine neue Wendung, einen neuen Kontext gibt. Und das passiert auch beim Kitzeln: Ich löse bei jemandem einen Reiz aus, der zunächst unangenehm ist, ich dringe in gewisser Weise in die Intimsphäre ein. Gleichzeitig ist durch den gesamten Kontext der Beziehung klar: Das ist kein Angriff, sondern liebevoll gemeint. So lässt sich vermutlich das Lachen deuten.Vermutung der Evolutionspsychologie: erst das Kitzeln, dann das Witzeln
Weil nun aber Affen und Babys nicht sprechen können, hegen manche Forscher sogar die weitergehende Vermutung, dass dieses Lachen, mit dem wir auf das Gekitzelt-werden reagieren, ein evolutionärer Vorläufer des "humorigen" Lachens ist. Affen können sich keine Witze erzählen, sie können nur miteinander spielen. Wenn wir also heute über Witze lachen, dann hat sich dieses Lachen möglicherweise aus dem Kitzel-Lachen heraus entwickelt. Kurz: Erst das Kitzeln, dann das Witzeln. Aber das ist, wie so vieles in der Evolutionspsychologie, bisher nur eine unbewiesene Vermutung.Tue, 28 Apr 2026 - 03min - 6695 - Wozu sind Augenbrauen da?
Augenbrauen verhindern, dass Schweiß in die Augen kommt
Es gibt zwei mögliche Gründe: Zum einen verhindern Augenbrauen, dass einem der Schweiß von der Stirn direkt ins Auge läuft. Das ist wohl die wichtigste Funktion. Für unsere Vorfahren in Afrika, die in der Hitze der Savanne viel herumgerannt sind oder gekämpft haben, war das wichtig. Denn wenn einem der Schweiß in die Augen tropft, ist das hinderlich. Und wenn man sich im falschen Moment den Schweiß aus den Augen wischt, kann es tödlich sein.Augenbrauen: Die Stelle, wo der Mensch Haare dazubekommen hat
Tatsächlich scheinen sich Augenbrauen erst entwickelt zu haben, als der Mensch die afrikanische Savanne erobert hat, denn unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, haben über dem Auge keine ausgeprägte Behaarung. Und das fällt auf: Eigentlich sind weniger behaart als Schimpansen, nur über dem Auge sind Haare dazugekommen. Der Schimpanse hat dafür etwas anderes, was die Menschen kaum noch besitzen, nämlich sogenannte Überaugenwülste. Dort, wo wir die Augenbrauen haben, stehen beim Affen – und das war auch noch beim Neandertaler so – die Knochen ein wenig heraus, sodass über den Augen die Stirn ein bisschen vorspringt.Sind Augenbrauen Ersatz für die Überaugenwülste?
Damit ergibt sich eine zweite mögliche Erklärung: In der menschlichen Kommunikation spielt Mimik eine große Rolle. Wir drücken über die Augenbrauen viele Gefühle aus. Wenn wir mürrisch sind, ziehen wir sie zusammen; sind wir freudig überrascht, ziehen wir die Brauen hoch. Und ganz ähnlich kommunizieren Affen mit ihren Überaugenwülsten. Der frühe Mensch hat diese markanten Wülste über den Augen verloren, weil das Gesicht im Lauf der Menschwerdung immer flacher geworden ist. Möglicherweise sind also Augenbrauchen ein Ersatz für die Überaugenwülste beim Affen bzw. beim Neandertaler. Sie tragen gewissermaßen dazu bei, dass die Mimik besser erkennbar ist. Aber das sind alles Vermutungen – beweisen lassen sie sich kaum.Fri, 24 Apr 2026 - 02min - 6694 - Warum herrscht bei schlechtem Wetter Tiefdruck, bei schönem Wetter Hochdruck?
Luftdruck: Ergebnis von Luftbewegungen
Der Luftdruck ist im Wesentlichen ein Ergebnis von Luftbewegungen. Dabei kommt es vor allem darauf an, ob ich mich an einer Stelle befinde, wo Luft absinkt, oder an einer Stelle, wo Luft aufsteigt. Über uns ist ja eine kilometerdicke Luftsäule. Wenn ich an einem Ort bin, wo die Luft absinkt, dann drückt die gesamte Atmosphäre über mir mit ihrem ganzen Gewicht nach unten. Dadurch ist der Luftdruck dann hoch. Steigt die Luft dagegen auf, führt das zu niedrigem Druck – die aufsteigende Luft wirkt wie eine Entlastung. Das heißt, Hoch- oder Tiefdruck ist vor allem eine Frage von aufsteigenden oder sinkenden Luftmassen.Tiefdruckgebiete am Äquator
Dort dort, wo die Luft aufsteigt, regnet es eher. Nehmen wir als extremes Beispiel die Äquatorgegend. Was passiert da? Dort steht die Sonne im Zenit, hat also die stärkste Strahlkraft. Wenn sie vormittags runterbrezelt, heizt sie erst mal die bodennahen Luftschichten auf. Nun steigt warme Luft bekanntlich auf. Aufsteigende Luft bedeutet Tiefdruck – deshalb haben wir am Äquator ein ständiges Tiefdruckgebiet. Dann geht die Geschichte weiter: Die Luft steigt auf und kühlt dabei ab. Irgendwann schließlich erreicht sie eine Höhe, wo es so kühl ist, dass die Feuchtigkeit in der Luft kondensiert und sich Wolken bilden. Dann kommt es zu den starken Regenfällen, die wir aus den Tropen kennen. Das ist der Zusammenhang: Tiefdruck = Luft steigt auf, Feuchtigkeit kondensiert, es regnet.Sahara: ständiges Hochdruckgebiet
Da ist es genau umgekehrt, da sinken die Luftmassen. Je tiefer sie sinken, desto mehr erwärmen sie sich. Und je mehr sie sich erwärmen, desto trockener werden sie – deshalb heißt Hochdruck in der Konsequenz: Trockene Luft, wenig Wolken, viel Sonne. Das Extrembeispiel sind die natürlichen Wüstengegenden der Erde – also etwa die Sahara – das ist im Grunde ein ständiges Hochdruckgebiet. Wir hier in Mitteleuropa dagegen sind in einer Gegend, wo wir beides in schöner Abwechslung haben: mal Hoch, mal Tief. Eigentlich ja ganz lustig, denn ohne diesen Zusammenhang gäbe es das Wort Stimmungsbarometer auch gar nicht. Aber so ist es tatsächlich: Zeigt das Barometer Hochdruck an, ist Sonne zu erwarten – und damit steigt tendenziell auch die Stimmung.Thu, 23 Apr 2026 - 02min - 6693 - Was ist der Unterschied zwischen Obst und Gemüse?
Diese Frage ist mit einem interessanten Phänomen verbunden: Wir haben schon im Kindesalter relativ schnell gelernt, intuitiv Obst und Gemüse zu unterscheiden – und trotzdem wissen die meisten Erwachsen gar nicht,was genau der Unterschied ist.
