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Woher stammt die "Quarantäne"? Wie entsteht ein Schwarzes Loch? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? SWR Redakteur Gábor Paál und Gäste aus der Wissenschaft erklären im Wechsel jeden Tag ein kleines Stückchen Welt. Texte unter http://1000-antworten.de Viele Episoden dieses Podcasts stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Ihr könnt diese Episoden unter Angabe der Quelle und der Lizenz unverändert in Eurem eigenen Digitalangebot dauerhaft veröffentlichen. Die Episoden dürfen dabei nicht verändert oder kommerziell genutzt werden. Die Lizenz lautet CC BY-NC-ND 4.0.
- 6687 - Warum darf man mit Schneeketten nur 50 km/h fahren?
Das hat der Gesetzgeber vor allem aus Eigeninteresse so vorgeschrieben. Es gibt für die Vorschrift zwei Gründe:
- Die Fahrbahn soll geschont werden. Die harten Schneeketten belasten den Fahrbahnbelag viel stärker als ein Gummireifen. Je schneller die Autos fahren, desto mehr Druck und Reibung wird auf die Fahrbahn ausgeübt.Die Fahrsicherheit. Schneeketten kommen dort zum Einsatz, wo es durch Schnee und Eis ohnehin schon besonders rutschig ist. Bei Schnee und Eis ist der Bremsweg, verglichen mit einer trockenen Fahrbahn, um ein Vielfaches höher. Mit Ketten fährt es sich zwar griffiger, aber trotzdem können die Ketten den verlängerten Bremsweg nicht wettmachen. Die Geschwindigkeitsbeschränkung soll also die Verkehrssicherheit erhöhen.
Fri, 13 Mar 2026 - 01min - 6686 - Warum knirscht Schnee?
Schnee enthält viel Luft
Zwei Effekte spielen hier eine Rolle: Frischen Schnee treten Sie ja richtig zusammen. Das heißt, der Schnee enthält ziemlich viel Luft und wenn Sie drauftreten, drücken Sie die Luft raus. Deshalb lässt sich der Schnee ja zusammendrücken, wenn Sie zum Beispiel einen Schneeball formen. Sie drücken dann die Luft heraus und ein Geräusch entsteht. Aber das ist noch nicht das Entscheidende, denn wenn es nur die Luft wäre, dann müsste ja ein normaler Haushaltsschwamm ebenfalls so ein Geräusch machen, wenn Sie auf ihn treten. Das tut er aber nicht.Eiskristalle zerbrechen hörbar
Es kommt also noch etwas hinzu: Schneeflocken sind bekanntlich eine Ansammlung von kleinen Eiskristallen, die lose aneinanderhängen. Nun wissen wir, wie diese Eiskristalle aussehen: Das sind wunderschöne 6-strahlige symmetrische Sternchen. Jedes Eiskristall ist dabei einzigartig; es hat nicht nur diese sechs Strahlen oder Äste, sondern von denen gehen weitere kleine Äste ab und so weiter. Der Schnee, über den wir laufen, enthält somit unzählige von diesen Mini-Mini-Eisästchen. Und wenn wir sie zusammentreten, dann brechen sie. Jedes dieser Ästchen ist zwar mikroskopisch klein und fein, aber wenn Millionen davon brechen, dann machen sie dieses wattige, knirschende Geräusch. Das ist auch der Grund, warum der Schnee besonders laut knirscht, wenn er kalt ist. Dann sind nämlich die Eisästchen richtig steif und fest und brechen umso lauter. Wenn es warm ist, dann werden sie etwas beweglicher und krachen nicht mehr so schön.Thu, 12 Mar 2026 - 02min - 6685 - Wie sind die Vogelfedern entstanden?
Erste Federn wohl vor allem Schutz vor Kälte und Nässe
Es ist schwer, hier beweisfähige Aussagen zu treffen, weil von den Tieren, bei denen sich die Federn entwickelt haben, nicht mehr viel übrig ist. Klar ist auf jeden Fall: Die ersten Federn dienten mit Sicherheit nicht zum Fliegen, sondern einige Dinosaurier hatten schon Federn. Das ist in den letzten Jahren vor allem bei Ausgrabungen in China deutlich geworden. Die Federn selbst sind nicht mehr erhalten, aber Weichteilstrukturen aus der Haut, aus denen man ableiten kann, dass die Tiere gefiedert waren. Wobei man sich diese Federn nicht so vorstellen darf wie heutige Vogelfedern, sondern das waren eher Büschel, eine Vorstufe von Daunenfedern. Wenn wir an Daunen denken, dann denken wir an warme Federbetten und das nicht ohne Grund: Daunen halten warm. Und so gehen die meisten Forscher heute davon aus, dass diese ersten Federn vor allem als Wärmeschutz gedient haben. Oder auch dazu – wie heute bei den Wasservögeln – die Haut vor Nässe zu schützen.Federn zum Tarnen und Balzen
Vielleicht bekamen diese ersten Federn auch noch ein paar zusätzliche Funktionen, die die Entwicklung vorangetrieben haben. Es könnte z.B. sein, dass sie einem Saurier geholfen haben, sich zu tarnen. Oder dass die Entwicklung dadurch einen Schub bekommen hat, dass sich Federn zu einem Attraktivitätsmerkmal beim Balzverhalten entwickelt haben. Beim Balzen hätten sich dann vor allem solche Männchen durchgesetzt und fortgepflanzt, die ein auffälliges und stark entwickeltes Gefieder hatten – diese Funktion gibt es heute noch beim Pfau. Trotzdem erklärt das nicht, warum sich die Federn so perfekt weiterentwickelt haben, dass irgendwann ein Flugsaurier bzw. ein Vogel damit fliegen konnte. Der Weg zur perfekten Feder führt über viele Zwischenstufen, und die müssen auch einen Vorteil geboten haben.Federn von Vorteil beim Hüpfen und Springen
Nehmen wir an, so ein kleiner Saurier, der bereits Federn hat, sitzt auf einem Ast oder einer Anhöhe und springt herunter. Ab einer bestimmten Höhe wird es gefährlich. Aber es wird ein bisschen weniger gefährlich, wenn er seine befiederten Vorderextremitäten ausstreckt und somit den Luftwiderstand erhöht, sodass er einfach etwas weniger heftig am Boden auftrifft. Dieses Prinzip könnte sich dann immer mehr verstärken und denjenigen Sauriern einen Vorteil verschafft haben, die mit ihren Federn der Gravitation am meisten Widerstand entgegenzusetzen hatten. Oder aber – das wäre ein anderes Bild: Es hat bei Sauriern angefangen, die schnell gerannt sind und zwischendurch größere Sprünge gemacht haben. Auch da kann man sich vorstellen, dass bestimmte Federformen größere Sprünge ermöglicht haben. Auch so kann man sich einen Fortschritt zu immer flugfreundlicheren Federn vorstellen. Erklärbar ist es also. Aber wie es genau war, wird man vielleicht nie wissen.Tue, 10 Mar 2026 - 03min - 6684 - Was passiert, wenn Gliedmaßen einschlafen?
Abgeklemmt – Signalübertragung unterbrochen
Das Einschlafen von Händen oder Füßen beruht in den meisten Fällen darauf, dass ein Nerv abgeklemmt ist. Dann nämlich ist die Signalübertragung unterbrochen. Die Reize aus der Hand oder dem Fuß kommen nicht mehr im Gehirn an. Oder sie kommen nur bruchstückhaft an. Dann spürt man dieses unangenehme Kribbeln – aber natürlich kribbelt da nichts wirklich, es fühlt sich nur so an. Das ist analog dem Rauschen bei einer schlechten Handy-Verbindung – da rauscht es ja auch nicht wirklich am Ende der Leitung, aber durch die gestörte Verbindung kommt es so an.Wie können Nerven abgeklemmt werden?
Das kann verschiedene Gründe haben; wenn zum Beispiel das entsprechende Gelenk abgeknickt ist. Sitzt man längere Zeit im Schneidersitz, tritt das häufiger auf. Bei manchen Leuten passiert das auch, wenn sie zu enge Schuhe tragen. Da hilft dann im Zweifel, die Schnürsenkel zu lösen oder die Schuhe auszuziehen. Häufig kommt so etwas auch von Deformationen an der Wirbelsäule. Zum Beispiel von einem Bandscheibenvorfall. Wenn die Bandscheibe zwischen den Wirbeln herausgestülpt ist, drückt sie auf die Nervenbahnen, die hinter dem Wirbel verlaufen und die Verbindung vom Bein oder vom Arm zum Gehirn darstellen. Das heißt: Ein taubes Gefühl in den Füßen kann auf einen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich zurückgehen. Bei einem tauben Gefühl in Schultern und Armen wiederum ist die Ursache eher im Hals- und Brustwirbelbereich zu suchen.Ist das auch auf schlechte Durchblutung zurückzuführen?
Das kann indirekt auch mal sein. Denn die Nervenzellen werden ja auch von den Blutgefäßen versorgt. An vielen Stellen des Körpers verlaufen Nervenbahnen und Blutgefäße parallel – so ähnlich wie man in einem Haus für Telefonkabel und Stromkabel die gleichen Leerrohre nutzt. Wenn aber Adern und Nerven parallel verlaufen, kann es passieren, dass wenn der Nervenstrang abgeklemmt ist, die benachbarten Blutgefäße gleich mit abgedrückt werden. Das führt dann dazu, dass die Nervenbahnen noch schlechter mit Blut versorgt sind und dann erst recht nicht mehr funktionieren. So was erkennt man dann daran, dass die entsprechenden Gliedmaßen ganz weiß und schlecht durchblutet sind. Im Extremfall ist es dann so – das haben manche Leute in der Nacht – dass man zum Beispiel die Hand nicht nur nicht spürt, sondern auch nicht mehr bewegen kann, weil auch die motorischen Nerven betroffen sind.Mon, 9 Mar 2026 - 02min - 6683 - Wie misst man im Flugzeug die Windgeschwindigkeit?
Wind: Summe aus "wahrem Wind" und Flugwind
Ein Flugzeug, das sich mit 800 km/h und mehr durch die Lüfte bewegt, erfährt einen entsprechenden Flugwind. Wie kann ein Fühler am Flugzeug da die äußere Windgeschwindigkeit – den "wahren Wind" messen, der ja viel kleiner ist? Tatsächlich misst ein Windsensor immer nur den "scheinbaren Wind" – die Summe aus "wahrem Wind" und Fahrtwind. Um diesen "scheinbaren Wind" zu messen, sind an der Flugzeugnase sogenannte Staudruckrohre angebracht – das sind Rohre mit Messfühlern am Ende, die den Druck messen, der beim Fliegen auf das Flugzeug wirkt. Dieser Druck verrät die Kraft des scheinbaren Windes.Fluggeschwindigkeit wird mithilfe von GPS ermittelt
Auch ein Messfühler, den man am Flugzeug anbringt, kann immer nur den scheinbaren Wind messen, und der wird im Flugzeug vor allem durch den Flugwind von z.B. 800 km/h bestimmt. Trotzdem bekommt man im Flugzeug zum Beispiel mitgeteilt: "Flughöhe: 10.000 Meter, Windgeschwindigkeit: 50 km/h". Dieser Wert lässt sich nur über Umwege errechnen. Und zwar, indem man genau umgekehrt vorgeht: Man ermittelt den scheinbaren Wind und zieht von dem wiederum die Fluggeschwindigkeit ab. Die Differenz zwischen relativer Bewegung durch die Luft und absoluter Bewegung über Grund (auch wieder nach dem Prinzip des Kräfteparallelogramms, nur umgekehrt) entspricht dem Wind, der am Ort des Geschehens tatsächlich weht. Hinter einer scheinbar lapidaren Anzeige “Windgeschwindigkeit 50 km/h” steckt also eine ziemlich aufwändige Rechnerei.Thu, 5 Mar 2026 - 03min - 6682 - Was bricht beim Stimmbruch?
Das Wort ist eigentlich eine Täuschung, denn anatomisch gesehen bricht gar nichts. Es geht auch nichts kaputt, es reißt nichts. Das Einzige, was bricht, ist der Klang.
Je länger die Saite, desto tiefer der Ton
Was aber passiert nun beim Stimmbruch? Das sind vor allem zwei Dinge: Der Kehlkopf wird in der Pubertät länger und die Stimmlippen wachsen. Die Stimmlippen, das ist das, was schwingt, was den Ton erzeugt. Die wachsen und gehen bei den Jungs auf die doppelte Länge. Und da gelten die gleichen physikalischen Gesetze wie bei einer Gitarren-Saite: Je länger die Saite, bzw. der schwingende Teil der Saite, desto tiefer der Ton. Und wenn die Saite doppelt so lang wird, dann sinkt der Ton um eine Oktave. Das in etwa passiert bei den Jungs.Stimmlippen wachsen nicht gleichmäßig
Dummerweise wachsen die beiden Stimmlippen meist nicht gleichmäßig und nicht gleichzeitig. Dadurch kommt es manchmal zu diesem Krächzen oder den plötzlichen Tonwechseln zwischen piepender Kinderstimme und mehr oder weniger sonorer Jugendstimme. Bei den Mädchen übrigens werden die Stimmlippen auch länger, aber nur um etwa 30 Prozent – und deshalb sinkt die Stimme im Schnitt auch nur um eine Terz.Wed, 4 Mar 2026 - 01min - 6681 - Warum sind Eier mal braun und mal weiß?
Weiße Eier haben keine Pigmente
Das ist eigentlich ganz einfach: Braune Eier haben verschiedene Pigmente, weiße Eier haben keine Pigmente. Eierschalen bestehen hauptsächlich aus Kalk. Kalk ist weiß – das ist die Grundfarbe der Eier. Ob ein Huhn weiße oder pigmentierte Eier legt, ist ausschließlich eine Frage der Gene und damit eine Frage der Hühnerrasse.Faustregel: braune Hühner legen braune Eier, weiße Hühner weiße Eier
Als Faustregel stimmt tatsächlich das, was man oft hört, nämlich dass braune Hühner braune Eier und weiße Hühner weiße Eier legen. Es ist nicht durchgehend so; es gibt auch braune Hühner, die weiße Eier legen und umgekehrt. Aber als Faustregel kann man das so stehen lassen."Wildhuhn" legte gelblich-braune Eier
All diese Rassen wiederum sind Zuchtrassen. Das ursprüngliche „Wildhuhn“ hat wie viele Vögel leicht gelblich-braune Eier. Im Lauf der Haustierhaltung wurden dann die Hühner wahlweise auf weiße oder braune Eier hin gezüchtet. Wenn Sie also ein weißes Ei haben, stammt das wahrscheinlich von einem Leghorn-Huhn. Das ist eine Züchtung, die ursprünglich aus Italien kommt. Wenn Sie ein braunes Ei haben, stammt das in der Regel von einer anderen Rasse – da gibt’s verschiedene, die braun pigmentierte Eier legen. Die Eier bekommen ihre Farbe dabei erst sehr spät: Die Entstehung eines Eis im Hühnerleib dauert etwa 24 Stunden, aber erst in den letzten 5 Stunden vor der Ablage bekommt es die Pigmente.Braune Eier sind nicht gesünder
Braune Eier sind nicht gesünder und schmecken auch nicht anders. Es ist ein reiner Farbunterschied. Nur sind die braunen Eierschalen etwas dicker und härter. Und sie werden gern verkauft, denn eine Zeit lang, bis in die 1970er-/1980er-Jahre, gab es auf dem Markt fast nur weiße Eier. Etwa zeitgleich mit dem Aufkommen der Bio-Bewegung kamen dann die braunen Eier in Mode. Deswegen ist noch heute bei vielen Verbrauchern die Assoziation da: braun = natürlich = Bio. Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.Tue, 3 Mar 2026 - 02min - 6680 - Warum bin ich manchmal elektrisch aufgeladen?
Physikalisch ist ein Körper geladen, wenn er, vereinfacht gesagt, mehr positive Ladung als negative Ladung hat – oder umgekehrt. Normalerweise sind Atome elektrisch neutral, sie haben genauso viele Protonen – also positive Teilchen – wie Elektronen. Die Protonen sind im Inneren des Atoms, die Elektronen in der Hülle.
Warum wir gerade im Winter oft elektrisch aufgeladen sind
Nehmen wir aber jetzt an, Sie haben im Auto einen Kunststoffbezug, auf dem Sie die ganze Zeit reiben. Oder ein anderes Beispiel: Sie kämmen Ihre Haare mit einem Plastikkamm. Oder, was im Winter oft passiert: Beim Anziehen eines Fleece-Pullovers oder einer Fleece-Jacke sind die Haare auch elektrisch aufgeladen. Dabei passiert Folgendes: Durch die Reibung werden an der Oberfläche der Haare Elektronen weggerieben und heften sich an die Kunstfasern der Stoffe. An den Haaren bleiben nur die positiven Teilchen zurückbleiben – damit sind wir positiv aufgeladen. Und wenn wir dann zum Beispiel aus dem Auto aussteigen und den Türgriff anfassen, kommt es zu einer plötzlichen Entladung. Wir spüren das in Form eines kleinen Stromschlags.Warum die Haare zu Berge stehen
Wenn sich wiederum die Haare aufladen, stehen sie "zu Berge". Denn: Es ist dann jedes einzelneHaar positiv aufgeladen. Und positive Ladungen stoßen einander ab. Das heißt, jedes Haar sucht von seinem Nachbarn den größtmöglichen Abstand. Der ist dann erreicht, wenn sich die Haare weitestmöglich von der Kopfhaut wegstrecken.Schädlich ist das nicht
Es ist nicht schädlich. Aber wenn Sie wissen wollen, was man dagegen machen könnte: Beim Auto zum Beispiel gibt es einen Trick: Bevor Sie die Tür aufmachen, sollten Sie zuerst etwas Metallisches anfassen und dann erst den Fuß auf den Boden setzen. Das soll helfen.Mon, 2 Mar 2026 - 02min - 6679 - Sterben Spinnen, wenn man sie mit dem Staubsauber aufsaugt?
Guckt man ins Internet, dann findet man etliche Nutzer, die davon berichten, dass Spinnen wieder aus dem Staubsauger rausgekrabbelt sind. Andere behaupten, das könne gar nicht sein, weil es die Tiere im Staubsaugerschlauch zerreißt bzw. sie spätestens im Staubsaugerbeutel ersticken, weil der viele Staub dort die Atemwege der Spinnen – die Tracheen – verstopft.
Mit 100 km/h gegen die Wand
Das sind natürlich alles Mutmaßungen von Internetnutzern. Ich habe deswegen bei führenden Staubsaugerherstellern angerufen. Die Antwort war: Im Regelfall werden die Spinnen tatsächlich beim Einsaugen getötet, und zwar vor allem aufgrund der hohen Geschwindigkeiten. Beim normalen Staubsaugen, also mit 1.000 bis 2.000 Watt, fliegen die Tiere mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 140 Stundenkilometer durch den Schlauch. Der Schlauch ist gekrümmt und hört irgendwo auf. Das heißt, die Tiere prallen mit einer Geschwindigkeit von über 100 km/h an eine Wand, und das dürften sie kaum überleben. Es sei denn, man saugt vielleicht mal mit ganz kleiner Leistung einen Vorhang ab, an dem eine Spinne dranhängt. Aber bei den normalen Leistungen stehen die Chancen für die Spinnen eher schlecht.Hygieneventil vereitelt jede Chance für die Spinne
Neuere Staubsauger haben heute ein Hygieneventil am Ende des Schlauchs. Das heißt, selbst wenn die Spinne oder das Insekt lebend in den Staubsaugerbeutel hineinkommt, kommt sie nicht wieder raus.Sun, 1 Mar 2026 - 02min - 6678 - Wie wurden früher Wasserspiele und Fontänen ohne elektrische Pumpen betrieben?
Wenn man keine Motoren und keine elektrischen Pumpen hat, braucht man, um eine Fontäne anzulegen, vor allem eines: ein ordentliches Gefälle, also eine Höhendifferenz, sodass das Wasser von irgendwo oben runterrauscht. Und man braucht die entsprechenden Rohre, mit denen das Wasser kanalisiert und unter Druck gesetzt werden kann, sodass es mit ordentlicher Power aus dem Fontänenrohr spritzt.
Wilhelmshöhe: Wasser in Höhenlagen in Becken sammeln
Das zu lösende Hauptproblem ist also: Wie bekomme ich das Wasser in die Höhe? Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: In ersten Fall ist das Wasser schon oben und man muss es nur runterplätschern lassen – das kann man sehr schön im Schlosspark Wilhelmshöhe in Kassel sehen mit der großen Fontäne. Die Fontäne ist 52 Meter hoch, die höchste natürliche Fontäne Europas, angelegt im 18. Jahrhundert. Wie funktioniert’s? – Der ganze Schlosspark ist an den Hängen des Habichtswalds angelegt. Oben, auf den Höhen des Habichtswalds, befinden sich große Sammelbecken. Dort wird das Wasser über speziell angelegte Kanäle hingeleitet. Die Sammelbecken fassen 40.000 Kubikmeter Wasser. Zu bestimmten Zeiten wird das Wasser ins Tal gelassen – über die Wasserspiele bis zum Fontänenteich.Versailles: Wasserkraft nutzen und Wasser in die Höhe pumpen
Wenn man allerdings kein natürliches Gefälle hat wie in Kassel, muss man zur zweiten Variante greifen und das Wasser zunächst auf eine Höhe pumpen. Auch das geht ohne Strom, die Techniken dafür gab’s schon bei den alten Römern. Man kann mithilfe von Wasserkraft Wasserräder betreiben, die das Wasser in die entsprechende Höhe pumpen. Das eindrücklichste Beispiel hierfür wiederum ist Versailles. Da hat sich der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. einen Mordsaufwand geleistet – und das im Jahr 1682. Er hat an der Seine ein wasserkraftbetriebenes Wasserhebewerk errichtet, bestehend aus 14 großen Wasserrädern, die das Wasser über mehrere Stufen auf eine Höhe von 160 Metern befördert haben. Das war ein gigantischer Aufwand, Wälder wurden gerodet, tausende von Kilometern Rohre verbaut. Fast 2.000 Arbeiter haben fünf Jahre lang daran gearbeitet. Und das alles, damit vor Schloss Versailles das Wasser in die Höhe schießt.Sat, 28 Feb 2026 - 02min - 6677 - "Chemtrails": Versprühen Flugzeuge Aluminium, um eine weitere Klimaerwärmung zu verhindern?
Verschwörungstheorie, die sich seit Jahren hält
Nein, stimmt nicht. Es ist eine Verschwörungstheorie, die sich seit Jahren hält: Die "bösen Amerikaner" sprühen, damit sie an ihrer Klimapolitik nichts ändern müssen, stattdessen Metalle in die Atmosphäre, sodass die die Sonnenstrahlen reflektieren und sich das Klima auf diese Weise wieder abkühlt ... Man kann mehrere Wege gehen, um das zu überprüfen.- Zunächst kann man fragen: Wenn sie das tatsächlich seit Jahren tun würden: Hat es was gebracht? Die Antwort lautet ganz klar: nein! Es kommt heute eher mehr Sonnenstrahlung auf der Erde an als vor zehn Jahren.Man kann außerdem Messungen vornehmen – also die Zusammensetzung der Luft hinter Flugzeugen messen. So was wird standardmäßig immer wieder gemacht. Auch da hat noch niemand erhöhte Aluminium-Konzentrationen nachweisen können. Man kann Experten fragen, die sich damit beschäftigen. Alle sagen – ob Umweltbundesamt, das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder der deutsche Wetterdienst: Das ist Blödsinn. Die Kondensstreifen sehen heute noch genauso aus wie vor 30 Jahren. Zwar sehr unterschiedlich, mal kurz und schmal, mal breit und ausfransend, aber das hängt immer von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und den Windverhältnissen ab. Es kommen aber im Prinzip heute keine Varianten vor, die es früher nicht auch schon gegeben hätte.
Urban legend
Es ist also eine Verschwörungstheorie. Verschwörungstheoretiker nehmen irgendwelche Halbwahrheiten, die sie aufschnappen, und rühren sich damit ihren eigenen Brei.Wetter kurzfristig beeinflussen – um etwa schweren Hagel zu verhindern
Das einzige, was es tatsächlich gibt, aber überhaupt nicht geheim ist, sind Aktionen, um kurzfristig das Wetter zu beeinflussen. Also nicht das langfristige Klima, sondern nur das Wetter. So was machen zum einen die Russen und die Chinesen gern bei Großereignissen – bei der Eröffnung der Olympischen Spiele etwa. Da sind vorher Flieger unterwegs, die künstlichen Regen herbeiführen, damit der Himmel zum Ereignis schön blau ist. Die versprühen aber kein Barium oder Aluminium, sondern Silberjodid, um damit die Kondensation in den Wolken zu beschleunigen. Das gilt in der ausgebrachten Menge als gesundheitlich unbedenklich und hat auch nichts mit Klimaveränderung zu tun, sondern beeinflusst – wenn überhaupt, denn schon das ist wenig belegt – lediglich das kurzfristige Wetter. So was wird auch z.T. bei uns in Südwestdeutschland gemacht, im Stuttgarter Raum mit den sogenannten Hagelfliegern. Die sollen nicht für schönes Wetter sorgen, sondern vor allem größere Hagelschäden verhindern. Das ist überhaupt nicht geheim, sondern läuft ganz offiziell; wir haben darüber auch schon berichtet.Verwschwörungsmythen auf Realisierbarkeit und Plausibilität prüfen
Bei solchen Verschwörungsgerüchten denke ich immer als erstes: Wie viele Leute müssten da eigentlich Bescheid wissen und vor allem dann auch dicht halten? Wenn man sich anschaut, welche Skandale bei uns auffliegen, in die vielleicht nur 5 bis 10 Menschen eingeweiht sind, weil irgendjemand doch Skrupel bekommt und was ausplaudert. Wenn man sich dann überlegt – wer müsste bei einer solchen Geheimoperation alles Bescheid wissen? Die komplette US-Regierung, die Spitze des Geheimdienstes, die Spezialabteilungen der Geheimdienste und all die Leute, die die Aktionen praktisch durchführen, die Piloten und Transporteure. Da kommt doch einiges zusammen.Fri, 27 Feb 2026 - 03min - 6676 - Trinken Fische das Wasser, in dem sie schwimmen?
Es kommt darauf an, ob es sich um Süß- oder Salzwasserfische handelt. Wir wissen von uns selbst: Wenn wir Salzwasser trinken, können wir damit keinen Durst löschen und auch unseren Wasserbedarf nicht stillen, weil wir das ganze Salz wieder rausschwemmen müssen und allein dafür das ganze Wasser schon wieder aufbrauchen. Wie ist das nun mit den Fischen?
Maul, Haut, Kiemen, Schleimhäute: Fisch tauscht ständig Wasser aus
Ganz banal: Der große Unterschied zwischen uns und den Fischen ist, dass sie im Wasser leben. Das hat zur Folge, dass sie das Wasser nicht nur trinken können, sondern auch auf anderen Wegen aufnehmen. Das heißt, der Fisch als Organismus ist kein abgeschlossener Körper – wie eine Glasflasche, die wasserdicht im Wasser treibt – sondern der Fisch tauscht mit seiner Umgebung ständig Wasser aus. Zum Teil über die Haut, zum Teil über die Kiemen und Schleimhäute und zum Teil durch den Mund, indem er trinkt.Osmose: Wasser drängt zum Salz
Aber genau da gibt’s einen Riesenunterschied zwischen Süßwasserfisch und Salzwasserfisch: Der Salzwasserfisch ist von Wasser umgeben, das salziger ist als seine eigene Körperflüssigkeit. Da passiert das Gleiche wie bei einer aufgeschnittenen Tomate, wenn man sie salzt: Sie verliert Wasser. Sie kennen vielleicht den Ausdruck Osmose, genau das passiert da. Osmose heißt: Es gibt eine dünne Membran, die nur Wasser durchlässt, aber keine Salze, weil die Salzmoleküle einfach zu groß sind. Wenn auf beiden Seiten dieser Membran Flüssigkeit ist – auf der einen Salzwasser, auf der anderen Süßwasser – dann drängt das Wasser in dieser Flüssigkeit zum Salz hin. Beim Meerwasserfisch bedeutet das, dass das Wasser vom Gewebe des Fischs ins Meer drängt. Das ist Osmose – ein komplizierter Prozess, aber wenn man an die gesalzene Tomate denkt, ist es das gleiche Prinzip: Das Wasser drängt zum Salz. Der Fisch würde also ständig Wasser verlieren. Mit anderen Worten: Würde er kein Wasser zu sich nehmen, würde er mitten im Meer austrocknen. Deshalb muss er trinken, trinken, trinken, um das ganze Wasser auszugleichen, das er verliert.Salzwasserfisch: Kiemen als Meerwasserentsalzungsanlage
Aber das alleine reicht noch nicht, denn er braucht ja auch Wasser, um einen normalen Stoffwechsel in seinen Zellen aufrechtzuerhalten. Deshalb nimmt er zusätzlich Wasser über die Kiemen auf, denn seine Kiemen bestehen auch aus so einer Membran, also einer dünnen Haut, die nur Wasser durchlässt, aber keine Salze. Das heißt, über seine Kiemen atmet er nicht nur; die Kiemen sind gleichzeitig eine kleine Meerwasserentsalzungsanlage. Was über die Kiemen im Fisch ankommt, ist Süßwasser. So funktioniert der Salzwasserfisch. Es gibt ein paar Ausnahmen, aber das ist das grobe Prinzip.Süßwasserfisch muss nicht trinken
Beim Süßwasserfisch ist es genau umgekehrt. Nehmen wir eine Forelle im Fluss: Da ist die Salzkonzentration im Fisch größer als die in der Umgebung. Wir erinnern uns: Das Wasser drängt immer dahin, wo es salziger ist – da drängt ständig Wasser aus dem Fluss oder dem See über die Haut in den Fisch hinein. Der Süßwasserfisch muss deshalb gar nichts mehr trinken – er trinkt tatsächlich nicht! Sondern er ist die ganze Zeit damit beschäftigt, das viele Wasser, das von allen Seiten über die Haut in ihn hineindrängt, auszuscheiden. Mit anderen Worten: Der Salzwasserfisch ist ein großer Trinker, der Süßwasserfisch ist ein großer Pinkler.Thu, 26 Feb 2026 - 03min - 6675 - Warum schmecken Druckstellen am Obst besonders süß?
Polyphenole und Sauerstoff reagieren an der beschädigten Stelle miteinander
Wir kennen das: Wenn der Apfel ein bisschen braun wird, dann schmeckt der auch süß. Aber das Braune hat mit der Süße nichts zu tun. Das sind vielmehr zwei unterschiedliche Prozessen die hier eine Rolle spielen. Das habe ich mir erklären lassen von Reinhold Kahle von der Uni Hohenheim. Wenn der Apfel runterfällt, wird er beschädigt und die Zellen gehen kaputt. Dabei passiert Folgendes: In den Zellen sind bestimmte Substanzen, die heißen Polyphenole. Und in den Zwischenräumen zwischen den Zellen ist Sauerstoff drin. Das merkt man auch daran, dass ein Apfel schwimmt, wenn man ihn ins Wasser legt. Das liegt am Sauerstoff, der zwischen den Zellen eingelagert ist. Wenn diese Zellen kaputtgehen, reagieren die Polyphenole und der Sauerstoff miteinander. Dadurch sollen Schaderreger abgewehrt werden, die die Zellen befallen können. Und das, was Polyphenolen und dem Sauerstoff entsteht, oxidiert. Dadurch werden die Früchte an der Stelle braun.Gleicher Effekt: angeschnittener Apfel wird braun
Auch ein angeschnittener Apfel wird braun. Allerdings kann es auch vorkommen, dass der Apfel innen braun wird, obwohl man außen nichts sieht und die Schale unbeschädigt ist.Süße entsteht durch eine Art Stressreaktion
Das Süße ist eine Art Stressreaktion, im Grunde wie eine Wundheilungsreaktion. Der Apfel fängt an, mehr zu atmen. Beim Atmen wird Apfelsäure verbraucht, so wie bei unseren Zellen Zitronensäure. Wir kennen den Zitronensäurezyklus – das funktioniert beim Apfel durch die Apfelsäure. Wenn diese Fruchtsäure aufgebraucht wird, ist sozusagen die Mischung weniger sauer. Sprich: Sie ist mehr süß. Dadurch schmeckt der Apfel an dieser Stelle süßer. Es ist aber nicht mehr Zucker drin, sondern nur das Saure ist weg – und dadurch bleibt mehr Süße übrig.Wed, 25 Feb 2026 - 02min - 6674 - Warum fällt das Butterbrot immer auf die geschmierte Seite?
Butterbrot fällt in der Regel nicht zufällig
Das erinnert an "Murphy’s Law"– dieses scheinbare Naturgesetz, auf das sich Berufspessimisten berufen: Alles, was schief gehen kann, geht auch schief, und es trifft immer der schlechtest mögliche Fall ein: An der Kasse im Supermarkt landet man grundsätzlich in der langsamsten Schlange. Und das Butter- oder Marmeladenbrot landet beim Herunterfallen immer mit der geschmierten Seite auf dem Boden. Aber ist das wirklich so oder bilden wir uns das nur ein? Bei der Kasse am Supermarkt muss man sagen, ist es Einbildung. Aber das mit dem herunterfallenden Brot stimmt tatsächlich. Das klingt merkwürdig, denn man könnte ja meinen, dass es wie beim Würfeln Zufall ist, wie es fällt. Tatsächlich ist es aber gar nicht so zufällig, denn die normalen Ausgangsbedingungen sind immer ähnlich.Fall von der Tischkante: standardisierte Sturzbedingungen
Wir haben einen Esstisch mit einer typischen Höhe von 80 cm, an dem wir sitzen. Dazu ein handliches Butterbrot, das auf der Tisch- oder Tellerkante liegt und irgendwie über den Rand fällt. Unter diesen Standardbedingungen – Fallhöhe 80 cm, Breite des Brotes ca. 10 bis 15 cm – schafft das Brot beim Herunterfallen in der Regel tatsächlich eine halbe Drehung. Vorausgesetzt, wir geben ihm nicht noch zusätzlich eine Drehung mit. Deshalb landet es in der Mehrzahl der Fälle auf der geschmierten Seite. Sie können das übrigens ausprobieren. Vielleicht nicht mit einem Marmeladenbrot, dazu ist der Boden zu schade. Nehmen Sie lieber eine Münze und ein Buch. Legen Sie das Buch flach auf den Boden, die Münze obendrauf und schieben Sie sie langsam über den Rand. Je nachdem, wie dick das Buch ist, wird sie keine, eine oder zwei Umdrehungen machen, aber das immer wieder. Wenn Sie immer das gleiche Buch und die gleiche Münze nehmen, werden Sie fast immer das gleiche Ergebnis bekommen – und so ähnlich ist das auch mit dem Butterbrot.Tue, 17 Feb 2026 - 02min - 6673 - Gibt es Wetterfühligkeit wirklich?