"Intuitive Biologie": Suche nach Ordnung in der belebten Natur
Dies passt zu einem Befund in der Kognitionswissenschaft, wonach unser Gehirn über eine "intuitive Biologie" verfügt. Wir sind darauf programmiert, in der belebten Natur eine Ordnung zu suchen. Zu den ersten Dingen, die kleine Kinder lernen und an denen sie Spaß haben, zählen die Geräusche von Tieren. Die Kuh macht Muh, der Esel I-Ah und so weiter. Das lernen sie mit Begeisterung, obwohl für die meisten Stadtkinder Kühe und Esel überhaupt nicht zu ihrem Alltag gehören. Kinder lernen auch ganz früh biologische Kategorien: Es gibt Fische, es gibt Vögel, und innerhalb der Vögel gibt es Tauben, Raben, Enten, usw.Obst und Gemüse sind keine Pflanzengattungen
Das Besondere ist, dass diese Unterscheidung nichts mit biologischer Taxonomie zu tun hat. Denn Obst und Gemüse sind keine Gattungsbegriffe für bestimmte Pflanzenarten. Wenn man darüber nachdenkt, was der Unterschied sein könnte, fällt einem ein: Obst wird roh gegessen, Gemüse meist gekocht. Das hat nichts mit Biologie zu tun, sondern ist eine Unterscheidung nach dem Kriterium, was man in der Küche damit anfangen kann. Dabei fallen auch sofort Ausnahmen ins Auge: Tomaten, Paprika, Kohlrabi werden oft auch roh gegessen, Gurken werden fast immer roh gegessen. Äpfel wiederum werden, gerade bei Wintergerichten, gerne auch mal mitgekocht. Das kann’s also nicht sein. Was aber dann? Vielleicht, dass es sich bei Obst meist um Früchte handelt, während man unter Gemüse oft die Blätter und Wurzeln der Pflanzen versteht. Aber auch da gelten die gleichen Ausnahmen: Tomaten, Gurken, Paprika, Zucchini würden wir als Gemüse bezeichnen, obwohl es auch Früchte sind. Dieses Kriterium funktioniert also auch nicht so eindeutig.Klare Definition ist schwierig
Könnte man sagen, Obst ist süß und Gemüse nicht? Das trifft zwar fast immer zu, aber Karotten zum Beispiel können auch süßlich schmecken, man kann Saft daraus machen. Die haben zwar einen deutlich geringeren Zuckergehalt als Äpfel oder Orangen, aber so ein richtig befriedigendes Kriterium ist das auch nicht. Denn dann müsste man einen bestimmten Zuckergehalt als Grenzwert festlegen und sagen: alles, was drüber liegt, läuft als Obst, alles andere als Gemüse. Das wäre dann ein eher willkürliches quantitatives Kriterium.Gemüse ist häufig einjährig, Obst mehrjährig
Es gibt aber noch ein Merkmal, an das die wenigsten Menschen denken: Gemüse sind fast immer einjährige Pflanzen; die halten eine Saison, dann muss neu gesät oder gepflanzt werden. Obst dagegen wächst an Bäumen oder Sträuchern, die mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte lang leben. Auch da gibt es Ausnahmen, aber es sind schon viel weniger: Spargel zum Beispiel wäre ein solches mehrjähriges Gemüse, ebenso Artischocken.Mischdefinition: Entscheidung von Fall zu Fall
Tatsächlich benutzen wir in unserem Kopf wohl eher eine Mischdefinition. Wir haben mehrere Kriterien zur Hand und wenn sich mehrere Kriterien widersprechen, dann wägen wir intuitiv ab und entscheiden von Fall zu Fall, was am besten passt. Also: Spargel ist zwar mehrjährig, aber er ist nicht süß und wir essen auch nicht die Früchte, sondern den Trieb – also zählen wir ihn zum Gemüse. Rhabarber ist auch mehrjährig, wir essen den Trieb und kochen ihn sogar – aber er wird süß gegessen, also zählen wir ihn meist als Obst.Wed, 15 Apr 2026 - 04min - 6692 - Welches ist der härteste Knochen im menschlichen Körper?
Felsenbein schützt das Innenohr
Es ist ein ziemlich kleiner Knochen, der an einer Stelle sitzt, die man von außen gar nicht sieht, nämlich am Innenohr. Es ist das sogenannte Felsenbein. Es schützt das Innenohr und damit auch das Gleichgewichtsorgan und die Hörnerven. Gerade weil dieser Knochen so klein ist, ist er auch so hart. Denn angenommen, wir stoßen uns den Schädel oder uns haut jemand aufs Ohr, dann soll sich dieser Knochen, der auf engem Raum ganz wichtige Nerven schützt, nicht deformiert werden, da sonst die Nerven abgeklemmt werden – mit allen negativen Folgen für das Gehör oder unser Gleichgewicht.Oberschenkel und Schienbein: weniger hart und damit weniger spröde
Es ist ein Trugschluss zu denken, dass die großen, starken Knochen auch die besonders harten sind – Oberschenkel oder Schienbein. Die müssen zwar viel aushalten, aber das tun sie durch Masse. Hinzu kommt: Die Härte eines Materials sagt noch nichts aus über seine Festigkeit. Härte ist die Fähigkeit, einer Verformung standzuhalten, wenn Kräfte von außen einwirken. Und da verhält es sich sogar eher so: Besonders harte Materialien sind gleichzeitig meist auch spröde. Das heißt, sie halten zwar viel aus, aber sie sind dadurch auch unbeweglich. Wenn also doch mal eine starke Kraft einwirkt, brechen sie schneller als weichere Materialien, die dem Druck etwas nachgeben können. Bei Knochen wie dem Oberschenkel oder dem Schienbein wäre es gar nicht so gut, wenn die extrem hart wären, denn dann würden sie bei stärkerer Belastung unter Umständen schneller brechen.Mon, 13 Apr 2026 - 01min - 6691 - Wer hat das Skateboard erfunden?
In den Annalen der Skateboard-Geschichte gibt es niemanden, den man als den einen Erfinder des Skateboards benennen könnte. Interessanter als der Name des Erfinders sind die Hintergründe der Entwicklung:
Kalifornien um 1950: Wellensurfen auf der Straße
Das Skateboard ist viel älter als ich bisher dachte, denn vor meinen Recherchen hatte ich es Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre verortet. Tatsächlich kam aber die erste Welle bereits in den 1950er-Jahren. Und Welle ist dabei auch das richtige Wort, denn Ausgangspunkt war Kalifornien: Die Idee war, das Wellensurfen auf die Straße zu verlagern. Die ersten Skateboards waren dann auch recht primitiv: Man nahm ein Brett oder eine Holzkiste und montierte darunter die Rollen von Rollschuhen. Das hat funktioniert, aber es gab anfangs doch viele Unfälle.Zweite Skateboard-Welle in den 1970ern
Um 1965 kam das Skateboard völlig aus der Mode und verschwand von der Bildfläche. Erst in den 1970er-Jahren kam dann die zweite Welle und damit der eigentliche Durchbruch auch bei uns in Deutschland.Rollen aus Polyurethan und bessere Achsen für das coole Fahrerlebnis
Diese zweite Welle hing mit einer technischen Innovation aus der Materialtechnik zusammen. Das Stichwort heißt: Polyurethan. Das ist eine besondere Kunststoffgruppe, von der vor allem in den 1950er-Jahren immer neue Varianten entwickelt wurden – unter anderem das künstliche Hartgummi, aus dem die Skateboard-Rollen bestehen. Dieses Rollenmaterial zusammen mit den entsprechenden Achsen, die auch eine gewisse Beweglichkeit erlauben, machten das coole gleitende Skateboard-Fahren mit all den Manövern, die wir heute kennen, erst möglich. Damit begann dann die zweite große Hochphase des Skateboards in den 1970er-Jahren, die, mit einigen Aufs- und Abs, bis heute anhält.Mon, 23 Mar 2026 - 02min - 6690 - Woran erkennt man eine echte Verschwörung?
In der Regel erkennt man sie gar nicht. Gelegentlich erkennt man sie dann, wenn ihre Zeit schon vorbei ist. Wenn die Verschwörung ihr Ziel erreicht oder eben nicht erreicht hat oder wenn Mitglieder der Verschwörung aussteigen und plaudern.
Bündnis, Seilschaft oder Komplott: Beispiel "Andenpakt"
Echte Verschwörungen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie meist zwei Dimensionen kleiner sind als man sich Verschwörungen so vorstellt. Man könnte sie dann auch einfach als Bündnis, Seilschaft oder Komplott bezeichnen. So was gibt es schon mal. Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist der berühmte Andenpakt – ein Bündnis einiger damals aufstrebender CDU-Politiker (es waren ausschließlich Männer), die sich mal bei einer Flasche Whisky im Flugzeug das Versprechen gegeben haben sollen, niemals gegeneinander anzutreten oder den anderen zum Rücktritt aufzufordern. Ihr Ziel, dass einer von ihnen Kanzler wird, haben sie aber nicht erreicht; sie konnten Angela Merkel nicht verhindern. Und irgendwann ist dieser Pakt dann auch in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Solche Bündnisse auf Zeit mit konkreten Zielen und einer überschaubaren Zahl von Akteuren kommen gelegentlich vor. Der Andenpakt musste auch nicht viel vertuschen, niemand musste gekauft oder bestochen werden. Es gibt keinen großen Superschurken, der alle unter Kontrolle hat. Obwohl der Andenpakt ein kleines Männerbündnis war, kam er ans Licht. Irgendwer hat halt doch mal gegenüber der Presse geplaudert, und am Ende haben die einzelnen Politiker ihr eigenes Süppchen gekocht.Gescheitert: Donald Trumps Mini-Verschwörung gegen Joe Biden
Ein anderes Beispiel: Donals Trump versucht, einen Pakt mit dem ukrainischen Präsidenten zu schmieden, um seinen Rivalen Joe Biden auszuschalten. Und das fliegt schnell auf. Der mächtigste Präsident der Welt und mindestens Multimillionär schafft es nicht, eine solche Mini-Verschwörung richtig durchzuziehen. Das ist die Wirklichkeit. Wenn es also echte Verschwörungen gibt, sind sie überschaubar, brüchig und alles andere als perfekt.Viel Fantasie: Gerüchte und Verschwörungsmythen
Ganz im Gegensatz dazu stehen all die großen Gerüchte und Verschwörungsmythen, die höchstwahrscheinlich auf nichts anderem beruhen als Fantasie. Die erkennt man daran, dass, wenn sie wirklich wahr wären, Hunderte, ja, Tausende von Menschen mit drinsteckten, weil sie von einem Superbösewicht gekauft und bestochen sein müssten – alles willige Marionetten, von denen niemand eigene Interessen verfolgt oder gar ein eigenes Gewissen hat.Zu perfekt, um realistisch zu sein
Überlegen Sie mal: Wie viele Menschen bei der NASA hätten mitspielen müssen, um eine fiktive Mondlandung zu inszenieren? Wie viele skrupellose Menschen hätten sich absprechen müssen, um im Auftrag der CIA die Türme des World Trade Centers zum Einsturz zu bringen? Alle halten dicht, niemand, der nein sagt, alles ist perfekt organisiert und streng geheim – aber dann doch nicht perfekt und geheim genug, als dass nicht ein paar Youtuber der Sache auf die Schliche kommen.Logik bei Verschwörungsmythen: Fehlanzeige
Die "Verschwörer" nehmen extreme Kosten und Risiken in Kauf für einen überschaubaren Gewinn. Bill Gates spendet angeblich viele Milliarden Dollar – in der Hoffnung, am Ende Impfstoffe an arme Menschen zu verkaufen? Dann wäre er mal besser Chef von Microsoft geblieben. In Verschwörungslegenden sind alle miteinander verstrickt und verfolgen so diffuse Ziele wie Weltherrschaft und Bevölkerungsdezimierung. In den ganz großen Verschwörungsmythen verfolgen die Akteure in Form von Templer-Orden oder Weltjudentum angeblich schon seit Jahrhunderten ihre Ziele, ohne dass irgendeine konkrete Information davon nach außen gedrungen ist. Und diese Verschwörungsgruppen sind einerseits wahnsinnig gerissen und gleichzeitig so blöd, nicht zu merken, dass das mit der Weltherrschaft bisher nicht geklappt hat und sie sich etwas anderes zu überlegen.Echte Verschwörung kommt ohne Weltmacht-Superschurken aus
Woran erkennt man also eine echte Verschwörung? Daran, dass sie genau diese Merkmale nicht hat: In einer echten Verschwörung gibt es keinen Welt-Superschurken. Es sind kurze Bündnisse mit wenigen Akteuren, die alle ihre eigenen Interessen verfolgen. Und wenn die Verschwörung wirklich eine ist und gut ist – dann nehmen sie die Verschwörer auch mit ins Grab.Tue, 17 Mar 2026 - 03min - 6689 - Warum ist Glas durchsichtig?
Glas ist durchsichtig, weil das Licht kaum mit dem Material reagiert. Denn was ist Materie? Materie ist aus Atomen aufgebaut. Atome bestehen aus einem schweren Kern und den Elektronen in den Außenhüllen. Dazwischen ist auf mikroskopischer Ebene unheimlich viel Platz. So wie zwischen den Planeten und der Sonne unheimlich viel Platz ist. Wenn nun eine Billardkugel durchs Sonnensystem fliegt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf einen Planeten trifft, sehr gering. Analog dazu haben die Lichtteilchen – die Photonen – viel Platz, um zwischen den Elementarteilchen "durchzuflutschen". Ganz so einfach ist es aber doch nicht, denn Lichtteilchen und Elektronen sind eben keine Billardkugeln, die kollidieren oder eben nicht kollidieren, sondern sie sind gleichzeitig auch Wellen, die schwingen, und das in einer bestimmten Weise, mit einer bestimmten Frequenz.
Blech: Licht wird schon an der Oberfläche von der Materie geschluckt
Wenn z.B. ein Stück Blech das Licht nicht durchlässt, dann liegt das daran, dass die Elektronen und somit die Atome im Blech auf die Schwingung der Lichtwellen reagieren. Sie lassen sich von der Schwingung "mitreißen" und werden "angeregt". Das bedeutet aber auch, dass ein großer Teil der Energie vom Licht auf die Atome übergeht. Praktisch bedeutet das, dass das Licht schon an der Oberfläche von der Materie geschluckt wird.Moleküle in Glas reagieren kaum auf Schwingungen der Lichtwellen
Bei Glas ist es anders: Glas besteht hauptsächlich aus Quarzsand, aus Siliziumdioxid. Diese Moleküle sind so beschaffen, dass sie auf die Schwingungen der Lichtwellen kaum reagieren. Deshalb behält das Licht seine Energie und geht weitgehend unbeschadet durch die Materie durch. Ein bisschen Licht wird zwar absorbiert; das macht sich aber bei einer dünnen Glasscheibe nicht bemerkbar. Wenn das Glas aber stärker ist, also 10 cm oder einen Meter dick, dann wird das Licht abgeschwächt – genauso wie im Meer das Sonnenlicht auch nur bis zu einer bestimmten Tiefe eindringt; darunter ist es dann dunkel. Außerdem gilt das, was ich zum Glas gesagt habe, nur für die sichtbaren Anteile des Lichts. Die wiederum bilden ja nur einen kleinen Ausschnitt aus dem gesamten Strahlungsspektrum. Für den größten Teil des ultravioletten Lichts dagegen (vor allem für die aggressive UV-B-Strahlung) ist Glas überhaupt nicht durchlässig – deshalb bekommt man ja hinter einer Glasscheibe in der Regel keinen Sonnenbrand.Tue, 17 Mar 2026 - 02min - 6688 - Warum laufen Krabben seitwärts?
Seitwärts sind Krabben schneller
Weil es schneller geht. Sie tun es auch vor allem dann, wenn sie schnell sein müssen. Wenn sie Zeit haben, dann bewegen sie sich durchaus auch vor und zurück, aber wenn sie schnell fliehen müssen, dann haben sie es seitwärts leichter.Krabbenbeine: wenig Raum für Bewegung nach vorn
Warum das so ist, wird klar, wenn man sich eine Krabbe von unten anschaut. Die Krabbe hat acht Beine, und diese Beine liegen auf beiden Körperseiten eng beieinander. Vergleich man sie mit Säugetieren wie etwa einem Hund oder einem Tiger, sieht man: Deren Vorder- und Hinterbeine sind weit auseinander und kommen sich beim Rennen nicht in die Quere. Bei der Krabbe setzt ein Bein hinter dem anderen an; die würden sich beim schnellen Laufen sehr wohl in die Quere kommen. Der seitliche Abstand ist größer, also der Ansatz der jeweils linken und rechten Beine liegt weiter auseinander, insofern können die seitlich schneller laufen. Was auch daran liegt, dass die "Gelenke", wenn man so will, seitwärts zeigen. Unsere Knie zeigen nach vorne, das ist unsere Laufrichtung, die Beine der Krabbe sind aber nach rechts und links orientiert.Machen Sie den Krabbentest!
Machen Sie doch mal Folgendes: Spielen Sie mit Ihren beiden Händen auf dem Tisch Krabbe. Legen sie also beide Hände jeweils in entgegengesetzter Richtung auf den Tisch, sodass sich die Handgelenke noch berühren: Die Handinnenflächen zeigen nach unten, die Finger der rechten Hand zeigen nach rechts, die linken Finger nach links. Diese Finger sind jetzt mal ihre Krabbenbeine. So. In welche Richtung könnten Sie sich als Krabbe jetzt leichter bewegen?Mon, 16 Mar 2026 - 01min - 6687 - Warum darf man mit Schneeketten nur 50 km/h fahren?