Schwer zu beweisen: Zusammenhang zwischen Wetter und Gesundheit
Wetterfühligkeit – das sagt sich so leicht. Oft ist es jedoch schwer, Zusammenhänge zwischen Wetter und Gesundheit wirklich zu beweisen. Manche Leute schwören, dass sie bei Regen öfters Kopfschmerzen bekommen. Man kann nach möglichen Ursachen fahnden: Führt der niedrige Luftdruck zu irgendwelchen Verspannungen? Lässt ein plötzlicher Kälteeinbruch die Blutgefäße verengen? Oder beeinträchtigt die erhöhte Luftfeuchtigkeit die Atemwege? Das kann alles sein, vielleicht ist es aber auch viel banaler. Denn warum sprechen wir bei Dauerregen vom Mistwetter? – Weil wir Sonne lieber mögen. Sonne – das ist schönes Wetter, und schönes Wetter ist gut für die Gesundheit. – Eben weil es schön ist, alles ist entspannter, man geht eher mal raus. Das alles hilft vielleicht auch gegen Kopfschmerzen. Aber ist das schon Wetterfühligkeit?Sonnenlicht hat positiven Einfluss aufs Gemüt
Der positive Einfluss von Sonnenlicht aufs Gemüt gehört zu den wenigen Faktoren, für die es wirklich starke Belege gibt. Sonnenlicht hemmt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Deshalb macht es wach und beugt Depressionen vor. Ebenso offensichtlich ist, dass allzu große Hitze nicht guttut und längere Hitzeperioden gerade älteren Menschen zu schaffen macht – Notärzte wissen ein Lied davon zu singen. Und schließlich beeinflusst das Wetter im Frühjahr auch den Pollenflug – für manchen Allergiker kann ein kräftiger Regenschauer deshalb ein Segen sein. Aber damit erschöpfen sich auch schon die Zusammenhänge, die wirklich auf der Hand liegen.Nur statistische Zusammenhänge nachweisbar
Wie schwierig die sogenannte Wetterfühligkeit zu beweisen ist, zeigt gerade das Thema Kopfschmerzen. In aufwändigen Untersuchungen fanden Forscher heraus: Ja, unter ganz bestimmten Umständen führt ein Wetterumschwung tatsächlich statistisch zu mehr Kopfschmerzen, aber eben gerade nicht bei einem Kälteeinbruch, sondern im Gegenteil: wenn die Temperaturen steigen. Ein Anstieg von 5 Grad Celsius innerhalb eines Tages erhöht das Kopfschmerzrisiko um etwa 8 Prozent. Wenn es noch wärmer wird, erhöht sich auch das Risiko entsprechend. Keinen Zusammenhang konnten die Wissenschaftler beim Faktor Luftverschmutzung feststellen. Schadstoffe in der Luft sind zwar generell eine Belastung für den Körper, erhöhen aber offenbar nicht das Kopfschmerz-Risiko. Und das sind, wie gesagt, alles nur rein statistische Zusammenhänge.Mon, 16 Feb 2026 - 02min - 6672 - Warum kann man sich nicht selbst kitzeln?
Gehirn nimmt eigene Bewegungen und Berührungen vorweg
Das liegt daran, dass unser Gehirn unsere Bewegungen und Berührungen vorwegnimmt. Wenn wir wissen, dass wir uns gleich an einer bestimmten Körperstelle berühren, dann stellt sich unser Gehirn darauf ein und dämpft die Empfindung. Deswegen sind wir dann unempfindlich gegenüber unserem eigenen Kitzeln. Diesen Effekt gibt es übrigens genauso bei Berührungen, die normalerweise Schmerz hervorrufen: Wenn wir uns selbst schlagen, tut es normalerweise auch nicht so weh, weil auch hier das Gehirn die Empfindung automatisch dämpft.Körper vermeidet unnötige Alarmsignale
Der Grund ist offenbar, dass das Gehirn auf diese Weise vermeidet, dass wir unnötig auf Schmerz reagieren. Schmerz ist ja ein Alarmsignal. Wenn wir plötzlich Schmerz empfinden, reagieren wir unwillkürlich: Wir ziehen die Hand von der Herdplatte weg oder weichen dem Angreifer aus, der uns schlägt. Bei Berührungen, die wir uns selbst zuführen, kann das Gehirn aber im Normalfall davon ausgehen, dass diese Berührungen erwünscht sind und kein Anlass besteht, ihnen aus dem Weg zu gehen. Also will es seine Energie nicht damit verschwenden und dämpft deshalb vorneweg die Empfindung. Genauso ist es beim Kitzeln. Wenn wir uns selbst kitzeln, dämpft unser Gehirn einfach die sensorischen Empfindungen an dieser Stelle. Deswegen spüren wir da so gut wie nichts und es passiert so gut wie nichts. Ein Gegenbeispiel: Wenn Sie sich versehentlich mit dem Hammer schlagen, tut es sehr wohl weh, weil das Gehirn diese Berührung nicht vorwegnimmt.Vorsicht, wenn man andere schlägt!
Übrigens: Wenn man jemanden schlägt, hat man selbst manchmal das Gefühl, dass das doch gar nicht so schlimm war. Dem anderen tut es aber sehr weh und er beschwert sich, dass er so fest geschlagen wird. Das ist genau das Gleiche: Unsere Gehirn weiß, dass unsere Hand gleich zuschlägt und dämpft bei uns selbst dann wiederum die Empfindungen – beim anderen jedoch nicht. Deswegen entsteht zum Beispiel der Streit zwischen Kindern nach dem Motto: "Du hast mich doch viel fester gehauen als ich dich!" Vor einigen Jahren konnte man diesen Effekt tatsächlich nachweisen; das findet im Gehirn so statt.Thu, 12 Feb 2026 - 01min - 6671 - Wofür stehen die Farben der olympischen Ringe?
Rassistische Klischees?
Die Erklärung, die ich aus meiner Kindheit kenne und die mir damals sehr einleuchtete lautet: Die Farben sind bestimmten Kontinenten zugeordnet: Der schwarze Ring steht für Afrika, der rote Ring für Amerika, der gelbe für Asien, der grüne für Australien und der blaue Ring für Europa – angeblich, weil es in Europa so viele Menschen mit blauen Augen gibt. Später dachte ich: Das kann ja nicht sein, da hat mir jemand dummes Zeug erzählt. Denn wenn das wirklich die Erklärung wäre, hätte vermutlich längst eine breite Diskussion eingesetzt, ob die Farben noch zeitgemäß sind. Die Erklärung strotzt ja nur so von rassistischen Klischees: rote Indianer, gelbe Asiaten, schwarzes Afrika, blauäugige Europäer …Ringe-Idee von Pierre de Coubertin
Dann habe ich aber heraus gefunden, dass die Farben tatsächlich bis 1951 im offiziellen Handbuch der Olympischen Spiele so erklärt wurden. Doch es ist völlig unklar, wie diese Farbenlehre da reingekommen ist. Denn als das Symbol der olympischen Ringe vor 100 Jahren erfunden wurde, war davon noch überhaupt keine Rede. Die Idee zu den Ringen hatte der Begründer der modernen Olympischen Spiele, Pierre de Coubertin. Er sagte zwar, dass die Ringe für die 5 Kontinente stehen und hat auch die Farben der Ringe festgelegt – er hat aber die einzelnen Farben nicht bestimmten Kontinenten zugeordnet. Seine Idee war vielmehr eine ganz andere.6 Olympia-Farben: mindestens einmal in jeder Nationalflagge enthalten
Dazu muss man wissen, dass offiziell nicht nur die Farben der Ringe festgelegt sind, sondern auch die Hintergrund-"Farbe" Weiß. Das Motiv besteht somit nicht aus fünf, sondern aus sechs Farben. Und die Idee war damals, dass das Motiv der olympischen Ringe mindestens eine Farbe von jeder Nationalflagge der Welt enthält. Die deutsche Flagge etwa enthält die "Ringfarben" Schwarz und Rot, die brasilianische Flagge enthält Gelb, Grün und Blau. Jedes Land sollte sich in den Ringen sozusagen wiederfinden – das war die ursprüngliche Idee, und sie war offenbar völlig frei von rassistischen Schablonen. Wie und warum die Zuordnung von Farben zu Erdteilen ins Handbuch gekommen ist, ist bis heute unklar: Auf jeden Fall aber hat das Olympische Komitee diese merkwürdige Passage 1951 auch wieder aus dem Handbuch gestrichen.Wed, 11 Feb 2026 - 02min - 6669 - Ist Bronze ein Edelmetall?
Bronze ist eine Legierung
Nein. Bronze besitzt zwar eine wichtige Edelmetall-Eigenschaft: Sie ist sehr korrosionsbeständig, oxidiert also kaum. Aber als Edelmetalle gelten nur reine Metalle – Bronze dagegen ist eine Legierung. Sie besteht zu mindestens 60 Prozent aus Kupfer; das ist immerhin ein Halb-Edelmetall. Der Rest sind andere Nicht-Edelmetalle wie Zinn, Aluminium oder Blei. Damit ist die Bronze per Definition kein Edelmetall. Sie ist übrigens auch nicht annähernd so wertvoll wie Gold oder auch Silber. Zum Vergleich: Wäre eine Goldmedaille aus reinem Gold (was sie nicht ist), würde sie 80-mal mehr kosten als eine entsprechende Silbermedaille und 2400-mal so viel wie eine Bronzemedaille. Aber der Preis ist für den Begriff "edel" nicht das entscheidende Kriterium, sondern die chemischen Eigenschaften.Kupfer statt Bronze für den 3. Platz?
"Echte" Edelmetalle sind: Silber, Gold, Rhodium, Ruthenium, Palladium, Osmium, Iridium, Platin. Auch Quecksilber wird meist dazu gezählt. Es steht im Periodensystem direkt neben dem Gold, ist aber schon reaktionsfreudiger und schon deshalb ein untypisches Edelmetall. Wenn man sich das Periodensystem der Elemente ansieht, wäre eigentlich eine "Kupfermedaille" als "dritter Platz" konsequenter, denn: Gold, Silber, Kupfer – diese drei Metalle stehen direkt übereinander. Kupfer ist aber bekanntlich relativ weich und biegsam – nicht das, was man von einer stabilen Medaille erwartet.Waffentaugliche Bronze
Das ist auch der Grund, weshalb in der Frühgeschichte Bronze so bedeutsam wurde: Diese Legierung aus Kupfer und Zinn ist viel härter und somit waffentauglicher als das reine Kupfer, das man schon vorher kannte.Tue, 10 Feb 2026 - 02min - 6668 - Kann man das Immunsystem trainieren?
Die Frage klingt einfach, und viele würden intuitiv sagen: Na klar! Man kann sich "abhärten", wie es so schön heißt. Wenn man häufig an die frische Luft gehe oder sich immer wieder mal Erregern aussetze, stärke das das Immunsystem. Doch so einfach ist es nicht, denn man muss zwei Sachen unterscheiden:
Kontakt mit Erregern stärkt Immunabwehr
Unstrittig ist, dass der Kontakt mit einem Erreger – wenn man ihn übersteht – die Immunabwehr gegen diesen speziellen Erreger stärkt. Wer eine Maserninfektion überlebt hat, ist in der Regel ein Leben lang gegen das Masernvirus immun. Und wenn man sich im Alltag einer Vielzahl schwacher Erreger aussetzt, die das Immunsystem immer ein bisschen herausfordern, aber nicht wirklich krank machen, dann entwickelt das Immunsystem gegen diese Erreger eine Abwehrroutine. Auch Impfungen beruhen auf diesem Prinzip. Sie stimulieren das Immunsystem, ohne es zu überfordern, nur eben immer gegen bestimmte Erreger.Immungedächtnis ist erregerspezifisch
Aber schon die jährliche Grippeimpfung zeigt das Problem: Man muss sie jedes Jahr erneuern lassen, weil sich der Erreger verändert. Die Immunität, die mir die Impfung letztes Jahr verschafft hat, ist also nächstes Jahr schon wieder hinfällig, weil der Erreger sich bis dahin verändert und mein Immungedächtnis dann nicht mehr greift. Dieses Immungedächtnis istalso immer erregerspezifisch. Weder eine Masern-Infektion, noch eine Grippeschutzimpfung führt zu einer allgemeinen Stärkung meines Immunsystems. Beide schützen mich nur vor dem speziellen Erreger, dem ich ausgesetzt war. Der Mechanismus dahinter ist schon lange bekannt. Er funktioniert über die adaptiven – also anpassungsfähigen – Immunzellen: die sogenannten B-Zellen und T-Zellen. Diese Zellen passen sich der Oberfläche des speziellen Erregers an und wehren ihn ab. Die B-Zellen produzieren bei Kontakt mit einem Erreger die geeigneten Antikörper.Angeborene kurzlebige Immunzellen reagieren auf breites Erregerspektrum
Die Frage ist nun: Gibt es neben dieser erregerspezifischen Abwehr auch so etwas wie einen allgemeinen "Trainingseffekt" der Immunabwehr? Was man bisher weiß: Irgendwelche Effekte dieser Art gibt es. Das bestätigt der Immunologe Andreas Wack vom Francis Crick Institute in London. Die ersten Hinweise habe es im Zusammenhang mit dem Tuberkulose-Impfstoff BCG gegeben.Es wurde schon vor Jahrzehnten gezeigt, dass Kinder, die mit diesem Impfstoff geimpft worden sind und damit nur spezifisch einen Schutz gegen Tuberkulose haben sollten, auch andere Infektionskrankheiten weniger bekommen haben. Und man versteht bisher noch nicht so richtig, wie das funktioniert.
Ein Erklärungsansatz ist: Es gibt neben den anpassungsfähigen und damit erregerspezifischen Immunzellen – also den B- und T-Zellen – auch angeborene Immunzellen, die nicht spezialisiert sind und auf ein breites Erregerspektrum reagieren. Die produzieren zum Beispiel Botenstoffe wie die Interleukine, die auf sehr unterschiedliche Erreger reagieren. Wenn eine solche Immunzelle einen Erreger abwehrt, werden in ihrem Erbgut, bildhaft gesprochen, bestimmte Schalter aktiviert: Die DNA wird also epigenetisch verändert und produziert deshalb mehr von diesen Interleukinen, so die Idee. Der Haken an dieser Vorstellung ist, dass diese angeborenen Immunzellen sehr kurzlebig sind. Sie erneuern sich alle ein bis Tage. Diese Art der verstärkten Immunabwehr kann deshalb nicht lange anhalten. Ein nachhaltiger Trainingseffekt lässt sich mit diesen Zellen also nicht erklären.Quelle: Andreas Wack, Francis Crick Institute, London
Training des Immunsystems durch epigenetisch geprägte Zellen
Wenn die Zelle zwei Tage später nicht mehr im Blut ist, ist das natürlich relativ hinfällig. Deshalb war der nächste Schritt zu sagen: Vielleicht ist diese Prägung nicht in den Zellen selbst, sondern in ihren Vorläuferzellen? All diese Zellen werden im Knochenmark gebildet, und die Annahme war und ist, dass es Prägungen schon im Knochenmark gibt, die dann dafür sorgen, dass alle neuen Zellen, die von diesen Vorläuferzellen erzeugt werden, diese epigenetische Prägung mitbringen und deshalb stärker reagieren.
Das ist der Mechanismus, der in der Wissenschaft tatsächlich als Training des Immunsystems bezeichnet wird. Studien aus den vergangenen Jahren konnten ihn auch belegen.Quelle: Andreas Wack, Francis Crick Institute, London
Forschung untersucht die Rolle der Makrophagen
Es gibt aber auch andere Erklärungsansätze. Andreas Wack etwa erforscht die Rolle von Makrophagen in der Lunge. Makrophagen sind körpereigene Zellen, die Bakterien vernichten können. Auch sie werden dem angeborenen Immunsystem zugerechnet.Diese Zellen sind nicht kurzlebig, sondern wenn sie einmal in der Lunge sind, sind sie relativ langlebig.
Wacks Experimente mit Mäusen ergaben Folgendes: Werden die Mäuse mit einem Grippevirus infiziert und machen die Grippe durch, haben sich die Makrophagen in der Lunge hinterher verändert. Anstelle der ursprünglichen, für Erreger harmlosen Makrophagen, finden sich Makrophagen, die von weißen Blutkörperchen aus dem Blut abstammen. Und diese neuen Zellen reagieren viel stärker auf Erreger aller Art als ihre Vorgänger. "Das führte dazu, dass für Monate nach der Grippeinfektion diese Mäuse eine hochreaktive Population von Makrophagen hatten, die besser geschützt hat gegen Pathogene, die nichts zu tun hatten mit dem ursprünglichen Grippevirus." So hatten die Mäuse einen Monat nach ihrer Grippe eine deutlich bessere Immunabwehr gegen Streptokokken. Und das sind wirklich zwei komplett verschiedene Erregertypen: Auslöser der Grippe sind Viren. Streptokokken dagegen sind Bakterien. Trotzdem hat die eine Infektion zu einer besseren Abwehr gegen die andere geführt. Das klingt merkwürdig, denn im Alltag passiert ja oft das Gegenteil: Man hat eine Virusinfektion – eine Erkältung – und dann setzt sich noch eine hartnäckige Bakterieninfektion obendrauf – sei es eine Nebenhöhlen- oder gar eine Lungenentzündung. Deshalb ist eine Grippe gerade für ältere Menschen oft so gefährlich. Wie kann dann aber in den Experimenten eine Grippeinfektion vor Bakterien schützen?Quelle: Andreas Wack, Francis Crick Institute, London
Das hat damit zu tun, dass der Zeitraum, von dem wir hier sprechen, völlig verschieden ist.
Bei den Mäusen im Experiment kam die Bakterieninfektion nicht sofort dazu, im Gegenteil. Die Mäuse haben sich erst gründlich von der Grippeinfektion erholt. Dann aber ist die Situation eine ganz andere und ihr Immunsystem ging tatsächlich gestärkt daraus hervor – sowohl gegen andere Viren als auch gegen Bakterien. Die Erklärung hierfür waren in dem Fall die neu gebildeten Makrophagen in der Lunge.Quelle: Andreas Wack, Francis Crick Institute, London
Erklärungen zum "Training des Immunssystems" sind wissenschaftlich komplex
Es gibt mittlerweile noch eine ganze Menge mehr Vorschläge, wie dieses Training des Immunsystems funktionieren könnte. Und es wird sicher noch ein paar Jahre wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis da ein bisschen Klarheit in die Geschichte kommt, welche dieser Mechanismen wirklich relevant sind und welche nicht so sehr.
Das zeigt: "Das Immunsystem trainieren" sagt sich leicht und klingt plausibel – doch zu erklären, was da genau passiert, ist wissenschaftlich eine harte Nuss. Und das Bild vom "Training" kann auch in die Irre führen. Denn das Wort ist in unserem Sprachgebrauch positiv besetzt, Training ist etwas Gutes. Das ist es aber in dem Fall nicht unbedingt. Wenn das Immunsystem dazu gebracht wird, stärker auf Erreger zu reagieren, kann das auch zu Überreaktionen führen. Angenommen, in der Lunge sind schon chronisch entzündliche Prozesse im Gang, dann kann eine Infektion und der dadurch ausgelöste "Trainingseffekt" solche chronischen Erkrankungen noch verschlimmern.Quelle: Andreas Wack, Francis Crick Institute, London
Das kennt jeder Asthmatiker, dass virale Infektionen der Atemwege das Asthma ganz massiv verschlimmern können. Und wir gehen davon aus, dass es nicht nur die akute Antwort auf diese Infektion ist, sondern auch dieser Zufluss von hochreaktiven Zellen, die dann langfristig in der Lunge bleiben.
Quelle: Andreas Wack, Francis Crick Institute, London
Thu, 5 Feb 2026 - 07min - 6667 - Kann man Metall riechen?
Metall riecht nicht
Spontan würde man wohl sagen: klar! Einmal eine Geldmünze gedrückt oder eine Metallfeder in den Kugelschreiber geschoben – und die Hand riecht offenbar nach Metall. Zumindest hat es den Anschein, als würde in diesen Fällen ein irgendwie gearteter "Metallgeruch" auf die Hand übergehen. Fragt man allerdings Fachleute aus der Chemie, dann beharren die darauf: Metalle sind geruchlos. Geld stinkt nicht – das wusste man schon im alten Rom. Und biologisch-chemisch gesehen ist das korrekt. Denn der Geruchssinn beruht darauf, dass einzelne freie umherfliegende Moleküle auf die Riechzellen in unserer Nase treffen. Flüchtige Moleküle, die in der Luft sind oder aus anderen Materialien ausgedünstet werden. Aber ein Metall ist im Wesentlichen eine starre feste Struktur, wo kaum etwas ausdünstet.Es riecht, wenn Schweiß mit Eisen oder Kupfer reagiert
Wenn aber Metalle nicht riechen, wonach riecht dann die Hand, die gerade noch eine Münze gehalten hat? Was da riecht, ist eine chemische Verbindung, die erst beim Kontakt zwischen der Haut und dem Eisen entsteht. Das hat die Wissenschaft auch erst vor etwa 7 Jahren nachgewiesen. Auf jeder Haut befinden sich sogenannte Lipidperoxide – man kann es auch profan sagen: Das sind die sauren Bestandteile von ranzigem Schweiß. Das Eisen verwandelt diese Schweißreste in organische Moleküle. In der Chemie kennt man sie als Aldehyde und Ketone; die riechen ganz anders. Auch mit Kupfer kann das passieren. Wir glauben, dass wir Metall riechen. In Wahrheit riechen wir nur chemisch veränderte Schweißreste. Die riechen wir nicht nur auf unserer Haut, sondern auch das Metall riecht danach, wenn wir diese Metallgegenstände anfassen.Metallisches Aroma von Blut kommt vom Eisen
Evolutionsbiologisch ist das insofern interessant, weil sich dieses besondere Aroma noch bei einer weiteren Substanz entfaltet, nämlich bei Blut. Das ist jedem schon mal aufgefallen: Wenn man sich in den Finger schneidet und das nächste Pflaster oder Zellstofftuch nicht in Reichweite ist, steckt man den Finger in den Mund. Das schmeckt dann leicht metallisch. Warum? Weil das Blut – insbesondere die roten Blutkörperchen – Eisen in Form von Hämoglobin enthalten. Wenn dieses Eisen mit Haut in Berührung kommt – das passiert bei offenen Wunden – kommt es zur gleichen Reaktion und es entsteht dieses typische pseudo-metallische Aroma. Wir Menschen sind nicht so gut darin, Blut bzw. offene Wunden zu riechen, aber Hunde zum Beispiel können das ganz gut. Das hängt mit der gleichen Reaktion zusammen.Phosphorverbindungen riechen nach Knoblauch
Der sogenannte "metallische" Geruch ist erstmal immer ähnlich. Es gibt aber noch einen anderen "Metall-Geruch", der nach Angaben der Forschung eher mit Gusseisen und Stahl in Verbindung steht. Manche Menschen haben das Empfinden, als würde das Eisen nach Knoblauch riechen; das klingt merkwürdig. Aber auch da ist es nicht das Eisen an sich, sondern es sind Phosphorverbindungen. Gusseisen und Stahl enthalten sowohl Phosphor als auch Kohlenstoff, und die reagieren, wiederum unter Einwirkung von Schweiß zu organischen Phosphorverbindungen. Und vor allem zwei davon – Methylphosphin und Dimethylphosphin – riechen tatsächlich nach Knoblauch.Tue, 27 Jan 2026 - 03min - 6666 - Warum sind die Tasten am Klavier so seltsam angeordnet?
Normalerweise ist der Schritt von einer Taste zur nächsten in einer Farbe ein ganzer Ton, manchmal aber nur ein halber. Würden stets die weißen Tasten einen ganzen Ton Abstand einhalten und dazwischen die schwarzen Tasten einen halben Ton Abstand repräsentieren, könnten dann nicht alle Tonarten mit dem gleichen Fingersatz gespielt werden? Im Prinzip eine reizvolle Idee. Es gab auch immer wieder Versuche, genau solche chromatischen Tastaturen einzuführen, aber die haben sich nicht durchgesetzt. Ich persönlich würde da vielleicht auch die Orientierung verlieren, denn diese Grüppchen von je 2 oder 3 schwarzen Tasten helfen ja, sich auf dem Klavier zurechtzufinden und sofort zu sehen: Wo ist das C? Wo ist das F?
Klaviertastatur ist historisch gewachsen
Der Hauptgrund, dass sich eine solche gleichförmige Tastatur nicht durchgesetzt hat, ist wohl eher, dass die Klaviertastatur historisch gewachsen ist. Die Geschichte der Tastatur hängt eng zusammen mit der Geschichte unseres europäischen Musiksystems, vor allem auch der Tonarten. Das ist ziemlich vertrackt, sodass ich die Geschichte hier wirklich nur grob skizzieren kann. Angefangen hat es mit einer Tastatur, die überhaupt keine schwarzen Tasten hatte, sondern nur aus den heute weißen Tasten bestand. Die heißen auch diatonische Tasten, also C, D, E, F, G, A, H – die Töne der C-Durtonleiter. Das ist keine gleichmäßige Abfolge, sondern da sind zwei Halbtonschritte drin, vom E zum F und vom H zum C. Warum also diese Abfolge? Diese Töne ergeben sich aus dem Quintenintervall. Die Quinte ist nach der Oktave das wichtigste, weil harmonischste Intervall in der Musik. Wenn man bei einem Ton anfängt, sagen wir beim F, und dann quintenweise hochgeht, erhält man F, C, G, D, A, E und H. Wenn man das noch in die richtige Reihenfolge bringt, ergibt sich die bekannte Tonleiter, die an zwei Stellen einen Halbtonschritt hat, eben beim E und beim H. Das ist die Erklärung, wie sich diese Tonabfolge akustisch begründen lässt, das heißt, wie es zu den heute weißen Tasten kam.Weitere Tonarten: dorisch, phrygisch, lydisch
Im Mittelalter gab es neben dem, was wir heute als C-Dur bezeichnen, noch die anderen Kirchentonarten: dorisch, phrygisch, lydisch und so weiter, die im Grunde die gleiche Abfolge von Tönen benutzen, nur ist hier die Stellung der Halbtöne an anderer Stelle. Die dorische Tonleiter fängt nicht mit dem C an, sondern mit dem D. Aber die Töne, die vorkommen, sind an sich die gleichen. Das heißt, die ursprüngliche Klaviatur, die nur aus den heute weißen Tasten bestand, war ausreichend, um sich in diesem Tonsystem zu bewegen. Man hatte mit den heute weißen Tasten alle Töne, die man brauchte.Neue Klangräumen erforderten weitere Tasten
Musikerinnen und Musiker wollen damals wie heute immer neue Klangräume entwickeln. Zum Beispiel wollten sie den mehrstimmigen Stücken und Gesängen zusätzliche Stimmen einfügen; da war wieder die Quinte ganz wichtig. Gehen wir vom F aus eine Quint nach unten, dann landet man beim B. Das gab es in den frühen Tastaturen nicht, deshalb wurde das um das Jahr 1500 herum eingefügt: Die erste schwarze Taste, das B. Und kurz darauf wurden ganz konsequent alle sonst noch fehlenden Halbtonschritte als schwarze Tasten eingefügt. So ist die Klaviatur, wie wir sie heute kennen, entstanden. Daran haben sich auch Komponistinnen und Komponisten orientiert. Das ist sicher auch ein Grund, warum sich andere Tastaturen später nicht mehr durchsetzen konnten – einfach weil Beethoven oder Chopin ihre Stücke so komponiert haben, dass sie auf der traditionellen Tastatur spielbar sind. Würde man eine neue Tastatur einführen, müssten sich alle Pianistinnen und Pianisten umstellen, beziehungsweise die Stücke wären vielleicht gar nicht mehr spielbar.12 Halbtöne pro Tonleiter müssen genügen
Die Tastatur ist heute keine reine Quintenstimmung. Es war ein Problem, dass man eigentlich noch viel mehr Tasten gebraucht hätte. Denn zum Beispiel befinden sich das Fis und das Ges auf der Klaviatur auf der gleichen Taste, obwohl es streng genommen zwei verschiedene Töne sind. Aber da hat man sich dann schon früh gesagt: Damit es nicht zu kompliziert wird und wir in jeder Oktave 30 bis 40 Tasten brauchen, ignorieren wir diese feinen Unterschiede und begnügen uns mit 12 Halbtönen pro Tonleiter. Danke an Annette Otterstedt vom Staatlichen Instrumentenmuseum Berlin für die Hilfe bei der Beantwortung der FrageThu, 22 Jan 2026 - 04min - 6665 - Wie ökologisch lebten die Inkas?
Inka trieben keine Überweidung und setzten auf Vorratshaltung
Oft werden die Inka als Ökowegweiser für unsere heutige Gesellschaft gesehen. Das Ressourcen-Management der Inka war selbstsuffizient und nicht im Übermaße ausbeuterisch und damit, wie man heute sagt, nachhaltig. Es gab keine Überweidung, die Landwirtschaft wurde experimentell betrieben, man hat sich drauf eingestellt, Vorräte zu halten, über alle Klimaperioden hinweg. Es wurden Hungersnöte vermieden, man hat aus der Geschichte gelernt. Die Vorgängerkulturen sind untergegangen deswegen, die Maya auch. Sie waren schon untergegangen, als die Spanier kamen. Die Azteken sind dafür bekannt, dass sie exzessiv Menschenopfer betrieben haben. Das haben die Inka nicht so exzessiv gemacht, wenn sie auch Bergopfer gebracht haben. Ihr intensiver Anbau in diesen steilen Andenbergen, die sie mit Terrassen übersät haben, was die Erosion verhindert hat, machte eine intensive Bewässerung nötig. Man musste die Bewässerungskanäle drei-, viermal im Jahr reinigen und bearbeiten. Die Inka haben dafür gesorgt, dass sie in Notzeiten durch tausende Speicher mit Mais, Kartoffeln, Quinoa und anderen Nahrungsmitteln gut versorgt waren. Die Inka betrieben also einen bewussten und nachhaltigen Umgang mit der Natur, besaßen diplomatisches Geschick in der Politik und waren kunsthandwerklich und technisch eine sehr hochstehende Kultur? Genau. Und sie vermieden exzessiven öffentlichen Luxus, wie das in den Gräbern der Pharaonen, im alten Ägypten bis zu dem Gräbern der Maya oder anderen berühmten Gräbern der Fall ist, wo man sogar im Jenseits als der große Machthaber da stehen wollte. Das haben die Inka nicht gemacht. Sie haben sich mumifizieren lassen und lebten wie normale Menschen.Wed, 21 Jan 2026 - 02min - 6664 - Kann ein Mensch zum Atmen mit reinem Sauerstoff auskommen?
100 Prozent Sauerstoff: kurzfristig kein Problem beim Atmen
Grundsätzlich ja – wir können reinen Sauerstoff einatmen, ohne dass wir gleich tot umfallen. Das ist nicht ganz selbstverständlich: Die normale Atmosphäre besteht zu fast vier Fünfteln aus Stickstoff und nur zu einem Fünftel aus Sauerstoff. Natürlich ist der Sauerstoff das, was wir brauchen, was für uns wichtig ist. Trotzdem: Reinen Sauerstoff zu atmen, ist für den Körper etwas anderes als eine Luft, in der der Sauerstoff nur 21 Prozent ausmacht. Kurzfristig ist das kein Problem – in der Notfallmedizin kommt reiner Sauerstoff ja auch zum Einsatz. Das heißt, der Mensch hält das vorübergehend aus.Sauerstoffgabe per Druckluft: Sauerstoffradikale können entstehen
Auf Dauer ist es aber nicht gesund. Das gilt vor allem, wenn der Sauerstoff über Druckluftflaschen zugeführt wird. Denn normalerweise bilden die Sauerstoffatome Pärchen – immer zwei Atome bilden ein Molekül, deshalb auch die chemische Formel O2. Wenn wir viel Sauerstoff aufnehmen, steigt die Konzentration und damit auch der Partialdruck von Sauerstoff im Körper. Dann trennen sich diese Pärchen und es entstehen im Körper Sauerstoffradikale, also einzelne Atome. Die können zu Schäden in der Lunge und im Gehirn führen. Man spricht dann von einer Sauerstoffvergiftung. Der Druck ist also ein ganz wichtiger Faktor. Auch Taucher atmen übrigens keinen reinen Sauerstoff. Man spricht zwar landläufig oft von "Sauerstoffflaschen", aber auch in diesen Behältern ist ein Gasgemisch, bei dem bewusst die Druckverhältnisse in der Tiefe berücksichtigt werden: Je tiefer man vorhat zu tauchen, desto geringer ist der Sauerstoffanteil im Atemgas – und zwar meist deutlich geringer als in der Atmosphäre, gerade damit es unter erhöhtem Druck nicht zu einer Sauerstoffvergiftung kommt.Körper ist an natürlichen Sauerstoffgehalt der Luft von 21 Prozent angepasst
Aus diesen Gründen wird reiner Sauerstoff normalerweise nur sehr kurzfristig in der Notfallmedizin zur Wiederbelebung eingesetzt. Ansonsten ist der menschliche Körper an den natürlichen Sauerstoffgehalt von 21 Prozent optimal angepasst.Sauerstoff ist reaktives Gas: Waldbrandgefahr bei zu hohem Anteil in der Luft
Mehr Sauerstoff wäre also nicht besser. Im Gegenteil, denn wenn wesentlich mehr Sauerstoff in der Atmosphäre wäre, brächte das andere Gefahren mit sich: Sauerstoff ist ein sehr reaktives Gas. Hätte die Atmosphäre deutlich mehr Sauerstoff, wäre zum Beispiel die Waldbrandgefahr ungleich höher.Tue, 20 Jan 2026 - 02min - 6663 - Innerer Reichsparteitag: Ist das ein Nazi-Ausdruck?
Skandal bei der Fußball-WM 2010
Den Ausdruck hört man noch gelegentlich, und mancher zuckt da zusammen. Das wurde bei der Fußball-WM 2010 deutlich, als die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein den Ausdruck verwendete: Miroslav Klose, dessen Stürmerleistung vorher umstritten war, hatte ein Tor geschossen, worauf Müller-Hohenstein meinte, das müsse für ihn doch ein "innerer Reichsparteitag" gewesen sein – im Sinne einer großen Genugtuung; Klose müsse also innerlich gejubelt haben. Das war ein kleiner Skandal. Ein Mitglied des ZDF-Fernsehrats beschwerte sich mit den Worten: "Wir nehmen es nicht hin, wenn extremistische Terminologie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verbreitet wird." Die Moderatorin musste sich entschuldigen.Ist es eine "extremistische Terminologie"?
Reichsparteitage waren eine Institution der Nazis und unstrittig ist, dass die Redewendung "das ist mir ein innerer Reichsparteitag" auf die Zeit des Nationalsozialismus zurückgeht. Um den Ausdruck moralisch zu bewerten, lautet die entscheidende Frage aber: Von wem wurde dieser in welcher Form benutzt? Da ist die Quellenlage ambivalent. Klar ist: Es war kein Propagandaausdruck der Nazis, sondern der Ausdruck "innerer Reichsparteitag" entstand offenbar bald nach 1933 in der Studentenszene und wurde eher mit einer ironischen Distanz verwendet.Pompöse Jubelveranstaltungen: Reichsparteitage der Nazis
Wenn jemand sagt: "Das ist mir ein innerer Reichsparteitag" bringt das ja zum Ausdruck, was die Reichsparteitage faktisch waren: Pompöse Selbstbeweihräucherungs- und Jubelveranstaltungen. In dem Ausdruck klang also eher ein gewisser Spott mit. Manche Zeitzeugen sagen allerdings, dass dieser Ausdruck auch in der Hitlerjugend verwendet wurde – und da wohl eher unironisch. Insofern ist die Verwendung heute ambivalent.Sat, 17 Jan 2026 - 02min - 6662 - Brennt mir etwas "auf den Nägeln", "auf die Nägel" oder "unter den Nägeln"?
Das hängt davon ab, ob man lieber die Rolle des Mönchs oder eines mittelalterlichen Folteropfers annehmen möchte. Denn die beiden Versionen haben unterschiedliche Ursprünge.
Brennende Kerze trieb Mönche zum schnelleren Singen und Beten an
Zu der Variante "auf den Nägeln": Es gab in der Tat und durch Holzschnitte belegt bei den Mönchen oder auch bei Priestern kleine Kerzchen, die auf den Daumennägeln befestigt waren. So konnten sie, wenn sie sehr früh Messe in der Messe waren, in ihrem Gebetbuch etwas lesen. Wenn das zu lange dauerte, dann brannte die Kerze immer weiter runter und sie mussten darauf schauen, dass sie schnell genug sangen. Deswegen war das eine unangenehme Situation, wenn einem etwas auf den Nägeln brannte.Foltermethode: brennender Kienspan unter den Nägeln
"Unter den Nägeln" brennen hängt damit zusammen, dass es entsprechende Foltermethoden gab. Man steckte jemandem einen Kienspan unter die Nägel und zündete den an. Das war natürlich äußerst unangenehm und sehr, sehr widerlich. Also können Sie sowohl sagen "es brennt mir unter den Nägeln" als auch "das brennt mir auf den Nägeln".Fri, 16 Jan 2026 - 01min - 6661 - Warum erscheinen Sonne und Mond größer, je mehr sie sich dem Horizont nähern?
Den Mond mal zwischen zwei Finger nehmen
Objektiv betrachtet sehen diese Himmelskörper, die Sonne oder der Mond am Himmel, gar nicht größer oder kleiner aus. Das heißt, sie nehmen praktisch die gleiche Größe im Sichtfeld ein, egal, ob sie jetzt hoch am Himmel stehen oder am Horizont. Wenn man den Arm ausstrecken und den Mond zwischen die Fingern nehmen würde, dann würde es keinen Unterschied machen, ob der jetzt hoch am Himmel steht oder am Horizont; er ist immer sozusagen zwischen den Fingern gleich groß. Der Mond ist zwar manchmal etwas näher an der Erde und manchmal etwas weiter weg, aber das macht nicht so viel aus und hat nichts mit der "Horizont-Frage" zu tun.Warum erscheint der Mond unterschiedlich groß?
Da gibt’s zum einen die Erklärung, dass es eine optische Täuschung ist durch den Bezug zu Objekten am Horizont. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Der wichtigste Grund ist, dass sich unser Gehirn täuschen lässt, was die Entfernung der Sonne oder des Mondes angeht. Wenn wir zum Horizont gucken, dann ist ja meistens eine ganze Menge dazwischen: Häuser, Bäume, Menschen – was auch immer. Und daraus leitet unser Gehirn unbewusst ab: "Dieser Horizont, der ist ja ganz schön weit weg." Wenn wir zum Mond gucken, wenn er hoch am Himmel steht, dann ist sonst nichts dazwischen. Und das interpretiert unser Gehirn so, als wäre er näher dran. Wenn man irgendwo draußen steht und sich ganz naiv den Himmel als Gewölbe vorstellt, als Käseglocke, dann hat es ja auch nicht den Anschein, als sei diese Käseglocke kugelrund, sondern sie ist eher abgeflacht. Der Zenit der Käseglocke, also oben, was direkt über uns ist, erscheint näher als der Horizont. Das liegt daran, dass beim Blick zum Horizont noch so viel dazwischen ist. Das heißt, der Horizont erscheint weiter weg, subjektiv, als der Zenit.Teleobjektive gaukeln Betrachter Nähe zu Objekten vor
Umgekehrt: Wenn der Mond Richtung Horizont sinkt, nimmer er zwar im Sichtfeld immer noch die gleich Fläche ein wie wenn er oben steht. Aber unser Gehirn, unser optisches System sagt sich nun unbewusst: "Moment, der ist ja jetzt weit weg, das muss ich berücksichtigen, wenn ich überlege, wie groß ist der." Also meldet es unserem Verstand: "Du, dieser Mond da hinten, der ist so weit weg. Da muss der doch schon ganz schön groß sein". Und genau so entsteht diese Täuschung, dass der Mond bzw. eben auch die Sonne am Horizont so groß erscheinen. Wenn wiederum auf Fotos der Mond überdimensional groß erscheint, dann handelt es sich meist um Aufnahmen, die mit einem Teleobjektiv gemacht wurden. Was dabei passiert, kann man sich klar machen, wenn man seine Hand zwischen die Augen und einen größeren Gegenstand hält. Wenn wir die Hand dicht vor die Augen halten, verdeckt sie einen größeren Teil des Hintergrunds als wenn wir die Hand weiter wegstrecken. Wenn wir den Mond am Horizont betrachten, entspricht die "Hand" den Häusern und Bäumen. Was macht nun das Teleobjektiv? Es gaukelt dem Betrachter vor, er sei viel näher an den Häusern als er es in Wirklichkeit ist – ohne dass sich aber das Größenverhältnis zwischen Häusern und Mond ändert. Die Häuser erscheinen im Verhältnis zum Mond viel kleiner als wenn wir wirklich so nah dran wären, wie das Teleobjektiv uns glauben lässt – dadurch wird der Mond auf diesen Fotos so enorm groß. Und dann gibt es natürlich auch Fotomontagen, wo der Mond einfach mit Bildbearbeitung größer gemacht wurde als er ist.Thu, 15 Jan 2026 - 02min - 6660 - Warum schließen wir beim Niesen die Augen?
Zusammenkneifen der Augen beim Niesen ist ein Reflex
Vermutlich, damit keine Krankheitserreger in die Augen gelangen. Es ist schwierig nachzuweisen, warum sich in der Evolution bestimmte Dinge entwickelt haben. Denn die Evolution ist ja kein denkendes Wesen, ist kein Ingenieur, den man fragen kann, was er sich bei einer bestimmten Vorrichtung gedacht hat. Man kann davon ausgehen: Dass wir die Augen beim Niesen reflexhaft zusammenkneifen – gar nicht anders können – hat sich sicher nicht ohne Grund so entwickelt.Zwei mögliche Erklärungen
Was aber ist der Nutzen heute? Vor allem zwei Gründe werden immer wieder diskutiert:- Beim Niesen entsteht ein enormer Druck. Um diesem Druck entgegenzuwirken, schließen wir die Augen. Wir würden damit sozusagen verhindern, dass die Augäpfel aus der Augenhöhle gedrückt werden. Die meisten Experten halten diese Erklärung allerdings für ziemlich unwahrscheinlich. Denn die Augen sind zwar mit den Atemwegen verbunden, allerdings nur über den schmalen Tränenkanal; über den kann dieser Druck gar nicht so schnell ans Auge abgeführt werden. Das Zukneifen der Augen verhindert, dass Krankheitserreger, die wir herausniesen, in die Augen gelangen. Diese Erklärung halten die meisten Experten für plausibler.
Tue, 28 Oct 2025 - 01min - 6659 - Wie sind die verschiedenen Blutgruppen entstanden?
Was sind Blutgruppen?
Es geht hier vor allem um die roten Blutkörperchen, genau genommen um deren Zelloberfläche. An den Blutkörperchen haften bestimmte Eiweiße, die sogenannten Antigene. Nach denen sind die Blutgruppen benannt. Hat jemand Blutgruppe A, dann haften an den Blutkörperchen andere Antigene als im Blut von jemandem mit Blutgruppe B. Und Blutgruppe 0 heißt einfach: weder ... noch. An den Blutkörperchen hängen weder Antigene A noch B. Unser Körper wehrt sich allerdings gegen fremde Antigene, die er nicht kennt – deshalb wird bei Blutspenden auf die Blutgruppen geachtet, weil sonst der Körper des Empfängers das Blut des Spenders abstößt.Wie sind diese verschiedenen Blutgruppen entstanden?
Sieht man sich das Verteilungsmuster der Blutgruppen auf der Welt an, dann kommen zwar heute alle Blutgruppen praktisch überall vor, aber es gibt bestimmte Häufungen: Blutgruppe 0 tritt gehäuft in Afrika und Amerika aufBlutgruppe A in Europa Blutgruppe B in Asien Das sind grobe Muster. Wie das gekommen ist, wird noch erforscht. Was aber bereits gut untersucht ist, ist der Einfluss von Malaria. An diesem Beispiel kann man deutlich machen, wie sich die Wissenschaft die Evolution der Blutgruppen grundsätzlich vorstellt.Warum sich in Afrika Blutgruppe 0 stärker durchgesetzt hat
Man kann rekonstruieren, dass die Blutgruppe 0 sich durch einen ursprünglichen Gendefekt aus der Blutgruppe A entwickelt hat. Also: A war zuerst da, dann gab es beim Kopieren des Erbguts an einer bestimmten Stelle einen Fehler, eine Mutation. Das Resultat waren Menschen mit Blutgruppe 0. Das ist alles passiert in einer Zeit, als unsere Vorfahren noch in Afrika gelebt haben. Eigentlich waren es noch keine "Menschen" im heutigen Sinn, sondern allenfalls Vormenschen. In Afrika gibt es nun bekanntlich Malaria. Man hat herausgefunden, dass Träger der Blutgruppe 0 bei Malaria, insbesondere der gefährlichen Malaria tropica, höhere Überlebenschancen haben. Das liegt daran, dass sich der Erreger im Blut dieser Menschen nicht so schnell vermehren kann. Mit Malaria ist es also ein bisschen wie bei Covid-19 – auch da scheinen Menschen mit Blutgruppe 0 glimpflicher davonzukommen.Ein Prozess über Jahrmillionen
Der Unterschied ist, dass es Malaria schon seit Jahrmillionen gibt. Wenn nun Menschen mit Blutgruppe 0 eine auch nur leicht erhöhte Überlebenschance in Malariagebieten haben, hat das dazu geführt, dass sich die Blutgruppe in Afrika im Laufe der Zeit immer stärker durchgesetzt hat. Das gilt vor allem für die feucht-tropischen Gebiete: Paradebeispiel ist das Nigerdelta. Dort ist der Anteil von Blutgruppe 0 in der Bevölkerung sehr hoch. In anderen Weltgegenden, wo Malaria nicht so eine große Rolle spielt, haben sich dagegen die Blutgruppen A und B gehalten.Auch andere Krankheitserreger spielen eine Rolle
Dieser Einfluss des Malariaerregers erklärt die Evolution der Blutgruppen nicht komplett – schon gar nicht die Verteilung von A und B. Aber immerhin ist dieser Effekt so gut untersucht, dass man vermuten kann, dass generell Krankheitserreger der entscheidende Faktor bei der Herausbildung unterschiedlicher Blutgruppen und ihrer Verteilung sind, wenn sie jeweils die Träger der einen oder anderen Blutgruppe begünstigt haben.Gibt es auch bei Tieren verschiedene Blutgruppen?
Ja, es gibt auch bei Tieren so etwas wie Blutgruppen. Gerade das AB0-System kennt man auch von anderen Primaten – es ist also älter als die Menschheit. Wir unterscheiden ja beim Menschen neben A, B und 0 auch den sogenannten Rhesusfaktor. Der heißt deshalb so, weil er ursprünglich beim Rhesus-Affen gefunden wurde. Unterschiedliche Blutgruppen sind auch bei Fischen nachgewiesen. Aber das sind dann nicht die Blutgruppen, die wir kennen – A, B und 0 oder der Rhesusfaktor – sondern ganz andere Typen als beim Menschen.Mon, 12 Jan 2026 - 03min - 6658 - Wovon hängt die Größe von Hühnereiern ab?
Eier gibt es in den Größen S bis XL – also extra groß. Diese Klassifizierung ist nach Gewicht definiert: Ein Ei der Größe S wiegt weniger als 53 g, Größe M geht bis 63 g, L bis 73 und alles, was darüber ist, ist XL.
Alter und Rasse des Huhns entscheiden über Ei-Größe
Die Eiergröße hängt von zwei Faktoren ab: Vom Alter und von der Hühnerrasse. Eier der Größe S stammen fast immer von Junghennen. Und je älter ein Huhn wird, desto größere Eier legt es. Außerdem gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Hühnerrassen. Ähnlich wie die Farbe des Eies eine Frage der Rasse ist, hängt auch die Größe von der Rasse ab. Besonders große Eier legen die braunen Hühner, während Zwerghennen, wie der Name schon vermuten lässt, eher kleine Eier legen.Hühner empfinden beim Eierlegen vermutlich keine Schmerzen
Zur Frage, ob Hühner beim Eierlegen Schmerzen empfinden und bei großen Eiern gar größere Schmerzen: Es ist grundsätzlich schwierig, das wissenschaftlich herauszufinden, weil Schmerz eine innere Empfindung ist – und Hühner können weder sprechen noch können sie Schmerzen über den Gesichtsausdruck mitteilen. Es gibt deshalb kaum Hinweise darauf, dass ihnen das Eierlegen weh tut. Man kann sagen: Da die Größe vom Alter und der Rasse abhängt, also von natürlichen Faktoren, gibt es keinen Grund, einen Zusammenhang zwischen Eiergröße und Schmerz anzunehmen. Wenn man beim Eierkauf Tierschutzaspekte berücksichtigen will, spielt die Größe der Eier deshalb keine Rolle. Da sollte man lieber auf die Haltung achten, also Freiland- bzw. Bioeier kaufen.Sun, 11 Jan 2026 - 02min - 6657 - Woher kommt Seitenstechen?
Milz-Theorie überzeugt nicht
Das ist eine der Fragen, bei der die Wissenschaft heute weniger "schlau" ist als früher. Früher war die Sportmedizin überzeugt, dass die Milz schuld sei. Die Milz spielt eine wichtige Rolle im Blutkreislauf, sie speichert Blut, sie produziert und recycelt weiße Blutkörperchen. Deshalb hieß es früher: Wenn sich untrainierte Menschen verausgaben, brauchen die Muskeln mehr Blut, also quetscht die Milz ihre letzten Reserven aus, zieht sich zusammen – und das verursacht das schmerzende Stechen. Das Problem dieser Erklärung ist: Die Milz liegt links im Bauch, Seitenstechen kann aber auch von rechts kommen; da stimmt also irgendwas nicht.Falsches Atmen: Welche Rolle spielt das Zwerchfell beim Seitenstechen?
Inzwischen fällt der Verdacht eher aufs Zwerchfell, aber was genau sollte es zum Stechen bringen? Hier gibt es verschiedene Theorien. Das Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel und untrainierte Läufer atmen manchmal falsch; sie sind buchstäblich kurzatmig. Sie atmen schnell, achten vor allem aufs Einatmen, zu wenig aufs Ausatmen. Dadurch wird das Zwerchfell schlecht durchblutet, bekommt wenig Sauerstoff und verkrampft – auch das könnte das Seitenstechen verursachen.Zu viel essen oder trinken vor dem Sport beeinflusst ebenfalls das Zwerchfell
Oder aber – auch die Theorie gibt es – es tut deshalb weh, weil das Zwerchfell von anderen Organen nach unten gezogen wird. Wer vor dem Sport zu viel isst oder trinkt, belastet unter Umständen die Leber, den Darm oder den Magen. "Belasten" ist in dem Fall wörtlich gemeint: Die Organe bekommen zu tun, werden schwerer. Weil sie aber über Muskelgewebe mit dem Zwerchfell verbunden sind, "reißen" sie es ein wenig nach unten, und auch das könnte Auslöser für das Seitenstechen sein – zumindest bei manchen Leuten.Sat, 10 Jan 2026 - 02min - 6656 - Dreht sich die Erde immer langsamer?
In 50.000 Jahren ist ein Tag eine Sekunde länger als heute
Tatsächlich weiß man schon seit Längerem, dass die Erde im Lauf der Jahrmillionen sich immer langsamer um ihre eigene Achse dreht. Das geht allerdings so langsam, dass wir das in einem Menschenleben nicht zu spüren bekommen. Um mal die Größenordnung zu nennen: Innerhalb von 100 Jahren verlangsamt sich eine Erdumdrehung um etwa zwei Tausendstel Sekunden (genau sind es 1,7). Anders ausgedrückt: Wenn es so weitergeht, wird in 50.000 Jahren eine Erdumdrehung, also ein Tag, eine Sekunde länger dauern als heute. Das klingt nach nicht viel, aber es heißt natürlich auch, dass wenn man in Milliarden von Jahren rechnet – und die Erde ist ja fast 5 Milliarden Jahre alt – dass da schon etwas zusammenkommt. Wenn man annimmt, dass die Erdrotation gleichmäßig in dieser Größenordnung immer langsamer wird, käme man zum Ergebnis, dass der Tag in der Frühzeit der Erde nur 21 bis 22 Stunden gehabt hat. Und wahrscheinlich war das tatsächlich so.Geschwabbel an der Erdoberfläche: Einfluss der Gezeitenkräfte
Dass sich die Erde immer langsamer dreht, liegt an den Gezeitenkräften. Also daran, dass wir zweimal am Tag Ebbe und Flut haben. Das führt dazu, dass die Erde durch die Anziehungskraft von Mond und Sonne ständig etwas ihre Form verändert. Das heißt, es bilden sich ständig Flutberge und Ebbetäler. Das erzeugt Reibung und ein allgemeines "Geschwabbel" an der Erdoberfläche. Dadurch wird die Rotation der Erde immer ein bisschen gebremst. Das ist der Haupteffekt. Diese Abbremsung erfolgt aber nicht gleichmäßig, denn es kommen andere Kräfte ins Spiel. Zum Beispiel Eiszeiten. Wir hatten ja in den letzten 3 Millionen Jahren mehrere Eiszeiten. Eiszeit heißt immer, dass Wasser aus den Weltmeeren verschwindet und sich in Form von Eis und Gletschern auf die Kontinente niederschlägt, vor allem in den Polarregionen. Das heißt bei jedem Wechsel von Eis- zu Warmzeit wird in großem Umfang Masse auf der Erdobefläche umverteilt; auch so etwas beeinflusst die Eigendrehung.Antike Aufzeichnungen über Sonnenfinsternisse helfen bei Rekonstruktion
Heute kann man das mit Atomuhren und genauer Himmelsbeobachtung ermitteln, aber das sagt ja nur etwas über die Veränderungen heute aus. Es gibt aber noch ein paar andere interessante Hinweise. Die Leute früher konnten die Zeit nicht so genau messen. Aber das mussten sie auch gar nicht. Sie haben Aufzeichnungen geführt über Sonnenfinsternisse. Eine Sonnenfinsternis ist ein fantastisches Spektakel. Wir können uns das heute erklären, der Mond schiebt sich vor die Sonne. Aber für die Menschen in der Antike war das ein unglaublicher Vorgang. Vor allem wenn es sich um eine totale Sonnenfinsternis handelt. Solche Ereignisse haben sie in ihren Chroniken festgehalten. Das Schöne ist nun: Die Astronomen können auch heute genau ausrechnen, wann an welcher Stelle der Erde eine totale Sonnenfinsternis stattfinden wird oder stattgefunden hat. Und sie können das mit den alten Aufzeichnungen vergleichen. Es gibt zum Beispiel eine totale Sonnenfinsternis im Jahr 136 v. Christus. Im Kernschatten dieser Sonnenfinsternis lag die Stadt Babylon. Dort gibt es auch Aufzeichnungen darüber. Aber wenn man rein astronomisch rechnet und davon ausgeht, dass die Erdentage heute und damals immer gleich lang gewesen wären, hätte diese Sonnenfinsternis nicht in Babylon zu sehen sein dürfen, sondern in Spanien. War sie aber nicht. Das liegt daran, dass sich die Erdrotation seitdem verlangsamt hat; der Zeitunterschied zwischen Babylon und Spanien beträgt etwa 3 Stunden. Vor 2000 Jahren war der einzelne Tag 4 Hundertstel Sekunden kürzer als heute. Wenn wir 2000 Jahre zurückgehen, dann sind das über 700.000 Tage – und auch wenn jeder dieser Tage nur Bruchteile einer Sekunde kürzer war, dann hat sich über die letzten 2000 Jahre doch vieles aufsummiert. Solche antiken Quellen sind ein Hinweis, dass sich die Rotation verlangsamt hat. Und sie bestätigen auf diese Weise die heutigen astronomischen Messungen.Fri, 9 Jan 2026 - 04min - 6655 - Warum ist der "globale Norden" reicher als der "globale Süden"?
Innerhalb Deutschlands ist es eher umgekehrt – wir haben hier ein Süd-Nord-Gefälle. Anders ist es in Italien, wo der Norden reicher ist als der Süden. Ein generelles Nord-Süd-Gefälle gibt es auch innerhalb Europas.
Bessere Bedingungen für Landwirtschaft in gemäßigten Breiten
Allerdings herrschten vor 2.000 Jahren – zur Zeit des römischen Reiches – umgekehrte Verhältnisse. Man kann also nicht sagen, dass es ein Naturgesetz gäbe, wonach nördliche Regionen immer reicher wären als südliche. Im Einzelfall spielen vielfach historische Entwicklungen eine Rolle. So war früher die Landwirtschaft ein entscheidender Wohlstandsfaktor — hierür herrschen in den gemäßigten Breiten einfach die besseren Bedingungen als in den Tropen. Die Böden und die Niederschlagsverhältnisse sind besser. Wir haben zwar auch immer wieder Trockenperioden, leiden aber längst nicht unter Dürreproblemen wie südlichere Länder das tun. Allerdings war das Mittelmeergebiet in der Antike grüner als heute – bis die Römer ihre Wälder abgeholzt haben, die bis heute nicht nachgewachsen sind. Aber die Frage nach Arm und Reich kann man sicher nicht nur auf solche naturräumlichen Einflüsse zurückführen.Kolonialgeschichte und Industrialisierung spielen eine Rolle
Der Unterschied zwischen den reichen Industrieländern und den Entwicklungsländern lässt sich einerseits auf die Kolonialgeschichte zurückführen, andererseits auf die Industrialisierung. Aber auch damit verschiebt man die Suche nach der Ursache nur in die Vergangenheit, denn es bleibt ja die Frage: Warum gingen Kolonialisierung und Industrialisierung vom Norden aus?Warum die Europäer die Welt kolonisieren konnten
An dieser Stelle kommt eine Theorie ins Spiel, die von dem US-Geographen Jared Diamond stammt. 1997 erschien sein Buch "Arm und Reich", im Englischen "Guns, germs and steel" – also Waffen, Krankheitserreger und Stahl. Darin stellt er die einfache Frage: Warum haben einst die Europäer den Rest der Welt kolonisiert und nicht umgekehrt? Seine Erklärung geht zurück bis in den Beginn der Landwirtschaft vor 10.000 Jahren in Vorderasien. Dass die Landwirtschaft dort ihren Anfang nahm und nicht sonst wo, hatte klare Gründe, denn dort herrschten Bedingungen wie nirgends sonst auf der Welt:- Es gab eine gewisse Anzahl an domestizierbaren Pflanzen – was wir heute als Getreide bezeichnen – und domestizierbaren Tieren. Weil der eurasische Kontinent eine Ost-West-Achse hat, und weil es – anders als in Amerika – in Ost-West-Richtung keine großen Gebirgsbarrieren gibt, verlaufen auch die Klimazonen in Eurasien in Ost-West-Richtung, also konnte sich die Landwirtschaft leicht ausbreiten. Und damit auch alles, was mit ihr zusammenhing, denn die Landwirtschaft hatte ja Folgen: Sie war ja zugleich der Beginn komplexer Gesellschaften, in denen es so etwas wie Arbeitsteilung gab, Spezialisierungen. Und die Landwirtschaft führte zu weiteren technischen Innovationen: Töpfe aus Keramik, Pflüge und andere Spezial-Werkzeuge aus Metall wurden erfunden – und die Metallverarbeitung führte natürlich auch zu effizienten Waffen.
Thu, 8 Jan 2026 - 03min - 6654 - Warum führt scharfes Essen zu Schweißausbrüchen?
Im Capsaicin steckt die Schärfe
Scharfes Essen kann tatsächlich zu einem leichten Anstieg der Körpertemperatur führen. Die chemische Verbindung, die Chilis und anderen Paprikagewächsen ihre Schärfe verleiht, ist Capsaicin. Schon kleine Mengen machen viel aus: Würde man ein Gramm Capsaicin in 10.000 Liter Wasser verteilen, könnte man die Schärfe immer noch schmecken. Und je mehr drin ist, desto schärfer wird es. Diese Capsaicin-Moleküle docken genau an jene Nervenrezeptoren im Mundraum an, die uns normalerweise melden, wenn wir uns verletzt oder verbrannt haben.Nervenrezeptoren melden "Feuer"
Man könnte also sagen: Capsaicin täuscht eine Brandwunde vor, deshalb "brennt" es im Rachen. Der Körper reagiert daraufhin so, wie er auf Wunden reagiert: Er steigert die Durchblutung und erweitert die Blutgefäße. Dadurch steigt die Körpertemperatur – und um den Anstieg in Grenzen zu halten, leitet der Körper gleich die Gegenmaßnahme ein: Er fängt an zu schwitzen. Denn wenn der Schweiß auf der Haut verdunstet, wird dem Körper Wärme entzogen.Scharfe Speisen in tropischen Ländern: schwitzen kühlt!
Manchmal wundert man sich ja, dass scharfe Speisen ausgerechnet in tropischen Ländern Tradition haben, wo es doch schon heiß genug ist – Indien, Indonesien, Mexiko. Die Erklärung könnte aber genau darin liegen: Das scharfe Essen wirkt zwar kurzfristig schweißtreibend, hat aber – über den ersten Hitzemoment hinaus – auch eine kühlende Funktion. Aufgrund dieser Zusammenhänge ist es kein Zufall, dass im Englischen das Wort "hot" sowohl "heiß" als auch "scharf" bedeutet. Im Deutschen kennen wir interessanterweise auch "heiß" als Synonym für "scharf" – aber bekanntlich mehr in Zusammenhang mit menschlichem Balzverhalten … Es handelt sich allerdings auch hier jeweils um eine Lehnübersetzung aus dem Englischen "hot", das ebenfalls in diesem Kontext gebraucht wird.Thu, 8 Jan 2026 - 02min - 6653 - "Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand" – woher kommt das?
Das kenne ich selbst von meinem Vater, der Seemann war und die ganze Welt umsegelt hat. Und der wusste auch genau dieses Problem. Also auf hoher See, da muss man natürlich immer auf Gott vertrauen, weil man in solcher Gefahr ist. Und das hat man verglichen mit dem Gericht. Der normale Mensch, der ist ja da auch völlig verloren. Der kennt sich nicht aus, fühlt sich in lauter Fallstricke gefangen. Und es gibt ein schönes Sprichwort, das heißt vor Gericht braucht man drei Säcke. Einen mit Papier, einen mit Geld und einen mit Geduld.
Wed, 7 Jan 2026 - 00min - 6652 - Ist grüner Tee wirklich so gesund?
Teetrinker leben gesundheitsbewusster
Was sind die "Beweise"? Zum einen, dass Grünteetrinker länger leben und etwas seltener Krebs bekommen. Das kann aber auch ganz andere Gründe haben. Es ist zum Beispiel bekannt, dass Teetrinker generell gesundheitsbewusster leben. Das ergab vor Jahren eine französische Studie: Teetrinker rauchen weniger und bewegen sich mehr. Und schon das kann dazu führen, dass die durchschnittliche Teetrinkerin eine höhere Lebenserwartung hat als ihr bier- und limotrinkender Nachbar.Weder Laborstudien noch klinische Studien bringen Klarheit
Das grüner Tee so gesund sein soll, stützt sich zum anderen auf Studien einer Substanz, die vor allem im grünen Tee, kaum aber im Schwarztee vorkommt: Es handelt sich um EGCG (Epigallocatechingallat), In Tier- und Laborstudien zeigt sich, dass EGCG – vor allem in hochkonzentrierter Form – bestimmte Gefäßablagerungen verhindert, die für Alzheimer und Parkinson verantwortlich sind. Doch aus solchen Laborversuchen kann man noch längst nicht ableiten, dass Tee gegen Alzheimer hilft. Das Problem ist, dass das EGCG beim normalen Teetrinken kaum vom Körper aufgenommen wird – also auch nicht wirken kann. So stellen sich manche der positiven Wirkungen (so auch die häufig zu lesende höhere Fettverbrennung und damit verbunden mögliche Gewichtsreduktion) nur ein, wenn EGCG in konzentrierter Form genommen wird - etwa in Form von EGCG-Kapseln. Doch genau diese bergen auch Gefahren für die Leber. Und so ist es häufig: In Laborstudien zeigen die im Tee enthaltenen Substanzen eine bestimmte Eigenschaft, die positiv sein könnte – aber in klinischen Studien, wenn man also echten Patienten Tee zu trinken gibt, bleibt die Wirkung dann doch aus. Eine Ausnahme gibt es: Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Tee kann unter bestimmten Umständen Blutgefäße weiten und damit das Infarktrisiko senken. Aber bei diesen Versuchen war es dann völlig egal, ob der Tee grün oder schwarz ist.Gesundheitsfördernde Wirkung bei Grün- und Schwarztee
Und diese Erkenntnis setzt sich zunehmend durch: Fast überall dort, wo es eine gesundheitsfördernde Wirkung gibt, zeigt sie sich beim grünen und schwarzen Tee gleichermaßen. Das könnte darauf hinweisen, dass die Forschung bisher auf die falsche Substanz gesetzt hat. Möglicherweise sind gar nicht die Katechine für eventuelle positive Wirkungen verantwortlich, sondern zum Beispiel das Theanin, eine Aminosäure, die sowohl im Schwarzen als auch im Grünen Tee vorkommt. Oder es ist das Koffein – dessen positive Seiten die Forschung inzwischen zunehmend entdeckt.Nicht zu viel erwarten
Doch das sind alles Mutmaßungen. Im Moment kann man nur sagen: Es gibt viele gute Gründe, Tee zu trinken: Er enthält viel Flüssigkeit, keine Kalorien und keinen Alkohol. Aber wenn Sie ihn nur trinken, um länger zu leben: Erwarten Sie nicht zu viel!Thu, 9 Feb 2023 - 02min - 6651 - Warum schrumpeln Finger, wenn sie lange im Wasser sind?
Auffallend: nur Finger schrumpeln – Rest des Körpers bleibt glatt
Auffallend ist ja, was alles nicht schrumpelt: Die Haut am Rest des Körpers – den Armen, den Beinen, dem Rücken – bleibt im Wasser glatt. Aber die Finger und die Zehen schrumpeln, werden wellig. Über die Gründe gibt es verschiedene Ansichten. Die Standard-Lehrmeinung besagt: Das Schrumpeln geschieht passiv: Die Hornhautzellen können viel Wasser aufnehmen und quellen dadurch. Der tiefere Grund ist: Die Hornhautzellen sind zwar biologisch abgestorben, aber sie enthalten noch relativ viele Salze – Wasser strebt, wenn es kann, immer Richtung Salz nach dem Prinzip der Osmose. Also dringt Wasser in die Zellen und die quellen auf.Warum bildet sich ein Wellenmuster – die Haut könnten ja einfach dicker werden?
Das liegt unter anderem daran, dass wir praktisch überall dort, wo sich viel Hornhaut bildet, auch Papillarlinien haben – die dünnen Rillen, die unseren Fingerabdruck ausmachen. Die gibt es auch an den Zehen. Überall, wo wir diese Papillarlinien haben, sind die oberen Hautschichten eng mit der Unterhaut verbunden. Sie kann sich somit nicht einfach frei ausdehnen. Deshalb schlägt sie, wenn sie aufquillt, dieses Wellenmuster. Das ist jedenfalls die Standarderklärung. Im Jahr 2011 kamen aber US-Forscher noch mit einer anderen möglichen Erklärung. Sie sagen: Das Schrumpeln ist vielleicht doch ein Vorgang, an dem der Körper aktiv beteiligt ist. Der evolutionäre Sinn könnte sein, dass, wenn die Hände nass sind, ein Gegenstand, den man mit schrumpeligen Fingern hält, nicht so leicht aus der Hand rutscht. Die Furchen im Schrumpelfinger hätten somit die gleiche Funktion wie die Rillen in einem Autoreifen. Wären die Finger nass und trotzdem glatt, wäre immer ein Wasserfilm zwischen Haut und Gegenstand – der würde leicht aus der Hand rutschen. Die Schrumpelfinger dagegen geben der Hand zusätzlich "Profil" und bewirken, dass das überschüssige Wasser abfließen kann – jedenfalls hat der Neurowissenschaftler Mark Changizi diese Möglichkeit ins Spiel gebracht.Belege für die "Rutsch-Stop-Theorie"
Mark Changizi belegt seine Theorie mit zwei Indizien. Das eine ist ein uralter wissenschaftlicher Aufsatz, der ihn überhaupt erst auf den Gedanken gebracht hat. Viele Forschungen aus früheren Jahrzehnten geraten ja völlig in Vergessenheit, wenn sie nicht weiter verfolgt werden. Und so hat Changizi einen Artikel aus den 1930ern entdeckt, in dem schon mal jemand festgestellt hat, dass Finger nicht schrumpeln, wenn Nerven, die in die Fingerspitze führen, beschädigt oder durchtrennt sind. Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass das Schrumpeln zumindest auch durch Nervenimpulse ausgelöst wird und nicht nur eine passive Quellreaktion auf das Eindringen von Wasser ist. Zweiter Hinweis: Bei allen Menschen ähnelt sich das Schrumpeln mehr oder weniger. Es entsteht kein wirres zufälliges Muster, wie man es vielleicht bei einem rein passiven physikalischen Vorgang erwarten würde, sondern es entstehen immer relativ gerade Furchen, die von der Fingerspitze wegführen. Genau dieses Muster wäre zur "Entwässerung" der Finger auch besonders effektiv. Auch das wäre also eine interessante Erklärung, auch wenn sie noch nicht bewiesen ist. Vielleicht kommt ja auch beides zusammen, in dem Sinn, dass der Körper das Schrumpeln zwar aktiv steuert, dass aber trotzdem das eindringende Wasser erst die Voraussetzungen schafft, dass er das überhaupt kann.Sat, 27 Dec 2025 - 02min - 6650 - Warum ist Gähnen ansteckend?
Spiegelneuronen zeigen beim "Betrachten" eines Vorgangs Aktivität
Spiegelneuronen sind bestimmte Gehirnstrukturen, die man zumindest bei Affen und Menschen finden kann. Die zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur aktiv sind, wenn man selbst eine bestimmte Tätigkeit ausführt, sondern auch wenn man sieht, wie es jemand anderes tut. Mir selbst ging es zum Beispiel als Schüler immer so, wenn wir im Sportunterricht Hochsprung gemacht haben: Immer wenn einer vor mir in der Reihe abgesprungen ist, hat’s auch in meinem Bein gezuckt und ich musste mich beherrschen, dass mein Bein nicht auch abhebt. Als dann diese Spiegelneuronen entdeckt wurden, hatte ich endlich eine Erklärung, warum das so ist. Und auf ähnliche Weise bewirken Spiegelneuronen offenbar, dass wenn wir jemanden Gähnen sehen unser Gehirn sozusagen denkt: "Stimmt eigentlich, danach ist mir auch gerade" – und einen entsprechenden Impuls sendet.Spiegelneuronen bilden Geisteszustände des Gegenübers ab
Diese Spiegelneuronen sind ja nicht nur bei Bewegungen aktiv, sondern sie werden heute auch für ein wesentliches Merkmal des menschlichen Geistes verantwortlich gemach: Wir können uns in andere einfühlen und aus Gesichtern lesen. Und wir können Schlüsse ziehen aus der Art, wie jemand spricht, aus der Stimme. Daraus können wir ablesen, wie es anderen geht. Das können wir, weil die Spiegelneuronen die Geisteszustände des Gegenübers in gewisser Weise abbilden. Vor einigen Jahren haben britische Forscher Experimente gemacht. Sie haben zum Beispiel in einen Warteraum Testpersonen gesetzt. Jemand aus dem Forschungsteam setzte sich incognito dazu und hat demonstrativ lange und ausgiebig gegähnt. Die Forscher haben beobachtet, wer anfängt mitzugähnen und wer nicht. Dann haben sie mit den gleichen Testpersonen hinterher einen psychologischen Test gemacht, bei dem die Fähigkeit getestet wurde, wie gut sich jemand in den Gemütszustand eines anderen hinein versetzen kann. Das Ergebnis: Die Leute, die sich vom Gähnen eines Mitmenschen besonders anstecken lassen, haben auch hohe Empathiewerte. Sie besitzen also ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen. Und umgekehrt waren die Leute, die im psychologischen Test ein schlechtes Einfühlungsvermögen gezeigt haben, relativ immun gegen die Gähn-Attacken, ließen sich also nicht anstecken.Fri, 26 Dec 2025 - 02min - 6649 - Wann und warum löst Musik Gänsehaut aus?