Das hat der Gesetzgeber vor allem aus Eigeninteresse so vorgeschrieben. Es gibt für die Vorschrift zwei Gründe:
- Die Fahrbahn soll geschont werden. Die harten Schneeketten belasten den Fahrbahnbelag viel stärker als ein Gummireifen. Je schneller die Autos fahren, desto mehr Druck und Reibung wird auf die Fahrbahn ausgeübt.Die Fahrsicherheit. Schneeketten kommen dort zum Einsatz, wo es durch Schnee und Eis ohnehin schon besonders rutschig ist. Bei Schnee und Eis ist der Bremsweg, verglichen mit einer trockenen Fahrbahn, um ein Vielfaches höher. Mit Ketten fährt es sich zwar griffiger, aber trotzdem können die Ketten den verlängerten Bremsweg nicht wettmachen. Die Geschwindigkeitsbeschränkung soll also die Verkehrssicherheit erhöhen.
Fri, 13 Mar 2026 - 01min - 6686 - Warum knirscht Schnee?
Schnee enthält viel Luft
Zwei Effekte spielen hier eine Rolle: Frischen Schnee treten Sie ja richtig zusammen. Das heißt, der Schnee enthält ziemlich viel Luft und wenn Sie drauftreten, drücken Sie die Luft raus. Deshalb lässt sich der Schnee ja zusammendrücken, wenn Sie zum Beispiel einen Schneeball formen. Sie drücken dann die Luft heraus und ein Geräusch entsteht. Aber das ist noch nicht das Entscheidende, denn wenn es nur die Luft wäre, dann müsste ja ein normaler Haushaltsschwamm ebenfalls so ein Geräusch machen, wenn Sie auf ihn treten. Das tut er aber nicht.Eiskristalle zerbrechen hörbar
Es kommt also noch etwas hinzu: Schneeflocken sind bekanntlich eine Ansammlung von kleinen Eiskristallen, die lose aneinanderhängen. Nun wissen wir, wie diese Eiskristalle aussehen: Das sind wunderschöne 6-strahlige symmetrische Sternchen. Jedes Eiskristall ist dabei einzigartig; es hat nicht nur diese sechs Strahlen oder Äste, sondern von denen gehen weitere kleine Äste ab und so weiter. Der Schnee, über den wir laufen, enthält somit unzählige von diesen Mini-Mini-Eisästchen. Und wenn wir sie zusammentreten, dann brechen sie. Jedes dieser Ästchen ist zwar mikroskopisch klein und fein, aber wenn Millionen davon brechen, dann machen sie dieses wattige, knirschende Geräusch. Das ist auch der Grund, warum der Schnee besonders laut knirscht, wenn er kalt ist. Dann sind nämlich die Eisästchen richtig steif und fest und brechen umso lauter. Wenn es warm ist, dann werden sie etwas beweglicher und krachen nicht mehr so schön.Thu, 12 Mar 2026 - 02min - 6685 - Wie sind die Vogelfedern entstanden?
Erste Federn wohl vor allem Schutz vor Kälte und Nässe
Es ist schwer, hier beweisfähige Aussagen zu treffen, weil von den Tieren, bei denen sich die Federn entwickelt haben, nicht mehr viel übrig ist. Klar ist auf jeden Fall: Die ersten Federn dienten mit Sicherheit nicht zum Fliegen, sondern einige Dinosaurier hatten schon Federn. Das ist in den letzten Jahren vor allem bei Ausgrabungen in China deutlich geworden. Die Federn selbst sind nicht mehr erhalten, aber Weichteilstrukturen aus der Haut, aus denen man ableiten kann, dass die Tiere gefiedert waren. Wobei man sich diese Federn nicht so vorstellen darf wie heutige Vogelfedern, sondern das waren eher Büschel, eine Vorstufe von Daunenfedern. Wenn wir an Daunen denken, dann denken wir an warme Federbetten und das nicht ohne Grund: Daunen halten warm. Und so gehen die meisten Forscher heute davon aus, dass diese ersten Federn vor allem als Wärmeschutz gedient haben. Oder auch dazu – wie heute bei den Wasservögeln – die Haut vor Nässe zu schützen.Federn zum Tarnen und Balzen
Vielleicht bekamen diese ersten Federn auch noch ein paar zusätzliche Funktionen, die die Entwicklung vorangetrieben haben. Es könnte z.B. sein, dass sie einem Saurier geholfen haben, sich zu tarnen. Oder dass die Entwicklung dadurch einen Schub bekommen hat, dass sich Federn zu einem Attraktivitätsmerkmal beim Balzverhalten entwickelt haben. Beim Balzen hätten sich dann vor allem solche Männchen durchgesetzt und fortgepflanzt, die ein auffälliges und stark entwickeltes Gefieder hatten – diese Funktion gibt es heute noch beim Pfau. Trotzdem erklärt das nicht, warum sich die Federn so perfekt weiterentwickelt haben, dass irgendwann ein Flugsaurier bzw. ein Vogel damit fliegen konnte. Der Weg zur perfekten Feder führt über viele Zwischenstufen, und die müssen auch einen Vorteil geboten haben.Federn von Vorteil beim Hüpfen und Springen
Nehmen wir an, so ein kleiner Saurier, der bereits Federn hat, sitzt auf einem Ast oder einer Anhöhe und springt herunter. Ab einer bestimmten Höhe wird es gefährlich. Aber es wird ein bisschen weniger gefährlich, wenn er seine befiederten Vorderextremitäten ausstreckt und somit den Luftwiderstand erhöht, sodass er einfach etwas weniger heftig am Boden auftrifft. Dieses Prinzip könnte sich dann immer mehr verstärken und denjenigen Sauriern einen Vorteil verschafft haben, die mit ihren Federn der Gravitation am meisten Widerstand entgegenzusetzen hatten. Oder aber – das wäre ein anderes Bild: Es hat bei Sauriern angefangen, die schnell gerannt sind und zwischendurch größere Sprünge gemacht haben. Auch da kann man sich vorstellen, dass bestimmte Federformen größere Sprünge ermöglicht haben. Auch so kann man sich einen Fortschritt zu immer flugfreundlicheren Federn vorstellen. Erklärbar ist es also. Aber wie es genau war, wird man vielleicht nie wissen.Tue, 10 Mar 2026 - 03min - 6684 - Was passiert, wenn Gliedmaßen einschlafen?
Abgeklemmt – Signalübertragung unterbrochen
Das Einschlafen von Händen oder Füßen beruht in den meisten Fällen darauf, dass ein Nerv abgeklemmt ist. Dann nämlich ist die Signalübertragung unterbrochen. Die Reize aus der Hand oder dem Fuß kommen nicht mehr im Gehirn an. Oder sie kommen nur bruchstückhaft an. Dann spürt man dieses unangenehme Kribbeln – aber natürlich kribbelt da nichts wirklich, es fühlt sich nur so an. Das ist analog dem Rauschen bei einer schlechten Handy-Verbindung – da rauscht es ja auch nicht wirklich am Ende der Leitung, aber durch die gestörte Verbindung kommt es so an.Wie können Nerven abgeklemmt werden?
Das kann verschiedene Gründe haben; wenn zum Beispiel das entsprechende Gelenk abgeknickt ist. Sitzt man längere Zeit im Schneidersitz, tritt das häufiger auf. Bei manchen Leuten passiert das auch, wenn sie zu enge Schuhe tragen. Da hilft dann im Zweifel, die Schnürsenkel zu lösen oder die Schuhe auszuziehen. Häufig kommt so etwas auch von Deformationen an der Wirbelsäule. Zum Beispiel von einem Bandscheibenvorfall. Wenn die Bandscheibe zwischen den Wirbeln herausgestülpt ist, drückt sie auf die Nervenbahnen, die hinter dem Wirbel verlaufen und die Verbindung vom Bein oder vom Arm zum Gehirn darstellen. Das heißt: Ein taubes Gefühl in den Füßen kann auf einen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich zurückgehen. Bei einem tauben Gefühl in Schultern und Armen wiederum ist die Ursache eher im Hals- und Brustwirbelbereich zu suchen.Ist das auch auf schlechte Durchblutung zurückzuführen?