Dicht am Geschehen: Gänsehaut durch Nahaufnahmen und wörtliche Rede
Mindestens die Hälfte der Menschen kennt Gänsehaut, wenn sie bestimmte Musik hört. Häufig setzt die Gänsehaut ein, wenn der Refrain beginnt oder die Musik auf einen Höhepunkt zusteuert. Aber Menschen bekommen auch Gänsehaut bei Filmen. Und zwar bei ganz bestimmten Stellen, sagt Eugen Wassiliwizky. Er erforscht solche Gänsehautmomente am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt: "Wenn Sie eine Gänsehaut haben in einem Film, dann wird in diesen Momenten überproportional häufig ein Close-up verwendet, also eine nahe Distanz von der Kamera zum Gesicht des Schauspielers. Das kann man objektiv messen." Menschen bekommen Gänsehaut sogar bei Gedichten, und auch da sind es wieder ganz bestimmte Momente. Eugen Wassiliwizky: "Was wir erkennen ist, dass die Gänsehautmomente sich häufen zum Ende von Zeilen, zum Ende von Strophen und zum Ende des ganzen Gedichts." In manchen Gedichten, etwa bei Balladen, kommt auch wörtliche Rede vor. Auch diese Stellen gehören zu den typischen Gänsehaut-Momenten. Eugen Wassiliwizky: "Wenn in einer Ballade eine Person zu einer anderen spricht, ist es viel wahrscheinlicher, dass Sie in diesen wörtlichen Redeabschnitten Gänsehaut erleben werden als in den narrativen-deskriptiven Teilen der Ballade."Gänsehaut als Schutzmechanismus
Doch warum bekommen Menschen bei Musik, Gedichten oder Filmen überhaupt Gänsehaut? Eigentlich hat Gänsehaut ja eine Schutzfunktion: Sie bewahrt uns vor Kälte, indem sie die kleinen Muskeln an den Haaransätzen aktiviert und gleichzeitig dafür sorgt, dass sich die Haare aufstellen und ein isolierendes Luftpolster bilden. Aber warum bei Musik, bei Gedichten, bei emotionalen Momenten? Eugen Wassiliwizky: "Eine Idee ist, dass es ein bestimmter Schutzmechanismus ist. Es ist ja ein Schutzmechanismus für den Körper. Der Körper aktiviert ihn, auch wenn er sich bedroht fühlt emotional. Deswegen auch unser Credo, dass bei der Gänsehaut irgendeine Art von negativer Emotion enthalten sein muss, damit sie in Gang gesetzt wird."Bedrohung oder Abschied vom Gewohnten
Anders gesagt: Gänsehautmomente entstehen auch bei Filmen, Musik oder Gedichten an Stellen, die sich durch eine besondere Spannung auszeichnen, wo eben nicht alles schön und gut ist, sondern wo auch negative Emotionen mit hineinspielen, die dann besonders bewegend sind. Vielleicht eine Bedrohung oder ein Konflikt oder ein großer Moment, in dem etwas Neues beginnt, was aber mit dem Abschied von etwas Altem verbunden ist. Auch wenn solche Momente schön sind, kann es diese negativen Begleitemotionen geben, auf die der Körper dann mit Gänsehaut reagiert, so die Vermutung. Doch so ganz ist das Phänomen bis heute nicht verstanden.Thu, 25 Dec 2025 - 03min - 6648 - Waren die Germanen die Ur-Deutschen?
Kein Volk bezeichnete sich als "Germanen"
Das Bild von den "alten Germanen" als den Ur-Deutschen ist aus mehreren Gründen schief. Erstmal gab es nie ein Volk, das sich selbst als "die Germanen" bezeichnet hat. Das Wort war eine Fremdbezeichnung der Römer für verschiedene Stämme in dem Gebiet nördlich der Alpen und östlich des Rheins, erklärt der Frankfurter Historiker Andreas Fahrmeir:Die Germanen waren es aus der Wahrnehmung der Römer, die sich allerdings auch bewusst sind, dass es ganz viele verschiedene Gruppen gibt, die in dem, was sie Germanien nennen, siedelten. Es gibt aber nicht eine einheitliche Volksgruppe, die sich als Germanen verstehen würde.
Mit den "Germanen" verhält es sich also ein wenig wie mit den "Indianern" – beides sind kollektive Fremdbezeichnungen, die von außen auf Völker übergestülpt werden, die sich selbst nicht gar als eine gemeinsame Einheit betrachtet haben.Quelle: Andreas Fahrmeir, Historiker
Gründungsmythos Varusschlacht
Das, was die Römer Germanien nannte, hätte Kaiser Augustus sich gerne einverleibt, doch seine Legionen wurden im Jahr 9 n. Chr. in der berühmten Varusschlacht von dem Cherusker Arminius und seinen Verbündeten geschlagen. Sehr viel später wurde dieses Ereignis zu einer Art deutschem Gründungsmythos verklärt. Auch das zu Unrecht, denn das war kein gesamtgermanischer Befreiungsschlag gegen die Römer, sondern ein regional begrenzter Aufstand. Arminius, im Deutschen auch Hermann genannt, kämpfte nicht für die Germanen, die es in ihrer Gesamtheit ja gar nicht gab, sondern nur als Cherusker; das war einer von vielen Stämmen."Germania" – Schrift des römischen Geschichtsschreibers Tacitus
Es war der römische Historiker Tacitus, der dieses Ereignis festgehalten und auch ein Buch mit dem Titel "Germania" geschrieben hat. – Dieses Buch ist, allerdings erst Jahrhunderte später, der Anlass, die Germanen als die ursprünglichen Deutschen zu betrachten. "Die Vorstellung kommt im 15. Jahrhundert auf", sagt Fahrmeir – also fast anderthalb tausend Jahre nach der der Varusschlacht – "als Tacitus' Text wiederentdeckt wird und in der Diskussion über den Wert von Kulturen in Europa die Germanen als Stellvertreter für die Deutschen aufkommen und in der Konkurrenz zu Italien und Frankreich diskutiert werden."Völkerwanderung: Teil der Stämme sucht sich neue Heimat
Die Gleichsetzung der alten germanischen Stämme mit den späteren Deutschen scheitert noch aus einem anderen Grund: Denn nach dem Zerfall des römischen Reichs gab es noch die sogenannte Völkerwanderung. Und mindestens ein Teil der Stämme, die zwischen Alpen und Nord- und Ostsee lebten, haben sich eine neue Heimat gesucht. Franken zogen nach Westen, Angeln und Sachsen auf die britischen Inseln, Westgoten nach Spanien, Ostgoten Richtung Schwarzes Meer. Wobei es heute eher als fraglich gilt, dass wirklich ganze Völker gewandert sind:Wie groß diese Gruppen sind, ist in der Forschung nicht so klar. Das heißt, es kann sein, dass nur ganz wenige Personen wirklich wandern, aber dass das zur Veränderung von Ortsnamen, zur Veränderung von Sprachen, zur Veränderung von kulturellen Gewohnheiten führt, die dann in der rückblickenden Erklärung als Wanderung eines ganz großen Bevölkerungszuges gedeutet werden.
Quelle: Andreas Fahrmeir, Historiker
Wort "deutsch" kommt in der Zeit des Heiligen Römischen Reichs auf
Das Wort "deutsch" kommt erst Jahrhunderte später auf, in der Zeit des Heiligen Römischen Reichs. Ursprünglich hieß es "theodiscus", was so viel bedeutete wie "volkstümlich" oder "zum Volk gehörig". Der Begriff tauchte zur Zeit Karls des Großen auf, also um das Jahr 800, ohne schon konkret eine deutsche Sprache zu meinen.Er bedeutet aber einfach nur: Eine Sprache des Volks, nicht: Die Sprache deutsch, sondern einfach eine Sprache, die nicht Latein ist.
Erst nachdem das Reich Karls des Großen zerfiel, wurde "deutsch" zur Bezeichnung für die Art von Sprache, die das Volk eben im Ostfränkischen Reich vor allem sprach – und das war ja nur eine von vielen germanischen Sprachen, eben eine westgermanische Sprache im Unterschied etwa zu den nordgermanischen, wie sie in Skandinavien gesprochen werden. Doch das Reich hieß noch immer "Heiliges Römisches Reich". Die Bewohner lebten noch lange nicht im Bewusstsein, dass sie "Deutsche" wären.Quelle: Andreas Fahrmeir, Historiker
Bis überhaupt das Heilige Römische Reich den Zusatz "Deutscher Nation" bekam, dauert es bis Ende des 15. Jahrhunderts. Es bedeutet nicht, dass das Reich auf Deutsch verwaltet würde, die Verwaltungssprache bleibt lange Latein. Große Teile des östlichen Frankreichs gehören damals auch zu diesem Reich – Burgund etwa, Norditalien. – Insofern ist das Reich von der Konzeption her alles andere als deutsch.
Quelle: Andreas Fahrmeir, Historiker
Ab dem 19. Jahrhundert: Nation und Identität
Bis zum Selbstverständnis einer gemeinsamen deutschen Identität vergingen noch Jahrhunderte. Erst im 19. Jahrhundert mit dem "Deutschen Bund" und der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 wurde Deutsch-Sein wirklich zu einem prägenden Teil des Identitätsgefühls seiner Bewohner.Wed, 24 Dec 2025 - 05min - 6647 - Warum knurrt der Magen?
Borborygmus ist normal
Das Magenknurren – medizinisch auch Borborygmus genannt – ist etwas ganz Normales. Denn der Magen arbeitet "blind" – er weiß nicht, ob er gerade etwas zu verdauen hat oder ob er leer ist, er schafft einfach immer weiter, das heißt, er zieht sich ständig zusammen und versucht, Nahrung in den Darm zu schieben.Luft wird in den Darm gedrückt
Solange der Magen gut gefüllt ist, gibt es auch keine Geräusche. Sobald aber der Magen seine Mahlzeit bewältigt hat, ist er leer. Weil er aber weiter arbeitet und kein Essen mehr hat, was er umherschieben kann, wirbelt er nur noch Luft herum, Luft in Verbindung mit Magensäften. Das eigentliche Geräusch entsteht am Ende des Magens, am Übergang zum Darm. Das ist nur eine enge Öffnung. Wenn da der Magen versucht, Luft hineinzupressen, passiert ähnliches wie bei einem Dudelsack oder wie bei einem Luftballon, wenn man die Luft langsam herauslässt: Es gibt ein Geräusch. Und das hören wir von außen als Knurren.Wed, 24 Dec 2025 - 01min - 6646 - Warum tanzen wir?
Menschen wurden musikalisch, als sie in Gruppen lebten
Ich tanze, um dem Weibe näherzukommen.
Auch losgelöst von Altkanzler Kohl ist die Evolution des Tanzens ein interessantes Phänomen. Dass wir uns zu Rhythmen, mit denen wir beschallt werden, passend bewegen – das ist etwas zutiefst Menschliches: Kein Tier macht das! Und es führt zu der Frage, warum der Mensch überhaupt Musik macht. Wenn man das in der Evolution zurückverfolgt, spricht vieles dafür, dass die frühen Menschen in dem Moment musikalisch wurden, als sie angefangen haben, in Gruppen zu leben. Das war vor ungefähr zwei Millionen Jahren.Quelle: Helmut Kohl
Erst der Rhythmus, dann die Melodie
Musik und Tanz stellen zunächst eine Form der Kommunikation dar. Nicht in dem Sinn, dass man jemandem etwas mitteilt, sondern gemeinsames Musizieren und Tanzen ist etwas, was Menschen verbindet – auf einer sehr tiefen, nicht-sprachlichen Ebene. Nun kann man vielleicht vor 2 Millionen Jahren noch nicht von Musizieren sprechen, denn damals gab es noch keine Musikinstrumente, höchstens haben die Leute Stöcke gegeneinander geschlagen. Sie haben also vermutlich Rhythmen erzeugt, bevor sie in der Lage waren – abgesehen von der Stimme – Melodien zu produzieren. Die gemeinsamen rhythmischen Bewegungen haben das Gemeinschaftsgefühl betont.Hat das Tanzen mit dem Leben in der Gruppe zu tun und dient nicht der Annäherung an das andere Geschlecht?
Doch, das ist auch möglich; dazu gibt es eine etwas speziellere Theorie. Die sagt: Das Tanzen und das Rhythmusgefühl haben sich als Qualitätsmerkmal in der sexuellen Selektion entwickelt. Nicht in dem Sinn, dass das Tanzen dazu dient, einen Partner oder eine Partnerin anzubaggern, sondern die Theorie sagt: Gute Tänzer demonstrieren über ihre Körperkontrolle und ihr Rhythmusgefühl ihre körperliche Gesundheit. Um diese Theorie zu untermauern, gab es eine Untersuchung bei Jugendlichen auf Jamaika. 183 Teenager wurden beim Tanzen gefilmt. Anschließend sollten sie anonymisiert gegenseitig ihre Tanzqualitäten beurteilen. Es stellte sich heraus, dass vor allem diejenigen Jungs, die von den Mädchen als die besten Tänzer beurteilt wurden, auch den symmetrischsten Körperbau hatten.Symmetrischer Körperbau als Zeichen für Gesundheit?
Aus anderen Studien weiß man, dass Menschen mit symmetrischem Körperbau allgemein als gesünder und auch als attraktiver wahrgenommen werden. So haben damals die Wissenschaftler geschlussfolgert: Beim Tanzen können die Männer den Frauen zeigen, dass sie gesund und somit in der Lage sind, gesunde Nachkommen zu zeugen und für sie zu sorgen. Das mag alles plausibel klingen, aber diese Zusammenhänge lassen sich nur schwer beweisen. Also: Tanz und Musik haben auf jeden Fall zunächst ein Kommunikationsbedürfnis gestillt. Ob das primär die Kommunikation in der großen Gruppe war oder bei der Partnersuche, lässt sich heute schwer sagen, vielleicht war’s auch schon immer beides. Es kommt ja auch ein bisschen auf die Musik an ...Tue, 23 Dec 2025 - 04min - 6645 - Können Hunde schnarchen?
Beim Mops kann zu enger Rachen Ursache sein
Diese Frage werden viele Halter direkt beantworten können: ja, definitiv. Es gibt einige Rassen, die auch im wachen Zustand schnarchen, das darf man nicht verwechseln. Es ist aber nicht gut, wenn sie das tun, denn das spricht meistens dafür, dass sie einen zu engen Rachen haben, ein zu langes Gaumensegel. Das betrifft vor allen Dingen die kurznasigen Hunderassen wie zum Beispiel den Mops.Schnarchende Hunde sind normal, aber Vorsicht bei möglichen Fremdkörpern
Aber auch die normalnasigen Hunde könnten durchaus in den Tiefschlafphasen schnarchen. Das ist wie beim Menschen durch ein flatterndes Gaumensegel oder eine schiefe Nasenscheidewand oder ähnliches bedingt. Für die langnasigen Hunde ist das überhaupt nicht problematisch. Man sollte aber aufmerksam werden, wenn man ein Tier hat, das noch nie geschnarcht hat und auf einmal damit anfängt. Das kann ein Hinweis sein, dass irgendwo in der Nasenhöhle ein Schleimpfropf sitzt. Bei Hunden kann das auch mal ein Grashalm oder ein anderer Fremdkörper sein. Aber ansonsten dürfen die Tiere durchaus auch mal schnarchen.Tue, 7 Feb 2023 - 01min - 6644 - Warum gelten Eulen als weise?
Eulen nach Athen tragen
Historisch lässt sich das klar auf die griechische Mythologie zurückführen. Die Eule war das Begleittier der Göttin Athene. Athene war nicht nur Schutzgöttin der Stadt Athen, sondern auch die Göttin der Weisheit. Auf den alten griechischen Silbermünzen war deshalb auf der einen Seite ein Bild der Athene eingeprägt, auf der anderen das einer Eule. Und von diesen Münzen waren in Athen ziemlich viele in Umlauf. Daher die Redewendung "Eulen nach Athen tragen" als Ausdruck für einen überflüssigen Vorgang – weil es in Athen schon so viele Eulen in Form von Münzen und Statuen gab.Ruhiges Tier mit melancholisch-abgeklärtem Blick
Trotzdem stellt natürlich die Frage, warum die Eule – und nicht ein Esel oder eine Eidechse? Etwas muss die Eule an sich gehabt haben, was es nahelegte, ausgerechnet sie mit der Weisheitsgöttin in Verbindung zu bringen. Vermutlich war dieses Tier eine gute Projektionsfläche: Die Eule mit ihrem ruhigen, beobachtenden, melancholisch-abgeklärten Blick wirkt nun mal weiser als eine Möwe oder ein Moorhuhn.Homer beschreibt Göttin Athene als "eulenäugig"
Hinzu kam, dass die Göttin Athene von Homer als "eulenäugig" beschrieben wird, wobei sich die Gelehrten nicht ganz einig sind, was Homer damit sagen wollte: ob Athene einfach schöne große Augen hat? Oder ob sie Dinge sieht, die sich im Dunklen abspielen? Auch das hat ja im übertragenen Sinn etwas mit Weisheit zu tun: Dinge sehen, die andere nicht sehen, weil sie sich im Dunklen, im Verborgenen abspielen.Komischer Kauz: Eulen gelten nicht überall auf der Welt als weise
Eulen mit Weisheit in Verbindung zu bringen, ist eine griechische Besonderheit. Denken wir nur an unsere eigene Sprache. Zu den Eulen gehört ja auch der Kauz. Die Eulenart, die mit der Athene in Verbindung gebracht wird, ist streng genommen der Steinkauz. Im Deutschen bezeichnet man als Kauz aber eher einen etwas eigenwilligen spinnerten Sonderling – nicht gerade der Inbegriff der Weisheit.Euro: noch immer werden "Eulen nach Athen" getragen
Letztlich sind das ohnehin alles Projektionen, denn rein zoologisch betrachtet sind Eulen auch nicht intelligenter als die meisten anderen Vögel. Aber Mythen sind ja recht langlebig. Als der Euro eingeführt wurde, haben die Griechen ihre 1-Euro-Münzen wie in der Antike mit dem alten Motiv der Eule versehen. Der finanz- und haushaltspolitischen Weisheit hat das, wie wir wissen, nichts genützt. Deshalb – Ironie der Geschichte – tragen wir ja heute "Euro nach Athen", und damit indirekt auch wieder Eulen; zumindest wenn es sich um griechische Euro-Münzen handelt.Mon, 15 Dec 2025 - 02min - 6643 - Gefriert warmes Wasser schneller als kaltes?
Man hat ein Gefäß mit warmem Wasser und ein Gefäß mit der gleichen Menge kälteren Wassers, stellt das im Winter auf die Terrasse und siehe da: Das Wasser, das am Anfang wärmer war, gefriert schneller. Das klingt verwirrend, weil man ja denkt: Dem warmen Wasser muss doch mehr Energie entzogen werden, es hat auf dem Weg zum Gefrierpunkt sozusagen einen längeren Weg vor sich als das kalte. Wie kann das sein?
Der wichtigste Effekt ist die Verdunstung
Wenn wir ein Glas mit kaltem Wasser und eins mit warmem Wasser ins Kalte stellen, sieht man über dem warmen viel mehr Dampf als über dem kalten. Also noch mal die Situation: Man hat zwei Gefäße, eins mit wärmerem und eins mit kälterem Wasser. Wenn die auf der Terrasse stehen, ist nach einer Weile aus dem warmen Gefäß mehr Wasser verdampft als aus dem kalten. Das heißt, wir haben nach einer Weile immer noch zwei Gefäße, nur dass vom warmen Wasser weniger übrig ist. Wenn aber vom warmen Wasser weniger übrig ist, ist damit ja auch weniger Wasser da, das abgekühlt werden muss. Folglich geht das schneller. Auf diese Weise kann sozusagen das warme Wasser das kalte Wasser beim Abkühlen "überholen".Mpemba-Effekt wird bei der Herstellung von Speiseeis eingesetzt
Es gibt noch ein paar andere Effekte, die mit reinspielen können, die Verdunstung ist aber der wichtigste. Man sieht aber auch: Es hängt an den Ausgangsbedingungen. Es kommt also darauf an, bei welchen Temperaturen der Versuch startet, wie viel Wasser in den Gefäßen ist, wie groß die Verdunstungsfläche im Verhältnis zum Volumen ist, wie groß die Außentemperatur ist. Es sind nur ganz spezielle Bedingungen, bei denen dieser Effekt eintritt. Dieser Effekt heißt übrigens Mpemba-Effekt – benannt nach dem tansanischen Wissenschaftler Erasto Mpemba, der den Effekt 1963 entdeckt und bei der Herstellung von Speiseeis eingesetzt hat.Sun, 14 Dec 2025 - 02min - 6642 - "Wie die Jungfrau zum Kinde kommen" – woher kommt das?
Unverhofft kommt oft
Über diese Redewendung wundern sich nicht nur junge Menschen, sondern auch solche ohne christliche Erziehung. Sie heißt soviel wie "Unverhofft kommt oft" oder "etwas ohne sein Zutun bekommen".Viel diskutierte Theorie: Befruchtung durchs Ohr
Die übliche Art, wie die Jungfrau zum Kind kommt, ist hier nicht gemeint, eher schon eine überraschende Art, beispielsweise die Befruchtung durchs Ohr. Tatsächlich gehörte diese Idee zu den viel diskutierten Theorien scholastischer Theologen vor etwa 1.000 Jahren. Sie versuchten damit, die geheimnisvolle Menschwerdung Christi zu erklären. Denn es geht in der Redensart nicht um irgendeine Jungfrau, sondern um die Mutter Jesu. Die Jungfrau, die noch mit keinem Mann zusammen gewesen war, nennt man medizinisch eine virgo intacta. Aber Maria musste, so dachten die Theologen, doch irgendwie den göttlichen Samen in ihre Gebärmutter bekommen haben. Die Scholastiker kamen unter anderem durch den Text des Johannes-Evangeliums "Das Wort ward Fleisch" auf eine Vermutung: Es waren die Ohren Mariens, durch welche die göttlichen Worte des Engels gekommen waren – und damit waren sie auch die Eingangspforte für die Befruchtung. Wie auch immer es technisch möglich wurde: Maria konnte im Brustton der Überzeugung sagen: "Das war wohl der Heilige Geist". Die Redensart hat heute eine ganz andere Bedeutung, nämlich eine vorwurfsvolle. Maria damals aber kam unschuldig, ohne Bemühung, ohne Erwartung und vollkommen überraschend zum Heiland: eben wie die Jungfrau zum Kinde.Jungfrauengeburt auch aus anderen Mythen bekannt
Die Jungfrauengeburt kommt übrigens nicht nur im Christentum vor, sondern auch in anderen Mythen. Im Alltag dagegen bedeutete es oft großes Unglück, wenn eine Jungfrau plötzlich schwanger wurde. Ein beliebtes Sprichwort warnte trotzdem vor zu strikter Behütung: "Jungfrauen soll man nicht als Heiligtum einschließen, sonst tun sie Wunderzeichen, die man nicht gern verkündet."Sat, 13 Dec 2025 - 01min - 6641 - Warum löst sich Butter besser in heißem als in kaltem Wasser?
Fette sind hydrophob
In der Chemie würde man nicht von einer "Lösung" sprechen, denn anders als z.B. ein Salz, das sich im Wasser richtig auflöst, kann sich Fett nicht in Wasser lösen. Fette sind "hydrophob", das heißt, sie können mit Wasser keine Verbindung eingehen. Aber natürlich können sie sich vermischen. Man spricht dann von einer Emulsion.Emulsion: Energie beschleunigt den Prozess
Tatsächlich geht das bei höheren Temperaturen leichter als bei niedrigen, weil dieser Vorgang, das Emulgieren, Energie braucht: Je höher die Temperatur, desto mehr Energie steht zur Verfügung, und desto schneller und effizienter läuft der Prozess ab. Eine Faustregel aus der Alltagschemie sagt: Steigt die Temperatur um 10 Grad Celsius, dann beschleunigt sich der chemische Prozess um mindestens das Doppelte. Man kann sich also ausrechnen, was es für einen Unterschied macht, ob man 15 Grad warmes Wasser nimmt oder 50 Grad warmes Wasser.Was wir als Temperatur fühlen, ist die Geschwindigkeit der Moleküle
Man kann sich gut vorstellen, warum das so ist: Was wir als Temperatur fühlen, ist in Wirklichkeit die Geschwindigkeit der beteiligten Moleküle. Das heißt: Bei niedrigen Temperaturen bewegen sich die Moleküle langsam, bei hohen Temperaturen bewegen sie sich schnell. Und je schneller sich alle Moleküle bewegen, desto schneller vermischen sie sich auch. Das kann man sich wie einen Billardtisch vorstellen: Auf der einen Seite des Tisches liegen lauter schwarze Kugeln, auf der anderen Seite lauter weiße Kugeln. Die schwarzen sollen das Fett sein, die weißen das Wasser. Wenn ich jetzt anfange, am Tisch zu rütteln, vermischen sich die Kugeln irgendwie. Und je schneller ich rüttele, je schneller die sich also bewegen, desto schneller vermischen sie sich. Und so ist es auch auf der Molekülebene: Je schneller sich die Moleküle bewegen, desto eher vermischen sie sich.Fettmoleküle ziehen sich gegenseitig an
Man kann die Analogie noch weiter treiben und sich vorstellen, dass die schwarzen Kugeln durch eine Art Magnetkraft zusammengehalten werden. Das heißt, sie ziehen sich gegenseitig an. So wie die Fettmoleküle auch. Dann haben es die weißen Kugeln relativ schwer, dazwischenzugehen, um die schwarzen Kugeln zu trennen; da brauchen sie schon eine bestimmte Mindestgeschwindigkeit. Übertragen auf die Butter kann man sich also vorstellen, dass das Wasser eine bestimmte Mindesttemperatur braucht, um sich zwischen die einzelnen Fett-Teilchen zu drängeln und sie davonzuspülen.Fri, 12 Dec 2025 - 02min - 6640 - Woher kommt der Ausdruck "alter Schwede"?
Schwedische Ausbilder in der preußischen Armee
Der Dreißigjährige Krieg lief für die Protestanten einige Zeit nicht besonders gut. Da griff der Schwedenkönig mit seinen Leuten ein, was für die Protestanten sehr positiv war. Nach dem Krieg wurden dann verdiente schwedische Soldaten als Ausbilder vor allem in den preußischen Armeen eingestellt. Diese Leute nannte man respektvoll "alte Schweden". So konnte man auch zu einem "echten" Mann von Schrot und Korn einfach als Lob sagen: "Alter Schwede!". Weil das nicht so häufig vorkam, konnte sich diese Wendung auch als Ausdruck der Überraschung ausbilden.Streichemacher unter Dorpats Studenten
Unterstützt wurde die Entwicklung darüber hinaus, dass man in der Studentensprache Dorpats [Anmerkung der Redaktion: estnische Universitätsstadt, heutiger Name: Tartu], aber auch anderer Gegenden im Norden, zu lustigen Studenten, die zu Scherzen aufgelegt waren: "Du bist ein alter Suitier". Das kommt vom französischen "suite" für "Streich" und bedeutet so viel wie "Streichemacher". Und aus dem Niederdeutschen wissen wir, dass es vom "Swietje" zum "Swiet" oder zum Schweden nicht mehr weit ist. Wahrscheinlich haben sich diese beiden Versionen gegenseitig beeinflusst, bis es zu unserem Lob- oder Überraschungsausdruck kommen konnte – "Alter Schwede!"Thu, 11 Dec 2025 - 01min - 6639 - Was ist die Chaostheorie?
Die "Chaostheorie" ist, anders als man meinen könnte, keine Theorie vom Chaos. Theorie und Chaos sind im Grunde ein Widerspruch in sich. Chaos ist ein Zustand, der keinen erkennbaren Regeln folgt, in dem sich kein Muster erkennen lässt. Könnte man diesen Zustand mit einer Theorie beschreiben oder gar berechnen, wäre es kein Chaos mehr. Deshalb ist das totale Chaos für die "Chaosforschung" eigentlich uninteressant – sie interessiert sich vielmehr für die Ordnung im vermeintlichen Chaos oder für den Übergang von Ordnung zu Chaos.
Beispiel tropfender Wasserhahn
Ein Beispiel ist der tropfende Wasserhahn: Wenn er tropft, dann tropft er meist im Takt; zwischen zwei Tropfen vergeht immer gleich viel Zeit. Wir können nun den Wasserhahn immer ein kleines Stückchen aufdrehen. Dann wird der Abstand zwischen zwei Tropfen schneller, wobei manchmal, wenn man genau hinguckt, die Tropfen dabei gelegentlich auch aus dem Takt geraten. Wenn man noch weiter aufdreht, geht das Tropfen in einen geordneten Wasserstrahl über – mit geordnet meine ich, dass der Strahl eine klar erkennbare Form hat. Von außen betrachtet wirkt er glasig-transparent. Wenn man weiter aufdreht, wird er plötzlich turbulent und unberechenbar. Manchmal wechselt der Wasserstrahl aber auch zwischen mehreren Zuständen hin und her. Zum Beispiel, dass in unregelmäßigen Abständen plötzlich noch ein Seitenspritzer rauskommt, der dann eine Sekunde später wieder verschwindet. Das heißt, auch wenn der Wasserstrahl scheinbar ungeordnet-chaotisch ist, gibt es stabile Zwischenzustände, zwischen denen er hin- und herwechselt. Genau für solche Phänomene interessiert sich die Chaosforschung: Wann und wie gehen Prozesse von einem geordneten in einen ungeordneten Zustand über? Und mithilfe der Mathematik versucht man dann, immer wiederkehrende Muster im Chaos zu erkennen und zu beschreiben.Beispiel Wetter
Wir wissen, das Wetter lässt sich nicht länger als drei Tage voraussagen, weil sich da so viele Faktoren gegenseitig beeinflussen, dass das Wetter als ein chaotisches System angesehen werden kann. Aber wir wissen auch, dass es in jeder Region bestimmte typische stabile Wetterlagen gibt, die immer wiederkommen. Das kann man mathematisch beschreiben; dann findet man eben doch eine Ordnung im Chaos. Ein wichtiges Merkmal chaotischer Prozesse ist, dass kleine Veränderungen in den Ausgangsbedingungen zu völlig unterschiedlichen Endbedingungen führen können. Ist das dieser berühmte Schmetterlingseffekt? Von der Idee her ja. In der ursprünglichen Formulierung war es ein Schmetterling in Brasilien, der einen Wirbelsturm in Texas auslöst. Man muss nur klar sehen, dass das immer nur eine Metapher, ein Bild war, um einen Gedanken zu veranschaulichen.Begriff "Chaostheorie" in der Wissenschaft eher unüblich
Es wäre aber völlig falsch zu sagen: "Die Chaosforschung besagt, dass ein Schmetterling das Wetter auf der anderen Seite der Erde beeinflussen kann." Das war immer nur eine Metapher und nicht etwa die Kernbotschaft der Chaostheorie. Die gibt es so auch gar nicht – der Begriff Chaostheorie ist in der Wissenschaft eher unüblich. Denn es gibt nicht die eine Theorie, sondern es handelt sich bei der Chaosforschung eher um ein Sammelsurium verschiedener mathematischer Werkzeuge. Sie ist aber kein großartiges welterklärendes Theoriegebäude wie die Relativitäts- oder die Evolutionstheorie.Wed, 10 Dec 2025 - 03min - 6638 - Fühlen Fische Schmerzen?
Spontan würde man als Tierfreund sagen: Na, selbstverständlich fühlen Fische Schmerzen! Aber die Frage ist berechtigt: Woher wissen wir das eigentlich? Fische können nicht schreien – man hört sie also nicht. Und wenn man es ganz philosophisch betrachtet, muss man letztlich sagen: Die Frage, ob Fische oder sonstige Lebewesen Schmerzen empfinden, wird sich nie mit hundertprozentiger Sicherheit beantworten lassen, einfach weil es prinzipiell unmöglich ist, objektiv zu messen, was ein anderes Lebewesen empfindet.
Fische besitzen Nozizeptoren
Aber dieses philosophische Dilemma hilft hier nicht weiter. Man kann jedoch pragmatisch an die Sache herangehen. Und das haben britische Wissenschaftler getan. Sie gingen von folgender Überlegung aus: Wir Menschen sind schmerzempfindlich und wir haben auch bestimmte Nervenzellen, die zum Beispiel in der Haut schmerzhafte Reize empfangen und ans Gehirn weiterleiten. Das sind sogenannte Nozizeptoren. Die Wissenschaftler*innen schauten also, ob Fische auch solche Nozizeptoren haben. Dabei stellten sie fest, dass Fische diese Nervenzellen tatsächlich besitzen – also Nerven, die dann – und nur dann – aktiv sind, wenn sie schmerzhaften Reizen ausgesetzt sind. Das ist schon mal ein erster Hinweis.Wie Menschen auf Schmerz reagieren
Jetzt könnte man natürlich skeptisch sein und sagen: Das sagt noch gar nichts. Denn man könnte sich ja vorstellen, dass die Reize zwar ans Gehirn geleitet und dort verarbeitet werden, dass das aber völlig unbewusst erfolgt und der Fisch trotzdem nichts dabei empfindet. Deswegen beobachtet man als nächstes das Verhalten. Wir Menschen haben zwei Arten, auf Schmerzen zu reagieren: Unmittelbare Reaktion auf Schmerz beim Menschen: Wir kommen mit der Hand auf die heiße Herdplatte und ziehen sie sofort weg. Das Entscheidende hier: Dieser Wegzieh-Reflex tritt bereits ein, bevor wir den Schmerz bewusst wahrnehmen. Das heißt, in dem Moment, in dem wir die Hand wegziehen, fühlen wir streng genommen noch keine Schmerzen im Sinne einer bewussten Empfindung. Das tritt erst hinterher ein. Dann folgt die zweite Art von Schmerzverhalten, wenn wir zum Beispiel die schmerzende Hand mit der anderen festhalten. Oder wenn wir lange Kopfweh haben, vergeht uns der Appetit. Wie verhalten sich Fische, wenn sie typischen Reizen ausgesetzt sind, die wir als schmerzhaft empfinden würden? Reagieren sie nur reflexartig oder ändert sich das gesamte Verhalten? Und auch das haben Wissenschaftler getestet, indem sie den Fischen gezielt Schmerzen zugefügt haben.Fische zeigen komplexes Schmerzverhalten
Sie haben zum Beispiel die Wassertemperatur erhöht oder ihnen unter Narkose eine Substanz in die Lippe injiziert, die ähnlich wirkt, wie wenn wir uns an einer Brennnessel verbrennen. Es waren also wohl keine unerträglichen Schmerzen, aber schon unangenehm. Und entsprechend haben die Fische reagiert. Sie haben sich von einer Seite auf die andere gedreht. Sie haben sich im Kies gewälzt, sie haben ihr Maul an der Wand des Fischtanks gerieben und ihnen ist offenbar auch der Appetit vergangen, denn sie haben vorübergehend aufgehört zu fressen. Die Fische haben Schmerzrezeptoren, sie zeigen ein typisches komplexes Schmerzverhalten – also liegt die Vermutung nahe, dass sie auch Schmerzen empfinden. Und die Wissenschaftler erweisen sich am Ende dann doch nicht als Sadisten, denn ihre Schlussfolgerung lautet: Wenn Fische Schmerzen empfinden, dann muss das Konsequenzen haben.Tierleid durch Angelhaken und Treibnetze
Angeln mit Angelhaken ist höchstwahrscheinlich sehr schmerzvoll, sagen sie. Das gleiche gilt, wenn Fische in Treibnetzen in einem langwierigen Prozess verenden. Die Forderung aus diesen Forschungen ist daher ein Verbot solcher Methoden, da der Fischfang in der heutigen Form vielen schmerzempfindenden Wesen tatsächlich viele Schmerzen zufügt.lTue, 9 Dec 2025 - 03min - 6637 - Warum sagt man "Mitteldeutschland" zu Bundesländern im Osten?
Mitteldeutschland: historischer Begriff ist älter als das geteilte Deutschland
Historisch geht der Begriff "Mitteldeutschland" weiter zurück als bis zur Teilung Deutschlands. Vor der deutschen Teilung war nämlich mit "Mitteldeutschland" weniger die Mitte zwischen Ost und West, sondern vielmehr die Mitte zwischen Nord und Süd gemeint. Ursprünglich war "mitteldeutsch" bis ins 19. Jahrhundert hinein vor allem die Bezeichnung für einen Sprachraum – zwischen den bayerisch-schwäbisch-alemannischen Dialekten im Süden und den niederdeutschen Dialekten im Norden. Dieses mitteldeutsche Gebiet zog sich von der belgisch-luxemburgischen Grenze bis nach Sachsen, also einmal quer durch Deutschland.Ehemals Gebiet zwischen Norden und Süden, nicht Westen und Osten
Entsprechend hat man Anfang des 19. Jahrhunderts als Mitteldeutschland all die kleinen Fürsten- und Herzogtümer zwischen Preußen im Norden und Bayern, Württemberg und Baden im Süden bezeichnet. Mitteldeutschland war also ein breiter Streifen zwischen Nord- und Süddeutschland. Erst später hat sich der Begriff dann ungefähr auf den Raum konzentriert, den heute die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bilden – in denen sah man sprachlich-kulturell eine natürliche Einheit. In der Weimarer Republik gab es Überlegungen, diesen Raum zu einer Verwaltungseinheit "Mitteldeutschland" zusammenzufassen. Daraus ist aber – auch bedingt durch die Machtübernahme der Nazis – nichts geworden. Dann kam der Zweite Weltkrieg und danach wurde der Begriff "Mitteldeutschland" erst zu dem umgemünzt, was viele noch im Kopf haben: nämlich das Wort, das Leute verwendeten, die nicht „DDR“ sagen wollten. Aber das war eben nicht die ursprüngliche Bedeutung.Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) und Mitteldeutsche Zeitung
Mit der Wiedervereinigung 1990 kam es zu einer Rückbesinnung auf die ursprüngliche Bedeutung von Mitteldeutschland im Sinne jener Region zwischen Harz und Erzgebirge. Es wurde der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) gegründet, so wie auch die Mitteldeutsche Zeitung. Der Begriff taucht in vielen weiteren Verbindungen auf. Das hat aber nichts zu tun mit "Wir denken noch in den Grenzen von 1937", sondern ist einfach eine historische Bezeichnung für diesen Kulturraum – wenn er auch zu der kleinen sprachlichen Paradoxie führt, dass "Mitteldeutschland" heute die südliche Hälfte von "Ostdeutschland" ist.Mon, 8 Dec 2025 - 03min - 6636 - Gibt es emotionale Intelligenz wirklich?
Wir Psychologen haben dazu eine klare Auffassung: Es ist eine "Verunreinigung" des Intelligenzbegriffs, wenn man ihn mit allen möglichen anderen Kompetenzen kombiniert. Man kann natürlich auch sagen, es gibt eine Partyintelligenz oder eine Kochintelligenz oder was auch immer. Das ist nicht verboten, aber es bringt auch nichts.
Sozialverhalten hat viele Facetten
Es gibt ganz klare Unterschiede in der emotionalen Regulation. Manche Menschen haben sich, einfach ausgedrückt, besser im Griff als andere. Manche werden von ihrem Emotionen überrannt und verhalten sich anders, als sie eigentlich wollen. Das ist im Prinzip nicht gut. Psychologen können versuchen, diese Schwachstellen zu messen, aber es gelingt nicht ansatzweise so gut wie bei der kognitiven Intelligenz. Die Tests, die dazu entwickelt wurden, sind nicht so zuverlässig. Ich würde daher auf dieser Grundlage keine Einstellung vornehmen.Soziale Intelligenz nicht zuverlässig messbar
Und so sieht es auch mit der sogenannten sozialen Intelligenz aus. Die gibt es auch nicht in dem Sinn, dass man sie zuverlässig messen könnte. Natürlich unterscheiden sich Menschen darin, wie sie auf andere zugehen. Aber das Sozialverhalten ist sehr vielfältig. Manche Menschen sind erst ein bisschen distanzlos. Da ist die Frage, ob das jetzt wirklich soziale Intelligenz ist. Andere sind zunächst sehr zurückhaltend, können dann aber sehr gut auf auf Emotionen anderer eingehen.Begriff der emotionalen Intelligenz kommt aus den USA
Die Vielfalt an Möglichkeiten, Sozialverhalten zu zeigen, ist so groß, dass sie sich nicht wirklich messen lässt. Und das Gleiche gilt für emotionale Intelligenz. Die Begriffe wurden in Amerika eingeführt und haben sich dann über die ganze Welt ausgebreitet, weil man es in Amerika vielleicht ein bisschen mit der Intelligenzmessung übertrieben hatte. Das ist in Europa nicht der Fall gewesen. Dort hätte man häufiger mal Entscheidungen auf der Grundlage von Intelligenztests treffen sollen. In Amerika wurde einem das manchmal wie ein Stempel aufgedrückt und es wurde manchmal auch sehr diskriminierend gehandhabt. Denn man hat bei Menschen, die in einem sehr ungünstigen sozialen Umfeld aufgewachsen sind, die kaum in die Schule gegangen sind, die Intelligenz gemessen, was man ja eigentlich nicht darf, und hat sie dann als dumm abgestempelt. Das ist sehr häufig passiert. Als Gegenreaktion hat man dann überlegt, ob die kognitive Intelligenz vielleicht gar nicht so wichtig ist. Aber das war keine gute Reaktion. Man hätte sehr viel mehr betonen müssen, dass man nur bei Menschen, die die Möglichkeit hatten, sich zu entwickeln, die kognitive, also die geistige Intelligenz, messen kann.Mon, 8 Dec 2025 - 03min - 6635 - Entzieht Kaffee dem Körper Wasser?
Dass Kaffee oder Schwarztee dem Körper Wasser entzieht, hat man mal geglaubt. Das ist aber längst überholt. Der Mensch soll ja täglich möglichst anderthalb bis zwei Liter Wasser pro Tag trinken, bei Hitze entsprechend mehr.
Kaffee wirkt harntreibend, aber Wasser bleibt Wasser
Früher sagte man: Kaffee darf man da nicht mitrechnen – oder muss ihn wieder "abziehen", weil er den Körper entwässere. Diese Idee kam auf, weil sowohl Kaffee als auch Tee harntreibend wirken. Das ist zwar richtig, ändert aber nichts daran, dass das Wasser im Kaffee immer noch Wasser ist – und vom Körper auch so behandelt wird. Wir gehen nach zwei Tassen vielleicht bald aufs Klo – aber der Körper gleicht das intern wieder aus; wir brauchen deshalb in der Summe nicht mehr Flüssigkeit zu uns zu nehmen.Kaffee ist kein Durstlöscher
Natürlich sollte man Kaffee nicht unbedingt als Durstlöscher verwenden. Das hat aber nichts mit dem Wasserhaushalt zu tun, sondern vor allem mit seinen sonstigen Wirkungen auf Herz und Kreislauf. Koffeinfreier Kaffee ist da natürlich schonender. Er hat auch nicht die harntreibende Wirkung wie normaler Kaffee. Aber allein für den Wasserhaushalt des Körpers ist es unerheblich, ob Sie normalen Kaffee trinken oder entkoffeinierten. Das Gleiche gilt übrigens auch für Tee.Sun, 7 Dec 2025 - 01min - 6634 - Woher kommt der Ausdruck "eine Josephsehe führen"?
Ohne ihn geht es nicht im Advent. Ohne ihn gäbe es keine Weihnachtsgeschichte: Joseph. Wer hätte schließlich Maria vor Schande bewahrt? Wer hätte sonst seinen Mann an der Krippe gestanden, obwohl es nicht ums eigene Kind ging? Wer hätte klug geträumt, dass nur eine rasche "Flucht nach Ägypten" das Jesulein vor "dem bethlehemitischen Kindermord" schützen könnte? Übrigens auch zwei redensartliche Wendungen im Weihnachtsumfeld.
Wenn der Mann die Frau nicht "berührt"
Und doch wurde Joseph gar nicht so selten stiefmütterlich oder spöttisch behandelt oder in Redewendungen auf seine seltsame Rolle reduziert. Am bekanntesten ist: "Eine Josephsehe führen". Man sagt von mittelalterlichen Herrschern wie Kaiser Heinrich II., er habe mit seiner Kaiserin Kunigunde so etwas gemacht, indem er eben nichts mit ihr "machte", sie nicht berührte.Hohn und Spott für mehr oder weniger ahnungslose Väter
Hatte ein Ehepaar kein Kind, musste es sich ebenfalls den Spruch von der Josephsehe gefallen lassen. Hielt man den Mann für schuld, dann spottete man auch: "Der spielt den heiligen Joseph". In der Umgangssprache entstand um 1920 auch eine ähnliche Redewendung "den Joseph spielen" oder "den ahnungslosen Joseph spielen", wenn man jemandem unterstellte nur so zu tun – wie der wirklich ahnungslose Verlobte Mariens.Heiliger Joseph: pragmatisch, menschlich, klug
Im ländlichen Raum freilich war und ist der brave und gottesfürchtige Handwerker außerordentlich beliebt, weil er pragmatisch, menschlich und klug zugleich handelte: ein Heiliger zum Anfassen.Sat, 6 Dec 2025 - 01min - 6633 - Woher kommt der Ausdruck "Schlitzohr"?
Ohrring als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Handwerkszunft
"Schlitzohr" – das ist die Bezeichnung für einen durchtriebenen Menschen, für einen listigen bis hinterlistigen Gesellen. Und wenn ich Geselle sage, dann sind wir schon gleich im richtigen Milieu, denn die Bezeichnung wird auf die Handwerkszünfte zurückgeführt.Ring ausreißen als Strafe und sichtbares Zeichen für Unehrenhaftigkeit?
Früher trugen die Handwerker als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu einer Zunft oft einen goldenen Ohrring. Es wird berichtet, dass dieser Ohrring auch so etwas wie eine Geldanlage für knappe Zeiten bzw. für besondere Ausgaben war. Wenn dieser Handwerker aber etwas Schlimmes anstellte, wurde ihm der Ring aus dem Ohr gerissen – sozusagen zur Strafe und als Zeichen dafür, dass er aus der Zunft ausgeschlossen worden ist. Und so lief er fortan als Schlitzohr durch die Welt.Sprachwissenschaftler bemängeln fehlende Belege
Das ist die gängigste Deutung dieses Begriffs. Dies könnte man noch weiterführen und damit den Ausdruck "gerissen" erklären"; der könnte den gleichen Ursprung haben. Es gibt aber auch Sprachwissenschaftler, die an diese Erklärung mit dem Ring nicht glauben. Sie sagen, dass es keine Belege für diese Strafe des Ring-aus-dem-Ohr-Reißens gibt. Man weiß, dass Betrügern schon mal das Ohr abgeschnitten wurde, aber das ist ja etwas anderes. Das Ergebnis wäre ja kein Schlitzohr, sondern ein "Kein-Ohr".Alternative Erklärung: Anspielung auf den Teufel
Im Etymologischen Wörterbuch von Pfeifer habe ich zumindest noch eine alternative Erklärung gefunden. Demnach könnte die Bezeichnung "Schlitzohr" eine Anspielung auf den Teufel sein, der in manchen frühen Vorstellungen nicht nur geschlitzte Füße hatte, sondern eben auch geschlitzte Ohren.Fri, 5 Dec 2025 - 02min - 6632 - Wie wird man Jude?
Judentum missioniert nicht
Das Judentum ist nicht darauf aus, Menschen, die nicht gebürtige Juden sind. irgendwie zu überzeugen, jüdisch zu werden. Aber wenn das jemand aus eigener Initiative möchte, beispielsweise wenn jemand einen jüdischen Partner hat und bereit ist, jüdisch zu werden, damit die Familie später eins ist, dann sagen die Juden: Das ist okay.Kind einer jüdischen Mutter ist von Geburt an jüdisch
Allerdings kann der Übertritt natürlich nur auf der religiösen Schiene vollzogen werden, denn die Mutter kann ich dann ja nicht mehr auswechseln. Der Sohn oder die Tochter einer jüdischen Mutter ist automatisch per Geburt Jude oder Jüdin. Das ist unabhängig davon, ob diese Person in ihrem späteren Leben eine sehr gläubige Person ist oder nicht. Diese Person ist jüdisch. Man kann also nur auf der religiösen Ebene zum Judentum übertreten, aber das ist ein langer Prozess. Man muss sehr viel lernen. Eine Frau muss vorweisen, dass sie eine koschere Küche führen kann. Wenn es ein Mann ist, muss er zeigen, dass er im Gottesdienst mitkommt. Es sind viele Erfordernisse, die im engeren, religiösen Sinne und vielleicht auch im juristischen Sinne relevant sind.Tauchbad und Beschneidung
Wenn der Kandidat oder die Kandidatin die entsprechende Prüfung vor einem Gericht von drei Rabbinern abgelegt hat, bekommt der Kandidat oder die Kandidatin den Zettel mit dem Stempel. Wenn es eine weibliche Kandidatin ist, geht sie einmal ins Tauchbad. Wenn es ein männlicher Kandidat ist, wird außerdem noch eine medizinische Beschneidung vollzogen. Ab dem Zeitpunkt, wo er oder sie die ganze Prozedur überstanden hat, sind beide zu hundert Prozent akzeptiert als Mitglieder der jüdischen Gemeinde und als Juden.Thu, 4 Dec 2025 - 02min - 6631 - Wie wird das Alter von Metallen bestimmt – etwa das Gold bei der Himmelsscheibe von Nebra?
Unterschiedliche Methoden je nach Metall
Zunächst schaut man sich das Objekt und die Technologien an, mit denen das Objekt bearbeitet wurde. Das gibt einen ersten guten Hinweis darauf, wann das Objekt entstanden ist. Wenn das nicht ausreicht und man z.B. für eine Echtheitsprüfung wissen möchte, ob etwas wirklich alt oder kürzlich erst gefälscht wurde, gibt es verschiedene Prüfmöglichkeiten. Die unterscheiden sich jedoch von Metall zu Metall.C14-Methode bei kohlenstoffreichem Eisen
Wenn Sie z.B. ein kohlenstoffreiches Eisen haben, letztlich Stahl, können Sie die C14-Methode anwenden und damit den Kohlenstoff datieren. Denn das radioaktive Isotop C14 zerfällt regelmäßig; und wenn man feststellt, wie viel davon noch da ist, kann man berechnen, wann der Stahl geschmiedet wurde.Himmelsscheibe von Nebra: Fälschung oder echt? – Gold gibt Aufschluss!
Bei Gold gibt es ebenfalls Möglichkeiten zur Datierung; denken wir z.B. an die Himmelsscheibe von Nebra. Da stellte sich die Frage, ob das Objekt wirklich alt oder möglicherweise doch eine Fälschung ist. Diese Feststellung gelang Mithilfe der Auflagen aus Gold.Gold-Patina: Analyse unterm Elektronenmikroskop
Gold ist zwar ein Edelmetall, das sich eigentlich nicht verändert. Aber wenn es im Boden liegt, bildet sich über einen sehr langen Zeitraum hinweg eine ganz spezielle Patina. Diese Patina lässt sich chemisch analysieren und ihren Aufbau kann man im Elektronenmikroskop betrachten. So kann man feststellen, ob sie echt oder gefälscht ist. Denn wenn sie echt ist, gibt ihre Dicke bzw. die Menge, die sich gebildet hat, einen sehr guten Aufschluss darüber, wie alt das Objekt ist bzw. zumindest darüber, wie lange es im Boden gelegen hat.Wed, 3 Dec 2025 - 02min - 6630 - Haben eineiige Zwillinge identische Fingerabdrücke?
Muster der Papillarleisten sind genetisch angelegt
Ganz klar: nein – die Fingerabdrücke von eineiigen Zwillingen sind nicht identisch! Die Handlinien und auch die Fingerabdrücke sind zwar oft ähnlich, aber nie identisch. Man hat bisher noch keine Zwillinge gefunden, die tatsächlich identische Fingerabdrücke hatten. Die Linien heißen in der Fachsprache Papillarleisten. Im vierten Embryonalmonat sind sie voll ausgebildet und bleiben unverändert erhalten bis zum Tod.Umwelteinflüsse im Mutterleib
Dieses Muster ist zwar genetisch angelegt, aber offenbar spielen auch Umwelteinflüsse im Mutterleib eine Rolle. Welche das genau sind, weiß man nicht, da kann man nur spekulieren: Ernährung, Temperatur, Stress – was auch immer. Allerdings sind ja die Zwillinge im Mutterleib der gleichen Umwelt ausgesetzt – insofern müsste man sich natürlich fragen: Warum entwickelt es sich beim einen Zwilling so, beim anderen anders? Man weiß es nicht. Aber es gibt ja auch bei eineiigen Zwillingen immer kleine Unterschiede – nicht nur bei den Fingerabdrücken, sondern z. B. auch im Gesicht oder bei Muttermalen – und die Handlinien und Fingerabdrücke gehören eben auch zu diesen Unterschieden.Erbgut eineiiger Zwillinge ist identisch
In der Kriminalistik spielen die Fingerabdrücke eineiiger Zwillinge eine wichtige Rolle: Nehmen wir an, es passiert ein Einbruch oder ein anderes Verbrechen, und ein Zwilling gerät unter Verdacht. Dann stellt sich ja die Frage, ob es nun der eine oder der andere Zwilling war. Mit der DNA-Analyse, die es heute gibt, kann man das nicht unterscheiden, weil das Erbgut beider Zwillinge identisch ist. Aber: Die Fingerabdrücke unterscheiden sich; das ist auch von den Gerichten anerkannt. Die Fingerabdrücke helfen also ganz eindeutig, den einen Täter z.B. von seinem Zwillingsbruder zu unterscheiden.Tue, 2 Dec 2025 - 02min - 6629 - Beeinflusst die Eisschmelze an den Polen die Erdrotation?
Theoretisch: Rotation verlangsamt sich, wenn mehr Wasser am Äquator ist
Ja es gibt einen, wenn auch kleinen Effekt: Denn wenn Eispanzer und Gletscher schmelzen, wird Masse auf der Erde umverteilt; das wirkt sich auf die Rotation aus. Das ist derselbe Effekt, den Eiskunstläufer nutzen: Wenn sie sich schneller drehen möchten, ziehen sie ihre Arme an den Körper. Dadurch holen "Masse" von außen näher an die Körperachse, und das führt zu einer Beschleunigung der Eigenrotation. Übertragen wir das nun auf die Eismassen der Erde – etwa das Eis der Antarktis. Das liegt nahe am Südpol, also nahe an der Erdachse. Wenn es schmilzt, wird es zu Wasser. Dieses Wasser bleibt aber nicht am Südpol, sondern es verteilt sich über die gesamten Weltmeere. Der Meeresspiegel steigt. Dabei gelangt zumindest ein Teil des Wassers in die Nähe des Äquators. Am Äquator ist das Wasser aber, verglichen mit der Antarktis, relativ weit weg von der Erdachse. Deshalb würde das Gleiche passieren, wie wenn eine Eiskunstläuferin ihre Arme ausstreckt: Die Rotation – in dem Fall der Erde – würde sich etwas verlangsamen.Landhebung durch Eisschmelze
Dies wird durch einen zweiten Effekt noch verstärkt: Wenn große Gletscher abschmelzen werden auch die darunter liegenden Kontinente von der schweren Eisdecke entlastet. Dann passiert dasselbe wie bei einem Boot, wenn Leute aussteigen oder Fracht abgeladen wird: Es hebt sich – und genauso heben sich die Kontinente, wenn das Eis auf ihnen schmilzt. In Schottland oder Skandinavien kann man das gut beobachten. Skandinavien lag während der Eiszeit unter mächtigen Gletschern. Dieses Eis ist vor 10.000 Jahren abgeschmolzen, und in der Folge hebt sich Skandinavien noch heute um etwa 1 cm pro Jahr. In hundert Jahren liegen also manche Abschnitte der norwegischen Küste einen Meter höher als heute. Auch eine solche Landhebung führt nun dazu, dass sich Masse – in dem Fall: Landmasse – ein kleines Stückchen vom Erdmittelpunkt bzw. von der Erdachse entfernt. Das passiert heute schon und wird sich verstärken, wenn auf der Antarktis oder Grönland das Eis schmilzt. Also auch dadurch würde sich – wieder durch den Eisläufereffekt – die Erdrotation verlangsamen.Schmelzende Gletscher: Auswirkungen auf Erdoration sind kaum messbar
Man kann den Effekt ausrechnen. Allerdings stellt sich dabei heraus, dass die Eismassen im Verhältnis zur Gesamtmasse der Erde so klein sind, dass die Auswirkungen auf die Rotation kaum messbar sind.Verlangsamung der Erdrotation durch Eisschmelze spielt so gut wie keine Rolle
Nach Auskunft von Maik Thomas vom Geoforschungszentrum in Potsdam ist die theoretische "klimabedingte" Verlangsamung der Erdrotation so klein, dass wir nicht einmal eine zusätzliche Schaltsekunde einführen müssten, um sie auszugleichen.Gezeitenkräfte sind sehr viel stärker und einflussreicher
Hinzu kommt: Die Erde dreht sich ohnehin mit der Zeit immer langsamer – völlig unabhängig vom Eis. Das liegt vor allem an den Gezeitenkräften, also daran, dass die Masse des Mondes zweimal am Tag Flut und Ebbe auslöst. Dadurch haben wir auf der Erdoberfläche täglich ein großes "Geschwabbel". Das bremst ebenfalls die Rotation, und zwar stärker als all die Effekte, die durch das Schmelzen des Eises entstehen. Diese Verlangsamung ist tatsächlich nachweisbar – aber es ist schwer, in dieser gezeiten-bedingten Verlangsamung die klimabedingte Verlangsamung heraus zu rechnen.Mon, 1 Dec 2025 - 04min - 6628 - Woher kommt der Brauch der Adventskränze?
Zu diesem Thema findet man immer wieder falsche Erklärungen: Der Adventskranz habe etwas mit dem Lebensrad zu tun und sei ein uraltes Symbol. Das ist nicht richtig. Der Adventskranz ist, gemessen an anderen Bräuchen, ganz jung; und man kennt sogar seinen Erfinder.
Der erste Adventskranz hing in einem Hamburger Heim für Jugendliche
Es handelt sich um den evangelischen Pastor Johann Hinrich Wichern, der sehr stark in der christlichen Soziallehre verankert war und sich – typisch für das 19. Jahrhundert – besonders für Kinder engagierte, die in benachteiligten sozialen Verhältnissen lebten. Wichern hängte Mitte des 19. Jahrhunderts den allerersten Adventskranz im "Rauhen Haus" in Hamburg auf – einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche. Dieser Kranz hatte zunächst noch 24 Kerzen, für jeden Dezembertag eine. Später hat Wichern dieses System dann vereinfacht und auf die vier Sonntage reduziert.Adventskranz hat klare pädagogische Funktion: Zeit sichtbar machen
Die Visualisierung von "Zeit" ist für Kinder besonders wichtig, denn die können sich unter "vier Wochen" nichts vorstellen. Man muss Kindern vor Weihnachten sagen: Du musst noch so und so oft schlafen, dann kommt das Christkind. – Wenn sie das an Kerzen abzählen können, ist die Zeit bis Weihnachten für sie viel besser erkennbar.Auch der Adventskalender war eine evangelische Erfindung
Zum Adventskranz gehört darüber hinaus noch eine zweite Visualisierung der Zeit, die übrigens ebenfalls eine evangelische Erfindung ist: der Adventskalender. Der evangelische Pastorensohn Gerhard Lang entwickelte kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert den ersten Adventskalender. Anfangs waren das noch Bilder zum Aufkleben, später erfand er selbst bereits die Türchenform, wie wir sie heute noch kennen. All das dient dazu, die Zeit bis Weihnachten sichtbar zu machen, den Advent, die "Ankunft", zu visualisieren.Sun, 30 Nov 2025 - 02min - 6627 - Was hat die "Marotte" mit der biblischen Maria zu tun?
Marienverehrung war weit verbreitet
Wir wissen aus der Bibel leider nichts über Marias mögliche Marotten, aber wir wissen immerhin, dass die Gottesmutter und die Marotte zusammengehören. Die heilige Jungfrau war gerade wegen der zu Herzen gehenden Weihnachtsgeschichte überaus volkstümlich. Die Gefahr, als unverheiratete Schwangere in Schande zu geraten, und die Last einer Geburt unter einfachsten Umständen – das rührte vor allem Frauen an.Viele "Kosenamen" für Marienstatuen: Mariole, Marion, Marotte, Marionette
Deshalb wurde Maria nicht nur in Kirchen und Kapellen verehrt, sondern in Millionen von Häusern, Höfen und Hüttchen. Dort stellte man kleine Marienstatuen aus Holz auf, um private Andachten abzuhalten, erst recht im Advent. Diese Figürchen nannte man liebevoll mit verkleinernden Marien-Kosenamen wie "Mariole", "Marion", "Marotte" und "Marionette". Von den Heiligenstatuen übertrug man die Ausdrücke "Marionette" und "Marotte" auf Handpuppen oder Drahtpuppen, weil es schon im späten Mittelalter geistliche Puppenspiele gab. Naheliegend, dass man bald alle beweglichen Kinderpuppen und vor allem diejenigen an Drähten, wie sie in der "Augsburger Puppenkiste" auftreten, "Marionetten" nannte.Narrenzepter wurde ebenfalls als "Marotte" bezeichnet
Doch weshalb bezeichnet "Marotte" einen Spleen? "Marotte" bezeichnete auch den Herrscherstab der Narren. Der war eine Art komisches Zepter mit einem Narrenkopf am oberen Ende und ähnelte insofern einer Puppe. Deshalb sagte man ab dem 17. Jahrhundert in Frankreich: "Er hat eine ganz schöne Marotte." Damit meinte man, er habe kuriose Ideen, seltsame Verhaltensweisen und Vorlieben, die er wie das Narrenzepter mit sich herumtrage und die ihn sogar selbst zum Narren machten. Von Frankreich aus übernahmen wir im 18. Jahrhundert den Ausdruck, der heute gar nicht mehr an Maria erinnert und eher nachsichtig und freundlich klingt.Sat, 29 Nov 2025 - 02min - 6626 - Gibt es Tiere mit nur einem Nasenloch?
Delfine haben ein Blasloch
Ja, wenn man den Begriff "Nase" etwas weiter fasst: Delfine. Man spricht bei Delfinen nicht von einer Nase, sondern von einem Blasloch, das sie oben am Kopf haben. Das Blasloch hat die gleiche Funktion wie bei Menschen die Nase: Es dient zur Atmung, und es hat sich aus der Nase von Landsäugetieren entwickelt. Delfine und andere Wale sind evolutionär Säugetiere, die wieder ins Wasser gegangen sind. Ihre Vorfahren hatten Nasen im Gesicht – allerdings ist diese Nase im Laufe der Evolution und der Anpassung an das Leben im Wasser nach hinten bzw. oben gewandert. Speziell bei den Zahnwalen – zu denen auch die Delfine gehören – sind dabei die ursprünglich zwei Nasenlöcher zu einem Blasloch zusammengewachsen.Viele Fische haben vier Nasenlöcher
Im Gegensatz dazu haben viele Fische sogar vier "Nasenlöcher" – allerdings ist die Fischnase etwas völlig anderes: Sie dient zwar dem Geruchssinn – also der Wahrnehmung chemischer Stoffe im Wasser. Aber Fische atmen nicht durch ihre Nase. Bei Walen ist es genau umgekehrt: Sie atmen zwar durch ihre Blaslöcher, aber im Wasser ist das Loch geschlossen, sodass sie damit nichts riechen können. Fast alle anderen Tiere hat die Evolution mit zwei Nasenlöchern ausgestattet. So wie wir auch zwei Ohren und zwei Augen haben. Warum ist das so? Weil zwei Augen uns eine Tiefenwahrnehmung ermöglichen – wir sehen die Welt dreidimensional. Die beiden Ohren rechts und links haben eine ähnliche Funktion – sie erlauben ein räumliches Hören. Auf diese Weise können wir Schallquellen relativ zuverlässig orten – wir wissen meist sofort, woher ein Geräusch kommt, sprich, wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten müssen.Ostamerikanischer Maulwurf riecht "stereo"
Anders ist es beim Riechen. Wir riechen die Welt nicht wirklich "stereo". Wozu also zwei Nasenlöcher? Offenbar, weil wir es mal konnten, unser Geruchssinn aber verkümmert ist. Denn zumindest bei einigen Tieren ist nachgewiesen, dass sie tatsächlich stereo riechen. Dazu gehört der ostamerikanische Maulwurf. Maulwürfe sind bekanntlich blind. Dafür ist ihre Nase umso besser. Vor einigen Jahren haben Forscher gezeigt, dass diese Tiere ihre Beute wie beispielsweise Regenwürmer nur dann effektiv finden, wenn beide Nasenlöcher offen sind. Sobald eins zu ist, verlieren sie die geruchliche Orientierung. Ähnlich, wenn auch etwas schwächer ausgeprägt, wurde das bei Wanderratten nachgewiesen.Fri, 28 Nov 2025 - 02min - 6625 - "Bis in die Puppen" feiern – woher kommt das?
Friedrich II. und seine Götterstatuen im Berliner Tiergarten
"Bis in die Puppen" ist eine ganz lustige Berliner Redensart. König Friedrich II. hat, als er inthronisiert wurde, am Großen Stern im Tiergarten Götterstatuen aufstellen lassen. Die Berliner waren ein bisschen respektlos und sagten, dass seien die Puppen des Königs. Der spielt sozusagen mit diesen Puppen und lässt sie dort aufstellen. Die Berliner unternahmen gerne von der Stadtmitte aus einen Spaziergang "bis in die Puppen". Das waren so zwei, drei Kilometer, also schon eine ganz schöne Strecke. Deshalb hat sich das zunächst als Redensart herausgebildet für eine lange Strecke, eine große Entfernung.Aus "lange Strecke" wird "langer Zeitraum"
Nun gibt es recht häufig die Entwicklung, dass ein langer Zeitraum auf eine lange Wegstrecke oder umgekehrt eine lange Wegstrecke auf einen langen Zeitraum übertragen wird – und das war hier eben auch so. So sagte man in Berlin irgendwann "bis in die Puppen" wenn man meinte "etwas sehr lange tun".Thu, 27 Nov 2025 - 01min - 6624 - Warum sagt man: "Dir fällt kein Zacken aus der Krone"?
Brautkrone sollte makellos sein
Ursprünglich geht es hier um den Brautkranz. Der Brautkranz ist ja oft mit schönen Steinen oder Perlen geziert. Da galt es als besonders übles Zeichen, wenn ein Stein aus dieser Brautkrone herausfiel. Da hat sich in deutschen Landen, vor allem in Thüringen und Sachsen, auch ein Spruch herausgebildet: "Da wird dir nicht gleich eine Perle aus der Krone fallen." Das heißt also: "Stell dich nicht so an, das wird jetzt sicher nicht so schlimm."Adelskrone: Auf die Zahl der Zacken kommt es an
Das hat sich dann verbunden mit den Kronen, die es tatsächlich gab. Man weiß ja, dass eine Königskrone mehr Zacken hat als eine Grafenkrone. Hat man also einen Zacken weniger oder zwei, dann ist man auch im Rang niederer. Diese beiden Wendungen haben sich verbunden. Und so konnte man dann sagen: "Da wird dir schon kein Zacken aus der Krone fallen."Tue, 25 Nov 2025 - 01min - 6622 - Bei Regen gehen oder rennen: Wie wird man weniger nass?
Eine knifflige Frage. Einerseits läuft man beim Rennen in ziemlich viele Tropfen hinein, andererseits ist man beim langsameren Gehen insgesamt länger im Regen. Was macht also unterm Strich mehr aus? Gehen wir mal davon aus, dass es gleichmäßig regnet, dass also der Regen nicht stärker oder schwächer wird – dann ist es auf jeden Fall besser, wenn man rennt. Warum? Aus folgender Überlegung: Wir gehen ja davon aus, dass es gleichmäßig regnet. Das heißt, zu jedem Zeitpunkt befindet sich eine bestimmte Menge an Tropfen in der Luft.
Je langsamer man geht, desto mehr Tropfen bekommt man ab
Jetzt stellen wir uns vor, wir könnten die Szene, wie beim Film, einfrieren. Das heißt, wir halten die Zeit an, alles steht still und alle Regentropfen bleiben in der Luft stehen. Ich könnte dann die Tropfen zählen, die auf der gesamten Strecke, die mein Körper zurücklegen muss, in der Luft sind. Nehmen wir an, das sind 10.000 Tropfen, die vor mir in der Luft sind, dann muss ich durch diese 10.000 Tropfen durch, und zwar völlig unabhängig davon, ob ich gehe oder renne. Wenn ich langsam gehe, sind es natürlich andere Tropfen, die mich nass machen, aber in der Summe sind es über die Strecke gesehen immer diese 10.000 Tropfen, die mich von vorne treffen. Von daher also kein Unterschied, ob ich gehe oder renne. Aber es kommen ja noch die Tropfen hinzu, die mich von oben treffen. Wenn ich nun aber schnell renne, brauche ich natürlich weniger Zeit. Und in dieser kurzen Zeit fallen weniger Tropfen auf meinen Kopf als wenn ich langsam gehe. Insofern lautet die Antwort: Je langsamer ich gehe, desto mehr Tropfen bekomme ich ab.Mit Schirm besser nicht rennen
Wenn ich einen Schirm habe, ist es umgekehrt – da ist es natürlich besser, ich gehe langsam. Denn wenn ich langsam genug gehe, werde ich ja überhaupt nicht nass; dann prasselt der Regen entweder auf den Schirm oder aber die Tropfen fallen in einem genügend großen Abstand vor mir auf den Boden. Wenn ich dagegen mit einem Schirm renne, dann werde ich ab einer bestimmten Geschwindigkeit nass – denn dann sind einige der Tropfen noch in der Luft, wenn ich in sie hineinrenne. Wenn ich mit Schirm renne, laufe ich also doch Gefahr, etwas nass zu werden, während ich, wenn ich langsam gehe, komplett trocken bleiben kann.Sun, 23 Nov 2025 - 01min - 6621 - Was ist Zeit?
Pragmatische Definition: Zeit ist, was Uhren messen
Physikalisch gesehen ist Zeit das, was Uhren messen. Das mag unbefriedigend klingen, aber diese Definition entspricht nicht nur unserem Alltagsverständnis, sondern auch Einsteins Relativitätstheorie. Einstein hat gesagt, Zeit ist relativ. Damit meinte er, dass Uhren, die sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit durch den Raum bewegen, unterschiedlich schnell ticken. Das hat man auch nachgewiesen: Wenn man eine hochpräzise Uhr in einem Flugzeug einmal um die Erde fliegen lässt, dann geht diese Uhr langsamer, als wenn sie an Ort und Stelle geblieben wäre. Sie geht nicht deshalb langsamer, weil sie im Flugzeug durch irgendetwas gebremst worden wäre, sondern weil die Zeit in schnell bewegten Körpern wirklich langsamer vergeht – relativ zu einem statischen Beobachtungspunkt. Zeit ist in diesem Sinn also wirklich das, was Uhren messen. Auch die Maßeinheit der Zeit, die Sekunde, ist nur auf diese Weise definiert. Die "Uhr" ist in diesem Fall allerdings ein Cäsium-Atom: Ein Cäsium-Atom "schwingt" rund 9 Milliarden Mal in der Sekunde und deshalb sagt die Physik einfach: Das ca. 9,192 Milliarden-Fache dieser Schwingungsdauer definieren wir als "Sekunde".Wie kann man das tiefere Wesen der Zeit beschreiben?