Das kann indirekt auch mal sein. Denn die Nervenzellen werden ja auch von den Blutgefäßen versorgt. An vielen Stellen des Körpers verlaufen Nervenbahnen und Blutgefäße parallel – so ähnlich wie man in einem Haus für Telefonkabel und Stromkabel die gleichen Leerrohre nutzt. Wenn aber Adern und Nerven parallel verlaufen, kann es passieren, dass wenn der Nervenstrang abgeklemmt ist, die benachbarten Blutgefäße gleich mit abgedrückt werden. Das führt dann dazu, dass die Nervenbahnen noch schlechter mit Blut versorgt sind und dann erst recht nicht mehr funktionieren. So was erkennt man dann daran, dass die entsprechenden Gliedmaßen ganz weiß und schlecht durchblutet sind. Im Extremfall ist es dann so – das haben manche Leute in der Nacht – dass man zum Beispiel die Hand nicht nur nicht spürt, sondern auch nicht mehr bewegen kann, weil auch die motorischen Nerven betroffen sind.Mon, 9 Mar 2026 - 02min - 6683 - Wie misst man im Flugzeug die Windgeschwindigkeit?
Wind: Summe aus "wahrem Wind" und Flugwind
Ein Flugzeug, das sich mit 800 km/h und mehr durch die Lüfte bewegt, erfährt einen entsprechenden Flugwind. Wie kann ein Fühler am Flugzeug da die äußere Windgeschwindigkeit – den "wahren Wind" messen, der ja viel kleiner ist? Tatsächlich misst ein Windsensor immer nur den "scheinbaren Wind" – die Summe aus "wahrem Wind" und Fahrtwind. Um diesen "scheinbaren Wind" zu messen, sind an der Flugzeugnase sogenannte Staudruckrohre angebracht – das sind Rohre mit Messfühlern am Ende, die den Druck messen, der beim Fliegen auf das Flugzeug wirkt. Dieser Druck verrät die Kraft des scheinbaren Windes.Fluggeschwindigkeit wird mithilfe von GPS ermittelt
Auch ein Messfühler, den man am Flugzeug anbringt, kann immer nur den scheinbaren Wind messen, und der wird im Flugzeug vor allem durch den Flugwind von z.B. 800 km/h bestimmt. Trotzdem bekommt man im Flugzeug zum Beispiel mitgeteilt: "Flughöhe: 10.000 Meter, Windgeschwindigkeit: 50 km/h". Dieser Wert lässt sich nur über Umwege errechnen. Und zwar, indem man genau umgekehrt vorgeht: Man ermittelt den scheinbaren Wind und zieht von dem wiederum die Fluggeschwindigkeit ab. Die Differenz zwischen relativer Bewegung durch die Luft und absoluter Bewegung über Grund (auch wieder nach dem Prinzip des Kräfteparallelogramms, nur umgekehrt) entspricht dem Wind, der am Ort des Geschehens tatsächlich weht. Hinter einer scheinbar lapidaren Anzeige “Windgeschwindigkeit 50 km/h” steckt also eine ziemlich aufwändige Rechnerei.Thu, 5 Mar 2026 - 03min - 6682 - Was bricht beim Stimmbruch?
Das Wort ist eigentlich eine Täuschung, denn anatomisch gesehen bricht gar nichts. Es geht auch nichts kaputt, es reißt nichts. Das Einzige, was bricht, ist der Klang.
Je länger die Saite, desto tiefer der Ton
Was aber passiert nun beim Stimmbruch? Das sind vor allem zwei Dinge: Der Kehlkopf wird in der Pubertät länger und die Stimmlippen wachsen. Die Stimmlippen, das ist das, was schwingt, was den Ton erzeugt. Die wachsen und gehen bei den Jungs auf die doppelte Länge. Und da gelten die gleichen physikalischen Gesetze wie bei einer Gitarren-Saite: Je länger die Saite, bzw. der schwingende Teil der Saite, desto tiefer der Ton. Und wenn die Saite doppelt so lang wird, dann sinkt der Ton um eine Oktave. Das in etwa passiert bei den Jungs.Stimmlippen wachsen nicht gleichmäßig
Dummerweise wachsen die beiden Stimmlippen meist nicht gleichmäßig und nicht gleichzeitig. Dadurch kommt es manchmal zu diesem Krächzen oder den plötzlichen Tonwechseln zwischen piepender Kinderstimme und mehr oder weniger sonorer Jugendstimme. Bei den Mädchen übrigens werden die Stimmlippen auch länger, aber nur um etwa 30 Prozent – und deshalb sinkt die Stimme im Schnitt auch nur um eine Terz.Wed, 4 Mar 2026 - 01min - 6681 - Warum sind Eier mal braun und mal weiß?
Weiße Eier haben keine Pigmente
Das ist eigentlich ganz einfach: Braune Eier haben verschiedene Pigmente, weiße Eier haben keine Pigmente. Eierschalen bestehen hauptsächlich aus Kalk. Kalk ist weiß – das ist die Grundfarbe der Eier. Ob ein Huhn weiße oder pigmentierte Eier legt, ist ausschließlich eine Frage der Gene und damit eine Frage der Hühnerrasse.Faustregel: braune Hühner legen braune Eier, weiße Hühner weiße Eier
Als Faustregel stimmt tatsächlich das, was man oft hört, nämlich dass braune Hühner braune Eier und weiße Hühner weiße Eier legen. Es ist nicht durchgehend so; es gibt auch braune Hühner, die weiße Eier legen und umgekehrt. Aber als Faustregel kann man das so stehen lassen."Wildhuhn" legte gelblich-braune Eier
All diese Rassen wiederum sind Zuchtrassen. Das ursprüngliche „Wildhuhn“ hat wie viele Vögel leicht gelblich-braune Eier. Im Lauf der Haustierhaltung wurden dann die Hühner wahlweise auf weiße oder braune Eier hin gezüchtet. Wenn Sie also ein weißes Ei haben, stammt das wahrscheinlich von einem Leghorn-Huhn. Das ist eine Züchtung, die ursprünglich aus Italien kommt. Wenn Sie ein braunes Ei haben, stammt das in der Regel von einer anderen Rasse – da gibt’s verschiedene, die braun pigmentierte Eier legen. Die Eier bekommen ihre Farbe dabei erst sehr spät: Die Entstehung eines Eis im Hühnerleib dauert etwa 24 Stunden, aber erst in den letzten 5 Stunden vor der Ablage bekommt es die Pigmente.Braune Eier sind nicht gesünder
Braune Eier sind nicht gesünder und schmecken auch nicht anders. Es ist ein reiner Farbunterschied. Nur sind die braunen Eierschalen etwas dicker und härter. Und sie werden gern verkauft, denn eine Zeit lang, bis in die 1970er-/1980er-Jahre, gab es auf dem Markt fast nur weiße Eier. Etwa zeitgleich mit dem Aufkommen der Bio-Bewegung kamen dann die braunen Eier in Mode. Deswegen ist noch heute bei vielen Verbrauchern die Assoziation da: braun = natürlich = Bio. Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.Tue, 3 Mar 2026 - 02min - 6680 - Warum bin ich manchmal elektrisch aufgeladen?
Physikalisch ist ein Körper geladen, wenn er, vereinfacht gesagt, mehr positive Ladung als negative Ladung hat – oder umgekehrt. Normalerweise sind Atome elektrisch neutral, sie haben genauso viele Protonen – also positive Teilchen – wie Elektronen. Die Protonen sind im Inneren des Atoms, die Elektronen in der Hülle.
Warum wir gerade im Winter oft elektrisch aufgeladen sind
Nehmen wir aber jetzt an, Sie haben im Auto einen Kunststoffbezug, auf dem Sie die ganze Zeit reiben. Oder ein anderes Beispiel: Sie kämmen Ihre Haare mit einem Plastikkamm. Oder, was im Winter oft passiert: Beim Anziehen eines Fleece-Pullovers oder einer Fleece-Jacke sind die Haare auch elektrisch aufgeladen. Dabei passiert Folgendes: Durch die Reibung werden an der Oberfläche der Haare Elektronen weggerieben und heften sich an die Kunstfasern der Stoffe. An den Haaren bleiben nur die positiven Teilchen zurückbleiben – damit sind wir positiv aufgeladen. Und wenn wir dann zum Beispiel aus dem Auto aussteigen und den Türgriff anfassen, kommt es zu einer plötzlichen Entladung. Wir spüren das in Form eines kleinen Stromschlags.Warum die Haare zu Berge stehen
Wenn sich wiederum die Haare aufladen, stehen sie "zu Berge". Denn: Es ist dann jedes einzelneHaar positiv aufgeladen. Und positive Ladungen stoßen einander ab. Das heißt, jedes Haar sucht von seinem Nachbarn den größtmöglichen Abstand. Der ist dann erreicht, wenn sich die Haare weitestmöglich von der Kopfhaut wegstrecken.Schädlich ist das nicht
Es ist nicht schädlich. Aber wenn Sie wissen wollen, was man dagegen machen könnte: Beim Auto zum Beispiel gibt es einen Trick: Bevor Sie die Tür aufmachen, sollten Sie zuerst etwas Metallisches anfassen und dann erst den Fuß auf den Boden setzen. Das soll helfen.Mon, 2 Mar 2026 - 02min - 6679 - Sterben Spinnen, wenn man sie mit dem Staubsauber aufsaugt?
Guckt man ins Internet, dann findet man etliche Nutzer, die davon berichten, dass Spinnen wieder aus dem Staubsauger rausgekrabbelt sind. Andere behaupten, das könne gar nicht sein, weil es die Tiere im Staubsaugerschlauch zerreißt bzw. sie spätestens im Staubsaugerbeutel ersticken, weil der viele Staub dort die Atemwege der Spinnen – die Tracheen – verstopft.
Mit 100 km/h gegen die Wand
Das sind natürlich alles Mutmaßungen von Internetnutzern. Ich habe deswegen bei führenden Staubsaugerherstellern angerufen. Die Antwort war: Im Regelfall werden die Spinnen tatsächlich beim Einsaugen getötet, und zwar vor allem aufgrund der hohen Geschwindigkeiten. Beim normalen Staubsaugen, also mit 1.000 bis 2.000 Watt, fliegen die Tiere mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 140 Stundenkilometer durch den Schlauch. Der Schlauch ist gekrümmt und hört irgendwo auf. Das heißt, die Tiere prallen mit einer Geschwindigkeit von über 100 km/h an eine Wand, und das dürften sie kaum überleben. Es sei denn, man saugt vielleicht mal mit ganz kleiner Leistung einen Vorhang ab, an dem eine Spinne dranhängt. Aber bei den normalen Leistungen stehen die Chancen für die Spinnen eher schlecht.Hygieneventil vereitelt jede Chance für die Spinne
Neuere Staubsauger haben heute ein Hygieneventil am Ende des Schlauchs. Das heißt, selbst wenn die Spinne oder das Insekt lebend in den Staubsaugerbeutel hineinkommt, kommt sie nicht wieder raus.Sun, 1 Mar 2026 - 02min - 6678 - Wie wurden früher Wasserspiele und Fontänen ohne elektrische Pumpen betrieben?
Wenn man keine Motoren und keine elektrischen Pumpen hat, braucht man, um eine Fontäne anzulegen, vor allem eines: ein ordentliches Gefälle, also eine Höhendifferenz, sodass das Wasser von irgendwo oben runterrauscht. Und man braucht die entsprechenden Rohre, mit denen das Wasser kanalisiert und unter Druck gesetzt werden kann, sodass es mit ordentlicher Power aus dem Fontänenrohr spritzt.
Wilhelmshöhe: Wasser in Höhenlagen in Becken sammeln
Das zu lösende Hauptproblem ist also: Wie bekomme ich das Wasser in die Höhe? Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: In ersten Fall ist das Wasser schon oben und man muss es nur runterplätschern lassen – das kann man sehr schön im Schlosspark Wilhelmshöhe in Kassel sehen mit der großen Fontäne. Die Fontäne ist 52 Meter hoch, die höchste natürliche Fontäne Europas, angelegt im 18. Jahrhundert. Wie funktioniert’s? – Der ganze Schlosspark ist an den Hängen des Habichtswalds angelegt. Oben, auf den Höhen des Habichtswalds, befinden sich große Sammelbecken. Dort wird das Wasser über speziell angelegte Kanäle hingeleitet. Die Sammelbecken fassen 40.000 Kubikmeter Wasser. Zu bestimmten Zeiten wird das Wasser ins Tal gelassen – über die Wasserspiele bis zum Fontänenteich.Versailles: Wasserkraft nutzen und Wasser in die Höhe pumpen
Wenn man allerdings kein natürliches Gefälle hat wie in Kassel, muss man zur zweiten Variante greifen und das Wasser zunächst auf eine Höhe pumpen. Auch das geht ohne Strom, die Techniken dafür gab’s schon bei den alten Römern. Man kann mithilfe von Wasserkraft Wasserräder betreiben, die das Wasser in die entsprechende Höhe pumpen. Das eindrücklichste Beispiel hierfür wiederum ist Versailles. Da hat sich der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. einen Mordsaufwand geleistet – und das im Jahr 1682. Er hat an der Seine ein wasserkraftbetriebenes Wasserhebewerk errichtet, bestehend aus 14 großen Wasserrädern, die das Wasser über mehrere Stufen auf eine Höhe von 160 Metern befördert haben. Das war ein gigantischer Aufwand, Wälder wurden gerodet, tausende von Kilometern Rohre verbaut. Fast 2.000 Arbeiter haben fünf Jahre lang daran gearbeitet. Und das alles, damit vor Schloss Versailles das Wasser in die Höhe schießt.Sat, 28 Feb 2026 - 02min - 6677 - "Chemtrails": Versprühen Flugzeuge Aluminium, um eine weitere Klimaerwärmung zu verhindern?
Verschwörungstheorie, die sich seit Jahren hält
Nein, stimmt nicht. Es ist eine Verschwörungstheorie, die sich seit Jahren hält: Die "bösen Amerikaner" sprühen, damit sie an ihrer Klimapolitik nichts ändern müssen, stattdessen Metalle in die Atmosphäre, sodass die die Sonnenstrahlen reflektieren und sich das Klima auf diese Weise wieder abkühlt ... Man kann mehrere Wege gehen, um das zu überprüfen.- Zunächst kann man fragen: Wenn sie das tatsächlich seit Jahren tun würden: Hat es was gebracht? Die Antwort lautet ganz klar: nein! Es kommt heute eher mehr Sonnenstrahlung auf der Erde an als vor zehn Jahren.Man kann außerdem Messungen vornehmen – also die Zusammensetzung der Luft hinter Flugzeugen messen. So was wird standardmäßig immer wieder gemacht. Auch da hat noch niemand erhöhte Aluminium-Konzentrationen nachweisen können. Man kann Experten fragen, die sich damit beschäftigen. Alle sagen – ob Umweltbundesamt, das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder der deutsche Wetterdienst: Das ist Blödsinn. Die Kondensstreifen sehen heute noch genauso aus wie vor 30 Jahren. Zwar sehr unterschiedlich, mal kurz und schmal, mal breit und ausfransend, aber das hängt immer von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und den Windverhältnissen ab. Es kommen aber im Prinzip heute keine Varianten vor, die es früher nicht auch schon gegeben hätte.