Die Frage ist: Muss man sich die Zeit als etwas vorstellen, was immer kontinuierlich "fließt"? Die Physik weiß heute: Zum einen ist die Zeit – ähnlich wie der Raum – nichts, was unabhängig von allem einfach da wäre. Wir stellen uns die Zeit oft wie ein Raster zwischen Vergangenheit und Zukunft vor, das "da ist", und dann "passiert" darin irgendetwas. Auch da hat Einstein gezeigt, dass das nicht so ist. Sowohl Raum als auch Zeit werden durch die Materie und die Energie im Weltall erst aufgespannt. Zum mutmaßlichen Beginn des Universums, beim sogenannten Urknall, versagen diese physikalischen Gesetze und es ist völlig unklar, ob es überhaupt eine Zeit vor dem Urknall gab oder ob die Zeit als solche erst mit dem Urknall angefangen hat zu existieren. Die Frage "Was war vorher?" ergäbe dann auch keinen Sinn mehr, denn wenn es keine Zeit gibt, gibt es auch kein "vorher" und "nachher". Ein weiteres Phänomen der Zeit ist, dass sie möglicherweise im Kleinen "gequantelt" ist. Das heißt, bildhaft gesprochen, verrinnt die Zeit nicht gleichmäßig, sondern sie tropft in winzig kleinen Zeitportiönchen, die viel kürzer sind, als wir das wahrnehmen können.Unterschied zum Raum: Man kann sich in der Zeit nicht rückwärts bewegen
Ein weiteres Merkmal ist der sogenannte Zeitpfeil. Die Zeit kennt in unserem Empfinden nur eine Richtung. Die Zeit können wir nicht anhalten, nicht zurückdrehen, sie fließt von der Vergangenheit in die Zukunft und trennt Ursache und Wirkung. Die Vergangenheit ist das, was geschehen ist und sich nicht mehr ändern lässt, die Zukunft ist offen. Das ist erstaunlich, weil in der klassischen Physik – auch bei Einstein – die Zeit keine Richtung hat. Die Bewegungsgesetze gelten vorwärts wie rückwärts. Wenn ich eine Billardkugel filme, wie sie auf dem Billardtisch rollt, könnte ich den Film auch rückwärts laufen lassen, ohne dass es auffallen würde. Anders ist es, wenn ich eine Glasscheibe filme, die zerbricht – hier sehe ich sofort, wenn der Film rückwärts läuft: Die Scherben setzen sich wieder zur Scheibe zusammen. Das liegt an der sogenannten Entropie: Ereignisse entwickeln sich so, dass die Welt insgesamt tendenziell unordentlicher wird. Und wenn sie doch irgendwo ordentlicher wird – etwa, wenn wir den Abwasch machen – dann geht das nur, weil wir anderswo – in dem Fall im Abwasser – Unordnung schaffen. Diese Zunahme der Unordnung ist es, die physikalisch der Zeit eine Richtung gibt. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Energie des Universums muss am Anfang extrem "geordnet" gewesen sein – sonst gäbe es nicht die Möglichkeit, immer ungeordneter zu werden. Wenn man das aber zu Ende denkt, ist es vorstellbar, dass das Universum in vielen Milliarden Jahren irgendwann einen maximal ungeordneten Zustand annimmt. Das wäre dann eine Art Strahlenbrei. In diesem maximal ungeordneten Zustand würde sich der Zeitpfeil sozusagen auflösen, das Universum wäre so monoton, dass sich zumindest im Kleinen die Vergangenheit nicht mehr von der Zukunft unterscheidet; es gibt keine Ursachen und keine Wirkung.Fri, 21 Nov 2025 - 04min - 6620 - Wie fangen fleischfressende Pflanzen Fliegen – ohne Nerven und Muskeln?
Passive und aktive Formen von fleischfressenden Pflanzen
Unter den fleischfressenden Pflanzen gibt es passive und aktive Formen. Bei den passiven bleibt die Beute einfach kleben, kommt nicht mehr weg und wird durch Verdauungssäfte aufgelöst. Da kann man den Fang-Vorgang ganz gut nachvollziehen. Knifflig sind die aktiven Pflanzen, die regelrecht zuschnappen – wie die Venusfliegenfalle – oder die ihre Beute einsaugen wie der Wasserschlauch. Da sind gleich mehrere Dinge erstaunlich.- Wie merken die Pflanzen ohne Nervenzellen, dass ein Beutetier an ihnen herumkrabbelt?Wie können sie plötzlich zuschnappen – wo sie doch gar keine Muskeln haben?
Beispiel Venusfliegenfalle
Bleiben wir bei der Venusfliegenfalle – das ist eine beliebte Zierpflanze, die man oft in botanischen Gärten sieht. Man erkennt sie an den auffallend "bissigen" Blättern mit ihren scharfen Zacken am Ende. Jeweils zwei dieser Blätter stehen sich so gegenüber, dass die Zacken ineinandergreifen wie die Finger, wenn man die Hände faltet.Berührung wird über elektrochemische Impuls weitergeleitet
Jetzt kommt eine Fliege und setzt sich auf die Blätter. Woran merkt das die Pflanze? Das ist relativ leicht zu verstehen: Auf der Innenseite der Blätter sind jeweils drei empfindliche Härchen. Sobald die sich – etwa durch die Fliege – bewegen, leiten sie ein Signal weiter. Das geht auch ohne spezielle Nervenzellen über elektrochemische Impulse. Der Unterschied ist nur, dass diese Impulse nicht über weit verzweigte Nervenbahnen, sondern von einer Zelle zur nächsten weitergeleitet werden. Dieses Signal muss bei der Pflanze eine Bewegung in Gang setzen – sonst könnte sie ja nicht zuschnappen. Das heißt, die Form der Blätter muss sich verändern. Das machen Pflanzen in der Regel dadurch, dass sie – vereinfacht gesagt – zwischen den Zellen Wasser umlagern. Wenn in einem bestimmten Abschnitt des Blattes die Zellen Wasser aufnehmen, verändert auch das Blatt insgesamt seine Form – wie eine Luftmatratze, die man aufbläst. Umgekehrt, wenn Zellen Wasser verlieren, verlieren sie auch an Spannung; dadurch ändert sich die Form ebenfalls.Zuschnappen funktioniert ähnlich wie bei der Mausefalle
Die Formveränderung der Blätter ist nur der Auslöser. Dieses Zuschnappen wiederum ist kein aktiver Vorgang wie das Zugreifen bei einer Hand – dafür bräuchte man ja Muskeln – sondern es ist eher wie bei einer Mausefalle, die erst aufgespannt ist und dann zuschnappt, sobald die Maus den Widerstand löst. Oder wie beim Pfeil und Bogen: Ich spanne den Bogen langsam – dazu brauche ich Kraft. Zum Loslassen brauche ich keine Kraft, aber gerade das Loslassen führt dann zum blitzschnellen Abschießen des Pfeils. Bei der Venusfliegenfalle läuft das ähnlich und zwar so: Die Blätter haben die Eigenschaft, dass sie entweder nach außen oder nach innen gekrümmt sind. Man kann sie durch leichtes Eindrücken schnell aus einer konvexen in eine konkave Form bringen. Hier bieten sich als Vergleich eine Kontaktlinse oder ein eingedrücktes Autoblech an: Wenn man von innen dagegen drückt, springt es wieder in den Ausgangszustand zurück. Diese Eigenschaft haben auch die Blätter der Venusfliegenfalle. Die Pflanze wächst so, dass die Blätter im Normalzustand nach außen gebogen sind, sie können aber unter bestimmten Umständen umspringen in den nach innen gekrümmten Zustand. Wenn das beide Blätter gleichzeitig machen, schließen sie automatisch. Das heißt, eine kleine Formveränderung durch Wasserumlagerung kann dieses Umschnappen auslösen. Das geht innerhalb von Millisekunden. Dank an: Prof. Dr. Thomas Speck, Botanischer Garten FreiburgThu, 20 Nov 2025 - 04min - 6619 - Gallier und ihre Druiden: Sind die Kelten bei Asterix realistisch dargestellt?
Nein, denn der Comic vereinfacht sehr stark. In den Heften finden sich viele Bemerkungen aus den historischen Überlieferungen, aber die Kelten waren natürlich ganz anders gekleidet. Richtig ist, dass sie Hosen trugen, aber eben auch entsprechende Hemden und Mäntel. Das kommt im Comic ein bisschen kurz. Aber der soll ja auch unterhalten und nicht Geschichte unterrichten.
Wie sahen die Druiden aus? Trugen sie Rauschebart und Sichel wie bei Asterix?
Leider wissen wir nicht, wie ein Druide aussah. Es ist historisch überliefert, dass es Druiden gab. Wir tun uns aber sehr schwer, diese Druiden in den Gräbern nachzuweisen. Es gibt zwar ein paar Gräber, in denen man besondere medizinisch nutzbare Instrumente gefunden hat, aber wie genau ein Druide aussah, kann man aufgrund dieser wenigen Funde nicht sagen.Was weiß man über die Funktion, die die Druiden bei den Kelten hatten?
Die Druiden waren Priester und Kultdiener und haben die Religion organisiert. Meist waren sie von adeliger Herkunft. Der einzige Druide, dessen Name wir kennen, ist Diviciacus – einer der großen Haeduer-Fürsten. Er ist Druide, fällt aber mit dem Schwert in der Hand – ist also auch Krieger. Die Druiden waren nicht das, was wir uns unter einem Klerus oder einer Geistlichkeit vorstellen, sondern haben aktiv am politischen Leben mitgewirkt.Tue, 18 Nov 2025 - 01min - 6618 - Warum werden weiche Kekse hart und harte Kekse weich, wenn sie rumliegen?
Feuchtigkeit verdunstet mit der Zeit
Das liegt daran, dass sich mit der Zeit die Feuchtigkeitsunterschiede zwischen dem Gebäck und der Umgebung ausgleichen. Die weichen Kekse sind weich, weil sie noch viel Feuchtigkeit enthalten, und zwar mehr Feuchtigkeit als die Luft in der Umgebung. Wenn sie lange herumliegen, verdunstet diese Feuchtigkeit und sie werden hart. Das Gleiche gilt für Brot. Frisches Brot besteht zu 40 Prozent aus Wasser; außerdem hat es noch eine Kruste. Da wandert die Feuchtigkeit zunächst von innen nach außen. Deshalb wird das Brot zwar innen zunächst härter, die Kruste aber lätschig. Im weiteren Verlauf verdunstet die Feuchtigkeit dann auch von dort, und das komplette Brot wird steinhart.Trockenes Gebäck zieht Feuchtigkeit an
Genau umgekehrt ist es bei den Gebäcksorten, die von Anfang an ziemlich trocken sind, wie Zwieback, Knäckebrot oder normale Butterkekse. Die sind so trocken, dass sie – wieder in Folge des Feuchtigkeitsausgleichs – Wasser von der umgebenden Luft aufnehmen, und damit werden sie weicher. Das gilt auch besonders für Salzstangen. Hier spielt die besondere Eigenschaft des Salzes eine Rolle: Salz ist "hygroskopisch", d.h. es zieht Feuchtigkeit an. Deshalb werden Salzstangen, aber auch generell die Kruste von Laugengebäck bzw. Brezeln, so schnell weich. Bei Zucker ist es ähnlich. Zuckerkristalle ziehen auch Feuchtigkeit an, wenn auch nicht so stark wie Salz. Das führt ebenfalls dazu, dass gezuckertes Gebäck an der Oberfläche leicht weich und vor allem klebrig wird.Wed, 19 Nov 2025 - 01min - 6617 - Wie misst man Temperaturen am absoluten Nullpunkt?
Der absolute Nullpunkt liegt bei -273,15° C. Das weiß man aber nicht deshalb, weil man den mal irgendwann mit einem Thermometer gemessen hätte, sondern man hat den absoluten Nullpunkt zunächst nur berechnet. Im 17. Jahrhundert beobachtete man, dass sich ein Gas, wenn man es erwärmt, ausdehnt. Wenn man es abkühlt, zieht es sich zusammen. Das folgt einem ziemlich einfachen Gesetz: je niedriger die Temperatur, desto kleiner das Volumen. Als man diesem Zusammenhang auf die Schliche kam, rechnete man aus: Wie kalt müsste das Gas denn sein, damit das Volumen auf Null zusammenschrumpft? So kam man auf einen Wert von -240°C – wohlgemerkt ohne dass man diese Temperatur auch nur annähernd irgendwo „gemessen“ hätte. Das war für das Jahr 1699 schon eine ganz gute Schätzung. Bald war aber klar, dass die Rechnung so nicht gehen kann. Denn man kann sich zwar vorstellen, dass das Volumen eines Gases schrumpft – aber dass es auf Null geht, also gar nicht mehr vorhanden ist, ist erstens unlogisch und zweitens realitätsfremd. Denn jedes Gas wird beim Abkühlen ab einer bestimmten Temperatur etwas ganz anderes machen, nämlich seinen Aggregatzustand ändern – sich also verflüssigen oder sogar gefrieren.
Temperatur: Bewegung von Teilchen
Man hat den absoluten Nullpunkt dann auf eine andere Art ermittelt. Temperatur ist physikalisch ein Ausdruck für die Bewegung von Teilchen – beim Gas die Bewegung der einzelnen Moleküle, in einem Festkörper das Zappeln der Atome. Alle Atome haben eine Eigenbewegung, und auch diese Eigenbewegung wird immer langsamer, je kälter es wird. So sagte man: Der absolute Nullpunkt wäre dann erreicht, wenn die Eigenbewegung aufhört, wenn sich die Atome nicht mehr bewegen, also alles total eingefroren ist. Da hat man erst mal nur rechnerisch den Wert -273,15° Celsius ermittelt. Parallel entwickelte man Verfahren, um immer kältere Temperaturen zu erreichen. Man hat Gase verflüssigt, sogar Wasserstoff und Helium, was wirklich eine große Leistung war: Man muss Helium auf 4 Grad über dem absoluten Nullpunkt – also -269° Celsius runterkühlen, damit es sich verflüssigt. Das ist gelungen. Man kann heute im Labor Temperaturen von Bruchteilen von Graden über dem absoluten Nullpunkt erzeugen. Aber man weiß auch, man kann diesem Nullpunkt zwar beliebig nahe kommen, aber erreichen kann man ihn nicht.Mehr Messgenauigkeit durch Platindraht und radioaktives Kobalt
Wenn man diese Temperaturen erzeugt – woher weiß man, wie kalt das Helium ist? Wie misst man das? Das geht natürlich nicht mit der Art von Thermometern, die wir kennen. Die beruhen darauf, dass sich eine Flüssigkeit unter Temperatureinfluss ausdehnt bzw. zusammenzieht. Bei so tiefen Temperaturen ist aber Quecksilber, oder was man sonst nehmen kann, längst gefroren. Tiefere Temperaturen kann man bestimmen, indem man einen Platindraht dazu tut und den elektrischen Widerstand misst. Auch das ist ein physikalisches Gesetz: Je kälter der Draht, desto schwächer der Widerstand. Aber auch diese Methode hat Grenzen. Wenn man dem absoluten Nullpunkt schon ganz nah ist, etwa bei 0,1 Grad über dem Nullpunkt, dann nutzt man spezielle Kristalle, die radioaktives Kobalt enthalten. Das Kobalt zerfällt mit einer bestimmten Rate zu Nickel, dabei entsteht Gammastrahlung. Und je weniger Gammastrahlung man misst, desto näher ist man dem absoluten Nullpunkt gekommen.Fri, 14 Nov 2025 - 03min - 6616 - Warum sind Schaumblasen in der Badewanne stabiler als Seifenblasen?
Seifenblasen sind Einzelgänger, Schaumblasen treten im Verbund auf
Im Grunde sind Schaum- und Seifenblasen physikalisch das gleiche Phänomen. Der Unterschied liegt darin, dass man bei normalen Seifenblasen vor allem an diese isolierten Blasen denkt, die Kinder gerne durch Pusten herstellen oder die von einer Seifenblasenmaschine erzeugt werden. Solche Blasen sind einzeln, während im Schaum die Seifenblasen ja in einem Verbund sind, mit ganz vielen anderen Seifenblasen zusammenhängen. Um zu verstehen, warum es Seifenblasen überhaupt gibt und warum sie zerplatzen, muss man sich klarmachen, wie sie aufgebaut sind. Die Wand einer Seifenblase besteht aus drei Schichten. In der Mitte besteht sie aus Wasser. Das Wasser wird aber außen und innen umhüllt von den Tensiden – d.h. von den Seifenmolekülen. Also eine Sandwich-Struktur, bei der das Wasser durch die Tensidschicht eingeschlossen, quasi in Schach gehalten wird und daran gehindert wird, einen Tropfen zu bilden oder andere Dinge zu benetzen.Warum platzen Seifenblasen?
Zum einen zerfallen sie ganz natürlich, weil die Seifenflüssigkeit langsam nach unten läuft. Die Blase wird dadurch oben immer dünner und irgendwann reißt sie. Die andere Möglichkeit ist durch Berührung. Wenn ich mit dem Finger eine Seifenblase berühre, passiert Folgendes: Sobald der Finger die äußere Tensidschicht durchdringt, kommt er direkt mit der Wasserschicht in Berührung. Wegen seiner Oberflächenspannung „schmiegen“ sich die Wassermoleküle aber an den Finger, sie benetzen ihn – ähnlich wie wenn man einen Finger auf eine Wasseroberfläche legt – und verdrängen dadurch die Tensidmoleküle. Oder die Tensid-, also die Seifenmoleküle, fließen dem Wasser, das den Finger benetzt, hinterher und reißen hinter sich ein Loch auf. So oder so, am Ende reißt die Wand auf und bringt die Blase zum Platzen. Wie empfindlich eine Seifenblase ist – das wissen wir alle – hängt auch davon ab, wie dick die Wand der Blase ist. Deswegen sind – wenn man Seifenblasen bläst – die großen Blasen empfindlicher, weil dort die gleiche Menge Seifenflüssigkeit ein größeres Volumen umschließt, dadurch ist die Wand zwangsläufig dünner. Genau wie Luftballons immer empfindlicher werden, je mehr man sie aufbläst.Schaumblasen: kleiner, dickere Tensidschicht, nicht isoliert
Chemisch gesehen sind Schaumblasen und normale Seifenblasen ähnlich aufgebaut, aber es gibt ein paar Faktoren, warum sie gegen Berührungen weniger empfindlich sind. Zum einen sind sie in der Regel kleiner, nicht so aufgeblasen, dadurch sind die Wände dicker. Vor allem aber sind beim Schaum die Blasen nicht isoliert, sondern hängen mit ganz vielen anderen Blasen zusammen. Die gesamten Seifenmembranen im Schaum bilden letztlich eine große Oberfläche, über die sich die Seifenflüssigkeit verteilen kann. Wenn man an einer Stelle eine Schaumblase berührt und die Oberfläche infolgedessen etwas dünner wird, dann gibt es im Schaum immer noch genügend Nachschub an Seifenwasser. Deshalb sind die Schaumblasen insgesamt weniger empfindlich gegenüber Berührungen. Es ist aber nicht immer so, dass Seifenblasen sofort zerplatzen, wenn man sie berührt. Es gibt Varieté-Nummern, wo die Künstler oder Clowns mit Seifenblasen jonglieren – diese Blasen haben eine dickere Wand. Seifenblasen halten es sogar aus, wenn ein Regentropfen durch sie durchfällt.Sat, 8 Nov 2025 - 04min - 6615 - Warum wird Eisläufern bei schnellen Drehungen nicht schwindlig?
Punkt im Sichtfeld fixieren
Sie benutzen einen Trick; den gleichen Trick, den auch Kunsttänzer benutzen: Sie suchen sich einen markanten Punkt irgendwo im Sichtfeld, möglichst in der Richtung, in der sie ganz am Ende wieder landen wollen. Diesen Punkt fixieren sie mit den Augen, sobald sie ihre Drehung beginnen. Damit sorgen sie dafür, dass sich der Kopf nicht gleichmäßig mit dem Körper mitdreht, sondern für einen großen Teil der Drehung starr in eine Richtung schaut. Erst im letzten Moment, wenn es nicht mehr anders geht, ziehen die Tänzer den Kopf blitzschnell nach, bis sie wieder den gleichen Punkt fixieren wie am Anfang. Das Ziel ist, dass sie auf diese Weise das Gleichgewichtsorgan im Innenohr möglichst stabil halten und keiner Dauerdrehung aussetzen.Sinneszellen im Innenohr
Grundlage des Gleichgewichtssinns sind winzige haarförmige Sinneszellen in unserem Innenohr. Diese Sinneszellen stehen in Kontakt mit einer Flüssigkeit. Die Flüssigkeit im Innenohr ist somit der Sensor für all unsere Kopfbewegungen. Schwindlig wird uns immer dann, wenn wir uns ein paar Mal kräftig drehen – dann kommt die Flüssigkeit im Ohr ins Rotieren – und plötzlich die Drehung unterbrechen und stehen bleiben. Dann nämlich rotiert die Flüssigkeit – sie ist ja träge – eine Weile weiter. Deshalb haben wir das Gefühl, wir drehen uns weiter, während der Körper steht.Widersprüchliche Signale erzeugen Schwindelgefühl
Dieser Widerspruch zwischen den Signalen erzeugt das Schwindelgefühl. Wenn Sie dagegen – wie die Eiskunstläufer – den Kopf in der Drehung für die meiste Zeit ruhig halten und erst im letzten Moment herumdrehen, kommt die Flüssigkeit gar nicht erst so sehr in Schwung.Gleichgewichtsorgan überlisten und Orientierung behalten
Die Kunstläufer müssen sich ja nicht nur möglichst schnell drehen, sondern auch in der richtigen Richtung wieder landen und weitergleiten. Auch dabei hilft dieser Fixier-Trick.Warum Hühner mit dem Kopf wackeln
Vögel nutzen übrigens einen ähnlichen Trick. Man kennt das von manchen Vögeln – Hühnern z.B. – dass sie mit dem Kopf scheinbar ruckartige Bewegungen machen. Das machen sie nicht aus Tolpatschigkeit, sondern weil es ihnen erlaubt, mit den Augen möglichst lange ein Objekt zu fixieren und damit auch während einer Bewegung scharf zu sehen. Bei den Hühnern geht es nicht darum, Schwindelgefühle zu vermeiden, sondern darum, scharf zu sehen. Aber das Prinzip ist das gleiche: Den Kopf ruhig halten, damit die Augen möglichst lange ein Objekt fixieren und erst im letzten Moment die Position des Kopfes verändern.Fri, 7 Nov 2025 - 02min - 6614 - Wie können Vögel so laut und ohne Unterbrechung singen?
Vogellunge besitzt Luftsäcke
Die Lerche singt kontinuierlich, scheinbar ohne Luft zu holen. Das kann sie deshalb, weil sie völlig anders singt, als wir Menschen das tun. Vögel besitzen eine Lunge mit sogenannten Luftsäcken. Das sind sackartige Ausstülpungen, etwa wie Blasebalge, die zwischen größeren Muskelpaketen – beim Vogel zum Beispiel den Brustmuskeln – liegen, aber sich auch in hohle Knochen erstrecken können. Die Knochen von Vögeln sind ja hohl. Das heißt, die atmen völlig anders. Die Lunge dehnt sich nicht aus, sondern die Luft geht immer in die Blasebalge, diese Luftsäcke hinein. Die Vögel haben also zusätzlich zur Lunge Luftsäcke. Das heißt, sie können unabhängig voneinander atmen und singen. Sie können Luft durch die Nasenöffnungen in die Lunge saugen und gleichzeitig singen, indem sie die Luft aus den Luftsäcken rauslassen und durch ihren Stimmkopf pressen. Vielleicht kann man es sich vorstellen wie bei einem Dudelsackspieler, der ja auch immer den Ton aus dem Instrument rausbekommt, auch wenn er zwischendurch mal Luft holt. So ähnlich ist es bei den Vögeln. Die Frage ist: Wie kriegen die die Luft raus? Nicht, indem sie ausatmen, sondern indem sie praktisch pumpen. Die Muskelbewegungen beim Fliegen pumpen sozusagen die Luft raus, die dann den Ton erzeugt.Kleine Vögel können laut sein: Lautstärke hängt vom Druck ab
Die Lautstärke hängt gar nicht so sehr von der Körpergröße ab, sondern vor allem von dem Druck, mit dem die Luft durch den Stimmkopf gepresst wird. Das ist wie beim Luftballon: Wenn der Luftballon prall gefüllt ist und man lässt ihn quietschen, dann ist das relativ laut, weil viel Druck dahinter ist. Die Vögel können diesen starken Druck aufbauen, weil sie ständig Luft nachholen können. Die Größe des Vogels hängt damit nicht zusammen; die Größe des Vogels bestimmt eher die Tonhöhe. Deswegen singen Vögel viel höher als wir. Aber die Lautstärke hängt allein von dem Druck ab, mit dem die Luft durch den Stimmkopf gepresst wird.Fri, 13 Feb 2026 - 03min - 6613 - Kann man auf Fotos Sonnenaufgang von Sonnenuntergang unterscheiden?
Sonnenuntergänge tendenziell kräftiger rot und orange
Egal ob die Sonne auf- oder untergeht: Es sieht auf Fotos immer spektakulär aus. Aber kann man auf Fotos tatsächlich erkennen, ob die Sonne gerade auf- oder untergeht? Jein. Man erkennt es zwar nicht an jedem einzelnen Foto, aber wenn man ganz viele Fotos von Sonnenaufgängen und Sonnenuntergängen vergleicht und analysiert, kann man tatsächlich eine Tendenz feststellen.Sonnenuntergang: Abends wird's dreckig
Sonnenuntergänge sind nämlich in der Regel viel kräftiger rot und orange gefärbt als Sonnenaufgänge. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Luft abends in der Regel schmutziger ist als morgens. Wie kommt das? Im Laufe des Tages heizt sich die Erde auf und dadurch wird die unterste Luftschicht wärmer, dehnt sich aus und wird dadurch leichter. Leichte Luft steigt nach oben, dadurch entsteht ein Aufwind und der transportiert Aerosole, die sich in Bodennähe angesammelt haben, in die Höhe. Aerosole sind kleinste Teilchen; da ist alles dabei: Ruß aus Fabriken, aus Verbrenner-Motoren und aus Schornsteinen, aber auch kleinste Kristalle von Meeressalz und kleine Teilchen aus Saharastaub.Schmutzpartikel lassen weniger blaues Licht zu unserem Auge
Bevor das Licht einer untergehenden oder aufgehenden Sonne unser Auge erreicht, muss es durch diese Luftschicht durch, also an den Aerosolen vorbei. Vereinfacht kann man sagen: Je mehr Schmutzpartikel in dieser Luftschicht sind, desto weniger blaues Licht kommt bei uns an. Denn Sonnenlicht besteht aus unterschiedlichen Farben und wenn die Luft besonders dreckig ist, also abends, wird das relativ kurzwellige blaue Licht besonders stark gestreut. Es wird also von den Aerosolen in der Luft in andere Richtungen abgelenkt, auch in Richtung Weltraum. Rotes Licht dagegen hat eine größere Wellenlänge als blaues und lässt sich von den Schmutzteilchen in der Luft weniger ablenken. Dadurch schafft es rotes Licht leichter durch die Atmosphäre und in unsere Augen. Das passiert abends noch stärker als morgens. Deshalb sind die Farben abends oft kräftiger als morgens. Ist das immer so? Nein. Die Atmosphäre ist dynamisch. Wenn es zum Beispiel kurz vor dem Sonnenuntergang geregnet hat, dann ist die Luft relativ sauber und die Farben wirken nicht viel kräftiger als morgens. Aber ganz grundsätzlich kann man sagen: Die Farben von Sonnenuntergängen sind in der Regel kräftiger als bei Sonnenaufgängen.Doppler-Effekt spielt keine Rolle – die Lichtstreuung ist's
Was man immer wieder liest, ist, dass angeblich der Doppler-Effekt eine Rolle spielen soll. Man kennt das von Sirenen: Wenn ein Polizeiauto oder ein Krankenwagen auf einen zufährt, dann klingt die Sirene heller. Und wenn das Auto vorbeigefahren ist, klingt sie immer tiefer. Bei Licht ist es ähnlich: Bewegt sich eine Lichtquelle von uns weg, werden die Wellen ein kleines bisschen in die Länge gezogen, das Licht verschiebt sich ins Rote. Jetzt könnte man denken: Bei Sonnenuntergang "dreht" sich die Erde "von der Sonne weg", daher die Rotverschiebung. Theoretisch stimmt das. Aber wenn man es ausrechnet, spielt dieser Effekt faktisch keine Rolle. Denn damit dieser Effekt bei Lichtstrahlung eintritt, müsste sich die Erde viel schneller bewegen als sie es tut. Entscheidend für die leichten Farbunterschiede bei Sonnenaufgang bzw. Sonnenuntergang ist wirklich die Lichtstreuung in der Amosphäre.Tue, 4 Nov 2025 - 03min - 6612 - Warum erinnern sich Alzheimer-Patienten an ihre Kindheit, aber nicht ans letzte Frühstück, Eckart von Hirschhausen?
Unser Gehirn besteht aus verschiedenen Bereichen. Es gibt ältere und neuere Teile. Zum Beispiel erinnern sich viele an Gerüche aus der Kindheit – die sind im Hippocampus abgespeichert. Das ist ein sehr tiefer, ursprünglicher Teil vom Gehirn. Es ist der Teil des Gehirns, der aber auch für die Bildung und das Abrufen neuer Erinnerungen zuständig ist. Bei Alzheimer-Demenz ist die Region des Hippocampus besonders früh betroffen. Musik wiederum hat die Eigenschaft, dass sie sehr stabile Erinnerungen schafft. Und die Musik, die wir so zwischen 15 und 25 gehört haben, die bleibt sehr lange im Gedächtnis erhalten. Man vermutet, dass sich in dieser Zeit die Identität maßgeblich entwickelt. Ein Mann, den ich für meine Doku getroffen habe, der gar nicht mehr wusste, wohin er gereist ist, wusste noch, wie Bob Dylan klingt und wie das Lied weitergeht. Das hängt damit zusammen, dass Erinnerungen, die schon lange her sind, also vor allem solche aus der Kindheit, oft stabiler sind und stärker in mehreren Hirnarealen verankert. – Wahrscheinlich sind sie also auch außerhalb des Hippocampus abgespeichert, weil sie über die Jahre hinweg oft wiederholt und abgespeichert wurden. Die Erinnerungen sind nicht notwendigerweise sonderlich detailreich oder lebhaft. Stattdessen wurden sie in den Wissensbestand über das eigene Leben und die Identität aufgenommen. Deshalb sind diese Gedächtnisinhalte robuster als die Erinnerungen aus der jüngeren Vergangenheit. Wenn eine Person, die an Alzheimer erkrankt ist, also jeden Morgen seit 40 Jahren dasselbe Frühstück isst, wäre das wohl eine eher stabile Erinnerung. War es ein spontanes Frühstück, wäre eine Anekdote aus den Jugendjahren wahrscheinlich viel klarer. Das ist auch ein wichtiger Hinweis auf eine therapeutische Dimension, denn wir können unser Musikgedächtnis nicht nur trainieren, indem wir Musik hören, sondern auch aktiv werden, singen, tanzen, musizieren – und auch wenn man das als Jugendlicher nicht gemacht hat, das lohnt sich in jeder Lebensphase.
Was bedeutet das für die Therapie?
Wir bilden ja beim Erinnern immer wieder neue Erinnerungen. Wir rufen also Dinge aus dem Gedächtnis auf, stellen uns Dinge dazu vor und speichern dann beides wieder ab. Da gibt es den Reminiszenz-Effekt. Der ist auch therapeutisch wichtig, indem Menschen, die sich an bestimmte Dinge über einen Alltagsgegenstand, ein Musikstück oder über ein Foto erinnern können, sich dann auch wieder an andere Dinge erinnern können. Auch eine gute Heimversorgung versucht darauf einzugehen, dass man dann zum Beispiel die Tapeten aus der Zeit hat oder auch Fotos von den großen Stars aus der Zeit. Insofern ist dieser Reminiszenz-Effekt therapeutisch wichtig, weil er Sicherheit und Vertrauen geben kann. Manche Alzheimer-Betroffene "springen" gedanklich zurück in die Zeit, in der sie sich noch sicher und orientiert gefühlt haben. Mehr dazu in der ARD Doku "Hirschhausen und das große Vergessen"Mon, 3 Nov 2025 - 02min - 6611 - Woher kommt der Begriff "Alzheimer", Eckart von Hirschhausen?
Die Diagnose "Alzheimer" ist schon über hundert Jahre alt. Der Name geht auf den deutschen Nervenarzt Alois Alzheimer zurück. Der erkannte 1906 auffällige Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit und Sprachprobleme bei einer Patientin. Nach ihrem Tod fand er bei der Obduktion die heute charakteristischen Eiweißablagerungen im Gehirn. Das war die Geburtsstunde der Diagnose "Alzheimer-Krankheit" – benannt nach ihrem Entdecker. Der Begriff "Demenz" ist noch älter als "Alzheimer". Den gibt es schon seit dem 18. Jahrhundert – als Fachbegriff für den geistigen Abbau bei alten Menschen. Aus dem Lateinischen übersetzt heißt Demenz nämlich so viel wie"ohne Geist" oder "Verlust des Geistes". Dass sich die verschiedenen Formen von Demenz aber auch in ihren Ursachen unterscheiden, hat die Forschung erst im Laufe des 20. Jahrhundert allmählich erkannt.
Wann haben sich diese Begriffe in der Alltagssprache durchgesetzt?
Das ging erst so in den 1970er- und 1980er-Jahren los. Die nicht mehr ganz Jungen unter uns werden sich erinnern: Früher hat man oft auch flapsig gesagt, jemand ist "verhuscht" oder "verkalkt" – man hat sich die Ablagerungen im Gehirn landläufig so vorgestellt wie Kalkablagerungen in Wasserleitungen. "Verkalkt" trifft es aber eigentlich nur bei einem Teil der vaskulären Demenzen, bei denen sich Kalzium abgelagert hat. Ansonsten müsste man "vereiweißt" sagen, denn es sind Proteine, die da verklumpen. Erst in den 1970er-Jahren erkannte man zum Beispiel, dass viele ältere Menschen mit sogenannter "seniler Demenz" in Wirklichkeit an Alzheimer litten. Ab den 1980er-Jahren haben auch Prominente beitragen, etwa die Schauspielerin Rita Hayworth oder der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan, der seine Alzheimer-Diagnose öffentlich gemacht hat. Mehr dazu in der ARD Doku "Hirschhausen und das große Vergessen"Mon, 3 Nov 2025 - 01min - 6610 - Alzheimer und Demenz – was ist der Unterschied, Eckart von Hirschhausen?
Demenz ist der Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache, Orientierung oder Urteilsvermögen nachlassen. Insgesamt gibt es über 50 Formen von Demenz. Alzheimer ist also nur eine Form von Demenz, aber bei weitem die häufigste. Sie macht etwa zwei Drittel aller Fälle aus. Die Krankheit tritt meist nach dem 65. Lebensjahr auf und gehört zu den neurodegenerativen Demenzen, das heißt, dass sie durch fortschreitenden Nervenzellenabbau hervorgerufen wird. Außerdem wird Alzheimer mit Beta-Amyloid und Tau-Ablagerungen im Gehirn in Verbindung gebracht, die fehlerhaft verarbeitet wurden. Die Symptome von Alzheimer sind vor allem Gedächtnis- und Orientierungsverlust und kommen meist erst schleichend mit dem Alter auf.