Urban legend
Es ist also eine Verschwörungstheorie. Verschwörungstheoretiker nehmen irgendwelche Halbwahrheiten, die sie aufschnappen, und rühren sich damit ihren eigenen Brei.Wetter kurzfristig beeinflussen – um etwa schweren Hagel zu verhindern
Das einzige, was es tatsächlich gibt, aber überhaupt nicht geheim ist, sind Aktionen, um kurzfristig das Wetter zu beeinflussen. Also nicht das langfristige Klima, sondern nur das Wetter. So was machen zum einen die Russen und die Chinesen gern bei Großereignissen – bei der Eröffnung der Olympischen Spiele etwa. Da sind vorher Flieger unterwegs, die künstlichen Regen herbeiführen, damit der Himmel zum Ereignis schön blau ist. Die versprühen aber kein Barium oder Aluminium, sondern Silberjodid, um damit die Kondensation in den Wolken zu beschleunigen. Das gilt in der ausgebrachten Menge als gesundheitlich unbedenklich und hat auch nichts mit Klimaveränderung zu tun, sondern beeinflusst – wenn überhaupt, denn schon das ist wenig belegt – lediglich das kurzfristige Wetter. So was wird auch z.T. bei uns in Südwestdeutschland gemacht, im Stuttgarter Raum mit den sogenannten Hagelfliegern. Die sollen nicht für schönes Wetter sorgen, sondern vor allem größere Hagelschäden verhindern. Das ist überhaupt nicht geheim, sondern läuft ganz offiziell; wir haben darüber auch schon berichtet.Verwschwörungsmythen auf Realisierbarkeit und Plausibilität prüfen
Bei solchen Verschwörungsgerüchten denke ich immer als erstes: Wie viele Leute müssten da eigentlich Bescheid wissen und vor allem dann auch dicht halten? Wenn man sich anschaut, welche Skandale bei uns auffliegen, in die vielleicht nur 5 bis 10 Menschen eingeweiht sind, weil irgendjemand doch Skrupel bekommt und was ausplaudert. Wenn man sich dann überlegt – wer müsste bei einer solchen Geheimoperation alles Bescheid wissen? Die komplette US-Regierung, die Spitze des Geheimdienstes, die Spezialabteilungen der Geheimdienste und all die Leute, die die Aktionen praktisch durchführen, die Piloten und Transporteure. Da kommt doch einiges zusammen.Fri, 27 Feb 2026 - 03min - 6676 - Trinken Fische das Wasser, in dem sie schwimmen?
Es kommt darauf an, ob es sich um Süß- oder Salzwasserfische handelt. Wir wissen von uns selbst: Wenn wir Salzwasser trinken, können wir damit keinen Durst löschen und auch unseren Wasserbedarf nicht stillen, weil wir das ganze Salz wieder rausschwemmen müssen und allein dafür das ganze Wasser schon wieder aufbrauchen. Wie ist das nun mit den Fischen?
Maul, Haut, Kiemen, Schleimhäute: Fisch tauscht ständig Wasser aus
Ganz banal: Der große Unterschied zwischen uns und den Fischen ist, dass sie im Wasser leben. Das hat zur Folge, dass sie das Wasser nicht nur trinken können, sondern auch auf anderen Wegen aufnehmen. Das heißt, der Fisch als Organismus ist kein abgeschlossener Körper – wie eine Glasflasche, die wasserdicht im Wasser treibt – sondern der Fisch tauscht mit seiner Umgebung ständig Wasser aus. Zum Teil über die Haut, zum Teil über die Kiemen und Schleimhäute und zum Teil durch den Mund, indem er trinkt.Osmose: Wasser drängt zum Salz
Aber genau da gibt’s einen Riesenunterschied zwischen Süßwasserfisch und Salzwasserfisch: Der Salzwasserfisch ist von Wasser umgeben, das salziger ist als seine eigene Körperflüssigkeit. Da passiert das Gleiche wie bei einer aufgeschnittenen Tomate, wenn man sie salzt: Sie verliert Wasser. Sie kennen vielleicht den Ausdruck Osmose, genau das passiert da. Osmose heißt: Es gibt eine dünne Membran, die nur Wasser durchlässt, aber keine Salze, weil die Salzmoleküle einfach zu groß sind. Wenn auf beiden Seiten dieser Membran Flüssigkeit ist – auf der einen Salzwasser, auf der anderen Süßwasser – dann drängt das Wasser in dieser Flüssigkeit zum Salz hin. Beim Meerwasserfisch bedeutet das, dass das Wasser vom Gewebe des Fischs ins Meer drängt. Das ist Osmose – ein komplizierter Prozess, aber wenn man an die gesalzene Tomate denkt, ist es das gleiche Prinzip: Das Wasser drängt zum Salz. Der Fisch würde also ständig Wasser verlieren. Mit anderen Worten: Würde er kein Wasser zu sich nehmen, würde er mitten im Meer austrocknen. Deshalb muss er trinken, trinken, trinken, um das ganze Wasser auszugleichen, das er verliert.Salzwasserfisch: Kiemen als Meerwasserentsalzungsanlage
Aber das alleine reicht noch nicht, denn er braucht ja auch Wasser, um einen normalen Stoffwechsel in seinen Zellen aufrechtzuerhalten. Deshalb nimmt er zusätzlich Wasser über die Kiemen auf, denn seine Kiemen bestehen auch aus so einer Membran, also einer dünnen Haut, die nur Wasser durchlässt, aber keine Salze. Das heißt, über seine Kiemen atmet er nicht nur; die Kiemen sind gleichzeitig eine kleine Meerwasserentsalzungsanlage. Was über die Kiemen im Fisch ankommt, ist Süßwasser. So funktioniert der Salzwasserfisch. Es gibt ein paar Ausnahmen, aber das ist das grobe Prinzip.Süßwasserfisch muss nicht trinken
Beim Süßwasserfisch ist es genau umgekehrt. Nehmen wir eine Forelle im Fluss: Da ist die Salzkonzentration im Fisch größer als die in der Umgebung. Wir erinnern uns: Das Wasser drängt immer dahin, wo es salziger ist – da drängt ständig Wasser aus dem Fluss oder dem See über die Haut in den Fisch hinein. Der Süßwasserfisch muss deshalb gar nichts mehr trinken – er trinkt tatsächlich nicht! Sondern er ist die ganze Zeit damit beschäftigt, das viele Wasser, das von allen Seiten über die Haut in ihn hineindrängt, auszuscheiden. Mit anderen Worten: Der Salzwasserfisch ist ein großer Trinker, der Süßwasserfisch ist ein großer Pinkler.Thu, 26 Feb 2026 - 03min - 6675 - Warum schmecken Druckstellen am Obst besonders süß?
Polyphenole und Sauerstoff reagieren an der beschädigten Stelle miteinander
Wir kennen das: Wenn der Apfel ein bisschen braun wird, dann schmeckt der auch süß. Aber das Braune hat mit der Süße nichts zu tun. Das sind vielmehr zwei unterschiedliche Prozessen die hier eine Rolle spielen. Das habe ich mir erklären lassen von Reinhold Kahle von der Uni Hohenheim. Wenn der Apfel runterfällt, wird er beschädigt und die Zellen gehen kaputt. Dabei passiert Folgendes: In den Zellen sind bestimmte Substanzen, die heißen Polyphenole. Und in den Zwischenräumen zwischen den Zellen ist Sauerstoff drin. Das merkt man auch daran, dass ein Apfel schwimmt, wenn man ihn ins Wasser legt. Das liegt am Sauerstoff, der zwischen den Zellen eingelagert ist. Wenn diese Zellen kaputtgehen, reagieren die Polyphenole und der Sauerstoff miteinander. Dadurch sollen Schaderreger abgewehrt werden, die die Zellen befallen können. Und das, was Polyphenolen und dem Sauerstoff entsteht, oxidiert. Dadurch werden die Früchte an der Stelle braun.Gleicher Effekt: angeschnittener Apfel wird braun
Auch ein angeschnittener Apfel wird braun. Allerdings kann es auch vorkommen, dass der Apfel innen braun wird, obwohl man außen nichts sieht und die Schale unbeschädigt ist.Süße entsteht durch eine Art Stressreaktion
Das Süße ist eine Art Stressreaktion, im Grunde wie eine Wundheilungsreaktion. Der Apfel fängt an, mehr zu atmen. Beim Atmen wird Apfelsäure verbraucht, so wie bei unseren Zellen Zitronensäure. Wir kennen den Zitronensäurezyklus – das funktioniert beim Apfel durch die Apfelsäure. Wenn diese Fruchtsäure aufgebraucht wird, ist sozusagen die Mischung weniger sauer. Sprich: Sie ist mehr süß. Dadurch schmeckt der Apfel an dieser Stelle süßer. Es ist aber nicht mehr Zucker drin, sondern nur das Saure ist weg – und dadurch bleibt mehr Süße übrig.Wed, 25 Feb 2026 - 02min - 6674 - Warum fällt das Butterbrot immer auf die geschmierte Seite?
Butterbrot fällt in der Regel nicht zufällig
Das erinnert an "Murphy’s Law"– dieses scheinbare Naturgesetz, auf das sich Berufspessimisten berufen: Alles, was schief gehen kann, geht auch schief, und es trifft immer der schlechtest mögliche Fall ein: An der Kasse im Supermarkt landet man grundsätzlich in der langsamsten Schlange. Und das Butter- oder Marmeladenbrot landet beim Herunterfallen immer mit der geschmierten Seite auf dem Boden. Aber ist das wirklich so oder bilden wir uns das nur ein? Bei der Kasse am Supermarkt muss man sagen, ist es Einbildung. Aber das mit dem herunterfallenden Brot stimmt tatsächlich. Das klingt merkwürdig, denn man könnte ja meinen, dass es wie beim Würfeln Zufall ist, wie es fällt. Tatsächlich ist es aber gar nicht so zufällig, denn die normalen Ausgangsbedingungen sind immer ähnlich.Fall von der Tischkante: standardisierte Sturzbedingungen
Wir haben einen Esstisch mit einer typischen Höhe von 80 cm, an dem wir sitzen. Dazu ein handliches Butterbrot, das auf der Tisch- oder Tellerkante liegt und irgendwie über den Rand fällt. Unter diesen Standardbedingungen – Fallhöhe 80 cm, Breite des Brotes ca. 10 bis 15 cm – schafft das Brot beim Herunterfallen in der Regel tatsächlich eine halbe Drehung. Vorausgesetzt, wir geben ihm nicht noch zusätzlich eine Drehung mit. Deshalb landet es in der Mehrzahl der Fälle auf der geschmierten Seite. Sie können das übrigens ausprobieren. Vielleicht nicht mit einem Marmeladenbrot, dazu ist der Boden zu schade. Nehmen Sie lieber eine Münze und ein Buch. Legen Sie das Buch flach auf den Boden, die Münze obendrauf und schieben Sie sie langsam über den Rand. Je nachdem, wie dick das Buch ist, wird sie keine, eine oder zwei Umdrehungen machen, aber das immer wieder. Wenn Sie immer das gleiche Buch und die gleiche Münze nehmen, werden Sie fast immer das gleiche Ergebnis bekommen – und so ähnlich ist das auch mit dem Butterbrot.Tue, 17 Feb 2026 - 02min - 6673 - Gibt es Wetterfühligkeit wirklich?
Schwer zu beweisen: Zusammenhang zwischen Wetter und Gesundheit
Wetterfühligkeit – das sagt sich so leicht. Oft ist es jedoch schwer, Zusammenhänge zwischen Wetter und Gesundheit wirklich zu beweisen. Manche Leute schwören, dass sie bei Regen öfters Kopfschmerzen bekommen. Man kann nach möglichen Ursachen fahnden: Führt der niedrige Luftdruck zu irgendwelchen Verspannungen? Lässt ein plötzlicher Kälteeinbruch die Blutgefäße verengen? Oder beeinträchtigt die erhöhte Luftfeuchtigkeit die Atemwege? Das kann alles sein, vielleicht ist es aber auch viel banaler. Denn warum sprechen wir bei Dauerregen vom Mistwetter? – Weil wir Sonne lieber mögen. Sonne – das ist schönes Wetter, und schönes Wetter ist gut für die Gesundheit. – Eben weil es schön ist, alles ist entspannter, man geht eher mal raus. Das alles hilft vielleicht auch gegen Kopfschmerzen. Aber ist das schon Wetterfühligkeit?Sonnenlicht hat positiven Einfluss aufs Gemüt
Der positive Einfluss von Sonnenlicht aufs Gemüt gehört zu den wenigen Faktoren, für die es wirklich starke Belege gibt. Sonnenlicht hemmt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Deshalb macht es wach und beugt Depressionen vor. Ebenso offensichtlich ist, dass allzu große Hitze nicht guttut und längere Hitzeperioden gerade älteren Menschen zu schaffen macht – Notärzte wissen ein Lied davon zu singen. Und schließlich beeinflusst das Wetter im Frühjahr auch den Pollenflug – für manchen Allergiker kann ein kräftiger Regenschauer deshalb ein Segen sein. Aber damit erschöpfen sich auch schon die Zusammenhänge, die wirklich auf der Hand liegen.Nur statistische Zusammenhänge nachweisbar
Wie schwierig die sogenannte Wetterfühligkeit zu beweisen ist, zeigt gerade das Thema Kopfschmerzen. In aufwändigen Untersuchungen fanden Forscher heraus: Ja, unter ganz bestimmten Umständen führt ein Wetterumschwung tatsächlich statistisch zu mehr Kopfschmerzen, aber eben gerade nicht bei einem Kälteeinbruch, sondern im Gegenteil: wenn die Temperaturen steigen. Ein Anstieg von 5 Grad Celsius innerhalb eines Tages erhöht das Kopfschmerzrisiko um etwa 8 Prozent. Wenn es noch wärmer wird, erhöht sich auch das Risiko entsprechend. Keinen Zusammenhang konnten die Wissenschaftler beim Faktor Luftverschmutzung feststellen. Schadstoffe in der Luft sind zwar generell eine Belastung für den Körper, erhöhen aber offenbar nicht das Kopfschmerz-Risiko. Und das sind, wie gesagt, alles nur rein statistische Zusammenhänge.Mon, 16 Feb 2026 - 02min
Podcasts ähnlich wie 1000 Antworten
Alles Geschichte - Der History-Podcast ARD
Kein Mucks! – Der Krimi-Podcast mit Bastian Pastewka ARD
Mit den Waffeln einer Frau barba radio, Barbara Schöneberger
Easy German: Learn German with native speakers | Deutsch lernen mit Muttersprachlern Cari, Manuel und das Team von Easy German
Machtwechsel Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander
Der Tag Deutschlandfunk
Verbrechen DIE ZEIT
Psychologie to go! Dipl. Psych. Franca Cerutti
Kriminalhörspiel Hörspiel und Feature
Wissen mit Johnny Johnny
Julia Leischik: Spurlos Julia Leischik, Sylvia Lutz
MORD AUF EX Leonie Bartsch & Linn Schütze
Gysi gegen Guttenberg – Der Deutschland Podcast Open Minds Media, Karl-Theodor zu Guttenberg & Gregor Gysi
Mordlust Paulina Krasa & Laura Wohlers
RONZHEIMER. Paul Ronzheimer
Sinnlos Märchen RADIO PSR
Im Visier – Verbrecherjagd in Berlin und Brandenburg rbb
Geschichten aus der Geschichte Richard Hemmer und Daniel Meßner
Verbrechen von nebenan: True Crime aus der Nachbarschaft RTL+ / Philipp Fleiter
Aktenzeichen XY… Unvergessene Verbrechen ZDF - Aktenzeichen XY
Lanz + Precht ZDF, Markus Lanz & Richard David Precht
Das Wissen | SWR SWR
Forschung aktuell Deutschlandfunk
IQ - Wissenschaft und Forschung Bayerischer Rundfunk
Radiowissen Bayerischer Rundfunk
Sternengeschichten Florian Freistetter
Forschung aktuell Deutschlandfunk
ZEIT WISSEN. Woher weißt Du das? DIE ZEIT
stern Crime - Spurensuche RTL+ / Stern.de GmbH
Peter und der Wald Peter Wohlleben / Wohllebens Waldakademie
His2Go - Geschichte Podcast David Jokerst & Victor Söll
Radio Naukowe Radio Naukowe - Karolina Głowacka
Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen WELT
Betreutes Fühlen Atze Schröder & Leon Windscheid
BBC Inside Science BBC Radio 4
الأعمال الكاملة لـ د. مصطفى محمود Podcast Record
The Best of Coast to Coast AM iHeartPodcasts and Coast to Coast AM
Artificial Intelligence Masterclass AI Masterclass
Einschlafen mit Tieren Schønlein Media
Nauka To Lubię Tomasz Rożek
Einschlafen mit Psychologie MONDFUNK