Welche anderen Formen von Demenz gibt es noch und wie unterscheiden die sich von Alzheimer?
Es gibt neben Alzheimer auch andere Formen von Demenz, die von anderen Störungen im Gehirn ausgelöst werden. Den zweitgrößten Anteil der Demenzerkrankungen nach Alzheimer machen die vaskulären Demenzen aus. Für die sind Durchblutungsstörungen im Gehirn der Auslöser, die zum Absterben von Nervenzellen führen. Diese Art von Demenz tritt beispielsweise nach Schlaganfällen oder in Verbindung mit Bluthochdruck auf. Die Symptomatik beginnt je nach Ursprung oft schleichend, so wie Alzheimer auch. Es kommt aber häufig zu stufenweiser und schlagartiger Verschlechterung. Im Vordergrund stehen meist nicht Gedächtnisstörungen, sondern Verlangsamung, Denkschwierigkeiten oder Stimmungslabilität. Und es gibt auch Mischformen zwischen Alzheimer und vaskulären Demenzen, die machen etwa 10 bis 15 Prozent der primären Demenzen aus. Alle bisher genannten Demenztypen, bei denen wirklich eine Störung im Gehirn vorliegt, bezeichnet man auch als primäre Form. Das sind auch die häufigsten und grundsätzlich irreversibel. Ihr Krankheitsverlauf lässt sich oft lediglich herauszögern. Daneben gibt es aber auch sekundäre Formen von Demenz. Die machen etwa 10 Prozent der Demenzerkrankungen aus und haben den Ursprung außerhalb des Gehirns. Die werden also beispielsweise durch Stoffwechselfehler, Vitaminmangel oder Infektionen ausgelöst – das haben wir auch bei der Post-Covid-Diskussion gehabt, dass auch Virenerkrankungen das Hirn angreifen können. Sekundäre Demenzen sind behandel- und oft heilbar. Wenn die Demenzerkrankung beispielsweise auf Vitaminmangel oder Alkoholmissbrauch zurückzuführen ist, können die Demenzsymptome in manchen Fällen sogar vollständig bekämpft werden – indem man die Grunderkrankung bekämpft.Gibt es noch weitere Arten von Demenz?
Es gibt eine Demenzform, die gerade besonders ins Licht der Wissenschaft rückt, das ist die Frontotemporale Demenz, auch FTD genannt. Das ist die Form von Demenz, an der auch Bruce Willis erkrankt ist. Hier bleibt das Gedächtnis noch recht lange erhalten, stattdessen verschlechtern sich hier oft Impulskontrolle, Sprache bis hin zu Persönlichkeitsveränderungen. Wie der Name schon sagt, sterben bei dieser Krankheit vor allem Nervenzellen im Stirn- und Schläfenbereich des Gehirns ab, von wo aus vor allem Emotionen und Sozialverhalten gesteuert werden. Deshalb zeigt sich hier die Symptomatik vor allem darin, dass die Krankheit das Sprachvermögen und die Persönlichkeit verändert, Betroffene werden beispielsweise vermehrt reizbar, unberechenbar, taktlos oder ungehemmt. FTD kann auch bei jüngeren Menschen auftreten – da ist die Risikogruppe zwischen 50 und 60.Können denn auch junge Menschen an Alzheimer-Demenz erkranken?
Alzheimer-Demenz kommt in den allermeisten Fällen zwar erst ab dem 65. Lebensjahr vor, aber es gibt auch die sogenannte früh-beginnende Alzheimer-Demenz. Die betrifft etwa 5 bis 10 Prozent der Alzheimer-Erkrankten weltweit und kann Menschen schon in den 30ern und 40ern betreffen. Häufig hat das danngenetische Ursachen oder wird von äußeren Faktoren wie Hirnverletzungen oder Umweltfaktoren ausgelöst. Ansonsten sind die Gene nicht der entscheidende Auslöser für eine Demenz, sondern unser Lebensstil, und da kann man viel tun: Nicht rauchen, bewegen,Gemüse – wie immer – eine pflanzenbasierte Ernährung ist gut fürs Herz und gut fürs Hirn. Diabetes behandeln und hohe Blutfette senken hilft auch bei der Vorbeugung. Mehr dazu in der ARD Doku "Hirschhausen und das große Vergessen"Mon, 3 Nov 2025 - 02min - 6609 - Warum können wir uns Handgeschriebenes besser merken?
Schreiben mit dem Stift aktiviert das Gehirn
Wenn wir mit der Hand schreiben, passiert im Gehirn mehr, als wenn wir nur tippen. Denn über 30 Muskeln und 15 Gelenke arbeiten dabei zusammen – das ist echte Feinarbeit für unser Gehirn. Und genau diese Bewegung hilft uns beim Merken. Die Schreibbewegungen aktivieren das feinmotorische Areal und das visuelle Gedächtnis. Das Gehirn muss viel tun. Wir können uns deshalb gut an den Text erinnern.Wenig los im Gehirn: Getipptes A unterscheidet sich nicht sehr vom getippten Z
Wenn wir Maus und Tastatur benutzen, sind die Bewegungen einfach und wiederholen sich. Egal, ob wir ein A oder ein Z tippen: Die Bewegung ist immer gleich und im Gehirn ist weniger los. Wenn wir also beim Schreiben gleichförmige, repetitive Bewegungen ausführen, merken wir uns den Text nicht so gut.Embodied Cognition: Denken, Fühlen und Bewegung hängen eng zusammen
Für den positiven Merkeffekt ist es nicht notwendig, analog mit Stift und Papier zu schreiben. Denn es geht um die Motorik. Und die kann man genauso gut mit einem digitalen Stift auf einem Tablet ausführen. Hauptsache die Hand ist so richtig in Bewegung. Forscher sprechen dabei von "Embodied Cognition". Das bedeutet: Denken, Fühlen und Bewegen hängen eng zusammen. Somit ist nicht nur die Schreibbewegung für unseren Merkprozesses relevant Auch das Gefühl, den Stift in der Hand zu halten und übers Papier zu streichen, hilft beim Erinnern. Noch besser können wir uns Dinge merken, wenn Gefühle im Spiel sind, denn starke Emotionen setzen Hormone und Botenstoffe frei und im Gehirn ist wieder richtig was los. Genau das hilft beim Erinnern.Beim Lesen längerer Texte analog wohl vorteilhafter als digital
Aber wie ist das beim Lesen? In Deutschland ist das noch wenig erforscht. Doch es gibt Hinweise: Wer sich in einen längeren Text vertiefen will, kommt mit Papier besser klar. Das zeigt auch der Alltag: Besonders junge Leute greifen gerne zum "echten" Buch. Das überrascht. Schließlich ist das genau die Generation, die für lange Bildschirmzeiten bekannt ist. Für kurze Texte oder zum schnellen Überfliegen macht es keinen Unterschied. Da ist digital genauso gut wie gedruckt. Wir halten fest: Wenn man sich an etwas erinnern will, sollte man lieber kritzeln statt tippen und blättern statt scrollen.Sun, 2 Nov 2025 - 02min - 6608 - Ist im Winter weniger Sauerstoff in der Atmosphäre?
Globaler Ausgleich
Einen messbaren Unterschied bzw. einen, der sich auf uns auswirkt, machen die jahreszeitlichen Schwankungen nicht aus. Aber es ist trotzdem eine interessante, wenn auch eher mathematisch-spielerische Frage. Denn es stimmt: Wenn es weniger Grün gibt, dann produzieren die Pflanzen im Schnitt weniger Sauerstoff. Die Frage ist, ob sich das auswirkt. Da gibt es mehrere Antworten. Die eine ist: Wenn man die ganze Erde betrachtet, dann gleicht sich das etwas aus, denn wenn auf der Nordhalbkugel Winter ist, ist auf der Südhalbkugel Sommer. Zumindest rein rechnerisch dürfte die Erde global im Großen und Ganzen nicht mehr oder weniger Sauerstoff im Winter oder im Sommer produzieren.Tag-Nacht-Schwankung größer als die zwischen Sommer und Winter
Aber wie sieht es lokal aus, wenn man durch den Park läuft? Gibt es da mehr Sauerstoff oder weniger? Hier spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Denn nicht nur die Pflanzen produzieren Sauerstoff, sondern Sauerstoff wird auch verbraucht. Von Pflanzen, von Tieren und von Mikroorganismen im Boden. Deren Aktivität ist im Winter aber auch reduziert. Das heißt, die Pflanzen produzieren zwar ein bisschen weniger Sauerstoff, aber es wird auch ein bisschen weniger Sauerstoff verbraucht. Das gleicht sich aus. Vor allem aber: Dieser gesamte Sauerstoffwechsel der Biosphäre ist, gemessen an dem, wie viel Sauerstoff überhaupt in der Atmosphäre ist, minimal. Wir haben 21 Prozent Sauerstoff in der Atmosphäre. Und was wir täglich davon umsetzen – rein in die Pflanzen, raus aus den Pflanzen – das ist vernachlässigbar. Letztlich sind die Schwankungen zwischen Tag und Nacht – nachts verbrauchen Pflanzen ja auch Sauerstoff – größer als die zwischen den Jahreszeiten. Aber trotzdem ist es ein schönes Rechenspiel. Wenn Ihnen also das nächste Mal beim Laufen im Winter die Luft wegbleibt, dann können Sie es leider nicht mehr auf die Bäume schieben, die im Winter weniger Sauerstoff produzieren.Sat, 1 Nov 2025 - 02min - 6607 - Warum flackern Kerzen?
Gleichgewicht bei Wachszufuhr erforderlich
Wenn es nicht der Wind ist, dann kommt das Flackern meist daher, dass an der Flamme ein Ungleichgewicht zwischen Verbrennung und Brennstoffnachschub besteht. Auslöser ist dabei häufig ein zu langer Docht. Eine Kerze funktioniert ja so: Die Flamme erhitzt das Wachs im Docht, das dann in der Flamme verdampft und vor allem verbrennt – das Gelbe in der Flamme ist ja nichts anderes als die verglühenden Wachsteilchen. Das Wachs, das verbrennt, wird ersetzt durch nachströmendes flüssiges Wachs von unten. Im idealen Fall, bei einer ruhigen Kerze, besteht dann ein Gleichgewicht: Die Flamme verbrennt immer gerade so viel Wachs, wie nachströmt. Zum Flackern kommt es, wenn dieses Gleichgewicht gestört ist.Wachsdefizit löst Flackern aus
Nehmen wir an, der Docht ist zu lang: Dann kann eine Situation entstehen, in der die Flamme eine relativ große Menge Brennstoff zur Verfügung hat, nämlich alles Wachs, was sich in dem langen Docht befindet. Wenn sie viel Brennstoff hat, flammt sie stärker auf. Weil dadurch aber in kurzer Zeit viel Wachs verbrannt wird, entsteht in dem langen Docht ein Defizit, denn das flüssige Wachs kann von unten gar nicht so schnell durch den langen Docht nachströmen – und plötzlich ist die Flamme unterversorgt, bricht kurzfristig zusammen, wird also sichtbar schwächer. In der Zwischenzeit strömt aber weiter flüssiges Wachs in den Docht, und so wird aus dem Defizit an Wachs im Docht kurz darauf wieder ein Überschuss. Die Flamme flammt erneut auf, und so geht das hin und her – das ist vergleichbar mit dem Stottern eines Automotors, der nicht richtig eingestellt ist.Docht kürzen hilft nur kurzfristig
Man kann Abhilfe schaffen, indem man den Docht ein bisschen kürzt. Aber das hilft oft nur kurzfristig, denn bei den Kerzen, bei denen das einmal passiert, dass der Docht zu lang wird, passiert das in der Regel immer wieder, weil die Dicke des Dochts nicht optimal gewählt ist.Kerze ins Gefrierfach
Unter bestimmten Umständen kann es helfen, die Kerze vor dem Anzünden ins Gefrierfach zu legen. Denn wenn die Kerze kalt ist, braucht das Wachs mehr Energie, um zu schmelzen. So strömt auch nicht so viel Wachs in den Docht nach; die Kerze brennt langsamer ab. Im besten Fall kommt dadurch das Verhältnis von Verbrennung und nachströmendem Wachs wieder ins Gleichgewicht, sodass die Kerze nicht mehr flackert. Aber eine Garantie ist das nicht.Thu, 30 Oct 2025 - 03min - 6606 - Wie funktioniert der Geruchssinn?
Duftmoleküle schwirren durch die Luft
Alles was riecht, gibt Düfte in Form von winzigen Molekülen in die Luft ab, die wie Staubkörner überall herumschwirren. Beim Einatmen gelangen mit unserer Atemluft die Duftmoleküle in unsere Nase. In der obersten Etage befinden sich die Riechzellen. Davon hat der Mensch 20 Millionen. Jede dieser Riechzellen hat einen kleinen Nervenfortsatz, der durch den Schädelknochen hindurch in unser Gehirn zieht. Darum hat der Schädel auch kleine Löcher.Kontaktaufnahme mit Riechzelle nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip
Wenn nun ein Duftmolekül wie zum Beispiel der Vanille in der Luft herumschwirrt, dann würde dieses Duftmolekül Kontakt mit einer der Riechzellen aufnehmen. Die Riechzellen sind Spezialisten: Die einen haben sich auf Vanille spezialisiert, die anderen auf Moschus und die Dritten auf Buttersäure. Sie besitzen Sensoren bzw. Rezeptoren, wie wir die nennen – das sind die "Schlösser". Und das Duftmolekül ist der passende Schlüssel dazu. Wenn also das Vanilleschloss aufgesperrt wird, sendet die Zelle ein Signal ins Gehirn und sagt: "Ich, die Vanillezelle, habe ein Molekül gerochen! Jetzt ist Vanille in der Luft."Wie funktioniert der Geruchssinn bei Duftkombinationen?
Wenn man einen Wein hat, dann sind da vielleicht schon 100 verschiedene Zellentypen im Einsatz. Insgesamt haben wir 350 verschiedene; damit decken wir die ganze Duftwelt ab.Wie viele unterschiedliche Gerüche können wir wahrnehmen?
Bei 350 unterschiedlichen Geruchsrezeptoren ist die Kombination unendlich groß. Es ist ähnlich wie beim Alphabet: Wir haben 350 "Buchstaben" zur Verfügung. Und die "Duftwörter" können 100 oder 150 Buchstaben lang sein; so viele verschiedene Duftstoffe können also zusammengemischt sein. Und damit haben wir natürlich eine unglaubliche Zahl von Möglichkeiten, verschiedene Düfte wahrzunehmen.Sun, 26 Oct 2025 - 02min - 6605 - Wo in Deutschland entspricht unsere Uhrzeit dem Sonnenstand?
Deutschland von Ost nach West: gute halbe Stunde Unterschied beim Sonnenstand
Es kommt darauf an, wo in Deutschland man lebt. Wir haben alle mal in der Schule gelernt: Mittags um 12 Uhr steht die Sonne am höchsten. Die Wahrheit ist: Das stimmt fast nirgends in Deutschland. Im Sommer trifft das für keinen einzigen Ort zu, im Winter nur für eine Stadt. Ich sage gleich, welche. In Deutschland gilt überall die gleiche Zeit, wir haben nur eine Zeitzone fürs ganze Land. Das ist im Winter die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) und im Sommer die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Allerdings erreicht die Sonne keineswegs überall gleichzeitig ihren Höchststand. Denn die Erde dreht sich von Westen nach Osten. Deshalb sind die östlichsten Gegenden Deutschlands den westlichsten Zipfeln eine gute halbe Stunde voraus, was den Sonnenstand betrifft. Die Sonne geht im Osten früher auf, erreicht früher ihren Höchststand und geht früher unter.Sonne erreicht im Winter in Greenwich um 12 Uhr ihren Höchststand
Wie weit östlich ein Ort liegt, kommt im Längengrad zum Ausdruck. Die Längengrade oder "Meridiane" sind die gedachten Linien, die vom Nordpol zum Südpol verlaufen. Die Zählung beginnt in Greenwich (London): Durch das Observatorium in Greenwich läuft der sogenannte Nullmeridian. Dort hat die Sonne nach britischer Zeit tatsächlich mittags um 12 Uhr ihren höchsten Punkt erreicht, jedenfalls in der Winterzeit. Dort beginnt also die Zählung der Längengrade nach Osten und nach Westen, in beide Richtungen jeweils 180 Grad.Deutschland erstreckt sich über 9 Längengrade
Geht man also auf dem Globus vom Nullmeridian nach Osten, dann stößt man beim 6. Längengrad auf die westlichste Ecke Deutschlands; die liegt bei Aachen. Die östlichste Ecke bei Görlitz liegt auf dem 15. Längengrad. Deutschland erstreckt sich also von West nach Ost über 9 Längengrade. Das bedeutet: Überall in Deutschland gilt dieselbe vereinheitliche Uhrzeit. Doch die entspricht fast nirgends der natürlichen Sonnenzeit am jeweiligen Ort. Also der Zeit, die gelten würde, wenn man sich dort streng nach der Sonne richten würde. Diesenatürliche Sonnenzeit, die dem wahren Sonnenstand entspricht, heißt deshalb auch wahre Ortszeit.Die Erde dreht sich 15° pro Stunde
Jetzt habe ich gesagt: Die östliche Gegend in Deutschland liegt bei Görlitz auf dem 15. östlichen Längengrad. Dieser Längengrad ist deshalb interessant, weil der 15. Längengrad quasi die zentrale Achse der Mitteleuropäischen Zeitzone ist und 15 Längengrade auf dem Globus genau einer Stunde Zeitverschiebung entsprechen. Das kommt daher: Ein Kreis hat 360°, also hat auch die Erde 360 Längengrade – eben von London aus je 180 nach Osten und nach Westen. Wenn sich die Erde einmal um sich selbst gedreht hat, also einmal um 360°, dann ist ein Tag vergangen, also 24 Stunden. So kann man leicht ausrechnen: 360° geteilt durch 24 Stunden macht 15° pro Stunde. Die Erde dreht sich also in jeder Stunde 15 Grad weiter. Das heißt umgekehrt: Immer, wenn man sich 15 Längengrade weiter nach Osten bewegt, ist man eine Stunde weiter, was den Sonnenstand betrifft.15. Längengrad berührt Deutschland in Görlitz und Neißeaue
Und das bedeutet: Wenn der Nullmeridian in Greenwich der Mittelpunkt der englischen Ortszeit ist – dann bildet der 15. östliche Längengrad die zentrale Achse unserer Zeitzone, der Mitteleuropäischen Zeit. Dieser 15. Längengrad berührt Deutschland aber nur ganz im Osten, eben in Görlitz und in der kleinen Nachbargemeinde Neißeaue. Das sind die einzigen Orte in Deutschland, in denen im Winter wirklich die Sonne genau mittags um 12 Uhr Ortszeit am höchsten steht. (Es gibt noch kleinere Schwankungen, die lassen wir hier aber außen vor. Wer sich dafür interessiert, findet sie unter dem Stichwort "Zeitgleichung") Ansonsten zieht sich der 15. Längengrad in unseren Breiten vor allem durch Polen, Tschechien und Österreich.Linie Aurich – Dortmund – Pirmasens
Im Rest von Deutschland – westlich von Görlitz – hinkt die Uhrzeit dem Sonnenstand immer hinterher: Die Sonne erreicht fast überall erst nach 12 Uhr ihren höchsten Punkt. Es gibt sogar Gegenden im Westen Deutschlands, die astronomisch eigentlich schon näher an der Greenwich-Zeit sind, also an der Londoner Ortszeit. Welche das sind, kann man leicht ermitteln. Denn wenn 15 Längengrade einer Stunde entsprechen, dann entspricht eine halbe Stunde 7,5°. Der Längengrad 7,5° zieht sich von Ostfriesland bei Aurich über Dortmund bis in die Pfalz bei Pirmasens. Alles, was westlich dieser Linie liegt, ist, was den Sonnenstand betrifft, näher an Greenwich als an Görlitz. Gäbe es keine Ländergrenzen, würde man diese Orte also eher der britischen Zeit zuordnen. Doch im deutschen Westen hört die Mitteleuropäische Zeit noch gar nicht auf. Frankreich und Spanien benutzen sie ebenfalls, obwohl sie geografisch größtenteils in der britischen Zeitzone zuzuordnen wären.MESZ entspricht der mittleren Sonnenzeit in Kiew
Bisher haben wir nur über den Winter geredet. Im Sommer, wenn die Uhren eine Stunde vorgestellt sind, ist es noch krasser. Dann gibt es in Deutschland keinen einzigen Ort mehr, in dem die Sonne mittags um 12 Uhr am höchsten steht, sondern frühestens um 13 Uhr. In Aachen ist der Sonnenhöchststand im Sommer fast um 13:40 Uhr. Der Grund: Unsere Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) entspricht dem, was im Winter die Osteuropäische Zeit ist. Die entspricht dann nicht mehr dem Sonnenstand in Görlitz, sondern dem in Kiew. Das gilt wieder nicht nur für uns, sondern auch die Uhren im Westen Spaniens zeigen immer Sommer eine Zeit an, die dem Sonnenstand in der zentralen Ukraine entsprechen.Fri, 24 Oct 2025 - 04min - 6604 - Wie schnell fallen Regentropfen?
Neulich hatten wir mal die Frage: Wie schnell fällt ein Mensch vom Himmel? Die Antwort war: 200 km/h, in Extremfällen sogar 500 km/h. Davon ist ein Regentropfen weit entfernt, und zwar aus zwei Gründen: Er ist viel kleiner und leichter – dadurch erfährt er einen deutlich höheren relativen Luftwiderstand. Und wenn er doch mal größer ist und schneller werden könnte, wird der Tropfen genau durch diesen Luftwiderstand in einer Weise verformt, die ihn eher noch weiter abbremst.
Die Tropfenform ist ein Mythos
Das hat nichts mit der sogenannten "Tropfenform" zu tun – dass also Regentropfen unten rund sind und oben spitz, so wie das Tropfensymbol auf der Wetterkarte. So sehen Tropfen höchstens mal kurz aus, wenn der Wasserhahn ganz langsam tropft. Im Normalfall aber sind kleine Tropfen kugelrund, und größere werden durch das Fallen von unten plattgedrückt. Sie gehen in die Breite – und eben das bremst sie noch weiter. So kommt es, dass Regentropfen ungefähr zehnmal langsamer fallen als Menschen im freien Fall. So ein typischer Topfen mit 1 bis 2 Millimetern Durchmesser hat eine Geschwindigkeit von, ganz grob, 20 Stundenkilometern. Aber das hängt eben vor allem von der Größe ab. Bei Niesel- oder Sprühregen sind die Tropfen klein und langsam, fallen vielleicht nur mit fünf Stundenkilometern. Bei einem Gewitter- oder Platzregen sind sie groß und etwas schneller und können 30 bis 40 Stundenkilometer erreichen. Es hängt auch von den Windverhältnissen ab. Je nachdem, wie der Wind weht – aufwärts oder abwärts – kann er die Regentropfen bremsen oder beschleunigen.Wie lang ist so ein Tropfen unterwegs?
Das hängt davon ab, wie hoch er startet. Nehmen wir an, der Tropfen fällt aus einer typischen Stratuswolke; die hängen relativ tief auf 1.000 Meter Höhe. Wenn wir von einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern ausgehen, dann braucht er ganz grob 3 Minuten. Wenn die Wolke höher hängt, entsprechend länger.Thu, 23 Oct 2025 - 02min - 6603 - Warum haben viele Comicfiguren nur vier Finger?
Disney-Zeichner sparten Zeit
Viele Comicfiguren haben nur einen Daumen und drei weitere Finger. Natürlich sind vier Finger leichter zu zeichnen, aber das ist nicht der einzige Grund. Denn bei Comic-Heften wäre das wirklich ein vernachlässigbarer Aufwand. Ich habe mal zwei Comic-Zeichner gefragt – nämlich Markus Witzel ("Mawil") und Felix Görmann ("Flix"). Die haben mir erklärt, dass die Tradition der "vier Finger" auf die frühen Zeichentrickfilme der 1920er- und 1930er-Jahre zurückgeht, vor allem auf die alten Disneyfilme. Die waren ja, verglichen mit heutigen Animationsfilmen, noch sehr einfach gezeichnet. Und da die Zeichner für die Filme viele Bildabfolgen zeichnen mussten, haben sie tatsächlich Zeit gespart, wenn sie einen Finger weggelassen haben.Für alle wesentlichen Ausdrucksformen reichen vier Finger
Man kann über die Gestik mit Daumen und Zeigefinger schon ziemlich viel ausdrücken, den Mittelfinger bräuchte man nur für irgendwelche obszönen Gesten, als Stinkefinger, der aber in diesen klassischen Comics nicht vorkommt. Mit den Trickfilmen hat das also angefangen – und später haben die Figuren die vier Finger beibehalten. Heute hat der Verzicht auf einen Finger oft stilistische Gründe. Man findet die 4-Finger-Hand vor allem bei den Figuren, die eher skizzenhaft gezeichnet sind, wie ein Cartoon. Auch Calvin aus "Calvin und Hobbes" hat nur vier Finger. Ebenso "Hägar der Schreckliche". In diesen Fällen, so sagen mir die Comic-Experten, würde es sogar überladen oder unharmonisch aussehen, wenn eine an sich einfache, knubbelige Figur plötzlich fünf filigrane Finger hätte. Bei den Comics dagegen, die schon aufwändiger gezeichnet sind und mehr von den Details leben, haben die Figuren dann meist auch fünf Finger. Asterix zum Beispiel hat fünf Finger. Tim aus "Tim und Struppi" hat ebenfalls fünf Finger, weil Hergé ein sehr genauer Zeichner war.Wed, 22 Oct 2025 - 02min - 6602 - Wie konnte das Inka-Reich so groß werden?
Das Inka-Reich war das größte in Amerika. In der Alten Welt gab es noch das Mongolenreich oder Reich Alexanders des Großen. Das Römische Reich war von seiner Ausdehnung her längst nicht so groß wie das der Inka. Wie konnte es also so groß werden? Die Inka hatten kein großes stehendes Heer und zunächst auch keinen so großen Drang, sich auszudehnen. Als sie in das Tal von Cusco eingewandert sind, mussten sie zunächst einen kleinen Staat aufbauen. Schließlich hatte man ein Reich, das vom heutigen südlichen Kolumbien bis südlich von Santiago de Chile reichte.
Diplomatie, Geschenke und geschickte Heiratspolitik
Angesichts der Topographie, der hohen Berge, hätte man dieses Gebiet gar nicht mit einem Riesenheer erobern können. Vielmehr hat man das wohl durch Diplomatie erreicht. Man heiratete geschickt. Wenn der Inka-König als der große Herrscher anerkannt war, was durch bestimmte Mechanismen geschah, hatte er mehrere Frauen und entsprechend viele Kinder. Die Frauen wurden vom König „verteilt“ und es wurde geschickte „Geschenkpolitik“ betrieben. Von Bedeutung waren wertvolle Textilien, die von den sogenannten Sonnenjungfrauen in ihren Klöstern hergestellt wurden. Diese Textilien wurden ebenfalls verschenkt und die Gegengabe war die Subordination, also die Unterordnung unter den Häuptling.Ausdehnungsbewegung begann im 14. Jahrhundert
Früher nahm man an, dass diese Entwicklung unter dem Vater und Großvater des letzten Königs Atahualpa (der von Francisco Pizarro ermordet wurde) geschah und dass diese drei Generationen es also geschafft haben sollen, das Reich so weit auszudehnen. Das ist jedoch so unwahrscheinlich, dass man als Archäologe feststellen muss, dass das so schnell nicht funktioniert haben kann. Konkret: Die Inka wurden 1532 von den Spaniern erobert. Man war lange davon ausgegangen, dass sie ein Reich hatten, das nicht mal 100 Jahre alt war. Doch inzwischen kann man noch mal 100 Jahre dazurechnen. Im 14. Jahrhundert entstand also die Ausdehnungsbewegung.Sun, 19 Oct 2025 - 03min - 6601 - Wie funktioniert Meerwasserentsalzung?
Gängiges Verfahren: Umkehrosmose
Das gängigste Verfahren ist die sogenannte Umkehrosmose. Dazu braucht man eine Membran, die Wassermoleküle durchlässt, aber die Salzbestandteile zurückhält. Im Grunde eine Art physikalisch-chemisches Sieb mit winzig kleinen Löchern im Nanometerbereich. Durch die wird das Wasser gepresst, sodass man auf der einen Seite salzfreies Wasser hat und auf der anderen Seite die übrigbleibende Salzlake. Man kann aber das Wasser nicht ganz durchpressen, weil sich sonst die Konzentration in der Salzlake immer weiter erhöhen würde, und irgendwann würden die Poren in der Membran durch Salzkristalle verstopft. "Umkehrosmose" heißt das deshalb, weil normalerweise solche Membranen dazu führen, dass sich Salzkonzentrationen ausgleichen. Normalerweise – wenn man keinen äußeren Druck ausübt – würde das Wasser sich also in Richtung der höheren Salzkonzentration bewegen. Das kommt in der Natur ständig vor. Wenn wir eine Tomate salzen, geben die Zellen durch die Zellmembran hindurch Wasser ab. Auch viele Vorgänge in unserem Körper beruhen auf dieser Osmose. Bei der Umkehrosmose geht der Prozess in die andere Richtung, indem das Wasser mit viel Druck gegen seine natürliche Richtung durch die Membran gepresst wird. Das ist derzeit noch das am meisten genutzte Verfahren, mit dem Trinkwasser auf Hochseeschiffen gewonnen wird oder auch in den großen Entsalzungsanlagen in Trockengebieten, etwa im Nahen Osten.Weitere Möglichkeit: Destillation
Eine andere Möglichkeit besteht darin, das Wasser zu destillieren. Das Meerwasser wird erhitzt, verdampft dabei – und wenn es verdampft, bleibt das Salz zurück; der Wasserdampf ist also nicht salzig. Dieser Wasserdampf wird in Rohren aufgefangen und gekühlt. Durch die Kondensation wird aus dem Wasserdampf wieder flüssiges Wasser, welches frei von Mineralien ist. Auch das ist eine Möglichkeit, Wasser zu entsalzen. Es ist ein Verfahren ähnlich wie beim Brennen von Schnaps, nur eben mit Meerwasser. Das Verfahren ist etwas aufwändiger, mit ein paar Zwischenschritten mehr und natürlich in viel größeren Dimensionen. Aber das physikalische Prinzip ist das gleiche.Wenig Mineralstoffe, viel Energie: Beide Verfahren haben Mängel
In beiden Fällen ist das Wasser zwar salzfrei, aber dadurch so mineralarm, dass es auch nicht gut ist. Zum einen ist destilliertes Wasser als Trinkwasser nicht besonders empfehlenswert, zum anderen verstärkt es die Korrosion der Rohre in den Anlagen. Deshalb werden dem entsalzten Wasser hinterher Mineralien in Form von Kalziumkarbonat, sprich Kalk zugesetzt. Der zweite Haken ist der Energieaufwand. Denn egal, ob ich Wasser mit viel Druck durch eine Membran presse oder erhitzen muss, um es verdunsten zu lassen – das braucht viel Energie. Allerdings haben die Regionen, wo man solche Anlagen braucht, meist ein großes Potenzial an erneuerbaren Energien: An den Küsten gibt es viel Wind, im Nahen Osten viel Sonne; diese Energie kann man nutzen. Der Trend geht zunehmend in diese Richtung. Trotzdem arbeitet die Forschung an Verfahren, Meerwasserentsalzungsanlagen zu konstruieren, die mit weniger Energie auskommen.Fri, 17 Oct 2025 - 02min - 6600 - Wie kamen die ersten Juden nach Deutschland?
Archäologische Funde: Die ersten Juden kamen mit den Römern
Strenggenommen kamen sie nicht "nach Deutschland", sondern sie lebten schon hier, lange bevor es so etwas wie "Deutschland" gab, nämlich im 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus. Damals war das, was heute Süddeutschland ist, Teil des Römischen Reiches. Das heißt, die ersten Juden kamen mit den Römern. Archäologische Zeugnisse aus jener Zeit belegen das: Objekte etwa, die an den traditionellen siebenarmigen Leuchter, die Menora, erinnern.Wir haben viele spätantike Funde aus dem 2. bis 4. Jahrhundert. Öllampen, die das Motiv der Menora tragen; die haben wir aus Trier, aus Augsburg. Wir haben Bleiplomben, auf denen eine solche Menora dargestellt ist.
Archäologische Funde aus dieser Zeit gibt es nördlich der Alpen nur in den Gebieten des Römischen Reiches, also innerhalb des Limes. Das legt den Schluss nahe, dass die Juden zusammen mit dem römischen Militär kamen. Das ist plausibel, denn nach der Eroberung Jerusalems durch die Römer, nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 und dem niedergeschlagenen Bar-Kochba-Aufstand verließen die meisten der noch verbliebenen Juden ihre Heimat Judäa oder wurden versklavt. Ihre Nachfahren verteilten sich über Italien auch in den Norden des Römischen Reiches – als Teil der römischen Armee oder als Händler, worauf die besagten Lampen schließen lassen, aber auch Schmuckstücke mit jüdischer Symbolik.Quelle: Thomas Otten, Jüdische Museum im Archäologischen Quartier Köln MiQua
Erste schriftliche Erwähnung 321 in einem Erlass von König Konstantin
Im Jahr 321 werden Juden erstmals schriftlich erwähnt, und zwar in einem Erlass von Kaiser Konstantin von 321.Das Edikt regelt reichsweit, dass jüdische Bürger in die Räte der Städte berufen werden durften. Was natürlich impliziert, dass es Juden in den Städten gegeben hat. Und zwar nicht nur irgendwelche, sondern auch Juden mit Einfluss und entsprechender sozialer Stellung.
Denn in den Stadtrat berufen zu werden, war nicht nur eine Ehre, sondern auch mit finanziellen Verpflichtungen verbunden. Da die Städte in den römischen Provinzen immer knapp bei Kasse waren, hofften sie, über jüdische Händler in den Stadträten etwas flüssiger zu werden.Quelle: Thomas Otten, MiQua
Köln wird explizit genannt. Es ist höchstwahrscheinlich so, dass der Rat der Stadt Köln den Kaiser angeschrieben und um eine Regelung gebeten hat. Der Kaiser hat dann eine Regelung getroffen, hat sie aber reichsweit getroffen, also das reichsweit zu regeln und zu erlassen.
Quelle: Thomas Otten, MiQua
Hierzulande lebten Juden, bevor es "Deutsche" gab
Dieses kaiserliche Edikt stammt aus dem Jahr 321 und war der Anlass, dass das Jahr 2021 zum Jubiläumsjahr erklärt wurde. Man spricht von "1700 Jahren jüdischem Leben in Deutschland". Aber das ist zum einen eine Untertreibung, denn Juden lebten schon vorher hier. Und es ist eine Verkürzung, denn weder gab es Deutschland, noch eine deutsche Sprache, noch nicht einmal "deutsch" als Begriff oder Idee. Anders gesagt: Hierzulande lebten Juden, lange bevor es "Deutsche" gab.Thu, 16 Oct 2025 - 02min - 6599 - Warum drehen sich Windräder immer im Uhrzeigersinn?
Rotoren sind weltweit gleich gebaut – Uhrzeigersinn hat sich durchgesetzt
Das hat sich einfach so ergeben. Es hat also nichts mit der "Hauptwindrichtung" zu tun. Wäre das so, könnte man das Windrad ja einfach andersherum aufstellen und linksherum drehen lassen. Es hat auch nichts mit der "Corioliskraft" zu tun, wie auf manchen Internetseiten steif und fest behauptet wird: Die Corioliskraft ist eine Kraft, die sich durch die Erddrehung ergibt und dafür sorgt, dass sich Hochdruckgebiete auf der Nordhalbkugel rechtsherum drehen. Aber Windräder drehen sich überall rechtsherum, nicht nur auf der Nordhalbkugel. Das liegt einfach daran, dass die Rotoren so gebaut sind.Praktisch für den Windkraftanlagen-Markt: weltweiter Standard
Die Drehrichtung ist für die Funktionsweise völlig egal. Es ist nur einfach praktischer, wenn es eine einheitliche Richtung gibt. Der Uhrzeigersinn hat sich durchgesetzt. Früher, in der Zeit der Windmühlen, waren die Traditionen sehr unterschiedlich: Es gab Länder wie Dänemark und Holland, wo sich die meisten Windmühlen linksherum gedreht haben, in Norddeutschland drehten sie sich eher rechtsherum. Bei den modernen Windkraftanlagen war es anfangs auch so. Die frühen Windräder in Dänemark haben sich linksherum gedreht. Diese regionalen Traditionen gibt es bei den Windkraftanlagen nicht mehr, weil das ja einen weltweiten Markt betrifft. Da hat sich die Drehung im Uhrzeigersinn einfach als weltweiter Standard durchgesetzt – auch wenn es dafür keine offizielle Norm gibt. Es ist sinnvoll, weil die Produktion dadurch einfacher ist: Die Rotorblätter der Windräder sind im Längsprofil asymmetrisch geformt – sie haben eine Luv- und eine Leeseite, sodass sie die Windkraft möglichst effizient in eine Drehbewegung umsetzen. Wollte man jetzt neben den rechtsdrehenden auch linksdrehende Windräder bauen, bräuchte man zusätzlich spiegelverkehrt gebaute Rotorblätter. Das wäre technisch kein Problem, würde aber mehr Aufwand bedeuten als wenn man immer nur einen Typ herstellt.Gleichmäßiges Drehen ruft Windkraftgegner nicht zusätzlich auf den Plan
Neben diesen praktischen Gründen kommen vielleicht auch noch ästhetische hinzu: Windräder werden ohnehin schon von vielen als eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes wahrgenommen. Wenn sich nun in einem großen Windpark die einen Räder rechtsrum und die anderen linksrum drehen, würde das unter Umständen noch unruhiger wirken als wenn sich alle Räder in die gleiche Richtung drehen.Johannes, Erik und Eriks Frau diskutieren: der Uhrzeigersinn gewinnt
Warum aber gerade der Uhrzeigersinn? Dazu gibt es eine Geschichte, die man sich in der dänischen Windindustrie erzählt. Demnach fiel die Entscheidung 1970 in Dänemark. Es gab zwei Brüder, die beide in der Windbranche tätig waren: Erik und Johannes Grove-Nielsen. Diese Brüder waren Konkurrenten. Der eine, Erik, hat nun eines Abends am Küchentisch seine Rotorblätter entworfen und dabei mit seiner Frau auch die Drehrichtung besprochen. Daraufhin meinte die Frau sinngemäß: Die Blätter vom Johannes laufen linksherum, deshalb sollten sich unsere rechtsherum drehen. Und nachdem sich Eriks Firma in den darauf folgenden Jahren zu einem weltweit führenden Rotorblatthersteller entwickelt hat, so die Geschichte, hätten sich die rechtsdrehenden eben durchgesetzt.Sun, 12 Oct 2025 - 03min - 6598 - Warum ist Feuer rot-gelb?
Hitze bringt Rußteilchen zum Glühen
Das Rot-Gelbe, das wir in den Flammen am Kaminfeuer oder in der Kerze sehen, ist nichts anderes als glühender Ruß. Die Farbe kommt also nur von der Hitze, die die Rußteilchen zum Glühen bringt. Sie hat mit dem Verbrennungsprozess als solchem nur insofern zu tun, als die Verbrennung die Hitze liefert. Denn was passiert, wenn wir Holz oder – in einer Kerze Wachs – verbrennen? In beiden Fällen wird der darin enthaltene Kohlenstoff oxidiert, d.h. er verbindet sich mit dem Sauerstoff in der Luft. Dadurch entsteht als Abfallprodukt entweder das berüchtigte Kohlendioxid oder auch Kohlenmonoxid – also Gase. Das ist eine chemische Reaktion. Weil aber in einer normalen Flamme die Sauerstoffzufuhr eingeschränkt ist, erfolgt die Verbrennung immer unvollständig – es bleibt immer eine Menge Kohlenstoff übrig, der nicht oxidiert – das ist der Ruß. Bei der Verbrennung wird aber gleichzeitig Wärme frei. Und so entstehen in der Flamme Temperaturen von 1200 bis 1400 Grad. Bei dieser Hitze fangen die Rußteilchen an zu glühen – das ist das Gelb-Rote, was wir sehen.Warum wird etwas rot, wenn es heiß wird und glüht?
Im Regelfall ist das die sogenannte Schwarz-Körper-Strahlung. Das klingt widersprüchlich, weil der Körper ja gerade nicht schwarz ist, sondern rot. Der Ausdruck soll aber sagen, dass diese Strahlung unabhängig ist von der Farbe, die ein Gegenstand sonst hat. Das heißt, bei jeder Temperatur sendet ein Körper eine gewisse Grundstrahlung aus. Meist sehen wir die nicht, weil sie nicht im Bereich des sichtbaren Lichts ist. Aber wenn der Körper heißer wird – also etwa bei 1200 Grad – dann nimmt diese Grundstrahlung eine rot-gelbe Farbe an. Und wenn er noch heißer wird, kommen immer mehr bläuliche Anteile dazu, sodass der Körper insgesamt weißer wird.Und wenn die Flamme blau ist?
Blaue Flammen sind eher ein Zeichen dafür, dass der Brennstoff vollständig verbrannt wird und eben kein Ruß entsteht. Manche Stoffe nehmen aber auch eine typische Farbe an, wenn sie verbrennen. Wir kennen das vom Feuerwerkskörper, wo verschiedene Metalle verwendet werden, um am Himmel bestimmte Farben zu erzeugen. Das ist aber dann keine "Glüh-Farbe", sondern da entsteht die Farbe aus einer chemischen Reaktion heraus.Sat, 11 Oct 2025 - 02min - 6597 - Wie funktioniert eine Lavalampe?
Hydrophob und hydrophil: zwei verschiedene Flüssigkeiten im Einsatz
In Lavalampen ist natürlich keine echte Lava. Trotzdem sind die Lampen spannend – ein kleines Physik-Experiment im Wohnzimmer. Die hypnotische Bewegung der Blasen in der Flüssigkeit kommt durch die unterschiedliche Dichte der Flüssigkeiten zustande. Die Lampe, die unten im Sockel verbaut ist, ist nämlich nicht nur zum Beleuchten der Glasröhre da, sondern erhitzt auch die "Lava", die in Wahrheit eine zähflüssige Masse ist, ähnlich wie Wachs. Die zweite Flüssigkeit wird Trägerflüssigkeit genannt. Deren Zusammensetzung halten die Hersteller streng geheim. Wichtig für den Effekt ist jedoch, dass sich die beiden Flüssigkeiten nicht mischen, sondern klare Blasen geformt werden können. Das geht, weil die Trägerflüssigkeit hydrophil, also "wasserliebend", ist. Das Wachs dagegen ist eine hydrophobe Flüssigkeit und damit wasserabweisend. Hydrophile und hydrophobe Flüssigkeiten mischen sich nicht.Auch auf die Dichte kommt es an
Die Trägerflüssigkeit hat außerdem eine geringere Dichte als das Wachs und schwimmt deshalb oben. Zumindest solange die Lampe ausgeschaltet ist. Schalten wir nun die Lampe ein: Das Wachs ist am Anfang fest und liegt auf dem Boden. Lässt man die Lampe jedoch lang genug brennen, erhitzt sie die beiden Stoffe. Das Wachs verändert seine Dichte pro Temperatureinheit jedoch stärker als die Trägerflüssigkeit. Wenn man beide also gleich erhitzt, dehnt sich das Wachs stärker aus und wird dadurch leichter als die Trägerflüssigkeit. Dadurch steigt die "Lava" in Kugelform so lange auf, wie sie heiß und damit leichter ist. Sobald sie oben an der Flasche abkühlt, erhöht sich ihre Dichte wieder; sie wird somit schwerer als die restliche Flüssigkeit und sinkt ab. Am Boden angekommen, erhitzt sich die "Lava" wieder durch die Lampe. So entsteht ein kontinuierlicher Kreislauf, bis man den Stecker zieht oder die Lampe ausschaltet. Die Strömungen durch die unterschiedliche Dichte in der Lavalampe sind ein anschauliches Beispiel dafür, wie auch in der Natur die großen Strömungen in unseren Meeren und auch in der Luft durch unterschiedliche Dichten und Temperaturen entstehen.Fri, 10 Oct 2025 - 01min - 6596 - Warum haben wir Finger- und Zehennägel?
Evolutionstechnisch sind Finger- und Zehennägel ein Überbleibsel von entfernten Vorfahren, die noch Krallen zum Klettern hatten. Schon bei den Primaten haben sie sich aber zu abgeflachten Nägeln entwickelt, die wir so ähnlich heute immer noch haben. Auch wenn wir nicht mehr mit ihnen klettern: Ohne sie zu leben würde auch kein Spaß machen.
Schutz der empfindlichen Zehen- und Fingerkuppen
Sie schützen nämlich immer noch unsere empfindlichen Finger- und Zehenkuppen vor Stößen und Verletzungen. In denen sind nämlich viele empfindliche Nerven- und Sinneszellen, damit wir gut tasten und Berührungen wahrnehmen können. Ohne den Schutz der Nägel wären viele Handgriffe unangenehm. Und immer, wenn wir uns stoßen, würde nicht der Nagel den Stoß abfangen, sondern im ärgerlichsten Fall würden wir direkt die Nerven verletzen.Nägel geben Stabilität und unterstützen die Feinmotorik
Außerdem geben die Nägel uns zusätzlich Stabilität, um beim Laufen nicht das Gleichgewicht zu verlieren und Dinge besser greifen zu können. Die uns nahen Menschenaffen nutzen ihre kurzen Nägel zudem für feinmotorische Aufgaben, wie das Festhalten von Ästen oder das Entfernen von Zecken. Ähnlich wie bei unseren Fingernägeln helfen dort die Zehennägel, die Gegenstände besser zu fühlen und festzuhalten. Sie sind also auch Werkzeuge. Amerikanische Forscher haben Skelette von Urprimaten gefunden, die schon vor fast 56 Millionen Jahren Fingernägel hatten. Das ist besonders, weil die Primaten damals noch auf Bäumen lebten. Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Nägel gleichzeitig mit den Fingerkuppen entwickelt haben. Die waren im Vergleich zu den Fingern vorher so feinfühlig und gut von den Nägeln geschützt, dass die Urprimaten damit wahrscheinlich Äste sicherer greifen und damit geschickt klettern konnten. Ohne Finger- und Zehennägel könnten wir also weder Dinge gut fühlen, noch sicher gehen und balancieren. Doch auch wenn der Schutz sehr gut ist: Auf beiden Seiten der Fingerkuppe einen Nagel zu haben, würde nicht funktionieren. Denn dann könnten wir gar nichts mehr mit unseren Fingerkuppen fühlen.Runter von den Bäumen – ran an die Nagelscheren!
Interessanterweise wachsen unsere Finger- und Zehennägel immer noch ständig weiter, was auch eine Erinnerung an unsere Vorfahren mit Krallen ist. Denn damals wurden die Krallen durch das Klettern so stark abgenutzt, dass ständig neue Krallen produziert werden mussten. Natürlich nutzen wir Menschen unsere Nägel heute nicht mehr so stark ab, weshalb regelmäßig die Nagelschere zum Einsatz kommen muss.Wed, 8 Oct 2025 - 02min - 6595 - Warum wird Wachs transparent, wenn es flüssig wird?
Ich versuche es mal mit Wasser zu vergleichen und dabei auch den Unterschied zu Wasser zu verdeutlichen. Beide Stoffe – Wasser und Wachs – sind im flüssigen Zustand transparent (reines Wasser natürlich noch ein bisschen mehr als vergleichsweise trübes Wachs). Im festen Zustand gibt es Unterschiede. Wenn Wasser friert, ist das Eis im Idealfall immer noch transparent, wie die Eisschicht auf einer zugefrorenen Pfütze. Sehr oft aber ist das Eis undurchsichtig. Das liegt dann meist an Lufteinschlüssen im Eis.
Eis besteht aus gitterförmig angeordneten Wassermolekülen
Und man kann es sich etwas vereinfacht so vorstellen: Wenn das Wasser sauber ist, dann geht das Licht durch dieses Gitter durch. Aber dieses regelmäßige Gitter wird oft durch Lufteinschlüsse gestört, und dann wird das Licht an diesen Lufteinschlüssen in die verschiedensten Richtungen reflektiert. Dadurch wird Eis dann undurchsichtig. Wenn Wachs abkühlt und fest wird, wird es auch undurchsichtig. Aber das liegt dann nicht an Lufteinschlüssen, sondern daran dass das Wachs selbst schon ein Stoffgemisch ist. Von Wasser gibt es nur eine Molekülsorte, nämlich H2O. Aber Wachs besteht aus einer ganzen Menge von – zwar ähnlichen – aber unterschiedlich großen Molekülen. Und wenn das Wachs abkühlt, dann entsteht eben kein schönes regelmäßiges Gitter, sondern eine amorphe – d.h. strukturlose – Masse aus ganz unterschiedlich großen Wachskristallen, großen, kleinen, mittleren, die sich in alle möglichen Richtungen ausrichten. Und somit können die Lichtstrahlen eben nicht störungsfrei durchgehen, sondern treffen schon gleich an der Oberfläche auf Moleküle, an denen sie reflektiert oder gestreut werden. Und damit wird das Wachs undurchsichtig.Ein Unterschied zu Wasser ist, dass Wachs bei bestimmten Temperaturen weder richtig flüssig noch richtig fest ist, sondern zähflüssig. Hängt das auch mit dieser Struktur zusammen?
Das liegt genau daran, dass die einzelnen Wachsmoleküle unterschiedlich groß sind. Je größer die Moleküle, desto höher ist auch der Schmelzpunkt. Wenn man Wachs abkühlt, verfestigen sich erstmal die großen Moleküle, und dieses Gemisch aus verfestigten und den kleinen noch immer flüssigen Molekülen macht dann in der Summe eine zähflüssige Masse. Je mehr sie abkühlt, desto höher ist der Anteil der verfestigten Wachskristalle, aber dieses Verfestigen ist eben ein kontinuierlicher Prozess, und geschieht nicht, wie beim Wasser, ganz plötzlich.Tue, 7 Oct 2025 - 02min - 6594 - Warum haben Windräder immer drei Flügel?
Wäre es technisch nicht einfacher, Windräder mit mehr, dafür aber kürzeren und breiteren Flügeln zu bauen?
Bei Windrädern ist die Frage: Wie viel Flügel sind optimal? Ich habe mir das ausführlicher erklären lassen von Professor Thomas Große Böckmann, Energietechniker an der Universität Bochum. Der sagt: "Die Fläche des Windrads wäre völlig ausgefüllt mit lauter Flügeln. Das heißt, es käme gar kein Wind mehr durch. Das wäre sicher nicht so optimal, denn dann könnte sich das Windrad gar nicht mehr drehen, wenn das ganze Windrad voll mit Flügeln wäre."Aber sie werden ja schräg gestellt, wie man das bei den Kinderspielrädern hat.
Genau. Die andere Möglichkeit sind Windräder mit nur einem einzigen Flügel. Das hätte dann zur Folge, dass sich das Rad schneller dreht und dabei die Energie auch fast vollständig ausschöpft. Das Problem ist nur, dass diese Windräder mit nur einem Flügel sehr instabil sind. Wenn Sie sich vorstellen, da hängt an einer Seite ein Flügel und der dreht sich dann durch, das ist für die Stabilität der Drehung nicht so besonders gut. Drei Flügel sind im Grunde der bestmögliche Kompromiss. Denn wenn Sie viele, auch schräg gestellte Blätter haben, ist es natürlich ein wahnsinniger Materialverbrauch, der da zu Buche schlägt. Das heißt, diese drei Flügel – man will ja mit möglichst wenig Material auskommen, während das Rad einigermaßen stabil läuft – ist im Grunde ein Kompromiss aus bestmöglicher Ausnutzung der Windenergie einerseits und trotzdem möglichst wenig Materialverbrauch und viel Stabilität.Warum nicht vier? Warum ausgerechnet drei?
Bei vier Flügeln würden sich zwei Flügel gegenüberstehen. Das Windrad dreht sich ja vor einem Turm. Wenn nun dieser senkrechte Flügel vor dem Turm dreht, dann kriegt er keinen Wind mehr. Und wenn das unten auch noch passiert, dann auch nicht. Dann entsteht plötzlich eine Unwucht. Bei dreiflügligen Windrädern sind auf beiden Seiten zwei Flügel, die das wieder ausgleichen können. Und bei vieren wäre es so, da wären gleich zwei Flügel, die plötzlich keinen Wind mehr kriegen. Und das würde dann eine ziemliche Instabilität bringen. Genau genommen ist es also der Punkt mit dem Turm, warum man auf jeden Fall auf eine ungerade Zahl von Flügeln setzt.Sun, 5 Oct 2025 - 02min - 6593 - Wie halten Tiefseefische den enormen Wasserdruck aus?
Schwimmblase wird mit Muskelkraft gehalten
Grundsätzlich bereitet der Wasserdruck keine Probleme; er ist innen so hoch wie außen. Probleme entstehen erst dann, wenn man die Tiefe ändert, also wenn man auf- und wieder absteigt. Speziell Tiefseefische, die in den oberen Bereichen zwischen 1.000 und 2.000 Metern leben und in der Nacht an die Oberfläche kommen, haben Probleme, diesen Druckunterschied auszugleichen. Die Schwimmblase der Fische läuft Gefahr, beim Aufsteigen zu zerplatzen. Sie wird deshalb mit Muskelkraft zusammengehalten.Mit Sauerstoff gefüllte Schwimmblase hilft durch sauerstoffarme Zonen
Gleichzeitig müssen diese Tiefseefische noch durch eine Zone mit sehr wenig Sauerstoff. Die liegt meistens zwischen 500 und 800 Metern. Die Fische lösen das, indem sie vorher Sauerstoff in ihre Fischblase hineingeben und ihn wieder ausatmen, während sie durch die sauerstoffarme Zone schwimmen.Wed, 1 Oct 2025 - 01min - 6591 - Warum ist Vulkanasche so fruchtbar?
Poröse Aschepartikel speichern Wasser
Das hat mehrere Gründe: Vulkanasche besteht meistens aus sehr porösen Partikeln, z. B. kleine Stücke von Bims – also Glasgehäuse, in denen sich Löcher befinden. Dort, wo es nicht so viel regnet, z. B. auf den östlichen Kanarischen Inseln, kann sich die Feuchtigkeit über Nacht aus den Wolken am Boden niederschlagen und wird tagsüber in diesen porösen Partikeln gespeichert. So steht das Wasser den Pflanzen tagsüber sehr viel länger zur Verfügung als wenn es auf polierte Sandkörner träfe; da würde die Feuchtigkeit schnell versickern.Silikatschmelze setzt Nährstoffe für die Pflanzen frei
Asche, also Partikel unter 2 Millimetern oder auch größere Partikel, die wir Lapilli nennen, besteht vor allem aus Glas. Das ist abgeschrecktes Magma, abgeschreckte Silikatschmelze. Das ist nicht sehr stabil und wird durch das Grundwasser leicht "angelöst", um es vereinfacht auszudrücken. Dabei werden sehr viele für das Wachstum von Pflanzen wichtige Elemente frei.Mon, 29 Sep 2025 - 01min - 6590 - Warum löscht Wasser Feuer?
Wasser kühlt
Einfach gesagt: Weil Wasser kühlt. Das überrascht vielleicht, denn intuitiv würden die meisten Menschen wohl denken: Dass Wasser Feuer löscht, liegt daran, dass das Wasser selbst nicht brennbar ist. Und wenn es ein Stück Holz benetzt und durchfeuchtet, kann das nasse Holz aus diesem Grund nicht mehr brennen.Wasser entzieht dem Feuer Energie
Der eigentliche Grund ist aber ein ganz anderer: Wasser entzieht dem Feuer Energie. Nämlich dann, wenn es verdampft. Wasser zum Verdampfen zu bringen, braucht unheimlich viel Energie. Das macht man sich oft nicht klar. Das liegt an den berühmten Wasserstoffbrücken: Wasser, also H2O, ist eine Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff. Es sind aber nicht lauter einzelne H2O-Moleküle, die da vor sich hintreiben. Die einzelnen Moleküle hängen durch jene Wasserstoffbrücken stark aneinander: Das wirken sozusagen elektrische Anziehungskräfte zwischen den Wasserstoff- und den Sauerstoffatomen.Wasserstoffbrücken "sprengen" kostet Energie
Wenn man Wasser verdampfen will, muss man diese Brücken sprengen, und dazu braucht man viel Energie, sprich Wärme: Um einen Liter Wasser zu verdampfen – also um lediglich der Übergang vom flüssigen in den gasförmigen Aggregatzustand herbeizuführen – benötigt man 7-mal so viel Energie wie nötig ist, um die gleiche Menge Wasser von Zimmertemperatur auf 100 Grad Celsius zu erhitzen. Deswegen ist es eine große Energieverschwendung, Wasser im Topf ohne Deckel zum Kochen zu bringen. Da verdampft viel Wasser unnötig, und beim Verdampfen wird mehr Energie verbraucht als durch das reine Erhitzen. Dieser Effekt greift also auch beim Feuer: Wenn man Wasser über einen brennenden Gegenstand kippt, verdunsten Teile des Wassers, und dabei wird dem heißen Stück Holz oder der Kohle so viel Energie entzogen, dass es für das Feuer nicht mehr reicht. Das ist der entscheidende Grund dafür, dass Wasser zumindest in vielen Fällen Feuer löschen kann.Sat, 20 Sep 2025 - 02min - 6589 - Warum wird das Wasser knapp? Es gibt doch einen geschlossenen Wasserkreislauf
Wenn von Wasserknappheit die Rede ist, geht es meist um einzelne Regionen; das kann mal Kalifornien sein, mal Ostafrika. An manchen Stellen ist der Wassermangel chronisch – mit der Folge, dass große Binnengewässer wie etwa der Aralsee oder das Tote Meer austrocknen. In all diesen Fällen hat das nichts damit zu tun, dass sich die Gesamtmenge an Wasser auf dem Globus ändern würde. Ausschlaggebend ist vielmehr die Verteilung des Wassers.
Klimawandel: Wüstenzone Nordafrikas hat sich nach Südeuropa ausgedehnt
Das kann zum einen mit dem Klima zusammenhängen. Weltweit gesehen nehmen die Niederschläge infolge des Klimawandels tendenziell zu – der Wasserkreislauf wird beschleunigt, es verdunstet mehr und infolgedessen regnet es auch mehr. Nur regnet es eben nicht überall auf der Erde gleichmäßig, sondern an manchen Stellen mehr, an anderen weniger. Selbst wenn übers Jahr gesehen die Niederschläge in einer Gegend gleich bleiben, kann es passieren, dass es mal wochenlang nicht regnet – dann herrscht dort Wasserknappheit. Durch den Klimawandel beispielsweise hat sich die Wüstenzone Nordafrikas schon nach Südeuropa ausgedehnt, sodass dort das Wasser verstärkt knapp ist. Anderswo auf der Erde regnet es dafür mehr. Kurz: Regionale Wasserknappheit kann einfach durch eine ungünstige Verteilung der Niederschläge entstehen.Landwirtschaft und Wassernutzung haben großen Einfluss auf Wasserknappheit
Ein aber fast noch wichtigerer Auslöser für Wasserknappheit ist die Art der Wassernutzung. Warum trocknet der Aralsee aus? Weil riesige Mengen an Wasser, die früher in den See geflossen sind, abgezweigt werden zur Bewässerung der Baumwollplantagen. Und alles Wasser, das ich für Landwirtschaft verwende, geht in dem Sinne verloren, dass es nicht mehr für andere Zwecke zur Verfügung steht – auch nicht als Trinkwasser. Natürlich transpirieren die Baumwollpflanzen das Wasser, das sie zum Wachsen benötigen auch wieder in die Atmosphäre – aber es regnet dann eben nicht über dem Aralsee nieder – wo es normalerweise hingeflossen wäre – sondern anderswo. Das ist global gesehen das Problem: Eine immer größere Menschheit benötigt immer größere Ackerflächen. Deshalb wird immer mehr Regenwasser oder Flusswasser zur Bewässerung von Pflanzen eingesetzt. Es verdunstet, gleichzeitig sinkt der Grundwasserspiegel – so entsteht Wasserknappheit.Sat, 13 Sep 2025 - 02min - 6588 - Wie misst man das Gewicht eines Schiffes – beispielsweise der "Titanic"?
Man kann sich kaum vorstellen, dass man dieses Schiff wirklich an eine Waage gehängt hat. Aber man kann ein Schiff ganz einfach "wiegen", indem man die Auftriebskraft nutzt – also den Grund, warum ein Schiff überhaupt schwimmt. Die Auftriebskraft kompensiert die Gewichtskraft. Sie ist also genauso groß wie das Gewicht des Schiffes. Nun gilt das Prinzip des Archimedes – das Prinzip ist also schon mehr als 2.000 Jahre bekannt: Die Auftriebskraft ist genauso groß wie die Masse der vom Schiff verdrängten Flüssigkeit.
Auftriebskraft = Gewicht
Da die Auftriebskraft gleich der Gewichtskraft ist, muss man diese messen. Dazu müssen Sie wissen, wie viel Wasser die Titanic verdrängt. Das können Sie sich folgendermaßen überlegen: Die Titanic war 269 Meter lang und im Durchschnitt 20 Meter breit. Vorne war sie etwas schlanker, in der Mitte etwas breiter, aber im Durchschnitt 20 Meter breit. Sie hatte 10 Meter Tiefgang. Wenn Sie diese drei Zahlen miteinander multiplizieren, kommt 53.800 raus. Jetzt müssen Sie nur noch wissen, dass 1 Kubikmeter Wasser eine Tonne wiegt. Das ergibt 53.800 Tonnen.Ein Liter Wasser wiegt ein Kilogramm
Ein Liter entspricht sozusagen 10 x 10 x 10 Zentimeter – wie ein kleiner Würfel. Den müssen Sie in jeder Dimension um zehn verlängern. Das heißt, da kommt ein Faktor 1.000 raus. Also ist eine Tonne = 1.000 Kilo und 1.000 Kilo entsprechen einem Kubikmeter.Tue, 2 Sep 2025 - 01min - 6587 - Wie nannte man das "Mittelalter" im Mittelalter?
Die Zeit zwischen Altertum und Neuzeit
Wir können heute vom Mittelalter sprechen, weil wir in der "Neuzeit" leben. Aber natürlich hat um 1000 n. Chr. niemand gesagt, "Ich lebe im Mittelalter." – Der Begriff ergibt nur Sinn aus der Perspektive einer späteren Zeit, die sich selbst als "Neuzeit" definiert hat. Für uns beginnt die "Neuzeit" mit der Renaissance und der Rückbesinnung auf das Erbe der Antike. Dadurch ergibt sich die etablierte Dreiteilung. Es gibt das Altertum – die "gute alte Antike", also die Zeit bis zum Ende des Römischen Reiches; es gibt die "Neuzeit" – eben die Zeit ab der Renaissance. Man kann auch sagen: Die Zeit seit der europäischen Expansion nach Amerika, Asien und Afrika. Und die Zeit zwischen Altertum und Neuzeit nannte man dann einfach Mittelalter.Augustinus: sechs Zeitalter vom Anfang bis zum Ende der Welt
Im Mittelalter sprach man nicht vom Mittelalter, man sah sich aber auch nicht als Neuzeit. Zumindest in der Welt der Kirche hatte man eine ganz andere Zeitrechnung, nämlich die von den sechs bzw. sieben Weltzeitaltern. Die Idee geht zurück auf den Heiligen Augustinus, der im fünften Jahrhundert lebte. Augustinus formulierte die Theorie, dass vom Anfang bis zum Ende der Welt sechs Zeitalter vergehen, jedes 1.000 Jahre lang. Und nach dieser Theorie lebten die Menschen in der Zeit, die wir heute Mittelalter nennen, im sechsten und damit letzten Weltzeitalter – das heißt, man steuerte aufs Ende der Welt und somit aufs Jüngste Gericht zu.Wie ist Augustinus darauf gekommen?
Die Grundlage für seine Theorie war eine Stelle aus dem 2. Brief des Petrus, wo es heißt, dass "beim Herrn ein Tag wie 1.000 Jahre und 1.000 Jahre wie ein Tag sind". Also: 1000 Jahre sind mit einem Tag zu vergleichen. Nun steht in der Bibel, Gott habe die Welt in sechs Tagen erschaffen. Der Analogieschluss war nun: Wenn man einen Tag mit 1.000 Jahren gleichsetzt, und in dieser Sechs-Tages-Logik denkt, kommt man auf 6.000 Jahre. Diese Zahl passte wiederum ganz gut zu den Zeitangaben in der Bibel. Da steht ja genau drin, wer von wem abstammt und wer wie lange gelebt hat. Als die frühen Christen das bis Adam zurückrechneten, haben sie ermittelt, dass von Beginn der Welt grob 5.000 Jahre vergangen sind. Und so kam die Theorie: 5.000 Jahre entsprechen fünf Zeitaltern von je 1.000 Jahren. Diese Rechnung steht im Gegensatz zu der, die dem jüdischen Kalender zugrunde liegt und die Schöpfung im Jahr 3761 Jahre v. Chr. ansetzt.Letztes Zeitalter beginnt nach Augustinus mit Christi Geburt
Das erste Zeitalter dauerte von Adam bis zur Sintflut. Das zweite von der Sintflut bis zu Abraham – und so ging das weiter. Das fünfte Zeitalter wiederum endete laut Augustinus schließlich mit der Ankunft von Jesus Christus. Und also begann damit auch das sechste und letzte Zeitalter. Eben das christliche Zeitalter – Aetas Christiana. Und wenn das vorbei ist, dann – so die Vermutung – kommt der Jüngste Tag. Und das war’s dann.Renaissance: Mittelalter wird als Mittelalter definiert
Doch der Jüngste Tag kam dann doch nicht, die Welt drehte sich weiter und so verschwand diese Art der Zeitrechnung in der Versenkung – bis in der Renaissance das Mittelalter als "Mittelalter" definiert wurde.Tue, 2 Sep 2025 - 03min - 6586 - Gibt es aggressionsfreie Kulturen?
Aggressionsneigung bei allen Menschen vorhanden
Man kann sagen, dass Aggression ein verbindendes Element der Kulturen ist. Zwar gibt es keinen Aggressionstrieb im engeren Sinn, wie das früher vielleicht behauptet wurde. Aber es gibt bei allen Menschen eine gewisse Aggressionsneigung. Außerdem kann man feststellen, dass diese Neigung bei Männern tendenziell höher ist als bei Frauen, wenn wir Aggression nicht nur als Aggression mit Worten oder durch Witze auffassen, sondern als körperliche Gewalt. Diese Tendenz ist bei Männern eindeutig quer durch alle Kulturen gleich.Kulturen gehen unterschiedlich mit Gewalt um
Kulturen unterscheiden sich sehr stark darin, inwiefern sie dieses Verhalten fördern oder etwas dagegen tun. Es gibt Kulturen, die die Männlichkeit ganz explizit unterstützen, indem sie Jungen verbieten zu weinen, sehr früh Kampfspiele einführen usw. und das bei Mädchen anders handhaben. Allerdings gibt es auch Kulturen, die genau das Gegenteil machen. Dort versucht man, sehr ausgleichend zu wirken und sogar Aggression bei Konflikten zu verhindern. Aber es gibt kein Volk, das als glückliche, friedliche Ethnie vom Himmel gefallen ist. Das ist die interessante Erkenntnis: Alle Kulturen müssen gegen Aggression explizit aktiv werden, wenn sie sie einschränken wollen.Mit Ritualen und Gesprächen gegen Aggression
In Malaysia gibt es zum Beispiel Kulturen, die, wenn ein gewaltsamer Konflikt droht, die beiden Parteien zusammenführen und in einem Ritual die Wichtigkeit des friedlichen Umgangs für die ganze Gruppe betonen. Das wird sehr aktiv mit viel Aufwand, vielen Ritualen und vielen Gesprächen betrieben und zwar so, dass jeder der beiden Kontrahenten mit geradem Rückgrat aus diesen Verhandlungen wieder herausgehen kann. Auf diese Weise wird Aggression abgebaut bzw. verhindert.Fri, 29 Aug 2025 - 01min - 6585 - Wie entsteht das Durstgefühl im Körper?
Wichtig: richtiges Verhältnis von Wasser und Salz
Durst signalisiert uns: Wir sollten etwas trinken. Also könnte man denken, der Körper stellt irgendwie fest, dass Wasser fehlt. Aber so einfach ist es nicht. Denn unser Körper braucht nicht nur Wasser, sondern auch Salz. Und das Verhältnis zwischen beiden muss stimmen – es sollte weder zu viel Wasser noch zu viel Salz da sein. Deshalb muss unser Körper das ständig ausbalancieren. Man kann sich das am Beispiel einer Brühe auf dem Herd vorstellen: Wenn Wasser beim Kochen verdunstet, schmeckt die Brühe salziger; dann muss man Wasser hinzufügen. Die Brühe kann man im Beispiel gleichsetzen mit unserem Blut. Und jetzt kommt das Gehirn ins Spiel: Das untersucht, wie viel Salz im Blut ist. Wenn zu viel Salz im Blut ist, heißt das: Wir brauchen mehr Wasser. Diese Information wird an andere Regionen im Gehirn weitergeleitet. Die sorgen dafür, dass wir Durst empfinden. Außerdem geht ein Signal an unsere Nieren raus. Die leiten normalerweise überschüssiges Wasser aus dem Blut in den Urin ab. Aber wenn das Durstsignal kommt, leiten sie nur noch so viel Wasser ab, wie unbedingt nötig. Unser Urin wird dadurch salziger, konzentrierter – und bekommt eine starke gelbe Farbe.Wie sorgt der Körper dafür, dass wir nicht zu viel trinken?
Nicht zu viel zu trinken ist eine Herausforderung, denn es kann schon mal eine halbe Stunde dauern, bis das Wasser nach dem Trinken im Blut angekommen ist. Bis dahin würde das Gehirn ja das Signal bekommen, dass Wasser fehlt. Und wir würden weiter Durst haben und Wasser trinken. Zu viel Wasser kann aber auch gefährlich sein. Deswegen kommen noch andere Sensoren ins Spiel. Die messen, wie viel Wasser ungefähr durch unseren Mund und unsere Kehle kommt. Und es gibt Sensoren im Darm, die registrieren, was wir getrunken haben – also wie viel Salz da drin ist. Das geht schnell: Innerhalb weniger Sekunden kommt diese Info im Gehirn an und sorgt dafür, dass das Durstsignal gestoppt wird.Kann man diesen Mechanismus manipulieren?
Die Sensoren in Mund und Kehle, die messen, wie viel wir trinken, reagieren auch auf Temperatur. Vermutlich liegt das daran, dass wenn wir viel trinken, unser Mund dabei kühler wird. Das heißt: Wenn man den Mund kühlt, kommt das gleiche Signal an, wie wenn wir etwas getrunken haben. Das sollte man nur machen, wenn es nicht anders geht, zum Beispiel wenn man im Krankenhaus ist und nichts trinken darf. Dann kann es helfen, einen Eiswürfel zu lutschen, um das Durstgefühl zu stillen.Thu, 28 Aug 2025 - 02min
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